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NEUESTE
BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

[:SITD:] - Fix8:Sëd8 - Schattenmann (2019)


[:SITD:] - Stunde X (2019)

Genre: Electro / Alternative

Release: 10.05.2019

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Minuswelt (Soulfood)

Spielzeit: 61 Minuten

Fazit:

Gute Nachrichten aus dem Hause „[:SITD:]“: Die Band aus dem Ruhrgebiet hat soeben erfolgreich die Aufnahmen an ihrem achten Studioalbum, das den Titel „Stunde X“ tragen wird, beendet! „Stunde X“, ein Neuanfang? Nicht ganz, denn die Band ist die Gleiche, aber der Sound hat sich verändert, frischer, moderner, weg vom festgefahrenen. Mit neuem Label und neuer Booking Agentur im Rücken melden sich „[:SITD:]“ im Mai mit dem neuen Studioalbum „Stunde X“ zurück. Gleich elf neue Songs lassen „[:SITD:]“, um ihren charismatischen Frontmann Carsten Jacek auf ihre Fans Los. Was hat sich geändert? Der Auftritt der Band ist nicht mehr ganz so düster, so brachial, helles Cover-Artwork, leicht modifiziertes Logo und ein frischer Sound stehen „[:SITD:]“ gut zu Gesicht. Textlich wechseln sich deutschsprachige und englischsprachige Songs ab und auch der Club-Aspekt kommt, wie auf jedem „[:SITD:]“-Album, keinesfalls zu kurz! Schon die, bereits ausverkaufte, erste Single „Sturmlicht“ zeigt die Richtung. Mit „[:SITD:]“ geht es vorwärts, die Segel sind gesetzt! Der bereits mit Spannung erwartete Nachfolger des 2017er Werks „Trauma: Ritual“ wird am 10.05.2019 über Infacted Recordings als Download und im aufwändig gestalteten Digipak veröffentlicht werden.

