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Eisbrecher - "JAK MMXVII" - Turbinenhalle, Oberhausen - 16.12.2017

27.12.2017

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Oberhausen, Deutschland
 

Location: Turbinenhalle 1 

 

Kapazität: ca. 3.500

 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: http://www.turbinenhalle.de

 

Einleitung:

 

Es ist der 16.12.2017 und exakt in diesem Moment trete ich durch den Eingang des Kulttempels wieder an die kühle Abendluft hinaus. Das Interview mit „VNV Nation“-Frontmann Ronan Harris ist seit wenigen Minuten vorüber, die zugehörige „Christmas Party“-Show habe ich erst gestern besucht. Äußerst praktisch, dass ich es somit nicht mehr weit bis zur Turbinenhalle 1 habe, die glücklicherweise ganz in der Nähe liegt. Genau genommen brauche ich jetzt nur noch über den großen Schotterplatz laufen und dann ist es auch schon geschafft. Der Einlass ist für 18.15 Uhr anberaumt, bis dahin ist es nur noch eine gute halbe Stunde. Ich erinnere mich an den Auftakt der „Sturmfahrt“-Tournee im September diesen Jahres zurück und damit auch an die lange Schlange, die sich um den halben Gebäudekomplex zog. Komme ich noch rechtzeitig? Überraschenderweise, ja. Mit erheblicher Verwunderung stelle ich fest, dass, grob überschlagen, gerade einmal gut hundert weitere Fans auf der langen Treppe anstehen, womit ich mich also tatsächlich noch zu den Ersten zählen kann, als sich die Türen pünktlich zur angegebenen Zeit öffnen und der Einlass beginnt. „Steht jemand auf der Gästeliste?“, ruft der Sicherheitsbeamte in die Menge der Wartenden. Eine gute Handvoll von Besuchern klinkt sich aus und geht nach vorne, ich nutze die Chance und schließe mich an. Am Schalter nenne ich wie gewohnt meine Vor- und Nachnamen, lasse mir mein Bändchen ums Handgelenk legen und die Tasche kontrollieren. Das war’s, so schnell kann es manchmal gehen. Ohne Komplikationen und erheblich eher als zunächst angenommen, stehe ich gegen 18.30 Uhr, eine ganze Stunde vor offiziellem Beginn, im Foyer der Turbinenhalle und eile schnellen Schrittes in den Saal, um mir einen guten Platz im vorderen Drittel zu sichern. Also dann...

 

„Jürgen und Ich“:

 

