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Deichkind - Niveau Weshalb Warum - (2015)

06.03.2015

 

Genre: Rap / Hip-Hop

 

Release: 30.01.2015

 

Format: Doppel-CD

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 2

 

Label: Sultan Günther Music (Universal Music)

 

Spielzeit: 43 Minuten

 

Pressetext:

 

Yo, Deichkind sind zurück! Und binden sich, nach der Gründung des eigenen Labels „Sultan Günther Music“, nun auch noch als Unternehmer die Sneakers selbst. Ihr neues Album mit dem Titel Niveau Weshalb Warum zeigt eindrucksvoll, warum Deichkind auch künftig weiter dort stehen werden, wo sie nun mal hingehören: An die Spitze der Entertainment-Pyramide. Bereits in den ersten Takten von der ersten Vorab-Single „So’ne Musik“ begegnet das mächtigste Pop-, Performance-, Kunst-, Trash- und Reimerei-Kollektiv der Republik Top-Stylern wie Kanye West auf Augenhöhe. Denn das was sich hier zusammenbraut, wird das wohl schwerste Gewitter, das sich spätestens auf der Tournee durch die Multifunktionshallen und Festivalbühnen wie ein mächtiger Retweet von Zeus höchstpersönlich entladen dürfte. Die eigene Beatschmiede weiß um das „La Di La Di“-Erbe des Old-School-Hip-Hop, hat selbst miterlebt, was man einst New-School nannte, bewegt sich auch ohne Navi locker zwischen Westcoast (in Deutschland ja eher Nordseeküste – also Hamburg) und Eastcoast (quasi Berlin) hin- und her. Man hat Juice und Groove im Abo, findet immer die richtigen Platten auf dem „Flohmarkt“ und begreift das neuste Sidechain-Plugin wie ein Kinderspiel. Nein, Deichkind versprechen uns auf Niveau Weshalb Warum weder einen Harem, noch die schnellen Millionen aus dem dunklen Underground. Sie praktizieren schlicht weg das, was man in guter Hip-Hop-Tradition den „Reality Check“ nennt: Also wo stehen wir? Wo gehen wir hin? Und wie bezahlen wir morgen eigentlich unsere Miete? Als Gamer oder You-Tuber? Eher unwahrscheinlich!

 

Kritik:

 

"Verkauf das letzte Hemd für die Karten vom Konzert

 

Alle wolln' den Abriss

 

Gefedert und geteert

 

Wir haben euch vermisst

 

Es ist viel zu lange her

 

Die Show kann jetzt beginnen und alle nur so: Yeah"

 

Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage dürfte sich zumeist der ein oder andere stellen, wird er zum aller ersten Mal mit dem Schaffen dieser absoluten Ausnahme-Band konfrontiert. Denn wenn die Hamburger Formation mit ihrer einzigartigen Mischung aus Hip-Hop, Elektronik und einer immer wieder aufblitzenden Punk-Attitüde ruft, gibt es für viele und allem Anschein nach die Band selbst, absolut kein Halten, keine Regeln oder gar Konventionen mehr. Nein, wenn diese Band ihre Signale aussendet, folgen die Massen. Und zwar direkt hinein, in einen absurden Mix, einen technoid-futuristischen Fiebertraum aus Konfetti, Plastik, Neonfarben, Krawall und Remmidemmi. 


Schnell sind da vorschnelle Schlüsse gezogen, doch ist es nicht ganz so einfach und eindeutig wie es oftmals auf den ersten, oberflächlichen Blick scheint. Entgegen des Offensichtlichen ist es eben keine reine Partymusik mit Aufruf zum großen Besäufnis, viel zu oft versteckt sich da kritische und bissige Doppeldeutigkeit, viel zu oft scheint das Gehörte zu vielschichtig um nur oberflächlich sein zu können. Sie schlagen seit jeher eine Brücke zwischen Genie und Wahnsinn, Kritik und Spaß. Vereinen das, was eigentlich gar nicht zusammenpassen will.