Wie der hier weiter oben aufgeführte Pressetext schon angedeutet impliziert, ist dieses Mal auf dem nunmehr achten Studioalbum der beliebten Formation aus Nordrhein-Westfalen so einiges anders als bisher, jedoch ohne, dass die auszeichnenden Trademarks dabei verleugnet würden. Einen ersten Eindruck davon kann sich der geneigte Hörer bereits beim Opener namens „Greater Heights“ verschaffen, der in seiner gesamten Machart wohl durchaus als klassisches Exempel zu bezeichnen ist. Es ist ein typisch tanzbarer Future-Pop-Song im getragenen Mid-Tempo, in dessen kraftvollem Rhythmus zwar so einige sphärisch betörende Elemente innewohnen, aber der gerade durch seinen mächtigen Refrain nichts an gewohnt druckvoller Manier einbüßt. „God’s Blessing“ konzentriert sich auf eine weitere Stärke aus dem Hause „[:SITD:]“ und präsentiert sich in seiner Gangart nun deutlich härter. Technoid gestimmte Beats flackern zum roh krachenden, minimalistisch gehaltenen Bass auf schlagen ohne Gnade sofort in die Industrial-Kerbe - Futter für die Clubs! Im Gegenzug dazu entschleunigt „Revelation“ danach wieder um ein Vielfaches und verkehrt die gebündelte Atmosphäre mit seiner friedlichen Melodiösität aus perlenden zart Synthies und angedeuteten Harfen, in reumütig vorgetragene Melancholie. Die bereits gegen Ende April vorab veröffentlichte Single „Sturmlicht“ macht ihrem Titel alle Ehre. Hier trifft ein industriell geprägter Sound gegensätzlich auf sanfte Klangwelten, stimmig geeint durch den komplett in deutscher Sprache vorgetragenen Text. Die ungewohnt poppige Manier sorgt für schnelle Eingängigkeit, gewinnt dabei aber nie zu sehr die Oberhand und wird immerzu mit roher Schlagseite kombiniert, wodurch das Gewicht zwischen altbekannter Schroffheit und süßlicher Catchyness perfekt austariert wird, ohne eine der beiden Seiten überwiegen zu lassen. Deutlich weniger vorhersehbar und trotzdem ungemein vertraut, erklingt danach das stark einnehmende „Drowning In The Flame“, das musikalisch schnell an bekannte Genre-Vertreter wie beispielsweise „VNV Nation“ zu erinnern vermag. Die wohl größte Neuerung findet sich im Gesang, welcher passgenau auf die harmonische Melodieführung mit ausnahmslos cleanen Passagen bedacht wurde. Das rein instrumental gehaltene „Symptom“ überrascht sodann abermals mit andersartigen Versatzstücken und sogar kantig arrangiertem Dubstep! Das sich anschließende „Olymp“ treibt jedoch wieder im vertrauten Fahrwasser und rundet schwer donnernde Bass-Linien mit ebenso weich konterkarierenden Electro-Flächen ab, wie auch „Miscreed“, dessen angetäuschte Anschmiegsamkeit stets von kleineren Industrial-Einschüben durchzogen ist, um ab der Mitte dann mit einem prekär einschneidenden Break aufzuwarten. Auch „Benediction“ nimmt sich dem facettenreichen Aufgebot der sorgsam erweiterten Sound-Palette an und spickt die dumpf stampfenden Rhythmen mit deinem Details. Die tanzbare Nummer erinnert in ihrer hintergründigen Grundierung dezent an den bekannten Tanzflächen-Hit „Snuff Machinery“, wenngleich auch weniger antreibend und lässt insbesondere durch die eindringliche Stimme Jaceks dunkle Sehnsucht aufkommen. Das energetisch aufgeladene „Grenzenlos“ schlägt mit pochenden Beats und rasant abgefeuerten Bässen um sich, verbleibt düster und emotional zugleich. Mit fast zehn Minuten an reiner Spielzeit markiert der Track gar einen der längsten „[:SITD:]“-Songs überhaupt und entfaltet sich als wahres Epos, das dabei jedoch keine einzige Sekunde zu lang geraten zu sein scheint, sondern das Hörerlebnis nur noch umso mehr intensiviert. Das elektrisierend symphonische „Orbiter“ lässt das Album dann mit dosierter Dramaturgie und dem gewissen Quäntchen schwarzer Theatralik bedächtig ausklingen, balanciert zwischen brodelnder Unruhe und in sich ruhender Meditation. Fürwahr ein würdiger Abschluss! Es wurde nicht zu viel versprochen: Das achte Album der bewährten Bochumer Szene-Institution kommt mit noch mehr Gefühl und kompositorischer Raffinesse in allen nur erdenklichen Belangen daher, was viele der Songs zwar deutlich andersartig, aber eben auch ausgefeilter werden lässt. Dabei liegt der Fokus nun oftmals auf etwas vielschichtigeren Arrangements, die ein mehrmaliges Hören unabdingbar machen, dem Hörer dafür dann aber umso mehr geben. Die „Stunde X“ hat längst geschlagen!

Informationen:

https://www.sitd.de

https://www.facebook.com/SITDofficial/

Fix8:Sëd8 - Warning Signs (2019)

Genre: Electro / Alternative

Release: 14.06.2019

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Dependent (Alive)

Spielzeit: 65 Minuten

Fazit:

