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Covenant - "The Blinding Dark"-Tour - Kulturfabrik, Krefeld - 26.11.2016

09.12.2016

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Krefeld, Deutschland


Location: Kulturfabrik

 

Kapazität: ca. 1.000
 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: https://www.kulturfabrik-krefeld.de/

 

Einleitung:

 

Unglückliche Zufälle gibt es immer wieder. Im schlimmsten Falle solche, bei denen sich, einer unaufhaltsamen Kettenreaktion gleich, diverse missliche Umstände nahtlos aneinanderzureihen scheinen. Zudem ereignen sich unvorteilhafte Umstände dieser Art meist genau dann, wenn es von besonderer Bedeutung ist. So auch in der vergangenen Woche, als plötzlich nahezu alle Tickethändler ein großes "Ausverkauft" für die einzige NRW-Show von "Covenant" vermeldeten. Zwar wurde mir erst jüngst die glückliche Ehre zuteil, die Schweden auf dem Amphi Festival in Köln erleben zu können und auch standen die Termine für die eigene Headliner-Tour bereits seit längerer Zeit fest, nur konnte ich zu diesem Zeitpunkt aus terminlichen Gründen noch keine klare Zusage machen. Als meine Teilnahme dann sicher schien, war es auch schon zu spät: Das kreative Kollektiv hatte es tatsächlich geschafft, so ziemlich alle der relativ rar gesäten Konzerte Deutschland auszuverkaufen. Was also tun? Eine Möglichkeit musste es doch geben! Eine direkte Nachfrage bei "Protain" und der Kulturfabrik selbst führte leider ins Leere, alle Plätze auf der Gästeliste für Presse und Fotografen waren bereits belegt. Kein Wunder, nur wenige Tage vor der Veranstaltung selbst. Im Optimalfall gibt es aber nicht nur unglückliche Zufälle, sondern auch kleine Wunder immer wieder und in ebenjenem Fall heißt es Tina und wohnt in Oberhausen. Tina hat tatsächlich noch eine Karte für das morgige Konzert übrig und setzt sich umgehend mit mir in Verbindung. Wir verabreden uns kurzerhand für den Folgetag am Hauptbahnhof in ihrer Heimat, wo sie mir am Nachmittag kurzerhand das Ticket überreicht. Ich kann also aufatmen. Nach einem äußerst sympathischen Plausch in der geräumigen Eingangshalle verabschieden wir uns auch schon und ich verbringe die Wartezeit auf den nächsten Zug Richtung Bochum, mit einem kleinen Snack ganz in der Nähe. Gut gesättigt geht es danach schleunigst zum Gleis, von dort aus nach Wanne-Eickel und mit dem nächstbesten öffentlichen Verkehrsmittel wieder nach Hause... Entspannt geht tatsächlich anders, aber es gilt einmal mehr sich gehörig zu beeilen und keinerlei wichtige Zeit zu vergeuden. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass während meiner kurzen Exkursion der gesamte Akku der Kamera endlich aufgeladen ist und ich somit gleich eine Sorge weniger habe. Ich ziehe mich dem Anlass entsprechend um und schon geht es wieder weiter. Mein Weg führt mich via Bus zum Bochumer Hauptbahnhof, von wo aus eine Regionalbahn direkt nach Krefeld fahren soll. Es geht alles glatt und so steige ich mit einer durchaus akzeptablen Verspätung von nur wenigen Minuten ein. Da wir auf unserer Strecke die meisten Großstädte im Ruhrgebiet anfahren, sind die einzelnen Abteile gut gefüllt und doch bekomme ich einen Sitzplatz direkt am Fenster. Mir gegenüber sitzt eine Frau mittleren Alters, welche ihr Gepäck auf so ziemlich jedem freien Quadratmeter des Viersitzers verteilt hat. An einem ihrer zahlreichen Koffer ist ein "Star Wars"-Ballon befestigt, der in unregelmäßigen Abständen den gefährlichen Kontakt mit mir sucht. Ansonsten verläuft die Fahrt angenehm unproblematisch und ohne Verzögerungen. In Krefeld angekommen, gleiche ich die dortigen Fahrpläne mit den meinen auf dem Handy ab und plane die Rückfahrt. Vorbereitung ist hier alles, immerhin ist die letzte Option zurück in den Pott zu kommen für 01.00 Uhr angesetzt, will man nicht mit U-Bahn und Konsorten einen umständlichen Umweg über Düsseldorf nehmen. Ich trete in die eisige Kälte und halte nach einem Taxi-Stand Ausschau, der sich in unmittelbarer Nähe befindet und steige ein. Der Fahrer wirkt müde und nicht gerade bester Laune, was meine Zielangabe keineswegs zu bessern scheint. Er stünde schon seit drei Stunden auf seiner Position und warte den ganzen Abend verzweifelt auf einen Fahrgast. Als die Fahrt nach weniger als fünf Minuten endet, beginne ich zu verstehen und versuche mit ein wenig Trinkgeld aufzuheitern, was auch gelingt. Dankbar wünscht er mir einen schönen Abend und fährt doch noch mit einem Lächeln zurück ins Stadtzentrum.

