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M.I.N.E. - Purwien & Kowa - De/Vision (2018)


M.I.N.E. - Unexpected Truth Within (2018)

Genre: Electro / Rock / Alternative

Release: 25.05.2018

Format: CD Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Repo Records

Spielzeit: 52 Minuten

Fazit:

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, konstatierte einst schon der aus dem württembergischen Calw stammende Hermann Hesse in seinen „Stufen der Menschwerdung“ von 1941 und sollte Recht behalten, denn besser als jener bekannte Auszug hätten wohl kaum andere Worte auf das im Folgenden vorgestellte Projekt zutreffen können. Tatsächlich ist es nämlich diese ganz eigene Magie des Unerwarteten, in mitreißender Synergie mit der kontinuierlich gesammelten Expertise und unstillbaren Neugierde aller hier beteiligten Musiker. So keimte laut eigener Aussage irgendwann zwischen Moskau, Berlin und Lima die folgenschwere Idee zu diesem ehrgeizigen Vorhaben. Seit über fünfzehn Jahren arbeiten Schlagzeuger, Keyboarder und Produzent Jochen Schmalbach (u.a. „Depeche Mode“, „Aha“, „Die Fantastischen Vier“), Gitarrist und Komponist Volker Hinkel („Fools Garden“) und „Camouflage“-Mastermind Marcus Meyn schon äußerst erfolgreich zusammen, sind seit Anfang der 2000er regelmäßig mit der namhaften Synthie-Ikone aus Bietigheim-Bissingen auf Tournee und fungierten bei deren letzten Release „Greyscale“ aus 2015 zudem als Co-Autoren und -Produzenten. Das mit Spannung erwartete Ergebnis ist das neue Electro-Pop-Trio „M.I.N.E.“, dessen Wortschöpfung einerseits offensichtlich der phonetischen Aussprache des Nachnamens des Sängers, sowie andererseits der individuellen Bekenntnisse aller drei Musiker entspringt. „Die Konstellation aus Volker, Jochen und mir funktioniert einfach perfekt, denn wir sind das Live-Element von „Camouflage“ und kennen daher unsere gegenseitigen Stärken und Schwächen. Wir nutzen bei „M.I.N.E“ einfach den Vorteil der kurzen Wege, halten spontan neue Ideen fest, arrangieren sie und testen sie bereits beim nächsten Konzert vor Publikum. So etwas geht nur, wenn man sowohl großes Vertrauen zueinander hat als auch ganz ähnliche musikalische Visionen teilt. Durch unsere gemeinsame künstlerische Erfahrung gilt für „M.I.N.E“ die Losung: alt vertraut aber neu!“, so Marcus Meyn im Vorfeld. Bereits am 17.02.2017 erschien eine viel beachtete EP, die insgesamt vier aussagekräftige Songs enthielt, gefolgt von ersten umjubelten Live-Shows auf dem Amphi Festival oder auch als Support von „Mesh“ auf deren „Looking Skyward“-Tournee. Im Januar rief man sich mit der Single-Veröffentlichung von „The One“ wieder erneut zurück ins Gedächtnis, nur drei Monate später legte „Dangerous“ samt visuell ansprechendem Video-Clip beeindruckend stark nach. Das stilistisch breit aufgestellte Spektrum und noch einiges mehr wird die interessierte Hörerschaft in den kommenden Monaten jedoch nicht ausschließlich nur zu hören, sondern vor allem auch zu sehen bekommen, sind für den Herbst doch eigene Shows geplant. Meyn dazu: „Natürlich liegt bei den Konzerten unser Schwerpunkt auf dem Material von „Unexpected Truth Within“, aber wir werden sicherlich auch einige „Camouflage“-Hits und einen Song meines Projekts „Resistance D“ einbauen.“. Am 25.05.2018 erscheint über SPV das just zitierte Debütalbum, welches von allen drei Mitgliedern komponiert eindrucksvoll belegt, dass die dargebotene Mischung aus Meyns charismatischer Stimme, den handwerklichen Fähigkeiten seiner beiden Mitstreiter Hinkel und Schmalbach, sowie dem perfekt ausgeprägten Gespür für einmalige Melodien und catchende Arrangements in diesem Falle nur funktionieren kann. Ein Blick hinter die Kulissen der unerwarteten Wahrheit...

