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ASP - zutiefst (2017)

25.10.2017

Genre: Rock / Alternative

Release: 27.10.2017

 

 Format: Doppel-CD

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 2

 

Label: Trisol Music Group

 

Spielzeit: 76 Minuten

Pressetext:

 

Die Essenz des Gothic Novel Rock, ein Destillat des ASPschen Schaffens.

Die Fans haben diesen Moment herbeigesehnt: Endlich kehren ASP zurück zum Erzählzyklus 'Fremder' und bringen die im Top-Ten-Album 'fremd' begonnene Reise und mit dem Nummer-2-Album 'MaskenHaft' vertiefte Story zu einem neuen Höhepunkt. Beziehungsweise geht es hinab in die unergründlichsten Tiefen der menschlichen Seele. Im Gegensatz zum von Kritikern hochgelobten Erzählkonzept 'Verfallen' konzentriert sich Mastermind Alexander 'Asp' Spreng mit 'zutiefst' ganz klar auf das, was die Fans lieben und die Band so besonders macht: Zehn schaurige, musikalische Kurzgeschichten enthalten das fein destillierte Können, bilden die wohl kleinste literarische Einheit. Jeder Song weiß mit seiner eigenen fantastischen Handlung zu fesseln, und dabei geht Asp geradezu lustvoll ans Werk. Auch wenn das Album wie immer lyrisch anspruchsvoll ausfällt und dem ASP-Fan viele Anspielungen und Rückbezüge bietet, spürt man bei 'zutiefst' eine Leichtigkeit, die geradezu im Widerspruch mit der Komplexität und der Tiefgründigkeit der Texte zu stehen scheint. Eine solche Hitdichte gab es selbst bei den melodie-treffsicheren ASP seit Jahren nicht. Hier reiht sich ein Gothic-Novel-Hit an den anderen, und ein zukünftiger Live-Evergreen jagt den nächsten.


ASP sind ein unergründliches Phänomen in der deutschen Musiklandschaft. Seit Jahren erkämpfen sie sich unermüdlich und mit lodernder Leidenschaft ein stetig wachsendes Publikum - und das über alle Szenegrenzen hinaus. Dabei bleiben sowohl die Musiker als auch ihre Kunst stets authentisch und schaffen es ohne die geringste Anbiederung an den Mainstream, sich regelmäßig hohe Ränge in den Media Control Charts zu sichern. Längst haben Freunde anspruchsvoller Texte und tiefgründiger Rockmusik gemerkt, dass sich hinter der gruseligen Maske und den oft alarmierenden Inhalten Kompositionen von großer Kraft und tröstender Melancholie verbergen.
Fast hat man bei 'zutiefst' das Gefühl, eine Art Best Of vor sich zu haben. Das neue ASP-Album verbindet die verspielte Anmut von ASP-Klassikern wie 'Weltunter' mit der erdigen Wuchtigkeit von 'fremd'. Man findet hymnische Heavy-Rocker ebenso wie beinahe Soundtrack-artige, wavige Momente und Anklänge epischer Darkrock-Opern.
Im Gegensatz zu manch anderen Vertretern des eher düsteren Bereiches spürt man stets deutlich das lyrisch-selbstironische Augenzwinkern in den Kompositionen, was der Sache absolut guttut. 

Selbstverständlich sind ASP ihren Wurzeln treu geblieben, und es gibt so manch schaurige Erzählung auf der neuen Scheibe, aber ganz klar ist: Dieses Album macht unbändigen Spaß. Es ist schlicht wieder: zutiefst ASP!

 

Kritik:

 

"Trotz aller Gefahren, lass alle Vernunft

 

Alte Hoffnungen fahren, die Übereinkunft

 

Vieler Stimmen aus Mündern mit Zähnen bewährt, wenn den lauschenden Kindern ein Seufzen entfährt

 

Wirf den Traum in die Fluten, den Mäulern zum Fraß

 

Lass dein Herz nicht mehr bluten, den Stein wo's einst saß

 

Folg uns ins Ungewisse, wir fliehen über Bord

 

Du wirst ihn kaum vermissen, komm zieh' mit uns fort"

 

