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Me The Tiger - Lacrimosa - DAF (2017)

30.08.2017

 

Me The Tiger - What Is Beautiful Never Dies (2017)

 

Genre: Electro / Pop

 

Release: 18.08.2017

 

Format: CD

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

 

Label: Repo Records (Alive)

 

Spielzeit: 47 Minuten

 

Fazit:

 

"What is beautiful, never dies" - Was schön ist, stirbt nicht. Diese gefährliche, wie auch wunderschöne Betitelung haben die schwedischen Musiker "Me The Tiger" aus Falun für ihr neuestes Album ausgewählt. Die junge Band aus Sängerin Gabriella Aström, Gitarrist Tobias Andersson und Drummer Jonas Martinsson wagt sich nach ihrem selbstbetitelten Debüt von 2013 und dessen Nachfolger "Vitriolic", welcher schon zwei Jahre später in den Plattenläden erschien, in der eigenen Karriere weiter voran. Auch die beiden Festival-Shows auf dem Mera Luna und Nocturnal Culture Night zeugten sichtlich von dem strebsamen Selbstbewusstsein des sympathischen Trios und erntete positive Kritiken bei Besuchern und Presse. Zurecht. Es scheint fast ein wenig so, als habe es diese Zeit gebraucht, um an den eigenen Ansprüchen zu wachsen und sich gleichsam in die positive Erinnerung der potentiellen Hörer zu spielen. Jedenfalls scheint der klare Weg der selbsternannten Tiger genau den richtigen Kurs zu nehmen. Am 18.08.2017 erscheint nun also der dritte Longplayer und schickt sich an, den Beweis für den gereiften Status anzutreten. Mit "I Thought Sleep Would Do It" gelingt der eindrucksvolle und doch einfach andere Start. Anstelle eines berechenbaren, gewohnt energetischen Openers präsentiert man sich eher zurückhaltend und steigert den ausgewogenen Druck erst langsam zum Ende hin in ungeahnte Höhen. So wird der Song doch noch zu dynamischem Synthie-Pop mit erheblicher Reife und absoluten Gütesiegel, dessen markantes Aushängeschild klar die unverkennbare Stimme von Aström ist. Einige charmante, retrolastige Nuancen versehen das Material zusätzlich mit Hit-Potential, das sich hier vor allem durch den eingängigen Chorus begründet und etwa an "Heartbeat" aus dem Zweitwerk erinnert. Das folgende "Saknaden" bietet einen gediegenen Einstieg und entfaltet von Beginn an eine seltsam beruhigende Stille. Dezent gefilterte Gesangspassagen vermengen sich mit fein perlender Elektronik, die sodann in einen hymnisch-kraftvollen Refrain übergehen. Treibend, aber nicht allzu vordergründig pulsierend und dabei filigran ausbalanciert. Mit der ersten Single-Auskopplung "Hollow" wird es dann wieder etwas temporeicher. Ebenso energiegeladen wie die beiden Songs zuvor, liefern "Me The Tiger" klar akzentuierte Ohrwurmqualität ab, die ihre Kraft insbesondere einmal mehr aus dem Gesang schöpft. "Hiraeth" ist die erste, echte Ballade des Albums. Eine zarte, zerbrechliche Atmosphäre macht sich breit. Dezente Streicher-Elemente im Hintergrund bilden den Rahmen für die Stimme der talentierten Sängerin, die den Song quasi im Alleingang durch die variable Kraft ihres Organs trägt. Ganz ohne Bombast, der hier auch überhaupt nicht nötig ist.

 