Ein hell aufstrebendes Gitarrenriff vermischt sich zu „The One“ mit gefälligen Synthie-Flächen, bis schließlich Meyns unverwechselbare Stimme einsetzt. Unterdessen pulsiert dezente Elektronik im Hintergrund, die sich sodann in einem powernden Refrain auflöst und die anfänglichen Motive schlüssig in sich vereint. „Same But Different“ nimmt danach gleich das gesamte Tempo wieder großteilig heraus, kommt instrumental leicht monoton und dabei bewusst reduziert daher. Kaum merklich baut sich das Arrangement in Richtung des Chorus zunehmend auf, ergänzt durch synthetische Streicher. Der allgemeine Fokus liegt auf dem eindringlichen Gesang, der die resignierende Tristesse authentisch untermauert und mitunter an die Balladen auf „Greyscale“ erinnert. Nachhallende Sounds füllen die kurzweilige Stille aus und werden dann schnell von drückenden Beats für einen lupenreinen Up-Tempo angezogen: „MeOrMy“. Meyns rau intonierte Vocals bestimmen die mit verqueren Einschüben durchsetzten Strophen, wohingegen die Saitenfraktion im Hauptteil deutlich präsenter einsetzt, um danach von einer weiteren, experimentell angehauchten Schlagseite abgelöst zu werden. Das sphärisch sanft arrangierte „Undone“ geht wiederum gewohnte Wege und trumpft mit anschließend mit einer eingängigen Ohrwurm-Melodie im Chorus auf. „Things We‘ve Done“ markiert einen der wohl stärksten Songs des gesamten Albums. Eingeleitet von einem verzerrten Glockenspiel, kommt es zu einer kraftvollen Führung im Mid-Tempo, die alsbald Hand in Hand mit der musikalisch geschaffenen Atmosphäre geht. Eine echte Perle des modernen Synthie-Pops, die in ihrer Machart auch genauso gut ein reiner „Camouflage“-Titel sein könnte. Mindestens ebenso sehr wie „Lean On“, das mit rhythmischer Taktung, zurückhaltender Elektronik, episch eingewobenen Bläsern und richtungsweisender Percussion schnell in einen hypnotisierenden Bann zieht. Eine romantisierend befeuernde Melange der Elemente. „Wonder“ geht straight nach vorne und ist durchweg grundsolide, wirkt vergleichsweise jedoch nur wenig auffällig. Mit „Dangerous“ und „White Trash“ folgen aber noch zwei echte Highlights der frischen Kollaboration direkt aufeinander. Ersteres wird von dröhnenden Trommeln bestimmt, bis bedrohlich-mystische Synthies und zerrende Saiten zuschlagen. Dark Electro in Reinform! Zweites profitiert nicht weniger von den charakteristischen Stärken des Sängers, die hier führende Position beziehen und äußerer strukturiert durch die getragenen Zeilen des dunkel angehauchten Tracks geleiten. Dessen nicht zu leugnende, wohl größte Stärke sind die flirrenden Sound-Fragmente, die noch mehr dynamischen Drive implementieren. „Reach Out“ schlägt eine gänzlich andere Richtung ein und wird weitestgehend von clean rockenden Gitarren dominiert, die sogleich nach vorne gehen, die Zügel schnell in die Hand nehmen und sich in einen wahren Rausch steigern. In solchen Momenten wird die grandiose Fusion der verschiedenen Einflüsse besonders stark erkennbar. „A World Without A Smile“ ist laut eigener Aussage als letzte Nummer für „Unexpexted Truth Within“ entstanden und wurde noch unmittelbar vor dem Studiotermin eingespielt. Tatsächlich war es eine sehr gute Entscheidung, diesen Track trotz terminlicher Knappheit noch aufzunehmen, denn die emotionale Klavierballade weiß wirklich positiv zu überraschen und grenzt sich durch Meyns gefühlvollen Gesang, sowie eine wirkungsvolle Akustikgitarrensequenz gleich auf mehreren Ebenen angenehm vom restlichen Material ab und schafft weitere Abwechslung, bevor das Debüt mit dem recht kurzen aber nicht minder berührenden „Leave And Let Go“ sein Ende findet. Was bleibt abschließend also zu sagen? Auch wenn sich das Projekt stellenweise selbst scheinbar leider zu wenige Innovationen zutraut, so weiß ein großer Teil der stimmigen Kompositionen, die in der Summe allesamt von der langjährigen Erfahrung der einzelnen Mitglieder zeugen, doch sehr zu gefallen. Schmalbach, Hinkel und Meyn spielen ihre individuellen Stärken aus den jeweiligen Bereichen hörbar aus und verschmelzen diese zu einem Ganzen, wenngleich ein deutlich überpräsenter Einfluss dabei selbstredend der neueren Ära von „Camouflage“ gebührt. Sowohl das als auch die ehrliche Freude beim Ausloten genrebedingter Grenzen, machen „M.I.N.E.“ gerade aber nachhaltig aus und so sympathisch. Ein schöner Quasi-Neustart, dem alle Fans elektronischer Musik mal ihr Ohr leihen sollten.

