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Subway To Sally - Interview (2016)

28.03.2016

Es ist Sonntag Nachmittag. Ich befinde mich erneut auf der Route direkt in das Stadtzentrum. Zielsicher manövriere ich ein weiteres Mal auf den noch leeren Parkplatz der Musikschule zu und stelle das Auto ab, denn noch bleibt etwas Zeit. Es wirkt fast ein wenig wie ein kleines Déjà-vu, ist das Erste der beiden Konzerte in der Christuskirche, doch erst wenige Stunden her. Die Eindrücke des vorigen Abends haben sich mittlerweile etwas gesetzt und so hatte ich nochmals Gelegenheit dazu, meine zu stellenden Fragen ein wenig anzugleichen, spezifischer zu werden. Etwas fahrig ziehe ich die beiden bedruckten Papierbögen aus dem Handschuhfach und gehe die jeweiligen Einzelheiten Schritt für Schritt durch. Auch das neue Diktiergerät, welches in wenigen Minuten seinen Einstand feiern wird, überprüfe ich sicherheitshalber ein weiteres Mal auf seine Funktionalität. Glücklicherweise scheint alles seine Richtigkeit zu haben und so verstaue ich alles ordnungsgemäß in meiner Tasche und verschließe die Tür. Es sind nur wenige Schritte und schon stehe ich direkt vor dem unscheinbaren Eingang zum Backstage-Bereich und dem großen Nightliner von „Subway To Sally“. Für punktgenau 18 Uhr ist ein Interview-Termin, im Rahmen der aktuell laufenden „NeoN“-Tournee, anberaumt. Um die vereinbarte Zeit melde ich mich telefonisch bei meinem Ansprechpartner und schon kurze Zeit später, werde ich von der freundlichen Torbegleitung wie versprochen abgeholt. Sie entschuldigt sich für die kurze Verspätung, ihr Handy habe sie gar nicht gehört und sei noch auf der Suche nach dem zu Interviewenden gewesen. 

 

Wir halten einen kurzen Small-Talk, über die heutige Übersättigung an diversen Internet-Präsenzen und das bloggen an sich, bevor sie kurz in Richtung der Tür schaut und mit den Worten „Da ist Eric. Er ist heute dein Interview-Partner.“, auf den Frontmann deutet, welcher sich noch mitten in einem Gespräch befindet. Wenig später stößt auch er dazu und reicht mir freundlich die Hand zur Begrüßung. „Dann komm einfach mal mit.“, fordert er mich schließlich auf, ihm ins Innere zu folgen. Er entscheidet sich für die Abzweigung in den rechten Flügel und öffnet eine große Doppeltür aus Holz. „Dann setzen wir uns einfach mal hier in den Backstage.“, beschließt er und beginnt damit, auf dem vor uns stehenden Tisch ein wenig Platz zu schaffen und mir einen bequemen Stuhl heranzurücken. „Kann ich dir vielleicht noch etwas zu trinken anbieten?“, blickt er mich fragend an. Ich zögere einen kurzen Augenblick und bitte den aufmerksamen Gastgeber schließlich um ein Bier. Kurz darauf entschwindet der Frontmann wieder und ich beginne damit, das Interview vorzubereiten. Auf einmal geht die Tür wieder auf, eine weitere Person betritt den Raum und überprüft die Garderobe der Musiker, welche auf einigen Bügeln an der Wand aufgereiht ist. Ein wenig perplex, lächelt mich die Frau an, als sie sich schließlich wieder umdreht. Ich tue es ihr gleich, stehe impulsiv von meinem Platz auf und stelle mich namentlich kurz vor. „Frau Schmitt.“, entgegnet mir die Violinistin amüsiert und verlässt im Anschluss den Raum. Wenig später kehrt Eric mit zwei eisgekühlten Flaschen „Beck’s“ zurück, stellt sie vor uns auf und öffnet sie kurzerhand mit einem Feuerzeug. Ich bedanke mich und kläre ihn über den groben Ablauf und die Aufnahme mit dem Diktiergerät auf. „Das macht natürlich Sinn. Mach du einfach mal!“, ermutigt er mich. Und schon wenig später klickt der „Record“-Button...

