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ASP - "Kosmonautilus"-Tour - Turbinenhalle, Oberhausen - 24.01.2020

09.02.2020

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Oberhausen, Deutschland
 

Location: Turbinenhalle 1 

 

Kapazität: ca. 3.500

 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: http://www.turbinenhalle.de

 

Einleitung:

 

Es ist der 24.01.2020 und aus irgendeinem Grund fängt das neue Jahr für mich zumindest aus gesundheitlicher Sicht schon so unschön an, wie das vorherige just geendet ist, denn kaum waren die starken Rückenprobleme endlich überstanden, hat sich plötzlich eine ziemlich hartnäckige Mandelentzündung breitgemacht, die ich seitdem erbittert mit allen möglichen und unmöglichen Arten von Antibiotika bekämpfe. Lange Zeit war also gar nicht sicher, ob ich überhaupt am nahenden NRW-Konzert in der Turbinenhalle teilnehmen kann und das, obwohl ich seit nunmehr zehn Jahren keine einzige Tournee von „ASP“ mehr ausgelassen habe! Zum Glück schlagen die Medikamente bald an und als ich endgültig sicher bin, den Abend auch einigermaßen gut überstehen zu können, setze ich am Mittwoch vor der Show schließlich eine Mail ab und bekomme tatsächlich schon wenige Stunden später die Zusage für Oberhausen. So dermaßen kurzfristig und knapp vor dem jeweiligen Termin definitiv keine Selbstverständlichkeit, also herzlichen Dank an dieser Stelle! Die Anfahrt verläuft problemlos und so treffen wir gegen 18.30 Uhr vor der bekannten Lokalität im Lipperfeld ein, vor welcher sich schon eine beachtliche Schlange über die gesamte Treppe hinab bis zum Parkplatz gebildet hat. Noch ist die Menschenmenge aber sehr human und wir pünktlich genug, um später einen guten Platz zu erhaschen. Als pünktlich um 19.00 Uhr die Türen geöffnet werden und der Einlass beginnt, dauert es auch nicht mehr lange, bis wir endlich in der Halle sind. Meine Begleitung hat ein reguläres Ticket und darf passieren, ich stelle mich hingegen am Schalter für die Gästeliste an, wo sich leider einmal mehr mein ganz persönlicher Horror bewahrheitet, wie es bei Akkreditierungen eben gerne ein paar Mal im Jahr so vorkommt: Die freundliche, junge Dame an der Kasse dreht und wendet die Unterlagen mehrmals prüfend, was irgendwie nie ein gutes Vorzeichen ist und tatsächlich kann sie mich auf der Liste nicht finden... Zum Glück erreiche ich selbst um diese späte Uhrzeit meine jeweilige Ansprechperson noch telefonisch, während vom Kassenbereich aus derweil das Tourmanagement, welches ich glücklicherweise bereits schon von „Subway To Sally“ oder „Lord Of The Lost“ kenne, ebenfalls kontaktiert wird. Es dauert nicht mehr lange und schon klärt sich alles auf: Ich darf weitergehen. Auch an dieser Stelle nochmals vielen lieben Dank für all die Bemühungen und die schnelle Hilfe! Erleichtert werde ich im Foyer schon von meiner wartenden Begleitung empfangen, die in der Zwischenzeit schon einige Wertmarken besorgt hat, mit denen hier sowohl die Schließfächer für die Garderobe als auch die Getränke bezahlt werden. Obwohl die ungeplante Verzögerung uns nicht gerade wenig Zeit gekostet hat, ist es im Saal noch nicht allzu voll und so finden wir mit Leichtigkeit einen guten Platz im vorderen Drittel, wo ich wenig später gleich noch ein bekanntes Gesicht antreffe - Sehr schön. Also: Los geht’s!

