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ASP - "20.000 Meilen"-Tour - Turbinenhalle 2, Oberhausen - 27.10.2017

04.11.2017

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Oberhausen, Deutschland

 

Location: Turbinenhalle 2

 

Kapazität: ca. 1.800

 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: http://www.turbinenhalle.de

 

Einleitung:

 

Es ist der 27.10.2017, ein junger Freitagabend. Als ich nach einer angenehm kurzen Fahrt von nur wenigen Minuten schließlich an der Haltestelle Feuerwache aus der örtlichen Straßenbahn aussteige, ist es etwa 18.25 Uhr und damit noch gut eine halbe Stunde bis zum offiziellen Einlass. Damit bin ich leider um einiges später dran, als ich eigentlich sein wollte. Heute ist zudem ein ganz besonderer Tag, denn es ist nicht nur der offizielle Erscheinungstermin des neuen Studioalbums „zutiefst“ und somit nunmehr dritten Teils des aktuell laufenden „Fremder“-Zyklus, sondern gleichzeitig auch Auftakt der großen „20.000 Meilen“-Tournee. Also gleich zwei Premieren in Einem und damit gleich ein doppelter Grund zur Freude. Dass ich mit diesem Empfinden offensichtlich nicht ganz allein dastehe, zeichnete sich bereits einige Tage zuvor ab, als die offiziellen Facebook-Seiten der Band und Venue freudig „Ausverkauft!“ vermeldeten. Sehr schön und gleich noch ein Grund mehr, um pünktlich zu sein. Darüber hinaus ist es meine allererste Zusammenarbeit mit namhaften Szene-Label „Trisol“, die mir Gründer Alex Storm via freundlichem Schriftverkehr dankbarerweise ermöglichte. Zwar hatte ich schon in den vergangenen Jahren immer wieder über die neuesten Werke und Shows aus dem Hause „ASP“ berichtet, doch erst zum Ende diesen Sommers hin den Mut gefunden, im Rahmen eines geplanten Specials für eine professionelle Kooperation anzufragen. Gerade vor dem Hintergrund der langersehnten Weiterführung der packenden Geschichte und der danach angesetzten Pause, wollte ich den Lesern dieses Mal das größtmögliche Gesamtpaket anbieten können. Durch ein vorab gewährtes Pre-Listening, kam ich schon einige Wochen zuvor in den Genuss des neuen Epos und hatte somit den äußerst notwendigen Zeitvorsprung für deine ausführliche Rezension, welche ihr im Übrigen hier finden könnt. Sogar ein ausführliches Interview mit Asp selbst wurde mir trotz der laufenden Vorbereitungen gewährt, was für mich persönlich nicht nur eine große Unterstützung und Wertschätzung meiner Arbeit darstellt, sondern zudem auch einer riesigen Ehre gleichkommt. Wer die gehaltvollen und äußerst interessanten Antworten des schwarzen Schmetterlings einmal unter Augenschein nehmen möchte, bitte hier entlang. All das geht mir nochmals durch den Kopf, als ich die zahlreichen Stufen an der Station hinaufsteige. Erst jetzt bemerke ich im Affekt, wie lange mich die Musik der Frankfurter Institution eigentlich schon durchs Leben begleitet und sinne nach, mein wievieltes Konzert dieser Band das heute Abend schon ist. Während ich gedankenverloren weiter geradeaus über die lange Brücke laufe, werfe ich prüfend einen kurzen Blick zur rechten Seite, um mir Gewissheit darüber zu verschaffen, wie voll die Turbinenhalle 2 heute in etwa werden würde und ob denn schon ein paar Fans ihren Weg auf den Schotterplatz vor ebendiese gefunden haben. Das hätte ich wohl lieber nicht getan, denn schon beim bloßen Anblick der scheinbar endlos langen Schlange, die sich quer über den halben Parkplatz erstreckt, erleide ich innerlich einen halben Nervenzusammenbruch. Panik macht sich breit. Allerdings nicht, weil es ausverkauft ist und demnach so viele Besucher erschienen sind.

 