"Wir standen gemeinsam am Abgrund und wir lauschten... Fortsetzung folgt! Dann kam die Verbeugung, wir sind noch ganz berauscht, denn: Fortsetzung folgt! Wir wissen heute schon, es gibt bald ein Wiederhören, diese magische Verbindung lässt sich nicht so leicht zerstören - Fortsetzung folgt!". Exakt so lauteten die bedeutungsschweren Zeilen des Refrains von "Fortsetzung Folgt (1)", dem finalen Song des vorletzten Studioalbums mit augenzwinkerndem Cliffhanger-Charme. Doch werfen wir dahingehend zunächst nochmals einen nicht allzu geringfügigen Blick zurück, besinnen und erinnern uns ganz langsam wieder: Im Herbst des Jahres 2015 unterbrachen "ASP" ihren aktuell laufenden "Fremder"-Zyklus überraschend für einen ganz besonderen Ausflug in gänzlich andere Gefilde. In enger Zusammenarbeit mit Erfolgsautor Kai Meyer erschuf man einen fesselnden Zweiteiler um den fiktiven Hauptprotagonisten Paul, welcher aus seiner Heimatstadt Berlin auszog, um in der Ferne das große Glück zu suchen. Seine Reise sollte jäh am Hauptbahnhof zu Leipzig enden, in dessen unmittelbarer Nähe er auf das prunkvolle Hotel "Astoria" stieß, in welchem er fortan als Hausmeister zu arbeiten begann. Doch in den verwinkelten Gängen, Zimmern und Räumlichkeiten der luxuriösen Herberge schien es schon nach kurzer Zeit nicht mehr mit rechten Dingen zuzugehen... Mit "Verfallen - Folge 1: Astoria" und "Verfallen - Folge 2: Fassaden" kreierte die nimmermüde Szene-Koryphäe eine wahrhaft packende Gruselgeschichte par excellence und blieb ihrem hohen Anspruch an das eigens begründete Genre "Gothic-Novel" mehr als nur treu. Nachdem im vergangenen Frühjahr zuerst das spektakuläre Finale der komplexen, Musik gewordenen Horror-Mär fernab des großen Plans seinen verdienten Weg in die Öffentlichkeit fand, mit der 4-CD-Box "Live Auf Rauen Pfaden" dem fünfzehnjährigen Bandjubiläum gedacht und die einstige "GeistErfahrer"-EP aus aktuellem Anlass zum vollwertigen Langspieler aufgewertet wurde, nimmt sich die umtriebige Frankfurter Institution nun trotz angesetzter Schaffenspause ihrem gegebenen Versprechen von einst an und somit ist es dieser Tage endlich wieder an der Zeit für das zitierte Wiederhören. Ebenjenes erfolgt nun wieder gänzlich im Rahmen des in sich geschlossenen zweiten Zyklus, an welchen man nach dem Auftakt durch "fremd" und dessen direkten Nachfolger "Maskenhaft" zur großen Freude der Anhängerschaft inhaltlich weiterhin anknüpft. In diesem Zuge veröffentlichen "ASP" mit "zutiefst" am 27.10.2017 ihr mittlerweile zwölftes Album und laden die geneigten Hörer mit elf komplett neuen Songs zu einer aufregenden Tauchfahrt in noch unerforschte Unter(wasser)welten ein. Welch anmutige Schönheiten und furchteinflößende Schrecken dort unten in der Tiefe lauern und wie die Geschichte weitergeht, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Zunächst gehen wir in unseren Erinnerungen nun noch einmal einige Schritte weiter zurück und setzen schlussendlich genau an dem Punkt an, an welchem die lange Reise vor rund vier Jahren auf "Maskenhaft" ihr abruptes Ende fand. Um uns herum eine einsame Landschaft aus tonnenschweren Felsen, Geröll und Gestein, über uns nur der graue Himmel. Alles liegt brach, es ist still und wir sind nach all den Ereignissen einmal mehr isoliert und ganz auf uns allein gestellt. Wir stehen gefährlich nahe am äußersten Rand einer einsamen Klippe, blicken nach weit unten und schauen in den scheinbar endlosen Abgrund hinab. Was wird wohl unter der steinigen Schlucht