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Hämatom - "Bestie Der Freiheit"-Tour - Turock, Essen - 05.05.2018

12.05.2018

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Essen, Deutschland

 

Location: Turock

 

Kapazität: ca. 600

 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: http://www.turock.de

 

Einleitung:

 

Wir haben Samstag, den 05.05.2018, ein junger Abend im frühen Mai. Die Dämmerung hat gefühlt nicht einmal eingesetzt und die Luft ist somit noch angenehm warm, als ich aus dem Eingang des Essener Hauptbahnhofs hinaustrete. Hier treffe ich mich heute mit einem guten Bekannten, um zusammen das Konzert von „Hämatom“ zu besuchen. Leider hat er noch kein Ticket und die Show wurde bereits im Vorfeld als restlos ausverkauft gemeldet. Wir müssen also redlich hoffen, dass sich eventuell noch ein Verkäufer vor Ort einfindet, als wir gemeinsam durch die Innenstadt in Richtung des Veranstaltungsortes laufen. Wie es der unglückliche Zufall manchmal leider so will, ist dem ausgerechnet jetzt natürlich nicht so, was wir prompt zum wenig feierlichen Anlass nehmen, uns vorerst vor das Turock zu setzen und die nächste Stunde nach der rettenden Lösung Ausschau zu halten. Ohne Erfolg. Auf Hinweis eines Fans, suchen wir selbst noch einen Plattenladen in der Nähe auf, der aber auch keine Kontingente anzubieten hat, weil dort nämlich bereits Feierabend ist. Um 19.50 Uhr verabschiede ich mich vorerst und verspreche, mich drinnen umzuhören und nach dem Support nochmals draußen vorbeizuschauen, während er es vor dem Einlass weiterhin versucht. Doppelte Chancen also! Und tatsächlich soll ich ihn nur etwa eine halbe Stunde später wieder im Foyer antreffen, da er einem potentiellen Besucher dazu überreden konnte, ihm seine Karte zu überlassen... Für weitaus mehr, als den doppelten Preis. Was tun echte Freaks nicht alles? Ich melde mich an der Gästeliste und nenne meinen Namen dem freundlichen Mitarbeiter. „Hallo Christoph!“, begrüßt mich dieser mit Blick auf das Dokument lächelnd und händigt mir anschließend meinen Fotopass aus. Schnell bedanke ich mich und prüfe die Kapazitäten der Lokalität, wobei ich nach nur wenigen Metern schon an ihre Grenzen stoße. Über den linken Gang gelangt man zum kleinen Innenraum, der bereits jetzt so dermaßen gefüllt ist, dass man kaum mehr um die Ecke blicken kann. Also steige ich die Treppen in den ersten Stock hinauf, wo sich neben einer weiteren Bar zudem auch die Merchandising-Stände von „Maerzfeld“ und „Hämatom“ befinden. Der Balkon ist ebenfalls völlig ausgebucht und so frage ich am mittig gelegenen Pult nach, ob meine Begleitung und ich das Konzert zu Berichtzwecken nicht eine Weile von dort aus verfolgen könnten. Freundlicherweise dürfen wir das tatsächlich und so nimmt dann doch noch alles ein gutes Ende.

 

„Maerzfeld“:

 