 

„Two Minds Collide“:

 

Gegen 20.00 Uhr steht aber erst einmal der Support-Act des heutigen Abends auf der Agenda: „Two Minds Collide“ aus Saarbrücken sind quasi das geistige Nachfolge-Projekt von „Spielbann“, die ihrer Zeit von Asp höchstselbst gefördert und rege unterstützt wurden, sich im Juli 2017 nach insgesamt vier Alben jedoch wieder auflösten. Ein kleines Trostpflaster für alle Anhänger also, als ihr Gitarrist nur wenig später ein Solo-Projekt startete. So kann sich die junge Band sicher sein, auf der „Kosmonautilus“-Tour auch den ein oder anderen eigenen Fan begrüßen zu dürfen und auch viele andere dürften sich bestimmt noch an den sympathisch-quirligen Frontmann erinnern, der auf der vergangenen Konzertreise zum Jubiläum immerhin Teil der „The Little Big Men“ war. Die Turbinenhalle ist bereits gut gefüllt, als Schlagzeuger Thomas Köppen, Bassist Finch, sowie Gitarrist und Sänger Lias Schwarz zum eröffnenden „Person X“, dem powernden Titeltrack ihres neuen Albums, auf der Bühne erscheinen. Die Gäste sind aufmerksam und schon bei „The Misery And The Man“ schnellen einige Hände zum Klatschen nach oben. „Danke! Wir sind „Two Minds Collide“. An dieser Stelle auch vielen Dank an „ASP“, dafür, dass wir dabei sein dürfen. Der nächste Song ist von unserem ersten Album.“, begrüßt Schwarz das Ruhrgebiet freudig, dann geht es mit „Dead Lines“ weiter. „Vielen Dank! Es folgt etwas Werbung...“, lacht der Sänger. „Und zwar spielen wir am 03.10.2020 im Wuddi in Münster, das ist hier fast um die Ecke. Wir würden uns freuen, wenn wir euch da wiedersehen. „Burn“ sind auch mit dabei, die kennen manche von euch bestimmt noch von der „Ich Bin Ein Wahrer GeistErfahrer“-Tour. Schaut mal auf unserer Facebook-Seite vorbei und lasst uns ein „Gefällt mir“ da. Da gibt’s viele Infos zu unserem neuen Album!“, grinst er. „Keep Up The Pace!“ und „The Loneliness Of A Dying Sun" geben danach beide einen so guten, wie gleichzeitig auch vollkommen gegensätzlichen Eindruck des jungen Releases ab. Kommt Ersteres noch eher straight rockig daher, gestaltet sich der andere Song hingegen über weite Strecken merklich elektronischer. Es ist mit viel Enthusiasmus handgemachter, grundsolider Dark Rock, angenehm heavy, dabei aber weitestgehend extrem catchy und teils sogar überraschend poppig. Der Sound geht schnell ins Ohr, man hört den Dreien einfach gerne zu. „Danke, ihr seid großartig! Als Nächstes kommt unsere erste Single, die gibt’s auch vorne am Merch, da sehen wir uns später noch. Es ist ein Lied darüber, niemals seine Träume aufzugeben, egal wie viele Rückschläge es auch gibt.“, erzählt Schwarz vom Hintergrund zu „Of Mistakes And Dreams“, bis dann auch schon wieder der Abschied näher rückt. „Wir kommen nun leider schon zu unserem letzten Song, aber vorher wollen wir noch ein Foto mit euch zusammen machen. Seid ihr dabei? Dafür brauchen wir jetzt eure Hilfe, macht mal alle etwas Lärm!“, wünscht er sich für das Gruppenbild mit dem Publikum in einer gut gelaunten Turbinenhalle. „Wir möchten uns auch noch einmal bei „ASP“ und der Crew bedanken, dass uns hier alle so unterstützen und wir dabei sein dürfen. Einen Applaus dafür, bitte! Unser nächster Song handelt davon, dass wir alle gleich sind. Egal, welche Hautfarbe oder Sexualität. Verschwendet eure kurze Zeit auf Erden nicht mit Hass... Seid ihr da bei uns? So muss das sein!“. Natürlich ist Oberhausen da voll und ganz derselben Meinung und so kann sich das Trio zum Schluss nochmal über viel wohlwollende Anteilnahme zu „Raindrops In A Storm“ freuen. „Dankeschön und ganz viel Spaß gleich mit „ASP“!, verabschiedet sich der Sänger und fügt noch einmal scherzend hinzu: „Wir sind „Two Minds Collide, Danke!“. Gern geschehen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn „Two Minds Collide“ an diesem Abend einige neue Anhänger gewonnen haben. Also dann: Auf ein baldiges Wiederhören!