liegen? Was wird uns dort in der Ungewissheit erwarten? Sollten wir nicht lieber umkehren oder ist es dafür schon längst zu spät? So viele Fragen... Und doch können wir die passenden Antworten darauf vielleicht nur erfahren, wenn wir jetzt all unseren Mut zusammennehmen und uns im freien "Sturz (Intro)" beherzt in die Tiefen gleiten zu lassen. Wir halten den Atem an... Wir fallen. Und doch schlagen wir nicht unversehens auf hartem Grund auf, sondern brechen stattdessen wie ein behäbig eindringender Fremdkörper langsam durch die wild schäumenden Wellenkämme unter uns hindurch und tauchen in die kühle Gischt ein. Schlagartig verändert sich das Geschehen um uns herum. Die Welt wird plötzlich mit einem Mal ganz leise, ist nun kaum noch wahrnehmbar. Alle Laute verstummen, scheinen jetzt sonderbar hohl und dumpf, wirken hier unten unbedeutend klein und wie endlos weit entfernt. Wir wiegen unseren Körper unkontrolliert und wie in einem berauschenden, geisterhaften Vakuum gefangen. Von weltlichen Gesetzen scheinbar gänzlich isoliert, endlos schwer schwebend und fast wie im Zeitraffer gelähmt. Unsere Sinne sind geschärft, doch unsere Wahrnehmung eingeschränkt. Über uns wogt der unberechenbare Wellenschlag und entfernt sich immer weiter aus unserem verschwommenen Sichtfeld, während wir mehr und mehr in den Schlund der Tiefsee hinabsinken. Und je weiter wir sinken, desto dunkler wird es um uns herum. Eine neue Reise, ein neues Abenteuer, steht dicht bevor. Aus der Distanz regt sich etwas. Ein kolossartiger Schatten schält sich blitzartig aus der schier undurchdringlichen Düsternis heraus und naht heran. Ist es eine Bedrohung? Mit zunehmend geringerem Abstand erkennen wir mehr. Eine monströse Konstruktion aus kunstvoll zusammengeschweißtem Stahl, zahlreich darin verbauten Bullaugen und schweren Flossen bahnt sich wendig und zielsicher ihren Weg zu uns hindurch. Sie wirkt irgendwie fantastisch und unwirklich, wie sie da so friedlich und seltsam schwerelos in der unendlichen Finsternis treibt. Ein suchender Lichtkegel zieht kreisend seine Bahnen und erfasst uns, dann öffnet sich eine Luke und etwas oder jemand greift nach unserem Arm und zieht uns ins Innere. Asp selbst reicht dem Hörer nun seine Hand und lädt ihn einmal mehr zu einer Expedition ins Ungewisse. Mit "20.000 Meilen" beginnt das Abenteuer. Zu den verträumten Akkorden einer zurückhaltenden Akustikgitarre steigen wir in die schützenden Kammern des Unterwasserboots ein und dringen weiterhin sanft in die dichte Schwärze voran. Passgenau legen behutsame Synth-Spuren einen akustisch kaum greifbaren, fast schon transparenten Schleier schützend darunter und bilden somit das instrumentale Fundament. Der Fokus liegt in diesem Moment klar auf der unverwechselbaren Stimme des Masterminds, die ermutigend und ruhig auf den Hörer einwirkt und diesen mit jeder weiteren Zeile versinken lässt, bevor das rhythmische Schlagzeug weiteren Antrieb verleiht. Unmittelbar vor dem groß angelegten Chorus setzen auch die E-Gitarren ein und untermauern die Worte mit zusätzlichem Nachdruck. Dann gibt der hymnische Refrain Aufschluss und das Tauchgefährt nimmt an Fahrt auf. Vor dem inneren Auge bricht das Tageslicht durch die schweren Wassermassen hindurch und wirft traumhafte Reflexionen. Auf den Spuren von Jules Verne geht es vorbei an leuchtenden Wesen, bunten Fischschwärmen, mystischen Korallenriffs und undefinierbaren Schatten. Was halten diese und vor allem unsere eigenen, unerforschten Tiefen noch für uns bereit? 

