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Laibach - Onenine - Funker Vogt (2020)

28.03.2020

 

Laibach - Revisited (2020)

 

Genre: Alternative

 

Release: 15.01.2020

 

Format: Box-Set

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 3

 

Label: WTC-Shop

 

Spielzeit: 199 Minuten

 

Fazit:

 

Das lang erwartete „Revisited“-Projekt ist endlich veröffentlicht! Drei Stunden an Musik auf Vinyl und CD, inklusive dem unheilschwanger betitelten „Terror Of History“, einem rund einhundertfünfzig Seiten starken Buch mit einem ausführlichen Essay über „Laibach“ vom slowenischen Autoren und Journalisten Marcel Štefančič Jr. Das Gesamtpaket wird darüber hinaus von einer ergänzenden Abhandlung des ehemaligen Präsidenten Sloweniens, Milan Kučan, sowie über fünfzig exklusiv gefertigten, authentischen Linolschnitten der „Laibach Kunst“ begleitet. Das Booklet mit einem persönlichen Vorwort von Igor Vidmar, dem Verleger des ersten Releases, vereint auf insgesamt vierunddreißig Seiten sorgfältig ausgewählte, historisch rare Fotos des Projekts und detaillierte Hintergrundinformationen zum aufgenommenen Material. Um das alles abzurunden, liegen dem Set weiterhin eine nummerierte Anstecknadel im neuaufgelegten Design des 1982er-Originals, wie auch ein großes Poster mit den Portraits aller Mitglieder und bisherigen Kollaborateure bei. Zusätzlich gibt es alle drei Alben und den Vorbesteller-Bonus „Also Sprach Zarathustra - Live“ als digitalen Downlod im 24-bit, 44.1 kHz-Format. Die maschinell nummerierte und weltweit streng auf 1.200 Einheiten limitierte Edition kommt mit einem personalisierten Brief und speziellen „Revisited“-T-Shirt zum Käufer... Ab dem 15.01.2020 für 150,00 Euro exklusiv über den offiziellen WTC-Shop der Band zu beziehen.

 