Im Gegenteil, das freut mich für die Band wirklich ungemein, die sich diesen Erfolg durch langjährige, harte Arbeit redlich verdient hat. Sondern viel mehr deswegen, weil ich heute Abend die große Ehre habe, für das Konzert akkreditiert worden zu sein. Das bedeutet, dass ich für meine Tätigkeit auf der Gästeliste stehe und über die Show berichten darf. Zudem habe ich die Erlaubnis bekommen, mit den vergleichsweise begrenzten Möglichkeiten meiner Kamera agieren und Bilder während des Konzerts machen zu dürfen. Versteht mich bitte nicht falsch, das ist wirklich toll, aber gerade dann eine umso größere Herausforderung, wenn es die erste Zusammenarbeit ist und einem der jeweilige Künstler darüber hinaus sehr am Herzen liegt. Da möchte man sich natürlich ganz besonders viel Mühe geben. Ich fotografiere während der Konzerte generell eher selten und kümmere mich zumeist mehr um meine Notizen für den jeweiligen Bericht, was gleichsam aber auch bedeutet, dass ich oftmals auf die Foto-Spenden der lieben Kollegen angewiesen bin. Das lasse ich dann lieber die angestammten Profis machen und konzentriere mich lieber auf den ganzen Rest, da die alleinige Arbeit mit der Homepage, allen Artikeln, Mailkontakt und Social Media mich sowieso schon regelmäßig an meine Grenzen bringt. Alles geht eben nicht. Weil ich die erfahrenen Fotografen im Graben nicht unnötig behindern möchte, ist also ein Platz mit guter Sicht auf die gesamte Bühne erforderlich, von welchem aus ich das Erlebnis der anderen Gäste nicht beeinträchtige, gleichzeitig aber ebenfalls nicht gestört werden kann. Das ist seit jeher mein Vorsatz, aber auch gleichzeitig alles andere als leicht zu bewerkstelligen. Insbesondere dann, wenn es eben ausverkauft ist und man aufgrund zeitlicher Engpässe zu den letzten Wartenden gehört, die dann praktisch das nehmen müssen, was sie noch kriegen. Leider klappt es nicht immer, mindestens eine Stunde vor dem offiziellen Einlass da zu sein. Ausreichend Zeit, um verschiedene Plätze auszuprobieren, bleibt dann natürlich nur in den seltensten Fällen. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon jetzt meine Felle davonschwimmen und trotz Fotopass einen Bericht ohne Impressionen, als ich auf dem Vorplatz ankomme.

 

Zu meinem großen Glück hat diese Lokalität gegenüber der ersten Turbinenhalle allerdings einen riesigen Vorteil für die Presse, da durch zwei verschiedene Eingänge ein getrennter Einlass stattfindet. „Entschuldigung, ist das hier der Einlass für die Gästeliste?“, frage ich einen der Securitys vor dem Gebäude, der mich darauf genauso ratlos anschaut, wie ich ihn. „Ja, ist es. Geht gleich los!“, bestätigt eine andere Sicherheitskraft meine Vermutung. Ich bedanke mich freundlich und lehne mich so lange erleichtert an die nebenliegende Wand, bis es los geht. Um 19.00 Uhr öffnen sich dann, wie zuvor versprochen, die Tore und plötzlich geht alles ganz schnell. Ich trete ins helle Foyer und melde mich an der Theke an. „Guten Abend, ich müsste auf der Gästeliste stehen...“, begrüße ich die junge Frau und nenne anschließend meinen vollständigen Namen. Wenn ich bei Veranstaltungen mal auf der Gästeliste stehen sollte, sage ich zunächst vorsichtshalber immer, dass dem eigentlich so sein „müsste“, weil es auch schon einige Male vorgekommen ist, dass jemand vergessen hat, meinen Namen aufzuschreiben und ich dann folglich nirgendwo draufstand. In solchen Momenten komme ich mir dann fälschlicherweise immer wie ein Betrüger vor, der bloß keinen Eintritt bezahlen will. Heute geht zum Glück aber alles glatt. „Ah, der Film- und Foto-Mensch!“, begrüßt mich die Frau sehr freundlich und ich stimme gut gelaunt zu, während ich gleichzeitig leicht irritiert auf den vor ihr liegenden Zettel schiele und darüber nachdenke, warum man ausgerechnet mich schon erwartet hat. Auf diesem sind einige wenige Spalten mit Namen darin zu erkennen, von welchen sie jetzt mit einem Kugelschreiber die eine Tabelle komplett durchstreicht, in der lediglich ein einziger Name stand. Meiner. Jetzt wird mir auch klar, warum man hier extra schon auf mich vorbereitet war und meinen Namen sofort kannte. Das bedeutet offenbar, dass ich heute Abend der einzige Pressevertreter bin und das, obwohl bei den vergangenen Tourneen auch immer zahlreiche, andere Magazine aus dem Ruhrgebiet berichteten. Ich fühle mich sehr geehrt, wenngleich diese Tatsache meine Nervosität auch nicht gerade lindert und beginne mich zu fragen, was man der Band und allen Beteiligten wohl von mir versprochen hat. „Hier, du bekommst noch etwas!“, sagt sie lächelnd und bindet mir ein dunkelgrünes Bändchen um mein linkes Handgelenk. Ich bedanke mich höflich und öffne meine Tasche für die anstehende Kontrolle. „Hast du vielleicht ein Wechsel- oder Weitwinkelobjektiv dabei?“, fragt mich die Kontrolleurin. Ich krame meine kompakte Lumix-Kamera aus den Tiefen hervor und möchte ob dieser Frage am liebsten sofort hysterisch zu lachen anfangen. Oder zu weinen. Oder beides. Da ich das Konzert aber gerne noch erleben möchte, ohne das man mich für verrückt erklärt und einen Krankenwagen ruft, gebe ich mich so gelassen wie möglich und antworte schnell, „Nein, nein. Nur die Kamera hier... Hat aber einen sehr guten Zoom.“, rechtfertige ich mein Mitbringsel bemüht lächelnd, was niemanden zu stören scheint. „Alles klar, dann viel Spaß!“, wünscht sie mir und ich verabschiede mich dankend. Zu meiner Überraschung entdecke ich den Merchandising-Stand dieses Mal direkt inmitten des Foyers, anstatt in der Halle selbst, was zu einem inneren Konflikt mit dem Fan in mir führt. Zu gerne würde ich mich jetzt dort umsehen und meiner alten Tradition frönen, etwas von dort mitzunehmen. Doch riskiere ich damit nicht meine Chance auf einen guten Platz, der heute wichtiger denn je ist? Plötzlich rennt ein übereifriger Besucher aus der Richtung des Eingangs an mir vorbei und stürzt bei seinem Versuch, gleich mehrere Stufen auf einmal zu nehmen, fast genau neben mir. Ich versuche ihm aufzuhelfen, wobei er nur ganz hektisch, „Danke, aber ich muss nach ganz vorne!“ erwidert, sich schnell aufrappelt und nach oben verschwindet. Vielleicht sollte ich jetzt lieber mal ähnlich viel Elan an den Tag legen und so etwas wie „Danke, aber ich muss dringend fotografieren, weil ich sonst ohne Bilder dastehe und das meine letzte Kooperation war!“ sagen, anstatt mit dem Erwerb von weiteren Devotionalien zu liebäugeln. „Vorsicht, Kreuzweg!“.

