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Eisbrecher - "Volle Kraft Voraus"-Tour - Palladium, Köln - 12.03.2016

15.03.2016

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Köln, Deutschland

 

Location: Palladium

 

Kapazität: ca. 4.000

 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: http://www.palladium-koeln.de

 

Einleitung:

 

Köln. Wieder einmal ist die berühmte Domstadt an diesem Samstag Nachmittag mein Ziel. Wohin geht die Reise dieses Mal, welche ich wie gewohnt via Bahnfahrt antrete? Direkt zum Bahnhof Deutz und von dort aus mit der Straßenbahn weiter in tiefstes Industriegebiet. Für heute haben sich die erfolgreichen Szene- und Chartstürmer von „Eisbrecher“ angekündigt, das altehrwürdige Palladium mit ihrer NDH zu bespielen. Viele erfolgreich absolvierte und viel umjubelte Konzerte liegen hinter der Crew um Kapitän Alexander Wesselsky und auch ich, kam 2015 so manches Mal nicht um die Besatzung herum. Selbstverständlich also, dass auch der neuesten Tour unter dem Motto „Volle Kraft Voraus“ beigewohnt werden muss. Gemeinsam mit vielen anderen, offensichtlichen Anhängern dieser Ausnahmeband, mache ich mich Richtung Konzerthalle auf. Direkt am Eingang schon dir erste Überraschung: Jeder Besucher erhält die exklusive Tour-Single „Wir Sind Gold“, als kleines Dankeschön für die Auszeichnung des letzten Albums „Die Hölle Muss Warten“ und auch eigene „Eisbrecher“-Zigaretten in zwei verschiedenen Varianten werden hier angeboten. Für den passionierten Sammler und Raucher in einer Person natürlich unumgänglich. Das Palladium scheint schon jetzt gut besucht, viele Fans tummeln sich am Merci oder an der Bar, andere befinden sich bei einem kühlen Getränk und einem netten Plausch an der frischen Luft, während anderen wiederum direkt den Innenraum stürmen. Es kann also losgehen!

 

„One I Cinema“:

 

Als erste Band an diesem Abend starten die noch recht jungen „One I Cinema“ durch. Die Gothic-Rock-Band um Frontmann Marco Meyer hat den entscheidenden Nachteil, noch vor relativ leerer Halle spielen zu müssen, lässt sich davon jedoch keinesfalls beeindrucken und startet souverän mit „Falling Into“ oder „The Mirror“ ins Set. Auch Hannes Kelch an der Gitarre, Phillip Steven Albright am Schlagzeug und Ilja John Lappin am Bass machen eine gute und sichere Figur bei ihrem Auftritt und rocken mit melodischen Nummer wie „Insidious“ oder „Not My Fault“ nach vorn. Ein guter Anheizen für das Kommende, wenn auch stilistisch nicht allzu passend. Egal, denn überzeugen und Stimmung aufbauen konnten die Jungs aus Osnabrück allemal!

 

„Unzucht“:

 

Kurz nach 20 Uhr entert die Hannoveraner Formation „Unzucht“ die Bühne, um mit ihrer Mischung aus Dark-Rock und düsteren Metal-Versatzstücken einzuheizen. Energetisch wie eh und je, legt die Band um Sänger Daniel „Der Schulz“ Schulz mit dem Opener „Unendlich“ stark vor, nur um anschließend ein wahres Hit-Feuerwerk mit dem beliebten „Seelenblind“, „Deine Zeit Läuft Ab“ oder der neuen Single „Kettenhund“ abzubrennen. Doch auch ruhigere Töne können die Unzüchtigen durchaus anschlagen und so liegen sich nicht wenige Fans beim emotionalen „Schweigen“ in den Armen, ehe es mit der eigenen Hymne „Unzucht“ direkt weitergeht. Auch Gitarrist Daniel De Clerck leiht einige Male den düsteren Stücken seine aggressive Stimme, während seine Kollegen Toby Fuhrmann an den Drums und Alex Blaschke am Bass eine nicht minder gute und vor allem hochprofessionelle Figur machen. Spätestens bei „Nur Die Ewigkeit“ hat man Köln dann auf seiner Seite und entlockt den einzelnen Reihen ein wogendes Meer aus Händen, bevor „Engel Der Vernichtung“ dann den Schlusspunkt unter einen kurzen, doch wirkungsvollen Auftritt setzt. Eines ist sicher: Die „Unzucht“ hat nach dieser halben Stunde sicher den ein oder anderen Fan verdient gewonnen. So geht wahrer Support!

