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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Amphi Festival - Tag II - Tanzbrunnen, Köln - 24.07.2016


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Tanzbrunnen

Kapazität: ca. 12.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.amphi-festival.de

Sonntag, 24.07.2016 - Amphi Festival Tag 2:

Es ist relativ früh, für den Morgen eines zweiten Festival-Tag sogar sehr früh, als ich auf den Platz vor der Mainstage trete und mich umschaue. Das viele der vom Vortag erschöpften Gäste um diese Uhrzeit wohl noch selig in ihren Betten ruhen, frühstücken oder sich gerade erst langsam bereit machen, ist mit einem kurzen Blick auf das lichte Besucheraufkommen schnell ersichtlich. Doch jene, welche mit einem Übermaß an morgendlicher Energie gesegnet sind oder sich diese zumindest aus einem exzessiven Koffein-Konsum ziehen, sollen für ihr Kommen belohnt werden...

Mainstage, 11.00 Uhr - Beyond Obsession:

Recht kurz vor Beginn bestätigten sich auch die letzten beiden Acts im diesjährigen Programm und einer von ihnen ist „Beyond Obsession“, welche auch sogleich pünktlich die Bühne entern. Das fulminante Duo, um Sänger Nils Upahl und Keyboarder Andre Wylar, konnte sich bereits 2015 durch Support-Slots für Szene-Größen wie „And One“ oder „Solar Fake“ einige Sympathien erspielen, die ihnen jetzt deutlich zugute kommen. Trotz der überschaubaren Anzahl an Besuchern, mangelt es nicht an Stimmung, als der Auftritt mit „Pieces Of Machinery“, „Nothing Like That“ und dem bekannten „On My Way“ beginnt. Die beiden Musiker paaren warme, harmonische Melodien mit äußerst tanzbaren Beats und Clean-Vocals, was auf sichtlichen Zuspruch stößt. „Song For The Dead“ und „Never Turn Your Back“ treiben weiter voran, bevor mit „Ghost Pictures“ ein gänzlicher neuer Song vom Stapel gelassen wird. „Tokio Underground“ beendet das kurze Set direkt im Anschluss, für eine Zugabe bleibt keine Zeit und dennoch lässt sich vermelden: Erfolg auf ganzer Linie, weiter so!

Mainstage, 12.10 Uhr - TÜSN:

Der zweite, in diesem Fall etwas undankbare, Slot im sonntäglichen Running Order, wird von den Newcomern „TÜSN“ belegt. Die 2014 gegründete Formation zählte Anfang diesen Jahres zu meinen persönlichen Neuentdeckungen - Ihr Erstlingswerk, schlicht und effektiv „Schuld“ betitelt, rotierte selbst lange Monate nach Release in Dauerschleife im heimischen Player. Nicht nur, dass das ungewöhnliche Trio mit seiner Mischung aus vertrackten Lyrics, emotionalen Thematiken und dunkel-eingängigen Melodien erfrischend anders und neu klingt, auch können die Mannen um Sänger Snöt durch eine einzigartige Bühnenpräsenz und Ästhetik bestechen, welche unwillkürlich in den Bann zieht und alles andere als typischen Standard oder Einheitsbrei bietet. Das Bühnenbild wirkt bewusst statisch, kühl und minimalistisch: Im Hintergrund thront das weiße Logo auf schwarzem Grund, rechts das Podest für das Schlagzeug, links der Platz für den Gitarristen, im Zentrum eine Obelisk-artige, stählerne Säule als Keyboard-Vorrichtung und Erhöhung für den Frontmann. Mit dem bisher unveröffentlichten und somit großflächig unbekannten „Zehntausend“ startet man direkt in das knackige Set. Auch hier also alles andere als die typische Nummer sicher. Das elegant-schmissige „Schuld“ folgt als Hoch auf die Schönheit des vermeintlich Verbotenen und „Sturm“ reißt mit dunkel-rockiger Attitüde weiterhin mit. Ein äußerst gelungener Start… Findet deutlich sichtbar auch das Mehr der bisherigen Zuschauer und spendet positiv gestimmten Applaus. Während ihrer Spielzeit balancieren „TÜSN“ immer wieder den schmalen Grad zwischen Dramaturgie, Kitsch, Pop,Exzentrik und Theatralik aus, spielen perfekt und doch distanziert mit dem Publikum. Kleine Requisiten, wie etwa die obligatorische und aus Video-Clips bekannte Krone, tragen bei Songs wie „Hannibal“ oder „In Schwarzen Gedanken“ ihren nicht unerheblichen Teil dazu bei. „Ewig Allein“ dürfte schon bald zum Hit avancieren und das ausgelassen-verruchte „Schwarzmarkt“ setzt dann den gewollten und gleichsam gekonnten, zielgenauen Schlusspunkt einer starken Show. Eine großartig eigenständige Band, mit dem Hang zu stimmig, konzeptioneller Ausgestaltung und persönlichem Stempel mit Wiedererkennungswert. Und somit genau das, was die hiesige Musiklandschaft so oft vermissen lässt. „TÜSN“ - Kunst mit Zukunft.