Das zunächst vielleicht eher unscheinbar anmutende Adjektiv "zutiefst", kann unsagbar viele Bedeutungen haben, setzt man es erstmal in einen Kontext, welcher sich auf die linguistische Verstärkung emotionaler Zustände beruft. Etwa zutiefst verletzt, zutiefst entsetzt, zutiefst bewegt, zutiefst erregt. Zugegeben, dieser leicht antiquierte Zusatz begegnet uns in dieser schnelllebigen Zeit immer neuer Maxima im Alltag nur noch äußerst selten. Viel mehr ist es eine Art der persönlichen, besonders innigen Gefühlsbekundung, fast wie einer altertümlichen, längst verjährten Korrespondenz entsprungen. Auch und vor allem innerhalb des Rahmens dieser konzeptionellen Thematik, lässt sich hervorragend auf diversen Ebenen mit dieser Begrifflichkeit spielen. Nicht nur im oberflächlichen, bildhaften Bezug auf die See und ihre Abgründe im Allgemeinen, sondern auch als eine Art übertragende Steigerung der Tiefe an sich. Ein kleines Wort, durch welches allein doch direkt Nähe und gar sehnsuchtsvolle Verbundenheit geschaffen und transportiert wird. Ein Wort, das es, erst einmal zum Empfänger entsandt, damals wie heute vermag, auf seinem Weg jede noch so weite Grenze zu überwinden. Ebenso möchte Asp die gegebene Distanz zu seinen Hörern nun niederreißen. Ein aufheulendes Gitarrenriff und kraftvolle Drums bereiten klimaxartig vor, immer wieder von scharfen Electro-Samples untermalt, die sich zu glorifizierend futuristischen Industrial-Streichern aufschwingen und der instrumentalen Erhabenheit beitragen. Der Titeltrack kommt dabei um einiges härter und schneller als noch die vorherige Eröffnung daher und trumpft gegen Ende zusätzlich mit einem überraschenden Umbruch auf. Majestätische Choräle nehmen nun ein wenig an Tempo, während die mannigfaltigen Wort-Variationen einen zutiefst schwarzen Reigen entfachen und unwillkürlich tiefer in ihren Bann hinabziehen. "Zutiefst ergeben immer noch" - Zutiefst "ASP"! "SonaARta" ist ein mystisches Kunstwort, welches sich aus den beiden Komponenten "Sonate" und "Sonar" zusammensetzt. Während unter Ersterem, was aus dem italienischen "suonare oder lateinischen "sonare" übersetzt so viel wie "klingen" bedeutet, ein mehrsätziges Instrumentalstück für einen Solisten oder auch eine kleine Besetzung zu verstehen ist, leitet sich Letzteres aus dem englischen Terminus "Sound Navigation And Ranging" ab. Sonar bezeichnet eine Messtechnik, welche der Navigation und Ortung von Objekten unter Wasser durch Schallimpulse dient. Zum ersten Mal seit "The Mysterious Vanishing Of The Foremar Family" vom 2011er Ableger "fremd", ist hiermit wieder ein Text in englischer Sprache verfasst worden. In den Strophen durchgängig bestimmt von der klar dominierenden Percussion aus durchdringenden Trommeln und Schellen, sowie folkloristischen Versatzstücken wie etwa einer Drehleier, entfacht man eine dunkel-mystische Atmosphäre. Der Gesang schlingt sich in einem wechselhaften Schlagabtausch der Facetten um jede einzelne Zeile und umgarnt den Hörer auf exotische Art, bis dieser in einem hoffnungsvollen, doch wehklagenden Refrain voller Trauer, Zerissenheit und Schmerz gipfelt. Eine echte Power-Ballade, die sogleich eine düstere und herzzerreißend trostlose Stimmung erschafft. Die Lyrics stehen dabei über die gesamte Spieldauer hinweg repräsentativ für die endlose Einsamkeit im großen Nichts und die verzweifelter Suche eines jeden Einzelnen. Hinter den hohen Mauern der Isolation werden hilfesuchende Notsignale wie grelle Leuchtraketen ausgesendet. Sehnsüchtig und orientierungslos treiben alle für sich umher und dabei doch immer weiter voneinander weg. Sind wir ganz allein oder ist da vielleicht noch jemand? SOS! Eine elektrisierende Synthie-Melodie lässt pure Energie durch die Adern fahren, unmittelbar danach brechen schwere Gitarren und das Schlagzeug zu ihrem schnellem Spiel los. Mittlerweile sind wir tausende Meilen tief gesunken, hier unten im Schutzpanzer aus Metall und Stahl scheinbar geborgen. Doch sind wir jemals wirklich sicher? Der Druck erhöht sich deutlich spürbar immerzu. Sind wir auf der Flucht? Sind wir bei diesem Katz- und Maus-Spiel Jäger oder vielleicht sogar Gejagter? Es entbrennt eine wilde Verfolgungsjagd. Achtung, "Torpedos" - Wir stehen unter Beschuss! Jetzt heißt es abwehren oder sinken, leben oder sterben. Diese Situation verlangt uns alles ab. Wir müssen uns entscheiden. Es ist an der Zeit, um aus allen Rohren zurückzufeuern. Scharfe Riffs durchsieben jetzt zielsicher und treffgenau jede noch so widerstandsfähige Schicht. Der Chorus prescht überbordend leidenschaftlich und erhaben voran. Ein ungewohnt eingängiger, knackiger Up-Tempo-Song in bester Gothic-Rock-Manier. Kurzweil mit erheblichem Mehrwert. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. (Voll-)Treffer und versenkt!

