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Letzte Instanz - Interview (2018)

14.02.2018

Roggenfaenger: Bereits Mitte diesen Monats ist es wieder soweit und schon nach weniger als zwei Jahren erscheint mit „Morgenland“ endlich euer neues Studioalbum. An dieser Stelle meinen herzlichen Glückwunsch und ganz viel Erfolg damit! Insbesondere in den vergangenen Jahren scheint die „Letzte Instanz“ einen echten Lauf zu erleben und veröffentlicht praktisch konstant frisches Material. Wie erklärt ihr selbst euch diesen steten Auftrieb und wie gestalteten sich darüber hinaus sowohl der kreative Prozess als auch die anschließenden Studioarbeiten? Gab es eventuell besonders markante Unterschiede in der Zusammenarbeit oder allgemeinen Herangehensweise im Vergleich zu vorher? 

 

Holly Hoffmann: Seit 2016 ist das Bandgefüge wieder konstant und alle Bandmitglieder sind sich darüber einig, wo es thematisch und genremäßig hin gehen soll. Das ist ein wichtiger Punkt für eine gute und nachhaltige Zusammenarbeit innerhalb der Band. Im Laufe einer Produktion entsteht so immer viel mehr, als eigentlich veröffentlicht wird, sodass wir oft auch schon grobes Material da haben für die nächste Produktion und auch jetzt könnten wir quasi fast schon das nächste Album angehen, machen wir aber nicht. Wir wollen ja auch ein bisschen genießen (lächelt).

 

Roggenfaenger: Seit dem Abschluss eurer Trilogie aus „Schuldig“, „Heilig“ und „Ewig“ gab es innerhalb der Band einige Umbesetzungen zu verzeichnen. So wurde im Jahr 2015 etwa David Pätsch am Schlagzeug durch Andy Horst abgelöst, Bernie Geef nimmt hingegen den Platz von Oliver Schmidt an der Gitarre ein. Inwiefern bringen sich die beiden Quasi-Neuzugänge fernab der Live-Aktivitäten ein und welche Art von Einfluss haben sie im Einzelnen auf die Entwicklung der Musik?

 

Holly Hoffmann: Sie sind beide aktiv am Entstehungsprozess beteiligt und steuern auch eigene Kompositionen bei. Im aktuellen Bandgefüge herrscht Basisdemokratie auf Augenhöhe und jeder kann seine eigene Erfahrung mit einbringen kann.

 

Roggenfaenger: Auf nahezu jedem eurer vergangenen Alben wurden immer wieder alltagstaugliche Themen behandelt, die mitunter auch einen klaren Bezug auf das aktuelle Geschehen genommen haben. Mit eurem letzten Release „Liebe Im Krieg“ seid ihr allerdings noch einen ganzen Schritt weiter gegangen und befandet euch inhaltlich näher am Puls der Zeit, als je zuvor. War für euch ab diesem Punkt schon von Anfang an klar, dass ihr diesen Weg mit einem Nachfolger weiter beschreiten und das Konzept noch mehr ausbauen wollt? 

 

Holly Hoffmann: Ja. Wir werden ja auch immer erwachsener und nachdenklicher, und als Väter auch zukunftsbewusster. Das spielt auf jeden Fall in unsere Arbeit mit rein. So ist es unumgänglich, dass wir in manchen Texten auf das aktuelle Zeitgeschehen Bezug nehmen. Auch haben wir bei "Liebe Im Krieg" schon gemerkt, dass die Resonanz stark ist und das „gesellschaftskritische“ sehr gut angenommen wird. Es scheint wohl einen gewissen Bedarf zu geben.