Nach dem Erfolg seines 2017er Albums "Foren6" steht Martin Sane mit seinem Electronic- / Industrial-Projekt „Fïx8:Sëd8“ kurz davor, aus seinem selbstgestricktem Szene-Kokon auszubrechen. Denn „Fïx8:Sëd8“ hat das Potenzial, jenes ganzheitliche Musikprojekt zu werden, das eine langerhoffte Wiederbelebung des traditionellen elektronischen Industrial-Sounds anführen könnte, der früher von Kult-Acts wie „Skinny Puppy“, „Front Line Assembly“ oder „Mentallo & The Fixer“ in den 90er Jahren unterstützt wurde. Während wir diese Info schreiben, tourt Martin Sane zusammen mit den Label-Kollegen „2nd Face“ durch Südamerika (!) und bereitet gleichzeitig seine europäischen Tour-Aktivitäten für dieses Jahr vor. Es ist diese Stille vor dem gutvorbereiteten Sturm, die dazu beitragen könnte, "Warning Signs" zu einer der stärksten Oldschool-Elektronik-Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit machen könnte. Die Anzeichen verdichten sich bei "Warning Signs" auf mehr als nur eine Art und Weise: Martin Sanes Indizien für die Frühwarnzeichen eines dystopischen Abschwungs unserer friedlichen Gesellschaften finden sich fast täglich in unseren Nachrichten wieder. Der Begriff der Unsicherheit und Angst beginnt an verschiedenen Orten auf der Erde: Von Nordamerika über Europa bis Südostasien zu wachsen. Sein neues Album ist der Soundtrack zu diesem modernen, dystopischen Untergang, den wir lieber ignorieren, als dass wir uns ihm stellen würden. Musikalisch ist "Warning Signs" so altmodisch, dass man es fast als "Retro-Industrial"-Album bezeichnen könnte, da es alle Zutaten enthält, die den Industrial in den 80er Jahren so spannend machten: Vocal-Samples, komplexe Drum-Programmierung und großformatige Stringsounds gemischt mit Strukturen, die an alte „Skinny Puppy“-Kultstücke wie "Inquisition" oder "Addiction" erinnern. Wie ihre Originale brauchen aber die „Fix8“-Songs wiederholtes Zuhören, um sich in die Musik zu versenken und ihr komplettes Potenzial in unseren Köpfen entfalten zu lassen. Und doch findet Sane zwischen den großen kanadischen Altmeistern seinen eigenen Stil und seine eigene Version von elektronischer Eindringlichkeit, die schon fast wieder mit einem stoischen Selbstvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten besticht. Aber was am meisten erstaunt, ist der Widerspruch zwischen dem Thema des Albums und seinem Klang: Wie kann etwas, das so "retro" klingt, auf einen Status Quo zugeschnitten sein, der so treffend unsere Jetztzeit beschreibt? Können wir es uns noch leisten, diese Warnzeichen zu ignorieren? Das neue Album „Warning Signs“ erscheint am 14.06.2019 als Download, CD-Version mit sechzehnseitigem Booklet und als auf 333 Einheiten limitiertes Hardcover-Artbook mit der exklusiven 4-Track-EP „Aftermath“ über Dependent Records.

