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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

U2 - „eXPERIENCE + iNNOCENCE"-Tour - Lanxess Arena, Köln - 04.09.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Lanxess Arena

Kapazität: ca. 20.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Ja

Homepage: http://www.lanxess-arena.de/startseite.html

Einleitung:

Es ist der 04.09.2018, ein junger Dienstag Nachmittag und zudem ein ganz besonderer Tag, auf den meine heutige Begleitung und ich uns schon sehr lange gefreut haben, seitdem wir vor einigen Monaten unsere Tickets im Vorverkauf erstanden. Leider nicht ganz ohne Ärgernis, denn fernab des fast schon unrealistisch hohen Preises von zweihundertdreißig Euro pro Karte in der ersten Sitzplatzkategorie, ereignete sich nur wenige Wochen vor der Veranstaltung plötzliche eine so unübliche, wie unvorhersehbare Senkung um rund die Hälfte des ursprünglichen Angebots. All jene, die also möglichst früh gebucht hatten, schauten nun grundlos benachteiligt in die Röhre. Auf die Nachfrage beim Anbieter „Eventim“ erfolgte die Weiterleitung zum namhaften Veranstalter „Live Nation“, der auf mehrmalige Nachfrage lediglich angab, dass solche kurzfristigen Entscheidungen, ähnlich der Reservierung bei Flügen, ganz in ihrem Ermessen lägen und vorkommen könnten. Ein abgefragtes Upgrade in die ursprünglich erworbene und (zu viel) bezahlte Kategorie oder die Erstattung der Differenz erfolgte nicht. Ein vollkommen indiskutabler Service, von dem wir uns die Vorfreude dennoch nicht nehmen ließen. Da das Konzert unter der Woche liegt und die Anreise nach Köln erfahrungsgemäß immer etwas länger dauern kann, haben wir uns heute etwas eher von der Arbeit verabschiedet und zudem den Mittwoch frei genommen. So stehen wir mit unseren Koffern nun am Hauptbahnhof Bochum und warten auf den ICE in Richtung Domstadt, welcher sodann auch schon bald überraschend pünktlich am Gleis einfährt. Die rund einstündige Fahrt verläuft ohne nennenswerte Probleme, nur kurz vor dem Düsseldorfer Flughafen befinden sich laut Durchsage wieder einmal Personen auf der Strecke. Aber auch dieses Problem wird nach einer guten Viertelstunde endlich aufgelöst und nachdem wir ab Leverkusen einen kurzen Regenschauer an uns haben vorbeiziehen sehen, sind wir schließlich in Deutz angekommen. Zwar haben sich die grauen Wolken noch immer nicht gänzlich verzogen, dafür bleibt es aber wenigstens trocken. Unser Gepäck im Schlepptau, geht es vorbei am Messegelände zu unserem Hotel, wo wir schon bald einchecken und unsere Zimmer beziehen können. Allzu viel Zeit bleibt jedoch nicht mehr, denn der Einlass steht bevor. Kurzerhand umgezogen, machen wir uns wieder auf den Weg zur nahegelegenen Lanxess Arena, in der heute das erste der beiden angesetzten Konzerte von „U2“ stattfindet. Ein von vielen Fans mit Zittern und Spannung gleichermaßen erwarteter Tag, musste Sänger Bono doch aufgrund gesundheitlicher Probleme die zweite Show in Berlin bereits nach dem fünften Song abbrechen. Ob heute alles gut geht? Bevor diese Frage später am Abend jedoch beantwortet werden soll, stellen wir uns erst einmal an einem der zahlreichen Ausschänke an und genehmigen uns ein kühles Kölsch mit Blick auf das rege Treiben, ehe wir uns schließlich vor dem Eingang einreihen. Einen kurzen Body-Check und eine routinierte Taschenkontrolle später, haben wir es auch schon geschafft und stehen im Foyer. Wie nun mal so üblich, geht es als erstes zum nächstbesten Merchandising-Stand, den wir finden können. Gut so, immerhin hat sich bereits eine große Menschentraube vor diesem zusammengefunden und frönt fleißig ihren Einkäufen. Neben einem klassischen T-Shirt mit den hinten aufgedruckten Tourdaten, gibt es unter anderem auch noch eines zum neuen Song „Love Is Bigger Than Anything In It‘s Way“, mit einem Live-Foto oder gar der gesamten Band darauf. Alles zum gehobenen Standardpreis größerer Acts von genau fünfunddreißig Euro. Wir entscheiden uns für das exklusive Event-Shirt zum Köln Gig, auf dem sowohl die Termine der beiden Konzerte als auch ein Megafon abgebildet sind. Weiterhin kommen noch ein überteuerter Schlüsselanhänger und das hochwertige Programmheft dazu. Noch ist bis zum Beginn etwa eine ganze Stunde Zeit und so sehen wir uns entspannt in der weitläufigen Arena um, umrunden den kompletten Unterrang, um die verschiedenen Perspektiven der 360°-Bühne auf uns wirken zu lassen und essen einen überraschend guten Burger vom lokalen Caterer, ehe wir später unsere Plätze aufsuchen. Es kann beginnen...