 

Setlist: 

 

01. Person X

02. The Misery And The Man

03. Dead Lines

04. Keep Up The Pace!

05. The Loneliness Of A Dying Sun

06. Of Mistakes And Dreams

07. Raindrops In A Storm

 

„ASP“:

 

Bereits um 20.55 Uhr schwindet allmählich das ohnehin schon recht schummrige Licht im mittlerweile nahezu voll ausgelasteten Saal und lässt die sich ausbreitende Dunkelheit in der ersten Turbinenhalle somit ihren verheißungsvollen Einzug halten. Für einen kurzen Sekundenbruchteil ist es jetzt ganz und gar still, bevor ein abgrundtiefes Donnergrollen den Boden erst unsanft erzittern lässt und sich dann dröhnend weiter ausbreitet, ehe es schließlich wieder im gefühlt unendlich weiten Nichts verhallt und behutsam perlenden Piano-Tupfern konträr weicht, welche in ihrer Intensität nunmehr stetig ansteigen und schon bald den gesamten Saal erfüllen. Eisblaue, kühle Farbtöne rotieren nun gleichmäßig und zerschneiden die undurchdringliche Finsternis, während sanfte Nebelschleier über den Boden züngeln und sich immerzu verdichten. Im Hintergrund wird langsam das fünfteilige Backdrop mit den fantasievollen Bildausschnitten des neuen Album-Artworks sichtbar, das den Gästen unter anderem die mystische Vegetation und so manches Ungeheuer der unergründlichen Tiefsee offenbart. Dazwischen ragen vier Säulen mit zahlreichen Scheinwerfern in verschiedenen Formen und Ausführungen in die Höhe. „Zurück zum Start, zurück zum Start, zurück zum Start...“, flüstert eine allen Anwesenden wohlbekannte Stimme aus dem Off. Die entsprechenden Worte, fast einem beschwörenden Mantra gleich, wie in Trance wiederholend. Erst nur ganz leise, doch dann immer eindringlicher und fordernder. Unter tosendem Applaus betreten jetzt erst Schlagzeuger Stefan Günther-Martens und Gitarrist Sören Jordan nacheinander die Bretter, um ihre angestammten Positionen auf den beiden hinteren Podesten zu beziehen, dicht gefolgt von Bassist Andreas „Tossi“ Gross und Multiinstrumentalist Lutz Demmler, die hingegen jeweils zu den Seiten am vorderen Bühnenrand verbleiben. Plötzlich schält sich die Silhouette einer großen Gestalt in einem langen, schwarzen Ledermantel zu euphorischem Beifall aus den Schatten heraus, eine Kapuze aus dunklen Leinen tief in das Gesicht gezogen. Es ist Frontmann und Sänger Alexander „Asp“ Frank Spreng, der sich mit langsamen Schritten nähert, bis er dann vor seinem hohen Stativ zum stehen kommt und das Mikrofon fest umklammert: „Irgendwo dort draußen mag es tagen. Irgendwo dort draußen ist es warm. Das Herz will überquellen vor tausend Fragen. Die Stummheit ist der Kerker für den Schwarm.“, beginnt er mit unsicher fragender Stimme die ersten Zeilen des Openers „Rückfall“ zu singen. Erst, als das dominant taktierende Drumming nach ebenjener Strophe druckvoll einsetzt, streift er sich die Kopfbedeckung ab und entblößt so das unheimlich geschminkte Gesicht. Zugegeben, der Auftakt gestaltet sich getreu der Chronologie der aktuellen Veröffentlichung zwar ungemein atmosphärisch, wirkt als Auftakt aber dennoch ein wenig ungewöhnlich und schleppend. Das tut sowohl der Spannung des Publikums als auch der allgemeinen Stimmung selbstverständlich keinerlei Abbruch, bremst ein Hoch jedoch vorerst genauso sehr aus. Das ändert sich schon mit dem nahtlos folgenden „Morgengrauen Irgendwo“ im Handumdrehen. Ein knappes „Oberhausen!?“ des charismatischen Sängers genügt bereits und schon sind alle Arme in der Luft, um gemeinsam zum rhythmisch einsetzenden Riff zu klatschen. Ja, da wird selbst die Textzeile „Was durften wir nicht alles sehen...“ spontan um ein charmantes „... und hören und fühlen?“ erweitert. Es dauert nicht lange und die Fans sind ganz und gar im festen Bann der Gothic-Novel-Rocker, dem sich hier sicher niemand mehr so schnell entziehen kann oder überhaupt will.