 

Da stehe ich also und sehe meinem ersten Besuch in dieser Lokalität entgegen. Die, zumindest auf dem Papier, recht weite Anfahrt hat mich in der Vergangenheit immer wieder von der Reise in diese Stadt abgehalten, doch ging das alles weitaus einfacher von statten, als ich zuerst angenommen hatte. Bevor man die Halle betreten darf, muss zuerst eine kleine Schleuse passiert werden, in welcher gleich drei Sicherheitsbeauftragte stehen, um sowohl die Ticket-, als auch eine nicht minder notwendige Taschenkontrolle durchzuführen und dem Gast einen Stempel auf den Handrücken aufzudrücken. Danach geht es auf einen recht großen Vorplatz, auf welchem sich einige Fans aufhalten und unter anderem angeregte Konversationen über das neue Album führen. Besonders für die wärmeren Tage lobenswert zu erwähnen, sind die zahlreich aufgestellten Bänke und Tische. Auch das gepflegte Äußere der Fabrik kann sich mit seinen Lichterketten durchaus sehen lassen und vermittelt schon bei der Ankunft eine helle, einladende Atmosphäre - sehr schön! Im Inneren angekommen, verschaffe ich mir einen weiteren Überblick. Zur rechten Seite befindet sich ein großer Raum mit einer Theke und weiteren Sitzgelegenheiten, geht man weiter geradeaus, läuft man auf den großen Merchandising-Stand zu, vor welchem auch ich direkt Halt mache. Das Angebot ist wahrhaft beeindruckend: Gibt es auf den Festivals nur eine rare Auswahl an den begehrten Fanartikeln, so fährt die Band hier richtig auf. Neben vielen CDs, gibt es hier auch das neue Werk in allen drei Varianten zu erstehen. Zahlreiche T-Shirts mit Logo-Druck und verschiedenen Schriftzügen, reihen sich an Kapuzensweater, Hemden und Krawatten. Selbst einige schöne Kleinigkeiten wie Tassen und sogar Schmuck werden angeboten. Für jeden Geldbeutel ist etwas dabei, wenngleich sich die Preise für einige Artikel durchaus im gehobenen Segment bewegen. Ich entscheide mich für eine Stoffjacke mit hochwertigem Pixelmann-Stick, "The Blinding Dark" im Buchformat und einen edlen Pin. Das wäre schon mal erledigt! Zufrieden bezahle ich und habe doch erhebliche Mühe damit, alles in meiner Umhängetasche unterzubringen. Nachdem alles fachgerecht verstaut ist, geht es in den überraschend geräumigen Konzertsaal. Zu meiner Linken ist noch eine Bar errichtet, in der Mitte thront das Mischpult. Der Platz vor der Bühne ist zum Bersten voll und auch weiter hinten wird es langsam eng, ausverkauft eben. Da ich mich zum fotografieren und genießen der Lichtshow sowieso im Hintergrund halten wollte, passt das bestens und so suche ich mir ein freies Fleckchen genau gegenüber des Geschehens.