 

Ich blicke zur schweren Doppeltür, durch die jetzt in regelmäßigen Abständen immer mehr Gäste strömen. Viel Zeit zum überlegen bleibt mir also nicht mehr. Ich rede mir ein, dass Merchandising ja quasi auch zu einem echten Konzert dazugehört und ich sowieso jedes Mal auch ein paar Zeilen darüber verliere. Im Auftrag des guten Journalismus und völlig selbstlos, hechte ich also auf den Stand zu. Die drei Mitarbeiter dahinter müssen wahrscheinlich denken, dass ich noch nie in meinem Leben einen Fanartikel gesehen habe und am liebsten das ganze Sortiment einpacken würde. Möchte ich auch. Schnell verschaffe ich mir einen Überblick: Der gesamte Stand ist wieder einmal unglaublich detailverliebt und passend zum Thema des neuen Albums dekoriert, wie ich schnell bemerke. Glich der gesamte Merch auf den beiden vergangenen Tourneen noch einer Rezeption, zieren jetzt schwere Fischernetze, Muscheln und Seesterne die Auslagen. Natürlich stilecht in Schwarz gehalten. Und auch dieses Mal gibt es wieder zahlreiche, schöne Sachen zu erstehen. Neben einigen CDs und charmanten Kleinigkeiten, sind gleich vier verschiedene Motive in diversen Schnitten erhältlich: Zwei Stücke werden von den Artworks der beiden Vorab-Singles geziert, auf einem anderen ist das Cover des neuen Albums zu sehen, während auf dem Letztem im Bunde  der Schriftzug „zutiefst ASP“ in schwarzem Druck zu lesen ist. Bevor ich auch nur ansatzweise darüber nachdenken kann, was ich alles gebrauchen könnte, zwinge ich mich dazu, nach dem Konzert nochmals vorbeizuschauen und den Einkauf auf das Ende des Abends zu verschieben. Damit niemand annehmen könnte, dass mir die neue Kollektion nicht gefällt, sage ich also, „Ich komme einfach später nochmal wieder.“. Fun Fact: Ich kam später selbstverständlich tatsächlich nochmal wieder. Drei Mal, um genau zu sein. Doch da unzählige Interessierte offenbar genau die gleiche Idee hatten, gab ich schlussendlich auf und dafür wenige Tage nach dem Konzert eine extra große Bestellung im Shop auf. Sollte es euch zufälligerweise ebenso ergangen sein, findet ihr alle erhältlichen Artikel genau hier. Schaut doch mal vorbei, wenn ihr mögt! Nein, das ist kein sogenannter „Affiliate Link“ und ich bekomme auch keinerlei Provision für diese Art der Werbung, doch ich bin absoluter Liebhaber von qualitativ hochwertigem Merch und von all den schönen Artikeln stets begeistert. Gesagt, getan. Jetzt eile auch ich die vielen Stufen ins erste Geschoss hinauf und habe das Glück, mich in dieser Halle bereits bestens auszukennen. Zielstrebig steuere ich auf die Treppe auf der rechten Seite zu und suche mir einen Platz auf dem Balkon gegenüber der Bühne. Direkt vor mir ist sogar eine kleine Ablage, auf welcher ich mein Arbeitsmaterial ausbreiten kann. Sehr schön. Diesen Luxus würde ich mir öfter wünschen. Eine gute Viertelstunde später trifft auch meine Begleitung in der Halle ein und ich winke von oben herab, damit sie mich sieht. Glücklicherweise hat sie sogar schon an die verhassten Wertmarken gedacht, die in beiden Lokalitäten als einzige Währung akzeptiert werden. Ein kühles Pils später, entspanne ich mich allmählich etwas und komme auch innerlich an. Jetzt kann es beginnen...