Informationen:

http://www.mine-music.com

https://www.facebook.com/minemusicband/

Purwien & Kowa - Drei (2018)

Genre: Electro / Pop / Alternative

Release: 07.06.2018

Format: Download Anzahl Ton- / Bildträger: 0

Label: Zwei Records

Spielzeit: 77 Minuten

Fazit:

Eingangs könnte sich dem aufmerksamen Leser, trotz langjährigen Aktivitäten und so einigen Erfolgen dieser Künstler, eventuell gleich eine nicht ganz unwichtige Frage aufdrängen, die da lautet: „Wer genau sind eigentlich diese beiden Personen?“. Um mitunter langwierigen Recherchen vorzubeugen, erlaube ich mir an dieser Stelle einmal, dem vorwegzugreifen und aus den amüsanten, vermutlich nicht ganz realitätsnahen Biographien zu zitieren. Also, wer ist nun Kowa? Hier die Antwort: „Thomas Kowa wurde neben dem größten Chemiewerk der Welt geboren. Dort wucherten nur zwei Dinge: Chlorakne und Humor. Kowa entschied sich für letzteres. Er studierte irgendetwas belangloses, für den krönenden Doktortitel fehlte ihm die kriminelle Energie. Stattdessen wurde er Poetry Slammer und Musikproduzent. Höhepunkte seiner musikalischen Karriere waren die Ausstrahlung einer seiner Songs bei „Desperate Housewives“, eine Europatournee vor 25.000 Zuschauern und die Pleite seiner eigenen Plattenfirma.“. Alles klar? Sehr gut. Und wer ist dieser Purwien? Bitte sehr: „Christian Purwien war in seinem bisherigen Leben Pommesbuden-Besitzer, Drohnen-Entrepreneur, Busfahrer, Pädagoge, Plattenfirmen-Promoter und Chefredakteur eines großen Musikmagazins. Momentan ist er Videoproduzent und Chauffeur für die Insassen einer Drogenentzugsklinik bei Gerichtsterminen (natürlich inklusive Verfolgungsjagden). Purwien veröffentlichte unzählige Alben und Beiträge auf mehr als hundert CDs, seine Coverversion des 80er-Klassikers „Send Me An Angel“ enterte die deutschen Single-Charts. Für all jene, die dadurch jetzt zwar einen kleinen Eindruck gewinnen konnten, sich aber dennoch immer nicht viel schlauer fühlen, versuche ich es nochmal etwas anders: „Purwien“ ist eine deutschsprachige Synthie-Pop-Band, die anfangs noch als reines Solo-Projekt angedacht war, um den einstigen „Second Decay“-Frontmann gleichen Nachnamens. Im Jahr 2007 wurde das charmant betitelte Debüt „Eins“ veröffentlicht, auf welchem neben einem sehr gelungenen Feature mit NDW-Star Joachim Witt, auch eine innovative Zusammenarbeit mit dem bekannten Synchronsprecher Andreas Fröhlich („Die Drei Fragezeichen“) enthalten ist. Etwa seit 2013 arbeitet Purwien mit dem in Ludwigshafen geborenen Thriller-Autor Thomas Kowa zusammen, der beispielsweise durch seine Werke „Remexan - Der Mann ohne Schlaf“ oder „Redux - Das Erwachen der Kinder“ von sich reden machte. Für die Arbeiten am Nachfolger verschlug es die beiden schließlich nach Ibiza, wo das im vergangenen Jahr erschienene „Zwei“ entstand. Zudem wurden die Erlebnisse und Eindrücke dieser ungewöhnlichen Reise in Form eines zeitgleich erscheinenden Romans festgehalten: „Pommes! Porno! Popstar!“. Eine schöne Idee. Neben den beiden eigentlichen Hauptprotagonisten, die sich auf den aktuellen Promo-Fotos gerne als „erfolglose Musiker und Autoren“ bezeichnen, besteht der kreative Zusammenschluss aus Dortmund, Düsseldorf, Herford und Bern zudem noch aus Schlagzeuger Marcel Schlepp und Keyboarder Steffen Neuhaus.

