• Facebook - White Circle
  • Instagram - White Circle
  • YouTube - White Circle

NEUESTE
BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Dive - Frontline Assembly - Fix8:Sëd8 (2021)


Dive - Where Do We Go From Here? (2020)

Genre: Electro / Alternative

Release: 11.12.2020

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Out Of Line (rough trade)

Spielzeit: ca. 40 Minuten

Fazit:


Zwischen dröhnendem Noise und stampfendem Industrial hat sich Dirk Evens mit „Dive“ seinen eigenen, unverwechselbaren Stil erschaffen. Mit „Where Do We Go From Here?“ hat er sein Meisterwerk abgeliefert - ein Album, das den Sound und den Spirit der Klassiker in die Gegenwart transferiert. Darin beschreitet Evens neue Wege, um seinen Sound zu veredeln: „Ich habe mich für dieses Album mit Jan Dewulf von „Your Life On Hold“ und „Diskonnekted“ zusammengetan“, sagt der bescheidene Mainman, „... und neue Zusammenarbeiten führen zu neuen Sounds.“ Dennoch transportiert „Where Do We Go From Here?“ über weite Strecken den Sound früher „Dive“- und „The Klinik“-Tage, angereichert mit den Stärken einer modernen Produktion. Die Beats sind noch brutaler, die Klangteppiche noch finsterer, der Gesang noch eindringlicher. „Die Welt, in der wir leben, wird nie wieder dieselbe sein!“, kommentiert Ivens die offensichtlichen Einflüsse auf das Album. „Aber selbst, wenn es hoffnungslos aussieht, versuchen wir, eine positive Einstellung zu behalten.“. So ist „Where Do We Go From Here?“ zwar wie üblich ein düsterer Brocken Musik, bringt den Hörern aber auch einen Funken Hoffnung. Das kommende Album "Where Do We Go From Here?" ist ein weiteres Meisterwerk minimalistisch-dunkler Electro-Tonkunst, welches am 11.12.2020 über Out Of Line Music als Download, CD im Jewelcase und auf fünfhundert Einheiten limitierte, speziell gebrandete Holz-Box inklusive dem neuen Album auf CD und Vinyl, der exklusiven Vinyl-EP „Inside Your Head“ und einem handnummerierten Echtheitszertifikat.