Das eröffnende „Embolism“ schält sich in all seiner dunkel-majestätischen Erhabenheit gleich zu Beginn quälend langsam und in schleppendem Tempo aus seinem finsteren Kokon, was der spannungsgeladenen Entfaltung jener bedrohlichen Atmosphäre nur umso zuträglicher ist. Immerzu von sakralen Samples und retro-futuristischen Vocoder-Sounds zerrissen, wabern jetzt beständig pointiert eingesetzte Industrial-Beats umher und erschaffen aus dem bloßen Nichts eine nihilistische Klang-Collage von gar mörderischem Ausmaß. Das ist der Stoff aus dem wahre Albträume gemacht sind! Bereits die zweite Single-Auskopplung „Parasite Paradise“ differenziert sich von diesem schwer walzenden Einstieg und wandelt sodann auf deutlich melodischeren Pfaden. Viel mehr klingen die Synthies nun klar und hell, stilsicher und doch konträr auf der Basis unterkühlter Elektronik wandelnd, die hier ein sonderbar wechselhaftes Spiel der diffusen Gegensätzlichkeit aufbietet. Bei „Empyrean“ könnte man ob der technischen Finessen glatt meinen, just eine Schallplatte aufgelegt zu haben, wenn sich zur verstörenden Melange aus einem verfremdeten Stimmengewirr, epochalen Chören, undefinierbaren Geräuschen und einem dumpf prügelnden Bass schließlich eine beunruhigende Stimmung ausbreitet. Die zielgerichteten Vibes verweisen in all ihrem düsteren Minimalismus klar auf die 80er und lassen trotz aller gefühlsmäßigen Isolation so etwas wie ein temporär sicheres Gefühl von wohliger Nostalgie und vertrauter Heimat aufflackern. „Syringe Relation“ setzt hingegen auf gewaltigen Bombast mit einem kleinen Touch erdrückender Melancholie. Der stark verzerrte, aggressive Gesang und die maschinellen Voice-Samples wirken nahezu erdrückend und lassen mitunter Parallelen zu den Ursprüngen des Industrial-Kults aufkommen. Vor diesem sperrigen Hintergrund mutet „Funeral Dirge“ fast schon eingängig an, was vor allem darin begründet liegt, dass das Arrangement hier weitaus weniger komplex und vertrackt ist. Das sorgt zeitweise sogar für einige Tanzbarkeit und endet schließlich in einem sphärisch beschwingten Outro, doch schon „Within Cells Interlinked“ kommt danach wieder weitaus harscher daher. Zum treibenden EBM-Beat mischen sich immer wieder verspielte Elemente unter und pushen die schnell hypnotisierende Macht in gänzlich neue Höhen. Jener Gangart nimmt sich auch „Love“ an, wenn auch auf eine Art und Weise. Zwar verbleibt der grundlegende Rhythmus mit einigen Breakbeats im gerade aufgezogenen Muster, dafür tönt der gebündelte Sound ungleich weicher und fast schon samtig, spielt geradezu mit der von facettenreichen Effekten verfeinerten Stimme, was fortwährend zu einem intensiven Hörerlebnis sondergleichen führt - Sehr schön! Mit nur knapp zweieinhalb Minuten ist „The Sceptic“ der kürzeste Track des gesamten Albums. Hier regieren insbesondere der taktgebende Drum-Computer im lebendigen Einklang mit einer feinen Programmierung und verschiedensten Samples, wodurch das ungemein knapp bemessene, aber dennoch sehr atmosphärische Stück viel eher einem stimmungsvollen Interludium gleichkommt, das scheinbar allein darauf zu warten scheint, die Tore für „Depression Deity“ weit aufzustoßen. Wie der Titel es bereits vermuten lassen könnte, nimmt die ohnehin schon dichte Düsternis hier nochmal weitaus kräftigere Züge an, breitet sich weiter aus und droht den Hörer dann in all ihrer Aussichtslosigkeit zu verschlingen und auch „Tunnel Vision“ schickt sich mit seiner dreckig-rohen Schlagseite an, jedes noch so kleine Quäntchen im Keim ersticken zu wollen. Der finster dröhnende Sound aus rasant peitschenden Beats, extrem donnernden Bässen und beängstigenden Klängen sorgt für eine spannende Trance-Dynamik, der sich so schnell niemand mehr entziehen kann... Doch, wer will das auch schon!? Das im Kern von einem gewaltig hämmernden Amboss erfüllte „Futile Attempts“ steuert schon nach kurzer Zeit in eine vollkommen andere Richtung. Wieder einmal verleugnet Sane die stark inspirativen 80er-Wurzeln nicht und entsendet damit ein wirklich charmantes Retro-Feeling, das schon bald einen enorm packenden Groove mit sich bringt, im Mittel-Part jedoch dramatisch ausgebremst wird. Es lebe der Kontrast! Das Schlusslicht bildet dann der Titeltrack „Warning Signs“, welcher sich zuerst ausreichend Raum für einen ausladenden Aufbau lässt. Ein bitterböse pulsierendes Konzentrat, dessen unleugbarer Höhepunkt das undurchschaubare, in sich verschachtelte Arrangement selbst ist, das sich immerzu mächtig aufbaut und folglich unberechenbar in seine verschiedenen, neuen Parts übergeht. Grandios! Gigantisch brodelnde Klangkulissen, konzipiert ausgefeilte Sound-Tüfteleien und ungewöhnlicher Dark Electro: Das ist „Fix8:Sëd8“ anno 2019, wahrscheinlich so dermaßen einnehmend, wie niemals zuvor. Jede einzelne Komposition gestaltet sich als wahnwitzig komplex und spinnt darüber hinaus eine authentische Retrospektive zu vielen weiteren, gegensätzlichen Stilistiken und einer beeindruckend passenden Sound-Ästhetik der 80