 

„Gothminister“:

 

Pünktlich um 20.00 Uhr wird es erstmalig dunkel in der restlos ausverkauften Turbinenhalle 2, um die Bühne kurz darauf in blutrotes Licht zu tauchen. Vom mittelgroßen Backdrop im Hintergrund, schaut eine gespenstische Kreuzung aus Skelett und Gargoyle durch ihre glühenden Augenhöhlen im bleichen Totenschädel direkt auf das gespannte Publikum herab. Darüber prangt in leuchtenden Lettern ein nicht zu übersehender Schriftzug, welcher den Support-Act des heutigen Abends verheißungsvoll ankündigt: „Gothminister“. Das 1999 in Norwegen gegründete Projekt, zählt im Bereich des Gothic-Metal zu den bekanntesten Formationen und ist seit Jahren eine feste Institution für alle Liebhaber des Genres. Zunächst entern Schlagzeuger Christian "Dead" Svendsen, wie auch die beiden Gitarristen Ketil "Turbo Natas" Eggum und Glenn "Icarus" Nilsen unter orchestralem Bombast zu dritt die Bretter, doch noch bevor die spektakuläre Horror-Show ihren Anfang nehmen kann, gibt es die ersten Probleme. Schnellen Schrittes eilt sogleich ein Mitglied der örtlichen Technik-Crew herbei, um unter humorigen „Zugabe“-Rufen seitens der Gäste einige Feinjustierungen an den Verstärkern vorzunehmen. Bereits nach wenigen Sekunden ist das Problem auch schon behoben und die schwarze Messe kann endlich beginnen. Zu den Klängen des wuchtigen Openers „Ich Will Alles“, tritt auch Mastermind Bjørn Alexander Brem hinzu und fordert die dichten Reihen sofort auf, die Hände in die Luft zu reißen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, zeigt sich Oberhausen vom ersten Song an als durchaus begeisterungsfähig und heißt das Quartett herzlich willkommen. „Dankeschön!“, strahlt Brem ob des warmen Empfangs sichtlich erfreut. Unter dem wilden Zucken greller Stroboskoplichter, stimmt die Band nun das brachiale „Someone Is After Me“ an, in dessen C-Part sich der Frontmann einen erbarmungslosen Kampf mit einem Untoten liefert. Es sind gerade diese kleinen, aber durchaus wirkungsvollen Einlagen, die ein Konzert der erfolgreichen Norweger erst abrunden und den vier Musikern zu ihrem Ruf verhalfen. Und tatsächlich sind im prall gefüllten Innenraum durchaus so einige Fans auszumachen, welche die heutige Gelegenheit genutzt haben, um einen der raren Deutschland-Gigs zu besuchen, waren der Minister und seine Mannen zuletzt doch eher ausschließlich auf den hiesigen Festivals zugegen. Doch auch mit den übrigen Zuschauern soll das düstere Gespann fortan leichtes Spiel haben, wie vom starken Jubel abzuleiten ist. Erst jüngst veröffentlichte man mit „The Other Side“ das nunmehr sechste Album der eigenen Diskographie, was es jetzt natürlich zu feiern galt. Mit der aktuellen Single „Der Fliegende Mann“ bestreitet der nordeuropäische Export das weitere Programm, bevor es danach wieder einen echten Klassiker zu hören gibt. Zur epischen Düster-Hymne „Liar“ steigt der Bandkopf, einem schaurigen Zeremonienmeister gleich, hinter seine Kanzel und predigt die einzelnen Zeilen im gleißenden Lichterschein aus mehreren Metern Höhe. Beim druckvollen „Stonehenge“ wiegt der Sänger dann ein Werwolfsjunges in seinen Armen, bevor man mit „From Dusk Till Dawn“ die Zeit der Blutsauger heraufbeschwört. Ein metallisches Riff kündigt „Monsters“ an und mit elektrisierenden Industrial-Beats bietet man der Dunkelheit zu „The Sun“ mit feinstem Crossover die Stirn. Das übermächtige „Utopia“ verheißt Brem, welcher neben der Musikkarriere in seiner Heimat als Anwalt tätig ist, wieder vom hohen Podest aus, ehe er sich wieder dem Publikum zuwendet. „Vielen Dank! Seid ihr bereit für den letzten Song?“, fragt er dankbar. Und ja, Oberhausen ist mehr als bereit! Geisterhafte Kinderchöre sorgen für einen wohligen Schauer, kurz darauf brechen die Gitarren wieder los und walzen zum abschließenden „We Are The Ones Who Rules The World“ alles nieder. Nach rund vierzig Minuten verabschieden sich „Gothminister“ unter frenetischem Applaus und lassen eine bestens angeheizte Menge für den schwarzen Schmetterling zurück.

 

Setlist:

 

01. Ich Will Alles

02. Someone Is After Me

03. Der Fliegende Mann

04. Liar 

05. Stonehenge

06. From Dusk Till Dawn

07. Monsters

08. The Sun

09. Utopia

10. We Are The Ones Who Rules The World

 