 

"Iszoloscope":

 

Um etwa 19.30 Uhr wird es zum ersten Mal dunkel in der Kulturfabrik und es ist Zeit für den ersten Act des noch jungen Abends. Der Support-Slot wird von Kanadier Yann Faussurier ausgefüllt, der unter seinem kryptischen Pseudonym "Iszoloscope" auch sogleich die schweren Bretter betritt und sich mit zügigen Schritten einem schmucklosen Pult nähert. Möchte man den zuvor gelauschten Gesprächen Glauben schenken, haben sich nur wenige Besucher im Vorfeld über ebenjenen Künstler informiert, welcher just in diesem Moment mit seinem experimentellen Set in die etwa halbstündige Reise startet. Es ist ihnen nicht zu verdenken, ist das ungewöhnliche Ein-Mann-Projekt hierzulande doch weitestgehend unbekannt und allerhöchstens Kennern spezieller Fachkreise ein fester Begriff. Schon simpelste Recherchen ergeben jedoch, dass Krefeld es hier keinesfalls mit einem unbetuchten Newcomer oder gar Amateur zu tun hat: So bespielte der aus Ottawa stammende Musiker etwa bereits mehrmals das Maschinenfest in der Turbinenhalle, sowie zahlreiche internationale Veranstaltungen, fernab der großen Mainstream-Events. Und in der Tat trifft es so manch Unvorbereiteten dadurch nur umso überraschender, als urplötzlich dröhnende Laute aus den Boxen dringen. Was nun zu vernehmen ist, lässt sich am ehesten der Sparte des sogenannten Rhytm 'n' Noise zuordnen, welcher zudem mit teils düster anmutenden Ambient-Einschüben verfeinert wird. Durchdachter, konzipierter Krach also, der auf den Ungeschulten schnell chaotisch wirken kann. So verlassen einige Besucher wieder den Saal und ziehen es eher vor, sich bei weiteren Getränken in geselliger Runde aufzuhalten. Nach einer guten halben Stunde beendet "Iszoloscope" sein Tun und verlässt unter recht verhaltenem Applaus die Bühne. Ein wenig schade, denn auch wenn die raue Klangkunst selbstverständlich alles andere als leicht ins Ohr geht, wäre dem Schaffen gegenüber etwas mehr Interesse und Respekt wünschenswert gewesen.

 

"Faderhead":

 

