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Joachim Witt - "Rübezahl"-Tour - Matrix, Bochum - 28.04.2018

09.05.2018

 

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Bochum, Deutschland

 

Location: Matrix (The Tube)

 

Kapazität: ca. 700

 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: http://matrix-bochum.de/startseite.html

 

Einleitung:

 

Es ist Samstag, der 28.04.2018. Wir haben in etwa 18.30 Uhr, als meine Begleitung und ich auf dem Vorplatz der Matrix Bochum eintreffen. Somit ist noch gut eine halbe Stunde Zeit, in der es sich bis zum baldigen Einlass noch die Minuten zu vertreiben gilt. Da der angrenzende Supermarkt noch geöffnet hat, herrscht hier ein reger Betrieb und so auch an dem kleinen Imbisswagen daneben. Eine Currywurst ist natürlich ein absolutes Muss, gerade dann, wenn man den ganzen Tag über noch nicht allzu viel gegessen hat. Anschließend geht es dann schnellen Schrittes die wenigen Meter rüber zum heutigen Veranstaltungsort, vor welchem sich bereits die ersten Wartenden versammelt eingefunden haben. Wirklich viele Besucher sind es zwar noch nicht unbedingt, was sich aber hoffentlich schon sehr bald ändern wird. Dieses Mal habe ich es leider verpasst, mich früh genug um eine Akkreditierung und ein Interview zu kümmern, weswegen ich pünktlich um 19.00 Uhr der zuständigen Sicherheitskraft an der Eingangstür ein reguläres Ticket vorzeige. Beim routinierten Check der Tasche weist mich jener auf eine kleine, unerwartete Neuerung hin und zeigt auf ein kleines Schild an der Abendkasse. „Auf Wunsch des Künstlers bitte keine Audio- und Viddoaufnahmen!“, steht dort geschrieben. Ich nicke leicht verwundert und lasse mir schließlich meine Verzehrkarte aushändigen. Da ich keine Jacke dabei habe, führt mich mein Weg dieses Mal nicht erst zur Garderobe, sondern direkt die Treppen hinunter zum großen Merchandising-Stand. Hier gibt es neben den bewährten Artikeln, wie etwa Autogrammkarten, Schlüsselanhängern, Feuerzeugen, Mützen, handsignierten Vinyls und kleinen Umhängetaschen mit Aufnähern auch ein paar neue T-Shirts. Diese sind relativ schlicht gehalten und zeigen beispielsweise den offiziellen „Rübezahl“-Schriftzug mit Tourdaten oder ein Porträt von Joachim Witt in gesetzten Farben. Meine Begleitung entscheidet sich für die Tasche, ich begnüge mich hingegen mit dem hübsch gestalteten Feuerzeug. Ein kurzer Blick in die Halle verrät, dass keinerlei Eile notwendig ist. Die ersten Reihen werden wie gewohnt von den treuen Supportern besetzt, die schon gespannt auf den selbsternannten, „goldenen Reiter“ warten. Es dauert nicht lange, bis ich erfreulicherweise auch Torsten mit seiner Partnerin treffe. Sehr schön! Man unterhält sich wie immer bestens, dann holen wir uns alle vorsorglich noch ein kühles Getränk und gehen zurück in die Tube. Dort angekommen, entscheiden wir uns für einen Platz auf der kleinen Treppe zur rechten Seite. Mittlerweile ist der Zeiger weit vorangeschritten und steht kurz vor 20.00 Uhr, gleich spielt also die Vorband. Langsam füllt sich der längliche Raum immerzu mit gespannten Gästen, trotzdem sollen es auch im weiteren Verlauf des noch relativ jungen Abends nicht viel mehr als schätzungsweise rund dreihundert Gäste werden. Unglaublich schade, vor allem auch wenn man bedenkt, dass die Werbetrommel durch zahlreiche Plakate und städteübergreifende Zeitungsartikel stark gerührt würde...

