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  • Christoph Lorenz

M.I.N.E. - Purwien & Kowa - De/Vision (2018)


M.I.N.E. - Unexpected Truth Within (2018)

Genre: Electro / Rock / Alternative

Release: 25.05.2018

Format: CD Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Repo Records

Spielzeit: 52 Minuten

Fazit:

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, konstatierte einst schon der aus dem württembergischen Calw stammende Hermann Hesse in seinen „Stufen der Menschwerdung“ von 1941 und sollte Recht behalten, denn besser als jener bekannte Auszug hätten wohl kaum andere Worte auf das im Folgenden vorgestellte Projekt zutreffen können. Tatsächlich ist es nämlich diese ganz eigene Magie des Unerwarteten, in mitreißender Synergie mit der kontinuierlich gesammelten Expertise und unstillbaren Neugierde aller hier beteiligten Musiker. So keimte laut eigener Aussage irgendwann zwischen Moskau, Berlin und Lima die folgenschwere Idee zu diesem ehrgeizigen Vorhaben. Seit über fünfzehn Jahren arbeiten Schlagzeuger, Keyboarder und Produzent Jochen Schmalbach (u.a. „Depeche Mode“, „Aha“, „Die Fantastischen Vier“), Gitarrist und Komponist Volker Hinkel („Fools Garden“) und „Camouflage“-Mastermind Marcus Meyn schon äußerst erfolgreich zusammen, sind seit Anfang der 2000er regelmäßig mit der namhaften Synthie-Ikone aus Bietigheim-Bissingen auf Tournee und fungierten bei deren letzten Release „Greyscale“ aus 2015 zudem als Co-Autoren und -Produzenten. Das mit Spannung erwartete Ergebnis ist das neue Electro-Pop-Trio „M.I.N.E.“, dessen Wortschöpfung einerseits offensichtlich der phonetischen Aussprache des Nachnamens des Sängers, sowie andererseits der individuellen Bekenntnisse aller drei Musiker entspringt. „Die Konstellation aus Volker, Jochen und mir funktioniert einfach perfekt, denn wir sind das Live-Element von „Camouflage“ und kennen daher unsere gegenseitigen Stärken und Schwächen. Wir nutzen bei „M.I.N.E“ einfach den Vorteil der kurzen Wege, halten spontan neue Ideen fest, arrangieren sie und testen sie bereits beim nächsten Konzert vor Publikum. So etwas geht nur, wenn man sowohl großes Vertrauen zueinander hat als auch ganz ähnliche musikalische Visionen teilt. Durch unsere gemeinsame künstlerische Erfahrung gilt für „M.I.N.E“ die Losung: alt vertraut aber neu!“, so Marcus Meyn im Vorfeld. Bereits am 17.02.2017 erschien eine viel beachtete EP, die insgesamt vier aussagekräftige Songs enthielt, gefolgt von ersten umjubelten Live-Shows auf dem Amphi Festival oder auch als Support von „Mesh“ auf deren „Looking Skyward“-Tournee. Im Januar rief man sich mit der Single-Veröffentlichung von „The One“ wieder erneut zurück ins Gedächtnis, nur drei Monate später legte „Dangerous“ samt visuell ansprechendem Video-Clip beeindruckend stark nach. Das stilistisch breit aufgestellte Spektrum und noch einiges mehr wird die interessierte Hörerschaft in den kommenden Monaten jedoch nicht ausschließlich nur zu hören, sondern vor allem auch zu sehen bekommen, sind für den Herbst doch eigene Shows geplant. Meyn dazu: „Natürlich liegt bei den Konzerten unser Schwerpunkt auf dem Material von „Unexpected Truth Within“, aber wir werden sicherlich auch einige „Camouflage“-Hits und einen Song meines Projekts „Resistance D“ einbauen.“. Am 25.05.2018 erscheint über SPV das just zitierte Debütalbum, welches von allen drei Mitgliedern komponiert eindrucksvoll belegt, dass die dargebotene Mischung aus Meyns charismatischer Stimme, den handwerklichen Fähigkeiten seiner beiden Mitstreiter Hinkel und Schmalbach, sowie dem perfekt ausgeprägten Gespür für einmalige Melodien und catchende Arrangements in diesem Falle nur funktionieren kann. Ein Blick hinter die Kulissen der unerwarteten Wahrheit...