Gegen 19.30 Uhr betreten erstmalig Gitarrist Jürgen Plangger und Sänger Alexander Wesselsky die Bühne, um als spaßiges Duo „Jürgen und Ich“ traditionell auf den Abend einzustimmen. Mit einem geschmückten Tannenbaum und allerlei weiteren Dekorationen, ist das gesamte Ambiente auf ebendieser, passend zum bevorstehenden Fest, betont weihnachtlich gehalten. Sogar die beiden Musiker selbst, welche heute einmal mehr augenzwinkernd als ihre eigene Vorband in Erscheinung treten, haben sich anlässlich dessen an einen ganz besonderen Dresscode gehalten. In strahlend weißen Anzügen und bester Liedermacher-Manier, nehmen sie auf zwei Barhockern Platz und schultern ihre Instrumente. „Guten Abend, Oberhausen!“, begrüßt der Frontmann das Publikum sichtlich erfreut und wirft anschließend einen prüfenden Blick in den mitgebrachten Stoffbeutel. „Dann wollen wir doch mal sehen, was da für euch so drin ist... Ich hab‘ da a bisserl was dabei, ihr wart doch brav, oder?“, grinst er und stellt das Projekt allen Neulingen kurz und knapp vor. „Das da ist Jürgen und das ist Ich!“, deutet er mit einem Fingerzeig zuerst auf seinen Kollegen und danach auf sich selbst. Da sich die allgemeine Stimmung zunächst jedoch noch in Grenzen zu halten scheint, gibt Wesselsky dem Publikum noch eine weitere Chance, sich zu steigern. „Wir gehen jetzt erst nochmal raus und dann könnt ihr euch ganz genau überlegen, was ihr angestellt habt!“, gibt er scherzhaft den schwer Gekränkten und verlässt die Bretter, nur um gemeinsam mit Plangger kurze Zeit darauf unter stürmischen Applaus zurückzukehren. „Na also, geht doch!“, ruft er, holt eine Karotte aus dem Sack und wirft sie in die erste Reihe. „Das ist eigentlich eine Apfelsine. Wenn man die rubbelt, wird sie ganz lang. Vitamin C ist gesund!“. „Die erste Reihe leidet und schwitzt ja schon. Ihr Kinderlein, seid ihr gekommet? Sehr schön, dann lasst uns rocken.“, zwinkert der Münchner und lässt sich von Crew-Mitglied Dodo dann standesgemäß seine Akustikgitarre bringen. „Ach, für manche von euch ist es schon nicht leicht. Wie habt ihr das von Augsburg bis hierher so schnell geschafft?“, wendet er sich an die Hardcore-Fans, die nach dem gestrigen „Adventssingen“ im Spectrum Club auch heute in der Turbinenhalle anwesend sind. „Ihr seid bestimmt nur so über die Autobahn gerast... Scheiß auf die Umwelt, Hauptsache so schnell wie möglich nach Oberhausen! Das war jetzt politisch nicht korrekt und auch genauso gemeint. Augsburg war sowieso besser!“, stachelt er die Besucher an, die sich diesen Vorwurf natürlich nur äußerst ungern gefallen lassen wollen. „Es liegt ganz an euch. Seid ihr bereit?“. Ja, Oberhausen ist hörbar bereit und versucht sich im Folgenden unter den geschulten Ohren des Zweigespanns an echten Klassikern, wie etwa „Kling, Glöckchen“ oder auch dem obligatorischen „Last Christmas“ von „Wham!“. „Okay, Weihnachtslieder könnt ihr schon mal nicht...“, zeigt sich der Sänger wenig begeistert und startet einen zweiten Versuch. „Dann wollen wir dem Schlager mal seinen Soul zurückgeben! Ihr braucht gar nicht so gucken, bestimmt hat jeder von euch schon so ein Album gekauft.“, stichelt er. „Ja, „Die Hölle Muss Warten“, zum Beispiel.“, witzelt Jürgen Plangger und erntet dafür herzliche Lacher. Mit dem Cover von Howard Carpendales „Hello Again“ und dem “Biene Maja“-Titelsong von Karel Gott, endet das rund zwanzigminütige Intermezzo voller Biss und Witz schlussendlich unter großem Applaus. „Ihr braucht uns nicht vermissen, wir kommen ja wieder. Verkündet die frohe Botschaft!“, winkt Wesselsky zum vorzeitigen Abschied und gibt die Bühne für den nächsten Act frei.

 

„Clawfinger“:

 