Der angekündigte Special Guest hingegen, ist nicht nur den Besuchern des heutigen Abends, sondern auch Szene-Gängern weltweit bekannt. Immerhin kommt nahezu keine dunkle Electro-Party mehr ohne mindestens einen seiner zahlreichen Club-Hits aus. Wenig verwunderlich also, dass sich der Raum zu Beginn des Sets immer weiter füllt und kaum mehr einen freien Platz lässt. Es ist Zeit für "Faderhead"! Nachdem sein Mitmusiker die ersten Beats Richtung Publikum feuert, betritt schließlich auch der Hamburger selbst zu den Takten von "Shame" die Bühne und sorgt auch sogleich für die erste Überraschung. Nicht nur dass der engagierte Mastermind, der mit bürgerlichem Namen Sami Mark Yahya heißt, heute ohne seine markante Sonnenbrille auf den Plan tritt, auch präsentiert er sich durch sein ungewohnt zurückhaltendes Auftreten gänzlich anders. Bedächtig verharrt er am vorderen Rand und umklammert das vor ihm stehende Mikrofonstativ. Der Sound ist exzellent abgemischt und die Atmosphäre stimmt ebenfalls, erst gegen Ende der fast schon balladesken Nummer kommt etwas Bewegung ins Spiel. Die zusätzlich aufgestellten LED-Säulen komplettieren das atmosphärische Gesamtbild. Bescheiden begrüßt der sympathische Hanseat die zahlreich erschienenen Fans in der Kulturfabrik und justiert nicht zum ersten und letzten Mal in den gut vierzig Minuten sein In-Ear-System nach. In der ihm zur Verfügung stehenden Zeit, wolle er eine völlig neue Facette von sich präsentieren und sich daher großteilig auf sein neues-altes Album "Anima In Machina" fokussieren, das einige abgeänderte Neuaufnahmen bereits bestehender Songs enthält und darüber hinaus zu einem fairen Preis am Merchandising-Stand erhältlich ist. Er wirkt deutlich nervöser und weniger gelöst als sonst, was er aber auch keineswegs zu verheimlichen versucht. Das zuvor veröffentlichte, emotionale "Escape Gravity" unterstreicht dies nur noch umso stärker und weiß die genannte Menge zu begeistern. Bei der Ankündigung des nächsten Titels "Baby Firefly" muss der sonst so hart wirkende "Faderhead" herzlich lachen, trägt ein weiblicher Gast in der ersten Reihe doch ein Shirt mit genau diesem darauf. Aber auch basslastigere Töne dürfen bei einem solchen Gig nicht fehlen und so wird etwa mit bereits etablierten Klassikern der Marke "Naughty H" und Material aktuelleren Datums wie "Sick City" rasch nachgelegt. Zum krönenden Abschluss darf der gefeierte Tanzflächenfüller "TZDV" natürlich auf keinen Fall fehlen, zu welchem alle Anwesenden nochmals gehörig all ihre Reserven aktivieren. Die perfekte Balance zwischen zerbrechlichen Melodien, kitschbefreiten Gefühlen und energetischer Party. Mehr davon!

 
"Covenant":

 