 

„Dr. Dirty Dietz“:

 

Bevor der „Eisbrecher“ im Kölner Palladium anlegt, hat man sich für einen weiteren Support der etwas anderen Art entschieden. An die große DVD-Aufzeichnung vergangenen Jahres in München angelehnt, betritt nun Bandtherapeut „Dr Dirty Dietz“ die Bretter, um das Publikum mit einigen spaßigen Hinweisen auf den Auftritt der Münchner vorzubereiten. Nachdem einige notwendige Kleinigkeiten wie Süßkram oder Kondome im Publikum verteilt wurden und auch der letzte über das Verhalten auf einem echten Rock-Konzert unterrichtet wurde, konnte es auch schon losgehen und der Doktor verlässt unter durchschnittlich starkem Applaus das Deck, welches derzeit im Hintergrund für den Headliner vorbereitet wurde. Spaßig, wenn auch sicher nicht notwendig.

 

„Eisbrecher“:

 

Die Spannung im Palladium scheint geradezu minütlich mehr und mehr zu steigen. Gerade als die obere Grenze der maximalen Erträglichkeitsskala erreicht scheint, versinkt der geräumige Saal in einem tiefen Schwarz und der Jubel bricht los. Die euphorischen Reaktionen der dichten Reihen werden lediglich von einem gewaltigen Schiffshorn übertönt, welches nun seine dröhnenden Signale unüberhörbar durch die ehemalige Industriehalle aussendet und den Boden in regelmäßigen Abständen mächtig erzittern lässt. Es ist soweit: „Eisbrecher“ nehmen erbarmungslos direkten Kurs auf die berühmte Domstadt und Köln zeigt sich schon in diesen ersten Minuten bereit, für das anstehende und vor allem eiskalte Vergnügen. Die von dichtem Nebel verhangene Bühne erstrahlt nun in kühlen Blautönen und wie aus dem Nichts heraus, erscheint plötzlich Schlagzeuger Achim Färber auf seinem Podest. Ohne zu viel Zeit verlieren zu wollen, richten sich die grellen Scheinwerfer zu einem stampfenden Rhythmus nun auch auf Bassist Rupert Keplinger und Gitarrist Jürgen Plangger, bevor sich alle Augen auf Gründungsmitglied Noel Pix richten. Die epochal anmutenden Klänge wenden sich mit einem Mal hin, zu einer wohlbekannten Melodie, die an diesem Abend vermutlich jeder Gast nur allzu gut kennt. Während sich nun unzählige Arme in die Lüfte erstrecken, um taktgebend mitzuklatschen, hat sich fast unbemerkt aller Anwesenden, der charismatische Frontmann Alexander Wesselsky am vorderen Rand positioniert. Die Drums knallen, die Saiten werden angeschlagen: Vorhang auf für die Münchner Formation, Vorhang auf für „Verrückt“! In feinen Zwirn gekleidet, thront der selbsternannte Kapitän hinter seinem großen Rednerpult, auf welchem das markante Logo prangt, wirft verschwenderisch und mit einem erheblichen Augenzwinkern Papiergeld in die Menge vor ihm. Die NDH-Rocker verfehlen ihr Ziel keinesfalls und starten so überraschend und reich an Effekten in den noch jungen Abend. Standesgemäß begrüßt man sein Publikum mit der zynischen Sozialkritik-Nummer „Willkommen Im Nichts“ und „Augen Unter Null“, bei welchen sich schon jetzt die ausgeklügelte Lichtshow anschickt, zu verzücken.

 