 

„Scarlet Dorn“:

 

Gegen 20.00 Uhr ist es an der Zeit für den Support-Act des heutigen Abends. Dieser kommt aus Hamburg und heißt exakt so, wie auch die gleichnamige Frontrau, welche so manchem Gast eventuell schon durch das „Lord Of The Lost“-Duett „Black Oxide“ von deren letztem Album „Empyrean“ oder der zugehörigen Tournee bekannt sein könnte: „Scarlet Dorn“. Das anstehende Debüt „Lack Of Light“ soll noch in diesem Jahr erscheinen und ist für den 31.08.2018 anberaumt, produziert von Chris Harms und Benjamin Lawrenz in den legendären Chameleon Studios. Selbstredend steht die talentierte Newcomerin nicht alleine auf der Bühne, sondern wird zudem noch von den insgesamt drei Live-Musikern Schlagzeuger Henrik Petschull, Gitarrist Bengt Jaeschke und Keyboarder Gared Dirge begleitet. Letzterer ist derzeit jedoch mit niemand Geringerem als David „The Hoff“ Hasselhoff auf Konzertreise durch die Lande, weswegen er bei allen Terminen der „Rübezahl“-Shows durch einen jungen Herren namens Finn an den Tasten vertreten wird. Mit dem metallisch powernden Duo aus „Hold On To Me“ und „Heavy Beauty“, die 2017 unter anderem beide als exklusive EP zum Gratis-Download auf der eigenen Homepage angeboten wurden, legt das Quartett sogleich einen energiegeladenen Start hin. „Vielen Dank! Wir sind „Scarlet Dorn“ und hoffen, mit euch gemeinsam einen wunderschönen Abend haben zu dürfen.“, begrüßt die Sängerin das Publikum kurz und herzlich. Das wuchtige „I‘m Armageddon“ und das äußerst gelungene „Aerosmith“-Cover von deren unsterblichem Klassiker „Dream On“ heizen der Menge danach genauso sehr ein, wie auch „Hell Hath No Fury Like A Woman Scorned“ und das anmutig romantisierende „Kill Bitterness With Love“. „Habt ihr eigentlich schon Bock auf Joachim Witt?“, greift Dorn zu einem altbewährten Trick, um die allgemeine Stimmung weiter in die Höhe zu treiben. „Das dachte ich mir schon. Wir auch!“. Zu „Cinderella“ dürfen dann zusammen die Arme im Takt geschwungen werden, was Dorn trotz der leider recht geringen Beteiligung aufrichtig dankbar mit, „Ihr seid so viele, das ist wirklich schön!“, kommentiert. „Wir kommen jetzt zu unseren letzten beiden Songs, okay?“, heißt es vor dem straighten „I Don‘t Know I Don‘t Care“, bei welchem die Fronterin das volle Potenzial ihres ganzen Stimmvolumens ausnutzt und somit beeindruckend verdeutlicht, warum man diesem Projekt auch in nächster Zukunft ein aufmerksames Ohr leihen sollte. Echten Wiedererkennungswert hat diese nämlich in jedem Fall! „Leute, wenn ihr Bock habt, sind wir gleich noch vorne am Merchandising-Stand... Ja, wir haben jetzt sogar eigenes Merch!“, freut sich die Sängerin sichtlich. „Wir stehen da einfach so rum und können dann noch bei einem Bier quatschen. Wir würden jetzt gerne noch schnell ein Bild mit euch machen, wenn ihr alle einverstanden seid?“. Natürlich hat im Publikum trotz der kommenden, neuen Datenschutzverordnung niemand etwas dagegen einzuwenden und so gibt es zum Abschied ein schönes Foto zur Erinnerung für alle Beteiligten, bevor „Rain“ das kurze Set final beschließt.