Um exakt 21.45 Uhr wird das ohnehin schon schale Licht im Saal zum letzten Mal an diesem Abend gedimmt, bis es ganz und gar finster ist und man die eigene Hand nicht mehr vor Augen zu sehen vermag. Nachdem die erste Welle ekstatischer Begeisterungsstürme allmählich verklingt, lichtet sich die scheinbar undurchdringliche Dunkelheit, nur um im Anschluss wieder von einer dichten Nebelwand verhangen zu werden. Tiefes Rauschen und bedrohliches Knarren erfüllen die zum schneiden dünne Luft, bevor die Szenerie in mystische Blautöne getaucht wird und der Zuschauerschaft somit einen klareren Blick auf das Geschehen gewährt. Während weiter vorne zwei unbemannte Keyboards zu erkennen sind, schrauben sich im Hintergrund fünf verschieden große, imposante Licht-Türme in die schier endlos anmutenden Höhen der Hallendecke. Dort stehen sie, seltsam funktionslos und irgendwie tot, wie obeliskartige Zeugen einer längst vergessenen Zeit. Und obwohl jeder hier im Raum weiß, dass gleich etwas sehr viel belebenderes geschehen wird, mutet die Atmosphäre sonderbar bedrohlich an und kreiert mit zunehmender Zeit ein merkwürdig drückendes Gefühl von Leere und purer Isolation. Nach einer von Spannung durchzogenen, ausschließlich dem Auftakt gewidmeten Viertelstunde, endet die klangliche Kreuzung aus dem "Psychonaut"-EP exklusiven "Death Of Identity" und dem Ambient-Instrumental "Fulwell" schließlich abrupt und mündet in einem allseits bekannten, donnernd voran marschierendem Beat-Gewitter. Wie auf Kommando sind alle Hände oben und klatschen euphorisch im Rhythmus, als Daniel Jonasson und Daniel Myer die Bühne von der linken Seite aus betreten und ihre Positionen einnehmen. Hinter einer weiteren Rauchwolke wird plötzlich die unverkennbare Silhouette von Mastermind Eskil Simonsson sichtbar. Erst nur schemenhaft, dann immer klarer. In einen komplett schwarzen Anzug gekleidet, greift er nach dem Mikrofon und beginnt die ersten Zeilen des Klassikers "Der Leiermann" zu intonieren, welcher im finalen Refrain kurzzeitig in seine Original-Version "Like Tears In Rain" übergeht. Ein durchaus überraschender, wie auch effektiver Opener. Spätestens jetzt kann sich keiner der Besucher mehr halten und zollt dem schwedischen Trio lautstark seinen verdienten Tribut. "Time is like a liquid in my hand...", kündigt der Frontmann die Erfolgssingle des Meilensteins "Northern Light" direkt im nahtlosen Anschluss an: "Bullet". Ein warmer, harmonischer Einstieg in die folgenden zwei Stunden, der auch sogleich von vielen Fans angenommen und tanzend empfangen wird. "Es freut mich sehr, so viele von euch zu sehen. Ich würde gerne einige neue Lieder von unserem neuen Album "The Blinding Dark" spielen.", begrüßt er das Publikum in der Kulturfabrik herzlich. Dieses erwidert die dargebrachte Geste mit unüberhörbarem Applaus und doch schwebt eine gewisse, nicht zu leugnende Vorsicht in den Reihen. Werden die neuen, von der Anhängerschaft weitestgehend zwiespältig aufgenommenen Songs live funktionieren? Diese und ähnliche Fragen waren bereits im Vorfeld zu vernehmen, sowohl innerhalb der sozialen Medien, als auch vor der heutigen Show und durchaus nicht immer zuversichtlicher Natur.