„Gut Ding will Weile haben“ oder auch „Kommt Zeit, kommt Rat“ - Wer kennt diese althergebrachten Lebensweisheiten bitte nicht? Oder etwas anders beim selben Sinngehalt ausgedrückt: Wahre Qualität braucht eben ihren rechten Zeitpunkt. Ganz gleich, auf welche Art man diese Sprichworte denn aufzäumen möchte, die Aussage bleibt in ihrem Kern doch gleich und im Falle des hier zu besprechenden Materials mindestens auch genauso treffend. Wer schon länger in der Szene aktiv ist und sich dabei tiefergehend mit der elektronischen Seite fernab der gängigen, dort agierenden Künstler befasst hat, der dürfte bei seiner akustischen Erkundungstour früher oder später schon auf die alten Helden jener Abspaltung gestoßen sein. Velvet Acid Christ“, „KMFDM“, „Frontline Assembly“, „Nitzer Ebb“ oder „Skinny Puppy“ lauten da etwa die großen Namen, der in den frühen und späten Achtziger- oder Neunzigerjahren gegründeten Kult-Formationen. Forscht man etwas weiter und kann sich für die Materie erwärmen, kommt man an „The Klinik“ definitiv nicht mehr vorbei. Das von Marc Verhaeghen ins Leben gerufene Projekt gilt als eine der legendärsten Institutionen und kann bis zum heutigen Tage auf ein mehr als nur umfassendes Repertoire zurückblicken. Seit den letzten beiden Großtaten „Eat Your Heart Out“ und „The Klinik 84 91“ und den dazwischen klaffenden Jahren herrscht jedoch Stille. Doch war es neben dem unverwechselbaren Sound insbesondere der markanten Stimme von Sänger Dirk Ivens zu verdanken, dass sich Klassiker wie „Mindswitch“, „Go Back“, „Bite Now Bite“ oder „Hours And Hours“ erst in Herz und Gehör gleichermaßen fräsen konnten. Neben seiner einzigartigen Manier den einzelnen Titeln bedrohlich-eindringliches Leben einzuhauchen, kanalisierte der belgische Elektronik-Pionier seine unbändige Kreativität weiterhin regelmäßig und ließ sie zudem innerhalb diverser Tätigkeitsfelder wie „Absolute Body Control“ oder eben „Dive“ einfließen, deren neues Album nach einem gemeinsamen Feature mit „Suicide Commando“ benannt worden ist, welches in seinen insgesamt neun Songs die universale Sinnfrage nach dem „Wohin?“ stellt. Das eröffnende „Inside Your Head“ macht seinem entsprechenden Titel auch sogleich alle Ehre: Es lauert erst versteckt in den dunklen Schatten, pirscht sich daraufhin ungesehen an und kriecht sodann langsam, doch äußerst bestimmt und aggressiv in die Hirnwindungen des ahnungslosen Rezipienten, um mit einem einzigen Biss einen tiefschürfenden, gar zermürbenden Einblick in die kranke, verquere Psyche dieser Welt zu gewähren, welcher sich wie ein Geschwür intensiv ausbreitet. Die bruchstückhaft verzerrten Vocals und wehklagenden Lyrics bewegen sich dabei irgendwo zwischen Verzweiflung, Schmerz, Angst und Wut und lassen somit ein Höchstmaß an finsterer Atmosphäre aufkommen, die sich zunehmend verdichtet und sich auch bei der ausgekoppelten Single „Black Star“ oder dem folgenden „Slave To Desire“ keineswegs mehr legen soll. Im absoluten Gegenteil, wenngleich sich die maßgeblich dominierenden Rhythmen hier auch weitaus bedachter und eher mit behäbig stampfendem Nachdruck gestalten. Anstelle von harsch prügelndem Oldschool-Insustrial, verfallen die Stücke mit zunehmender Spieldauer in eine hypnotische Trance aus gespenstisch finsteren Noise-Nuancen mit gefährlicher Sogwirkung und legen zeitgleich doch eine vergleichsweise experimentellere, da ungleich moderne Note offen, die sich gelegentlich zwar recht ungewohnt, aber dennoch genauso vertraut in das Gesamtbild einfügt. So entsteht durch den klar erkennbaren Einfluss von Dewulf ein in sich schlüssiges, organisch funktionierendes Gefüge, das sich jederzeit passend in den jeweiligen Kontext integriert, erfrischend interessant und trotzdem relativ zugänglich bleibt ohne zu sehr mit neuen Elementen zu fremdeln. Inhaltlich verschwimmen hier die Grenzen zwischen psychischem Missbrauch, emotionaler Ausbeutung, ungleichen Machtgefügen und daraus resultierender Willenlosigkeit. Auch der resignierte Unterton eines „Leave Me Be“ wirkt sowohl in seiner musikalischen als auch intonierten Spielart streckenweise extrem verzweifelt, alleingelassen und von allen irdischen Einflüssen isoliert. Mit scheinbar allerletzter Kraft scheint sich das lyrische Ich gegen einen ungewissen Widerstand aufzulehnen. Ein harter Kampf, dessen schiere Aussichtslosigkeit zu jeder Zeit deutlich wahrzunehmen ist. Es sind exakt jene thematischen