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Die Toten Hosen - "Laune Der Natour"-Tour - RWE Stadion, Essen - 24.05.2018

20.06.2018

Veranstaltungsort:


Stadt: Essen, Deutschland

Location: RWE Stadion

Kapazität: ca. 20.000

 

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Ja

​Homepage: http://www.stadion-essen.de

 

Einleitung:

 

Es ist der 24.05.2018, ein junger Donnerstagabend. Heute sind meine Begleitung und ich auf dem Weg nach Essen, um genauer zu sein unterwegs zum RWE-Stadion des dort beheimateten Vereins Rot-Weiss. Ein Fußballspiel wollen wir uns allerdings nicht anschauen, denn hin und wieder finden in dem gut zwanzigtausend Personen fassenden Komplex auch Konzerte statt, so beehrten zuletzt etwa „Unheilig“ oder sogar „Black Sabbath“ die Stadt im Ruhrgebiet. An diesem Abend gibt es hingegen feinsten Punk-Rock aus Düsseldorf, denn niemand Geringeres als „Die Toten Hosen“ haben sich zum Auftakt des zweiten Teils ihrer „Laune Der Natour“-Tournee angekündigt. Der offizielle Einlass ist tatsächlich schon für 15.30 Uhr anberaumt worden, immerhin gibt es, wie gewohnt bei den Open-Airs der fünf Rheinstädter, zuvor noch ganze drei Support-Acts zu begutachten. Zum Glück sind wir dieses Mal nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, sondern werden direkt hinter dem Veranstaltungsort aus dem Auto gelassen. Das erleichtert so einiges, denn bereits während der Fahrt waren zahlreiche Fans mit dem selben Ziel zu sehen, welche in Scharen eifrig die Straße hinaufpilgerten. Als wir uns zur Kontrolle vor dem Eingang unseres Blocks einfinden, ist es in etwa 16.30 Uhr und somit noch eine ganze Stunde Zeit bis zum Beginn. Der Bodycheck ist schnell, aber dafür gründlich und nach dem regulären Abtasten, sowie einem prüfenden Blick in meine Umhängetasche, sind wir auch schon drin. Neben kühlen Getränken werden hier an verschiedenen Food-Trucks und Ständen natürlich allerhand Speisen verkauft, das Angebot ist dem Anlass entsprechend riesig. Darüber hinaus gibt es auch noch 

zwei Zelte mit Merchandising, an denen wir uns später noch ein Tour-Shirt und einen Schal kaufen werden, doch jetzt steigen wir erstmal die Treppe zu unseren Plätzen hinauf. Wir haben Glück und sitzen auf der linken Tribüne relativ mittig, sodass wir von dieser aus alles im Blick haben. Als wir uns langsam in die bequemen Sitzschalen fallen lassen, fällt mir direkt die massive Bühne ins Auge, deren riesige Front, dem aktuellen Cover-Artwork von „Laune Der Natur“ getreu, wie eine fantasievoll-bunte Dschungellandschaft konzipiert ist und mich mit ihrem schrillen, ausgefallenen Theming irgendwie sofort ein bisschen an eine trashige Geisterbahn auf der Kirmes erinnert. Während auf der oberen Plane zwei lange Schlangen auf das neue Totenschädel-Logo der Band zukriechen, befindet sich im Hintergrund und zu den beiden Seiten je eine breite Leinwand, welche durch die fließenden Übergänge im Design nahtlos in die atmosphärisch ausgestaltete Verkleidung der Bühne integriert worden sind. Sehr schön, das Feeling wird also sehr gut transportiert und stimmt... Dann kann es doch eigentlich auch schon losgehen, oder?

 

„Adam Angst“:

 