 

Setlist:

 

01. Hold On To Me

02. Heavy Beauty

03. I‘m Armageddon

04. Dream On („Aerosmith“ Cover)

05. Hell Hath No Fury Like A Woman Scorned 

06. Kill Bitterness With Love

07. Cinderella

08. I Don‘t Know I Don‘t Care

09. Rain

 

„Joachim Witt“:

 

Um 21.00 Uhr ist es endlich soweit und die komplette Beleuchtung wird behutsam zunehmend gedimmt, bis schwärzeste Dunkelheit ihren plötzlichen Einzug in den Katakomben des Bochumer Kult-Clubs hält und daraus resultierend schließlich die regierende Oberhand gewinnt. Langsam aber sicher verstummt auch das letzte Gespräch und es wird merklich stiller, ausnahmslos alle anwesenden Besucher schauen nun gespannt nach vorne und versuchen, eventuell etwas oder jemanden in der Finsternis erkennen zu können. Schon bald erhebt sich wie aus dem Nichts ein tiefes Grollen und lässt den sonst so massiven Steinboden in der länglichen Tube beängstigend stark erbeben. Jetzt ziehen hauchdünne Nebelschleier auf und verdichten sich immer mehr zu einer geschlossenen Wolke, während eisblaue Lichter dem Bühnenbild aus wildem Geäst ein gespenstisches Schattenspiel entlocken und allmählich die Sicht auf das dezent anmutende Backdrop im Hintergrund und die sich darauf befindlichen Lettern gewähren, welche einen wohlbekannten Schriftzug abzeichnen: „Rübezahl“. Mächtig donnernde Trommeln geben den marschierenden Takt vor und erschaffen allein durch ihren bloßen, nachhallenden Klang eine bedrohliche Atmosphäre. Unter gelöstem Applaus betreten Schlagzeuger Burkard Ruppaner, Bassist Tim Steiner, sowie die beiden Neuzugänge Keyboarder Stefan Littmann und Gitarrist Robert Klawonn nacheinander die Bühne und begeben sich auf ihre vorgegebenen Positionen, die musikalische Leitung übernimmt dieses Mal hingegen der langjährig erfahrene Saiteninstrumentalist Ruben Roeh. Nur wenig später folgt eine weitere, hünenhafte Gestalt aus der Düsternis und sucht sich mit schweren Schritten bestimmt ihren Weg ins Zentrum der gebündelten Aufmerksamkeit. Sie ist in einen langen, zerschlissenen Mantel gehüllt, die weit heruntergezogene Kapuze verdeckt mystisch weite Teile des Gesichts. In den Händen hält sie einen hölzernen Wanderstab. Es ist niemand Geringeres, als Frontmann und Sänger Joachim Witt, der jetzt mit beschwörender Stimme den epochalen Opener „Herr Der Berge“ entfesselt. Der mittlerweile Neunundsechzigjährige verkörpert die titelgebende Figur mit absoluter Passion und fühlt sich sichtbar in seine sagenumwobene Rolle hinein, wovon nicht zuletzt auch der dichte Rauschebart zeugt. Mit versteinerter, ernster Mine lässt er seinen strengen Blick prüfend durch die ersten Reihen gleiten. Noch bevor der anschließende Beifall überhaupt abgeklungen ist, ruft er knapp, „Guten Abend!“ aus und geht, ohne zu viel Zeit zu verlieren, mit dem treibenden „Ich Will Leben“ sogleich zum nächsten Song über.

 