Das Konzept ist, das es keines gibt. Die Erwartungen existieren bloß, damit mit ihnen gebrochen werden kann. Man weiß weder bei Veröffentlichung oder Live-Show, was genau einen da erwartet. Und doch wirkt das Gebotene irgendwie vertraut. Vertraut und doch völlig anders. Es ist auf eine seltsame Art und Weise genau das, was man erwartet und sich insgeheim gewünscht hat, doch nicht in klare Worte und Bilder fassen konnte. Man wusste dass es kommt, doch wusste man nicht wie es aussehen, klingen, wirken und sein wird. Und genau mit diesem Umstand spielen sie: "Deichkind". Die Nordlichter um Philipp "Kryptic Joe" Grütering, Sebastian "Porky" Dürre und Sascha "Ferris Hilton" Reimann sind gut drei Jahre nach ihrem mehrfach ausgezeichneten 2012er Werk "Befehl Von Ganz Unten" zurück und in der Gegenwart angekommen. "Niveau Weshalb Warum" heißt ihr neues Album und bietet facettenreich wie eh und je von allem ein bisschen, doch wirkt dabei nie gewöhnlich, langweilig oder gar wie schon einmal gehört. Sie bieten dem Hörer das erwartete Unerwartete, überraschen, verblüffen und begeistern. Was genau damit gemeint ist, lest ihr jetzt. Ein versuchter Blick hinter die Kulissen und ins Innere der knallbunten Abstrusitäten-Maschinerie und organisierte Chaos.

 

Aus dem heiteren Himmel landet ein Clip im Netz, eine etwas andere Art des Announcement-Teasers, ein Appetizer und Vorgeschmack auf das Kommende. Ein komplett fertiger, sauber ausproduzierter Track, inklusive Video. Die anschließenden Begeisterungsstürme sprechen ihre ganz eigenen Bände. Die Rede ist vom Album-Opener "So 'Ne Musik". Donnernde Bässe, minimalistische, verzerrte und irgendwie bizarre Elektro-Sounds durchtrennen das Band der Stille. Die Fans haben ihre Helden vermisst und auch "Deichkind" sehnen sich wieder nach neuer Musik und einem Bad in der Menge ihrer Anhängerschaft. Sie sind zurück und lassen mit dieser Nummer keinen Zweifel daran. Es ist viel zu lange her und der Abriss dutzender Veranstaltungsorte geradezu vorprogrammiert. Seltsam unbemerkt gräbt sich der unkonventionelle, abstrakt instrumentierte Song in die Gehörgänge und wächst dort zum Ohrwurm heran. Irgendwie oldschool, irgendwie neu. Wer macht so etwas heute noch? "Deichkind"! Pulsierende Elektronik und ein eingängiger, fast schon poppiger Refrain leiten die zweite Nummer "Denken Sie Gross" ein. Auf ihre ganz eigene, humorige Weise thematisiert die Band hier den aktuellen Größenwahn und die krankhafte Strebsamkeit nach immer weiterem Wachs- und Reichtum, nach immer mehr Entwicklung, Erfolg und Fortschritt. Lyrisch und musikalisch sauber und einprägsam arrangiert, inklusive des ersten Gitarren-Solos der Bandgeschichte und Refrain zum ausgelassenen Mitsingen. "Like Mich Am Arsch" geht hingegen wieder in eine ganz andere Richtung und erinnert mich reduzierter Elektronik und verquerem Refrain an alte Tage. Mit viel schwarzem, fast schon zynischem Humor, widmet sich die Band hier der virtuellen Suche nach Aufmerksamkeit, Likes und Selbstdarstellung. Ein kritischer, aber nicht allzu mahnender Blick auf die Social-Media-Welt, mit der gewohnten Portion Augenzwinkern, auch wenn sich die volle Wirkung hier erst nach mehrmaligem Hören vollends entfaltet.

