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  • Christoph Lorenz

Marilyn Manson - „The Heaven Upside Down"-Tour - Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf - 29.11.2017


Veranstaltungsort:

Stadt: Düsseldorf, Deutschland

Location: Mitsubishi Electric Halle

Kapazität: ca. 5.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Ja

Homepage: www.mitsubishi-electric-halle.de

Einleitung:

Es ist Donnerstag, der 29.11.2017. Langsam aber sicher hält die Festtagsstimmung auch in Nordrhein-Westfalen ihren Einzug, wie sich unschwer anhand des ganzen Trubels inmitten der Innenstadt und an den zugehörigen Bahnhöfen erkennen lässt, an denen ich nun in regelmäßigen Abständen nacheinander vorbeirausche. Ich sitze in der S1 in Richtung Düsseldorf und bin wider Erwarten etwas spät dran. Die gesamte Fahrt zieht sich ob der vielen Zwischenstopps noch mehr hin, als zunächst angenommen und auch hier ist das vorweihnachtliche Chaos untrüglich zu spüren. Obwohl es ein Donnerstag und somit ein Abend unter der Woche ist, könnte die Bahn wohl nicht voller sein. Zahllose Menschen drängen sich dicht in den Zwischengängen und an den Türen, die Meisten von ihnen haben große Einkaufstaschen dabei und wirken gestresst. Zurecht. Freie Sitzplätze gibt es praktisch keine mehr und so verbringe ich einen Großteil der rund neunzigminütigen Reise damit, zu stehen. Sicher, es gibt deutlich Angenehmeres, aber die Vorfreude auf die kommenden Ereignisse überwiegt deutlich. Nach etwas mehr als anderthalb Stunden steige ich noch einigermaßen pünktlich an der Haltestelle Oberbilk aus, von welcher man das leuchtende Logo der Mitsubishi Electric Halle schon sehen kann. Obgleich der offizielle Einlass bereits seit rund dreißig begonnen hat, herrscht hier noch ungewöhnlich viel Trubel. Überraschend viele Personen bieten mir schon beim Ausstieg ihr Ticket zum Verkauf an, was sich auf dem Weg zur Location durchzieht. Endlich vor ebendieser angekommen, eile ich zur Abendkasse und erfrage, ob es so kurzfristig überhaupt noch Karten gibt. Gibt es. Für einen nur unwesentlich höheren Aufpreis schiebt mir die freundliche Mitarbeiterin schließlich einen Ausdruck durch die Luke hindurch und ich reihe mich vor dem Haupteingang ein. Wie üblich, öffne meine kleine Umhängetasche schon einmal vorsorglich, entleere deren Inhalt und lasse mich danach seelenruhig abtasten. Alles geht gut und so stehe ich dann mitten Foyer, in welchem auch der Merchandising-Stand aufgebaut ist. Noch ist genügend Zeit und so schaue ich mich kurz um, zumindest ein kleines Andenken soll es heute werden. Die Preise sind, wie eigentlich vorab zu erwarten war, im gehobenen Segment angesiedelt. Fünf der verfügbaren T-Shirts gehen für rund fünfunddreißig Euro über die Ladentheke, ein Weiteres mit dem Profil von Manson gar für einen Zehner mehr, der Hoodie hingegen kostet mit achtzig Euro doppelt so viel. Selbst bei den üblichen Kleinigkeiten wird hier kostentechnisch deutlich überzogen: Ein Rosenkranz mit Double Cross-Motiv ist für fünfundzwanzig Euro zu haben, eine Cap beträgt gar das Gleiche, wie eines der Kleidungsstücke. Trotzdem reißen sich Fans sprichwörtlich um die Artikel und auch ich kann mich dieser Faszination einmal mehr nicht erwehren. Mit einem T-Shirt und Schlüsselanhänger in der Tasche, verlasse ich den Stand nach einigen Minuten wieder und betrete das Innere der Halle, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal halb voll ist. Umso besser, denke ich mir und suche mir einen Sitzplatz auf der linken Tribüne mit voller Sicht auf die Bühne. Die Jacke werfe ich auf den Stuhl, die Tasche schiebe ich direkt darunter. Alles läuft entspannt, so kann‘s gerne weitergehen...