Gegen 20.00 Uhr und somit auf die Minute genau, entert der im Vorfeld angekündigte Support-Act die Bretter: „Maerzfeld“. Die im Jahr 2004 gegründete Band ist dem ein oder anderen Besucher mit Sicherheit besser als „Stahlzeit“ bekannt, unter dessen Namen der große Tross schon seit langer Zeit und dabei äußerst erfolgreich als spektakuläre „Rammstein“-Tribute-Show durch die Lande zieht. Doch auch das eigene Projekt gehört mittlerweile zu den deutlich bekannteren Vertretern der florierenden NDH, was insbesondere auch den ausgiebigen Live-Aktivitäten zuzuschreiben sein dürfte. So teilte man sich zuletzt etwa die Bühne mit etablierten Szene-Aushängeschildern wie „Stahlmann“, „Heldmaschine“ oder sogar „Eisbrecher“. Auf das 2011 veröffentlichte Debüt „Tief“ folgte schließlich „Fremdkörper“, erst im vergangenen Herbst erschien das nunmehr dritte Album „Ungleich“. Dessen erster Song, „Zweifel“, erfüllt auch jetzt eine eröffnende Funktion und holt das Publikum, welches sich erfreulich offen für Neues zeigt, passend auf eine Reise „von Nord nach Süd“ ab. „Guten Abend, Essen. Wir wünschen euch und uns mega viel Spaß!“, begrüßt Frontmann Helfried „Heli“ Reißenweber das bis auf den letzten Zentimeter gefüllte Turock freudig lächelnd. Und genau den soll und wird das Ruhrgebiet in der folgenden, halben Stunde haben. Der rhythmische Up-Tempo „Schnitter“ und „Nackt“ geben die Marschrichtung dafür vor und offenbaren, dass der Fokus heute verständlicherweise klar auf dem neuesten Output der Oberfranken liegt. „Wie ist die Stimmung bei euch?“, erkundigt sich Reißenweber und bekommt sogleich lautstarke Resonanz von den Freaks, was nicht zuletzt auch der offensichtlich vorhandenen Spielfreude zuzuschreiben sein dürfte. Sichtlich aus dem sonst so strengen Muster der Neuen Deutschen Härte gelöst, zeigt der Fünfer nun nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch live deutliche Veränderungen zum festgefahrenen Standard auf. Theatralische Gesten sind sympathischer Authentizität und der Fixierung auf wesentliche Kernelemente gewichen. Das Zusammenspiel von Schlagzeuger Michael Frischbier, Bassist Korbinian Stocker, sowie den beiden Gitarristen Mike und Matthias Sitzmann funktioniert fließend und wirkt dennoch zu keiner Zeit vorhersehbar oder konstruiert, was einfach nur angenehm ehrlich anmutet. Sehr schön! Der Titeltrack des aktuellen Albums heizt weiterhin an, bevor es mit „Das Licht“ erstmal wieder etwas ruhiger zugehen soll. Der ein oder andere Klassiker aus dem mittlerweile recht umfangreichen Repertoire darf ebenso wenig fehlen, bis mit der fast schon poppigen Hit-Single „Meine Lügen Kannst Du Glauben“ das kurze Set gefühlt viel zu früh endet. „Dankeschön und noch viel Spaß mit „Hämatom“. Danke!“, verabschiedet man sich unter verdient viel Applaus und übergibt die Bühne anschließend der Bestie, die bereits an den Streben des Käfigs kratzt...

 

„Hämatom“:

 

Um 21.00 Uhr ist der von nahezu allen Besuchern heiß ersehnte Moment dann endlich gekommen und die ohnehin recht spärliche Beleuchtung im fast schon überfüllten Turock wird komplett ausgeschaltet. Die zahlreichen Gesprächsfetzen weichen jäh euphorisch tosenden Jubelstürmen. Während eine symphonisch getragene Melodie aus den Boxen erklingt und den gesamten Raum zum majestätisch inszenierten Einzug wirkungsvoll mit erhabener Epik durchströmt, schaut das Publikum jetzt wie gebannt nach vorn zur Bühne, die in diesen Sekunden noch von einem großen Vorhang verhüllt wird. Mit dem druckvollen Einsatz der glasklaren Becken und dem ersten Anschlag der metallischen Saiten, saust der weiße Stoff schlussendlich unter lautem Applaus zum Boden hinab und gibt den gespannten Blick auf die Szenerie frei. Auf einem hohen Podest sind die mächtigen Drums drapiert worden, hinter denen traditionell Schlagzeuger Süd thront, zu den Seiten findet sich je ein breiter LED-Quader mit verbauten Scheinwerfern daran. Der Hintergrund wird derweil flächendeckend von einem blutroten Backdrop mit dem Cover-Artwork des aktuellen Studioalbums „Bestie Der Freiheit“ dominiert, welches den gesamten Platz einnimmt. An vorderster Front haben sich Bassist West und Gitarrist Ost positioniert, bereit zum musikalischen Angriff. Zuletzt stürmt Sänger Nord in schwarz-weißer Kriegsbemalung die Bretter, um mit seinem rauen Organ und dem energetischen Opener „Zeit Für Neue Hymnen“ zu eröffnen. Die Stimmung? Schon jetzt dermaßen ausgelassen, wie sonst nicht einmal bei den Zugaben anderer Bands. Wer zunächst seinen Augen und vor allem Ohren nicht so recht trauen wollte, weiß spätestens just in diesem Moment genau das, wovon die Strophen selbstbewusst und jubilierend künden: „Die maskieren Freaks sind wieder da!“. Was für ein Empfang. Das brutal niederdonnernde „Mein Leben - Meine Regeln“ skandiert direkt im Anschluss die Selbstbestimmung eines jeden Individuums so dermaßen gnadenlos, dass es eine Freude ist und die Wände wortwörtlich zu beben beginnen. Das politkritische „Ahoi“ setzt dem Ganzen danach gefühlt nur noch zusätzlich die Krone auf. Wirklich beeindruckend, wie vergleichsweise schnell hier und heute jegliche Hemmung schwindet und bereits zum frühen Einstand gemeinsam gefeiert wird. „Wie geil ist das denn, bitte!? Der gute, alte Ruhrpott mal wieder, würde ich sagen.“, begrüßt der Frontmann den kultigen Metal-Club sichtlich überwältigt und wird revanchierend sogleich von zahlreichen „Hämatom“-Rufen unterbrochen. „Bitte einmal einen Applaus für Süd, der hat heute nichts zu lachen. Respekt, mehr kann man dazu einfach nicht mehr sagen. Auf eine geile Party heute im Pott!“. Gesagt, getan. Und was bietet sich für derart ausgelassene Festivitäten wohl besser an, als genau den richtigen Stoff für noch mehr Bewegung zu liefern? Das treibende „Tanz Aus Der Reihe“ ist dafür natürlich genau die richtige Wahl und animiert schon vor dem ersten Chorus zur betitelten Aktion, mehr heavy ist dafür „Die Säulen Des Wahnsinns“, zu welchem jetzt eine Flagge geschwungen wird. „Mir ist gerade einfach nur heiß!“, lacht Nord und hat mit seiner Feststellung absolut Recht, denn der Schweiß tropft hier nach nur weniger als einer halben Stunde schon jetzt förmlich von der Decke, doch das ist natürlich allen egal. „Seid ihr etwa auch schon nass? Dann habt habt ihr bestimmt ordentlich Bock auf Rock ’n’ Roll, oder was?“. Was für eine Frage... Wie sehr dem so ist, zeigt Essen bei dem wütend powernden „Warum Kann Ich Nicht Glücklich Sein?“ genauso sehr, wie auch beim anschließenden „Ich Hasse Dich Zu Lieben“. Doch da geht selbstredend noch viel mehr.