"Meadow" wirkt hingegen nachdenklich, still und elegisch. Die interessante Struktur des reduzierten Arrangements und der ungewohnte Aufbau zeugen vom kreativen Sound, welcher mal dröhnend und dann wieder ganz sanft daherkommt. Leicht verzerrte Elemente und als Stilmittel eingebundene Echos setzen abschließend besondere Akzente. "Of What I Am" holt den Hörer durch seine Melodie sogleich zu Beginn ab und geht sofort ins Ohr, auch wenn der Track durch den Refrain viel zu genetisch anmutet und ebenso wie die gefällige, kurzweilige Midtempo-Nummer "Kerosene" zum Rest des starken Albums eher abfällt. Der lupenreine Pop-Song "This Is Not Me" gemahnt untrüglich an den Erstling der Band. Eine mitreißende Melodie und kernige Elemente loten die Grenzen des üblichen Standards aus: Klangliche Dynamik par excellence! "Your Empire" bündelt danach scharfzüngige Gesellschaftskritik mit schwarzem Humor und erzeugt angenehme Spannung aus seiner Rhythmik, bevor mit "What Is Beautiful" der Titeltrack ansteht. Dieser glänzt mit einem perfekt abgestimmten Wechselspiel aus ruhigen Passagen und einem kräftigen Chorus, dessen Höhepunkt sich aus der homogenen Mischung aus straight rockender Melodie und Gesang definiert. "You Must Die (Fortress Europe)" nimmt dem Fluss bewusst etwas Fahrt und fokussiert auf die glamouröse Essenz der bandeigenen Fertigkeiten. Der Abschluss einer musikalischen Reise, der ebenso ungewohnt nachwirkt, wie schon ihr Anfang. So lässt sich sagen, dass "Me The Tiger" nach ihren beiden ersten Alben mit dem dritten Werk der ganz große Wurf nahe der Perfektion gelingt. Ein gesteigerte Weiterentwicklung ist klar herauszuhören, traut sich das Trio neben tanzbarem Electro dieses Mal auch und vor allem ruhigere Momente in seinen Kosmos zuzulassen, die dem gesamten Sound gut zu Gesicht stehen und dem Facettenreichtum sehr zuträglich sind. Die Band baut ihre Stärken innerhalb der Kompositionen, die puren Optimismus und Mut versprühen, weiter aus. Die Songs wirken gleichsam weniger technisch und strukturiert, dafür aber über weite Strecken nun bombastischer und belebter. Es kristallisiert sich kein spezifischer Titel heraus, die einzelnen Lieder fungieren und stehen als feste Einheit und sind grundlegend und fast ausnahmslos durch die Bank weg homogen zueinander, wenngleich sie sich in ihrem Aufbau streckenweise auch etwas zu sehr ähneln und an manchen Stellen etwas weniger mehr gewesen wäre. Dennoch liefern die Schweden einen frischen Sound und eine angenehm leichtfüßige Originalität, welche in diesem Genre die willkommene Abwechslung ist und sich einfach nur gut anfühlt.

 

Informationen:

 

https://methetigerblog.wordpress.com/

 

https://de-de.facebook.com/MeTheTiger/

 

Lacrimosa - Testimonium (2017)

 

Genre: Rock / Alternative

 

Release: 25.08.2017

 

Format: CD

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

 

Label: Hall Of Sermon (Sony Music)

 

Spielzeit: 62 Minuten

 

Fazit:

 

Im Jahr 1990 von Wahlschweizer Tilo Wolff aus der Taufe gehoben, stand "Lacrimosa" anfangs noch als reines Ein-Mann-Projekt, bevor später Anne Nurmi als festes Mitglied integriert wurde. Der Bandname bezieht sich dabei auf Wolfgang Amadeus Mozarts "Requiem" und bedeutet so viel wie "die Tränenreiche". Zu Beginn dem, durch die Medien erfundenen, Genre der Neuen Deutschen Todeskunst zugeschrieben, etablierte sich das Projekt schnell in der schwarzen Szene, in welcher es bis zum heutigen Tage fest beheimatet ist und bediente über diese Zeit diverse Stilrichtungen von Dark Wave, Gothic und Symphonic Metal. Durch die nahtlose Verknüpfung harter Gitarren mit fließenden Versatzstücken der Klassik, kreierte Wolff schnell seinen ganz eigenen, uniquen Stil und gilt damit als einer der bezeichnendsten Musiker der dunklen Bewegung, deren Wurzeln er entscheidend mitgestaltete. "Lacrimosa" zählen mit Fug und Recht zu den charakteristischsten Ikonen, die noch immer unermüdlich aktiv zu Werke gehen und ihren Status mit jeder Veröffentlichung von Mal zu Mal wieder sichern. Vor rund zwei Jahren erschien mit "Hoffnung" vorerst das letzte Album, welches flächendeckend für großartige Resonanz bei Journalisten und Fans zu sorgen wusste, dessen Nachfolger nun am 25.08.2017 in den Startlöchern steht. Das titelgebende Wort "Testimonium" entstammt dem Lateinischen, was frei übersetzt soviel wie "Zeugnis" besagt. In der Philologie hingegen spricht man von einer Überlieferungsbekundung eines Textes oder einer Schrift und deren Bezeugung durch ein Zitat. Und tatsächlich könnte wohl kaum eine andere Begrifflichkeit passender für die neue Veröffentlichung gewählt worden sein. Konzipiert wurde ein aufwändiger Requiem in Gedenken an die im Vorjahr verstorbenen Künstler, insgesamt aufgezehrt in vier Akte. Dieses Unterfangen stellte nach eigener Aussage schon seit jeher Anreiz und Herzensangelegenheit für den versierten Künstler dar, wovon allein schon der weiter oben rezipierte Hintergrund des Bandnamens zeugt. Wenngleich dieses Vorhaben auch erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt in der Karriere und Diskographie geplant war, so kam es doch ganz anders. Manchmal müssen Handlungsstränge eben intuitiv erfolgen. 