 Sich des langen Umhangs schließlich entledigt, präsentiert der gebürtige Hamburger nun seinen abermals veränderten Stil in Gänze: Ein schwarzer Gehrock mit silbern funkelnden Manschettenknöpfen und dunkelrot aufgestickten Verzierungen unterstreicht die thematische Ausrichtung des neuen Studioalbums auch optisch. Die silbergrauen Haare sind unterdessen zu den Seiten abrasiert und am Hinterkopf zu einem kleinen Zopf zusammengebunden worden. Direkt nach dem zweiten Titel wendet er sich dann erstmals ausführlicher an das Publikum: „Es ist schön, wieder hier zu sein! Heute Abend ist wahrscheinlich keiner aus Köln hier, oder?“, fragt er ironisch und spielt damit auf die letztjährige „Thron“-Tournee an, bei welcher der vorletzte Termin in der Domstadt aus technischen Gründen leider gecancelt werden musste und die Gäste somit zu einer recht weiten Reise in das Ruhrgebiet angehalten waren. „Aus Osnabrück wahrscheinlich auch nicht, hm? Wäre ja auch unsinnig. Die Armen mussten gestern leider einiges über sich ergehen lassen, ich habe so furchtbar viel geredet. Ich kann nur sagen, „Marterpfahl“... Das wird mir heute aber nicht passieren. Ich habe mir vorgenommen, Rücksicht auf euch zu nehmen. Naja, wir werden sehen, wie es so läuft. Ich bin ja in guten Händen, ein Security links und einer rechts... Links fehlt übrigens noch.“, bemerkt Witt gewohnt trocken. Sehr zur Freude des Publikums, das nun natürlich laut lachen muss. „Okay, ich möchte euch heute in erster Linie „Rübezahl“ vorstellen. Und in zweiter Linie ein paar Klassiker für alle, die mich auch früher schon mal gesehen haben. Es geht los!“. Das symphonisch arrangierte „Dämon“ ist nicht nur die zweite und damit aktuelle Single-Auskopplung aus dem neuen Studioalbum, sondern darüber hinaus auch eines der absoluten Highlights auf ebendiesem. Kein Wunder also, dass spätestens im mitreißenden Refrain ein Großteil der Fans erstaunlich früh auftaut und enthusiastisch mitsingt.

 

„Sind alle mit Wasser versorgt? Es sind ja weitaus mehr Menschen missgünstig, als man denken möchte... Das merke ich auch immer wieder in meiner Band. Damit ihr Bescheid wisst, ich ziehe das heute nochmal durch!“, bricht Witt gleich wieder mit seinem selbst auferlegten Redeverbot und verspricht somit garantiert gute Unterhaltung, was offensichtlich auch ganz im Sinne der Fans ist, die nun wieder freudig jubeln. „Was habe ich da für ein wildes Hausfrauengespräch auf meinem Ohr?“, prüft er irritiert sein In-Ear-System und ahmt den Dialog überzogen und humorig nach. „Okay, könnten auch Männer sein. Dann würde das aber anders klingen. Macht mir doch beim nächsten Mal gleich ein Märchen drauf... „Rumpelstilzchen“, oder so.“. Als plötzlich ein lauter, unverständlicher Zuruf aus dem Publikum kommt, beugt sich Witt zu dem entsprechenden Besucher herunter: „Ich will gar nichts. Ich möchte euch eine Freude machen und euch heute einen schönen Abend bereiten. Das gelingt im Folgenden unter anderem mit dem balladesken „Goldrausch“, bei dem der Altmeister das gesamte Volumen seiner Stimme nutzt und dessen Facettenreichtum in allen Höhen und Tiefen voll ausspielt. „Applaus wird überschätzt...“, kommentiert er die Zurückhaltung und erntet dafür natürlich gleich nochmal denselbigen, während er sich umdreht und zum Drum-Kit geht, um erneut einen Schluck Wasser zu trinken. „Der Weg zur Flasche und zurück ist einfach zu lang. Nun denn, das könnte ich auch mal meinem Therapeuten erzählen. Ich muss diese Strecke jetzt auch drei bis vier Wochen überwinden. Ja, ja. Der Weg zur Flasche... Ich möchte euch heute Abend jemanden vorstellen. Es ist aber kein bekannter Musiker oder Sänger, vielleicht kenne ich ihn privat? Man weiß es nicht. Deshalb möchte ich jetzt einmal, dass der liebe Markus zu mir hoch auf die Bühne kommt!“. Fragende, leicht irritierte und überraschte Blicke allerorts, als auf einmal ein Mann mittleren Alters auf die Bretter klettert und vom Tourmanager ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekommt, während die gesamte Band freudig grinsend vom Rand aus zusieht. Im Folgenden merkt er sichtlich aufgeregt an, dass jene bevorstehende Situation der Grund dafür ist, weswegen er sich zuletzt so seltsam verhalten hätte und dies aber jetzt genau der richtige Zeitpunkt für sein Vorhaben sei. Wie der ein oder andere es sich vielleicht schon denken kann, geht es dabei um nicht weniger, als einen waschechten Heiratsantrag an seine Begleitung, die offensichtlich ebenfalls in der ersten Reihe steht und natürlich mit „Ja!“ antwortet. Eine tolle Idee und mit Sicherheit auch ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten. Zu den Klängen von „All You Need Is Love“ von den „Beatles“ gibt es dafür selbstredend reichlich Beifall.