Am Anfang dieses aufwändigen Mammutprojekts stand einzig eine aufregende Idee, eine klare Vision: Eine Retrospektive des eigenen Vermächtnisses mit den heutigen Möglichkeiten zu erschaffen, zurück zu den äußersten Wurzeln. So begannen die umfassenden Arbeiten an der Zusammenstellung, dessen geplante Veröffentlichung ursprünglich für 2012 anberaumt war. Doch sollte der geplante Release aufgrund einiger unvorhersehbarer Hürden erst noch immer und immer wieder verschoben werden, bis es dann im Januar 2020, also fast ganze zehn Jahre später, endlich soweit war. Die lange Wartezeit soll sich indes jedoch gelohnt haben, denn unterdessen war das polarisierende Künstler-Kollektiv alles andere als untätig und ließ es sich nicht nehmen, das Paket stetig um weitere Inhalte zu ergänzen. Das neue Box-Set beinhaltet natürlich erstmal allen voran die eigentliche Essenz, die hier als konzeptioneller Dreh- und Angelpunkt für alles Weitere dient: „Laibach“ - Das wegweisende Debüt, welches ursprünglich schon 1983 aufgenommen und 1985 dann veröffentlicht worden ist, jetzt in einer gänzlich überarbeiteten Version mit den aktuellen Standards produziert, selbstverständlich vollständig remastered und dabei um einige Bonus-Tracks ergänzt. Damit entspricht die erste Disc einer liebevoll restaurierten Neuauflage von „Rekapitulacija 1980-84“. Eine übergreifende Sammlung der anfänglichen, musikalischen Aktionen, wie sie ihrer Zeit via Walter Ulbricht Schallfolien in Deutschland als Doppel-LP auf den Markt kam. Es sollte der erste, gewagte Schritt auf neuem Terrain sein. Der, eines dunklen Schattens in der Musikwelt, den man in Zukunft einfach nicht mehr ignorieren konnte: „Laibach“. Mutige Pionierarbeit auf beiden Seiten. Zugegeben, es ist ungemein anspruchsvolle und über weite Strecken nur sehr schwer verdauliche Kost, die ihrer Zeit in Intention und Klanggewalt deutlich um Längen voraus war. Zu hören sind unter anderem alle möglichen und unmöglichen Spielarten von donnernder Percussion, derben Gitarren, analogen Synthesizern und experimenteller Sound-Manipulation, die ihre atonalen Effekte in die langsamen, bedrohlich stampfenden Rhythmen verwebt. Nicht weniger düster und unheilvoll fügen sich diesem Konstrukt die meistenteils in slowenischer Sprache gehaltenen Texte, die system- und politkritischer wohl kaum sein könnten. In ihnen finden sich etwa berühmte Zitate von Josip Broz Tito bei „Država“ oder dem titelgebenden Wojciech „Jaruzelski“, es geht um angestrebte Herrschaft und den Missbrauch von Macht in „Sila“ und „Brat Moj“ oder die Schrecken des Krieges und des Soldaten zweifelhafte Aufopferung dafür bei „Smrt Za Smrt“ und „Ti, Ki Izzivaš“. Nicht wenige dieser Stücke sind heute absolut berechtigt Klassiker der eigenen Diskographie. Es ist totalitärer Schrecken und wegweisender Industrial-Kult in seiner reinsten Form! Die zweite CD ist dann „Revisited“ - Ein Album, das zwischen 2009 und 2012 aufgenommen wurde und sowohl neue Interpretationen der Songs des ersten Werks als auch weitere Bonus-Tracks umfasst. Die hörbar aufgefrischten Versionen, die ihren Weg mittlerweile in jedes reguläre Live-Set der Band geschafft haben und einem größeren Publikum zuletzt während des zweiten Akts der vergangenen „The Sound Of Music“-Tour vorgestellt wurden, unterscheiden sich in vielerlei Facetten sehr von ihren jeweiligen Originalen: Der gesamte Klang ist nun räumlicher und dementsprechend deutlich voller, die Instrumentierung variabler und professioneller, der Gesang tiefer und klarer und die allgemeine Produktion runder, was zu einem enorm ausgewogenen Endergebnis führt. Darüber hinaus hält die Tracklist noch einige überarbeitete Perlen des grandiosen „Nova Akropola“ aus 1986 bereit, beispielsweise den hymnenhaft schauerlichen Titeltrack, das komplexe „Krvava Gruda - Plodna Zemlja“ oder „Vier Personen“. Als kleinen Zusatz gibt es dann noch ein paar ganz besondere, alternative Live-Versionen, welche mit einem großen Sinfonieorchester eingespielt worden sind - Hervorragend! Der dritte und somit letzte Silberling, „Underground“, ist dann die auditive Dokumentation eines einzigartigen Live-Konzerts in den Kohleminen von Velenje, rund zweihundert Meter unter der Erdoberfläche. Dazu kommen ausgewählte Aufnahmen der 2017 gespielten Industrial-Show im Museo Reina Sofia in Madrid. Das Besondere dieser Auftritte ist das Engagement der drei Gründungsmitglieder Ivan Novak, Dejan Knez und Srečko Bajda, die allesamt seit den Anfängen dabei, mittlerweile aber nur noch im Hintergrund oder nicht mehr aktiv in der Band agieren. Gespielt wurden alte und fast vergessene Stücke der ersten Performances, welche bislang keinen Weg ins Studio fanden und hier somit erstmals veröffentlicht werden, aber auch teils entrückte, extravagante Versionen mancher Songs der ersten beiden CDs. Was will das Fan-Herz mehr!? Das Projekt „Laibach“ würde „nicht als Antwort, aber als Frage“ funktionieren, wie Slavoj Žižek das undurchsichtige Schaffen der umstrittenen Slowenen einmal so schön umschrieb. An jenem Fakt hat sich bis zum heutigen Tag mit Sicherheit nichts geändert, am allgemeinen Verständnis für diesen kulturellen Angriff der Superlative dafür umso mehr. Wer etwas mehr Zugang zu ebendieser mysteriösen Frage namens „Laibach“ finden und sich intensiver mit dem Gesamtkunstwerk dieser Ausnahme-Formation beschäftigen will, hat mit dem neuen „Revisited“-Set die wohl beste Gelegenheit dazu. Beim Entdecken, Hinterfragen und Verstehen ganz viel Spaß oder wie es im beigelegten Anschreiben der Box heißt: „Enjoy, but not too much!“.