Das wuchtige „Fehler Machen Leute“ vom aktuellen Album „Schock“, repräsentiert dann den ersten Song neueren Datums und sorgt als losgelöste Ode an den Anti-Perfektionismus, für strahlende Gesichter und beste Stimmung. Ein Punkt, der bei Konzerten im Vorfeld generell immer heiß von den potentiellen Besuchern diskutiert wird: Die Setlist. Lag der Fokus während der letzten Konzerte und den zugehörigen Festivals klar auf dem 2015er-Release, so ließen sich Dank zweitem Tour-Teil ohne neuen Hörstoff bereits die wildesten Vermutungen im Netz lesen. Wird die Auswahl der Lieder identisch oder völlig anders? Was bieten Bühne und Show, im Hinblick auf die angestiegenen Preise? Glücklicherweise wissen die Mannen von „Eisbrecher“ um ihre große Hit-Dichte und nutzen das Warten auf neues Material zu ihrem Vorteil. So bleibt neben den üblichen Gassenhauern nun endlich mal wieder Zeit, tiefer in der Vergangenheit zu graben und den ein oder anderen, vergessen geglaubten Schatz wieder ins eiskalte Licht empor zu heben. Elektronisch verzerrte Sound-Strukturen und rötlich zuckende Lichter kündigen den raren Track „Mein Blut“ vom Debüt-Album an. Eine gelungene Überraschung! Spätestens als sich zum Mittelteil zwei der Crew-Mitglieder zu den Seiten von Wesselsky niederknien, um ihm symbolisch den Leib und das Blut Christi, in Form eines silbern glänzenden Kelches und einer Frucht zu reichen, kennen die Fans kein Halten mehr. „Vorsicht Banane!“, ruft der sympathische Sänger mit einer nicht zu überhörenden Prise schwarzen Humors aus und erntet herzliche Lacher. „Eisbrecher“ bieten dieses Mal also auch gleichsam wieder etwas fürs Auge und bauen ihre Show weiterhin aus. In Kombination mit der fantastischen Song-Auswahl und der damit einhergehenden Berücksichtigung älterer Nummern, fernab der üblichen Verdächtigen, ein kluger Schachzug, welcher vor allem die Alteingesessnen freuen dürfte. Diesem Schema kommt man schlussendlich auch bei den beliebten Evergreens „Leider“ und „Amok“ nach, das man nun ebenfalls deutlich abgeändert darbietet und den Ablauf somit für alle spannend hält. Nachdem Pix, nun in einen edlen Anzug und dekadent anmutenden Schal gehüllt, zuerst ein Keyboard-Solo zum Besten gibt, beginnt er im Folgenden damit, die Reihen überschwänglich zu dirigieren und gemeinsam mit Wesselsky zu rhythmischen Mitklatsch-Spielen zu animieren. Die obligatorischen Fässer, welche hier auf verschiedenen Ebenen platziert sind, dürfen mit ihren Trommel-Einlagen natürlich keinesfalls fehlen und sorgen für ein bildgewaltiges Spektakel, vor großer Kulisse. Und auch „Prototyp“ hat über die Jahre nichts von seiner Wirkung verloren, ebenso wie das krachige „Himmel, Arsch Und Zwirn“, das dann zum gemeinsamen fluchen einlädt.

 

Eine erste ruhige Nuance, gönnt man sich und dem Kölner Publikum dann mit der ergreifenden Ballade „Herzdieb“, welche wieder ihren Weg in das aktuelle Set gefunden hat und mit gedimmten Lichtern zu einem kollektiven Feuerzeug-Meer verleitet. Ein wunderschöner Augenblick und gewiss einer der vielen Momente, mit besonderer Atmosphäre in diesen Stunden. Mit ordentlich Schwung in den Hüften und einer bluesigen Note, soll anschließend aber wieder gefeiert werden dürfen und so bieten die Münchner mit der exklusiven Dankes-Hymne „Wir Sind Gold“ ihren neuesten Song dar, passend gefolgt von einem dichten Gold-Regen aus Konfetti. Wenn man die Verleihung einer goldenen Schallplatte so nicht richtig feiert, wie denn bitte dann? Das düstere „Angst?“ reiht sich direkt in die Riege der selten gespielten Tracks mit ein und nach einem sphärischen Intro, versinkt die Halle dann zum unverzichtbaren „Eiszeit“ in einem undurchdringlichen Sturm aus Kunst-Schnee, während die Band in passender Montur ihre Instrumente bearbeitet und der Fronter seine Eispickel bedrohlich vor dem Stativ hin- und herschwingt. Ganz großes Kino! Der melancholische Up-Tempo „Die Engel“ und der starke Single-Hit „1000 Narben“, führen weiter durch den Abend, bis das erste Finale mit dem rauen „Miststück“ ansteht. Einen nicht zu verachtenden Bonuspunkt, verdienen sich „Eisbrecher“ sicher für eine weitere Neuerung: Ohne endlose Singalongs oder Coverversion-Einschübe, kommt der harte Brecher anno 2016 aus und versprüht mit einem knackigen Schlagzeug-Solo seit Jahren erstmalig wieder launige Kurzwelligkeit. Daumen hoch dafür! Ohne große Verabschiedungen verlassen die Musiker die Bühne und wirklich jedem ist nun klar, dass es das noch lange nicht gewesen sein kann. Unnachgiebig fordern die Kölner eine Zugabe und diese sollen sie schon sehr bald bekommen. Industrielle Klänge und maschinelles Surren durchfluten das Palladium und während grelle Sirenen die Dunkelheit zerreißen, betritt die Band nach und nach wieder die Bretter. Auch der Kapitän höchstselbst steht im Marinemantel am äußeren Rand, das stilechte Fernglas fest in der Hand, bereit ein weiteres Mal von der eigens inszenierten Brücke abzulegen. Das Tour-Motto steht an: „Volle Kraft Voraus!“, bei dem es jetzt kein Halten mehr gibt und ausgenommen alle ekstatisch die eisige Besatzung feiern, ebenso danach bei „Vergissmeinnicht“. Für den Szene-Überflieger „This Is Deutsch“ hat man sich aufgrund der aktuell angespannten Lage ein ganz besonderes Schmankerl einfallen lassen und lässt einige, als besorgte Bürger verkleidete, Statisten mit meterhohen Protestschildern einmarschieren - die spektakulären CO2-Fontänen bleiben allerdings unverständlicherweise aus. Zum Abschluss darf dann die Power-Ballade „Ohne Dich“ natürlich nicht fehlen, welche einen gelungenen Abend nach über zwei Stunden beschließt, bevor „Eisbrecher“ sich endgültig aus Köln verabschieden und im Heimathafen einlaufen. 