 

Das schwermütige "I Close My Eyes" tritt allen Zweifeln zum Trotz den Gegenbeweis an. Hier macht sich erstmalig die wahrlich majestätische Lichtshow mit all ihren Facetten bemerkbar. Rubinrote LED-Lichter bewegen sich passgenau zu den gespielten Melodien, helle Scheinwerfer ziehen eindrucksvoll ihre Bahnen. Ein spektakuläres Bild! "Ich bin wirklich sehr nervös bei den neuen Liedern. Hier in Krefeld fand damals vor zwanzig Jahren übrigens unser allererstes Konzert in Deutschland statt.", offenbart Simonsson. Doch das merkt man der Band bei aller Professionalität zu keiner Zeit an, auch nicht bei "Morning Star" und dem harschen "Cold Reading", die ebenfalls Teile des neuen Konzeptwerks markieren. Entgegen so mancher Unkenrufe, fügen sich die Neuzugänge äußerst stimmig in das Set ein und entfalten erst so ihre gesamte Wirkung. Doch nun soll auch erstmal wieder die Zeit für Altbewährtes gekommen sein und wie könnte dies besser gelingen, als mit dem Club-Hit "Figurehead" und temporeichen Sounds der Marke "Edge Of Dawn", vom Erstling "Dreams Of A Cryotank"? Ich überblicke das Geschehen und stelle fest, dass mittlerweile überall ausnahmslos Bewegung herrscht. Die Menge scheint jetzt selbst bis auf den letzten Mann auf Betriebstemperatur gelaufen zu sein. Wirklich still stehen tut hier niemand mehr. Echoartige Töne erklingen und verhallen sogleich wieder. Erneuter Jubel brandet auf. "Einer meiner Lieblingssongs von der "Modern Ruin". Es ist... Wie sagt man?", sucht der Sänger nach den passenden Worten. "Es ist so, als ob man "Liebe" sagt.", vollendet er seinen Satz schließlich und bietet den perfekten Einstieg in "The Beauty And The Grace". Die hochemotionale Ballade weiß auch nach all den Jahren noch immer wieder aufs Neue zu verzaubern, punktgenau zu berühren und hat nichts von ihrer hohen Intensität eingebüßt. Hypnotisch zieht melodiöse Schönheit in ihren Bann, wirkt sanft, zerbrechlich und rührt zu Tränen. Insbesondere in der Live-Version wunderschön wie eh und je. Danach dann das absolute Kontrastprogramm mit dem düster-bizarren "Go Film", das nach langer Zeit endlich wieder Einzug ins Set hält und wahres Oldschool-Feeling versprüht. Gerade im Hinblick auf die Thematik des neuen Albums "The Blinding Dark" eine nur allzu logische Konsequenz. Einfach passend und damals wie heute aktuell. "Tanzt mit mir! Wie fühlt sich das an?", fragt Simonsson auch beim folgenden "The Men" fordernd in den Saal hinein. Die ungekünstelte Freude und ergiebige Leidenschaft, mit welcher die Formation zu Werke geht, ist unübertroffen und zu jeder Sekunde deutlich spürbar. Selbst Jonasson scheint deutlich gelöster als noch zu Beginn, steuert verzerrte Shouts via Vocoder ein und sucht immer wieder den Kontakt mit der ersten Reihe. Nun ergreift der passionierte Bandkopf wieder selbst das Wort und bereichert Krefeld mit einer seiner gehaltvollen, da nachdenklichen Ansagen. Ein spiritueller Touch ist wie gewohnt nicht zu leugnen, doch gerade dies macht sie auch so unglaublich sympathisch und glaubhaft. "Ich komme aus einer kleinen Stadt. Auf eine gewisse Art und Weise sind wir alle fremd, sind wie Pilgernde auf ihrer Reise." Es sind Worte wie diese und Songs wie "20 Hz", der es im Wandel aktueller Geschehnisse bedarf. Mit dem schwelgerischen "Ignorance And Bliss" ist auch eine Nummer des letzten Albums "Leaving Babylon" im Set enthalten. Fiel diese während der vergangenen Produktionen noch jahrelang durch das Raster, so bleibt es an diesem Abend überraschend der einzige Vertreter des 2013er-Ablegers.