Um 20.10 Uhr geht es weiter im Programm und es ist endlich an der Zeit für den zweiten Support des heutigen Jahresabschlusskonzerts, der bereits mit einiger Spannung erwartet wird. Für diesen Slot konnte nämlich ein ganz besonderer Act gewonnen werden: Das schwedisch-norwegische Crossover-Urgestein „Clawfinger“, welches jetzt vor der Kulisse des übergroßen Backdrops mit dem verheißungsvollen Schriftzug „Rap Matal since 1993“ aufläuft. Die Band, die sich zuletzt 2013 auflöste und nur ein Jahr später wieder zusammenfand, gehört zu den absoluten Schwergewichten und verpflichtete zu ihren Anfangstagen selbst die Berliner Legende von „Rammstein“ im eigenen Vorprogramm. Zum Opener „Prisoners“ von ihrem letzten Studioalbum „Life Will Kill You“ von 2007, stürmen Schlagzeuger Micke Dahlén, Keyboarder Jocke Skog, Bassist André Skaug, Gitarrist Bård Torstensen und Sänger Zak Tell im wahrsten Sinne des Wortes die Bretter und geben vom ersten Moment an alles. Egal ob beim walzenden „Nothing Going On“, „Zeros & Heroes“ oder „Warfair“: Immer wieder sprinten die einzelnen Musiker energiegeladen von der einen zur anderen Seite, springen auf der Stelle und stellen sich auf die hohen Monitorboxen. Die schiere Spielfreude ist der Band zu jeder Sekunde anzumerken, wenngleich es das Quintett mit seiner musikalischen Oldschool-Schlagseite vor dem fest eingeschworenen NDH-Publikum auch alles andere als leicht hat und zunächst erst noch ein gewisser Vorlauf notwendig ist, um das anfängliche Eis zu brechen. Von diesem Umstand lassen sich die gestandenen „Clawfinger“ allerdings keineswegs entmutigen, denn offenkundig sind einige Fans extra für einen der raren Deutschland-Gigs angereist und haben von Beginn an ihren Spaß. Einer dieser treuen Anhänger ist gar Alexander Wesselsky selbst, welcher die laufende Show abwechselnd von der oberen Empore und dem Innenraum heraus sichtlich begeistert verfolgt. Für ihn selbst geht damit heute ein Traum in Erfüllung, willigte der von ihm favorisierte Fünfer doch auf seine persönliche Einladung hin ein, das letzte Konzert des für „Eisbrecher“ erfolgreichen Jahres feierlich zu eröffnen. Ein wirklich schöner Meilenstein in der Karriere der Münchner Chartstürmer, der eindrucksstark markiert, welchen Stand das eiskalte Flaggschiff mittlerweile innehat. Nun taut auch der Rest des Oberhausener Publikums langsam aber sicher etwas auf. Kein Wunder, immerhin widmet man sich jetzt dem ikonischen Debüt „Deaf Dumb Blind“ und gibt allseits bekannte, szeneübergreifende Klassiker wie beispielsweise „Rosegrove“ und „N****r“ zum Besten, woraufhin es für die nachfolgenden Tracks „Pin Me Down“ und das exotisch angehauchte „Two Sides“ fast schon ein Leichtes ist, zu überzeugen. Neben betont selbstbewussten Stampfern der Marke „Biggest & The Best“, welche augenzwinkernd die ganz große Metal-Geste versprühen, gibt es mit dem jüngsten Single-Release „Save Our Souls“ auch top aktuelles Material aus dem Jahr 2017 auf die aufmerksamen Ohren. Darüber hinaus nehmen sich Tell, der die zweite Hälfte nun im Jackett mit gewagtem Testbild-Muster bestreitet, sowie seine sympathischen Mitstreiter zu keiner Zeit ernst, reißen mit ihrem trockenen Humor zwischen den Songs ständig Witze über die sogenannten „Rich People“ auf dem Oberrang, welcher eigentlich der gesonderte Familienbereich ist, oder vor allem über ihr Alter und somit sich selbst. Mit einer Zugabe von insgesamt drei Titeln, endet der gut einstündige Auftritt schließlich durch das fordernde „Do What I Say“ und höflichem Applaus.

  

Setlist:

 

01. Prisoners

02. Nothing Going On

03. Zeros & Heroes

04. Warfair

05. Rosegrove

06. N****r 

07. Pin Me Down

08. Two Sides

09. Biggest & The Best

10. Save Our Souls

12. The Price We Pay 

13. The Truth

14. Do What I Say

 

„Eisbrecher“:

 