 

„Ihr schönen Menschen hier in Oberhausen!“, begrüßt Asp die Gäste in der jubilierend bebenden Turbinenhalle sichtlich erfreut. „Ja, irgendwo, irgendwo... Und hier kommt die Fortsetzung.“, lächelt er verschmitzt und geht dann sofort zum energetisch powernden Up-Tempo „Torpedos“ vom Vorgängerwerk „zutiefst...“ über. Das funktioniert ganz hervorragend und heizt die Menge weiter an. „Wow, was für ein unglaublicher Anblick!“, freut sich der Sänger. „Es tut so gut, wieder bei euch zu sein und auch, dass ihr bei uns seid... Wisst ihr was?“, erzählt er weiter, bis ihm plötzlich ein Fan in den vorderen Reihen ins Auge fällt, der eine plüschige Handpuppe über seinen Kopf hält. Nämlich exakt jene, die auf der vergangenen „Pentagrammophon“-Tour im letzten Jahr an jeweils einen glücklichen Auserwählten pro Abend verschenkt wurde, der damit zur „Osternacht“ die gesangliche Begleitung durch Patty Gurdy vertreten durfte. „Einen Extra-Applaus, bitte. Jemand hat doch tatsächlich die Kantorka wieder mitgebracht, wie ungemein passend.“, lacht er. „Wir haben dazu auch ein Stück vorbereitet, ein anderes Stück... Egal. Gehorche der Stimme des Meisters, gehorche ihr!“, winkt er ab und entscheidet sich anlässlich dieses lustigen Zwischenfalls offenbar spontan dazu, der Geschichte von „Krabat“ anstelle eines anderen Songs den Vortritt zu lassen. So gibt Spreng fortan den dunklen Meister und nimmt die Gäste mit auf einen Nachtflug über Schwarzkollm, die obligatorische Rabenfeder so fest in seiner Hand, wie die ausgelassen feiernde Masse selbst. „Ja, ja. Die Kantorka... Spätestens seit der „Zaubererbruder“-Tour wissen wir ja, es ist nicht gut für sie ausgegangen... Also nicht für deine Kantorka, sondern für DIE Kantorka.“, scherzt der Frontmann. „Die ist nämlich tot und die Mühle lebt weiter. Willkommen in der eisigen Wirklichkeit!“, lautet danach die klare Ansage. Der frostige Ausflug zu den äußersten Wurzeln des „Fremder“-Zyklus löst den sonst so präsenten „Wechselbalg“ auf dieser Tour als klanggewaltige Repräsentation des ersten Teils ab, was für eine durchaus willkommene Abwechslung im Set sorgt. Zu den aufpeitschend zerrissenen Strophen lässt Spreng hier einmal mehr sein ganzes Können in Mimik und Gestik spielen und schlägt etwa wortwörtlich „nach dem Neonstrahl“, als er gedankenverloren durch die hauchfein gebündelten Strahlen der nervös kreisenden Scheinwerfer wirbelt. Mit der grandiosen „Phragmokontrolle“, die in ihrer livehaftigen Version sogar nochmal umso intensiver wirkt, geht es hingegen wieder auf Tauchgang in die weitestgehend noch unerforschten Biotope des neuesten Ablegers. Die hochmelodiös rockende Expedition zum Innersten weiß definitiv mitzureißen und lässt nur hoffen, auch bei den zukünftigen Konzerten ihren wohlverdienten Platz zu finden: „Rundherum, rundherum, rundherum zu deiner Mitte!“. Ein für die asp‘sche Karriere ungleich wegweisender Klassiker, welcher zum zwanzigjährigen Jubiläum überraschend ausgespart wurde, ist die dramatische Halb-Ballade „Und Wir Tanzten“, die nun erfreulicherweise wieder zum Zuge kommen darf und damals wie heute mit ihrer beeindruckenden Tragik aus zarter Fragilität und rasender Wut berührt.