Ein hell aufstrebendes Gitarrenriff vermischt sich zu „The One“ mit gefälligen Synthie-Flächen, bis schließlich Meyns unverwechselbare Stimme einsetzt. Unterdessen pulsiert dezente Elektronik im Hintergrund, die sich sodann in einem powernden Refrain auflöst und die anfänglichen Motive schlüssig in sich vereint. „Same But Different“ nimmt danach gleich das gesamte Tempo wieder großteilig heraus, kommt instrumental leicht monoton und dabei bewusst reduziert daher. Kaum merklich baut sich das Arrangement in Richtung des Chorus zunehmend auf, ergänzt durch synthetische Streicher. Der allgemeine Fokus liegt auf dem eindringlichen Gesang, der die resignierende Tristesse authentisch untermauert und mitunter an die Balladen auf „Greyscale“ erinnert. Nachhallende Sounds füllen die kurzweilige Stille aus und werden dann schnell von drückenden Beats für einen lupenreinen Up-Tempo angezogen: „MeOrMy“. Meyns rau intonierte Vocals bestimmen die mit verqueren Einschüben durchsetzten Strophen, wohingegen die Saitenfraktion im Hauptteil deutlich präsenter einsetzt, um danach von einer weiteren, experimentell angehauchten Schlagseite abgelöst zu werden. Das sphärisch sanft arrangierte „Undone“ geht wiederum gewohnte Wege und trumpft mit anschließend mit einer eingängigen Ohrwurm-Melodie im Chorus auf. „Things We‘ve Done“ markiert einen der wohl stärksten Songs des gesamten Albums. Eingeleitet von einem verzerrten Glockenspiel, kommt es zu einer kraftvollen Führung im Mid-Tempo, die alsbald Hand in Hand mit der musikalisch geschaffenen Atmosphäre geht. Eine echte Perle des modernen Synthie-Pops, die in ihrer Machart auch genauso gut ein reiner „Camouflage“-Titel sein könnte. Mindestens ebenso sehr wie „Lean On“, das mit rhythmischer Taktung, zurückhaltender Elektronik, episch eingewobenen Bläsern und richtungsweisender Percussion schnell in einen hypnotisierenden Bann zieht. Eine romantisierend befeuernde Melange der Elemente. „Wonder“ geht straight nach vorne und ist durchweg grundsolide, wirkt vergleichsweise jedoch nur wenig auffällig. Mit „Dangerous“ und „White Trash“ folgen aber noch zwei echte Highlights der frischen Kollaboration direkt aufeinander. Ersteres wird von dröhnenden Trommeln bestimmt, bis bedrohlich-mystische Synthies und zerrende Saiten zuschlagen. Dark Electro in Reinform! Zweites profitiert nicht weniger von den charakteristischen Stärken des Sängers, die hier führende Position beziehen und äußerer strukturiert durch die getragenen Zeilen des dunkel angehauchten Tracks geleiten. Dessen nicht zu leugnende, wohl größte Stärke sind die flirrenden Sound-Fragmente, die noch mehr dynamischen Drive implementieren. „Reach Out“ schlägt eine gänzlich andere Richtung ein und wird weitestgehend von clean rockenden Gitarren dominiert, die sogleich nach vorne gehen, die Zügel schnell in die Hand nehmen und sich in einen wahren Rausch steigern. In solchen Momenten wird die grandiose Fusion der verschiedenen Einflüsse besonders stark erkennbar. „A World Without A Smile“ ist laut eigener Aussage als letzte Nummer für „Unexpexted Truth Within“ entstanden und wurde noch unmittelbar vor dem Studiotermin eingespielt. Tatsächlich war es eine sehr gute Entscheidung, diesen Track trotz terminlicher Knappheit noch aufzunehmen, denn die emotionale Klavierballade weiß wirklich positiv zu überraschen und grenzt sich durch Meyns gefühlvollen Gesang, sowie eine wirkungsvolle Akustikgitarrensequenz gleich auf mehreren Ebenen angenehm vom restlichen Material ab und schafft weitere Abwechslung, bevor das Debüt mit dem recht kurzen aber nicht minder berührenden „Leave And Let Go“ sein Ende findet. Was bleibt abschließend also zu sagen? Auch wenn sich das Projekt stellenweise selbst scheinbar leider zu wenige Innovationen zutraut, so weiß ein großer Teil der stimmigen Kompositionen, die in der Summe allesamt von der langjährigen Erfahrung der einzelnen Mitglieder zeugen, doch sehr zu gefallen. Schmalbach, Hinkel und Meyn spielen ihre individuellen Stärken aus den jeweiligen Bereichen hörbar aus und verschmelzen diese zu einem Ganzen, wenngleich ein deutlich überpräsenter Einfluss dabei selbstredend der neueren Ära von „Camouflage“ gebührt. Sowohl das als auch die ehrliche Freude beim Ausloten genrebedingter Grenzen, machen „M.I.N.E.“ gerade aber nachhaltig aus und so sympathisch. Ein schöner Quasi-Neustart, dem alle Fans elektronischer Musik mal ihr Ohr leihen sollten.

Informationen:

http://www.mine-music.com

https://www.facebook.com/minemusicband/