Gegen 17.30 Uhr ist es dann auch endlich an der Zeit, die sogenannte „Rückrunde“ der aktuell in die Verlängerung gegangenen Tournee für das laufende Jahr 2018 einzuläuten. Den Anfang macht dabei eine ganz besondere Band, die zuletzt eher selten auf den Bühnen zu sehen war, für einen Anheizer zum Auftakt aber wohl nicht prädestinierter sein könnte. Einst im Jahr 2014 aus der vorübergehenden Pause des Hauptprojekts „Frau Potz“ resultierend formiert, konnte man sich sowohl mit dem selbstbetitelten Debüt als auch mit der in Kooperation mit den „Donots“, die heute ebenfalls anwesend sind, veröffentlichten Single „Wir Werden Alle Sterben“, schnell eine beachtliche Fangemeinde erspielen. Das viel zu kleine Backdrop zeigt eine unscharfe Silhouette vor weißem Hintergrund, der karge Schriftzug offenbar ein umgedrehtes Kreuz im Logo. Während leichter Nebel über die Szenerie weht, dröhnt minutenlang eine tiefgestimmte Orgel als Intro, unter deren unheilvollen Klängen nun Schlagzeuger Johannes Koster, Bassist Christian Kruse, wie auch die beiden Gitarristen David Frings und Roman Hartmann die Bretter betreten. Sänger Felix Schönfuss lässt sich danach etwas mehr Zeit, bevor er schließlich unter Applaus und zu „Das Ist Punk“, einem neuen Track des kommenden Albums, ebenfalls hinzutritt. Schnell ist Begeisterung im Innenraum zu vernehmen, die auch bei „Ja Ja, Ich Weiß“ und dem zynischen „Was Der Teufel Sagt“ nicht abreißt. Im Gegenteil, bereits jetzt bildet sich ein kleines Moshpit mit euphorischen Besuchern. Sehr schön, so soll’s sein! Doch nicht nur die Texte üben massive Kritik an der Gesellschaft, zwischenmenschlichen Beziehungen und Politik: Trotz der leider recht knapp bemessenen Spielzeit, nimmt sich der Fronter mit der facettenreichen Stimme einen kleinen Augenblick, um den direkten Kontakt mit dem Publikum zu suchen. So lobt er im Folgenden etwa Campinos mutige Rede beim diesjährigen Echo und wettert zurecht gegen die scheinheilige Branche, was verdient mit lautem Jubel verdingt wird. Passend dazu gibt es im Anschluss mit „Professoren“ einige Schelte ins rechte Lager, bevor das ebenfalls noch unveröffentlichte „Alexa“ mit zynischem Augenzwinkern zu neuzeitlichem Technologie-Wahn schielt. Das krachige „Splitter Von Granaten“ markiert danach den Schluss für das unterhaltsame Set von „Adam Angst“, die hier und heute mit Sicherheit einige Hörer für die Zukunft dazugewonnen haben dürften.

 

„The Vaccines“: 

 

