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IAMX - Alive In New Light (2018)

05.02.2018

Genre: Electro / Alternative

 

Release: 02.02.2018

 

Format: CD

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

 

Label: Caroline Distribution

 

Spielzeit: 41 Minuten

 

Pressetext:

 

Meine Güte, Chris Corner hat einen Output, dass einem schwindelig werden könnte. Als Corner auf dem letzten Album seine experimentelle Seite zeigte, stieß das Experiment bei den Fans auf geteiltes Echo. Nun legt IAMX mit "Alive In New Light" nach.

 

Kritik:

 

"So thank you

 

 You need to know, that you dragged me out

 

 Of a mile deep hollow

 

 And I love you 

 

You brought me home, ‘cause you dragged me out

 

Of a mile deep hollow

 

Musik. Es gibt sie so ziemlich in allen Arten und passend auf jedes Gemüt, jede Laune, jeden Abschnitt, jede Lage, jeden Geschmack, jede Situation, ja sogar jeden einzelnen Menschen. Sie begleitet uns durch den Alltag, steht mal im Vordergrund, mal im Hintergrund und doch ist sie auf ihre ganz eigene Art und Weise immer irgendwie präsent. Dabei kann sie oftmals so viel mehr sein, als nur reine Unterhaltung. Musik ist eine Form des Ausdrucks. Musik ist die Essenz. Sie hilft und beschützt, spendet Trost und Hoffnung, berührt, macht glücklich, traurig oder nachdenklich. Musik transportiert jedes nur erdenkliche Gefühl und kann sogar Leben retten. Das weiß der passionierte Genießer, der sich insbesondere fernab der stumpfen Bespaßung und des Gewöhnlichen bewegt, selbstverständlich schon lange und wird jenen aufgelisteten Fakten-Storm nur allzu gerne bestätigen können. Dass es sich ganz genauso allerdings nicht nur mit dem bloßen Hören, sondern vor allem auch dem Komponieren von Musik verhält, dürfte sich daraus logisch erschließen. Das weiß mit absoluter Bestimmtheit auch Chris Corner zu belegen, der einst anno 2004 in London sein Solo-Projekt „IAMX“ ins Leben rief. Schon kurze Zeit nach der Gründung, zog der Engländer, der zuvor unter anderem als Gründungsmitglied der Band „Sneaker Pimps“ bekannt wurde, für ganze acht Jahre in die deutsche Hauptstadt Berlin, um sich völlig losgelöst vom gierigen Business und den strengen Konventionen der Industrie künstlerisch ausleben zu können. An dieser Formel hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert. Festlegen wollte sich der Querdenker nie: Auf der einen Seite ist der Sound experimentell und hochgradig komplex, auf der Anderen straight und eingängig. Das Genre? Selbstgeschaffen, unique und somit undefinierbar! Seit Anbeginn finden sich zahllose Versatzstücke und Elemente aus Alternative, Electronica, Trip-Hop, Dark Wave, Cabaret, Industrial und Pop. Einen alles vereinenden Sammelbegriff dafür zu finden, scheint unmöglich und auch textlich wird nahezu das gesamte Spektrum menschlicher Abgründe, Sehnsüchte und Emotionen abgedeckt. Liebe, Hass, Verzweiflung, Begierde, sexuelle Identitäten, lüsterne Triebe, Religion, Politik und die Suche nach dem eigenen Ich, nehmen direkten Bezug auf die vielschichtige Persönlichkeit des Interpreten und seine Beobachtungen der Umwelt. Der vielschichtige Facettenreichtum wird dabei insbesondere live mit visuellen Komponenten gepaart, die unverkennbare Stimme, welche unberechenbar zwischen empfindlicher Fragilität und rasender Wut pendelt, setzt der hohen Individualität dann abschließend die Krone auf. Der große Mut, sowohl die hellen als auch dunklen Seiten seiner selbst öffentlich auf- und ausarbeiten zu wollen, zeichnet den künstlerischen Befreiungsschlag Corners seit jeher aus und macht ihn damit zu einer der schillerndsten Figuren der gesamten Szene. Doch nicht nur das: Songs, wie „I Come With Knifes“, „Nightlife“ oder „Kiss + Swallow“ gehören mittlerweile zu den absoluten Top-Favoriten in den schwarzen Clubs, Konzerte sind restlos ausverkauft und große Festivals reißen sich um „IAMX“. Mittlerweile gehen ganze sieben Alben auf das Konto des Engländers. Das Letzte, das arg verschrobene Instrumentalwerk „Unfall“, sorgte, wie zu erwarten stand, für gespaltene Meinungen. Die beiden vorherigen Ableger „The Unified Field“ und „Metanoia“ kamen, zumindest für die Verhältnisse dieses Projekts, deutlich zugänglicher daher und beschäftigten sich inhaltlich vor allem mit der Depression des Sängers. Musik als Kanal, die eigenen Schmerzen und Ängste zu filtern, zu sezieren zu bekämpfen. Eine heilende Selbsttherapie, die nach einem langen, steinigen Weg endlich Früchte zu tragen scheint. Mit der Kraft eines symbolischen Vorschlaghammers durchbricht Chris Corner ab dem 02.02.2018 die Mauern der seelischen Beklemmung, tritt aus den Schatten heraus und erstrahlt wie neugeboren in hellem Glanz.

