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Subway To Sally - Interview (2020)

08.05.2020

Roggenfaenger: Hallo „Subway To Sally“! Vielen herzlichen Dank dafür, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview hier genommen habt und ich euch nach etwas längerer Zeit mal wieder ein paar Fragen stellen darf. Euer neues Studioalbum aus dem Frühjahr 2019 trägt den kurzen und zunächst zugegebenermaßen etwas ungewöhnlich anmutenden Titel „HEY!“, welcher sich zudem auch innerhalb der einzelnen Songs in diversen Variationen als in die Melodie verwobenes, immer wiederkehrendes Element findet. Mal ein wenig versteckt, mal etwas offensiver. Insbesondere vor dem thematisch oftmals kritischen Hintergrund, der hier nicht selten an die „Engelskrieger“-Ära erinnert und an vielen Stellen den aktuellen Zeitgeist zitiert, kann man doch eigentlich gar nicht anders, als den Titel gewissermaßen als aufrüttelnden Weckruf wahrzunehmen, oder? Wie kam es zu der Entscheidung bei der Benennung und wem würdet ihr am liebsten mal ein kräftiges „HEY!“ entgegenbrüllen?

 

Simon Michael Schmitt: Hi! Das ist von Dir eigentlich ganz gut interpretiert und zusammengefasst. So könnte man den Findungsprozess des Namens erklären, allerdings muss ich dazu noch ergänzen: „HEY!“ ist als Ausruf auch ein roter Faden, der sich musikalisch öfter auf dem Album wiederholt. Man muss genau hinhören, dann findet man in einigen Songs versteckte „HEYs“. Das stammt aus dem 70er-Glam-Rock, der eine große Inspiration für das Album war.

 

Roggenfaenger: Wie gestalteten sich dieses Mal der kreative Prozess vorab und die anschließenden Arbeiten im Studio? Habt ihr vielleicht irgendetwas entscheidend anders gemacht, als zuvor oder ist dahingehend eher alles beim Alten geblieben? 

 

Simon Michael Schmitt: Wir sind ja ganz gut aufgestellt, was Arbeiten im Studio betrifft, da ich selbst hier in der fränkischen Schweiz mein eigenes Studio habe. Entscheidend anders… Gute Frage, wenn man schon so viele Alben gemacht hat, wie wir, dann ist man da schon durch einige erfolgreiche oder weniger erfolgreiche Experimente durchgegangen. Wir haben in jedem Fall wieder mit Produzenten gearbeitet, die ein paar Layers und Elektro-Sounds beigesteuert haben. Außerdem haben wir bei drei Titeln Gastsänger, was die Arbeit abwechslungsreich und spannend gemacht hat.

 

Roggenfaenger: Eine große Besonderheit, die sich „Subway To Sally“ auch nach so vielen Jahren des Bestehens noch immer selbstbewusst auf die Fahne schreiben kann, ist es wohl, sich niemals dem kreativen Stillstand geschlagen gegeben und stets weiterentwickelt zu haben. So habt ihr beispielsweise auf dem 2014 erschienenen Album „MitGift“ und der „NeoN“-Tournee erstmalig verstärkt elektronische Stilistika, wie etwa den Dubstep und Co., in euren bekannten Sound einfließen lassen. Wie ich persönlich finde, greift „HEY!“ jene Entwicklung nochmals auf und intensiviert diese logisch auf einer gänzlich neuen Ebene, also quasi eine Fortsetzung. War genau das eure Absicht dabei und was wolltet ihr dieses Mal musikalisch erreichen? Gibt es eventuell sogar noch ganz andere Dinge, die ihr künftig einmal ausprobieren wollt? 

 

Simon Michael Schmitt: Ja, gut erkannt. „Subway“ ist eine Band, die am besten funktioniert, wenn irgendwo ein kreativer Funke oder eine spannende Idee dahintersteckt. Sonst wäre diese Band eben nicht zu so einer Stilikone gewachsen, wenn ich das mal so sagen darf. Für uns ist es wichtig, die Augen und Ohren nach neuen Einflüssen offen zu halten, die unsere Musik spannend machen können. Ein paar Dinge sind offensichtlich, wie die von Dir angesprochenen elektronischen Sounds, ein paar sind eher versteckt, wie zum Beispiel die Song-Struktur von „Die Engel Steigen Auf“. Solche Strukturen findet man nämlich eher in der zeitgenössischen Electro-Pop-Musik und da rede ich eben nicht von Sounds und Instrumenten, sondern wirklich vom Aufbau des Stücks. Insgesamt gibt es sehr viele solcher Momente auf „HEY!“ zu entdecken.

 

Roggenfaenger: „HEY!“ ist mittlerweile euer dreizehntes Studioalbum und auch wenn es in der Vergangenheit immer mal wieder Zusammenarbeiten mit befreundeten Künstlern gab, sind diese auf euren regulären Releases doch eher eine kleine Seltenheit. Tatsächlich sind auf eurer neuen Veröffentlichung so viele unterschiedliche Kooperationen mit namhaften Acts enthalten, wie noch nie zuvor! Angefangen beim „Island“-Duett mit „Lord Of The Lost“-Mastermind Chris Harms, über Michael Popp und Sigrid „Syrah“ Hausen von „Qntal“ bei „Imperator Rex Graecorum“ und „Am Tiefen See“, bis hin zu „Oomph!“-Kopf Dero Goi bei „Selbstbetrug“... Was für ein Aufgebot! Wie habt ihr eure Feature-Gäste kennengelernt und warum sollten ausgerechnet jene Personen bei den entsprechenden Songs mitwirken?