Nach einer relativ kurzen Umbaupause kann es um 18.20 Uhr auch schon mit dem nächsten Act weitergehen, immerhin sollen im weiteren Verlauf des heutigen Abends noch zwei andere Bands auf der Bühne im Stadion stehen. Da das, was nun als nächstes folgen soll, sich vom restlichen Line-Up aber merklich differenziert, bittet Andreas „Andi“ Meurer schon vorab bei seiner Ankündigung um einen herzlichen Willkommensapplaus für „The Vaccines“. Im Jahr 2010 aus ehemaligen Mitgliedern von „Jay Jay Pistolet“ und „The Horrors“ in London gegründet, erregte der sympathische Vierer unter anderem beim Management von „Franz Ferdinand“ schnell wertvolle Aufmerksamkeit, welches die jungen Musiker sofort unter seine Fittiche nahm. Nachdem sie in einer Umfrage des Senders BBC unter die Top 3 der vielversprechendsten Newcomer gewählt wurden, stiegen sie schnell in die nationalen Charts ein. Mittlerweile gehen ganze siebzehn Singles und vier Alben auf das Konto des UK-Imports, der neben eigenen, ausverkauften Shows zuletzt auch beachtliche Bekanntheit als Support der „Rolling Stones“ erlangen konnte. Jetzt erwartet Essen also ausnahmsweise mal kein Punk, sondern purer Indie-Rock, die erfolgreiche Band selbst benennt ihre Einflüsse beispielsweise aus dem klassischen Rock‘n‘Roll, American Hardcore oder auch der modernen Pop-Musik. Wie gewünscht, wird Schlagzeuger Pete Robertson, Bassist Árni Hjörvar und den zwei Gitarristen Freddie Cowan und Sänger Justin Young ein warmer Empfang bereitet, der sich über das eröffnende „Nightclub“ und „Teenage Icon“ noch weitestgehend hält. In den kommenden, gut dreißig Minuten legt sich die zuvor noch recht ausgelassene Stimmung allerdings wieder etwas. Wirklich mitsingen, klatschen oder pogen kann und will zum eher entspannten Sound des Quartetts niemand so recht, man lauscht viel eher und wippt gelegentlich im Takt der schnelleren Nummern, wie beispielsweise „Wetsuit“, „Bad Mood“ oder „Post Break-Up Sex“, was aber auch durchaus als schöne Abwechslung zur kurzzeitigen Erholung angesehen werden kann. Ernsthaft stören kann sich an schönen Songs der Marke „Your Love Is My Favourite Band“ und „Nørgaard“ jedenfalls niemand, der einigermaßen offen für Anderes und Neues ist. Definitiv nicht zu leugnen ist ein äußerst charmantes Flair mit starken 90er-Vibes, als artverwandte Künstler könnten vergleichsweise etwa „The Killers“, die „Arctic Monkeys“, „The Strokes“ und „Kaiser Chiefs“ herangezogen werden. Die Highlights haben sich die Engländer aber wie üblich für den Schluss aufgehoben: „I Always Knew“, „If You Wanna“ und „All In White“ kommen sehr gefällig daher und sind echte Ohrwürmer. Wenngleich das Feedback des Publikums auch gelegentlich abgeflacht ist und verhalten wirkte, so zeigen die Besucher zum Ende dennoch höfliche Anerkennung und entlassen die Engländer nicht ohne dankbaren Beifall. Und tatsächlich boten „The Vaccines“ alles andere als schlechte Musik, nur waren sie vielleicht nicht unbedingt die beste Wahl, für ein Deutsch-Rock und -Punk orientiertes Publikum und heute zwischen kritischen Ansagen und harten Gitarren somit eher etwas unglücklich untergebracht.