 

"Powered By Emotion" hingegen geht mit seinen flotten Synthie-Sounds doch sehr schnell ins Ohr. Thematisch werden hier auf gelungene Art und Weise bekannte Werbesprüche der vergangenen Jahre zitiert, aufs Korn genommen und ganz nebenbei noch auf sich selbst projiziert. Ebenso eingängig wie die Melodie, ist hier auch der wütende, fast schon aggressiv-beschwörende Refrain. Leicht ungewohnt und doch nicht minder wirksam. Noch ungewöhnlichere, sanfte Töne schlägt das folgende "Porzellan und Elefanten" an, welches ungemein Pop-lastig und eingängig daherkommt. Die Thematik verwundert noch mehr: Eine Liebeserklärung, im Stil einer modernen Elektro-Ballade. Gekonnt werden hier textlich diverse Gegensätze aufgeführt und charmant aneinandergereiht. Denn Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Unerwartet, berührend, fast schon zerbrechlich und überraschend einfühlsam. Das "Deichkind" auch diese Seite zeigen können und derartige Musik beherrschen, haben sie hiermit eindrucksvoll bewiesen. Doch schon mit "Mehr Als Lebensgefährlich", in welchem die oberflächlichen, sogenannten "First World Problems" behandelt werden und der Lobes-Hymne "Was habt Ihr?" geht es zurück in schnellere Elektro-Gefilde. Nicht minder ohrwurmig, dafür umso energiegeladener und tanzbarer, huldigen die Hamburger hier ihrem Bandmitglied Ferris Hilton auf ganz spezielle und unterhaltsame Art und Weise. Ein verdächtiger Hit-Kandidat für Clubs und kommende Konzerte. DK haben Ferris, was habt ihr? Mit "Der Flohmarkt Ruft" zeigt sich erneut das kuriose Gesicht der Band. Spaßig und vor Kreativität sprühend nehmen "Deichkind" den Hörer mit auf eine Reise ins Land des ewigen Trödels. Die Melodie: Eine gekonnte Hommage an einen Klassiker aus der Pop-Musik. Der Text: Unsagbar unterhaltend, gewohnt verschroben und zu einem Thema, zu welchem man im heutigen Musik-Business wohl nie einen eigenen Song erwartet hätte.

 

"Naschfuchs" erinnert dann mit seinen dunklen Sounds und wummernden Bässen dezent an "Befehl Von Ganz Unten" aus dem gleichnamigen Vorgänger-Album. Textlich geht man auch hier ungewohnte Wege, es geht schlicht um die Sucht nach Süßigkeiten. Melodisch geht es in die kryptische, mystische Richtung. Zwar eingängig arrangiert, doch wie zu Zeiten von "Aufstand Im Schlaraffenland" auch leicht verschroben und bizarr umgesetzt. Ebenfalls eine bewährte Trademark. Etwas freundlicher ist dann entgegen der Erwartungen die Umsetzung von "Die Welt Ist Fertig" ausgefallen. Entspannte Sounds und gewohnt intelligente Lyrics sind hier die treibende Kraft. Der Refrain wird von einer automatisierten Stimme im Navi-Stil übernommen, das Geräusch einer Mikrowelle setzt dem ganzen in Bezug zum Thema die Krone auf. Auch hier spielt die Band ihre Affinität für große Melodien und das gewisse Quäntchen saubere Pop-Musik aus. Sie wissen was sie tun und zeigen es auch. Ganz anders der Titeltrack: "Niveau Weshalb Warum". Verrückt und abgedreht wie eh und je, fahren "Deichkind" hier im alten Fahrwasser. Getreu der Textzeile "Wer uns fragt, bleibt dumm", erhält der Hörer hier Tipps und Lebensweisheiten, die im Grunde genommen keine sind. Dinge die man wohl aus Gründen der Vernunft besser unterlassen sollte, werden hier besungen und mit einem erneuten Augenzwinkern eher glorifiziert statt kritisiert. Ein Lied gegen die Vernunft? Eine eindeutige Message bleibt hier offen und lädt je nach Gemüt, zur Interpretation oder Eskalation ein. Reduziert und fast schon unplugged, präsentiert sich "Hauptsache Nichts Mit Menschen". Die Bässe wurden zurückgestellt. Sie knallen nicht aus den Boxen, sie unterstützen. Sanft und ruhig. Die Instrumentalisierung erinnert an eine Akustik-Gitarre, kratzig und simpel. Der Gesang wird hier, thematisch passend, mäßig motiviert, schwach und müde vorgetragen. Die Welt ist voller Gewusel, voller Leben und voller Menschen. Keine Lust auf das alles? Die Kinder vom Deich bieten hier die musikalische Entschleunigung.