 

„Geht’s euch noch gut?“, erkundigt sich Asp. „Vor gar nicht allzu langer Zeit weilten wir noch in einem äußerst bemerkenswerten Gebäude, dabei handelte es sich um ein Hotel und in diesem tummelten sich neben vielen besonders schönen Songs, wie ich finde, auch manch merkwürdige Gestalten.“, spielt er auf die beiden „Verfallen“-Konzeptalben an. „Ein Stück davon haben wir euch heute Abend mitgebracht, sozusagen als kleines Souvenir.“, schmunzelt der Sänger. Natürlich kann es sich da nur um das schaurig-schöne „Souvenir, Souvenir“ handeln, das jetzt an die Stelle des bewährten „Astoria Verfallen“ tritt. „Ein kleiner Teil von dir wird bei uns bleiben, wir werden ihn der Sammlung einverleiben.“: Jenen Ausschnitt des Refrains nimmt Asp sogleich als charmanten Aufhänger für ein sehr wichtiges Thema, das der Band seit jeher ganz besonders am Herzen liegt. „Apropos... Wie ich sehe, sammeln manche von euch schon fleißig einige Souvenirs mit ihren kleinen Geräten.“, beginnt der Frontmann stirnrunzelnd. „Wie immer gibt es wilde Gerüchte um uns... Ja, besonders um dich, lieber Lutz, ranken sich zahlreiche Geschichten, du würdest es selbst nicht glauben.“, scherzt er und wird dann wieder etwas ernster. „Aber vor allem darum, dass wir das Fotografieren auf unseren Konzerten verbieten. Das ist völlig frei erfunden und schlicht nicht wahr. Ihr dürft fotografieren, nur das Filmen sehen wir nicht ganz so gerne, aber es gefällt mir einfach viel besser, wenn ich euch für mich ganz alleine habe und ihr euch nicht hinter einem Bildschirm versteckt!“, bekennt er schmunzelnd und unterbreitet dem Publikum dann einen kleinen Vorschlag. „Deshalb machen wir auch bei jedem Konzert einen Deal. Ist vielleicht jemand zum ersten Mal bei uns?“. Nur wenige Stimmen sind daraufhin zu vernehmen. „Okay, das sind ja nicht so viele... Vor allem euch möchte ich das jetzt aber kurz erklären. Wir spielen nun ein Lied und während wir das spielen, könnt ihr eure kleinen Geräte nach Herzenslust so viel benutzen, wie ihr wollt. Im Gegenzug versuchen wir, soweit es in unserer beschränkten Macht steht, so gut für euch auszusehen, wie nur irgendwie möglich. Schade, dass es vor zwanzig Jahren noch keine Smartphones gab, das hätte sich mal gelohnt!“, feixt der Sänger selbstironisch. „Gut, dann posiere ich gleich etwas für euch und danach steckt ihr die Teile wieder direkt in eure Tasche ein oder wo ihr sie sonst so aufbewahrt und dann habe ich euch für den Rest des Abends für mich alleine. Wollen wir das so machen?“. Der lautstarken Zustimmung nach zu urteilen, möchte Oberhausen das. „Könnt ihr da oben uns auch sehen und hören?“, erkundigt er sich mit einem Blick zum ebenfalls bestens gefüllten Balkon über dem Innenraum. „Okay, das interpretiere ich jetzt mal als „Ja“. Also gut!“, beschließt er die Abmachung freudig und so wird mit „Werben“ fortan diese einzigartige, „magische Verbindung“ zwischen Band und Fans gefeiert. Wie eingangs fest versprochen, lässt es sich Asp nicht nehmen, sich für die Handys bewusst überzogen in Szene zu setzen. So stolziert er stetig auf und ab, schneidet allerhand Grimassen und scherzt mit seinen Kollegen. „Das Lied ist vorbei, falls du es nicht mitbekommen haben solltest. Das hört man daran, dass die Musik nicht mehr spielt...“, ermahnt er danach kurz einen Fan, der das Handy trotzdem weiterhin oben behält. „Wie ihr wisst, ging es bei „ASP“ nie um das Werben und auch nicht um die Werbung, sondern nur um eine einzige Sache: Musik!“, konstatiert Spreng und lässt mit einer der insgesamt drei Single-Auakopplungen, „Abyssus 2 (Musik)“ auch nicht den geringsten Zweifel an dieser Aussage aufkommen. Die Ode an das, was alle Besucher hier an diesem Abend so sehr miteinander verbindet, funktioniert insbesondere live ganz hervorragend und entfaltet sich als wahre Hymne. Einen ganz persönlichen Favoriten hat Asp hingehen mit „Demon Love“ in das Set aufgenommen - Sehr schön! 