 

„Donots“:

 

Als langjährige Wegbegleiter der Hosen und zugleich auch letzter Support vor der anstehenden Show jener mit viel Freude erwarteten Hauptband, stehen ab 19.20 Uhr die „Donots“ auf der Bühne. Die 1994 in Ibbenbüren bei Münster gegründete Formation begleitete schon vor einigen Jahren die restlos ausverkauften Stadion-Konzerte der „Ballast Der Republik“-Tournee und deren Finale in der Esprit Arena zu Düsseldorf. Die einhellige Reaktion des Publikums? Party pur! Kein Wunder also, dass der beliebte Fünfer, welcher natürlich auch jedes Mal eine eigene, starke Fanschar im Rücken hat, stets ein äußerst gern gesehener Gast auf diversen Musikveranstaltungen ist und auch nun wieder mit einem frenetischen Überschwall an Begeisterung begrüßt wird. Spätestens als Schlagzeuger Eike Herwig, Bassist Jan-Dirk Poggemann, die beiden Gitarristen Alex Siedenbiedel und Guido Knollmann, sowie Sänger Ingo Knollmann die Bretter stürmen, wird hier auch dem Letzten klar, dass es jetzt feinsten Punk-Rock auf die Ohren gibt! Noch ehe man sich versieht, geht es mit „Ich Mach Nicht Mehr Mit“ auch schon los. Die Menge taut sichtlich vollends auf und zeigt sich feierwütig, überall in den vorderen Bereichen herrscht mächtig Bewegung und auch auf den Rängen kommt gehörig Stimmung auf. Da wirkt das folgende „Keiner Kommt Hier Lebend Raus“ vom aktuellen Album „Lauter Als Bomben“ fast schon wie das kollektive Motto des heutigen Abends und so soll es in der nächsten Dreiviertelstunde weitergehen. Passend zum Anlass wird auch die große Videoleinwand genutzt und zeigt beispielsweise das Cover-Artwork des neuen Longplayers. Aber auch die Klassiker bleiben nicht auf der Strecke und so wird zum energetischen „Wake The Dogs“ allerorts wild auf- und abgesprungen, bei „Kaputt“ gemosht oder zum bekannten Hit „Stop The Clocks“ in Erinnerungen an bessere Zeiten geschwelgt. Im Refrain schnellen hunderte Arme in die Luft und schwenken im Takt, bis dann nur noch ein Meer aus Händen zu sehen ist. Gerade von der Tribüne aus ein unvergleichlich schönes Bild. Obwohl erst im Januar diesen Jahres neues Material geliefert wurde, liegt der Fokus eher auf „Karacho“ von 2015, was sich aber immerhin in ziemlicher Textsicherheit auf Seiten des Publikums niederschlägt. So erheben sich etwa bei „Dann Ohne Mich“ zahlreiche Stimmen und „Eine Letzte Letzte Runde“ wird getreu des Titels sogleich hautnah im Circle Pit gedreht. Dazu springt Knollmann kurzerhand über den ersten Wellenbrecher in die Menge hinein und sucht sich seinen Weg durch die dichten Reihen. Dort angekommen, leitet er die Zuschauer dazu an, sich aufzuteilen und dann in einem breiten Kreis um ihn herumzurennen, was nach kurzer Dauer hervorragend klappt und zur allgemeinen Eskalation beiträgt. Mit „Piano Mortale“ gibt es nun noch den Titeltrack der just erschienenen, gleichnamigen EP zu hören, welche nicht nur im Stream, sondern auch ganz nostalgisch als MC erhältlich ist. Auf „Problem Kein Problem“ folgt das bewährte „Twisted Sisters“-Cover „We‘re Not Gonna Take It“, welches vor der Kulisse eines jeden Stadions natürlich ganz besonders stimmungsvoll daherkommt. Generell kann hier angesichts dessen sowieso viel eher von einem vollwertigen Co-Headliner-Status die Rede sein, so wie hier gefeiert und zum abschließenden „So Long“ mitgesungen wird. Das Ende der Support-Rangliste und zeitgleich das, eines wirklich gelungenen Sets, wenngleich das Hauptaugenmerk unansprechbar eher auf den deutschsprachigen Nummern lag und somit leider einige lieb gewonnene Klassiker, wie beispielsweise „Calling“ oder „Dead Man Walking“ von „The Long Way Home“ und „Come Away With Me“ vermissen ließ. Aber keine Sorge, das alles kann natürlich auf den eigenen Konzerten der „Donots“ nachgeholt werden. Auch wenn der erste Tour-Teil bereits Ende März besiegelt wurde, so soll ebendiese neben den einschlägigen Festivals im Sommer noch bis Januar 2019 in die Verlängerung gehen. Die Termine sind demnach in Vorbereitung und wer so lange nicht warten will, der sichert sich einfach schon mal jetzt Tickets