 

„Wir müssen jetzt alle springen!“, lautet die kurze Anweisung, der zu „Feuerwasser“ allesamt fraglos Folge leisten. Trotz des arg beengten Raums sieht man die Menge hier beherzt auf- und abhüpfen, dennoch passen alle rücksichtsvoll aufeinander auf. So und nicht anders muss es sein. Mitsingen dürfen und sollen die Fans aber auch und exakt dafür haben sich die Franken das eingängige „Fick Das System“ aufgespart. Den launig-aggressiven Refrain grölt jetzt so ziemlich jeder in den dicht an dicht gedrängten Reihen mit. Dies gilt im übrigen auch für den nächsten Song, wenngleich jener ganz andere, weil leise Töne anschlägt. Das fast schon balladeske „Lichterloh“, dessen melancholisch-einfühlsame Zeilen die emotionalen Jugenderinnerungen eines jeden Einzelnen zutage fördern, markiert den ersten und einzigen Ruhepol an diesem Abend, der dafür aber umso perfekter in der Mitte des Sets gesetzt ist. Allzu lange will man das Publikum aber nicht verschnaufen lassen, denn schon kurz darauf macht man sich eifrig weiter daran, das Turock gebührend in „Schutt Und Asche“ zu legen. Im ausgedehnten Instrumental-Part wird eine imposante Konstruktion aus vielerlei Schläuchen und Röhren auf die Bretter geschoben, die dem ein oder anderen Alteingesessenen von vergangenen Tourneen sicher bekannt vorkommt und sich als Kanone entpuppen soll. Hinter diese nimmt nun West Platz und verschießt einige T-Shirts in die dichten Reihen, welche begeistert nach den begehrten Geschossen greifen. Zu „Ikarus Erben“ hebt man ab, fliegt hinauf zur Sonne und stürzt schließlich in der Realität ab: „Made In Germany“ spielt schwarzhumorig mit typischen Heimat-Klischees und ohrwurmigen Riffs. Als ein Fan aus dem Publikum einen pinken BH auf die Bühne wirft, zögert Nord keine einzige Sekunde und lässt ihn sich kurzerhand von einem Crew-Mitglied umschnallen... Sehr zur johlenden Freude aller Anwesenden. Wie schön, wenn man sich nicht immer zwanghaft ernst nimmt und stets ein sympathisches Augenzwinkern beibehält. Jenes verschwindet zum brachialen „Mörder“ jedoch schnell aus allen Gesichtern, als der Fronter überraschend auf einem elektrischen Stuhl festgebunden wird und von dort aus weitersingt. Pyrotechnische Elemente werden leider komplett ausgelassen, was vermutlich nicht der Sparsamkeit seitens der Band, sondern viel eher dem erhöhten Sicherheitsrisiko durch Platzmangel zuzuschreiben ist. Doch auch ohne allzu effektreiche Beigaben liefern die vier Himmelsrichtungen eine mehr als nur gelungene Show ab und schöpfen alle Möglichkeiten des annähernd Machbaren aus. Kennt man es anders?