 

Informationen:

 

http://www.laibach.org

 

https://www.facebook.com/Laibach/

 

Onenine - 3 3 3 (2020)

 

Genre: Electro / Alternative

 

Release: 19.03.2020

 

Format: Digital

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 0

 

Label: Noiselab / Studio600

 

Spielzeit: 41 Minuten

 

Fazit:

 

Für alle jene, welche die Rezension zum letztjährig veröffentlichten Debüt „Hirato“ verpasst haben sollten, kommt hier eingangs nochmal die Kurz-Biografie zum Projekt: Im Jahr 1993 gründen Kay Jäger und Oliver Müller das gemeinsame Projekt namens „Cyber Axis“, arbeiteten fortan an einigen Demos. Ein Vertrag beim Label Paradise Rising ging danach dem Debüt „The Final Sign“ voraus. Neben Julie Schott brachte man zudem wechselnde Live-Gitarristen, wie etwa Thorsten Scheuermann, der später noch fest ins Line-Up integriert werden sollte, ins angestammte Ensemble ein, um dem Sound mehr Druck und Härte zu verleihen. So eröffnete man alsbald sogar für die heute weltberühmten Berliner Provokateure von „Rammstein“, der Nachfolger „Fool Energy“ brachte weiterhin mehr Aufmerksamkeit ein. Alles schien auf einem sehr guten Weg, bis Jäger und Schott später aus unterschiedlichen Gründen ihren Ausstieg entschieden und Müller somit 1997 das jähe Ende bekannt gab. Obgleich dessen wandte er sich der Musik aber nicht vollends ab, sondern war fortan hinter den Kulissen als Produzent tätig, wodurch er Matthes Ewald kennenlernte, mit dem er beschloss, das Projekt wiederzubeleben. Auf einer Release-Party von „Megadump“ traf das frisch zusammengeschlossene Duo dann auf Axel Kleintjes, der durch sein bisheriges Engagement als Keyboarder und Stimme von „Page12“ bereits einiges an Erfahrung mitbrachte. Das daraus resultierende „Skin“ zelebrierte 2003 den Crossover-Style der späten 90er und gemahnte damit unter anderem an Größen wie „Nine Inch Nails“... Zeitsprung: 2011. Ich stehe nichtsahnend am Bochumer Hauptbahnhof und werde durch die kurze Werbeschaltung auf einer übergroßen LCD-Reklametafel auf die lokale Band „Held der Arbeit“ aufmerksam, die ich mir, zuhause wieder angekommen, über einen Streaming-Dienst sofort anhöre. Es ist eine ziemlich stimmige Mischung aus Oldschool-EBM und Synthie-Pop mit melancholischen, ehrlichen Texten, die das Leben so manches Mal selbst schreibt. Ich bin begeistert. So sehr, dass ich direkt beschließe, über deren zweites Album „In Anno Futuro“ pünktlich zum Release eine Rezension zu verfassen. Zusätzlich vereinbare ich mit Sänger Oliver Müller ein persönliches Interview beim Gig in der Rotunde, bei welchem ich noch alle anderen, wirklich sympathischen Mitglieder und somit auch Kleintjes selbst kennenlerne. Der „Held der Arbeit“ ist mittlerweile übrigens zum Quintett angewachsen, lässt eine erhebliche Steampunk-Note in seine Musik einfließen und arbeitet am nunmehr dritten Album. Zeitsprung: 2019. Vor wenigen Tagen erhalte ich via Facebook die Einladung, eine neue Seite mit dem berüchtigten „Gefällt mir“ zu markieren. Soweit nichts Ungewöhnliches, aber in diesem speziellen Fall deshalb so überraschend, weil die Anfrage hier von Axel Kleintjes direkt stammt, der sich im reizüberflutenden News-Wahn sämtlicher Social-Media-Kanäle sonst angenehm zurückhält. Ein kurzer Blick verrät mir, dass es sich dabei um ein neues Solo-Projekt von ihm handelt. Da ich mit seinen musikalischen Wurzeln spätestens nach dem Interview gut vertraut bin, klicke ich nur zu gerne auf die Weiterleitung zu SoundCloud. Nur wenig später bekomme ich auch schon eine Nachricht über den Messenger, die erfreulicherweise einen Dropbox-Link zum vollständigen Album enthält, welches am 19.04.2019 digital und komplett kostenlos über Bandcamp veröffentlicht werden wird... Zeitsprung, die Zweite: 2020. Und eigentlich ist (fast) alles beim Alten geblieben: „Held Der Arbeit“ sind unterdessen ein Sextett geworden und arbeiten noch immer am dritten Album, dafür gibt es schon jetzt Neues von „Onenine“! Abermals mit der eindrucksvollen Macro-Fotografie von John-Oliver Dum im Artwork und einem prominenten Mastering von „Rotersand“-Mastermind Krischan Wesenberg im Studio600 versehen. Pünktlich zur Ankündigung gab es vor wenigen Wochen dann einen Link mit dem vollständigen Material, das dieses Mal den ominösen Titel „3 3 3“ trägt und ab dem 19.03.2020 abermals digital via Bandcamp erhältlich ist.