Als die Lichter in der Halle wieder angehen, macht sich geschäftiges Treiben vor und insbesondere auf der Bühne breit. Während zahlreiche Crew-Mitglieder nun alle Hände voll damit zu tun haben, den Ort des baldigen Geschehens für den sehnlichst erwarteten Hauptact vorzubereiten, schwärmen die Besucher derweil aus, um nochmal am Merchandising-Stand im Foyer vorbeizuschauen oder sich an den Theken mit kühlen Getränken zu versorgen. Der Soundcheck soll jedoch noch einige Minuten in Anspruch nehmen und so haben alle Beteiligten ausreichend Zeit, ohne etwas zu verpassen alsbald wieder zurückzukehren. Obwohl das Ticketkontingent heute restlos erschöpft ist und sich zunehmend alles dicht an dicht drängt, wird es mit voranschreitender Dauer immer stiller. Die Musik, die gerade eben noch während der Umbaupause aus den Boxen tönte, ist mit einem Mal verklungen. Angeregte Gespräche werden langsam weniger und sollen schon bald in Gänze verstummen. Alle Gäste schauen nun gemeinsam wie gebannt nach vorne und versuchen, jede noch so kleine Bewegung ganz genau zu beobachten. Wohlige Spannung, die jetzt fast wie zum Greifen nahe scheint, setzt urplötzlich ein, breitet sich schleichend immer weiter über dem zahlreich erschienenen Publikum aus und erfüllt schließlich den gesamten Raum. Da ist sie also wieder, diese „magische Verbindung“...

 

"ASP":

 

Exakt um 21.18 Uhr erlischt die gesamte Beleuchtung in der neuen Turbinenhalle unter tosendem Jubelstürmen zum zweiten Mal an diesem Abend und hüllt die gesamte Lokalität fortan in einen dichten Schleier der Dunkelheit. Lang anhaltender Beifall erfüllt nun die industriell anmutenden Räumlichkeiten und scheint jeden noch so kleinen Winkel des restlos ausverkauften Saals mit Euphorie auszufüllen. Nach einigen Sekunden legt sich der erste Anflug von vorzeitig befreiter Ekstase wieder und lässt langsam wieder die gespannte Stille von einst einkehren. Ein kurz anhaltendes Rauschen verklingt in der blinden Leere. Plötzlich kriechen zarte Ranken aus feinem Nebel über die schweren Bretter, züngeln sanft an den imposanten Aufbauten, vergehen wie kondensierende Fangarme jäh im scheinbar endlosen Nichts, werden dann immer mehr und verdichten sich schlussendlich zu einer dichten, solide wabernden Wand. Unversehens schwebt ein undefinierbar Lichtpunkt, einem wegweisenden Leuchtfeuer auf hoher See in tiefster Nacht gleich, herbei, bahnt sich zielstrebig durch die Finsternis und vertreibt die Schwärze. Allmählich weicht der dunstartige Schleier und aus den Schatten betritt mit einem Mal eine rätselhafte Gestalt die mystische Szenerie. Zuerst nur als schemenhafte Silhouette wahrnehmbar, gewöhnen sich die aufmerksamen Blicke zunehmend und lassen schon bald mehr erkennen. Eine groß gewachsene Person in einem langen, schwarzen Mantel durchschreitet nun aufrechten Ganges das fahle Dämmerlicht. Ihr halbes Gesicht wird von einer tief heruntergezogenen Kapuze verdeckt. In der einen Hand hält sie ein pergamentartiges Schriftstück, mit der anderen umfasst sie den geschwungenen Bügel einer gusseisernen Laterne, welche trüb schimmernd den Weg leuchtet. Mit durchaus bedächtigen, doch augenscheinlich sicheren Schritten, nähert sich der Unbekannte dem vorderen Bühnenrand, beugt sich prüfend nach vorn und illuminiert die ersten Reihen unter Zuhilfenahme der Lampe kurzzeitig, ehe sie beschwörend ihr Wort erhebt. Eine vertraute Stimme dringt jetzt an die Ohren des Publikums. Es sind durch und durch hypnotische Zeilen, welche ihre Wirkung mit jeder Silbe mehr entfalten und direkt in einen sogartigen Bann ziehen. Ganz so, wie ein mysteriös-poetisches Mantra, ein eindringliches Gebet oder ein inbrünstiger Zauberspruch über die gefährlich schöne Urkraft von Gewässern und Gezeiten. Elektronisch verzerrte Beats durchdringen die einstige Stille, pulsieren zunächst bedrohlich und dann druckvoll pochend. Währenddessen treten im halbdunklen Hintergrund vier weitere Personen gemeinsam hinzu und begeben sich ohne geringste Umschweife sogleich auf ihre angestammten Positionen. Zur Linken nimmt nun Schlagzeuger Stefan Günther-Martens hinter seinem Drum Kit Platz, auf der gegenüberliegenden Seite steigt derweil Gitarrist Sören Joran auf das ihm zugewiesene Podest, während Bassist Andreas „Tossi“ Gross und Multiinstrumentalist Lutz Demmler sich vorn aufstellen. Mit den ersten Takten wird die gesamte Bühne in ein kühl schimmerndes, eisblaues Licht getaucht und der Unbekannte entledigt sich seiner temporären Maskerade: Es ist Frontmann und Sänger Alexander „Asp“ Frank Spreng, welcher jetzt zusammen mit seinen Musikern mit dem Opener „Mondscheinsirenade“ eröffnet. Frenetischer Jubel ist die logische Folge. Ohne den Fans oder sich selbst auch nur die kleinste Pause zu vergönnen, geht es direkt weiter. Ein energetisches, wohlbekanntes Geigenspiel lässt direkt erneuten Beifall aufbranden. Mit dem beliebten Klassiker „Duett (Das Minnelied Der Incubi)“ haben „ASP“ die Menge sofort fest im Griff und leiten einen schon jetzt unvergesslichen Abend ein, in welchen es bis zum besungenen Morgenrot nun tief einzutauchen galt.