Züge, welche dann auch der Einsamer-Wolf-Nummer „Facing The Moon“ innewohnen. Hier reihen sich elektrisierend ratternde, kernige Synth-Spuren dicht an verzerrten Gesang und allerhand kleine Effekte, um zu einem intensiven, dringlichen Gemisch irgendwo zwischen sonderbar angespannter Melancholie, bitterer Anklage und innerer Zerrissenheit zu verschmelzen. Im weiteren Verlauf nimmt die musikalische Ausgestaltung der fortgeschrittenen Tracklist dann wieder ein ganze Stück weit mehr an Fahrt auf, schickt pechschwarze klopfende Bässe und aggressiv knisternde Beats voraus, die hier gezeichneten mentalen und seelischen Abgründe aussagekräftig zu unterstreichen. So künden etwa auch „Dark Place“ und „Death Machine“ in gar verheerender Schwarzmalerei-Bildsprache von schier endloser Ausweglosigkeit und brennendem Weltenschmerz. Der maßgebliche Sound ist auch hier durchweg maschinell getaktet, automatisch schwingend und permanent kühl. Distanziert und irgendwie entmenschlicht. Der Druck steigt nun sekündlich und nimmt so mehr und mehr klaustrophobisch beengende Züge an. Schon bald knarzt und knackt es aus allen noch so dunklen Ecken und Winkeln, womit sich ein schier unheimliches Gefühl von ständiger Beobachtung und omnipräsenter Bedrohung breitmacht. Ein Flair, welches sich auch während „Invisible“ mit seinem tief pochenden Bass, den unheilvoll schleichenden Beats und geflüsterten Lyrics von Anfang an breitmacht und eine so dichte Atmosphäre, wie gleichermaßen sperrige Instrumentierung offenlegt, die nicht zuletzt auch dem Titeltrack „Where Do We Go From Here?“ innewohnt. Abschließend wäre es wohl durchaus vermessen, über das neue Werk von „Dive“ zu sagen, dass es stellenweise doch etwas zu gleichförmig geschrieben wäre, denn grundsätzlich sind der Veröffentlichung keine wirklich nennenswerten, groben Schnitzer anzukreiden. Die reine Produktion hält nämlich stets ein hohes Niveau, ebenso auch die wirklich detaillierte Ausarbeitung der jeweiligen Arrangements. Trotzdem fällt es schwer, einzelne Stücke aus dem gesamten Kontext zur genaueren Besprechung herauszulösen. Zwar muten die effektvoll vorgetragenen Lyrics einerseits relativ reflektiert und klar, dann hingegen wieder wirr und fast schon wie ein verzweifeltes, unscharfes Zerrbild an. Insgesamt verbleiben die Aussagen oftmals generell viel zu eindimensional, vage und allgemeingültig gehalten, um wirklich eine Wirkung zu erzielen, die über eine unterstützende Funktion der instrumentalen Basis hinausgeht. Frei von jeglichen Emotionen und subjektiven Eindrücken ist „Where Do We Go From Here?“ selbstverständlich nicht, nur verliert sich Ivens stellenweise zu gerne in den immer gleichen Phrasen, ohne auch nur ein einziges Mal konkret zu werden oder gar eine Lösung für die nebulös anmutende Lethargie aufzuzeigen. Der charmant sperrige Kanon der der insgesamt neun Stücke gemahnt durchaus an selige „The Klinik“-Zeiten und verleugnet seine Herkunft zu keiner Zeit. Bass und Beats halten sich trotz ihrer Eindringlichkeit zumeist zurück, brechen niemals zu sehr aus und dienen damit eher als minimalistisch unterstützende Grundierung für das große Ganze, denn als tanzbare Club-Hits. Futter für die feierwütigen Massen, das will „Dive“ jedoch auch zu gar keiner Zeit sein und dieser Vorsatz gelingt. Trotz der initiierten Auslegung als dunkel-atmosphärische Klang-Collagen, gehen viele Songs doch überraschend gut ins Ohr, sind in sich aufgeräumt, intelligent strukturiert und obgleich der typischen Trademark-Querverweise nicht minder modern. Nicht zuletzt durch den behutsamen Einfluss von Jan Dewulf, der die Songs respektvoll und sorgsam mit seinen eigenen Einflüssen anreichert. So ist „Where Do We Go From Here?“ am Ende ein ziemlich frei interpretierbares Abbild des subjektiven Ist-Zustandes des Interpreten, welcher hier sowohl mit musikalischen als auch inhaltlichen Mitteln in beklemmender Stimmung, mentaler Zerrissenheit, tiefsitzenden Schmerzen und schweren Depressionen ein wenig zu objektiv festgehalten wird. Leider bleibt es dabei, denn so gut das Material in seiner Qualität auch ist, so allgemeingültig bleibt die bloße Aussage am Ende. Seine Berechtigung in der Diskographie von Dirk Ivens hat der aktuelle Output aber allemal! Fans der jeweiligen Projekte und generelle Freunde des Genres greifen natürlich bedenkenlos zu und bekommen bewährte Kost, alle Interessierten hören vorher Probe.