für das „Grand Slam“ in Münster am 15.12.2018.

 

„Die Toten Hosen“:

 

Jetzt ist die Stunde endlich gekommen und die von allen Anwesenden lang herbeigesehnte Show des Headliners steht spürbar kurz bevor. Doch noch geht es auf den Brettern, die heute Abend die Welt bedeuten, genauso geschäftig zu, wie auch auf den Rängen des Stadions. Während zahlreiche Crew-Mitglieder die Instrumente der vorherigen Band abbauen, einige Verkabelungen vornehmen und letztmalig Scheinwerfer überprüfen, suchen hunderte Fans nochmal vorsorglich die Sanitäranlagen oder Getränkestände auf, um gleich auch ja nichts zu verpassen. Die Spannung ist zum Greifen nahe und wird wie gewohnt durch das traditionelle Warm-Up mit allseits beliebten Songs aus den Boxen weiterhin hochgehalten: Angefangen von „Nirvana“ und „Smells Like Teen Spirit“, über „Pennywise“ mit ihrer „Bro Hymn“, bis hin zur „Seven Nation Army“ der „The White Stripes“ steigert sich die vorfreudige Stimmung beständig in immer neue Höhen und erreicht spätestens beim heiteren „Song 2“ von „Blur“ und nicht zuletzt dem obligatorischen „Blitzkrieg Bop“ der „Ramones“ gar ihren vorzeitigen Höhepunkt, bevor die Hymne des FC Liverpool, „You‘ll Never Walk Alone“, unter den rund zwanzigtausend Fans schnell laute Chöre auslöst. Pünktlich um 20.45 Uhr ist dann ganz offiziell Anpfiff für die sommerlichen Open-Airs der Düsseldorfer Punk-Institution und ohrenbetäubender Jubel bricht von überall her los. Für die Rückrunde der aktuellen Konzertreihe wurde sogar extra ein neuer Intro-Kurzfilm konzipiert, der nun über die mächtige Leinwand im Hintergrund angespielt wird. Lieferten sich die Hosen dabei im vergangenen Jahr noch eine hitzige Verfolgungsjagd mit der Polizei im Comic-Look, so schlagen sich die einzelnen Mitglieder nunmehr zu exotisch anmutenden Klängen durch den bunten Dschungel ihres eigenen Cover-Artworks und entdecken zwischen einigen Kuriositäten schließlich eine Ortstafel mit der nicht zu übersehenden Aufschrift „Essen“ im tiefen Dickicht. Während nun an den beiden Pfeilern parallel die Flaggen mit dem Adler-Logo nach oben gezogen werden und die Band zum Ende des atmosphärischen Videos in heroischer Manier vor brennenden Tempelruinen posiert, laufen zeitgleich die Musiker zusammen auf dem Platz auf: Schlagzeuger Stephen George „Vom“ Ritchie, Bassist Andreas „Andi“ Meurer, die zwei Gitarristen Andreas „Kuddel“ von Holst und Michael „Breiti“ Breitkopf, dicht gefolgt von Frontmann Andreas „Campino“ Frege, der jetzt voller Energie von der einen zur anderen Seite der großen Bühne sprintet. „Guten Abend Essen!“, begrüßt er das tobende Publikum. Schon startet man mit dem Titeltrack des neuen Studioalbums „Laune Der Natur“, welches letzten Frühjahr nach einer längeren Pause das Licht der Welt erblickte und natürlich direkt auf den ersten Platz der Media Control Charts einstieg. Die anschließenden Jubelstürme verdeutlichen umso mehr: „Die Toten Hosen“ sind wieder „zurück auf dem Bolzplatz“, im wahrsten Sinne des Wortes! Und wie es sich für jenen stilecht gehört, darf hier das bezeichnende Fußball-Thema natürlich keinesfalls zu kurz kommen. Wie gut, dass die bekennenden Rheinländer mit dem „Auswärtsspiel“ da auch gleich die passende Hymne am Start haben, zu der im Innenraum nun fleißig die Fahnen geschwenkt werden. Apropos Hymnen: Von solchen hat man in weit über dreißig Jahren Bandgeschichte so einige gesammelt, weswegen das Live-Repertoire jedes Mal einem gewaltigen Rundumschlag gleichkommt. Das soll heute nicht anders sein und so geht es mit Favoriten, wie „Du Lebst Nur Einmal (Vorher)“ und „Niemals Einer Meinung“ ohne Pause weiter, bis „Die Schöne Und Das Biest“ kernige Western-Stimmung versprüht. Obwohl deutlich neueren Datums, könnte man anhand der Gesänge fast meinen, dass es sich hierbei ebenso um einen bewährten Klassiker handelt, wie beim darauf folgenden „Liebeslied“. Dass man aber nicht nur in Erinnerung an alte Zeiten schwelgen, sondern auch das Hier und Jetzt genießen sollte, belegt „Das Ist Der Moment“ ohne Umschweife und schafft es mit Leichtigkeit, die Feierlaune hochzuhalten. „Linkin spielen im Park, während wir in Essen sind!“, konstatiert Campino da nur freudig improvisierend und erzählt im Anschluss die Liebesgeschichte von „Bonnie & Clyde“. Immer wieder nutzen der nimmermüde Sänger und die dreiteilige Saitenfraktion dabei die unterschiedlichen Podeste aus, formieren sich etwa zum Geheul der Polizeisirenen am vorderen Rand in Nähe der ersten Reihe. 

 