 

Roggenfaenger: Im Jahr 2006 habt ihr euch mit „Nackt“ erstmalig an ein neues Konzept gewagt, 2010 gab es mit „Nackt II“ dann eine Zugabe, mit einer großen Bandbreite weiterer Songs. Die Rede ist natürlich von einer speziellen Akustik-Tournee, auf welcher ihr eure bisher veröffentlichten Titel, dem selbst gesteckten Rahmen angemessen, teilweise komplett umarrangiert und sogar mit namhaften Gastmusikern wie dem Cellisten b.Deutung zusammengearbeitet habt. Genau sechs Jahre später tourt ihr nun ein weiteres Mal, doch nicht etwa mit einem üblichen Rock-Set oder anderen Bands, unter der Flagge der „Eisheiligen Nacht“. 2016 stehen die Zeichen auf „NeoN“, einem speziell von euch erdachten und entwickelten Hybrid, aus traditionellen und elektronischen Elementen - ein kompletter Gegensatz! Bitte erläutere dieses, doch recht ungewöhnliche Vorhaben, den Lesern einmal in ganz eigenen Worten.

 
Eric Fish: Ich würde gerne so anfangen… Jeder, der die Show bisher gesehen hat, ist begeistert. Wir gehen ja danach immer noch raus, um Autogramme zu geben und da bekommt man das dann sehr deutlich mit. Das gibt uns also komplett recht mit dieser Idee, die wir da hatten, eben keine „Nackt III“ zu machen. Mit der Findung, des Wort-Ungetüms „E-Kustik“, um es eben auch für uns selbst spannend zu gestalten und sexy zu machen, sowie durch das Vorhandensein eines jungen Musikers, welcher sich mit diesem „E“ ganz besonders gut auskennt und mit dem wir auch schon zuvor gearbeitet haben, wurde ganz schnell dieses Konzept geboren. Das mündete dann zuerst in diversen Versuchen, ob das überhaupt zusammen geht, ob es praktikabel ist und wir haben sehr schnell gemerkt, dass es etwas sehr Interessantes sein kann. Im Grunde ist es wie immer und wie es auch schon bei „Nackt“ der Fall war: Ein Song, ist ein Song. Man kann ihn, wenn er gut ist, nicht wirklich zerstören. Mann kann ihn aber durchaus anders auffassen, ihn unter Umständen sogar aufwerten. Und mit der uns eigenen Gründlichkeit und durch das Einbauen eben diesen „E“s, haben wir teilweise die Notwendigkeit gespürt, bereits bekannte Songs umzuarrangieren. Also einige Teile dazuzukomponieren, Rhythmen und Abläufe zu ändern. Das hat sich notwendig gemacht und darin liegt auch die Spannung für die Band. Ich bin ganz ehrlich, auf das Singen eines Songs, wie beispielsweise „Henkersbraut“ auf der Rock-Show, habe ich keinen Bock mehr. Das wurde bestimmt 1.400 Mal auf der Bühne gespielt und dazu 1.500 Mal im Proberaum, irgendwann ist halt mal die Luft raus. Aber weil die Leute immer noch darauf stehen, das ist ja dann die Rettung am Ende, macht man es dann halt doch. Doch der Vorgang, wie wir die Nummer auf der „NeoN“-Tour spielen, macht wieder Spaß, weil es eben etwas völlig Neues ist! Die Reaktion der Leute zu sehen, das ist dann Bestätigung genug und zeigt, dass es der richtige Weg für diese Tournee ist. Ich habe jetzt vielleicht nicht ganz konkret die Frage beantwortet, aber man hat, so glaube ich, zwischen den Zeilen hören können, woher es kommt, wo es hinführt und wie es sich so ungefähr anhören könnte.


Roggenfaenger: Bereits mit eurem 2014er Werk „MitGift“, habt ihr musikalisch völlig neue Facetten gezeigt und teils Genre-fremde Einflüsse, wie etwa Dubstep, Einzug in euren Sound halten lassen. Was genau, war der ausschlaggebende Impuls, euch mit dieser Art der Musik nicht nur privat auseinanderzusetzen, sondern diese zu nicht unerheblichen Teilen selbst einfließen zu lassen? Wie vielen die Reaktionen der Fans, vor und anschließend nach der Veröffentlichung aus?