 

Ein weit entferntes Rauschen kreiselt zügig rotierend umher, bis plötzlich mit einem Mal beständig tröpfelnde, hauchfeine Electro-Tupfer glasklar perlend in die scheinbare Leere herabrinnen. Erst nur ganz vorsichtig und langsam, doch dann unaufhaltsam immer und immer wieder... Rundherum, rundherum, rundherum. Fast so, wie ein fortwährender, organischer Kreislauf, der jetzt einfach nicht mehr aufzuhalten ist: „In Circles“. Hintergründig von sphärisch-sakraler Grundierung gezeichnet, setzt allmählich ein voluminös pochender Bass ein und klopft nun beständig und druckvoll den antreibenden Rhythmus. Im direkten Vergleich mit dem Debüt „Hirato“ ist der Sound in seinem gesamten Aufbau hier geradezu klar strukturiert, leicht verträglich, enorm eingängig und sehr tanzbar. Es hat irgendwie etwas Sanftes und Beruhigendes, wie eine futuristisch inspirierte, natürlich reinigende Meditation aus einer anderen Welt. Doch der schöne Schein trügt, denn bereits das folgende „Wrong“ schickt sich schamlos an, wieder auf gänzlich anderen Pfaden zu wandeln. Der brutal prügelnde Bass gibt hier ohne Umschweife die überdeutliche Marschrichtung vor, die dann von sorgsam eingestreuten Samples und nervös flirrenden Beats angereichert wird, um bewusst mit dem eher zurückhaltenden Muster des Openers zu brechen und das Adrenalin innerhalb von nur wenigen Sekunden direkt in die Höhe schnellen zu lassen. Es ist durchweg klassischer Industrial, modern ausgelagert und dennoch um eine charmante Oldschool-Note nicht verlegen. Einige unberechenbare Wechsel und temporäre Pausen halten das gestreng rasende, aber zugleich sprunghafte Arrangement über die ganze Dauer hinweg interessant. Erwarte das Unerwartete: „Procession“ erzeugt hingegen wieder eine ganz und gar andere Stimmung beim Hörer, kommt fast schon wie im betäubt taumelnden Zeitraffer daher. Der mächtig schleppende Bass dröhnt, wie eine rituell anmutende Percussion, ungemein hypnotisch über das unheimlich nebulöse, zurückhaltende Fundament hinweg. Währenddessen wiederholen sich die Samples als pointiert getakteter Automatismus wieder und wieder. Das Arrangement walzt merkwürdig entschleunigt, wie von aller Kraft beraubt, voran. Stetig von fiependen und knisternden Fragmenten durchsetzt, mutiert es jetzt zu einer extrem finsteren Collage, welche auf ihrem scheinbaren Höhepunkt überraschend abebbt und dann endet. Mit „Warm Leatherette“ gibt es dann sogar gleich in mehrerlei Hinsicht eine echte Premiere im „Onenine“-Kosmos, denn anders, als alle bisherigen Songs, wurde dieser nicht von Kleintjes selbst, sondern von Daniel Miller geschrieben und Thomas Kowa in Bern aufgenommen. Darüber hinaus enthält das Stück erstmals die Gesangsspuren eines Gastvokalisten: Oliver Spring von „tEaR!dOwN“. Hier treffen technoid summendes Gesäusel, minimalistisch pulsierende Rhythmen und stampfende Bässe auf repetitive Lyric-Fetzen und eine frostig kalte Atmosphäre, wohingegen es „Jupiter“ dann wieder eher in poppigere Bahnen verschlägt, sofern denn bei diesem Projekt überhaupt die Rede davon sein kann. Die relativ beschwingt tänzelnde Melodie teilt sich hier leichte Züge des angedeuteten Future-Pop mit augenzwinkernden 80‘s-Anleihen und bedächtigem Industrial, welcher dann beim schroffen „Down“ dafür umso mehr aufleben darf. Abgesehen von leichten Trance-Elementen ist der Sound übergreifend rau und grobschlächtig gehalten. Es knarzt, knackt, knistert und rauscht, immer wieder prügelt der Bass und geht gnadenlos durch Mark und Bein. Doch erst „Beyond“ treibt jenes Szenario dann so richtig auf die Spitze: Jetzt scheppern bitterböse knallende Bässe aus den Boxen, paaren sich mit allerlei Hall-Effekten, elektronisch wimmernden Lauten, ruppig angedeuteten Blechbläser-Elementen und gnadenlos niederdonnernden Trommeln. Es ist durchaus recht experimenteller, sperrig-finsterer Noise in seiner reinsten Form, der jedoch zugleich eine merkwürdige Ruhe und hymnische Erhabenheit ausstrahlt. „Involuntary“ lebt dann abermals von verstärktem Sampling und seinen eindringlich peitschenden EBM-Rhythmen, während „The Big Picture“ mit minimalistischem Beat immer wieder die Drum'n'Bass-Sektion streift und das finale „Keep Back“ als atmosphärisch schwebendes Outro dient... Das Projekt „Onenine“ setzt mit dem Zweitling „3 3 3“ ein gutes Stück weit mehr auf eine deutlich wahrnehmbare Zugänglichkeit, sehr klar strukturierte Melodiebögen und teils sogar enorm tanzbare Rhythmen. Kam das bedrückende Debüt „Hirato“ noch mit einem unglaublich düsteren, dichten Sound irgendwo zwischen Oldschool-EBM, bedrohlichen Noise-Labyrinthen und harschem Industrial daher, bricht man auf dem Nachfolger über weite Strecken bewusst mit jenem Konzept und sprengt den engen Rahmen zugunsten einer logischen Weiterentwicklung mehr auf. Es ist die Freiheit zwischen den weiten Grenzen des Genres zu wandeln, was es nur umso spannender macht, wohin die Reise auf dem sich bereits in Arbeit befindenden, dritten Werk geht. Unbedingt reinhören!

 

Informationen:

 

https://www.onenine.de

 

https://www.facebook.com/Onenine-465304927136730/

 

Funker Vogt - Conspiracy (2020)

 

Genre: Electro / EBM / Alternative

 

Release: 27.03.2020

 

Format: CD

 

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

 

Label: Repo Records (Alive)

 

Spielzeit: 33 Minuten

 

Fazit:

 