Überhaupt ist der enge Kontakt zu den eigenen Fans sehr löblich, welcher erstaunlicherweise trotz der immensen Größe so mancher Location nach wie vor fest besteht. Die Hosen und ihre treuen Anhänger bringt eben nichts mehr auseinander, wovon auch das bekannte Leitmotiv „Bis zum bitteren Ende“ selbstbewusst kündet. Egal, seit wie vielen Jahren man auch dabei ist, es ist jedes Mal ein wenig wie nachhause kommen, wie ein „Altes Fieber“. Eine leidenschaftliche Reminiszenz an damals, jetzt und morgen. „Und immer wieder sind es die selben Lieder, die sich anfühlen, als würde die Zeit still stehen!“, aber wen stört das auch schon? Offensichtlich niemanden, absolut zurecht und so feiert man „Alles Was War“ genauso sehr, wie alles, was da noch kommen wird. Auch die leisen und nachdenklichen Töne sollen dabei nicht zu kurz kommen, denn nicht selten gibt es bei all dem Licht auch immer wieder Schatten. So widmet Campino die Ballade „Nur Zu Besuch“ etwa Wolfgang Michael „Wölli“ Rohde. Dem Mann, der ganze dreizehn Jahre lang als Drummer der Band fungierte und im Frühjahr 2016 verstarb. Auch hier können die Düsseldorfer auf den stimmlichen Rückhalt ihrer Fans zählen, unterstützt werden sie dabei von Pianistin Esther Kim und einem befreundeten Streichquartett aus Russland. Das selten gespielte „Unsterblich“ sorgt nicht weniger für Gänsehaut und „Eine Kleine Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart rüttelt dann wieder auf. Durfte bereits bei den Weihnachtsshows anno 2017 einer der jungen Männer hinter den Celli sein Gesangstalent zu „Highway To Hell“ unter Beweis stellen, ist dieses Mal der „AC/DC“-Evergreen „T.N.T.“ an der Reihe. Selbstverständlich singen da alle nur zu gerne mit, wen wundert es? Zum englischsprachigen „Pushed Again“ springt der Sänger gar kurzerhand in den Graben zwischen Publikum und Bühne, um erst den halben Platz zu umrunden und dann mitten in der jubelnden Menge weiterzusingen, im letzten Refrain entzünden dann an einigen Stellen fest installierte Bengalos ihre tiefroten Feuer und nebeln die Reihen ein. Eine sehr schöne Idee, dürfte, ob der zusätzlich verschärften Kontrollen, die ohnehin verbotene Pyrotechnik so mancher Fans schon am Eingang konfisziert worden sein. Während es am Himmel langsam zunehmend dunkel wird, schickt man mit der aktuellen Single-Auskopplung „Unter Den Wolken“ einen schönen Gruß nach oben und macht sich mit der exzellenten Lightshow einfach selbst ein eigenes Lichtermeer, das tragisch rockende „Alles Aus Liebe“ schließt sich ebenso an, wie auch der aktuelle Radio-Dauerrotationskandidat „Wannsee“ mit seinen leichtfüßig groovenden Reggae-Einflüssen. Wer will da schon noch ins „Paradies“, wenn der Weg dorthin so schwierig ist? Den Himmel auf Stadionboden hat man hier mit „Wünsch DIR Was“ immerhin sowieso schon. „Seid ihr bereit für ein kleines bisschen Horror-Show?“, fragt Campino als Wink mit dem Zaunpfahl zu „Hier Kommt Alex“ und ja, Essen ist ganz offensichtlich mehr als bereit dazu. Während eine apokalyptische Szenerie über die Leinwände zieht, nimmt der Fronter dann sein wortwörtliches Bad in der Menge, bevor „Freunde“ nicht nur den gegenseitigen Zusammenhalt skandiert, sondern auch das generelle Hauptset bei bester Laune beschließt. Doch wer die Hosen gut kennt, weiß, dass es das noch lange nicht gewesen ist...

 