Nach „Zwei“ kommt also...? Richtig! Die „Drei“ ist einmal mehr nicht nur als die titelgebende, logische Nachfolge anzusehen, sondern auch in anderer Hinsicht mehr als nur perfekt gewählt, denn das ungleiche Duo schickt uns dieses Mal gleich mit drei verschiedenen EPs, auf welcher je sechs Songs enthalten sind, für jeden Gemütszustand in den nahenden Sommer. Als erstes wäre da „80s“, die den Hörer mit ihren melancholischen Retro-Vibes direkt in die Zeit der wohl stärksten Ohrwürmer katapultiert. Mach‘s doch einfach „Nochmal“... Nichts leichter als das! Wild hallende, verzerrte Echo-Fragmente werfen den Hörer alsbald um Jahre zurück in die Vergangenheit und werden sodann von oldschool-lastigen Sounds im minimalistischen Gewand abgeholt. Bald darauf erklingt auch die tiefe Stimme Purwiens selbst, die, mitunter charakteristisch für das Projekt, das eigentliche Augenzwinkern des amüsanten Rahmens in eine wohltuend reflektierende Ernsthaftigkeit einhüllt. Im Refrain fährt man noch wahren Synthie-Bombast auf, der vor sehnsuchtsvoller Leidenschaft nur so strotzt. Eine Eröffnung, wie man sie von diesen Musikern kennt, schätzt und liebt... Und eben doch ganz anders. Das folgende „A Fake“ eint anschließend futuristisch verwurzelte Attitüde mit charmantem Italo-Disco-Einschlag, der treibende Beat regt weiterhin zu mehr Bewegung an und wird unterdessen von kühl fiependen Einschüben gesteift. Der Anfang von „Change My World“ mag mitunter eventuell dezent an „Timekiller“ von „Project Pitchfork“ erinnern und implodiert nur wenig später in eine äußerst gefällige Melodie, welche schnell auf die belebten Dancefloors vor dem inneren Auge lockt. Hauptsächlich wird die reduzierte Basis von rhythmisch dröhnenden Sounds und einem mehrstimmigen Gesang bestimmt, bis sich der Refrain leicht aufklart. Wow! Die geistige Hommage an „Falco“ ist bei „Pur(Wien)“ schon im koketten Titel inkludiert, baut aber auch textlich, hier übrigens wieder in deutscher Sprache, weiterhin auf dessen Vorbild auf. Instrumental geht es wieder weitaus weniger reserviert zu. Ganz im Gegenteil: Man zeigt sich zunehmend verspielt, nur um dann zu den anfänglichen Motiven zurückzukehren. „Augenblick“ kommt hier im sogenannten „Rehberg Gedächtnis Mix“ daher und nimmt nach einem kurzen Interludium überraschend schnell an Fahrt auf, resultiert jedoch dann wieder genauso ruckartig in sphärischem Mid-Tempo, das als Vorlage für die Strophen dient. Das launige (Zwischen-)Spiel mit den Geschwindigkeiten und leicht verqueren Elementen zieht sich dabei durch die gesamten vier Minuten, was die Nummer abwechslungsreich und interessant zugleich macht. Ein Song, wie man ihn einfach gerne hört... Immer und immer wieder. Das Outro „Für Etwas Mehr“ ist fast ein bisschen als Reminiszenz an sich selbst und die Zeit hinter dem Mikrofon bei „Second Decay“ anzusehen. Bis auf ein paar wenige, im Hintergrund eingeschobene Samples, bleibt der Track weitestgehend in der Schiene eines verträumt-hypnotischen Instrumentals, welches genügend Raum zum durchatmen lässt, bis ab der Hälfte der Spielzeit erstmalig Purwiens Stimme einsetzt und inbrünstig mit essenziell-kryptischen Glaubensfragen aus den 80ern hinein in die Clubs geleitet: „Disko“ steht nämlich ganz und gar im Zeichen jener denkwürdiger Abende, an denen man es auf der Tanzfläche völlig befreit und gedankenlos mal wieder so richtig krachen lassen möchte. Fehlt also nur noch der passende Soundtrack dazu, oder? Also zieht das grandiose „Observer“ mit fein perlende Electro-Spitzen und rhythmischen Beats in seinen Bann, der beständig in einem wechselhaft-marschierendem Tempo