Hauchdünne, kaum wahrnehmbare Klavier-Tupfer perlen, wie langsam von einem zerschnittenen Halsband einer Kette gleitend, nacheinander sanft und voller Trauer in die unerforschten Tiefen hinab. Noch leuchten sie auf ihrem langen Weg nach unten für einen Sekundenbruchteil gar hoffnungsvoll auf, verlieren sich dann jedoch im weiten Nichts, verklingen und verenden schlussendlich seriell vereinsamt auf dem dunklen Grund. Die undurchdringliche Schwärze lässt uns hier unten die eigene Hand nicht mehr vor Augen sehen. Doch wir merken, dass wir nicht alleine sind. Plötzlich zieht etwas an uns vorbei. Wir nehmen einen riesigen, bedrohliche Schatten wahr, der uns jetzt immer wieder und wieder unheilvoll umkreist. Stechende Electro-Salven flirren nervös umher. Schweres Schlagwerk und schleppendes Riffing setzen ein und vermengen sich zu einer pechschwarzen Mischung, die an unseren Gemütern so gewichtig und drastisch wie klebriger Teer haftet und an uns zerrt. Was auch immer es ist, kommt jetzt in immer kürzeren Abständen gefährlich nahe und wir uns gewiss nicht mehr gehen lassen. Jetzt gibt es kein Entkommen mehr... Das Wort "Leviathan" kommt aus dem hebräischen Sprachgebrauch und bedeutet wortwörtlich "Der sich Windende". In der jüdisch-christlichen Mythologie ist dies zudem der Name eines mächtigen, gar furchteinflößenden Seeungeheuers, welches als eines der wohl gefährlichsten, da unberechenbarsten Fabelwesen gilt. Schon im Mittelalter und der Bibel rankten sich viele Erzählungen und Geschichten um dieses Unwesen, welches hierbei sogar manches Mal direkt mit dem Teufel in Verbindung gebracht wurde. Einige apokryphe Schriften, deren genaue religiöse Herkunft nicht bekannt ist, sehen das Monstrum als direktes Pendant zum Behemoth in der Wüste, welches am Grund der Wellen ruhen und einst von Gott selbst zur Züchtigung der Menschen entsandt sein worden soll. Viele sehen in der unbezwingbaren Kreatur die Allegorie für vernichtendes Chaos und zerstörerische Unordnung, über die unberechenbare Kraft des Meeres, bis hin zum Dämon des Neides und der darin personifizierten, siebten Todsünde. Das Geschöpf ist die fantastische Kreuzung aus einem Drachen, einer Schlange, einem Krokodil und einem Wal, welches die Schiffe auf den Gewässern in die Tiefe der Wellen zog und ihre Seefahrer qualvoll ertrinken ließ. Der Leviathan hat uns jetzt fest im Griff, aus dem wir uns nicht mehr herauswinden können, so sehr wir es auch versuchen. Je mehr wir uns mühen, umso schwerer erscheint es uns. Schon bald schwinden die Kräfte hier unten am Meeresgrund rapide. Aggressive Synths zucken mit uns hektisch, wild und unruhig beim vielleicht letzten Tanz. Die Melodie verfinstert sich zunehmend. Progressive Einschläge und der niederwalzende, dunkel-sakrale Gesang lasten schwer auf unserer Seele und vernichten in diesem erdrückenden Doom-Stampfer sogleich jeden Funken Hoffnung auf Rettung. Dieser Überlebenskampf ist fürwahr nicht leicht und assoziiert durch lyrische Bildgewalt schwerlastende Gefühle, wie schürfende Melancholie und schmerzliche Demut auf dem kritischen Scheideweg zur Depression. Jetzt fletscht es seine Zähne und holt dich immer wieder zu sich. Es schlingt sich mit aller Macht um deinen ganzen Körper und zieht dich tief und tiefer hinab. Du drohst zu ertrinken, alles scheint maßlos schwer. Das Wesen lässt jeden Glaube und alle Zuversicht in seinem riesigen Maul verschwinden. "Sein Schlund wird deine Welt, die Traurigkeit der Ozean". Einen Ausweg, um sich aus seinen starken Fängen zu befreien, sieht der Einzelne nicht und so bleibt oftmals nur zu hoffen, dass dort draußen irgendwo jemand ist, der dies kann. Mit vereinten Kräften gegen die eigenen Monster! Macht euch bereit, denn "Die Untiefen" warten schon! Tief unter der hohen und dem trügerisch schimmerndem Meeresspiegel, sehen wir Schiffe über unseren Köpfen vorbeiziehen. So nah und doch so endlos weit entfernt. Dieser Titel stellt unsere ureigene Wahrnehmung auf eine wahre Mutprobe. Eine helle Schiffsglocke erklingt und verkündet mit ihren wiederholten Schlägen den nahenden Beginn, als sich ein zartes Geigenspiel bemerkbar macht. Schneidende Saiten zerreißen die Stille jäh und graben sich tief unter die anschmiegsame Melodie und geben ihr Signal. Das drückende Donnern des Schlagzeugs gibt den Takt für die Reise vor und alsbald entfachen Gitarren einen hymnischen Wellenritt. Der Gesang setzt ein und wird bei antreibenden Rhythmen von pochenden, nervös flirrenden Electro-Sounds unterlegt, bis in der Bridge wieder eine metallische Note zum Vorschein kommt und sich in einem majestätischen und zugleich herzzerreißenden Chorus ergibt und allen wird klar: "Es regnet im Meer!" Scheue dich nicht und tauche ein, dann hier unten gibt es nichts falsch zu verstehen!

