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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Hämatom - „Bestie Der Freiheit"-Tour - Turock, Essen - 05.05.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Essen, Deutschland

Location: Turock

Kapazität: ca. 600

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.turock.de

Einleitung:

Wir haben Samstag, den 05.05.2018, ein junger Abend im frühen Mai. Die Dämmerung hat gefühlt nicht einmal eingesetzt und die Luft ist somit noch angenehm warm, als ich aus dem Eingang des Essener Hauptbahnhofs hinaustrete. Hier treffe ich mich heute mit einem guten Bekannten, um zusammen das Konzert von „Hämatom“ zu besuchen. Leider hat er noch kein Ticket und die Show wurde bereits im Vorfeld als restlos ausverkauft gemeldet. Wir müssen also redlich hoffen, dass sich eventuell noch ein Verkäufer vor Ort einfindet, als wir gemeinsam durch die Innenstadt in Richtung des Veranstaltungsortes laufen. Wie es der unglückliche Zufall manchmal leider so will, ist dem ausgerechnet jetzt natürlich nicht so, was wir prompt zum wenig feierlichen Anlass nehmen, uns vorerst vor das Turock zu setzen und die nächste Stunde nach der rettenden Lösung Ausschau zu halten. Ohne Erfolg. Auf Hinweis eines Fans, suchen wir selbst noch einen Plattenladen in der Nähe auf, der aber auch keine Kontingente anzubieten hat, weil dort nämlich bereits Feierabend ist. Um 19.50 Uhr verabschiede ich mich vorerst und verspreche, mich drinnen umzuhören und nach dem Support nochmals draußen vorbeizuschauen, während er es vor dem Einlass weiterhin versucht. Doppelte Chancen also! Und tatsächlich soll ich ihn nur etwa eine halbe Stunde später wieder im Foyer antreffen, da er einem potentiellen Besucher dazu überreden konnte, ihm seine Karte zu überlassen... Für weitaus mehr, als den doppelten Preis. Was tun echte Freaks nicht alles? Ich melde mich an der Gästeliste und nenne meinen Namen dem freundlichen Mitarbeiter. „Hallo Christoph!“, begrüßt mich dieser mit Blick auf das Dokument lächelnd und händigt mir anschließend meinen Fotopass aus. Schnell bedanke ich mich und prüfe die Kapazitäten der Lokalität, wobei ich nach nur wenigen Metern schon an ihre Grenzen stoße. Über den linken Gang gelangt man zum kleinen Innenraum, der bereits jetzt so dermaßen gefüllt ist, dass man kaum mehr um die Ecke blicken kann. Also steige ich die Treppen in den ersten Stock hinauf, wo sich neben einer weiteren Bar zudem auch die Merchandising-Stände von „Maerzfeld“ und „Hämatom“ befinden. Der Balkon ist ebenfalls völlig ausgebucht und so frage ich am mittig gelegenen Pult nach, ob meine Begleitung und ich das Konzert zu Berichtzwecken nicht eine Weile von dort aus verfolgen könnten. Freundlicherweise dürfen wir das tatsächlich und so nimmt dann doch noch alles ein gutes Ende.

Maerzfeld:

Gegen 20.00 Uhr und somit auf die Minute genau, entert der im Vorfeld angekündigte Support-Act die Bretter: „Maerzfeld“. Die im Jahr 2004 gegründete Band ist dem ein oder anderen Besucher mit Sicherheit besser als „Stahlzeit“ bekannt, unter dessen Namen der große Tross schon seit langer Zeit und dabei äußerst erfolgreich als spektakuläre „Rammstein“-Tribute-Show durch die Lande zieht. Doch auch das eigene Projekt gehört mittlerweile zu den deutlich bekannteren Vertretern der florierenden NDH, was insbesondere auch den ausgiebigen Live-Aktivitäten zuzuschreiben sein dürfte. So teilte man sich zuletzt etwa die Bühne mit etablierten Szene-Aushängeschildern wie „Stahlmann“, „Heldmaschine“ oder sogar „Eisbrecher“. Auf das 2011 veröffentlichte Debüt „Tief“ folgte schließlich „Fremdkörper“, erst im vergangenen Herbst erschien das nunmehr dritte Album „Ungleich“. Dessen erster Song, „Zweifel“, erfüllt auch jetzt eine eröffnende Funktion und holt das Publikum, welches sich erfreulich offen für Neues zeigt, passend auf eine Reise „von Nord nach Süd“ ab. „Guten Abend, Essen. Wir wünschen euch und uns mega viel Spaß!“, begrüßt Frontmann Helfried „Heli“ Reißenweber das bis auf den letzten Zentimeter gefüllte Turock freudig lächelnd. Und genau den soll und wird das Ruhrgebiet in der folgenden, halben Stunde haben. Der rhythmische Up-Tempo „Schnitter“ und „Nackt“ geben die Marschrichtung dafür vor und offenbaren, dass der Fokus heute verständlicherweise klar auf dem neuesten Output der Oberfranken liegt. „Wie ist die Stimmung bei euch?“, erkundigt sich Reißenweber und bekommt sogleich lautstarke Resonanz von den Freaks, was nicht zuletzt auch der offensichtlich vorhandenen Spielfreude zuzuschreiben sein dürfte. Sichtlich aus dem sonst so strengen Muster der Neuen Deutschen Härte gelöst, zeigt der Fünfer nun nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch live deutliche Veränderungen zum festgefahrenen Standard auf. Theatralische Gesten sind sympathischer Authentizität und der Fixierung auf wesentliche Kernelemente gewichen. Das Zusammenspiel von Schlagzeuger Michael Frischbier, Bassist Korbinian Stocker, sowie den beiden Gitarristen Mike und Matthias Sitzmann funktioniert fließend und wirkt dennoch zu keiner Zeit vorhersehbar oder konstruiert, was einfach nur angenehm ehrlich anmutet. Sehr schön! Der Titeltrack des aktuellen Albums heizt weiterhin an, bevor es mit „Das Licht“ erstmal wieder etwas ruhiger zugehen soll. Der ein oder andere Klassiker aus dem mittlerweile recht umfangreichen Repertoire darf ebenso wenig fehlen, bis mit der fast schon poppigen Hit-Single „Meine Lügen Kannst Du Glauben“ das kurze Set gefühlt viel zu früh endet. „Dankeschön und noch viel Spaß mit „Hämatom“. Danke!“, verabschiedet man sich unter verdient viel Applaus und übergibt die Bühne anschließend der Bestie, die bereits an den Streben des Käfigs kratzt...

Hämatom:

Um 21.00 Uhr ist der von nahezu allen Besuchern heiß ersehnte Moment dann endlich gekommen und die ohnehin recht spärliche Beleuchtung im fast schon überfüllten Turock wird komplett ausgeschaltet. Die zahlreichen Gesprächsfetzen weichen jäh euphorisch tosenden Jubelstürmen. Während eine symphonisch getragene Melodie aus den Boxen erklingt und den gesamten Raum zum majestätisch inszenierten Einzug wirkungsvoll mit erhabener Epik durchströmt, schaut das Publikum jetzt wie gebannt nach vorn zur Bühne, die in diesen Sekunden noch von einem großen Vorhang verhüllt wird. Mit dem druckvollen Einsatz der glasklaren Becken und dem ersten Anschlag der metallischen Saiten, saust der weiße Stoff schlussendlich unter lautem Applaus zum Boden hinab und gibt den gespannten Blick auf die Szenerie frei. Auf einem hohen Podest sind die mächtigen Drums drapiert worden, hinter denen traditionell Schlagzeuger Süd thront, zu den Seiten findet sich je ein breiter LED-Quader mit verbauten Scheinwerfern daran. Der Hintergrund wird derweil flächendeckend von einem blutroten Backdrop mit dem Cover-Artwork des aktuellen Studioalbums „Bestie Der Freiheit“ dominiert, welches den gesamten Platz einnimmt. An vorderster Front haben sich Bassist West und Gitarrist Ost positioniert, bereit zum musikalischen Angriff. Zuletzt stürmt Sänger Nord in schwarz-weißer Kriegsbemalung die Bretter, um mit seinem rauen Organ und dem energetischen Opener „Zeit Für Neue Hymnen“ zu eröffnen. Die Stimmung? S