voranschreitet. Dass „Es Ist Wie Es Ist“ deutlich von „DAF“ inspiriert wurde, verleugnet auch der offizielle Pressetext nicht. Doch geben sich die Mannen hier keineswegs mit einer bloßen Kopie zufrieden, setzen also nicht gänzlich auf den markanten Dadaismus von Delgado und Görl, sondern verfeinern jene Gangart mit einem Mehr an verspieltem Minimalismus und druckvoller Tanzbarkeit. „Sleepless In Vegas“ macht seinem Titel alle Ehre, wurde es doch tatsächlich in einer langen Nacht in der Stadt der Sünde aufgenommen! Kein Wunder also, dass die Seele der bekannten Spielhölle hier musikalisch sehr gut zusammengefasst wurde. Irgendwo zwischen Electronica, New Wave und Future Pop. „Disko 80“ bietet unterdessen entspannte Lounge-Atmo mit schön arrangierten Übergängen, trashiger Glam-Adee und gewitztem Drum-Solo. Eine Nummer, die nicht nur wegen der unübersehbaren „80“ im Titel auch sehr gut auf die vorangegangene EP gepasst hätte. Die Klänge einer Spieluhr leiten das mysteriöse „Bozen Rimini“ ein. Unterschwellig drückende Synthies, leichte Disharmonien und zurückhaltende Industrial-Sounds heben die Spannung deutlich an, während donnernde Percussion den Takt für dieses Zwischenstück bald darauf angibt und eine sonderbar düstere Atmosphäre versprüht, die sich mit der Unbeschwertheit eines „Regret“ wieder deutlich aufklart. Hier gibt es definitiv nichts zu bereuen! „Vegas“, die Dritte im Bunde, kennzeichnet gute Unterhaltung für alle Hörer ohne Scheuklappen oder Grenzen in ihrem Musikgeschmack. Der Name ist hier nämlich im wahrsten Sinne des Wortes Programm und fasst den glamourösen Spirit von schillerndem Showgeschäft, sündiger Zügellosigkeit und grellen Lichtern allerorts perfekt in sich zusammen. So kommt etwa „Houdini’s Girls“ ungewohnt lasziv und lässig zugleich daher, „Komm Zu Dir“ ist in seiner unkonventionellen Kombination aus organischen uns synthetischen Versatzstücken die bessere Fahrstuhlmusik zum mitwippen und „Film“ lässt einen ebensolchen mit sanfter Harfe, dezenten Ambient-Teppichen und zurückhaltenden Drums im Kopf des Hörers entstehen. Nicht minder individuell geht es beim furios-stimmigen „Bedeutet Nichts“ zu, bei welchem die Elektronik wieder dominant eingreift, bevor hymnische Blechbläser regieren. Echte Männer sind maskulin, sind entspannt und riechen gut, hm? Jedenfalls möchte uns die zart-sonore Frauenstimme in „Brazilian Cut“ genau das vermehrt mitteilen. Auch wenn das Hören dieses Interludiums sicher das ein oder andere Fragezeichen im Gesicht hinterlässt... Wirklich etwas dagegen einwenden kann wohl niemand, oder? „Viva Las Vegas“ drückt das Gaspedal zum Schluss dann aber nochmal so richtig durch und glänzt mit einer effektüberladener Reizüberflutung im besten Future Pop-Style. Klingt komisch? Ist aber gut! Christian Purwien dazu: „Wir sind uns bewusst, dass bei der „Drei Vegas“-EP den 80er-Minimalisten die Fußnägel hochklappen. Daher haben wir uns entschieden, die Songs in drei EPs zu veröffentlichen, die strikt nach Einsatzgebiet getrennt sind.“. Nicht unbedingt die schlechteste, sondern viel mehr eine logische Entscheidung. Hier ist garantiert für jede Stimmung etwas dabei! Übrigens: Wie genau die drei EPs entstanden sind und warum denn dieses Mal ausgerechnet in Las Vegas, kann der Interessierte im parallel erscheinenden Roman „Vegas, vidi, non vici: Das Leben ist kein Triathlon“ nachlesen, an dessen Ende er zudem noch mit einem Link für eines der insgesamt drei Releases beglückt wird. Wann? Alles zusammen ab dem 07.06.2018 beim Buch- oder Plattenhändler eures Vertrauens, sowie selbstverständlich auch online. Wenn das mal nichts ist?!