 

„Ein schönes Ereignis... Für so manchen. Ich selbst hatte das auch schon mal. Man kann jetzt zwar nicht unbedingt sagen, dass das schief gelaufen ist... Aber doch irgendwie so ähnlich. Nichtsdestotrotz wünsche ich euch beiden alles Gute in der Welt und viel Glück. Bleibt hoffentlich zusammen und feiert noch schön!“, lächelt Joachim dem Paar mit seinem ganz eigenen Humor zu. Im Anschluss erklingt passend dazu die romantische Liebesballade „Mein Diamant“, welche wohl nicht besser platziert sein könnte, als an genau dieser Stelle. „Ich habe den Titel jetzt nicht extra für diesen besonderen Anlass geschrieben, den habe ich sogar tatsächlich aufgenommen. Das habt ihr gar nicht gemerkt, glaube ich. Wer ist denn eigentlich alles aus Bochum?“, erkundigt er sich. „Aha. Ungefähr sechs bis acht Leute. Wo kommen denn die anderen her? Solingen? Das ist doch „Porsche“, oder? Ihr Lieben, es tut mir leid, aber ich bin heute wirklich schlecht drauf.“, spaßt Witt und mimt einmal mehr erheiternd den senilen Künstler. „Aber ich habe mich vorbereitet und arbeite streng dagegen. Das bin ich euch schuldig. Deshalb habe ich heute schon zwei Stunden lang hinter der Bühne Selters getrunken... Um alles zu straffen. So, es geht weiter!“. Wie schon bisher, hält man sich auch weiterhin strikt an die chronologisch korrekte Reihenfolge des narrativen Konzeptalbums und so folgt „Wofür Du Stehst“, bei welchem sich, trotz der arg limitierten Platzverhältnisse in der Matrix, einmal mehr die grandiose inszenierte Lichtinstallation gekonnt in den Vordergrund spielt und für eine perfekt unterstützende Stimmung sorgt. „Der nächste Titel kam eher ein bisschen zufällig auf „Rübezahl“. Die Nummer wurde mir angeboten vom Team U96, die kennt der ein oder andere vielleicht noch aus Filmen von früher. Jedenfalls wollen sie bald ein Album rausbringen, haben mich angerufen und gesagt, der Song wäre gut für dich... Also der käme wohl gut. Wenn die stattdessen Ersteres gesagt hätten, hätte ich auch direkt wieder aufgelegt. Nun denn, wir haben das aufgenommen und dann wurde die Veröffentlichung noch viel weiter nach hinten geschoben, als zunächst geplant. Da habe ich halt gefragt, ob man die Nummer trotzdem nehmen kann und dann haben wir es so geändert, dass es letztlich auf die „Rübezahl“ gepasst hat. Und jetzt ist es natürlich auch im Programm, mir bleibt ja nichts anderes übrig... Wenn nicht, hätte ich jetzt auch so richtig Stress!“, lacht Witt augenzwinkernd und so geht es mit dem temporeichen „Quo Vadis“ weiter, welches sich insbesondere in seiner livehaftigen Fassung als absoluter Favorit erweisen kann und vortrefflich gefeiert wird.