 

Das punkige „Lange Nicht Perfekt“ appelliert an das starke Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Musikern und ihren treuen Freaks, mit „Totgesagt Doch Neugeboren“ ist es hingegen auch mal wieder an der Zeit für deutlich ältere Hymnen, die nach all den Jahren aber absolut nichts von ihrem Klassiker-Potential eingebüßt haben. Doch da geht selbstverständlich noch einiges mehr und vor allem geht es heute Abend sehr viel „Lauter“... Technoide Sounds und fette Beats fusionieren ungewöhnlich harmonisch mit druckvollen Drums und harschen Gitarren. Was schon auf dem neuen Silberling bestens funktioniert hat, entfaltet live erst so richtig seine Qualitäten: Club-Style auf „Hämatom“-Art! „Habt ihr eigentlich noch Kraft und Lust? Wollt ihr noch mehr?“, erkundigt sich Nord beim Ruhrpott und erntet fleißig Zustimmung. „Alte Liebe Rostet Nicht“ und das launige „Materia“-Cover von „Kids (2 Finger An Den Kopf)“ sind längst etablierte Stimmungsmacher. Kein Wunder also, dass hier jetzt nochmal so richtig aufgedreht wird, bevor man den Hauptteil des Sets beschließt und sich unter lautem Beifall vorerst verabschiedet. Natürlich war es das noch nicht ganz, denn es soll weitere Zugaben geben, nach denen schon laut verlangt wird. Den Anfang macht dabei das Titellied des letzten Longplayers „Wir Sind Gott“, zu dessen sakralem Intro die einzelnen Mitglieder nun wieder auflaufen, bevor das Publikum dem Größenwahn des Menschen stimmgewaltig entgegentritt. Zum unverzichtbaren „Eva“ verteilt Bassist West einige Rosen an die Damen in der ersten Reihe, dann ist der Abschied plötzlich zum Greifen nahe. „Der gute, alte Pott... So sieht’s aus. Auf das dieser Abend in die Geschichte eingeht! Es ist an der Zeit, für den letzten Song und soll gesagt sein, dass es für uns ein wahres Fest hier mit euch war. Ich hoffe, wir sehen uns alle ganz bald wieder. Jetzt brauchen wir wie immer alle Mittelfinger in der Luft!“, bedankt sich Nord und bereitet das Publikum auf das große Finale mit „Leck Mich!“ vor. Hier gibt wirklich jeder Einzelne im Raum nochmal alles und powert sich so richtig aus. „Ihr seid der Hammer, bis zum nächsten Mal!“, ruft er und die gesamte Band verbeugt sich zu den marschierenden Takten des „Todesmarsch“ genauso sehr entkräftet, wie auch die Fans selbst... Aber sichtlich mehr als zufrieden. Freiheit für alle!

 

Setlist:

 

01. Intro

02. Zeit Für Neue Hymnen

03. Mein Leben - Meine Regeln

04. Ahoi

05. Tanz Aus Der Reihe

06. Säulen Des Wahnsinns

07. Warum Kann Ich Nicht Glücklich Sein?

08. Ich Hasse Dich Zu Lieben

09. Feuerwasser

10. Fick Das System

11. Lichterloh

12. Schutt Und Asche

13. Ikarus Erben

14. Made In Germany

15. Mörder

16. Lange Nicht Perfekt

17. Totgesagt Doch Neugeboren

18. Lauter

19. Alte Liebe Rostet Nicht

20. Kids (2 Finger An Den Kopf)

21. Wir Sind Gott

22. Eva

23. Leck Mich!

 

Impressionen:

 

Jobst Meese, "Jodocus Obscurus Photography"

 

http://www.jobstmeese.de

 

https://de-de.facebook.com/Jodocus.Obscurus/

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