Exakt um 21.40 Uhr wird die gesamte Beleuchtung in der Turbinenhalle 1 unter tosendem Jubel heruntergefahren, bis der altehrwürdige Industriekoloss schließlich in tiefer Dunkelheit liegt. Plötzlich zieht eine kühle Brise auf, hörbar rauschen unbarmherzige Stürme zwischen den stählernen Trägern hindurch. Mächtige Wellen schlagen rhythmisch an Land, lautes Möwengekreisch erfüllt den breiten Saal. Dichte Nebelschleier kriechen beständig aus allen Ecken heraus und ranken sich um die hohe Konstruktion, nur um schließlich in Form einer dichten Wand die ersten Reihen beständig einzuhüllen. Die losen Fetzen verzerrter Funksprüche dröhnen durch die Finsternis, irgendwo in der Ferne verhallt das durchdringende Signal eines aktiven Sonars. Die violetten Lichtkegel einiger Scheinwerfer ziehen behäbig ihre Bahnen durch das gespannt Publikum und erhellen immer wieder kurzzeitig die Szenerie. Ein breiter Vorhang, auf dem der riesige Schädel eines Eisbären vor dem Hintergrund zweier gekreuzter Spitzhacken bedrohlich sein Maul aufreißt, verdeckt unterdessen den dahinterstehenden Maschinenraum, in welchem es jetzt mehr und mehr hitzig brodelt. Metallisch knallende Beckenschläge und ein aggressives Saitengewitter zersägen jäh die kurze andauernde Stille, dann ist es endlich soweit... Wir legen ab, das eiskalte Vergnügen beginnt! Zu den donnernden Takten des drückenden Openers „Sturmfahrt“ saust der schwere Stoff nieder und gibt den Blick auf das komplette Bühnenbild frei. Dieses orientiert sich zu weiten Teilen lose an einem ausladenden Oberdeck üblicher Kampfschiffe. Im Zentrum ist eine wuchtige Erhöhung für das Drum-Set errichtet worden, darunter befindet sich eine schwere Tür mit Bullauge. Zu den Seiten ragt noch jeweils ein weiteres Podest in die Höhe, alle sind untereinander mit einer Brücke verbunden, dahinter sind vier große LED-Wände mit zusätzlichen Lichtanlagen montiert. Die bekannte Besatzung aus Schlagzeuger Achim Färber, Bassist Rupert Keplinger, den beiden Gitarristen Jürgen Plangger und Noel Pix, wie auch Frontmann Alexander Wesselsky ist authentisch in schwarze Marineuniformen gekleidet und lädt martialisch zur großen Fahrt. „Guten Abend, Oberhausen! Geht’s euch gut? Wie ihr ja schon wisst, kommen wir aus Bavaria und deshalb widmen wir das nächste Lied auch unserem neuen Ministerpräsidenten.“, begrüßt der Kapitän seine nordrhein-westfälische Mannschaft vor der Bühne und leitet sogleich satirisch zum nächsten Song des aktuellen Albums über, welcher sich da passend „Das Gesetz“ nennt und live ordentlich groovend nach vorne geht. Ein zeitlos spektakulärer Einstieg in den noch jungen Abend, welcher dem Auftakt Ende September in Nichts nachsteht. Sehr schön! Dass sich „Eisbrecher“ allerdings nicht allein nur auf ihren Lorbeeren von vor einigen Monaten ausruhen und dabei insbesondere auch allen treuen Wiederholungstätern im Publikum eine abwechslungsreiche Show bieten möchten, wird hier all jenen schnell klar, die im Herbst bereits ein Konzert der Tournee besucht haben. Die ursprüngliche Setlist soll heute zu weiten Teilen nämlich einige einschneidende Änderungen erfahren haben, die Erste davon bahnt sich bereits jetzt an. „Ein Stück aus grauer Vorzeit...“, verkündet Wesselsky lächelnd und lässt den düsteren „Antikörper“ auf Oberhausen los, der von den verzückten Anhängern nur zu gern in Empfang genommen wird und folglich durch das Blut eines jeden Besuchers marschiert. „Hoppla, da war die erste Strophe auch schon wieder vorbei... Naja, ihr kennt das ja. Fehler machen Leute!“, entschuldigt der Fronter seinen kurzen Texthänger gewohnt schwarzhumorig und schlägt damit im gleichen Atemzug eine gekonnte Brücke zur gleichnamigen Dampfwalze des Vorgängers „Schock“.

