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  • Christoph Lorenz

Amphi Festival - Tag I - Tanzbrunnen, Köln - 20.07.2019


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Tanzbrunnen

Kapazität: ca. 12.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.amphi-festival.de

Samstag, 20.07.2019 - Amphi Festival Tag 1:

Wir schreiben Samstag, den 20.07.2019 und eigentlich gibt es dieses eine Mal vorab gar nichts Besonderes, Ungewöhnliches oder Kurioses zu berichten, was ja auch durchaus seine guten Seiten hat. Gegen 09.00 Uhr morgens steige ich am Hauptbahnhof Bochum in den ICE in Richtung Köln, der tatsächlich pünktlich und ohne jegliche Verspätung am Gleis einfährt. Da ich in diesem Jahr nicht am exklusiven Zusatz-Event „Call The Ship To Port“ am Vortag teilgenommen habe, reise ich also erst zu Beginn des regulären Programms an. Das ist im Kern zwar ein wenig stressiger, spart aber auch unnötige Zusatzkosten ein. Bereits eine gute Stunde später steige ich mit meinem Koffer am Zielort aus und navigiere mit dem Handy in der anderen Hand zum Hotel, das glücklicherweise nicht allzu weit entfernt liegt. Da ich für den Check-In viel zu früh dran bin, unterschreibe ich schnell alle notwendigen Unterlagen und lasse mein Gepäck von einem der Mitarbeiter bis zum Abend einlagern, bevor es dann mit dem Taxi endlich zum Tanzbrunnen geht. Das Wetter ist, wie hier im Sommer üblich, ausgezeichnet und dabei trotzdem nicht so drückend heiß, wie in den Vorjahren. Schon auf dem Weg durch den Stadtteil Deutz sind zahlreiche Besucher zu sehen, die zweifellos dasselbe Ziel ansteuern. Die Domstadt trägt an diesem Wochenende wieder Schwarz! Mein Fahrer ist wirklich nett und stellt praktisch ohne Unterlass interessierte Fragen zum Festival, der Musik und dem Publikum, da er erst seit kurzem in Köln arbeitet. Am Gelände angekommen, begebe ich mich direkt zur Tageskasse, an der auch die Gästeliste ausliegt und nenne meinen Namen. Auch hier klappt alles ohne Probleme. Nachdem ich mein gelbes Presse-Bändchen ums Handgelenk gelegt bekommen habe und die Tasche vorschriftsgemäß kontrolliert worden ist, passiere ich die Tore. Endlich wieder zurück, ein bisschen wie nach Hause kommen... Hallo Amphi Festival 2019!

Mainstage, 11.00 Uhr - Seelennacht:

Guten Morgen, Amphi Festival 2019! Wie doch die Zeit vergeht... Kaum hat man den ehrwürdigen Toren des Tanzbrunnens im vergangenen Sommer den Rücken zugedreht, ist es auch schon wieder soweit und man steht erneut vor der Hauptbühne auf dem sonnigen Gelände mitten in Köln-Deutz. Obwohl die hohen Temperaturen bereits jetzt leicht an der 30er-Marke kratzen, ist das Wetter doch gefühlt um einiges erträglicher, als noch in den vergangenen Jahren. Es ist angenehm warm, aber eben nicht unerträglich heiß. Eine gute Grundlage, um den Einstieg ins diesjährige Programm zu begehen. Noch weit bevor das Theater oder die Orbit Stage, welche dieses Mal einem gediegenen Wasserspiegel sei Dank nahe des Hauptgeländes vor Anker liegt, ihre Tore öffnen, gebührt „Seelennacht“ die große Ehre, das Festival-Wochenende nach einer ausführlichen Anmoderation zu eröffnen. Das 2008 in Baden-Württemberg gegründete Duo aus Keyboarder René Wedekind und Sänger Marc Ziegler beschreibt seinen Stil als „Dark Romantic Electro-Pop“ und soll damit Recht behalten. Die stark eingängigen Songs, wie etwa der powernde Opener „Vorwärts“, „New Visions“, „Fährmann“ oder „Neuzeit“, besitzen nicht allein nur einen dunkel-poppigen Touch, sondern sind zudem lyrisch allesamt von berühmten Literaturvorlagen eines Jules Vernes oder H.G. Wells inspiriert und behandeln vornehmlich zwischenmenschliche Sehnsüchte, Träume und auch Ängste mit einem gewissen Hauch stilistischer Steampunk-Romantik. Das alles führte in den nunmehr elf Jahren des erfolgreichen Bestehens zu insgesamt fünf Singles, eine EP und fünf Longplayern bei stetig steigender Beliebtheit, was gerade Tracks wie „Aftermath“ oder „Die Zeit Zurückdrehen“ beweisen, die allesamt echtes Hit-Potential in sich bergen. „Keeping Hope“ setzt an diesem frühen Morgen nach etwa vierzig Minuten den perfekten Schlussakzent und lässt für die beiden einnehmenden Musiker hoffen, dass sich folglich noch einige Hörer mehr der abenteuerlichen Reise ins schwarze Seelenleben anschließen werden.