 

„Ihr schönen Menschen! Es tut so gut, wieder bei euch zu sein.“, begrüßt die Frankfurter Szene-Koryphäe die ausverkaufte Turbinenhalle zum Debüt-Konzert der aktuellen Tournee herzlich. „Was für ein Auftakt! Wir haben die Hosen gestrichen voll, das kann ich euch verraten. Aber ich denke, mit euch an unserer Seite kann nichts schief gehen. Ganz egal, wie das hier heute Abend endet, ich weiß, diese Reise machen wir zusammen!“, verkündet der Frankfurter verheißungsvoll. Mit dem im August diesen Jahres veröffentlichten Vorboten „20.000 Meilen“, lädt die Band nun dazu ein, vollends in die Geschichte von „zutiefst“, dem dritten Teil des „Fremder“-Zyklus, einzutauchen. Der atmosphärische Titel besitzt, wie auch schon vorab auf dem Wacken Open Air und dem Mera Luna Festival zu erleben war, wahren Live-Charakter und reißt unweigerlich mit. Ein Umstand, den das Publikum in Oberhausen offensichtlich ganz genauso sieht und die neue Single wie einen alten Freund im Set aufnimmt. Bei dieser gewaltigen Stimmung, die bereits jetzt zu Beginn schon unter den rund zweitausend Anwesenden herrscht, vergisst Asp vor lauter Überwältigung kurzzeitig seinen Text in der zweiten Strophe, was aber kaum auffällt. Tauchgang erfolgreich! Auf dem Grund des Meeresbodens angelangt, wendet sich der Sänger wieder ganz der treuen Anhängerschaft zu. „Hier unten ist es so schön kalt... Willkommen in der eisigen Wirklichkeit!“, flüstert er und löst damit sogleich erneuten Jubel aus. Sichtlich dankbar begeben sich die Fans aus freien Stücken in die frostigen Klauen der Realität und feiern den tanzbaren Industrial-Rocker aus dem 2011er Album „fremd“, der sich längere Zeit nicht mehr im Live-Programm fand.

 

„Euer Applaus ist wirklich eine großartige Motivation, vielen Dank!“, freut sich Asp. „Ich weiß, dass Oberhausen immer etwas ganz Besonderes und gewissermaßen jedes Mal der Schmelztiegel des ganzen Ruhepotts ist. Ich weiß aber auch, dass hier auch immer ganz besonders viele Leute sehr gerne filmen und fotografieren... Lasst uns das so wie immer machen. Beim nächsten Song könnt ihr nach Lust und Laune noch Fotos machen und ich versuche dann, mit meinen beschränkten Möglichkeiten dabei so gut wie möglich auszusehen. Aber dafür packt ihr die Dinger danach dann auch wieder weg, ja? Lasst uns diesen Abend so genießen, wie wir sind. Das ist eine magische Verbindung!“, weist der Frontmann charmant auf das gängige Foto-Verbot während einer „ASP“-Show und gleichzeitig auch auf den folgenden Titel hin: „Werben“. Natürlich steht der Mann mit der unverwechselbaren Stimme zu seinem Wort und kokettiert folglich zur hellen Freude aller Anwesenden humorig mit absichtlich überzogenen Posen, was garantiert für das ein oder andere, unvergesslich amüsante Bild auf den zahlreich in die Höhe gestreckten Smartphones sorgt. Beim brachial krachenden „WeichEntstellung“, von der jüngst zum vollwertigen Langspieler angepassten „GeistErfahrer-EP, sind dann aber tatsächlich ausnahmslos alle Besucher wieder im Hier und Jetzt angekommen und geben sich ganz der Musik hin. Wie schön, dass die gegenseitige Vereinbarung nach wie vor auf fruchtbaren Boden fällt.

 

