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Staubkind - Interview (2017)

20.04.2017

Roggenfaenger: Du hast mit deinem Projekt "Staubkind" im März diesen Jahres ein neues Album veröffentlicht, welches den klangvollen Titel "An Jedem Einzelnen Tag" trägt. Wie geht es dir so kurz nach dem Release? Ist man da auch nach all den Jahren im Business noch immer etwas aufgeregt und erwartungsfroh, wenn die harte Arbeit der vergangenen Monate endlich final in den Ladenregalen steht, oder hat sich dieser Zustand inzwischen eher eingestellt und wird durch pure Gelassenheit ersetzt?

 

Louis Manke: Ja, so ein Album-Release ist immer eine sehr sehr intensive Zeit mit einem ganz wilden Mix an Gefühlen. Einerseits ist da ganz viel Anspannung, die von einem abfällt und man freut sich darüber, endlich die neuen Songs auf die Hörerschaft loslassen zu können. Andererseits ist man natürlich auch gespannt, wie die neuen Stücke ankommen werden. Und im Grunde ist man ja auch nie ganz zufrieden und will in Gedanken schon wieder weitermachen. Und gerade bei diesem Album war es wohl die bisher emotionalste und intensivste "Arbeitszeit" bis zur Veröffentlichung. Wenn man die Entscheidung trifft, ein Album zu verschieben, dann ist das schon eine der härtesten Entscheidungen. Da stellt sich dann wirklich sehr viel Aufregung ein - werden die Fans den Weg trotzdem weiter mitgehen und die Geduld aufbringen? Aber jetzt, da das Album fast einen Monat "alt" ist, kann ich nur danke an meine tollen Fans sagen, die bisher so positiv auf die neuen Sachen reagieren und die die Wartezeit nicht übel genommen haben. Aber zusammengefasst - oh nein, von Gelassenheit bin ich da wirklich meilenweit entfernt (zwinkert).

 

Roggenfaenger: Seit kurzer Zeit ist es amtlich: Euer aktueller Longplayer hat, genau wie sein Vorgängerwerk, den achten Platz der offiziellen "Media Control Charts" erreicht und es somit in die Top-Ten geschafft. Meinen allerherzlichsten Glückwunsch dazu! Hast du mit einer derart positiven Wiederholung des eigenen Erfolgs gerechnet und bist du im Nachhinein zufrieden mit dieser Platzierung? Wie fielen denn darüber hinaus die allgemeinen Reaktionen eurer Fans und das Feedback der Presse aus?

 

Louis Manke: Da unser letztes Album so überraschend in die Top-Ten eingestiegen ist, wünscht man sich natürlich schon, dass sich so etwas wiederholt. Aber ich bin niemand, der mit Erfolg rechnet oder ihn gar erwartet. Ich bin eher ein großer Kritiker meiner eigenen Sachen und freue mich einfach, wenn es dann so gut ankommt. Dann freut man sich einfach umso mehr. Wie ich schon sagte, waren die Fan-Reaktionen zumeist sehr positiv. Es kristallisieren sich auch schon die ersten Lieblinge heraus, besonders jetzt, da wir die Songs endlich live spielen können. Wenn man mit den neuen Sachen auf der Bühne steht, haucht man ihnen erst so richtig Leben ein. Die Presse-Stimmen waren zum Teil sehr kurios - da wird die Platte von Metal-Online-Magazinen positiv bewertet und im nächsten Moment benennt das "Sat1"-Frühstücksfernsehen uns als "Pop bis hin zum Schlager". Das ist schon lustig zu hören - "Staubkind", das passt für den Musik-Fan zwischen Metal und Schlager (zwinkert). Im Übrigen freut man sich natürlich über gute Presse-Rezensionen, aber ich denke, dass solche Einschätzungen sehr subjektiv sind und sie sind für mich jetzt nicht das "Zünglein an der Waage".