 

Dass die Schweden besonders auch für ihre Experimentierfreudigkeit bekannt sind, stellen sie folglich bei einer ausgedehnten Synthesizer-Session unter Beweis. Hier steht die Improvisation deutlich im Vordergrund, geht mit klanglicher Variabilität durch technische Grenzüberschreitung Hand in Hand und mündet im Everblack "Stalker". Die altehrwürdige Kulturfabrik befindet sich im Ausnahmezustand. "Darf ich kurz etwas trinken? Nur fünf Sekunden?", erkundigt sich Tastenmann Daniel Myer und lässt es sich anschließend nicht nehmen, das Publikum nochmals herzlich Willkommen zu heißen. "Hallo Krefeld, wir sind "Covenant".", ruft er freudig und legt direkt mit "Lightbringer" los. Das sonst so poppige Stück kommt einem wahren Energielieferanten gleich, geht durch die raue Stimmlange Myers aber deutlich mehr nach vorn als das Original. Den Refrain teilen er und Simonsson sich dann in gewohnter Manier auf, wodurch die jeweils sehr unterschiedlichen Interpretationsarten der beiden Musiker umso mehr herausstechen. "Applaus für Daniel Myer, einen der hart arbeitendsten Personen in diesem Business. Danke für diese Tour!", lobt Eskil seinen Duett-Partner lächelnd. Mit reichlich stroboskopischer Untermalung und dem krachenden "Ritual Noise", verlassen "Covenant" nach etwa neunzig Minuten die Bühne. Das Licht in der Konzerthalle bleibt jedoch weiterhin ausgeschaltet. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Abend noch lange nicht vorüber ist. An den Heimweg will zum jetzigen Zeitpunkt sowieso noch niemand so recht denken und so fordern die tanzwilligen Anhänger endlos anmutende Minuten nach einer Zugabe. Diese sollen sie mit dem letzten Block neuer Songs auch bekommen, welcher von dem sphärischen "Dies Irae" und der vorab veröffentlichten Single "Sound Mirrors" ausgefüllt wird. Der korrekten Einhaltung der Titel-Reihenfolge ist es auch zu verdanken, dass das stimmige Konzept auch live vollends in all seiner Dramaturgie aufgeht und sich wie ein roter Faden durch die Setlist zieht. Der unverzichtbare Dauerbrenner "Call The Ships To Port" darf selbstverständlich keinesfalls fehlen und wird im Anschluss daran mit einem Überschwall aus Blitzlichtgewitter frenetisch gefeiert, bevor das Dreigespann ein weiteres Mal von den Brettern tritt. Wer denkt, dass das alles gewesen sei, irrt gewaltig.Kurz darauf kehrt der Frontmann zum Ort des Geschehens zurück, zu aller Verwunderung jedoch allein. "Die Jungs sind noch nicht ganz fertig.", schmunzelt er verlegen und weiß die Zeit bis zur nahenden Rückkehr seiner Kollegen daraufhin charmant zu überbrücken. Ganz ohne instrumentierte Basis, trägt er die erste Strophe des tragischen "Happy Man" vor. Wenig später stimmt das Publikum begeistert mit ein, als auch die beiden Keyboarder wieder hinzukommen. Mit dem selten gespielten "Prometheus" schlagen die Gentlemen des Electro wieder ruhigere Töne und transportieren sogleich glaubhafte Schwermütigkeit in die Köpfe und Herzen der Zuschauer, während die Lichtbalken sich zu stimmigen Kreuzen umformen. Eine perfekte Wahl der Schweden, die einen wohligen Schauer nach dem anderen zu verbreiten vermag. "Wir haben uns das Beste für den Schluss aufgehoben.", bittet Simonsson zum letzten Mal in den zwei Stunden um die geteilte Aufmerksamkeit der Anwesenden. "Ich liebe diesen Song so sehr, dass wir ihn immer nur dann spielen, wenn es ausverkauft ist. Wir wollen es zu etwas Besonderem machen.", baut er weiter Spannung auf, bevor diese sich beim grandiosen "Dead Stars" endlich wieder entladen darf. Schon die ersten Takte und der von "Kraftwerk" gesampelte Countdown, lassen die Menge völlig durchdrehen und wild auf- und abspringen, als der ohrwurmige Beat einsetzt. Doch anstatt das Konzert damit zu besiegeln, haben sich "Covenant" für den Tourabschluss in Deutschland noch ein spezielles Dankeschön einfallen lassen: So treten Support-Act "Iszoloscope" und Special Guest "Faderhead" nochmals in Erscheinung und bekommen auch sogleich zwei separate Mikrofone vom Trio ausgehändigt. Gemeinsam heißt es dann "One World One Sky". Der rare Track vom Album "United States Of Mind" wird zu einer einzigen Party auf und vor der Bühne. Was für ein Finale!

 