 

Nach der dramatischen Power-Ballade „Augen Unter Null“ vom beliebten 2008er Werk „Eiszeit“, hält die Dunkelheit ein weiteres Mal ihren Einzug. Im Schutze der Schatten sind aufwändige Umbauarbeiten auf den Brettern zu erkennen, dann dringen auf einmal elektrisierende Beats durch die Halle. Tausende Hände erheben sich in die Luft und klatschen im Takt, während die einzelnen Bandmitglieder ihre Plätze hinter den kurz zuvor positionierten Fässern einnehmen, um darauf das bitterböse „Amok“ zu trommeln. Auch nach all den Jahren noch ein gleichermaßen gelungenes Element, wie auch tolles Bild! Nach dem wohlverdienten Applaus wendet sich Alexander Wesselsky für eine erneute Ansprache abermals an das Publikum. „Wir möchten uns an dieser Stelle bei all jenen herzlich bedanken, die großartig genug dazu sind, innerhalb von nur vier Monaten gleich zwei Mal zu uns zu kommen. Wir waren ja kürzlich schon mal hier, aber wir wollten es so, weil wir wussten, dass es gut war und auch wieder gut wird. Also haben wir gedacht, dass es da doch irgendwie Sinn macht, den Abschluss in Oberhausen zu feiern, oder?“. Der bestens gefüllten Turbinenhalle und dem anschließenden Jubel nach zu urteilen, hat es das tatsächlich. Dass so eine starke Unterstützung etwas ganz Besonderes ist, weiß auch der Kapitän höchstpersönlich. „Gleich zwei Mal in Folge... Das ist nicht selbstverständlich! Da man ja ab einem gewissen Alter manches vergisst, machen wir das schon mal jetzt. Merry Christmas und ein schönes, neues Jahr! Bleibt schön gesund, uns treu und macht die Welt zu einem besseren Platz. Und jetzt... Aufrichten!“, beendet der Sänger seine ehrliche Rede dankbar lächelnd, bevor es mit dem brachialen Up-Tempo „So Oder So“ weitergeht. Spätestens jetzt steht niemand mehr still. „Dann wollen wir mal den Sack leeren, das ist gesund. Greift mal tief rein!“, scherzt Wesselsky und reicht den Stoffbeutel nochmals in der ersten Reihe herum. Das selbstzerstörerische „Leider“ taucht das eisige Meer sodann in musikalische Finsternis ein, danach darf sich bei „Prototyp“ der perfekte Partner zusammengeschraubt und zu „Himmel, Arsch Und Zwirn“ frei heraus geflucht werden. „Und schon ist das Jahr wieder um... Die meisten von euch haben auch mal jünger ausgesehen. Oh, wie alt bist du denn?“, fragt der Frontmann, als er ein junges Mädchen vor der Bühne entdeckt. „Was, erst neun Jahre und schon reif für die erste Reihe? Der Vater sagt „Ja“, die Tochter nickt selbstbewusst... Na gut, den nächsten Song widme ich ganz dir. Wie heißt du denn?“, hakt der „Eisbrecher“-Kapitän weiter nach. So kann sich die kleine Molly jetzt sicher sein, dass die ergreifenden Ballade „Herzdieb“ ihr allein gilt. Anschließend folgt mit dem epochalen „Eiszeit“ ein weiterer Höhepunkt im Programm: In dicke Winterjacken und Schutzmasken gehüllt, bahnen sich die Musiker ihren beschwerlichen Weg durch die Kälte. Mit zwei spitzen Eispickeln in den Händen, dirigiert Wesselsky die Fans durch das frostige Gestöber und animiert diese selbst dann noch wagemutig zu Höchstleistungen, als es im Refrain eindrucksvoll zu schneien beginnt. „Was für ein Sauwetter, oder? Rutscht nicht aus, wir brauchen euch noch!“, lacht er herzlich, als einige Roadies daraufhin den Boden fegen. Nach dem energiegeladenen „1000 Narben“ und dem gesellschaftskritischen „Was Ist Hier Los?“ biegt der Eisbrecher schließlich auf die Zielgerade ein.