 

Die repetitiven Klänge eines warmen Synthesizers erheben sich aus der Stille heraus, perlen in gemäßigtem Tempo behutsam in die Leere und werden in ihrer Summe langsam immer greifbarer, bevor die ruhige Stimme von Chris Corner zum eröffnenden „Stardust“ endlich einsetzt. Schon nach wenigen Sekunden wird sein Part innerhalb der ersten Strophe vom engelsgleichen Gesang seiner Duettpartnerin Katherine „Kat Von D“ von Drachenberg abgelöst, welcher sich schnell als nahezu perfekt ergänzendes Pendant herausstellt und die Komposition wohlakzentuiert bereichert. Aufdringlich oder gar störend wirkt die bereits zuvor angekündigte Kooperation mit der renommierten Tattoo-Künstlerin dabei zu keiner Zeit. Im Gegenteil, ihr Mitwirken führt dem musikalischen Auftakt eher hintergründig weitere Facetten zu, die fast wie ein inneres Mantra erscheinen. Im Chorus flirrt die Elektronik dann zunehmend dringlicher und steigt weiterhin an, nur um sich danach in einer schnelleren Gangart zu ergeben. Fortan bestimmen pochende Beats und bewusst reduzierte Klangteppiche das Gesamtbild, tragen die dargebotene Dramaturgie aus Flehen und Klagen sinnlich auf ihren Schwingen. Das komplexe Arrangement baut sich beständig auf, wirkt dabei gleichzeitig aber nie zu überladen, was vor allem der strukturierten Kompositionsarbeit zu verdanken ist, welche genau an den richtigen Stellen die Geschwindigkeit gibt und wieder nimmt, um eine Fokussierung auf die essenziellen Schnittstellen in den Lyrics zu gewährleisten. So ist dieses Duett ein intensives Wechselspiel voll aufrichtiger Zerbrechlichkeit und gleichsam auch kraftvoller Energie, das von seinen klar gesetzten, emotionalen Schüben profitiert und den roten Faden des Vorgängers somit sowohl in thematischer als auch instrumentaler Hinsicht aufnimmt. Schon sehr bald sind wir alle nur noch Sternstaub... Der folgende Titeltrack „Alive In New Light“ fördert danach die gesamte innere Tragik Corners zu Tage, lässt anders als zuvor aber in jeder Hinsicht hoffnungsvolle Lichtblicke zu. Gekonnt schlägt man hier einen inhaltlichen Bogen zu den einnehmenden Schatten der Vergangenheit, arbeitet gleichzeitig aber auch Aufbruch und Veränderungen heraus. Der Engländer ist seinen Qualen nicht erlegen, hat mit sich gekämpft und tut es immer noch. Lebenswille strömt durch jede einzelne Zeile, denen allen das neue Schöpfen von Energie und Mut merklich innewohnt. Fast schon sakral begeht der Interpret eine seelische Selbstreinigung, die anfangs noch balladesk verankerte Ausrichtung nimmt später Züge von gemildertem Trance an. Die Komposition ruht in sich und kommt in der Ausgangslage doch um einiges abwechslungsreicher daher, als noch der Opener. Vielfalt und Bombast fusionieren mit heller Emotionalität. Eine zarte Frauenstimme sucht sich zu Beginn von „Break The Chain“ ihren Weg an die Ohren des Hörers, dringt anmutig und hypnotisch weiter vor und bildet somit die grundlegende Basis für die kommenden Minuten. Pure Dunkelheit durchströmt jeden Ton, der vor innerer Leere, Isolation, Einsamkeit, Rat- und Hilflosigkeit schreit. Zunächst leidvoll vorgetragen, wird die grausame Verlorenheit spürbar, von welcher sich der Interpret mit voranschreitender Spieldauer mehr und mehr zu befreien scheint. So wandelt sich der Aufbau zunehmend, wird energetischer und mündet in einer zwingenden Mid-Tempo-Nummer, die das Sprengen der einst so fesselnden Ketten symbolisiert. Kristallklar splittern feine Sound-Fragmente und setzen einen erheblichen Kontrast zum harschen Reigen von „Body Politics“. Wie die Betitelung verrät, geht es hier deutlich kantiger zu, ein angedeutet EBM-Einschlag ist zu vernehmen. Bewusst gleichförmige Rhythmen injizieren den Melodiebögen eine druckvolle Monotonie, die sogleich zum bewegen animiert. Von D kokettiert stimmlich mit Corner, stark verzerrte Echos im Refrain setzen dreckige Akzente par excellence. Finster, tanzbar, lasziv und sexy: Ein stampfender Dancefloor-Filler nach Maß, der stark mit Gegensätzen arbeitet und konstruierte Stilbrüche begeht, die vollends aufgehen und hängen bleiben. Club-Erotik als Soundtrack für den schwarzen Underground!

