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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Schandmaul - Knüppel Aus Dem Sack (2022)


Genre: Rock / Alternative


Release: 10.06.2022


Anzahl Ton- / Bildträger: 1


Label: Napalm Records (Universal Music)


Spielzeit: 49 Minuten

Pressetext:

SCHANDMAUL, die unangefochtene Speerspitze des deutschen Mittelalter Folk Rocks, enthüllen ihren neuesten Geniestreich und lassen wahrlich den Knüppel aus dem Sack. Das elfte Album der deutschen Ausnahmekünstler erscheint am 10. Juni 2022 via Napalm Records. Seit ihrem 1999 veröffentlichten Debütalbum, Wahre Helden, sind die Münchner ein Garant für hochkarätigen und niveauvollen Folk-Rock voller spannender, fesselnder Erzählungen, dargeboten durch genretypische Instrumente wie Dudelsäcke, Drehleier und Folk-Flöten und gekrönt von der unverwechselbaren Sangeskunst von Vocalist Thomas Lindner. Mit sechs #10 Alben in den deutschen Charts (darunter das #1 Werk Leuchtfeuer, 2016, und zuletzt Artus auf #2, 2019), zwei Nominierungen für den Echo Award, Gold-Status für Traumtänzer (2011) und Unendlich (2014), erfolgreichen Touren und zahlreichen Festivals, wie etwa dem Wave Gotik Treffen, M’era Luna und dem legendären Wacken Open Air, sowie Millionen Streams auf digitalen Plattformen haben SCHANDMAUL sich an die Spitze der Folk Rock Szene vorgearbeitet. 2022 beweisen SCHANDMAUL erneut, dass sie diesen Standpunkt erobert haben, um dort zu verweilen!

Knüppel aus dem Sack zeigt die Band in absoluter Topform als Liedermacher, Geschichtenerzähler und Unterhaltungskünstler und verkörpert ein weiteres Hochgefühl, das sich nicht nur an eingefleischte Fans der Schandmäuler richtet. Mit dem namensgebenden Opener “Knüppel aus dem Sack” holt das Sextett den Hörer unmittelbar in das unverkennbare Klanguniversum der Band. Spielkunst vergangener Tage trifft auf hämmernde Moderne und verwebt sich spätestens im impulsiven Refrain mit Ohrwurm-Charakter zur unschlagbaren Symbiose, wie nur SCHANDMAUL sie kreieren können. Mit atmosphärischem Treiben leitet wenig später “Königsgarde” ein fulminantes Feuerwerk ein und untermauert im Reigen weiterer Stücke, wie dem eindringlichen “Niamh” oder der beschwingt-kecken Darbietungen “Das Gerücht”, “Der Pfeifer” und “Der Quacksalber” die Hit-Tauglichkeit des Albums. Weitere spannende und eindringliche Geschichten warten in “Der Flug”, “Tatzelwurm” oder “Der elfseitige Würfel” und erlauben dem Alltag zu entfliehen, um sich vollkommen in einem klanglichen Paralleluniversum aus Gesang und Musik zu verlieren. SCHANDMAUL demonstrieren mit ihrem stimmungsvollen Folk Rock und dem neuesten Ausrufezeichen, Knüppel aus dem Sack, einmal mehr instrumentale Klasse voller wohltuender Unbeschwingtheit und zaubern einen weiteren Meilenstein in ihrer fast 25-jährigen Bandgeschichte!

Kritik:

„Irgendwann werden wir uns wieder gegenüberstehen

Ich glaub' daran


Irgendwann werden wir uns wieder in die Augen sehen


Und dann fangen wir von vorne an"