 

Roggenfaenger: Für "An Jedem Einzelnen Tag" hast du im Studio auch wieder mit Henning Verlage zusammengearbeitet, dessen Name vielen Lesern sicher von seinen Aktivitäten bei "Unheilig" und "Neuroticfish" ein fester Begriff ist. Diese starke Kooperation besteht ja bereits seit dem dritten Album "Staubkind". Wie kam damals zu diesem Vorhaben und gab es dieses Mal nennenswerte Unterschiede in der allgemeinen Vorgehensweise oder gar spezielle Problematiken? Der Veröffentlichungstermin wurde ja für viele Hörer überraschend auf das Jahr 2017 verschoben.

 

Louis Manke: Dass der Veröffentlichungstermin verschoben wurde, lag nicht daran, dass das neue Album zum ursprünglich geplanten Veröffentlichungstermin einfach noch nicht so fertig war, wie ich das gern haben wollte. Ich hatte einfach das Gefühl, noch nicht "zu Ende geschrieben" zu haben. Es haben sich außerdem viele neue Möglichkeiten und Kontakte ergeben, die ich für das Album gern noch nutzen wollte. Und jetzt ist es einfach der richtige Zeitpunkt gewesen, zu dem ich die Songs so veröffentlichen konnte, wie sie sein sollten. Die Zusammenarbeit mit Henning hatte sich ursprünglich ergeben, da wir uns schon sehr lange kennen und wir einfach super miteinander arbeiten können. Seine Produzenten-Handschrift passt einfach zu "Staubkind" und er kennt mich auch gut genug, dass wir ein sehr gutes Team sind. Bei diesem Album gab es die Besonderheit, dass noch ein zweiter Produzent - Ingo Politz - mit an Bord war. Er hat schon Bands wie "Silly", "Silbermond" oder auch "Joris" produziert und ich fand, dass sein Sound sehr gut zu den neuen Stücken passen würde.

 

Roggenfaenger: Die musikalischen Ursprünge habt ihr im Bereich des sogenannten Dark-Rock, wie sowohl das Debüt "Traumfänger" als auch sein Nachfolger "Zu Weit" seinerzeit veranschaulichte. Eure Wurzeln liegen seit den Anfängen dadurch in der schwarzen Szene. Schon "Alles Was Ich Bin" hat rein instrumental betrachtet eine andere Richtung eingeschlagen, der Sound wurde um ein Vielfaches zugänglicher. Mit "An Jedem Einzelnen Tag" geht ihr diesen Weg nun weiter, offenbart sogar so manches Mal einige Pop-Anleihen. Obwohl ihr euch bei den Themen und Texten treu geblieben seid, ist im Netz auch durchaus Kritik von euren Alt-Fans zu vernehmen, die euch die Kommerzialisierung eurer Musik und eine Anbiederung an den Mainstream bescheinigen. Wie stehst du dazu und worin siehst du die Hinwendung zu einem deutlich zugänglicheren, poppigen Klang begründet? Nimmst du selbst diese Veränderungen überhaupt so genau wahr?

 

Louis Manke: Ich kann sagen, dass ich die neuen Songs immer noch als 100%ig "Staubkind" empfinde. Ja, die Sounds haben sich ein Stück weit verändert, aber das ist bei einer Zeitspanne von dreizehn Jahren zwischen dem ersten und dem neuen Album auch eine ganz normale Entwicklung, denke ich. Ich habe nie eine bewusste Entscheidung über ein Abwenden von einer Szene getroffen, genauso wie ich mich nie für oder gegen ein Publikum oder eine Hörerschaft entschieden habe. Ich habe schon damals gesagt und vertrete weiterhin diese Meinung, dass jeder, der "Staubkind" mag, herzlich eingeladen ist, uns anzuhören - ob nun schwarz oder bunt. Ich mag persönlich sehr gern eingängige Melodien, auch gern sparsamer instrumentiert - finde viele schön Stücke in aktueller Pop-Musik. Sicher orientiere ich mich beim Schreiben an solchen Vorlieben. Aber der Begriff "Pop-Musik" ist doch so weit gefächert - wo fängt das an, wo hört das auf? Die Zutaten der "Staubkind"-Songs sind unverändert, wenn auch vielleicht die Gitarre etwas cleaner oder der Rhythmus etwas poppiger daher kommt. Ich stecke weiterhin Herz und Seele in jedes Stück und denke, dass Schubladen doch unerheblich sind, wenn es darum geht, dass Musik ehrlich den Hörer erreichen kann. 