Ein schrill sägendes Dröhnen schallt durch die Weiten des Ozeans und hallt noch einige Sekunden lang nach, bevor es schließlich von der sanften Weise einer akustischen Gitarre abgelöst wird. Beruhigende Stille breitet sich durch den behutsam eingesetzten Gesang aus und legt sich wie eine schützend wärmende Decke über uns. Doch ist die Harmonie nicht vielleicht nur ein Trugbild unserer tiefsten Sehnsüchte? Etwas stimmt hier nicht... Dazu liegen zu viel bloße Verwunderung und hörbare Unsicherheit in der Stimme, die immerzu verzweifelt nach Antworten zu suchen scheint. Wo befinden wir uns? Alles wirkt irgendwie vertraut und dabei doch so fremd. Ist es eine Vision oder eine Art komatöser Wachzustand? Nur ein Traum oder die Realität? Immer mehr Ungewissheit macht sich breit, etwas liegt im Argen. Während wir weiter in die Tiefen herabtauchen, sehen wir ein gespenstisches Licht und nähern uns dem mysteriösen Schlund. Wir wissen nicht genau, was es ist, doch irgendetwas scheint uns zu beobachten, ängstigt uns und löst ein seltsames Unbehagen aus. Langsam können wir mehr erkennen. In einer noch weit entfernten Felslandschaft erblicken wir einen Turm, fast schon versunken im schweren Gestein, dessen Fenster uns wie aufmerksame Augen verfolgen und wie mit tausenden Mündern nach uns rufen. Ist es eine Warnung oder viel eher eine lockende Beschwörung? Erst nur ganz leise flüsternd, dann fordernder: "Abyssus abyssum invocat". Ein Auszug aus dem Psalm 41, die übersetzt so viel wie "Ein Fehler zieht den anderen nach sich" bedeuten. Mit diesem Mantra geht ein klarer Umbruch der bis gerade eben noch vorsichtigen Stimmung und ein sofortiger Wandel des Arrangements einher, welches nun im Handumdrehen alle Harmonie in pechschwarze Ausweglosigkeit verkehrt. Harte Gitarren wüten bei unbarmherzig knallendem Drumming und zeichnen ein Bild der inneren Apokalypse. Das in zwei gänzlich andersartige Parts aufgeteilte "Abyssus 1" verbindet facettenreiche, unberechenbare Instrumentierung mit einer durchgängig erzählerischen Funktion und treibt die Geschichte des Zyklus weiter voran. Lange hat es in den Tiefen auf dich gewartet, doch jetzt ist es soweit... Willkommen zurück! Die anmutigen Klänge einer hellen Harfe laden zum Flug über die endlosen Weiten des Ozeans und lassen sogleich auf den gefiederten, weißen Schwingen der himmlischen Heerscharen am azurblauen Horizont schweben. Der Gesang beginnt, wirkungsvoll von dezent präsenter Elektronik unterfüttert, sich sanft und doch äußerst einnehmend in die Gehörgänge einzuschmeicheln. "BernsteinmeerengeL" erzählt die Geschichte vom schmerzlichen Untergang der gefallenen Engel, die aus den Höhen des Himmels in ein Meer aus Harz hinabstürzen. Passend zur textlichen Vorlage, stehen hier verträumte Passagen im Wechselspiel mit deutlichen kräftigeren Elementen, den nahenden Untergang ausdrucksstark zu untermalen. Schon bald erwehren sich die Himmelsboten nach Leibeskräften ihrem unumgänglichen Schicksal, versuchen ihrem Gefängnis im Stein zu entrinnen, als sie hilflos dabei zusehen müssen, wie sich die bedrohliche, tödlich glänzende Masse im wilden Todeskampf langsam erhärtet und zu ihrem ewigen Gefängnis wird, welches sie nun bis ans Ende aller Tage erhalten soll. Zum Götzenbild degradiert, zu stillen Zeugen der Zeit konserviert. Zum schmerzlichen Sturz der einstigen Gottesboten erzeugt man durch einen konterkarierenden Eingriff in die anfangs noch regierende Harmonie, eine harsche Wandlung der vorherrschenden Stimmung. In der Bridge brechen nun heavy Gitarren durch, die einen klaren Kontrast setzen. Asp gleicht seine Stimmlage an, wird von jetzt auf gleich fordernder, klagt, bedrohlich untermalt von wabernden Synths, aufbrausend und mahnend das Leid der Gefallenen. Der klare Anstieg der Dramaturgie und die nahtlose, instrumentale Ausgestaltung des dominanten Spannungsbogens, münden sodann in einem himmlischen Chorus, der die Balance zwischen glorreichem Bombast und purer Intensität nicht bloß nur mit Leichtigkeit zu halten vermag, sondern sich parallel dazu auch in neue Höhen aufschwingt. Pulsierende Elektronik ebnet nun den Weg für ein Tribut der ganz besonderen Art.