 

Wer kenn sie nicht? Legenden wie etwa David Bowie, Prince oder Leonard Cohen bewegten die ganze Welt nachhaltig und insbesondere Wolff selbst wuchs mit deren Schaffen auf, zog aus deren Lebenswerk die gesamte Inspiration für das, was er seit nunmehr fast dreißig Jahren mit "Lacrimosa" verkörpert. Das neue Album ist seinen Idolen allein zum Dank für die Ewigkeit gewidmet. Mit "Wenn Unsere Helden Sterben" beginnt die Trauermesse und knüpft exakt dort an, wo das letzte Werk, die "Hoffnung", einst aufhörte. Allein in den ersten Sekunden des eröffnenden Titels gibt sich eine klare Weiterentwicklung des Sounds zu erkennen. Die Arrangements gewinnen hier deutlich an Tiefe, die pointiert eingesetzte Virtuosität ist wahrscheinlich mehr denn je auf den Punkt gebracht und bringt die trauernde Andacht und zeitgleich auch brennende Leidenschaft lebhaft zum Ausdruck. So auch bei dem dramatischen Spannungsbogen von "Nach Dem Sturm", bei welchem die Saitenfraktion nahtlos in ein symphonisches Paradies aus Streichern und Hörnern übergeht. Immer wieder liefern sich ruhige Passagen ein Wechselspiel mit donnernder Aggressivität und lassen dabei doch Raum für Einschübe von Trompeten, Posaunen, Violinen und Celli. Stellenweise offenbart sich dem Hörer die glaubhafte, emotionale Tragik eines Blockbuster-Soundtracks innerhalb der durchweg schlüssig funktionierenden Kompositionen, die bei Liedern wie "Zwischen Allen Stühlen", "Weltenbrand" oder "Lass Die Nacht Nicht Über Mich Fallen" nicht selten an Genie und Wahnsinn eines Bach oder Beethoven gemahnen. "Herz Und Verstand" wird dann fast ausnahmslos von einer rein akustischen Gitarre getragen, wohingegen mit "Black Wedding Day" und "My Pain" sogleich einschneidende Kontraste gesetzt werden. Die einzigen beiden englischsprachigen Titel, von denen Letzterer traditionell von Nurmi intoniert wird, tragen eine metallische Schwere in sich und balancieren den schmalen Grad zwischen Schmerz, Verzweiflung und Einfühlsamkeit aus. Nach der ergreifenden Ballade "Der Leise Tod" folgt der Schlusspunkt mit "Testimonium", der ein Gebilde aus erschütterndem Doom, Metal, Gothic und zurückhaltenden Klassik-Nuancen erzeugt. Auch nach all den Jahren im Musikgeschäft wissen "Lacrimosa" noch immer zu überraschen und sich dessen Mustern mit gesundem Selbstbewusstsein zu widersetzen. Ganz ohne einen hervorstechenden Single-Kandidaten und ohne Hits nach dem bekannten Schema, bestreitet man 2017 weiterhin den steinigen Weg. Eingängige Songs wie "Alles Lüge", "Stolzes Herz", "Ich Bin Der Brennende Komet" und "Alleine Zu Zweit" sucht der geneigte Hörer hier vergeblich. "Testimonium" ist viel mehr wie ein zweiter Teil des Epos "Einsamkeit" von 1992, eine Art schwer zugängliches Gesamtkunstwerk. Ein komplexes Konstrukt aus etlicher Trauer, Wut und tiefer Sehnsucht, das emotionale Geschichten erzählen, fesseln und berühren will und wird, wenn man es denn nur zulässt.