„Ihr schönen Menschen, wie gut, dass wir uns in dieser Nacht gefunden haben. Nur allzu oft sind wir blind und taub für den jeweils anderen, der Nebel ist dafür viel zu dicht.“, leitet der Mastermind sodann zum englischsprachigen „SonaARta“ über, welches heute seine Premiere feiert und dem anschließenden Applaus nach zu urteilen, bestens ankommt. „Vielen Dank! Und dennoch gibt es einen Ort, an dem du, wenn du dort hingehst, niemals allein bist... Komm, wir gehen ins Hotel!“. Mit dem sehnsuchtsvollen Titeltrack des epochalen Zweiteilers „Astoria Verfallen“ involviert man das Publikum im finalen Refrain ganz besonders und lädt nun zum gemeinsamen Singen ein. „Zuerst einmal die Männer!“, fordert Asp zunächst die Herren der Schöpfung auf und zeigt sich kurz darauf augenzwinkernd nicht sonderlich zufrieden. „Nicht schlecht. Naja, jetzt einmal nur die Damen, wenn’s geht?“. Natürlich kommen diese dem Wunsch nur allzu gerne nach und überzeugen stimmgewaltig. Doch da geht noch mehr „Wunderschön! Am besten machen wir das jetzt alle gemeinsam, oder?“, befindet der Meister und erntet lautstarke Chöre, bevor „Die Kreatur Mit Der Stählernen Maske“ ihren Einzug erhält und mit dem überraschenden Übergang zu „Hallowed Be Thy Name“ von Metal-Legende „Iron Maiden“ ein kleines und thematisch durchaus passendes Insider-Tribut als Schmankerl für Kenner bereithält. Insbesondere hier zeigt der Frontmann einmal mehr sein beeindruckendes Spiel aus Mimik und Gestik, das auch heute Abend wieder jedem einzelnen Song, wie etwa dem nachfolgenden „Wechselbalg“, authentisches Leben einhaucht. „Lasst euch nicht täuschen, dieser Abend wird so unglaublich schnell vorüber sein. Lasst uns jede Minute davon genießen, denn wir leben wie Torpedos!“, ruft der Sänger aus und schürt mit seinen Worten bereits jetzt wehmütige Abschiedsstimmung, obgleich dieser Zeitpunkt glücklicherweise noch lange nicht gekommen sein soll. Gesagt, getan. Der mitreißende Up-Tempo aus den Gefilden des neuen Zyklus-Abschnitts fährt den zu erwartenden Applaus ein und facht die ohnehin schon ausgelassene Stimmung weiter an. „Geht’s euch gut? Was ist mit euch da oben?“, deutet Asp auf die nahezu komplett ausgefüllten Ränge. „Singt und tanzt als Kollektiv!“, animiert er die Menge, die seinem Wort nun ebenso unweigerlich folgt, wie auch bei der anschließenden Szene-Hymne „Schwarzes Blut“. Vorwärts, abwärts!

 

Der energiegeladene Einsatz und die pure Verausgabung gehen von der Band, so wie ein schnell entflammender Funke, sogleich auf das Publikum über und von dort aus direkt wieder zurück. Erschöpft und sichtlich glücklich zugleich, sackt der Sänger auf die Bretter und kniet vor seinen Fans nieder. „Meine Güte! Ich finde, das habt ihr wirklich schön gemacht. Es ist so gut hier in Oberhausen, vielen Dank! Es ist, um einmal auf unser Gespräch vom Anfang zurückzukommen, unglaublich geil... Nicht ein verrücktes Smartphone und ich weiß, wir sind uns einig. Wir wollen das nicht nur für uns selbst haben und im Internet habe ich schon manches Mal nicht gut ausgesehen, aber daran liegt es nicht. Es fühlt sich einfach so viel schöner mit euch an! Ich bin allerdings auch nicht von gestern und deshalb machen wir für das nächste Stück eine kleine Ausnahme. Allerdings nicht zum fotografieren, sondern um die Bildschirme nach vorne zu heben. Oder Feuerzeuge... Gibt es tatsächlich noch Menschen, die ein Feuerzeug dabei haben? Hm, wer beides besitzt, könnte allerdings auch...“, lächelt Asp verschmitzt und deutet mit einer Geste an, die mobilen Zeitdiebe zu verbrennen, womit er die Lacher sofort auf seiner Seite hat. „Meine Kollegen haben mir geraten, ich sollte das doch einfach mal ausprobieren. Ein Saal voll leuchtender Wesen, das sieht engelsgleich aus. Seid ihr bereit?“, freut er sich beim prüfenden Blick in die Halle, die jetzt zur zweiten, neuen Single „BernsteinmeerengeL“ von zahlreichen Lichtern restlos illuminiert wird. Ein unbeschreiblich magisches Bild! „Jeder weiß, dass ich trotzdem nicht besonders religiös bin, aber mein Gott, was seid ihr großartig heute Abend! Ich glaube, dass das Gute zwischen uns ist, das unser Verhältnis klar ist. Ihr wisst, warum ihr hier seid. Ich auch. Wegen der Musik. Ihr seid doch wohl wegen der Musik hier?“, vergewissert sich der Frontmann spaßend und erhält sofort unmissverständlichen Zuspruch auf seine Frage. „Wollt ihr Musik? Das ist gut, denn das ist das, was wir euch geben können und somit ist alles gut geklärt. Wenn ihr nachher, leider schon sehr bald, zurückkehrt, macht es uns das dann nicht ganz so schwer, in der eisigen Wirklichkeit. Nehmt euch dann in Acht, vor denen, die falsche Signale aussenden...“, raunt er geheimnisvoll und zieht seine gespannte Zuhörerschaft sogleich in „Die Untiefen“ hinab, deren rhythmische Melodien sofort mitzureißen wissen.