 

„Es geht weiter mit einem Titel von Chris Harms, dem Produzenten von „Lord Of The Lost“, den kennen vielleicht manche von euch. Der hat mir den angeboten... Neuerdings bieten mir andere Leute immer ihre Sachen an, dabei will ich das eigentlich gar nicht. Ich will ja viel lieber selber etwas machen!“, scherzt er zur Einleitung des schwerfällig-metallischen „1000 Seelen“ und bedient sich im Anschluss eines einfachen, aber ganz offenbar äußerst wirkungsvollen Kniffs. Mit fahrigen Händen justiert er seine Kopfhörer nach: „Bei mir auf dem Ohr stimmt was nicht... Also ich höre den Applaus überhaupt nicht mehr, wie seht ihr das?“. Das lässt sich Bochum natürlich nicht zwei Mal sagen und lässt sich lautstark hören. „Geiler Trick!“, zwinkert Witt und ermahnt anschließend ein Mitglied der Supporters in der ersten Reihe freundlich, die Privatgespräche doch bitte einzustellen. Als das wenig später darauf geschehen ist, kann es mit dem rhythmischen „Eis & Schnee“ und der wilden „Agonie“ sofort weitergehen, die beide erneut das fantastische Zusammenspiel aus musikalischer Virtuosität, hoher Versiertheit, Licht und Schatten aufzeigen. Wie bereits im Vorfeld zu erwarten stand, überzeugt das majestätische „Rübezahl“ insbesondere live, danach soll es aber wieder etwas ruhiger zugehen. „Den nächsten Song habe ich meinen Eltern zuliebe geschrieben, die beide leider nicht mehr leben. Damit möchte ich mich etwas zurückbesinnen und mich selbst daran erinnern, wie schön Weihnachten damals immer bei uns war. Wir haben zusammen mit meinen Großeltern gefeiert, da war ich etwa neun oder elf Jahre alt. Ich habe das alles wirklich sehr genossen und sie alle übers Herz geliebt. Deshalb wollte ich darüber gerne ein Lied machen und es für alle Zeit so festhalten, wie es einmal war.“, erzählt Witt leicht gerührt. Es sind hörbar durchweg ehrliche Worte, das merkt auch das Publikum und übt sich in ernster Stille. „Wenn Der Winter Kommt“ wirkt nach dieser persönlichen Anekdote nochmals nahbarer und emotionaler, als ohnehin schon und sorgt für einen wohligen Schauer. Nicht zuletzt durch den Gesang im Chorus, durch dessen nahezu jede einzelne Zeile nun die tiefe Trauer und authentische Melancholie durchdringen. Nach dem powernden Stakkato-Gewitter „Leben Und Tod“ stellt der sympathische Hanseat allen Anwesenden seine Mitmusiker nochmals ausführlicher vor und verabschiedet sich einige Minuten später passend mit der ergreifenden Ballade „Wiedersehen Woanders“, die den dramaturgischen Spannungsbogen würdig abschließt. „Danke euch für den Abend in der Matrix. Es ist immer wieder schön hier mit euch!“, winkt der Mann mit der unverkennbaren Stimme freudig und verbeugt sich gemeinsam mit seiner Band vor den zurecht applaudierenden Bochumer Fans.

 