U2:

Bereits gegen 19.40 Uhr hat sich ein Großteil der Besucher gespannt im inneren Rund der gigantischen Lanxess Arena eingefunden, um ja nichts zu verpassen und gemeinsam auf das herannahende Ereignis zu warten. Laut den offiziellen Informationen im Internet und auf den Tickets ist der Beginn heute Abend für 20.00 Uhr angesetzt worden, einen Support gibt es, wie auch schon, 2015 nicht. Während nun die unerschütterliche Revoluzzer-Hymne „People Have The Power“ von Patti Smith aus den lokalen Boxen schallt, nehmen die Fans ihre vorfreudige Euphorie zum Anlass, kurzerhand eine große La-Ola-Welle nach der anderen zu entfachen, die fast ausnahmslos jeden Einzelnen ansteckt und für einige Durchläufe selbst bis in die obersten Ränge hinaufreicht. Doch soll sich die Ankunft der 1978 in Dublin gegründeten „U2“, die gemeinhin als „größte Band der Welt“ gelten, noch um rund eine halbe Stunde verzögern. Das Studioalbum „Songs Of Innocence“ erschien am 09.09.2014 und wurde zu seinem Release automatisch auf allen iTunes-Accounts vorinstalliert, was zu jener Zeit für einen regelrechten Skandal in den Medien sorgte, da sich viele Nutzern bevormundet sahen. Dem weltweiten Erfolg der vier Iren tat dieses Ereignis natürlich keinen Abbruch und so startete ab dem 14.05.2015 die „iNNOCENCE + eXPERIENCE“-Tournee, deren Höhepunkt acht aufeinanderfolgende Konzerte im berühmten Madison Square Garden zu New York sein sollten. Für Deutschland waren im Herbst unterdessen Shows in Berlin und Köln anberaumt, die in Paris aufgezeichnete Live-DVD des emotionalen Gigs, der unter anderem das tragische Drama um die Terroranschläge aufgriff, kam 2016 auf den Markt. Das zugehörige Co-Album „Songs Of Experience“, welches wie sein direkter Vorgänger konzeptionell von den zusammenhängenden Bänden des englischen Dichters William Blake inspiriert ist, sollte noch im Folgejahr veröffentlicht werden, verschob sich aber auf den 01.12.2017. Stattdessen tourte man zum dreißigjährigen Jubiläum von „The Joshua Tree“ durch die USA und Europa. Die aktuelle Konzertreihe steht demnach unter dem Motto „eXPERIENCE + iNNOCENCE“ und feierte ihre Premiere ab Anfang Mai in Tulsa, Oklahoma. Die markantesten Merkmale der bisher wohl aufwändigsten Produktion sind die generelle Aufteilung der Bühne in die eckige, breite „i“-Stage am einen und die runde, kleinere „e“-Stage am anderen Ende der Halle, welche beide von einem meterlangen Laufsteg miteinander verbunden sind und zudem von einer doppelseitigen, begehbaren LED-Wand überschattet werden. Das absolute Highlight der Show, das nun qualitativ aufgestockt wurde und somit ein noch schärferes Bild zeigen kann. Kein Wunder also, dass sowohl Spannung als auch Erwartungen im Publikum wirklich hoch sind. Gegen 20.24 Uhr ist es endlich soweit und unter lautem Jubel wird das Hallenlicht in der Arena beständig gedimmt, bis alles in Dunkelheit liegt. Nervös flirrende Partikel blitzen auf und kriseln langsam vom unteren Rand der riesigen Bildschirme in die Höhe, bis sie schließlich den gesamten Screen als gewaltiges Störbild einnehmen und sich unter beunruhigendem Dröhnen zu einem pulsierenden Röntgenbild in schwarz-weiß manifestieren. Plötzlich sind erschütternde Ausschnitte von brutalen Demonstrationen und faschistischen Aufmärschen zu sehen, gefolgt von bewegenden Nachkriegsszenarien, in denen ganze Städte in Trümmern, Schutt und Asche liegen. Darunter auch Berlin nach dem zweiten Weltkrieg.

Die Momentaufnahmen enden schlussendlich in der berühmten „Rede an die Welt“ von Charlie Chaplin aus „Der große Diktator“ aus 1940: „Es tut mir leid, aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen, noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen. Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen. Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Missgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert!“. Abschließend schallen letzte Worte wie ein erhellender Hoffnungsschimmer durch die scheinbar unendliche Finsternis und bleiben tief im Gedächtnis haften: „Ihr dürft nicht verzagen! Auch das bittere Leid, das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein. Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen und auch ihr Hass. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen h