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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Joachim Witt - Rübezahl (2018)


Genre: Rock / Alternative

Release: 23.03.2018

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Ventil Records (Soulfood)

Spielzeit: 59 Minuten

Pressetext:

Viele Male erfand Joachim Witt sich bereits neu und gestaltet immer am Nerv der Zeit maßgeblich deutsche Musikgeschichte. Er stellte sich schon immer, manchmal provokativ, seinen Kritikern und scheute vor Politik- und Gesellschaftskritik nie zurück. Zeitlos sind seine Hits Der Goldene Reiter, der den ausufernden Kapitalismus mit seinem Wahnsinn in dieser Welt beschreibt, und Die Flut , der das Streben nach einem besseren Leben auf unserer Erde, darstellt. 16 Alben veröffentlichte Witt seit 1980. Beginnend mit Silberblick, welches auch Der Goldene Reiter beinhaltet, über das 1998 erschienene Comeback-Erfolgsalbum Bayreuth I, das Platin-Status erreichte, bis DOM in 2012 mit der Singleauskopplung Gloria und dem kontrovers diskutierten Video dazu. Eine besonders enge Verbindung zu seinen Fans baute Witt über seine letzten Alben ICH und THRON auf, die er durch eine Crowdfunding-Kampagne realisiert hat, um unabhängig von Dritten an seinen musikalischen Visionen arbeiten zu können. So entstand nun auch das neueste Werk des Ausnahmekünstlers: RÜBEZAHL melancholisch, magisch und dunkel. In Zusammenarbeit mit Lord Of The Lost-Mastermind Chris Harms als Produzent entsteht das bisher düsterste Album in Witts gesamter Diskographie.

Thematisch unter anderem angesiedelt im Gebirge, bei Riesen und Berggeistern, beweist Joachim Witt hier wieder einmal mehr auch seine Liebe zum romantischen Naturalismus, ohne dabei seinen ureigenen Stil zu verlieren. RÜBEZAHL ist launisch, temperamentvoll, rigoros, stolz, Freund und Feind und zieht auf wie ein musikalisches Gewitter!

Kritik:

„Du kämpfst im Sturm und die Erde bleibt stehn'

Hast keine Angst, durch die Flammen zu gehn'

Du bleibst bestehen, wie Saphire in der Glut

Eintausend Seelen tragen dich durch die Flut"

„Hast Du dein Ziel erreicht, achte ganz genau auf das, was um dich herum geschieht. Streue deine Liebe, auf dass auch du geliebt wirst und achte die Menschen, die anderen Gutes tun. Und versuche, die zu bekehren, die es darauf anlegen, andere auszusaugen, auszubeuten, klein zu machen, zu zerstören… Gönne dir und allen anderen ein erfülltes Leben und sorge für die Schwachen!“. In diesen majestätischen Textzeilen des Titelsongs "Thron", welche das letzte, gleichnamige Epos auf fesselnde Art und Weise mehr als nur würdig beschlossen haben, lagen fürwahr ein absolut ehrwürdiges Höchstmaß an Reife, Erfahrung, Klugheit und Weltkenntnis. Nahezu jeder einzelnen Silbe wohnen wärmende Authentizität und eine lebensbejahend positive Energie inne. Es sind durch und durch gefestigte Erkenntnisse, wie man sie nur an der Spitze seines eigenen Schaffens rückblickend und ehrlich zu Gehör tragen kann. Und doch war es ein langer und dabei ganz sicher nicht immer einfacher Weg, vom goldenen Reiter, der anno 1980 die "Neue Deutsche Welle" wie kaum ein anderer aufmischte, bis zum landesweit angesehenen Altmeister, der es auch heute noch versteht, zahlreiche Menschen mit seiner Kunst zu berühren. Ein langwieriger Prozess voll stetiger Stilwechsel, Wandlungen und leidenschaftlicher Neuerfindungen, der keine Ausdrucksform jemals unversucht und sich selbst dabei nie in Schubladen stecken, nie in die Enge treiben oder eingrenzen hat lassen. Dazwischen immer die gekonnte Balance zwischen mal eingängig, mal konfus, mal zart, mal hart, fantasievoller Bildsprache und nicht zuletzt auch klaren Worten, seelischem Beistand oder beißender Kritik in Wort und Ton. Den geschärften (Silber-)Blick für das Wesentliche und Zwischenmenschliche des Tagesgeschehens nie verloren, ging es zielstrebig durch berufliche wie persönliche Krisen hindurch, von ganz unten nach ganz oben. Dieser Name steht für eine stetige, gleichbleibend hohe Qualität und hat die nationale Musikwelt mit seinem Tun so sehr geprägt, wie vermutlich kaum ein anderer. Genau aus diesem Grund ist er bis heute einer der wohl wichtigsten und bedeutendsten Musiker Deutschlands. Bis heute und "auf ewig" unerreicht: Joachim Witt! Nachdem der Trilogie-Abschluss „Bayreuth 3“ als vorerst letztes Lebenszeichen in 2006 erschien, wurde es ungewöhnlich still um den gebürtigen Hanseaten. Erst ganze sechs Jahre später sollte es mit dem sakral-poppigen „Dom“ das große Comeback geben, welchem insbesondere durch das als provokant aufgefasste Musikvideo zur vorab veröffentlichten Single-Auskopplung „Gloria“ vielfach mediale Aufmerksamkeit zu Teil wurde, doch etwaige Konzerte sollten zunächst ausbleiben. Erst auf dem Blackfield Festival im Amphitheater zu Gelsenkirchen, sollte es bei der gemeinsamen Präsentation des Duetts „Kein Weg Zu Weit“ mit den Dark Rockern von „Mono Inc.“ zu einer Rückkehr auf die Bühnen des Landes kommen. Doch damit noch nicht genug: Auf der anschließenden „Nimmermehr“-Tournee fungierte Witt als prominenter Special Guest und bot neben erwähntem Song weitere Klassiker dar. War genau das der entscheidende Impuls? Dieses Unterfangen sollte schon sehr bald weitere Fürchte tragen, wie das in enger Kooperation mit Martin Engler produzierte „Neumond“ alsbald eindrucksvoll veranschaulichte. Elektronisch, poppig und dabei dennoch gewohnt hochwertig und am Puls der Zeit, überraschte er seine Fans ein weiteres Mal und spielte insgesamt dreizehn Shows vor gut gefüllten und sogar ausverkauften Häusern. Für den geplanten Nachfolger „Ich“ wählte man anschließend einen gänzlich anderen Pfad: Über die Unterstützerplattform „Pledge“ hatten interessierte Hörer die seltene Gelegenheit, rare oder individualisierte Artikel zu erstehen und damit die aufwändigen Studioarbeiten zu finanzieren. Das neuerliche Projekt zur vorzeitigen Kostendeckung gelang bravourös und so hielt man auch für das weiter oben zitierte „Thron“ an jenem Prinzip weiterhin fest. Wann und wie es allerdings beim nächsten Mal weitergehen würde, blieb offen. Was würde uns nach der jüngsten Ära wohl alsbald erwarten oder ganz anders gefragt, würde es überhaupt ein danach geben? Ermüdungserscheinungen? Schaffenspause? Funkstille? Weit gefehlt! Anstatt nach den intensiven Live-Aktivitäten der letzten Jahre auf eine temporäre Erholungsphase zu setzen, sollte die wittsche Maschinerie bereits im Sommer und Herbst 2017 schon wieder heißlaufen: Schneller als gedacht, kehrte der virtuose Altmeister zurück, ohne dabei doch jemals wirklich fort gewesen zu sein und plante seine nächsten Schritte. Eine erneute Crowdfunding-Kampagne wurde gestartet und schon sickerten die ersten, vielversprechenden Informationen durch die sozialen Netzwerke. Wirkte zuletzt Bassel Hallak an den kreativen und technischen Prozessen mit, so ist nun mit „Lord Of The Lost“-Mastermind Chris Harms ein neuer und zugkräftiger Partner gefunden worden. Das Mitglied der „Children Of The Dark“ ist nicht nur ob des Engagements für benannte Hauptband und flächendeckende Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern bis über die Grenzen der Szene hinaus bekannt, sondern seit jeher auch als renommierter Produzent der Chameleon Studios gefragt. In musikalischer Hinsicht wolle man sowohl alte als auch neue Tugenden schlüssig miteinander vereinen, der Wegweiser zeigt klar in Richtung der einstigen Wurzeln. Thematisch sei das am 23.03.2018 erscheinende Studioalbum vor allem im Gebirge, bei Riesen, Berggeistern und der Liebe zum romantischen Naturalismus angesiedelt. Sein Name: „Rübezahl“!

Im Volkstum und der schönen Literatur ranken sich bereits seit einigen Jahrhunderten ebenso viele Märchen, Sagen und Mythen um jene geheimnisvolle Figur, wie sie verschiedene Gestalten hat. Mal wird in den zahlreichen Abschriften von einem Riesen oder Bewacher des sagenumwobenen Bergschatzes berichtet, dann ist wiederum von einem gewandeten Mönch, der unerwünschte Reisende und Wanderer absichtlich vom rechten Weg abbringt, einem Raben oder gar dem Teufel selbst die Rede. Die wohl bekannteste Überlieferung stammt aber aus der Feder von Johann Karl August Musäus: In der Geschichte aus dem Jahr 1783, entführt jene titelgebende Gestalt die Königstochter Emma in ihr unterirdisches Reich, um sich dort mit ihr zu vermählen. Durch Rüben, die in nahezu jede gewünschte Form verwandelt werden können, wird fortan versucht, ihr Heimweh zu stillen. Schließlich willigt sie scheinbar doch ein und verspricht ihm unter der Bedingung die Hand, dass er ihr die exakte Anzahl entsprechende Pflanzen auf dem Feld nennen kann. Falls ihm dies nicht gelänge, so müsse er Emma wieder frei lassen. Um also auch ganz sicher gehen zu können, dass die Summe übereinstimmt, zählt er nochmals genau nach, kommt dabei jedoch wieder zu einem anderen Ergebnis. Unterdessen bereitet die Königstochter ihre Flucht mit einer zum Ross verzauberten Rübe vor und verhöhnt den Berggeist dabei mit dem Spottnamen „Rübezahl“. Sollte diese Benennung innerhalb des Riesengebirges fallen, so würde sein vernichtender Zorn in Form von Blitz, Donner, Sturm, Nebel, Regen oder Schnee heraufbeschworen werden. Die förmliche Anrede lautet aus diesem Grund also „Herr Johannes“ oder auch „Herr Der Berge“. Mächtig donnernde Trommeln und harte Gitarrenriffs erschallen in einem schwer schleppenden Rhythmus. Hintergründig eingesetzte Violinen brechen immer wieder mit der percussionlastigen Kulisse, welche sodann in einem von sanften Klavierlinien und zarten Chören untermalten Zwischenpart mündet, bevor sich die ruhige Schlagseite nur wenig später wieder in das treibende Monstrum vom Beginn verkehrt, zu dessen Klängen man den besungenen Protagonisten vor seinem inneren Augen durch die Wälder ziehen sehen kann. Hierzu schlüpft Joachim Witt in die Rolle des Geschichtenerzählers und erschafft mit seinem variablen Organ in kräftig-rauer Manier bildgewaltige Welten. Im Folgenden bildet ein orchestrales Arrangement die grundlegende Basis für „Ich Will Leben“. Das Zusammenspiel aus aufstrebenden Streichern und energetisch voranmarschierendem Drumming, hievt die vorherrschende Dramaturgie zunehmend in die Höhe. Mit samtig dunkler Stimme verkündet der Meister seine Weisheiten, während das Tempo in mittlerer Geschwindigkeit gehalten wird. Es folgt ein kurzer Moment der Entschleunigung, in dem hörbar alle angestaute Kraft nochmals gefährlich gebündelt wird, um anschließend von einer grollenden Lawine mitgerissen zu werden, die ohne Vorwarnung über den Hörer hereinbricht. Der Refrain zieht unversehens weiter an und wird zu einem peitschenden Sog aus metallischen Saiten und cineastisch anmutendem Bombast, der nach dem zweiten Hauptteil einen äußerst gelungenen Break erfährt. Dieser steigert sich unerbittlich bis zum Höhepunkt, unterdessen werden markante Textfragmente zu einem Mantra voll flehender Verzweiflung und bewusster Bestimmtheit vereint. Ein martialisch powerndes Gewitter der Emotionen! Ein tiefes Horn, dessen einschüchternder Klang noch lange nachhallt, verkündet nun die Ankunft des „Dämon“. Ein majestätisches Schlagzeug gibt den Takt vor, dem nun die beschwörenden Zeilen auferlegt werden. Immer wieder wind