Mainstage, 12.10 Uhr - Erdling:

Um 12.10 Uhr ist es auch schon an der Zeit für die zweite Band auf der Mainstage und wie das rege Besucheraufkommen zu dieser frühen Stunde vermuten lässt, haben sich tatsächlich so einige Gäste auf diesen Act gefreut. Kein Wunder, immerhin haben die vier sympathischen Musiker von „Erdling“ seit ihrer Gründung im Jahr 2015 mit insgesamt drei Studioalben gehörig vorgelegt und konnten sich unter anderem als Support von echten Szene-Urgesteinen wie etwa „Megaherz“ vor einem größeren Publikum unter Beweis stellen. So ist es nur allzu verständlich, dass die vorfreudige Menge die Bayern zum energiegeladenen Opener „Mein Element“ mit reichlich Applaus und Bewegung in den vorderen Reihen herzlich Willkommen heißt. Dass das für einen gebührenden Festival-Auftakt aber noch lange nicht ausreicht, stellt Sänger Nils „Neill“ Freiwald gleich zum folgenden „Du Bist Soldat“ herausfordernd fest. „Einen wunderschönen guten Morgen, Amphi! Das hätte jetzt doppelt so laut sein können, da geht doch noch mehr, oder?“, lacht er und erkundigt sich danach weiter. „Wer war schon mal bei uns auf dem Méra Luna dabei? Und wer hat uns vorher noch nie gesehen? Na, dann schauen wir mal, dass die Familie heute noch größer wird, oder? Schön, dass ihr alle da seid. Wir machen jetzt noch so eine halbe Stunde und gehen dann mit euch zusammen einen trinken, aber vorher müsst ihr noch ein bisschen mitmachen und singen, okay? Dann probieren wir das gleich mal aus!“. Gesagt, getan. Zur selbstbetitelten Hymne „Erdling“ darf jener Bandname nach dem Anzählen gleich mehrmals lauthals skandiert werden und auch das romantisch rockende „Supernova“ vom zweiten Ableger kommt gut an, was auch das Quartett freudig bemerkt. „Dankeschön, wir haben echt lange nicht mehr so viel Spaß gehabt!“, grinst Freiwald zu seinen Kollegen und lädt danach mit dem „Tieftaucher“ zu einer kleinen Abkühlung ein, ehe sich Köln stimmlich wie der berühmte „Phönix“ aus der Asche erhebt. Man solle sich schon mal für die befreunden Kollegen von „Lord Of The Lost“ warm machen, so heißt es. „Lasst uns heute alle eine Sprache sprechen!, lautet dann die klare Ansage zu den aktuellen Singles „Wir Sind Midgard“ und „Im Namen Der Krähe“ vom kommenden Album „Yggdrasil“. Sichtlich erschöpft gesteht Freiwald, dass letzterer Titel auf dem vollendeten Release eigentlich ein Duett ist: „Man muss dazu sagen, dass normalerweise noch ein Gastsänger dabei ist, der mich gesanglich etwas entlastet, nämlich Robse von „Equilibrium“...“, erzählt er und knüpft an. „Lasst uns mal etwas versuchen. Wir gehen mal alle kurz in die Hocke. Ah, einige verdrehen jetzt schon ihre Augen. Ihr wisst gar nicht, wie scheiße das eigentlich aussieht, wenn man als Einziger steht!“, motiviert er auch die letzten Zögernden, zum finalen Hit „Blitz Und Donner“ im Takt zu springen, während er eine große Fahne mit dem Band-Logo darauf schwingt. „Dankeschön, Amphi und viel Spaß noch heute!“, verabschieden sich „Erdling“ gutgelaunt nach dem obligatorischen Foto vor der jubelnden Menge und lassen ein rundum glückliches Publikum zurück.