 

Roggenfaenger: Auch musikalisch seid ihr nie stehengeblieben und habt euch Stück für Stück immer wieder neu erfunden, ohne eure Wurzeln dabei je zu verleugnen. Ein wahrer Drahtseilakt, welcher keineswegs jedem Künstler so einfach gelingt! Das eben erwähnte Trio war über weite Strecken von klanglichem Bombast geprägt, was angesichts der epischen Ausgestaltung dieser drei zusammenhängenden Werke mehr als nur passend war. Mit „Im Auge Des Sturms“ wurde auf eine ähnliche Instrumentierung weitestgehend verzichtet, der Sound schien bewusst kompakter und organischer arrangiert worden zu sein. Auf „Morgenland“ scheint eine Symbiose beider Seiten stattzufinden, da ausnahmslos allen Songs eine ganz eigene Dynamik innewohnt, die auf der einen Seite mal eher reduziert und dann wieder sehr pompös, fast schon cineastisch anmutet. Daneben finden sich zudem auch spannende Grenzüberschreitungen und Experimente, so etwa bei der größtenteils elektronischen Ausrichtung von „Armageddon“. Was waren dieses Mal eure Vorsätze? Wolltet ihr in einem gewissen Rahmen bewusst Neues ausprobieren und passend zu den Thematiken eben auch wieder „brachialer“ klingen oder habt ihr einfach erstmal alles ungeplant auf euch zukommen lassen? 

 

Holly Hoffmann: Wir wollten wieder etwas mehr Fahrt aufnehmen. Ein wichtiger Punkt ist auch die seit "Liebe Im Krieg" bestehende und konstante Mitarbeit Markus Schlichtherles als Produzent. Er schafft es, unseren Alben eine Homogenität zu verleihen, die vorher nicht da war. Natürlich spielt auch immer eine gewisse "aktuelle Bandlaune" mit rein. Worauf haben wir Bock? was wollen wir machen? Und wie passt das zum Rest des Album?

 

Roggenfaenger: Für das Artwork, welches anno 2018 ganz im Stil von Raumfahrt und Mondlandung steht, habt ihr zum nunmehr dritten Mal mit dem Fotografen Andraj Sonnenkalb zusammen gearbeitet. Von wem genau kamen die Impulse zu der jeweiligen, interpretationsreichen Ausrichtung und was war euch und ihm beim Endergebnis ganz besonders wichtig? 

 

Holly Hoffmann: Andraj ist seit 1998 dabei und hat so ziemlich jedes Albumartwork unter seinen Fittichen gehabt. Bei der Trilogie hatten wir noch Ingo Römling mit im Boot, der sich für die Comiczeichnungen verantwortlich zeigte. In der Vorarbeit zu einem jeglichen Album setzen wir uns vorher her und gehen in uns. Im Brainstorming entstehen dann die Ideen zur Grafik, welche Andraj dann versucht, umzusetzen.

 

Roggenfaenger: Im Refrain des Titeltracks spielt ihr mit der Zusammensetzung des Begriffs „Morgenland“. Ohne euch hinsichtlich dessen jetzt zu viel vorwegnehmen zu wollen: Was bedeutet dieses Wort für euch persönlich und was assoziiert ihr damit?  Sowohl im herkömmlichen Sinne als auch in seiner Neuinterpretation? Habt ihr im Zuge dessen eine genau Vorstellung davon, wie euer eigenes „Morgenland“ aussehen sollte?

 

Holly Hoffmann: Ich persönlich habe mein kleines „Morgenland“ schon. Ich hätte aber gern noch ein großes für alle (lacht)! Ein friedliches und respektvolles Land mit bedingungslosem Grundeinkommen zum Beispiel (lächelt).

 

Roggenfaenger: In „Disco D'amour“ bezieht ihr euch ebenfalls auf das aktuelle Alltagsgeschehen, wenngleich auch in gänzlich anderer Hinsicht. Wahrscheinlich kommt die dort aufgezeigte Situation so ziemlich jedem Leser bekannt vor. Was kann man eurer Meinung nach tun, wenn die Angst vor einem Fehltritt hohe Barrieren schafft? Habt ihr, speziell auf den Song bezogen, schon ähnliche Erfahrungen gemacht und daher vielleicht einen Ice-Breaker oder Tipp für die Leser? 

 

Holly Hoffmann: Nein, das muss da jeder mit sich ausmachen und eigene Strategien entwickeln (lacht)! Wir fanden das Thema ansprechenswert und so ist ein Lied entstanden, dem eine gewisse Tragikomik innewohnt. Es stimmt, jeder kennt solche Situationen im Alltag und - sind wir mal ehrlich, die meisten finden ja für sich eine Lösung (lächelt).

 

Roggenfaenger: „Schwarz“ ist eine Hymne auf die entsprechende Szene. Warum fühlt ihr euch dieser nach all den Jahren so sehr verbunden und was schätzt ihr ganz besonders an dieser Gemeinschaft? 

 

Holly Hoffmann: Ich persönlich schätze den Respekt vor einander sehr. Diese Szene ist tatsächlich so etwas wie eine Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, der ich mich persönlich sehr verbunden fühle, weil in ihr eine Art Melancholie vorherrscht, die aber nicht eisernes Gesetz ist. Man darf auch lachen. Man hilft sich. Auf Konzerten ist niemand allein, auch wenn er allein hin kommt. Das kenne ich von anderen Szenen so nicht. 

 

Roggenfaenger: Welche Attribute kennzeichnen eurer Meinung nach einen wahren „Glücksritter“? 

 

Holly Hoffmann: Auf jeden Fall gehört Mut dazu und eine Prise Verrücktheit! Das Kind im Manne darf auch nicht fehlen! Glücksritter sind diejenigen, die den Kopf nicht hängen lassen, wenn sie bis zum Hals im Dreck stehen. Leute, die Visionen haben und versuchen, sie in die Tat umzusetzen.

 

Roggenfaenger: Auf eurem neuen Album nehmt ihr, unter anderem mit der jüngsten Single-Auskopplung „Mein Land“, klaren Bezug auf politische und soziale Fehlentwicklungen. In der Tat sind so einige Ereignisse besorgniserregend: Wie die Wahlen erst offenbarten, zählen fragwürdige Parteien zunehmend mehr Stimmen. Infolgedessen scheint die Toleranz gegenwärtig abzusinken, Fremdenhass und Hetze breiten sich erneut beängstigend schnell aus. Auch in anderen Länder sieht es für die dortigen Bevölkerungen stellenweise dunkel aus... An welchen Eckpfeilern sollte sich eurer Meinung nach grundsätzlich etwas ändern und wie genau können wir alle wieder zu mehr „Liebe

statt Krieg“ beitragen?

 

Holly Hoffmann: Ich glaube, prinzipiell sollten sie politischen Kräfte mehr auf die Nöte der gemeinen Bevölkerung eingehen, anstatt unter dem Deckmantel „Wohl für Alle“, Lobbyisten zu bedienen und als „Handlanger für die Wirtschaft“ herzuhalten. Dann braucht es mehr Transparenz in der Politik. Dann gibt es noch viele andere Dinge, die sicher zu ändern wären, allerdings gibt es diese Berufsgruppe ja nicht umsonst. Ich bin kein Politiker, sondern Künstler. Ich kann nicht einfach sagen, was besser zu machen sei, weil mir ein Großteil der Zusammenhänge fehlen. Ich aufmerksam machen. Mehr erst einmal nicht. Und das tun wir mit dem Album "Morgenland".

 

Roggenfaenger: Ab Frühjahr 2018 seid ihr mit eurem neuen Album auf großer „Morgenland“-Tournee durch insgesamt sechzehn Städte, derzeit dürfen die Fans via Social Media sogar für ihre eigenen Live-Favoriten abstimmen. Wird es also an jedem Spielort unterschiedliche Setlisten geben und was erwartet euer Publikum sonst noch alles? 

 

Holly Hoffmann: Nein. Das wird es nicht geben. Wir haben uns diese Liste genommen und geschaut, welche passen, welche müssen warten, und haben dementsprechend ein Set gebaut, dass hoffentlich der Gesamtheit gerecht wird. Alle Songs können wir nicht spielen. Das wäre zu lang. Wir haben aber natürlich für jede Stimmung etwas im Gepäck, so dass wir eine schöne Fahrt durch alle Gefühle erleben werden!

 

Roggenfaenger: Möchtet ihr euren Fans und Lesern abschließend vielleicht noch ein paar letzte Worte für das neue Jahr mit auf den Weg geben? 

 

Holly Hoffmann: Wir wünschen alles Gute, Gesundheit und immer eine Prise Verrücktheit und Mut, um gemeinsam vielleicht wirklich ein paar Dinge zum Gute wenden zu können. 

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