 

Doch ehe den Hörer auf diese Art sanft aus dem Album zu geleiten, bieten "Deichkind" mit "Oma Gib Handtasche" nochmals die volle Dröhnung. Tanzbare Elektronik erklingt, doch ist dieses Stück eher als reines Instrumental zu verstehen, kommt es textlich abseits der Titelaussage doch ganz ohne Text aus. Rhythmisch. Treibend. Doch leicht enttäuschend. Die limitierte Deluxe Edition des Albums enthält zwei weitere Bonus-Tracks die sich wirklich lohnen, als auch eine zweite CD mit reinen Instrumentals der Songs von CD 1. Die erste Beigabe ist "Selber Machen Lassen" und überrascht mit einer nahezu endlosen Riege an Gast-Sängern. Zum spaßigen Text gesellt sich ein ungemein facettenreiches Spektrum an Musiker-Kollegen wie etwa Smudo ("Die Fantastischen Vier"), Samy Deluxe, Jan Delay, Udo Lindenberg und Marteria, um nur einige zu nennen, welcher sich bei dieser Kollaboration die Ehre geben. In deutlich suspektere Klangwelten geleitet"Schlafwandler". Deutlich limitierte Elektronik und fiepende Synths ergeben zusammen mit dem Gesang ein obskures Gesamtbild. Die Stücke auf CD 2 sind rein instrumental, also gänzlich ohne Gesang, doch ebenfalls recht interessant und unterhaltsam anzuhören. Eine nette, wenn auch nicht unbedingt notwenige Beigabe. Doch allein für die zwei genannten Bonus-Songs, lohnt sich der Kauf der nur geringfügig teureren Digipack-Variante.

 

Tracklist:

 

01. So 'Ne Musik

 

02. Denken Sie Gross

 

03. Like Mich Am Arsch

 

04. Powered By Emotion

 

05. Porzellan Und Elefanten

 

06. Was Habt Ihr?

 

07. Mehr Als Lebensgefährlich

 

08. Der Flohmarkt Ruft (feat. Herr Spiegelei)

 

09. Naschfuchs

 

10. Die Welt Ist Fertig

 

11. Niveau Weshalb Warum

 

12. Hauptsache Nichts Mit Menschen

 

13. Oma Gib Handtasche

 

14. Selber Machen Lassen

 

15. Schlafwandler

 

Fazit:

 

Mit den einleitenden Zeilen ist eigentlich schon alles gesagt. "Deichkind" liefern erneut ein enorm starkes Album und eine gelungene Fortsetzung zu "Befehl Von Ganz Unten" ab. Auf eine sehr spezielle Art vertraut, doch gleichzeitig komplett anders. Eine gekonnte Weiterentwicklung und Verknüpfung von Alt und Neu. Von wohlbekanntem und andersartigem. Teils oldschool und doch innovativ. Die Band behandelt kuriose und aktuelle Themen, mit kritischem Augenzwinkern und viel Humor, doch niemals mit erhobenem Zeigefinger. Texte und Musik regen zum interpretieren und nachdenken, gleichzeitig aber auch zum feiern und tanzen an. Es ist die geschickte Symbiose, die findige Fertigkeit zur Vernetzung von diversen Stilistiken und Themen, von Gewohntem und Ungewohntem, von gängig und alternativ, von Chaos und System, Eingängigkeit und Abstraktion, Spaß und Ernst, Party und Reflexion. Getreu dem Zitat "Passend wie Katzen und Hunde..." aus"Porzellan Und Elefanten", schafft die Kombo hier erneut den Spagat zwischen Kunst und Klamauk. Sicher wird das nicht jedem sofort oder überhaupt gefallen, doch lässt man sich darauf ein, nehmen "Deichkind"einen abermals mit auf eine Reise in ihre verdrehte Parallelwelt. Ganz großes, surreales Kino mit sehnsuchtsvollem Blick auf die kommende Live-Umsetzung. Denn genau dann, entfaltet die Band erst ihre volle, audio-visuelle Pracht und lädt die Besucher zum kollektiven Durchdrehen ein. Hört ihr die Signale?

 

Informationen:

http://www.deichkind.de/nww2015/

https://www.facebook.com/Deichkind/

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