 

„Exit“ kommt danach um einiges experimenteller und weit weniger zugänglich daher. Wild flackernde Beats bestimmen das Gesamtbild und wirken dennoch sonderbar gemäßigt. Maßgeblich konterkariert wird der unruhige Aufbau vom andächtig nachsinnenden Gesang, der an manchen Stellen den unwirklichen Eindruck zu erwecken vermag, zwei verschiedene Stücke gleichzeitig hören. Der Balanceakt zwischen den Stilen glückt auch hier dennoch oder gerade deswegen, wenn sich die Töne erneut in scheinbar grenzenlose Höhen katapultieren und neben den schrammend drückenden Auswüchsen koexistieren, anstatt sie aggressiv bekämpfen zu wollen. Eine weitere Kollaboration mit der Rock'n'Roll-Ikone ist „Stalker“, bei dem die Aufteilung der Strophen zwischen den beiden Künstlern nun klarer erscheint. Auf diese Weise entsteht ein Dialog, welcher sich zu der finsteren Atmosphäre aus exotischen und orientalisch anmutenden Klängen fortspinnt. Die betörenden Stimmen umspielen die Zeilen samtig, doch wie so oft trügt der Schein, denn in den Schatten lauert bereits die verführerische Gefahr auf ihr nahendes Opfer. Im Folgenden brechen „IAMX“ ein weiteres Mal mit den hohen Erwartungen, sofern man solche bei diesem überraschend anderen Projekt denn überhaupt jemals anstellen darf. So entführt „Big Man“ den geneigten Hörer in die schillernde Welt des Zirkus und Varieté. Ein nächtlicher Abenteuerspaziergang über den obskuren Jahrmarkt der Sinne, der auch direkt dem Kopf eines Tim Burton hätte entsprungen sein können… Die absurde Mixtur aus verspielten Elementen wie Akkordeon, Percussion, feinsinnigem Electro und verqueren Chören erschafft einen verstörenden Walzer voll schaurigem Wahnwitz, der auch als musikalische Untermalung für einen gespenstischen Stummfilm aus einer anderen Welt dienen könnte. Das vorletzte Stück „Mile Deep Hollow“ feierte seine würdige Premiere schon kürzlich in der TV-Serie „How To Get Away With Murder“ und sorgte damit bei den Zuschauern für nicht weniger Eindruck, als auch seinerzeit „I Come With Knifes“. Wenig verwunderlich, immerhin scheinen viele der imposanten Kompositionen oftmals wie prädestiniert für einen Soundtrack der Extraklasse zu sein, vermögen sie es seit jeher doch, die Fantasie anzuregen. Balladesk und leicht orchestral, harmoniert das Arrangement vor allem mit der puren Verletzlichkeit des hohen Gesangs, die angenehm druckvoll sägenden Synths versprühen sehnsuchtsvolle Dankbarkeit und Demut, denn bloßerResignation, was durch den kraftvoll powernd internierten Refrain nur umso aussagekräftiger herausgestellt wird. Anmutig und zugleich wunderschön! Unter dem Mantel hauchdünner Klavier-Tupfer und wärmender Synthies, lädt Chris Corner abschließend ins Theater seines inneren Heiligtums ein. Der Name der dortigen Vorstellung: „The Power And The Glory“. Ein letztes Mal knüpft man nochmals an den Titeltrack an und baut final auf die konzeptionelle Thematik auf: Das lyrische Ich scheint erneuernde Kraft geschöpft zu haben, hat seinen Weg endlich wiedergefunden und die Zielgerade zuversichtlich im Blick. Zerbrechlich und geprägt von der Vergangenheit, sehnt der Protagonist die Rückkehr des alten Feuers herbei, auf dass es das leitende Licht entfacht, welches zur einstigen Kraft zurückführt. Aus allen Trümmern kann doch immer etwas Neues entstehen. Der teils mehrstimmige Gesang wird dazu spektakulär instrumentiert, jedoch ohne unnötig pompös oder klischeehaft überladen zu sein, was entsprechenden Song zu einem hochgradig berührenden Highlight erhebt, dass mehr als nur würdig aus diesem Meisterwerk geleitet.