 

Simon Michael Schmitt: Kennenlernen tut man viele, interessante Menschen in so einem Leben als Musiker. Das ist nicht das Problem, wenn es danach ginge, hätten wir noch viel mehr Gäste auf dem Album gehabt. Es ging einfach darum, wie können wir unseren Sound erweitern und bereichern? Wie können wir selbst neue Dinge ausprobieren und uns selbst treu bleiben? Das trifft auf „Island“ mit Chris zu, den wir schon sehr lange kennen und der ein guter Freund der Band ist. Wir wollten einfach jemanden, der diese Message in die Welt schreit! Bei „Selbstbetrug“ haben wir uns einen Sprechgesang gewünscht, aber von jemanden, der in der Szene aktiv und nicht unbedingt so einen Baseball-Cappy-Gangster-Rapper ist. Da fiel uns sofort Dero ein, ihn kennen wir gut da wir mit „Oomph!“ bei deren vorletztem Studioalbum zusammengearbeitet haben. „Syrah“ ist eine Hommage an die Geschichte von „Subway To Sally“. Der Song, „Am Tiefen See“, behandelt die Vorgeschichte zu „Die Rose Im Wasser“ und „Kleid Aus Rosen“. Letzterer wurde von „Syrah“ gesungen und so haben wir uns wahnsinnig gefreut, dass sie erneut bereit war, unsere Musik mit ihrer Stimme zu bereichern.

 

Roggenfaenger: In der Power-Ballade „Die Engel Steigen Auf“ greift ihr den sehr bildlichen und durchaus berechtigten Gedankengang auf, dass sich die geflügelten Himmelsboten aufgrund des menschlichen Verhaltens eines Tages von der Erde abwenden und wieder zu den Wolken auffahren. Mal angenommen, dieses Szenario entspräche der Realität: Wie würdet ihr sie davon abhalten wollen und was müsste sich dazu dringend ändern?

 

Simon Michael Schmitt: Nun, ich schreibe diese Zeilen auf dem aktuellen Höhepunkt der Corona-Krise. Wenn man mal in die sozialen Netzwerke schaut, dann wird einem Angst und Bange, was gerade mit der Welt abgeht. Ich meine, Facebook ist grade kaputt, weil es voll von irgendeinem Unsinn über Verschwörungstheorien ist. Mehr muss man dazu nicht sagen, oder? Eric hat schon vor ein paar Wochen gesagt, dass seltsamerweise einige Texte auf „HEY!“ fast schon ein Blick in die Glaskugel waren. Wollen wir hoffen, dass es nicht so ist.

 

Roggenfaenger: Gegen Ende des Albums finden sich drei Songs, die thematisch alle eng miteinander verknüpft sind und auch live präsentiert ihr das Triptychon in chronologischer Reihenfolge mit einer sehr charmanten, vorausgehenden Ansage. In Bezug darauf: Was müsste eurer Meinung nach wohl geschehen, dass wir endlich aufwachen und der Traum nicht irgendwann ausgeträumt ist?

 

Simon Michael Schmitt: Wir sollten einfach sorgsamer mit uns und diesem Planeten umgehen. Jeder ist immer groß darin, Reden zu schwingen. Wenn er dann aber selbst auf alltägliche Dinge wie übermäßiger Fleischkonsum, unnötige Fahrten mit dem Auto, Kreuzfahrten, Kurztrips nach New York und so weiter verzichten soll, dann sieht es schnell recht duster aus. Ich hab das schon vor Jahren mal als „pseudoalternativ“ bezeichnet. Also gerne alternativ sein wollen, aber nur große Reden schwingen. Dabei sehen wir uns keineswegs als Propheten oder Allheilsbringer: Wir sind ausdrücklich Teil des Problems, jeder Einzelne von uns in der Band.

 

Roggenfaenger: Der zweite Anlass für dieses Interview ist euer kommendes und mittlerweile sechstes Live-Album „Alles Was Das Herz Will“, das seinem Titel in Sachen Tracklist wirklich alle nur erdenkliche Ehre macht! Warum wolltet ihr nach der Veröffentlichung der „NeoN“-Tour unbedingt ein weiteres Zeitdokument für eure Fans auf den Markt bringen und wo wurde überall aufgenommen?