Mainstage, 13.25 Uhr - Unzucht:

Immer wieder gern gesehen auf den Bühnen der nationalen Szene-Festivals, sind die Hannoveraner von „Unzucht“. Ähnlich wie die Kollegen aus Hamburg, „Lord Of The Lost“, konnten sich diese durch Support-Einsätze, ein hohes Engagement, Kreativität und zahlreiche Live-Auftritte einen festen Platz im Herzen der schwarzen Gemeinde erspielen, der Kurs steht auch 2016 auf Erfolg! Mit „Unendlich“ vom letzten Studioalbum „Venus Luzifer“ preschen die vier Dark Rocker auch sogleich direkt nach vorn und es wird direkt und ohne Umschweife jedem klar, dass auch heute keine Gefangenen gemacht werden. Brettharte Riffs stehen im Wechselspiel mit zart-zerbrechlichen Klavier-Passagen, immerzu getragen von der unvergleichlichen Stimme von Frontmann David „Der Schulz“ Schulz. Dieser befeuert und dirigiert zu anfangs noch in schwerer Lederjacke und der markanten Wollmütze auf dem Kopf die Massen, legt diese aufgrund der schier unerschöpflichen Hitze jedoch schon bald ab. „Todsünde 8“ hält das hohe Tempo dann weiter aufrecht, bevor das energetische „Seelenblind“ etwas an Fahrt nimmt und einen Mid-Tempo zum singen und tanzen offenbart. Viel positive Resonanz erntet natürlich auch der Club-Hit „Deine Zeit Läuft Ab“, einer der ersten großen Songs der Band. Wer nun glaubt, man könne die Leistung der Gitarren und der Fans nicht mehr hochschrauben, irrt gewaltig, denn mit dem aggressiven und brutalen „Kettenhund“ donnert im Anschluss ein Vorbote auf das neue Album „Neuntöter“ auf den Tanzbrunnen nieder. „Schweigen“ macht seiner Betitelung alle Ehre und beruhigt die Gemüter dann wieder, doch schon weiß „Kleine Geile Nonne“ die dezent heruntergekühlte Feierlaune wieder hervorzulocken. Melancholisch wird es mit dem hochemotionalen „Nur Die Ewigkeit“, dann mobilisieren die Hymne „Unzucht“ und der Closer „Engel Der Vernichtung“ schlussendlich alle letzten Kräfte und lassen ein erschöpftes, aber umso ausgelasseneres Publikum, als auch eine dankbare „Unzucht“ zurück.

Theater-Stage, 14.05 Uhr - The Beauty Of Gemina:

Ein kurzer Blick auf die Running Order und ein weiterer auf meine Uhr verrät mir, dass mich mein Weg nun wieder zum Theater führt, in welchem ich die nächste Zeit sogar gleich für drei namhafte Acts hintereinander und ohne stressigen Wechsel verbringen kann. Damit ich diesem persönlichen Luxus allerdings auch frönen kann, ist zuerst jedoch wieder etwas Einsatz gefragt. Immer begleitet von der Befürchtung, in der prallen Mittagssonne den Klängen von außerhalb lauschen zu müssen, weil ein erneuter Einlassstop das Durchkommen verhindert. Vor allem bei diesen Temperaturen und dem folgenden musikalischen Aufgebot, ein wenig attraktiver Gedanke. Somit manövriere ich auf schnellstem Wege durch die dichten Menschenmengen, zurück zum Haupteingang, biege so zügig wie nur möglich um die Ecke und finde eine erstaunlich geringe Schlange vor. Ein Glück! Wie ich einigen Gesprächen entnehme und es auch in den sozialen Netzwerk kundgetan wurde, waren offenbar einige Gäste für die gestrigen Verzögerungen verantwortlich, welche die auferlegten Brandschutzbestimmungen missachtet und sich vor Türen und Notausgängen gesetzt hatten. Heute kann dies nicht mehr passieren, gehen doch in regelmäßigen Abständen fleißig Securitys durch die Reihen und bitten alle Sitzenden, wieder aufzustehen und die Wege somit freizuhalten. Das Licht wird gedämmt und zu den Takten von „Run Run Run“ treten die Schweizer von „The Beauty Of Gemina“ ins Zentrum aller Aufmerksamkeit und sorgen mit ihrer kongenialen Mixtur aus poetischer Schwere, dunklen Rock-Elementen, wavigen Rhythmen und mystischen Arrangements für einen gelungenen Auftakt. „All Those Days“ vom letzten Album „Ghost Prayers“, „This Time“ und „Kings Men Come“ führen weiter durch das Set. Das Fundament der einzigartig-eigenwilligen Kompositionen wird durch Sänger Michael Sele, Gitarrist Simon Ambühl, Bassist Andi Zuber und Schlagzeuger Mac Vinzens gegeben, die es perfektionistisch und hoch professionell verstehen, ihren Kompositionen geisterhaftes Leben einzuhauchen. Titel wie „Hunters“ bestechen nicht minder intensiv und auch das clubtaugliche „The Lonsesome Death Of A Goth DJ“ finden nach wie vor seinen festen Platz im reichhaltigen Repertoire. Das beliebte „Rumors“ findet erwartet viel Zuspruch, bevor man mit dem elektronisch gehaltenen „Suicide Landscape“ den letzten Song, eines zeitlich insgesamt leider viel zu knapp bemessenen Sets preisgibt und sich ein besonderer Schleier Beschwingtheit im Publikum legt.