 

Lichte Schwaden ziehen langsam aus allen Ecken auf, züngeln über die Wasser und greifen fröstelnd wie mit eiskalten Fingern nach uns. Der Nebel verdichtet sich zu einem fordernden Schleier, der sich nun lüstern anschickt, die Wellenkämme einzuhüllen und alles zu bedecken. Ein Leuchtturm entfacht in der Ferne seine hellen Feuer und leuchtet uns ebenso stark den Weg, wie auch die Stimme des Meisters selbst, die sich in diesem Prolog nun klar und strukturiert aus der Dunkelheit erhebt. Einem beschwörenden Zauber gleich, tanzen mystifizierende Worte nun einen magischen Lyrik-Reigen und saugen den Geist der dunklen Nacht tief in sich auf, ehe fordernde Gitarrenwände vorpreschen: "Mondscheinsirenade". Begleitet von einem pointiert durchsetzten Saitengewitter und feinfühligen Electro-Einschüben, spielen "ASP" im Rahmen der Tiefsee-Thematik mit der Magie von Frau Luna und ihrem Sternenmeer. Kernige Rock-Elemente vereinen sich hier fließend mit energetischer Note und werden dazu von einem gar hymnischen Refrain gekrönt. Die perfekte Balance aus sehnsuchtsvollem Fernweh, tiefschwarzer Leidenschaft und wohliger Düsternis. Ein durch und durch authentisches Bekenntnis zur Nacht und ein Loblied auf den geheimnisvollen Himmelskörper. Gothic-Novel-Rock at it's best und "ein Versprechen an den Mond", welches dessen Geist und Seele in einem berührenden, wie auch wortgewaltigen Gedicht einfängt, aus jeder einzelnen Silbe Inspirator schöpfen lässt und zum nächtlichen schwelgen einlädt. Die gespenstischen Klänge eines Pianos ziehen wie kaum mehr wahrnehmbare Geisterwesen zart vorbei, streifen uns nur ganz leicht, um sich dann wieder langsam in endloser Leere zu verlieren. Der bestimmt trommelnde Marsch des Schlagzeugs rüttelt unwillkürlich auf und vertreibt die vorherrschende Stille in Gänze. Die Zeichen stehen auf Sturm und verheißen dringliche Aufbruchsstimmung. Über ebendiese Melodie legt sich nun ruhiger Gesang, der hier so ungemein facettenreich daherkommt, wie kaum innerhalb eines einzigen Titels zuvor. Zuerst appelliert die Stimme einfühlsam und wendet sich dem Protagonisten zu, lockt vorsichtig fordernd wie durch eine gütig gereichte Hand und zieht ihn mit jedem weiteren Wort hypnotisch zu sich. Nur um diesen schon bald darauf, erst einmal unausweichlich gefangen, zerstörerisch zu konterkarieren und mit brutal destruktiver Einwirkung in den "Sog" hineinzuzerren. Die Interpretation wechselt dabei zwischen klaren Passagen und geht sodann in der Bridge mit tiefen Growls und heftigen Screams zu Werke. Harsche Gitarrenwände und peitschende Drums leiten danach zum mächtigen Refrain, der jetzt mit ganzer Sogkraft die Schönheit und Gefahren des Meeres symbolisiert. Nun gibt es kein Zurück mehr und das für niemanden! Wir befinden uns in einem gewaltigen Strudel und werden bei vollem Bewusstsein immer tiefer hinabgerissen. Können wir uns dem noch erwehren oder sollten wir es hier im direkten Angesicht aller Ängsten und des nahenden Endes einfach geschehen lassen? Und noch viel (ge)wichtiger: Was wird dort unten am Grund aller Tiefen auf uns warten? Doch was immer auch geschehen mag: Verliere niemals den Glauben an dich selbst und deine innere Stärke. Stehe auf, erhebe dich und schlage die Schlacht gegen alle Übermächte und auch gegen die eigenen Schattenseiten... Selbst wenn du verlierst. Jetzt werden wir wie von tausenden Händen weiter nach unten gezogen, sind hilflos und befinden uns im freien Fall. Die mühsam erhaltenen Reserven gehen zu neige, die Kontrolle schwindet. Es ist jetzt nur noch ein schmaler Grad zwischen Bewusstsein und dem Verlust all unserer Sinne. Die Finsternis kommt immer näher, die Schwärze greift um sich und hüllt uns komplett ein. Bis zum nächsten Mal, bis zu einem neuen Erwachen. Irgendwann. Irgendwo. "Hör mir zu und geh' zurück zum Start...".