 

„Oh ja, das war ein alter Begleiter und viele von euch wissen es... Die Liebe kann manchmal ein alles verschlingendes Monster sein. Seit kurzem wissen wir, ein Tattoo kann es aber auch sein.“, lautet dann der augenzwinkernde Querverweis auf „Tintakel“, seinerzeit der erste Vorbote auf „Kosmonautilus“. Die kleine Schauergeschichte von lebendig gewordener Körperkunst, die des Nachts auf grausamen Beutezug geht, ist knackig und angenehm kurzweilig, kommt im direkten Vergleich zur Version auf dem Album aber nochmal umso druckvoller und überraschend heavy daher, bis technoid flirrende Synthies danach die düstere „Lykanthropie“ ankündigen, zu welchem der Meister einmal mehr alle Facetten seiner Stimme ausloten kann, um die pure Zerrissenheit des Protagonisten zu portraitieren. „Seid ihr noch bei uns!? Oder seid ihr schon müde? Ist euch das etwa Konzert etwa zu lang?“, fragt er und erntet natürlich sofort lautstarken Protest aus dem Publikum. „Oh je, ich habe schon befürchtet, dass ihr das sagt... Wie ihr sehen könnt, hat sich Sören gerade eine Akustikgitarre umgehängt, das eignet sich doch wunderbar als Überleitung. Wir möchten euch nämlich auf etwas hinweisen, was uns wirklich am Herzen liegt. Der ein oder andere hat es vielleicht schon mitbekommen, dass wir im November und Dezember diesen Jahres noch auf eine ganz besondere Tour gehen... Obwohl ich an so Abenden wie heute das Gefühl habe, dass wir bei jeder Tour etwas Besonderes machen. Wenn ihr Lust auf ein Wiedersehen habt, sind wir im Winter wieder ganz in eurer Nähe zu den „dunkelromantischen Winternächten“. Wollen wir das so machen? Es ist auch gar nicht so weit weg, ihr könntet sogar dorthin wandern, wenn ihr wollt.“, lächelt Spreng verschmitzt. Einige aufmerksame Besucher haben den kleinen Wink mit dem Zaunpfahl selbstredend sofort erkannt, denn mit dem melancholischen „Wanderer“ vom „MaskenHaft“-Album gibt es jetzt ein weiteres, schon länger nicht mehr gespieltes Stück, das zuletzt neben der entsprechenden Tournee bei den „Rar und Pur“-Shows zum fünfzehnjährigen Jubiläum auf die Bühne gebracht wurde. Eine wirklich schöne und allen voran unerwartete Überraschung! „Vielen Dank! Wir werden nun ein Stück spielen, von dem ich mir sehr gewünscht habe, es nach all den Jahren wieder auf der Setlist zu haben. Und wenn ich mich momentan so in diesem Land und Europa umschaue, sind genau solche Songs umso wichtiger!“, befindet Asp. Fast hätte man an dieser Stelle mit dem großartigen Cover zu „Sage Nein!“ von Konstantin Wecker rechnen können, dem lediglich während der „Wer Sonst?“- und „Ich Bin Ein Wahrer GeistErfahrer“-Konzerte eine Bühne geboren wurde. Dafür gibt es nun aber den plakativen Aufhänger der letztgenannten Tour zu hören: „GeistErfahrer“, den Titeltrack der gleichnamigen EP aus 2012, der dieser Tage an Aktualität leider noch immer nichts verloren zu haben scheint. „Ich sehe schon, ihr gebt ein paar ganz vorzügliche „GeistErfahrer“ ab. Viele haben ja keinen Bock auf so viel Sozialkritik auf den Konzerten und fragen, ob das alles überhaupt sein muss. Wer das nicht will, kann gerne woanders hingehen, aber hier müsst ihr da durch. Es ist auf jeden Fall nötig!“, bekräftigt er vehement und unterstreicht jenes Statement sogleich mit dem gefeierten Klassiker „Ich Bin Ein Wahrer Satan“, ehe es mit „Kosmonautilus“ und dem Szene-Hit „Schwarzes Blut“ weitergeht. Mehr authentisches Bekenntnis geht nicht!