Informationen:

http://www.purwienundkowa.com

https://www.facebook.com/purwienundkowa/

De/Vision - Citybeats (2018)

Genre: Electro / Pop / Alternative

Release: 22.06.2018

Format: CD Anzahl Ton- / Bildträger: 2

Label: Popgefahr Records (Soulfood Music)

Spielzeit: 49 Minuten

Fazit:

„We fly, unto the end of time... Tonight. We try to get high one more time... Tonight. We fly, unto the end of time... Tonight. Don't cry, this love won't be denied... Tonight.“, hieß es einst vor langer Zeit im verträumten Refrain des ikonischen „We Fly Tonight“ von 1998. Der Titel hielt sich ganze drei Wochen in den vorderen Reihen der Media Control Charts und fand sich sogar auf einem Sampler von „VIVA“ wieder. Ein beachtlicher Erfolg, für einen damals noch eher unbekannten Underground-Act. Doch um wen genau geht es hier eigentlich? Im Jahre 1988 von Stefan Blender, Markus Ganßert, Thomas Adam und Steffen Keth in Bensheim bei Hessen gegründet, sollte fortan eine schier bemerkenswerte Erfolgsgeschichte im Genre des Synthie-Pop geschrieben werden, die bis zum heutigen Tag sicher anhält. Eine treue und stetig wachsende Fangemeinde, zahlreiche, gegenwärtig zu echten Hits manifestierte Songs, umjubelte Festival- und Support-Gigs, unter anderem auf dem Méra Luna oder für „Camouflage“, wie auch ausgiebige Tourneen vor regelmäßig ausverkauften Häusern waren und sind die logische Konsequenz von unablässigem Engagement und harter Arbeit. Anno 2018 sind von dem, mittlerweile in Berlin ansässigen, Kollektiv lediglich noch Adam und Keth übrig geblieben, am eigenen Tun gezweifelt oder gar ans Aufhören gedacht, hat man dabei aber nie. Viel mehr im absoluten Gegenteil: Dieser Tage gibt es gar ein beeindruckendes Jubiläum zu vermelden, man feiert dreißigjähriges Bestehen! Rund zwei Jahre nach ihrem letzten, schlicht und doch treffend mit „13“ betitelten Longplayer, gibt es endlich wieder musikalische Neuigkeiten aus dem Hause „De/Vision“. Kreativ blockierenden Stillstand gab es bei den beiden Hauptstädtern nie, entschied man sich zuletzt beim eben erwähnten Vorgänger doch kurzerhand für ein neues Produzententeam aus Stan Cotey und Ken Porter und somit auch für eine gänzlich andere Arbeitsweise als noch bisher. Der frische Wind sollte schnell Früchte tragen, stieg das 2016er-Werk immerhin gleich auf Platz 11 ein, die bisher höchste Positionierung in der langen Historie des nimmermüden Duos. Diesen Weg möchte man nun verständlicherweise weiter fortsetzen: Gab es zwar auch immer wieder mal einschneidende Experimente, wie beispielsweise die Einbindung organischer Gitarren in den großflächig elektronisch arrangierten Kontext, mit denen man sich von den gewohnten Pfaden der eigenen Sparte in einem gesunden Maß verabschiedete, so besinnt sich das Zweigespann heuer verstärkt auf di