Die erste (Vorab-)Veröffentlichung aus dem in 2020 anstehenden „Funker Vogt“-Album! Inklusive einer neuen Version des 2002er-Klassikers "Date Of Expiration". Nur eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Geniestreich gehen Funker D., Funker L. und Funker T. auf die Jagd nach dem Unerklärlichen: "Conspiracy", so der Titel der neuen EP, holt weit aus, zum Schlag gegen die Verschwörungen dieses Planeten und konfrontiert mit der Frage: "Sind wir wirklich alleine in diesem Universum?". Als Vorbote des kommenden Albums versteht es sich von selbst, dass die Funker hier wieder tief in die musikalische Trickkiste greifen, um diesem mysteriösen Treiben das richtige Soundgewand zu verleihen und das Verlangen nach mehr zu schüren. Vier brandneue Songs, eine neue Version des 2002er- Klassikers "Date of Expiration" und zwei hauseigene Remixe fahren die Mannen um Gerrit Thomas auf und zeigen einmal mehr, warum sie zur Speerspitze des Dark-Electro gehören. "We believe..." - Überzeugt euch bei der „Club Attack“-Mini-Tour im April selbst davon! Dann nämlich sind „Funker Vogt“ für drei Shows und zwei Festivals in Deutschland live unterwegs. Der Funker kommt... Die neue EP „Conspiracy“ kommt am 27.03.2020 über RepoRecrods auf den Markt.

 