Für mich wird es langsam Zeit sich zu beeilen, immerhin geht der letzte Zug in die Heimat um Punkt 01.00 Uhr und die "Deutsche Bahn" wartet bekanntlich nicht, sofern sie denn pünktlich kommt. Da die meisten Gäste offenbar noch längere Zeit in der Kulturfabrik verweilen möchten und sich noch am Merchandising-Stand oder den Bars aufhalten, habe ich trotz all meiner vorherigen Befürchtungen keine Probleme damit, ein freies Taxi zu finden. Der Fahrer scheint auf mein Ziel vorbereitet und ist daher alles andere als enttäuscht, als ich den Hauptbahnhof benenne. Diesen erreiche ich leichter und vor allem früher als gedacht, was dazu führt, dass sich mir noch einiges an Zeit zum vertreiben bietet. Leider haben alle Geschäfte im Inneren bereits geschlossen und außer zwei Polizisten ist hier niemand mehr unterwegs. Direkt gegenüber befindet sich allerdings das Restaurant einer bekannten Fast-Food-Kette und so versorge ich mich noch mit einer nächtlichen Zwischenmahlzeit. Als ich etwas später in meinem Zug Richtung Duisburg sitze, habe ich genügend Zeit, um das Erlebte Revue passieren zu lassen. Es war ein rundum perfekter Abend! Angefangen von der problemlosen Hin- und Rückfahrt, über das schöne Ambiente der Kulturfabrik, bis hin zum liebevoll zusammengestellten und qualitativ hochwertigen Merch-Angebot. Mit der Wahl des Supports durch "Iszoloscope" und "Faderhead" behielt man den hohen Standard bei und präsentierte gleich zwei interessante Acts, die ganz auf ihre Art die Zeit verstreichen ließen. Hatte Ersterer es mit seiner experimentell angehauchten Kunst noch bei den meisten Besuchern schwer, so wirkte gerade dieser Ansatz interessant, wohingegen der Hamburger Yahya nicht nur auf Altbewährtes zurückgreifen, sondern auch mit einem frischen Stil fesseln konnte. Der Grundstein war also gelegt und "Covenant" sollten nicht enttäuschen: Das Trio präsentierte sich gewohnt professionell, motiviert und leidenschaftlich und bot seinen zahlreich erschienenen Fans eine schlicht erlesene, perfekt durchdachte, sowie auf die Thematik des neuen Ablegers abgestimmte Setlist, die sowohl alle wichtigen Hits der Bandgeschichte, glücklicherweise aber auch lange nicht gespieltes Material vereinte. Darüber hinaus ließen die ausgiebige Spielzeit und allen voran der neue Bühnenaufbau mit seiner punktgenauen Lichtshow alles andere als zu wünschen übrig. Besonders löblich und erwähnenswert ist, dass heute auf allzu viele Nebel-Salven verzichtet wurde und die Band dank gut gesetzten Spotlights die meiste Zeit über klar zu erkennen war, ein kleines Manko der vergangenen Konzerte. Eine elektronische Nacht, wie sich besser nicht hätte sein können. Danke dafür! Einen kleinen Schockmoment soll es dann aber doch noch geben: Nur wenig später komme ich mit einigen anderen Fans in Duisburg an und warte auf den Anschluss, welcher laut Plan in weniger als zehn Minuten eintreffen soll. Tut er aber nicht. Die Anzeigetafel weist zuerst auf keinerlei Verspätung hin und stellt stattdessen die Ankunftszeit um ganze zwei Stunden nach. Aus 01.38 Uhr wird also kurzerhand 03.38 Uhr. Die Freude darüber bald im Bett zu liegen, versiegt schneller als mir lieb ist. Es gibt eben deutlich angenehmeres, als mitten in der nächtlichen Kälte zwei Stunden auf einem Gleis warten zu müssen. Panisch läuft eine junge Frau mit "Joy Divison"-Beutel zu einer nahe gelegenen Info-Säule, um sich über den Verbleib der Rückfahrgelegenheit zu erkundigen. Wider Erwarten meldet sich am anderen Ende zügig einer der Bediensteten und gibt Entwarnung: Beim Nachtrag der abzuwartenden Minuten lag ein Fehler vor, der Zug soll wenig später kommen und die Zeit nachkorrigiert werden. Erleichterung allerorts! Tatsächlich trifft alles genau wie beschrieben ein und wenig später sitzen wir alle im Warmen. Man unterhält sich über das vergangene Konzert, tauscht sich euphorisch aus und verabschiedet sich, mittlerweile auf dem menschenleeren Gleis am Bochumer Hauptbahnhof angekommen, bevor jeder schließlich wieder getrennten Weges in die kühle Nacht geht. Wie sagte Eskil Simonsson vor dem Song "20 Hz" noch so schön? "In Transit we pass by, like strangers..."

 

Setlist:

 

01. Death Of Identity / Fullwell (Intro)

02. Der Leiermann

03. Bullet

04. I Close My Eyes

05. Morning Star

06. Cold Reading

07. Figurehead

08. Edge Of Dawn

09. The Beauty And The Grace

10. Go Film

11. The Men

12. 20 Hz

13. Ignorance And Bliss

14. Stalker

15. Lightbringer

16. Ritual Noise

17. Dies Irae

18. Sound Mirrors

19. Call The Ships To Port

20. Happy Man

21. Prometheus

22. Dead Stars

23. One World One Sky

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