 

Informationen:

 

http://lacrimosa.com/

 

https://de-de.facebook.com/LacrimosaOfficial/

 

 

DAF - Das Ist DAF (2017)

 

Genre: EBM / Electro / Alternative

 

Release: 29.09.2017

 

Format: Box-Set

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 5

 

Label: Grönland (Rough Trade)

 

Spielzeit: 181 Minuten

 

Fazit:

 

Seit nunmehr neununddreißig Jahren sind sie nun schon ein unersetzlicher Teil der Musikwelt und tanzen bis zum heutigen Tage den Mussolini: "DAF" - Die Deutsch-Amerikanische Freundschaft. Einst 1978 in Wuppertal und Düsseldorf zusammenschlossen, zählt das Kollektiv neben "Kraftwerk" und "Can" zu den weltweit einflussreichsten Acts im Bereich der elektronischen Musik und gilt ob ihrer geleisteten Pionierarbeit als absoluter Vorreiter auf diesem Gebiet. In den Anfangstagen noch eine vollständige Band aus den Mitgliedern Kurt Dahlke, Chrislo Haas, Michael Kemner und Wolfgang Spelmanns, reduzierte sich das illustre Gespann während einer Tournee durch England im Jahr 1981 auf seinen ursprünglichen Kern: Schlagzeuger Robert Görl, der seine eigentlichen Wurzeln im Jazz und der Klassik hatte, sowie Sänger Gabi Delgado-Lopez. Das neuerliche Konzept und dessen unverwechselbares Image ging rasch auf und führte schnell zu erhöhter Aufmerksamkeit und kommerziellem Erfolg. Die einfache und doch geniale Formel: Punk. Allerdings ohne bekannte Standard-Elemente wie Gitarre und Bass. Es sollte der inspirative Ursprung für die Electronic Body Music und den Techno sein. Bis heute gefeiert und verächtet, geliebt und gehasst. Am 29.09.2017 erscheint über Grönland Records die ultimative Werkschau des legendären Duos und fasst dabei die Schaffensphase von 1980 bis 1982 zusammen, in denen die beiden Musiker besonders produktiv waren. Dabei ausgeblendet werden allerdings das experimentelle Debüt "Ein Produkt Der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft", das Live-Dokument "Live In Berlin 1980", der Ausflug in internationale Gefilde "1st Step To Heaven" und das letzte Studiowerk "Fünfzehn Neue DAF-Lieder" von 2003.

 

Der geschärfte Fokus liegt hier also lediglich auf den vier Alben "Die Kleinen Und Die Bösen", "Alles Ist Gut", "Gold Und Liebe" und "Für Immer", welche die Musikgeschichte mit ihrer wegweisenden Machart aus dadaistischen Texten und repetitivem Minimalismus maßgeblich prägten und neue Maßstäbe setzten. Bis weit über die Grenzen verschiedenster Szenen hinaus, sollte dieser Sound zu einer Inspiration und dem Herzschlag einer ganzen Generation werden. Dass die Clubs bis zum heutigen Tage meist restlos ausverkauft sind und die beiden eigenwilligen Querdenker ihre Fans sowohl im In- und Ausland auf Konzerten und Festivals jeglicher Couleur zu begeistern wissen, muss dabei eigentlich schon gar nicht mehr erwähnt werden. Von "Osten Währt Am Längsten", "Nacht Arbeit", "Volkstanz" und "Die Lustigen Stiefel", über "Sato-Sato", "Der Mussolini", "Mein Herz Macht Bum" "Der Räuber Und Der Prinz", "Alle Gegen Alle" bis zu "Ich Will", "Muskel", "Verschwende Deine Jugend" und "Kebab Träume" sind alle prägenden und oftmals nicht minder wegweisenden Tracks enthalten. Mal Augenzwinkernd und ernst, dann wieder gelöst, frivol oder kritisch gehen "DAF" bei jedem einzelnen ihrer Songs punktgenau zu Werke und regen damals wie heute ebenso sehr zum nachdenken wie auch zum ausgelassenen bewegen an. Neben den aufgeführten Studioalben bietet die schicke Box zudem eine weitere CD mit exklusiven Remixen von "Westbam", "Boys Noize", "Görl & Hell", "LOR", Giorgio Moroder und Gabi Delgado selbst und ein Poster. Schade ist lediglich, dass nicht die gesamte Diskographie des Duos enthalten ist und zudem auf ein komplettes Remastering der Titel verzichtet wurde, was aber immerhin den Nostalgie-Faktor hochhält. Wer Interesse an der Musik von Görl und Delgado hegt, diese Meisterwerke aber noch nicht in seiner Sammlung weiß, sollte diese Lücke umgehend schließen und Ende diesen Monats im Plattenladen seiner Wahl Ausschau halten. Denn: "Du bist DAF!“.

 

Informationen:

 

https://www.groenland.com/artist/deutsch-amerikanische-freundschaft/

 

https://de-de.facebook.com/DASISTDAF/

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