Sphärisch ausgestalte Elektronik formt sakral anmutende Chöre, die nun stetig von einem pochenden Bass untersetzt wird und sich schon bald darauf zu einer epochal erhabenen Atmosphäre mit dezentem Ambient-Charakter fern von Zeit und Raum entwickeln soll. Nur wenig später setzen klagende Synthesizer ein und lassen heroische Vibes aufbranden. Zum schwer schleppenden Rhythmus im Mid-Tempo sendet die melodisch verzerrte Stimme von Chris L. aus der Perspektive eines alles überblickenden Beobachters friedvoll klagend die ersten Zeilen aus und dokumentiert das apokalyptische Weltgeschehen: „The Fallen Race“ erzählt von der endgültig gefallenen Menschheit, die uns doch immerzu so täuschend übermächtig und unüberwindbar erschien, jetzt aber in ihre Grenzen verwiesen worden ist, wenn höhere Mächte und die Natur sich ihr ureigenes Terrain endlich zurückerobern. Erst, als dann lose Sample-Fetzen zu vernehmen sind, wechselt der Gesang in wütend forderndes Shouting über. Passend dazu verändert sich jetzt auch der musikalische Unterbau, wird zunehmend rau und kratzig. Leicht technoide, flirrende Elemente kommen hinzu und setzen sich auch in der zweiten Strophe fort, bevor der hymnische Refrain wieder mit der anfänglichen Struktur aufwartet und die beiden ambivalenten Stimmungslagen perfekt zusammenführt. Es ist durchweg stimmungsvoller Dark-Electro im Stil eines ausgedehnten, vertonten Prologs, welcher mit seinem strikten Fokus auf eine thematische stringente Erzählung und den diversen Wechseln ungewohnt komplex ist. Gibt es für uns einen Plan B? In bester Science-Fiction-Manier spinnen „Funker Vogt“ hier ein futuristisches Szenario der Endzeit-Dystopie und stellen die Frage, wie es vor diesem Hintergrund wohl weitergehen könnte, ja sogar müsste, wenn wir unsere Spezies nicht verenden lassen und in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft noch immer mehr sein wollen, als nur allmählich verblassende Spuren im Sand der eigenen Geschichte. „CE-3 (First Contact)“ schließt zwar unmittelbar an den mächtigen Opener an, schlägt jedoch in eine gänzlich andere Kerbe. Dass dem Hörer hier ein gnadenloser Up-Tempo par excellence bevorsteht, der die Geschwindigkeit ordentlich anhebt, machen eingangs schon die dominanten Rhythmen aus einem zügig stampfenden Bass und nervös zuckenden, disharmonischen Beats mehr als nur deutlich. Das gesamte Arrangement ist weitaus weniger verspielt, sondern bewusst minimalistisch gehalten und somit deutlich sperriger, als noch der eröffnende Song. Parallel zum aufziehenden, immer schneller werdenden Industrial-Gewitter brüllt L. sich mit tiefen Growls und heftigen Shouts die Seele aus dem Leib, während der Track mehr und mehr zu einem starken Strudel aus heftig peitschendem Aggrotech mit erheblicher Sogwirkung mutiert. Das folgende „We Believe“ ist in einem ganz ähnlichen Fahrwasser zu verorten. Hier greift ab der ersten Sekunde die strenge Marschrichtung des EBM, wenn der stoisch drückende Takt straight nach vorne walzt und kühl klirrende, maschinelle Beats die Oberhand gewinnen. Auch