 

Simon Michael Schmitt: Also, die Geschichte ist schnell erzählt. Wir hatten schon bei den Proben das Gefühl, dass diese Show ein Höhepunkt in der Karriere der Band ist. Die Setlist fühlte sich einfach so gut an, ist energetisch, kurzweilig und auch die neuen Titel fügen sich wunderbar ein. Nach den ersten Konzerten der Tour haben wir mal die Spuren gesichtet. Wir schneiden nämlich so gut wie jede Show mehrspurig mit, das ist in der heutigen Zeit kein großes Problem: Laptop ans Pult und auf „Aufnahme“ drücken. Wir waren ziemlich begeistert, wie roh und energiegeladen diese Band 2020 klingt. Wir haben uns einfach über uns selbst gefreut, so dumm das auch klingen mag und wollten das mit unseren Fans teilen. So haben wir uns eine sehr gute Show als Grundlage genommen, der veröffentlichte Mitschnitt stammt aus Hannover, und haben diesen abgemischt. Wir hatten schon lange kein Konzertalbum mehr gemacht und es fühlte sich einfach richtig an, die „HEY!“-Tour für die Ewigkeit festzuhalten.

 

Roggenfaenger: Eure letzte Fulltime-Live-DVD, „Nackt II“, liegt hingegen schon einige Jahre zurück. Stattdessen gab es auf den limitierten Versionen der letzten beiden Alben die Aufzeichnungen von den Festival-Shows zu „Schwarz In Schwarz“ und „MitGift“. Zuletzt dann einige ausgewählte, aufwändige Video-Clips eurer Headliner-Konzerte im Rahmen der „NeoN“- und nun auch „HEY!“-Tour. Auch wenn mir persönlich die Audio-Aufnahmen eines vollständigen Konzerts schon immer sehr viel lieber waren, fragen sich bestimmt viele Fans, warum ihr mittlerweile auf einen zugehörigen Konzertfilm verzichtet?

 

Simon Michael Schmitt: Es gibt eine Aufnahme aus Hannover, mit der wir aber nicht zu 100% zufrieden sind. Es gibt gerade Überlegungen, einen extra Konzert-Film aufzunehmen, um die Auswirkungen der Corona-Krise etwas abzumildern. Das ganze soll als Crowdfunding stattfinden und wirklich etwas Besonderes werden.

 

Roggenfaenger: Eure Konzerte waren und sind auch in visueller Hinsicht schon immer etwas ganz Besonderes! Man denke da nur an den ungewöhnlichen Bühnenaufbau zur „MitGift“-Tournee mit seinen verwinkelten Podesten und dem großen Käfig oder der detaillierten Steampunk-Kulisse bei „NeoN“... Im vergangenen Jahr gab es hingegen mehrere Videoleinwände mit den passenden Visuals zu bestaunen, dafür verzichtet ihr mittlerweile seit ein paar Jahren nahezu vollständig auf den Einsatz der sehr beliebten Pyrotechnik, lässt man die Festival-Gigs einmal aus. Warum habt ihr euch dazu entschieden und was könnt ihr euch für die Zukunft noch so alles auf der Bühne vorstellen? Gibt es da vielleicht schon Pläne?

 

Simon Michael Schmitt: Ja das stimmt, wir lassen uns immer wieder etwas Neues einfallen und das ist meistens auch sehr aufwändig. Wir haben da aber auch phantastische Leute, die das für uns realisieren, wie unseren Stage-Designer Jan Hartung. Pyrotechnik ist ein gutes Stichwort, wir haben auf großen Festivals nach wie vor unsere lieb gewonnenen Pyromanen Heiko, Hannes oder Manni dabei. Wir waren irgendwann einfach der Meinung, dass wir jeden Pyro-Effekt nun schon mal verwendet haben und wollten einfach mal neue Wege beschreiten. Auf der „HEY!“-Tour hatten wir diese LED-Panels dabei, die statt Pyrotechnik mitgefahren sind. Unterm Strich ist die Show auch immer eine Frage des Budgets, das spielt natürlich auch eine Rolle. Oder anders formuliert: Wenn ich „Rammstein“ wäre und meine Tournee durch ausverkaufte Sportstadien gehen würde, dann würde ich mir das Beste aus beiden Welten raussuchen: LED, Käfige, Pyrotechnik - alles! Vielleicht schaffen wir den Sprung ja irgendwann.

 

Roggenfaenger: Schon sehr bald steht der zweite Teil der „HEY!“-Tournee an, im Sommer dann vermutlich ein paar Festivals und im Winter die traditionellen „Eisheiligen Nächte“. Was erwartet eure Fans dabei und generell noch in diesem Jahr? 

 

Simon Michael Schmitt: Der zweite Teil der „HEY!“-Tour ist ja nun erst mal verschoben wegen der Corona-Beschränkungen, auch der Festival-Sommer wird für uns wohl ausfallen. Im Moment können wir nichts Genaues sagen, wann wir wieder auf die Bühne dürfen… Das liegt nicht in unseren Händen, aber wir wünschen es uns wirklich sehr. Die Konzerte fehlen uns!

 

Roggenfaenger: Ihr habt’s geschafft, fast fertig! Möchtet ihr den Lesern zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?

 

Simon Michael Schmitt: Na, in der heutigen Zeit sagt man am Besten: Bleibt gesund! Danke für dieses Interview, es hat mir Spaß gemacht und man merkt, dass Du die Band schon länger begleitest und deshalb auch sehr genau und zielgerichtet Fragen gestellt hast. Danke dafür!

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