 

„Ihr könnt jetzt schnippen, klatschen oder stampfen... Ich sehe euch von hier oben ganz genau. Ladies und Gentlemen, let‘s go!“. Gesagt, getan. Zu traditioneller Jodel-Einlage und Mundharmonika-Solo lässt sich Oberhausen nicht zwei Mal bitten, ehe flirrende Keyboard-Sounds den persiflierenden Klassiker „This Is Deutsch“ einleiten. Wie perfekt funktionierende Roboter marschiert die Band über die Bretter und spielt ein bitterböses Loblied auf typisch nationale Klischees, im Chorus schießen meterhohe CO2-Fontänen in die Höhe und hüllen zum Ende hin die gesamte Halle in eine dichte Wolke ein. „Ihr Verrückten, zum zweiten Mal hier in Oberhausen! Egal, woher ihr auch kommt... Dankeschön!“, verabschiedet sich der Kommandant im Namen aller Mitglieder, die jetzt nacheinander die Bühne verlassen. Doch das soll selbstverständlich noch nicht alles gewesen sein, immerhin haben die Fans scheinbar noch nicht genug und fordern eine Zugabe. Eine solche sollen sie im Anschluss mit der stets gefeierten Hymne „Verrückt“ auch genauso sehr bekommen, wie ein spannendes Instrumental-Duell zwischen Noel Pix am Keyboard und Schlagzeuger Färber, die jetzt für einige Minuten abwechselnd ihr Können unter Beweis stellen. „Der Wahnsinn hat einen Namen... Und leider auch ein Gesicht!“, stichelt der Sänger danach charmant wie eh und je. „Ach, da steht Achim drüber. Der Schönste und Beste am Schlagzeug! Und auf der anderen Seite der Herausforderer, der Electro-Zerstörer Mister Pix. Ihr seht, wir haben alles drauf... Nur die Zeit nicht.“, spielt er weiterhin auf den drängenden Plan und das damit verbundene, nahende Ende an. Immerhin ist es mittlerweile schon reichlich spät geworden. „Das nächste Lied handelt von einer ganz bestimmten Spezies Frau, die es in Oberhausen aber bestimmt gar nicht gibt. Molly darf auch zuhören, sie ist jetzt komplett sozialisiert!“, kündigt Wesselsky den vorletzten Song „Miststück“ an, welcher vor dem letzten Refrain noch in ein Cover des „Falco“-Hits „Rock Me Amadeus“ driftet. Ein weiteres Mal verlässt die Besatzung das Deck, doch wieder verlangt das Publikum nach Mehr. Gleißend grelles Scheinwerferlicht durchbricht die Schwärze, ein Echolot erklingt. Auf einem der hohen Podeste erscheint plötzlich Alexander Wesselsky, der jetzt prüfend durch ein Fernglas auf den Innenraum hinabblickt. Für das große Finale kehrt die ganze Band nochmals in ihren Uniformen zurück, um das Set mit dem dramatischen „In Einem Boot“ zu beenden. Unter herzlichem Applaus stellen sich die Musiker gemeinsam am vorderen Bühnenrand auf, lassen sich bejubeln und werfen dann zum Abschied jeweils einen der begehrten Plüschbären in die Menge, als der „Eisbrecher“ schließlich gegen 23.30 Uhr im Heimathafen einläuft. Was für ein Konzert, was für ein Abschluss, was für ein Jahr - Auf kalt in 2018!

 

Setlist:

 

01. Intro

02. Sturmfahrt

03. Das Gesetz

04. Antikörper

05. Fehler machen Leute 

06. Augen Unter Null

07. Amok

08. So Oder So 

09. Leider

10. Prototyp 

11. Himmel, Arsch Und Zwirn

12. Herzdieb

13. Eiszeit 

14. 1000 Narben

15. Was Ist Hier Los?

16. This Is Deutsch

17. Verrückt

18. Drums vs. Machine

19. Miststück

20. In Einem Boot

 

Impressionen:

 

Holger Bär, "AllDark-Foto"

 

www.AllDark-Foto.com

 

www.facebook.com/alldarkfoto

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