Informationen:

http://www.dirkivens.com


https://www.facebook.com/TheKlinikDiveSonarAbsoluteBodyControl

Frontline Assembly - Mechanical Soul (2021)

Genre: Electro / Alternative

Release: 15.01.2021

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Metropolis Records (Soulfood)

Spielzeit: ca. 58 Minuten

Fazit:


We rule with technology!“, hieß es einst schlachtrufartig im Song „Colombian Necktie“ und sollte sich fortan tatsächlich zu einem Quasi-Motto für die Folgezeit dieser Band entwickeln. Um wen geht es hier eigentlich genau? „Front Line Assembly“ ist ein 1986 in Vancouver bei Kanada gestartetes Projekt, welches sich fest dem EBM und Post-Industrial verschrieben hat und sich in den nunmehr über dreißig Jahren zu einer Ikone des Genres aufgeschwungen hat. Gegründet durch Michael Balch und Bill Leeb, der ehemals unter dem Pseudonym „Wilhelm Schroeder“ bei „Skinny Puppy“ Synthesizer und Bass spielte, dienten schon früh Bands wie „DAF“ oder „Portion Control“ als einflussreiche Inspirationsquelle. In 1986 erschien das Debüt „The Initial Command“, zeitgleich wurde das Nebenprojekt „Delerium“ ins Leben gerufen. Es folgten „State Of Mind“, das als absoluter Meilenstein gilt, die Mini-Alben „Corrosion“ und „Disorder“ unter Third Mind Records, „Gashed Senses & Crossfire“, nach dessen Release Balch ausstieg, sowie „Caustic Grip“ und „Tactical Neural Implant“. Ab dem 1994 erschienenen „Millennium“ ergänzte die Band ihr markantes Klangspektrum erstmals zusätzlich um harte E-Gitarren, was den bis heute bekannten Cross-Over-Sound maßgeblich revolutionierte. Kein Wunder, dass die Kollaboration mit „Die Krupps“ für „Remix Wars“ da klanglich wie die eiserne Faust aufs Auge passte. Ab 1998 folgten weiterhin zahlreiche, personelle Neubesetzungen, welche sich sodann auf „FLAvour Of The Weak“ mit einem verstärkten Fokus auf Electronica bemerkbar machten. Die zu jener Zeit ebenfalls bereits ausgestiegenen Rhys Fulber und Chris Peterson kehrten daraufhin zurück: Wieder vereint und kreativ stark aufgeladen, veröffentlichte man somit 2006 „Artifical Soldier“ und „Fallout“, gefolgt von einer groß angelegten Welttournee durch verschiedene Länder. Die letzten Lebenszeichen erfolgten dann zuletzt 2013 mit „Echogenetic“ und dem zugehörigen Pendant „Echoes“, sowie „Warmech“ aus 2018. Ganze drei Jahre später lassen „FLA“, wie sie von ihren Fans seit jeher liebevoll genannt werden, endlich wieder von sich hören! Der legendäre Industrial-Act „Front Line Assembly“ war schon immer furchtlos dazu bereit, die engen Grenzen zwischen den Genres zu verschieben und dazwischen alle möglichen Stile und Einflüsse zu erkunden. Das neue Album, „Mechanical Soul“, kann wohl als bisheriger Höhepunkt jenes künstlerischen Bestrebens angesehen werden: Ein meisterhaftes Werk von den Besten ihres Fachs mit namhaften Gastauftritten von Jean-Luc DeMeyer („Front 242“) und Dino Cazeres („Fear Factory“). Das mittlerweile siebzehnte Studioalbum erscheint am 15.01.2021 als Download, CD und Vinyl über Metropolis Records.

Eine sehr vertraute, da typische Basslinie, die damit schon gleich zu Beginn etwas abgedroschen oder zumindest wie von der Stange wirkt, und so oder so ähnlich schon arg häufig in diesem Genre zu hören war und immer noch ist, leitet „Purge“ ein. Dazu marschiert das Drumming stoisch im bestimmten Viervierteltakt voran, während allerlei knackende und sperrig knarzende Sounds in klassischer Industrial-Manier unterdessen für die Grundierung sorgen. Der Gesang lebt derweil von effektvoll beladenen, bruchstückhaft verzerrten Vocal-Shouts. So weit, so solide, so vorhersehbar. Das wohl größte Problem, das diesem Song gleich zum Einstieg innewohnt, ist, dass sich exakt dieses Prinzip für die nächsten Minuten gnadenlos durchzieht. Gänzlich ohne Veränderung. Keine Facetten, keine Varianz, kein Klimax. So lässt der erste Song sein eigentlich gegebenes Potential als Blaupause ungenutzt liegen und reicht nicht über den Standard hinaus - Schade. Zu „Glass And Leather“ schlagen nach einer sinistren Intro-Sequenz direkt ein mächtig knüppelnder Bass und minimalistisch kühle Beats ein. Sehr stimmig! Leider besteht auch hier dieselbe Problematik, wie schon beim vorherigen Stück, denn dieses Muster wird in den gesamten fünf Minuten Spielzeit bis zum Schluss exerziert, sodass sich die anfänglich starke Wirkung bereits nach der Hälfte wieder verliert. Das tut der damit beabsichtigten EBM-Schlagseite zwar keinen nennenswerten Abbruch, nur wäre eine derart ausufernde Ausschmückung nicht nötig gewesen, da so das Gefühl entsteht, dass sich der Track unmöglich in die Länge zieht. Für etwas Auflockerung können immerhin die vereinzelt eingestreuten Samples und kleinen Spielereien im Hintergrund sorgen. So schrammt man am Prädikat „Club-Hit von morgen“ vorbei, was extrem schade ist und vielleicht dazu anregen sollte, über einen au