Eric Fish: Wenn man so will, ist es ja ein Konzeptalbum. Nicht nur, wenn man so will, sondern es ist eines. Wir haben uns einen klaren Rahmen gesteckt, über Verbrechen musikalisch zu berichten. Das hast du nicht bei jeder Platte, dass solche Vorgaben existieren. Mitunter hilft es sehr viel weiter, wenn du weißt, dass du Songs schreiben musst, die eben in diesen Rahmen passen. Für das Schreiben der Songs, ist in dieser Band in erster Linie Ingo Hampf, der Gitarrist, verantwortlich. Respektive auch der Schlagzeuger, Simon Michael, der sich auch bei den letzten Alben schon sehr viel eingebracht und bei der „MitGift“ ebenfalls einen großen Anteil hat. Aufgrund der Thematik der jeweiligen Songs, welche schon im frühen Demo-Stadium so entstanden sind, ist vor allem Ingo auf die Idee gekommen, im Dubstep zu wildern. Ingo ist jemand, der sich sehr viel informiert, auch an den Rändern des Mainstream und alle Arten von Musik hört. Von Barock-Musik, bis hin zu Dubstep eben. „Elektronik“ ist auch immer so ein komisches Wort, da höre ich dann gleich immer Andreas Vollenweider oder sowas. Es geht ja eher um rhythmische Ausflüge und Sounds, die ein wenig aus einer anderen Welt kommen, als aus dem Gothic. Wie vorhin bei der Diskussion über „NeoN“, war es ja auch schon so, dass man alles an das Bild „Subway To Sally“ anpassen muss, damit es funktioniert. Wenn man das in den ersten Interviews dann mit seinen Worten umschreibt, sind die Fans natürlich skeptisch und fragen sich „Was soll das denn jetzt wieder werden?“ und „Müssen die denn immer alles neu erfinden?“. Wir haben sie dann auf der „Eisheiligen Nacht“, als wir den Song „Schwarze Seide“ erstmalig vorgestellt haben, davon überzeugt, eben weil es einfach funktioniert hat. Das liegt daran, dass da auch immer wieder ein tolles Team am werken ist, welches komponieren kann und ein sehr, sehr gutes Gefühl für die Musik an sich, aber eben auch ein klares Bild von dieser Band hat, die „Subway To Sally“ heißt und auch immer so klingen wird, egal was passiert.


Roggenfaenger: Wo liegen für euch die markantesten Unterschiede, dieser beiden Welten? Also zwischen der euch Bekannten aus Folk und Metal, sowie dem Neuland, mit dem Zusatz des ominösen „E“?


Eric Fish: In der Auffassung der Komposition an sich. Was wir da gemacht haben, ist für mich persönlich modern. Das wildert nicht in der Vergangenheit und schon gar nicht im Mittelalter. Das ist zum Teil bei den, nennen wir sie jetzt einfach mal „Konkurrenz-Bands“, eben ganz deutlich. Man bedient sich da harmonischer Abfolgen, die so klingen als wenn und verwendet auch tatsächliche Versatzstücke von bekannten, traditionellen Kompositionen aus dem Mittelalter. Die jeweiligen Sounds, die von Sackpfeifen geprägt, sind immer wieder die gleichen und auch von ihrem Klang her alt anmutend. Das ist das Prinzip dieser Bands und das ist auch völlig in Ordnung. Aber das war nie unsere Absicht, noch nie. Das mit dem Dubstep zu machen, ist nur ein weiterer Schritt in die Richtung, eben modern zu sein und unsere Musik auch immer so aufzufassen. So kommen wir wieder zu dem Kreisschluss: Wir müssen das vor allem für uns selber immer wieder spannend halten und legen die Latte da sehr hoch an uns selber an. Das birgt für uns eine gewisse Herausforderung und da bedarf es dann eben manchmal auch bestimmter, krasser Maßnahmen.


Roggenfaenger: Ihr experimentiert gerne und seid bei euren Veröffentlichungen gewiss immer wieder für die ein oder andere kreative Überraschung gut. Ihr wiederholt schlicht und einfach nicht immer wieder erfolgsversprechende Prinzipien, nur um auf der sicheren Seite zu sein. Was hat für euch den besonderen Reiz ausgemacht, es eben nicht bei einem bloßen Experiment auf Albumfänge zu belassen, sondern gleich eine eigenständige Tour auf diesem Prinzip aufzubauen? Ist in Zukunft vielleicht sogar mit weiteren Projekten, Kooperationen oder gar Release dieser Art zu rechnen?