 

Roggenfaenger: Allen Songs wohnt eine fast schon konzeptionell positive Grundstimmung inne, die sich vom ersten Titel an wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit zieht. Immer wieder wird der Hörer sanft ermutigt und frei nach dem Motto "Das Beste kommt noch" daran erinnert, dass Aufgeben keine Option ist und nach allem Schatten auch wieder Licht kommt. Auch du hast, wie jeder andere Mensch auch, ganz sicher schon schwere Zeiten durchgemacht. Wer oder was hat dir in solchen Momenten geholfen und dich gestützt? Hast du vielleicht einen Ratschlag für die Leser, wie man sich den eigenen Optimismus bewahren und anschließend wieder "fliegen lernen", einfach "lauter leben" kann?

 

Louis Manke: Dankeschön - das ist eine sehr schöne Beschreibung eines der Gedanken hinter dem Album. Ja, natürlich bin auch ich ein Mensch, der Höhen und Tiefen kennt. Ich versuche tatsächlich, immer das Beste aus dem Moment zu machen. Ich weiß, dass es mir in vielerlei Hinsicht sehr gut geht, dass ich glücklicherweise gesund bin und dass schon das nicht selbstverständlich ist. Ich habe kein Patentrezept für schlechte Zeiten - das wäre wohl beneidenswert. Aber ich versuche mich, an dem festzuhalten und auf das zu besinnen, das ich habe. Und natürlich habe auch ich das Glück, im richtigen Moment die richtigen Menschen um mich zu haben, die mich kennen und einfach da sind.

 

Roggenfaenger: Überall auf der Welt passieren beinahe täglich viele schreckliche Dinge. Krieg, Terror, Gewalt, Angst und Leid dominieren immerzu die Schlagzeilen und das Tagesgeschehen. Darüber hinaus leben wir in der "Generation Smartphone", in der jede Sensation nur einen Klick weit entfernt ist und dadurch zur standardisierten Nebensächlichkeit verkommt. Und auch der graue Alltag holt immer mehr Menschen langsam ein. Burn-Out ist die neue Volkskrankheit, immer mehr Menschen erleiden Depressionen und kommen von ihren Sorgen nicht mehr los. Wenig verwunderlich also, dass der Blick für die vielen Kleinigkeiten, all die wundersamen Dinge und besonderen Momente dabei zu oft auf der Strecke bleibt. Was braucht es deiner Meinung nach, damit man die Welt wieder wie "mit Kinderaugen" sehen kann? Hast du dir diese spezielle Art der Weltanschauung bewahren können?

 

Louis Manke: Ich denke, dass es genau dieses "Bewahren" und auch ein "Besinnen" ist, das uns gelegentlich fehlt. Ich bin selbst sicher nicht frei davon, hier und da ein unruhiges Leben zu führen. Aber gerade in Zeiten wie den jetzigen muss man einfach alles Gute wahrnehmen, das uns umgibt. Denn es ist immer noch so viel davon da. Es mag vielleicht naiv klingen, aber es gibt immer noch so viele schöne Dinge, die wir haben und die uns begleiten, die aber einfach selbstverständlich da zu sein scheinen. Und was bleibt in Zeiten, in denen man sich manchmal nur hilflos fühlen kann, übrig, als ein wenig Hoffnung. Suchen wir nicht immer nach großen Wundern und Lösungen, sondern schauen wir mal wieder auf die scheinbaren Kleinigkeiten. 

 

Roggenfaenger: Um die vorangegangene Frage etwas weiter zu vertiefen und gleichzeitig mehr auf den Titel einzugehen: Was glaubst du, sollten wir alle "an jedem einzelnen Tag" schätzen und tun? Kurz: Wie sollten wir ihn verleben?