Während jetzt alle Fans im Stadion nach einer Zugabe rufen, zeigen die beiden kleineren Leinwände zu den Seiten einen weiteren Kurzfilm, in dem sich das Totenkopf-Logo aus verschiedenen Komponenten langsam wieder zusammensetzt. Als das schließlich geschehen ist, richten sich lediglich zwei Scheinwerfer auf die Bühne, in deren schmale Lichtkegel nun Campino und Kuddel mit einer Akustikgitarre treten, um „Draußen Vor Der Tür“ zu präsentieren. Der melancholische Song, in welchem der Sänger die Beziehung zu seinem verstorbenen Vater aufarbeitet, wird, wie auch auf dem letzten Erfolgsalbum „Ballast Der Republik“, als einfühlsame Unplugged-Ballade dargeboten. Das autobiografische „Wie Viele Jahre (Hasta La Muerte)“ wirft abermals einen Blick auf die eigene Vergangenheit, stets versehen mit dem gewohnten Augenzwinkern. Im Hintergrund werden unterdessen zahlreiche Impressionen aus der langen Bandhistorie gezeigt, welche die sprunghafte Entwicklung zusätzlich verdeutlichen. Zu „Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist“ kann sich Campino eine bissige Bemerkung in Richtung des heimischen Vereins Rot-Weiss Essen nicht verkneifen und erntet dafür so einige Pfiffe, woraufhin er die Menge raubeinig-charmant beschwichtigt. Wie immer macht der Fronter hier keinen Hehl aus seiner Liebe zur Fortuna und doch springen nur wenig später alle gemeinsam zu diesem Mutmacher-Song, mit dem „The Yankees“-Cover „Halbstark“ endet dann der erste Zugabenteil anschließend schneller als gedacht. Wieder verlassen die Musiker für wenige Minuten die Bühne und noch immer will das Publikum mehr. Lange lassen die Düsseldorfer ihre Fans auch dieses Mal nicht warten und verschwenden keine Zeit. Zur ersten Strophe von „Alles Passiert“ illuminieren die Zuschauer lediglich mit ihren Feuerzeugen und Handys das gesamte Stadion, bis im ergreifenden Refrain schließlich auch auf der Bühne die Lichter wieder angehen. „Willkommen In Deutschland“ von der ikonischen „Kauf Mich!“ erfuhr durch seine Aufführung im Rahmen von „Entartete Kunst“ in Kooperation mit dem Orchester der Robert Schumann Hochschule erst vor wenigen Jahren eine runderneuerte Überarbeitung, die es auch jetzt zu hören gibt, mit „Verschwende Deine Zeit“ kehrt dann der rotzige Punk-Spirit früherer Tage wieder zurück. Das launige „Zehn Kleine Jägermeister“ und „Schönen Gruß, Auf Wiederseh‘n“ lenken vor der letzten kurzen Pause auf die Zielgerade ein. Wer die Live-Aktivitäten der Band regelmäßig verfolgt, weiß, dass diese erst kürzlich zwei Konzerte in China gab. Eine kleine Anekdote von dieser Reise gibt Campino jetzt zum Besten und berichtet vom nächtlichen Besuch einer Karaoke-Bar, in welcher er dazu überredet wurde, „Hey Jude“ von den „Beatles“ nachzusingen. Natürlich wollen alle die Interpretation des Originals hören und bekommen anschließend Gelegenheit dazu, bevor „Eisgekühlter Bommerlunder“ angestimmt wird. Ein ganz bestimmter Song, auf den heute viele Besucher gespannt gewartet haben, darf natürlich ebenfalls nicht fehlen: „An Tagen Wie Diesen“  wird ausgelassen wie eh und je zelebriert, im finalen Chorus zünden die Kanonen und hüllen das gesamte Stadion fortan in einen wilden Sturm aus hunderten Luftschlangen und Konfetti-Schnipseln. Wie immer ein höchst beeindruckender Moment! Zur finalen Hymne „You‘ll Never Walk Alone“ werden auf und vor der Bühne nochmal sämtliche Schals und Fahnen geschwungen, bis nach weit über zweieinhalb Stunden der Vorhang für die fünf Musiker und gut zwanzigtausend Fans unter gegenseitigem Applaus endgültig fällt. Während „Kein Grund Zur Traurigkeit“ aus den Boxen schallt, macht man sich so erschöpft wie glücklich auf den Heimweg und weiß, dass es in nicht allzu ferner Zukunft garantiert ein Wiedersehen geben wird. Vielleicht ja schon am 12. und 13.10.2018, wenn in der Esprit Arena zu Düsseldorf das Tournee-Finale ansteht. In jedem Fall: Bis dahin und zum bitteren Ende sowieso!

 

Setlist:

 

01. Intro

02. Laune Der Natur

03. Auswärtsspiel

04. Du Lebst Nur Einmal (Vorher)

05. Niemals Einer Meinung

06. Die Schöne Und Das Biest

07. Liebeslied

08. Das Ist Der Moment

09. Bonnie & Clyde

10. Altes Fieber

11. Alles Was War

12.Nur Zu Besuch

13. Unsterblich 

14. Eine Kleine Nachtmusik

15. T.N.T. („AC/DC“ Cover)

16. Pushed Again

17. Unter Den Wolken

18. Alles Aus Liebe

19. Wannsee

20. Paradies

21. Wünsch DIR Was

22. Hier Kommt Alex

23. Freunde

24. Draußen Vor Der Tür

25. Wie Viele Jahre (Hasta La Muerte)

26. Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist

27. Halbstark („The Yankees“ Cover)

28. Alles Passiert

29. Willkommen In Deutschland 

30. Verschwende Deine Zeit

31. Zehn Kleine Jägermeister

32. Schönen Gruß, Auf Wiederseh‘n

33. Hey Jude („The Beatles“ Cover)

34. Eisgekühlter Bommerlunder

35. Tage Wie Diese

36. You‘ll Never Walk Alone („Rodgers & Hammerstein“ Cover)

37. Kein Grund Zur Traurigkeit (Outro)

 

Impressionen:

 

Bastian Bochinski, "Bastian Bochinski Studios"

 

http://bastianbochinski.de

 

https://www.facebook.com/bastianbochinskifoto/

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