Wer sich noch an das Versprechen vom Beginn des Konzerts erinnert, weiß, dass das aber selbstverständlich noch nicht alles gewesen ist und mit den vorab angekündigten Klassikern gleich noch einiges mehr auf alle Geduldigen wartet. Wirklich sehr löblich zu bemerken, ist an dieser konzeptionellen Schnittstelle das schiere Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Fangemeinde, wie auch die zurecht selbstbewusst orientierte Konsequenz, mit welcher man die erste Hälfte der Show ausgestaltet hat. „Rübezahl“ strotzt nur so vor abwechslungsreichen und durchweg starken Arrangements, ein klarer Favorit lässt sich da vermutlich bei den allerwenigsten Hörern ausmachen. Zudem macht die zugegeben etwas ungewöhnliche und damit nicht wenig riskante Entscheidung, das gesamte Werk geschlossen zu präsentieren, auch hinsichtlich des thematischen Leitfadens mehr als Sinn und sorgt feinfühlig dafür, nicht ungewollt aus der beeindruckenden Gesamterfahrung gerissen zu werden. Joachim Witt hat sich selten bis nie den gängigen Konventionen des Business gebeugt, was ihm vor allem dieser Tage ganz besonders zugute zu halten ist. Da überrascht es nach dem umfassenden Facettenreichtum der stets variablen Setlisten vergangener Tourneen fast kaum mehr, dass einige beliebte Hits, wie etwa „Supergestört Und Superversaut“ oder „Gloria“, nun dennoch gezwungenermaßen weiten Teilen der neuen Ära weichen mussten. Und trotzdem ist es eine wirklich willkommene Abwechslung, die sich in den folgenden dreißig Minuten noch ein gutes Stück weit fortsetzen soll. Langeweile kommt hier ganz sicher nicht auf, die pure Berechenbarkeit aus immer gleichen Abläufen manch anderer Bands, ist hier definitiv nicht vorzufinden. Sehr gut. „Wir gehen jetzt zurück in die Neunziger!“, verkündet Witt den anstehenden Ausflug in die Vergangenheit. Mit dem brachialen „Liebe Und Zorn“ von „Bayreuth 1“ gibt es eine echte Überraschung für alle Kenner und Liebhaber der düsteren NDH-Schaffensphase, das über die letzten Jahre bei den Konzerten etablierte „Das Geht Tief“ schlägt soundtechnisch in die gleiche Kerbe. Mit dem sarkastischen Hinweis, zum nächsten Song nichts weiter sagen zu wollen, bricht schließlich „Die Flut“ über Bochum herein, bevor der lang ersehnte, unverzichtbare NDW-Gassenhauer „Der Goldene Reiter“ angestimmt wird, den jetzt natürlich alle Fans ausdauernd und kräftig zusammen im kollektiven Chor mitsingen, welchen der mittlerweile auf einem Barhocker ruhende Sänger freudestrahlend dirigiert. Zum großen Finale bricht man dann abschließend sogar noch mit einer weiteren, lieb gewonnenen Tradition und ersetzt das angestammte „Herbergsvater (Tri-Tra-Trullala)“ kurzerhand durch das nicht minder verschroben-abstrakte „Strenges Mädchen“, das mit den extravaganten Tanzeinlagen des Frontmanns und einem spektakulären, ausgedehnten Outro nach rund zwei Stunden höchster Expertise und bester Unterhaltung schließlich sein mehr als nur würdiges Ende findet. Da ist es kein Wunder, dass vermutlich auch beim nächsten Mal alle Besucher mit von der Partie sein werden, wenn es wieder heißt: „Rübezahl besucht das Land!“. Für all jene, die es bis dahin kaum mehr abwarten können oder die Show an diesem Abend leider verpasst haben, bietet sich dazu beispielsweise schon auf dem diesjährigen Amphi Festival die Möglichkeit oder am 05.01.2019, wenn Witt unter dem Motto „Klassik Art“ erstmalig die Christuskirche in Bochum beehrt. Ich bleibe gespannt...

 

Setlist:

 

01. Intro

02. Herr Der Berge

03. Ich Will Leben

04. Dämon

05. Goldrausch

06. Mein Diamant

07. Wofür Du Stehst

08. Quo Vadis

09. 1000 Seelen

10. Eis & Schnee

11. Agonie

12. Wenn Der Winter Kommt

13. Leben Und Tod

14. Wiedersehen Woanders

15. Liebe Und Zorn

16. Das Geht Tief

17. Die Flut

18. Der Goldene Reiter

19. Strenges Mädchen

 

Impressionen:

 

Harry Graf, "Onstagepicture"

 

http://www.onstagepicture.de

 

https://www.facebook.com/wwwonstagepicturede-1193015527375975/

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