 

Ohne Frage: Was „Eisbrecher“ sich auf dieser Tour für die Fans haben einfallen lassen, ist ganz großes Kino! Angefangen von einer völlig anderen Setlist, welche nicht wie üblich nur kleine Veränderungen zuließ, bis über ins kleinste Detail ausgefeilte Effekte, eine atemberaubende Licht-Show und erlesene Support-Bands. An diesem Abend wurde definitiv nichts dem Zufall überlassen, was neuen Fans und dem hartgesottenen Kern, dank einiger sinnvoller und einschneidender Veränderungen, sicherlich zugute kam. Lässt sich über die erheblich angestiegenen Preise in Sachen Merchandise und Eintritt sicher noch streiten, so war der veränderte Fokus auf eine deutlich größere Location zumindest in Köln zum Nachteil. Sowohl die stark gewöhnungsbedürftige Bauweise des Palladiums mit seinen wuchtigen Eckpfeilern, durch welche ein nicht unerheblicher Teil des Publikums eingeschränkte Sicht hatte, als auch der Sound waren an diesem Abend alles andere als vorteilhaft. Auf die Empore konnte ebenfalls nicht ausgewichen werden, da sich dort der abgetrennte Bereich für Familien mit Kindern befand, was sich rückblickend jedoch als eine nicht zu unterschätzende Geste erweist. Jedoch: Gut die Hälfte des großen Saals blieb weitestgehend leer. Auch wenn sich die Münchner Erfolgsformation offenkundig stetig weiterentwickelt und Dank der jüngsten Erfolge noch Großes erreichen will, sollte das Preis- / Leistungsverhältnis nicht außer Acht gelassen werden. Die gesamte Dauer über konnte die Besatzung um Rampensau Wesselsky mit reichlich Hits, rarem Liedgut und gewitzten Ansagen unterhalten, der ganz große Wow-Effekt, welchen sich offenbar viele im Kontrast zur letzten Tour versprachen, blieb jedoch aus. Zu ähnlich zum vorherigen, wenn nicht sogar deutlich reduzierter, präsentierte sich das Bühnenbild aus illuminierten Bullaugen, Podesten und Scheinwerfern. Zu karg und blass blieb der Hintergrund, mit seinem neutral-weißen Backdrop und funktionsloser Gitterwand. Zu selten und unspektakulär die ganz großen Hingucker, wie Konfetti-Regen oder Schnee-Gestöber, welche zusätzlich beliebte Momente wie die Nebel-Jets bei „This Is Deutsch“ vermissen ließen. Sicher, alles andere als ein durchschnittliches oder schlechtes Konzert, jedoch gemessen an den gängigen Standards dieser Preisklasse, nur eine bloße Erweiterung und Perfektionierung des bestehenden „Eisbrecher“-Live-Konzeptes. Zwar mit viel Liebe zum Detail, doch ohne das ganze große Wagnis zur Änderung. Schade. Dennoch ist natürlich ein weiterer, nicht zu verachtender Sprung nach vorn zu verzeichnen, welcher in Sachen Performance schon einiges hermacht und eine klare Entwicklung, ohne gefährlichen Stillstand erkennen lässt. Dafür großen Respekt! Wir werden sehen, was die Zukunft bringt und wohin die Reise für alle Eisländer schließlich geht.

Setlist:

 

01. Intro

02. Verrückt

03. Willkommen Im Nichts

04. Augen Unter Null

05. Fehler Machen Leute

06. Mein Blut

07. Leider

08. Amok

09. Prototyp

10. Himmel, Arsch Und Zwirn

11. Herzdieb

12. Wir Sind Gold

13. Angst?

14. Eiszeit

15. Die Engel

16. 1000 Narben

17. Miststück

18. Volle Kraft Voraus

19. Vergissmeinnicht

20. This Is Deutsch

21. Ohne Dich

 

Impressionen:

 

Jobst Meese, "Jodocus Obscurus Photography"

 

http://www.jobstmeese.de

 

https://de-de.facebook.com/Jodocus.Obscurus/

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