Eric Fish: Ganz klar: Ja! Es wird ein weiteres, nennen wir es ruhig erstmal „Projekt“, geben, das viele überraschen wird, denke ich. Aber ich bin jetzt noch nicht in der Lage dazu, etwas Konkreteres dazuzusagen. Auf jeden Fall kannst du dir sicher sein, dass diese Band sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen und immer überraschen wird. Du hast vollkommen recht, es ist unter Umständen einfacher, die Wiederkehr des ewig Gleichen zu zelebrieren. Jeder weiß genau, woran er ist und man findet seinen Fankreis, der einem dann wahrscheinlich auch nicht wegbricht. Naja, wenn man immer nur das Gleiche macht, ist das ja auch gewissermaßen zu erwarten. Da muss ich schon sagen, bei all dem was wir tun, stand nie die Frage im Vordergrund „Können wir damit jetzt Fans verlieren oder welche gewinnen?“. Klar, diese Diskussionen passieren, aber wir richten unser Tun nicht danach aus. Dazu sind all diese Charaktere in dieser Band zu erwachsen, zu selbstbewusst und eben auch zu selbstbestimmt, als das passieren könnte. Du kannst dir sicher sein, dass das Nächste, was man von uns hören wird, eine große Überraschung sein wird.


Roggenfaenger: Wie darf man sich die Planungen zu „NeoN“ vorstellen? Nach welchen Kriterien traft ihr beispielsweise die Auswahl der zu spielenden Songs und wie liefen die Proben und das bereits angesprochene Umrangieren von Titeln ab, welche ihr bisher nur in ihrer ursprünglichen oder rein akustischen Form gespielt habt? Gab es da besondere Herausforderungen oder vielleicht sogar unberechenbare Hindernisse?

 

Eric Fish: Das muss man sich vorstellen, wie eine Plattenproduktion. Zwar nicht ganz so aufwendig, aber ein Lied neu aufzurollen, ist im Grunde genauso, als wenn man es komplett neu schreibt. Auch da liegt die Hauptlast auf Ingos Schultern, unserem Genius. Vieles ist ja auch getragen, von den kruden Instrumenten, wie Laute und Cister, die er spielt. Das wirst du ja nachher sehen: Das sieht schon geil aus, was er da spielt, aber wenn man es hört, was er da spielt, ist es noch geiler. Er hat meistens die Idee zu der Veränderung und dann ist es natürlich an allen anderen, sich da dran entlangzuhangeln. Oft sind es dann auch gänzlich neue Melodien, die da erst noch von den Melodieninstrumenten wie Geige, Drehleider oder auch meinen Tröten, erfunden werden müssen. Da tragen wir natürlich auch unseren Teil dazu bei.

 

Roggenfaenger: Wer zeichnet für das spektakuläre Bühnenbild verantwortlich und was ist euch bei dem Design wichtig?

 

Eric Fish: Im Endeffekt ist es so: Wenn man soweit ist und das Konzept fertig hat, also die Songs ausgewählt hat und seit drei Wochen oder mehr im Proberaum sitzt, was dann auch nochmal eine Stufe bedeutet, die erstmal erledigt sein will und es nicht zu unterschätzen gilt, ist der Vorsatz da, eine Art Gesamtkunstwerk zu schaffen. Dazu gehört dann natürlich das Bühnenbild, dazu gehören die Klamotten, der Sound und vor allem gehört dazu auch das Licht. All diese Konzepte müssen dann nebenher ganzheitlich mitentwickelt werden. Dazu haben wir zum Glück auch eine Crew, die sehr genau weiß, wie wir ticken und die schon sehr lange bei uns ist, gerade was den Sound und das Licht betrifft. Die dann eben nicht vom Regen in die Traufe kommen, sondern eigentlich schon Teil der Band sind. Da fällt es dann auch relativ leicht, sich zu einigen und auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Und, ich wiederhole mich, du wirst es heute Abend ja sehen, wir haben da ein in sich absolut abgestimmtes Bild, das total funktioniert. Ich bin da auch gerade sehr stolz auf unseren Lichtmann, Jan Hartung, welcher das Bühnenbild mit uns entworfen hat und dafür verantwortlich ist. Solche Leute am Start zu haben, ist schon ein großes Geschenk.

 

Roggenfaenger: Auch auf der „NeoN“-Tour steht ihr ein weiteres Mal nicht nur alleine auf der Bühne, sondern habt wieder einen ganz besonderen Gastmusiker dabei, welcher unter anderem für die Dubstep-Parts verantwortlich zeichnet. Wie gestaltete sich die Suche nach einem solchen Künstler, wie habt ihr ihn kennengelernt und was dürft ihr uns über den geheimnisvollen Maskierten verraten?

