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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Amphi Festival - Tag II - Tanzbrunnen, Köln - 21.07.2019


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Tanzbrunnen

Kapazität: ca. 12.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.amphi-festival.de

Samstag, 20.07.2019 - Amphi Festival Tag II:

Mainstage, 11.00 Uhr - Hell Boulevard:

Amphi Festival 2019, die Zweite! Der Auftakt des zweiten Tages gebührt einer jungen Band, die seit geraumer Zeit kaum mehr aus der schwarzen Szene wegzudenken ist: „Hell Boulevard“. Wenig verwunderlich, immerhin verdingten sich die bei NoCut Entertainment unter Vertrag stehenden Schweizer just als Support-Act von namhaften Bands, wie etwa „Mono Inc.“ oder „Lord Of The Lost“ auf deren beider vergangenen Tourneen und haben mit ihrem aktuellen Album „In Black We Trust“ starkes Material im Gepäck. Das energiegeladen rockende „As Above So Below“ heizt den müden Gliedern an diesem frühen Morgen auch schon direkt ein, danach geht es mit dem krachenden „Satan In Wonderland“ und „Bitch Next Door“ gleich weiter. Die vier Musiker aus Schlagzeuger Dee Dammers, Bassist A.Ve, Gitarrist Von Marengo und Sänger vDiva, die allesamt unter Pseudonymen auftreten, spielen recht eingängigen Dark Rock mit teils exzentrischen Glam-Elementen. „Goth‘n‘Roll“, wie das junge Quartett seine eigens kreierte Sparte passend nennt. Tatsächlich liegt ein bisschen 80er-Feeling in der Luft, wenn moderne Metal-Einflüsse kurzweilig auf kultige Trash-Vibes treffen, so auch beim charmant präsentierten „Love Is Dead“ oder der überraschenden Britney Spears-Adaption von „Baby One More Time“, die gerade durch ihren hohen Klischee-Faktor jetzt vielerorts die Stimmung weiter anhebt. Da kommt ein trotziges „Zero Fucks Given“, samt der launigen Forderung nach erhobenen Mittelfingern, „My Dead Valentine“ oder auch der hymnenhafte Titeltrack schon klassischer und weitaus bekömmlicher daher. Allgemein wirken „Hell Boulevard“ spätestens seit der letzten Support-Tour mit Chris Harms und Co. nun um einiges sicherer und routinierter, als noch einige Monate zuvor, was sich auch heute wieder an den Reaktionen des Publikums abzeichnet, das definitiv seinen Spaß mit der rundum soliden Show hatte. Erste eigene Fans bringen die Schweizer ohnehin bereits mit, wie die Textsicherheit mancher Gäste bewies und es ist kein Zweifel daran, dass an diesem Morgen einige Weitere dazugekommen sind. So darf‘s doch gerne weitergehen, oder?

Mainstage, 12.10 Uhr - Ost+Front:

Fleisch am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen! Das könnte man wohl zumindest meinen, wenn man die ungemein hohe Besucherzahl vor der Mainstage zu dieser noch recht frühen Stunde in Augenschein nimmt. Das bemerkt auch Dr. Mark Benecke, der bei seiner Moderation auf den großen, vor dem Mikrofonstativ positionierten Scheinwerfer voller Blutspuren als „gutes Vorzeichen“ verweist und den Wunsch der Band kundtut, die Show auch via Social Media zu verbreiten. „Trotz einem Kreuz im Namen sind sie keine christliche Band... Es gibt auch ein paar echt interessante Kooperationen mit zwei Bands, die hier gestern schon gespielt haben. Zum Beispiel einen Remix von „Blutengel“ oder auch eine Zusammenarbeit mit „Hocico“. Für heute gibt’s keine Wetterschwierigkeiten, es bleibt sonnig. Liebe Besucher und schwarze Seelen, egal ob fröhlich, traurig, groß oder klein, dick oder dünn: Hier kommen, das ist übrigens die Meinung der Band, die Könige des schlechten Geschmacks!“, verkündet er zwinkernd und überlässt das Feld von nun an den Berliner Skandal-Rockern von „Ost+Front“. Die Fans jubeln, als Keyboarderin Eva Edelweiss die Mainstage mit einer Krücke betritt, in ihren Händen ein kleines Holzschild mit der Aufschrift „Ich bin hier unfreiwillig!“. Das begeisterte Publikum ist hier hingegen wohl alles andere als unfreiwillig, denn anders ist es nicht zu erklären, welch herzlichen Empfang man Schlagzeuger Fritz Knacker, Bassist Wilhelm Rotlauf, sowie den beiden Gitarristen Otto Schmalzmann und Siegfried Helm in den folgenden Sekunden bereitet. Spätestens, als Mastermind Patrick „Herrmann Ostfront“ Lange zum energiereichen Opener „Adrenalin“, dem Titeltrack des aktuellen und insgesamt vierten Studioalbums, in einen dunklen Ledermantel gehüllt hinzutritt, kennt Köln absolut keinerlei Halten mehr und feiert ausgelassen die anrüchige „Fiesta De Sexo“, welche Edelweiss und Lange wie gewohnt im Duett darbieten. Leider ist die Technik während dieser ersten beiden Songs nicht aufseiten der sechs Hauptstädter und so ist vom tiefen Gesang zunächst nicht viel zu hören. Zur Jubiläumshymne „10 Jahre Ost+Front“ scheint das temporäre Problem zum Glück aber wieder in den Griff bekommen worden zu sein und so grölen alle voller Innbrunst mit, um die Verbundenheit von Band und Fans gebührend zu unterstreichen. Der stetig ansteigende Erfolg gibt den Musikern recht: Zahlreiche Besucher tragen auch heute wieder die passenden Shirts, sind ungemein textsicher und mit dem neuen Material augenscheinlich ebenso sehr vertraut, wie mit älteren Klassikern. So darf sich „Ost+Front“ beispielsweise beim blutrünstigen Horror-Epos nach einer wahren Begebenheit, genannt „Denkelied“, das von Schmalzmann stilecht in Metzgerschürze und Hackebeil visuell unterstützt wird, etwa im Refrain über einen großen Zuschauer-Chor freuen, der sich dann beim punkigen „Bruderherz“ nur umso mehr fortsetzt. Zu „Freundschaft“ bekommen die sechs Frontler abermals Unterstützung durch Alternative-Model Melody Aurora, die im Latex-Outfit vor dem ersten Wellenbrecher das hier besungene, „gelbe Gift“ aus einem Katheter an durstige Kehlen verteilt, bei „Ich Liebe Es“ wird Edelweiss hingegen traditionell nach allen Regel der Kunst vom Band-Oberhaupt gedemütigt und malträtiert. Das zynische „Mensch“ und das poppig-harte „Heavy Metal“ führen danach leider schon zur Zielgeraden, die mit dem finalen Hit „Bitte Schlag Mich“ und vielen schwarzen Ballons im Infield schließlich übertreten wird, wie auch an diesem Mittag so manche Grenze des guten Geschmacks... „Ost+Front“ haben also mal wieder nicht zu viel versprochen!

Mainstage, 13.25 Uhr - The Beauty Of Gemina:

Irgendwann gerät wohl jeder Festivalbesucher einmal an den unausweichlichen Punkt, an dem er vor einer Entscheidung zwischen zwei Bands steht, die beide parallel spielen. In meinem Fall sind es jetzt sogar gleich drei Künstler, also das berühmte Worst-Case-Szenario schlechthin. „The Beauty of Gemina“, die ich schon lange nicht mehr live gesehen habe und sehr schätze, werden schon in wenigen Minuten die Hauptbühne bespielen, doch schon knapp zwanzig Minuten später lädt auch die MS RheinEnergie mit dem ambitionierten Projekt von Martin Sane, „Fïx8:Sëd8“, an Deck ein. Ganz egal, für welchen Act ich mich auch entscheiden werde, pünktlich zum Einlass im Theater für den Gig von „Schattenmann“ werde ich’s wohl sowieso nicht mehr schaffen. Die Wahl fällt also schließlich auf das 2006 ins Leben gerufene Projekt um Michael Sele auf der Mainstage. Die Schweizer, die seit jeher organischen Dark Rock mit dezenten Wave Elementen authentisch miteinander verweben, geben ihre nunmehr dritte Show beim Amphi Festival und haben mit dem im letzten Jahr veröffentlichten „Flying With The Owls“ sogar ein neues Studioalbum am Start. Die Vorzeichen auf eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Show stehen demnach sehr gut und so ist es praktisch selbsterklärend, dass sich mittlerweile einige tausend Gäste versammelt haben. Mit „End“ vom vorletzten Release „Minor Sun“ geht es dann auch schon pünktlich los, gefolgt vom gefeierten „All Those Days“ und „This Time“. Der Sound, welcher anfangs leider noch etwas dumpf im Infield nachhallte, wurde von der Technik unterdessen auch in den Griff bekommen und bessert sich scheinbar mit jedem weiteren Stück immer mehr auf. Das kommt natürlich auch der allgemeinen Stimmung im Publikum sehr zugute, die jetzt ebenfalls unaufhörlich zu steigen beginnt. Egal, ob andächtiges Schweigen und Lauschen bei „Bitter Sweet Good-Bye“ und „Last Night Home“ oder verzückte Ausdruckstänze und sinnliches Wogen zu „Hunters“ oder „Rumours“: Schlagzeuger Mac Vinzens, Bassist Markus Stauffacher und Gitarrist Ariel Rossi wissen wie eh und je darum, eine dichte Klangkulisse in formvollendeter Perfektion zu erschaffen. Die charismatisch geerdete Ausstrahlung und markante Stimme von Sele tun ihr Übriges dazu. Wer Freude an den musikalischen Ursprüngen der Szene mit angenehm moderner Note hat und die Werke von „Nick Cave and the Bad