 

„Vielen Dank! Ihr schönen Menschen, wir kommen jetzt langsam zum Ende. Ich hoffe, ihr hattet heute genauso viel Spaß, wie wir. Es war wie immer ein wunderschöner Abend bei euch. Wann immer wir uns in Zukunft auch wiedersehen mögen, wohin wir auch gehen... Schatten eilen uns voraus!“, verabschiedet sich der Frontmann auch im Namen aller übrigen Mitglieder und geht danach zum letzten neuen Song im regulären Set über: „Schatten Eilen Uns Voraus“, zu welchem es seit kurzem übrigens auch ein eigenes Musikvideo gibt. Die eingängige Mid-Tempo-Nummer ist geradezu für die Live-Shows prädestiniert und verleitet die Menge spätestens im mitreißenden Refrain schnell dazu, den Saal in ein sanft wogendes Meer aus tausenden Armen zu verwandeln. „Vielen Dank, bis zum nächsten Mal!“, ruft Asp sichtlich zufrieden in die lauthals jubelnde Turbinenhalle hinein, bevor er dann mit der restlichen Band geschlossen die Bühne verlässt. Absolut keine Frage, dass die Fans noch nicht genug vom schwarzen Schmetterling und seinen Mannen haben und es somit nicht mehr lange dauert, bis sie eine Zugabe fordern. Besonders schön ist, dass Oberhausen praktisch gänzlich auf die klassischen Rufe verzichtet und stattdessen einen gemeinsamen „Eeeoooh!“-Chor startet, der jetzt über mehrere Minuten anhält. Die Ausdauer soll belohnt werden, denn nur wenig später kehren „ASP“ noch einmal zurück. „Aber natürlich spielen wir noch etwas für euch, wenn ihr denn wollt! Wollt ihr?“, lächelt der Mastermind. Ja, das Ruhrgebiet will... Und wie! Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass die mehr als nur umfassende Diskographie der Gothic-Novel Rocker mittlerweile so dermaßen viele beliebte Stücke bietet, das ein ausgewogener Querschnitt mit jeder neuen Veröffentlichung unmöglicher scheint, greift man nun auf einen kleinen Trick zurück und präsentiert das vom just vergangenen Jubiläum bekannte Medley, bestehend aus „20.000 Meilen“, „SonaARta“, „BernsteinmeerengeL“ und „Zutiefst...“ - Die geballte Ladung Tiefsee-Romantik, also. „Zutiefst ergeben immer noch! Meine Güte... Ja, ich weiß. Ich sehe hier einige Gesichter und kann gut und gerne sagen, dass wir zusammen alt geworden sind. Aber nicht zu alt. Vor allem nicht zu alt, um gemeinsam zu brennen. Wir wollen es immer noch, so wie am ersten, verdammten Tag!