 

Tracklist:

 

01. Stardust

 

02. Alive In New Light

 

03. Break The Chain

 

04. Body Politics

 

05. Exit

 

06. Stalker

 

07. Big Man

 

08. Mile Deep Hollow

 

09. The Power And The Glory

 

Fazit: 

 

Schon allein die Betrachtung des Artworks auf dem Cover des neuen Albums lässt, ohne bis dato auch nur einen einzigen Ton des entsprechenden Materials gehört zu haben, die maßgebliche Veränderungen im Universum von „IAMX“ zumindest oberflächlich erahnen. Auch die Betitelung ist im Nachhinein so viel mehr, als nur ein aufmerksamkeitsheischender oder werbewirksamer Slogan, der vermarktungstauglichen Phonetik zuliebe. Nein, „Alive In New Light“ ist ein wahrer Befreiungsschlag, mit dessen Hilfe Chris Corner es vollbringt, den bisher dunkelsten Abschnitt seines Lebens, einen dauerhaften Wegbegleiter und zugleich ärgsten Feind ein ganzes Stück weit hinter sich lassen zu können: Depression. Durch die Besinnung auf sich selbst, findet er spürbar wieder zu seiner ehemaligen Stärke und altem Glanz zurück. Dabei gibt er gewohnt viel von seinem Seelenleben und Innersten preis, entzerrt die kryptische Kunstfigur, die er doch eigentlich nie war, für seine Fans weiterhin und wirkt menschlich greifbarer, als wahrscheinlich jemals zuvor. So ist das 2018er Album mit jedem einzelnen Titel darauf, eine echte Perle des schwarzen Indie Pop, die diese sanfte Entwicklung eindrucksvoll verdeutlicht und wissen lässt, dass doch irgendwann im Leben mehr Licht als Schatten ist, auf das es sich zu warten und so lange dafür zu kämpfen lohnt. Ein querschnittartige Katharsis durch die letzten Jahre des Projekts, welche die Quintessenz der aktuellen Ära inne- und zur ergebnisträchtigen Folge hat. All jene, die mit dem vergangenen Experiment „Unfall“ nicht recht etwas anfangen konnten, dürfen jetzt wieder aufatmen und vor allem -horchen. Wenngleich auch gerade einmal neun Songs in der Summe der somit eher kurzen Spielzeit vorerst etwas wenig erscheinen mögen und der ein oder andere härtere Track dem gesamten Konzept zusätzlich sicher gutgetan hätte, so gelingt die Balance zwischen Stilen doch wieder einmal durchweg fantastisch und kredenzt eine grandios runde Perle aus dem Hause des Briten… Wie eingangs schon geschrieben: Musik kann oftmals so viel mehr sein. Musik ist Leben. Musik ist Licht.

 

Informationen: 

http://iamxmusic.com

https://de-de.facebook.com/IAMXOFFICIAL/

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