Dinos Chapman:


Gegen 20.00 Uhr ist es an der Zeit für den Support-Act. Die große Ehre, den heutigen Abend zu eröffnen, gebührt „Dinos Chapman“, welcher von Manson höchstpersönlich mit dieser wichtigen Aufgabe betraut wurde. Der kreative Brite, der üblicherweise gemeinsam mit seinem Bruder Jake als Künstler-Duo in Erscheinung tritt und insbesondere für seine Ausstellungen extravaganter Kunststoffmodelle und Skulpturen mit kritischem Ansatz bekannt ist, wandelt seit einigen Jahren auch auf Solo-Pfaden. Als sich der hagere Mann im schwarzen Hemd wortlos an das schlichte Pult begibt, weiß hier noch niemand so recht, was genau ihn nun erwarten wird. Ähnlich wie der Schock-Rocker selbst, waren auch seine Special Guests schon immer höchst umstritten. So stellten sich in der Vergangenheit etwa „Peaches“ oder „Cobra Killer“ in den schwierigen Dienst des Anheizers und sorgten für erhebliche Negativ-Reaktionem unter den Besuchern. Bereits nach wenigen Sekunden wird klar, dass sich diese unliebsame Tradition auch heute wahrscheinlich wieder fortsetzen wird. Zwischen den trüben Lichtkegeln einiger gedimmter Scheinwerfer präsentiert Chapman fortan eine eigenwillige Collage aus Ambient und Noise, die Basis dazu bietet sein 2013 veröffentlichtes Album „Luftbobler“ mit Tracks wie „Whatever Works“, „Smeyes“, „Sputnik“ und „Alltid“. Die insgesamt rund dreißigminütige Performance ist rein instrumental und kommt somit gänzlich ohne Gesang oder überladene Samples aus. Die Ansätze sind zumindest teilweise gut und wissen vor allem anfangs noch zu fesseln, sofern man sich einigermaßen für experimentellen Electro erwärmen kann. Um längerfristig interessant zu bleiben, fehlt es dem gleichförmigen Sound aber doch zu sehr an Struktur, Tempo und Abwechslung. Dazu kommt, dass die musikalische Spanne zwischen dem Künstler und Publikum, was sich großteilig aus Anhängern der Metal- und Gothic-Szene zusammensetzt, einfach zu groß ist, weswegen ein artverwandter Act vermutlich die bessere Wahl gewesen wäre. Dennoch zeigen sich die Fans verhältnismäßig geduldig und es dauert tatsächlich erstaunlich lange, bis einige Pfiffe den Unmut der ungeduldigen Menge offenbaren. „Dinos Chapman“ wäre in der Playlist alternativer Clubs oder Galerien definitiv besser aufgehoben, als auf den großen Bühnen dieser Welt. Dass das der extravagante Kreativkopf jedoch nicht zwingend genauso sieht, zeigen seine teils grenzwertigen Reaktionen auf so manch unliebsamen Facebook-Kommentar. Der Applaus fällt dafür jedenfalls umso größer aus, als der wortkarge DJ nach einer halben Stunde demonstrativ seinen USB-Stick aus dem MacBook herauslöst und zum Abschied die Hand hebt. Ist das Kunst oder...?

Marilyn Manson:

Exakt um 21.00 Uhr erlischt die Beleuchtung innerhalb der gesamten Mitsubishi Electric Halle und hüllt sowohl die seitlichen Tribünen als auch auch den mittlerweile recht weit gefüllten Innenraum in nahezu komplette Dunkelheit. Euphorische Jubelstürme branden gelöst auf und hunderte Smartphone-Displays erstrecken sich jetzt Kollektiv in die