“, ruft Asp bestimmt aus, sodass kein Zweifel daran besteht. Der fulminante Alltime-Favorite „Ich Will Brennen“ darf als von allen Besuchern heiß herbeigesehnter Set-Closer natürlich auch dieses Mal keineswegs fehlen und lässt die ohnehin schon ausgelassene Stimmung noch weiter ansteigen. Der gefeierte und einstimmig mitgesungene Über-Hit geht dann nahtlos in den hymnenhaften Chorus von „Fortsetzung Folgt... (1)“ über und stellt abschließend noch einmal klar: „Wir wissen heute schon, es gibt bald ein Wiederhören. Diese magische Verbindung lässt sich nicht so leicht zerstören!“. Der Wunsch nach noch mehr Musik offenbar ebenso wenig, denn auch nach über zwei Stunden hat das Oberhausener Publikum noch immer nicht genug gehört und fordert die fünf Musiker abermals zurück auf die Bretter. „Ihr seid so unglaublich! Ich finde keine Worte dafür, was hier in Oberhausen passiert.“, schüttelt Spreng ungläubig den Kopf. „Es wird einfach jedes Mal geiler und immer wenn man denkt, dass es beim letzten Mal schon absolut großartig war, kommt wieder so etwas... Das, was wir gemeinsam haben, ist unendlich, wie ein Ring. Danke euch!“. Und so endet das Konzert gegen 23.15 Uhr mit „Schwarzer Schmetterling“, dessen finale Zeilen leider von einem grell fiependen Tür-Alarm in der vorderen Hälfte gestört werden, bevor sich „ASP“ vor ihren rundum glücklichen, begeistert jubelnden Fans schließlich zum letzten Mal an diesem Abend verbeugen und sich sicher sein können, so manche von ihnen schon gegen Ende des Jahres wiederzusehen. Der Abschied soll nur von kurzer Dauer sein... „Spürst du nicht, wie es beginnt?“.

 

Setlist:

 

01. Intro

02. Rückfall

03. Morgengrauen Irgendwo

04. Torpedos

05. Krabat

06. Eisige Wirklichkeit

07. Phragmokontrolle

08. Und Wir Tanzten

09. Souvenir, Souvenir

10. Werben

11. Abyssus 2 (Musik)

12. Demon Love

13. Tintakel

14. Lykanthropie

15. Wanderer 

16. GeistErfahrer

17. Ich Bin Ein Wahrer Satan

18. Kosmonautilus

19. Schwarzes Blut

20. Schatten Eilen Uns Voraus

21. 20.000 Meilen

22. SonaARta

23. BernsteinmeerengeL

24. Zutiefst...

25. Ich Will Brennen

26. Fortsetzung Folgt... (1)

27. Schwarzer Schmetterling 

 

Impressionen:

 

Jobst Meese, "Jodocus Obscurus Photography"

 

http://www.jobstmeese.de

 

https://www.facebook.com/Jodocus.Obscurus/

 

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Wanja B. Wiese - "Wanja B. Wiese Photography"

 

https://www.wanjawiese.de

 

https://www.facebook.com/wanjaphoto/

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