 

Tracklist:

 

01. Sturz (Intro)

 

02. 20.000 Meilen

 

03. zutiefst

 

04. SonaARta

 

05. Torpedos

 

06. Leviathan

 

07. Die Untiefen

 

08. Abyssus 1

 

09. BernsteinmeerengeL

 

10. Mondscheinsirenade

 

11. Sog

 

Fazit:

 

Aus dem Land Weltunter hinein in die Fremde, vorwärts über raue Pfade, abwärts ohne Maskerade und von der Klippe direkt in die Tiefe! Nach ihrem rund zweijährigen Ausflug in das Leipziger Schauer-Hotel "Astoria", knüpft die beliebte Szene-Institution nun endlich nahtlos an das direkte Ende des letzten Zyklus-Ablegers "Maskenhaft" an. Dazu begeben sich Alexander "Asp" Spreng und seine Mannen erneut auf große Reise und stürzen sich diesen Oktober in die reißenden Fluten. Bild-, wort- und klanggewaltig wie eh und je, dringt der umtriebige Frankfurter dazu in die Geheimnisse noch unerforschter Abgründe, nimmt den geneigten Hörer dazu von Beginn an klar strukturiert bei der Hand und lädt diesen zu einer nervenaufreibenden Expedition in die dunkelsten Winkel des eigenen Ich ein. Einmal mehr bewegen sich "ASP" hier gekonnt zwischen den einzelnen Bedeutungsebenen und regen zu Interpretationen an, ohne dabei den roten Faden innerhalb des eigenen Spektrums den roten Faden zu verlieren oder gar zu sehr aus der Hand zu geben. Dabei zeigt sich das gewohnt durchdachte und perfekt ausgearbeitete Konzept zwar als thematisch geschlossen, ist zu gleichen Anteilen aber auch nicht zu straff und lässt sich selbst genügend Spielraum für die kleinen, am Rande des Hauptstrangs beheimateten Geschichten, welche seit jeher Zentrum und Herz der einzigartigen Gothic-Novels verkörpern. So bietet "zutiefst" reihenweise neue Hits und Hymnen, denn durchweg jeder Song funktioniert durch seine runde Leichtig- und Eingängigkeit sowohl im Einzelnen herausgelöst als auch im Kontext des Gesamtwerks selbst, schlichtweg fantastisch. Der Tauchgang kommt weniger sperrig als noch die gesonderte Erzählung der beiden "Verfallen"-Teile daher und ist doch komplex genug, um mit jedem erneuten Durchgang auf gar atmosphärische Weise immer wieder neue Details und Geheimnisse zu entdecken, wodurch der hohe Anspruch an sich selbst und der Fangemeinde zu gleichen Teilen erfüllt wird. Ausnahmslos jede der neuen Kompositionen zehrt vom signifikanten, identifikatorischen Charakter und schöpft aus den bisher hinterlassenen Spuren im Genre, wodurch sich ein anspruchsvolleres Meisterwerk der Sonderklasse ergibt, welchem eine flächendeckend ausbalancierte Mischung aus poetischer Lyrik, spannenden Sagen und großen Melodien innewohnt. Somit unterstreicht "zutiefst" die seit Jahren zurecht unangefochtene Spitzenposition des schwarzen Schmetterlings, dessen neuester Geniestreich mit großer Sicherheit zu den bedeutendsten Veröffentlichungen des aktuell laufenden Jahres gehört und für eingefleischte Schwärmer mindestens ebenso relevant, wie auch für alle potentiellen Neuhörer interessant sein dürfte. Unter den mannigfaltigen, teils hochexklusiven und limitiert verfügbaren Editionen findet sich ganz bestimmt für jeden etwas. Ein "zutiefst" ergebenes und ehrliches Bekenntnis zur treuen Hörerschaft und einem ganz besonderen Lebensgefühl. "ASP" haben wortwörtlich wieder einmal voll ins Schwarze getroffen, das eigentlich Unmögliche möglich gemacht und trotzen dem schnelllebigen Musikbusiness als Fremdkörper im System auch weiterhin. Natürlich - Wer sonst? Traut euch und taucht am 27.10.2017 ein!


Informationen:


https://www.aspswelten.de

https://www.facebook.com/AspsWelten

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