 

Eric Fish: Die Absicht ist genau die, dass die Leute sich das fragen. Ein bisschen etwas Spannendes als Gewürz mitunter zu mischen, ist doch fein. Und deswegen werde ich jetzt auch nicht viel mehr dazu sagen. Ich denke, dass wir da auf unserer zweiten Tour-Hälfte vielleicht ein wenig den Schleier des Geheimnisvollen lüften werden. Aber dabei möchte ich es dann auch vorerst belassen, Er, also es ist ein er, so viel kann man schon mal sagen, was auch wahrscheinlich nicht zu übersehen ist, ist auch ein ganz Koscherer und ich kann nur sagen, dass es ein sehr angenehmer Zeitgenosse und auch ein sehr, sehr guter Musiker ist. Vielleicht denkt man ja in erster Linie, wenn man an die Sounds, Dubstep und all sowas im Hinterkopf hat, dass es ja irgendwie ein Computerfreak sein muss, der total auf sowas abfährt. Aber mitnichten, er spielt richtig, wie man auf einem Instrument auch spielt. Das ist faszinierend, was er seinen Geräten auf der Bühne da entlocken kann. So, das muss jetzt erstmal reichen.

 

Roggenfaenger: Was mich als Bochumer natürlich besonders freut: Ab dem Jahr 2011, habt ihr euer eigenes Festival, die „Eisheilige Nacht“, von der Turbinenhalle Oberhausen in den RuhrCongress verlegt. Und auch die Christuskirche besucht ihr seit jeher immer wieder gerne. Was genau schätzt ihr am Ruhrgebiet und warum gerade Bochum? Habt ihr eine besondere Verbindung zu dieser Stadt?

 

Eric Fish: „Never change a running system“, so sagt man doch? Vom ersten Mal an, als wir mit der „Eisheiligen“ in den RuhrCongress gegangen sind, hat es funktioniert. Ganz zu schweigen, von dem großen Publikumszuspruch, dazu komme ich aber noch. Das ist eben auch von der produktionstechnischen Seite her, die beste Halle, welche es so in unserer Größenordnung gibt. Du fährst da halt vom Arsch mit dem Truck ran und schiebst alles einfach auf die Bühne. Die Crew liebt es auch, das sind wirklich wundervolle Arbeitsmöglichkeiten dort. Dann ist natürlich nicht zu verkennen, dass sich unsere Beliebtheit im Pott, also in Bochum, manifestiert. Das kannst du nicht in Oberhausen machen, das kannst du nicht in Essen machen, das kannst du eigentlich, das hat die Zeit gezeigt, nur in Bochum machen. Ich weiß es auch nicht, Bochum ist wahrscheinlich doch das Herz des Potts. Hier geht es den Leuten auch nicht so gut, das weiß ich, vielleicht sprechen wir mit unserer Musik da ja auch eine Art Lebensgefühl an, welches hier vielleicht eher vorherrscht, als irgendwo anders. Man kann das jetzt auch mal ganz ehrlich bei der „NeoN“-Tour analysieren: Wir spielen jetzt zwei Tage hier, in der Christuskirche in Bochum, der erste Tag ist ausverkauft und deswegen haben wir dann den zweiten Tag drangehängt und er ist auch fast ausverkauft! Darüber sollte man an dieser Stelle schon mal nachdenken, wenn man weiß, dass es in anderen Gegenden eben durchaus nicht so läuft. Da kann ich auch ganz ehrlich sein: Ich wünschte mir manchmal, der Güte des Produktes angemessene, etwas höhere Zahlen, das ist so. Aber hier kann man einfach nur glücklich sein und ich glaube, diese, nennen wir es einfach mal „Liebe zum Pott“, fing in der Quintessenz an, als wir damals 2006… Nein, 2008 war das, den Bundesvision Song Contest gewonnen haben. Es ging um das letzte Bundesland, wir waren mit einer anderen Kapelle sozusagen gleichauf, ich meine, die wären sogar vor uns gewesen und das letzte Bundesland musste abstimmen, das war Nordrhein-Westfalen. Jedes Bundesland stimmt immer mit vollen 12 Punkten für die Band, die aus den eigenen Reihen kommt, das ist ganz normal. Und da passierte dann das erste Mal, was es zuvor noch nie gegeben hatte: Nordrhein-Westfalen vergab 12 Punkte an „Subway To Sally“ und dadurch haben wir das Ding dann auch gewonnen. Das ist vielleicht so das Samenkorn, wie diese innige Beziehung anfing.