der packende Hauptteil weicht davon nicht ein bisschen ab und zügelt sich durch den erneuten Einsatz eines unheilvollen finsteren Chors nur bedingt, bis dann wieder ein wahres Strobo-Feuer einsetzt und zum Tanz zwingt. „A New Dawn“ führt das entsprechende Konzept dann noch ein gutes Stück weiter aus und fast schon ad absurdum. Welch unbekannte Gefahren mögen dort draußen in den Weiten des Universums wohl lauern? Was geschieht unmittelbar um uns herum und wurde doch niemals wahrgenommen? Der Kampf mit mysteriösen Mächten und außerirdische Lebensformen wird abermals von mittlerem Tempo skizziert, welcher sich dann einem monoton prügelnden Rhythmus ergibt und von dezenten Industrial-Spitzen aufgelockert wird, die unwiderstehlich zu Bewegung auf dem Schlachtfeld animieren dürften. Seit dem Quasi-Neustart des Trios ist es mittlerweile fast schon zu einer kleinen Tradition geworden, auf jeder neuen EP-Veröffentlichung mindestens einen beliebten Hit aus der Vergangenheit zu überarbeiten, der seit jeher untrennbar mit der Funker‘schen Historie verbunden ist und sich nach wie vor im Live-Set befindet oder in Zukunft befinden wieder befinden wird. So etwa bereits geschehen bei den unschlagbaren Klassikern „Funker Vogt 2nd Unit“, „Gunman“ und zuletzt „Tragic Hero“, bekommt jetzt „Date Of Expiration“ aus dem gleichnamigen Release von 2002 eine soundtechnisch vollständig überarbeite und an die neue Besetzung angepasste Version. Auch dieses Mal wahren die drei Funker selbstverständlich alle markanten Trademarks des Originals und verpassen jenem doch zugleich eine äußerst gelungene Frischzellenkur, sodass der ohnehin schon grandiose Song nun nochmals deutlich smoother und satter aus den Boxen dröhnt, nur eben an den heutigen Hör-Standard angepasst. Es wird klar: Ein guter Song bleibt auch fast zwanzig Jahre später noch ein guter Song! Den Abschluss bilden dann zwei hauseigene Remixe, um welche man sich dieses Mal im Hause „Funker Vogt“ also höchstselbst gekümmert hat. Eine ziemlich gute Entscheidung, denn den beiden Nummern gelingt es, ihre Vorbilder nicht bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden, sondern zu intensivieren! So kommt „CE-3 (Intruder)“ nochmals um einiges harscher daher, während „The Fallen Race (Conquest)“ nochmals alle Register in Sachen atmosphärischer Soundkulisse zieht... „Conspiracy“ ist nicht nur ein weiterer Beweis dafür, dass „Funker Vogt“ auch in ihrer aktuellen Besetzung ganz hervorragend funktionieren, sondern einmal mehr eine randvolle Zwischen-Veröffentlichung, die ihrem Namen als EP sehr gerecht wird. Entgegen so manch üblicher Resteverwertung servieren die drei Kriegsveteranen ihren Hörern mit diesem Mini-Album abermals eine außerordentlich gut ausgewogene Mixtur ihres Handwerks aus Alt und Neu mit erfrischend spannender Thematik und extrem tanzbaren Songs, die einfach Lust auf den kommenden Longplayer machen!

 

Informationen:

 

https://www.funker-vogt.com/

 

https://www.facebook.com/officialfunkervogt/

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