 

„Das geht wirklich Schlag auf Schlag heute Abend und wir peitschen das alles hier nur so durch, um noch möglichst viele schöne Lieder für euch spielen zu können. Man muss sie sich ja irgendwie verdienen, seine kurze, kurze Pause. Direkt nach der Tour werden wie für ein paar Monate verschwinden, aber keine Angst! Macht euch keine Sorgen, es wird kein Abschied für immer, sondern einfach nur eine kleine Pause. Wir haben in den letzten Jahren viel gearbeitet und werde die Zeit nutzen, um meinen „Noch zu lesen“-Stapel abzuarbeiten und ein paar wichtige Orte, wie zum Beispiel die schwarze Mühle zu besuchen. Soll ich euch verraten, was wir nach der Pause machen, wollt ihr? Das gilt aber nur dann, wenn das, was ich euch jetzt verrate, hier in diesem Raum unter uns bleibt. Versprecht ihr das?“, scherzt der Sänger und schürt die Neugier des Publikums weiter. „Gehorche der Stimme des Meisters! Wir müssen jetzt so tun, als wären wir eine eingeschworene Gemeinschaft... Wir werden dann den kompletten „Krabat“-Liederzyklus zur Feier des zehnjährigen Bestehens für euch spielen! Wenn das kein Anlass ist, aber wie gesagt, pssst.“, schmunzelt Asp und lädt, mit der obligatorischen Rabenfeder in der Hand, im Anschluss folgerichtig zur musikalischen Adaption von Ottfried Preußlers gleichnamiger Romanvorlage. „Vielen Dank! Ihr schönen Menschen hier in der Turbinenhalle, das war heute ganz, ganz großes Kino. Wir sind überwältigt von euch und ich hoffe, dass wir uns alle im nächsten Jahr wiedersehen. Wir sind euch zutiefst verbunden und zutiefst dankbar." So endet das reguläre Set mit dem spektakulären Titeltrack des aktuellen Albums „zutiefst“, welches der Frontmann abermals mit einem gestenreichen Spiel unterstreicht. So verstreut er, passend zu den besungenen Zeilen, etwa feinen Sand aus einer gläsernen Karaffe oder animiert die Menge zu kollektiven Chören.

 

„Was für ein unglaublicher Abend, vielen Dank dafür! Danke, dass wir so viele neue Stücke spielen dürfen und ihr sie so warm bei euch aufgenommen habt. Dieses Album war wie ein Befreiungsschlag und ein Geschenk an mich selbst und, wenn ihr wollt, natürlich auch an euch. Danke euch von Herzen! Und dafür, dass ihr so tapfer mitgemacht habt, gehen wir jetzt ganz weit an die Anfänge zurück...“. Der unverzichtbare Klassiker vom Debüt, „Und Wir Tanzten“, hat über all die Jahre nichts von seiner Faszination und Leidenschaft eingebüßt, was oben auf der Bühne ebenso klar ersichtlich ist, wie auch im Publikum selbst. Textsicher wie eh und je, begleiten die Fans den gesamten Titel über mit ihren Stimmen und beschließen diesen mit tosendem Applaus. Dann biegen „ASP“ auf die Zielgerade ein, der Moment des temporären Abschieds scheint gekommen. „Wir werden jetzt einen Song spielen, den vermutlich jeder von euch kennt. Wer nun sagt, „Den habe ich schon so oft gehört“, kann auch gehen und den Freund oder die Freundin befummeln. Doch so lange es mir etwas bedeutet, spielen wir ihn. Ihr wollt es immer noch, brennen bis zum letzten Atemzug!“, kündigt der Fronter das große Finale mit „Ich Will Brennen“ an, welches in seinen letzten Takten in die neue Hymne „Fortsetzung Folgt... (1)“ übergeht. Die Band verlässt nun nacheinander die Bühne, doch das Hallenlicht geht noch immer nicht an. Gespannt verharren die dichten Reihen standhaft auf ihren Plätzen. Und tatsächlich kehrt das Quartett nur wenige Zurufe und Minuten später als freudige Überraschung zurück. Mit dem atmosphärischen „Simon & Garfunkel“-Cover von „I Am A Rock“, beschließt die Frankfurter Ikone das rund zweieinhalb Stunden lange Set, ehe ihr Mastermind nach der Laterne vom Beginn greift, bedeutungsschwer emporhebt und mit einem sanften Lächeln auf den Lippen die Bretter so geheimnisvoll verlässt, wie er sie einst betreten hat. Begeisterter Jubel erfüllt die Turbinenhalle, deren gesamte Beleuchtungsanlage nun doch wieder hochgefahren wird. Langsam und glücklich beseelt, verlassen die Fans zu den Klängen von „Yellow Submarine“ der „Beatles“ und „Beyond The Sea“ von Bobby Darin, die Ränge und den Innenraum. Das Ende eines denkwürdigen und zutiefst packenden Abends mit erheblicher Sogwirkung, der die anstehende Pause allen Anwesenden ganz sicher nur umso schwerer machen dürfte. Doch: „Wir wissen heute schon, es gibt bald ein Wiederhören...“, denn diese magische Verbindung lässt sich gewiss niemals mehr zerstören. In diesem Sinne: Fortsetzung folgt!

 

Setlist:

 

01. Intro (Mondschein) 

02. Mondscheinsirenade

03. Duett (Das Minnelied Der Incubi)

04. 20.000 Meilen

05. Eisige Wirklichkeit 

06. Werben

07. WeichEntstellung

08. SonaARta

09. Astoria Verfallen

10. Die Kreatur Mit Der Stählernen Maske

11. Wechselbalg

12. Torpedos 

13. Das Kollektiv 

14. Schwarzes Blut

15. BernsteinmeerengeL

16. Die Untiefen

17. Krabat

18. zutiefst 

19. Und Wir Tanzten

20. Ich Will Brennen

21. Fortsetzung Folgt... (1)

22. I Am A Rock

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