 

Roggenfaenger: Auch Ende 2016 steht in alter Tradition die „Eisheilige Nacht“ auf dem Programm. Dieses Mal mit „Vroudenspil“, „Lord Of The Lost“ und „Eluveitie“. Warum ausgerechnet diese Bands?

 

Eric Fish: Ach weißt du, diese Frage wird auch wirklich jedes Jahr gestellt: „Warum denn gerade die?“. Es ist natürlich auch irgendwo ein Szene-Festival und die ist relativ übersichtlich. Es muss ja auch ein Programm sein, welches auch wirtschaftlich für uns funktionieren muss. Deswegen kannst du jetzt auch nicht einfach Mal „Metallica“ holen, das ist natürlich klar. Und so nutzen wir halt unsere Kontakte in die Szene hinein, um zu schauen, wer denn Bock auf dieses Event hat. Haben sie alle! Das ist schön, weil das Festival eben auch sehr gut läuft. Aus den vielen Ideen, wird dann etwas zusammengepuzzelt, welches dann vom Programmablauf und von der Gestaltung des Abends her, möglichst gut harmoniert. Da gibt es schon manchmal Abwägungen, wenn man eine Band unbedingt kriegen möchte, die zwar total cool klingt, aber nicht so wirklich zu dem Rest passen will. Das muss auf der einen Seite zwar abwechslungsreich sein, auf der anderen Seite aber eben auch „schnackeln“. Ich denke, du kannst nicht erst eine Mittelalter-Kapelle mit Trommeln, Fellen und all solchen Dingen eröffnen lassen und danach bringst du eine EBM-Kapelle. Das wäre ein zu großer Bruch, wir haben da immer gerne eine gewisse Stringenz drin, eine Art der Verwandtschaft zwischen dem Tun dieser Bands… Und am Ende muss es uns dann auch noch gefallen (lächelt). Du bist damit zehn, bis zwölf Tage auf Tour und es macht dann auch keinen Spaß, dir jeden Abend eine Band anzuhören, die dir überhaupt nicht gefällt. Zu unserer großen Freude, ist es deswegen dieses Mal „Eluveitie“ endlich gelungen, die schätzen wir musikalisch wirklich sehr! Das haben wir zwar schon des Öfteren versucht, es hat aus diversen Gründen aber nie geklappt. Jetzt haben sie aber mal die Zeit dazu, sehr geil.

 

Roggenfaenger: Kommen wir nun zur letzten Frage: Gibt es noch etwas, was du euren Hörern und den Lesern an dieser Stelle noch mit auf den Weg geben willst?

 

Eric Fish: Ah, die berühmte letzte Frage. Ich sage dann einfach mal: Bleibt schön neugierig!

 

Das war es also, mein erstes, persönliches Interview. Ich drücke den "Off"-Button des Diktiergerätes und lege es schließlich beiseite. Eric und ich unterhalten uns noch kurz, über das gestrige Konzert und in der Vergangenheit von mir besuchte Konzerte, dann verabschieden wir uns. Mittlerweile ist auch eine weitere Person im Backstage eingetroffen: Silvio "Sugar Ray" Runge, ist damit beschäftigt, seinen Bass für die kommenden zwei Stunden zu stimmen. Zufrieden über den reibungslosen Ablauf, verpacke ich anschließend meine Materialien wieder und grüße den Musiker kurz. Er unterbricht sein Bassspiel kurz und erwidert ein freundliches "Tschüß!". Als ich die Tür öffne und durch die Fenster nach draußen schaue, bemerke ich, dass es mittlerweile schon dunkel geworden ist. Michael "Bodenski" Boden steht ein wenig entfernt von mir und blickt zu mir rüber. Ich lächle ihm zu und begebe mich wieder zum Parkplatz, um meine Begleitung abzuholen. Der Einlass ist bereits in vollem Gange und wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Vorfreudig machen wir uns ein weiteres Mal Richtung Christuskirche auf und erhaschen noch einen guten Platz. Entspannt sinke ich auf meinen Stuhl und lasse bis zum baldigen Beginn nochmal alles Erlebte Revue passieren. Ein wirklich schöner Abschluss, für zwei ganz besondere Tage, im selbsternannten "Wohnzimmer", mitten im Ruhrgebiet.

 

Impressionen:

 

Jobst Meese, "Jodocus Obscurus Photography"

 

http://www.jobstmeese.de

 

https://www.facebook.com/Jodocus.Obscurus/

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