 

Louis Manke: Vorab möchte ich sagen - leben und leben lassen. Ich glaube nicht, dass es die eine, richtige Art gibt, zu leben. Jeder ist auf andere Art glücklich. Ich kann nur für mich sprechen und sagen, dass man zuallererst seine Gesundheit schätzen sollte. Darauf hat man nur begrenzt Einfluss und doch wird sie so lange für selbstverständlich gehalten, bis es einem nicht mehr gut geht. Ansonsten denke ich, dass man gar nicht so riesige Erwartungen an jeden einzelnen Tag haben sollte, sondern das annimmt, was sich einem bietet. Klingt abgedroschen, aber wenn ich das Gefühl habe, ich habe das Beste aus dem Tag gemacht bzw. fühle mich einfach zufrieden - dann ist doch alles gut.

 

Roggenfaenger: Derzeit bist du mit deiner Band auf großer Tournee durch ganz Deutschland, die ersten Termine liegen bereits hinter euch. Kannst du anhand dessen schon ein kleines Resümee ziehen? Wie verliefen die bisherigen Shows und was habt ihr bei den einzelnen Terminen schon alles erlebt? Was ist dir dabei besonders im Gedächtnis geblieben?

 

Louis Manke: Wir haben jetzt in Stuttgart unser fünfzehntes Konzert der Tour gespielt - jetzt bleiben noch Vier. Wir nähern uns also dem Tour-Ende und ich kann sagen, dass es bisher großartig ist. Wir haben zum Teil in wohlbekannten Clubs gespielt, aber auch Live-Premieren gehabt, auf die wir total gespannt waren. Erst vor zwei Tagen waren wir endlich wieder einmal in der Schweiz, worauf wir uns wahnsinnig gefreut hatten. Ich kann gar nicht wirklich sagen, wo es bisher am schönsten war - besonders waren natürlich die Konzerte in Berlin und in Dresden, weil da einfach sehr viele Freunde und Familie da waren. Wir haben ganz kleine Clubs bespielt und das Publikum hat gefeiert wie in der großen Halle. Es war querbeet wirklich wahnsinnig toll und wir waren manchen Abend ganz schön platt über die tollen Reaktionen. Besser könnte es eigentlich nicht laufen. 

 

Roggenfaenger: Wie sehen die Pläne für das noch junge Jahr 2017 aus? Wird es im weiteren Verlauf noch zusätzliche Konzerte geben, bespielt ihr mit dem neuen Set vielleicht sogar so manches Festival?

 

Louis Manke: Wir haben definitiv einen schönen Konzert-Sommer mit vielen Festivals und Stadtfesten vor uns - die Daten werden auch bald veröffentlicht. Wie sagt man so schön - "Vor der Tour ist nach der Tour". Wir werden nicht wirklich Pause machen, sondern sind in der Open Air-Saison wieder kräftig unterwegs. Und dann haben wir ja auch wieder ein paar besondere Spielorte für unsere Akustik-Konzertreihe "Wo wir zu Hause sind" im Auge, die wir gern noch besuchen wollen. Da ist einiges geplant!

 

Roggenfaenger: Kommen wir nun zur letzten Frage und gestalten diese zum Abschluss doch einmal ganz klassisch. Gibt es da etwas, was du deinen Fans und allen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?

 

Louis Manke: Ich finde, jetzt ist es ein guter Zeitpunkt ein ganz großes "DANKESCHÖN" dafür auszusprechen, dass Ihr uns eine so schöne Tour beschert habt. Es war toll, so viele von Euch wiederzusehen oder auch zum ersten Mal. Und natürlich auch ein Dankeschön dafür, dass Ihr uns zu diesem tollen Platz Acht in den Album-Charts verholfen habt. Schon zum zweiten Mal - das war wirklich Wahnsinn! Das ist wirklich alles nur mit Euch möglich! Und an alle Leser - hört doch einfach mal bei uns rein oder - noch besser - kommt vorbei - wenn wir mit "Staubkind" wiederkommen. Eine gute Zeit für alle!

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