„Ich hab' ein Märchenbuch gefunden und ich gestehe unumwunden, dass ich verschlungen die Geschichten von all den Helden und den Bösewichten. Doch immer mehr und mit jeder Märe, kommt mir die Erkenntnis in die Quere, dass all das wonach's hier geht zu streben, mich nicht wirklich weiter bringt im Leben…“ Gleich zu Beginn gibt es eine ziemlich große Überraschung, denn hier setzt es vom Sextett aus dem oberbayrischen Gröbenzell musikalisch gesehen sofort eine ganz gehörige Tracht Prügel mit dem titelgebenden „Knüppel Aus Dem Sack“: Ein hartes Schlagzeug und schwermetallisch treibende, verzerrte Riffs sorgen direkt für eine fordernde, leicht dissonante Rhythmik. Selbst die sonst so zauberhaft verspielten Folk-Elemente wie Drehleier, Schalmei und Flöten muten vor jenem düster angelegten Hintergrund eher bedrohlich, lauernd und dunkel mystisch an. So ungewöhnlich kompromisslos und raubeinig tönten „Schandmaul“ zuletzt höchstens noch beim „Hexeneinmaleins“ von der „Traumtänzer“ oder dem „Krieger“ aus der „Anderswelt“ und auch die für den extrem zynischen Text gewählten Worte kommen sehr direkt und teils derb daher, wenn die klischeebeladenen Rollenbilder aus bekannten Märchen und deren naiv-verblümte Weltanschauung mit hörbar diebischer Freude schamlos entzaubernd zur Schau gestellt werden. „Und da brauch ich keine holde Königin, brauch keine gute Fee als Helferin. Brauch keinen Tisch der sich gar selber deckt, brauch keinen Prinzen der Prinzessinnen weckt!“, poltert da das lyrische Ich in der Rolle des als schmächtig titulierten, verspotteten Bücherwurms und macht seinem Frust reichlich Luft, wenn es auf die Frage, was „bei diesem ganzen Lumpenpack“ hilft, auf jenen Knüppel zu sprechen kommt. Die sonst so warme, charakteristisch wohltuende Reibeisenstimme von Thomas Lindnder ist kaum wiederzuerkennen, sondern kratzig, fies und kalt, wenn er die Zeilen der bitterböse dargebotenen Strophen viel mehr flüstert und faucht, als sie gewohnt melodiös zu singen. Gar keine Frage, Lindner beherrscht das geübte Spiel mit seinem voluminösen Organ für dieses Genre und seine Spielart beinahe in formvollendeter Perfektion und fast wünschte man sich, er würde dermaßen vom üblichen Standard abweichende Facetten während der Songs öfter abrufen. Sowohl in instrumentaler Hinsicht als auch auf Seiten der Intonation stellt diese unerwartete Eröffnung also eine zwar etwas sperrige, dadurch aber umso gelungenere, catchende Abwechslung zum klassischen „Schandmaul“-Sound dar, der sich insbesondere zuletzt hauptsächlich melancholisch, ruhig und gediegen präsentierte. Mit reichlich mittelalterlichem Instrumentarium aus treibender Percussion und heiteren Marktsackpfeifen bestückt, zieht im Folgenden dann die „Königsgarde“ majestätisch betont ein. Das Stück ist in Zusammenarbeit mit den befreundeten Genre-Kollegen „Saltatio Mortis“ und Ben Metzner von „Feuerschwanz“ und „dArtagnan“ entstanden, die erst abwechselnd im zweiten Part der Strophen und dann schließlich als Kollektiv im Refrain einstimmen. Und so klingt diese musikalisch und inhaltlich bewusst zu epischem Ausmaß arrangierte Hymne auf engen Zusammenhalt und wahre Freundschaft auch ein wenig wie eine Mixtur aus den Stärken der jeweiligen Formationen und nicht zu 100% nach den Mäulern selbst. Trotzdem mutet der Song zu keiner Zeit wie ein zu gewollter Flickenteppich auf Gedeih und Verderb an, wie es so manches Feature ja (un)gern tut, sondern lässt sich stets flüssig und stimmig hören, wenngleich er zeitweise zu sehr in schlagereske Gefilde mit Fernsehgarten-Potential abzudriften droht. Das groß angelegte, bombastisch ausladende Arrangement besticht neben der durchweg positiven Botschaft vornehmlich durch sehr viel Eingängigkeit und wirklich schöne Textzeilen, die bei den kommenden Live-Shows rasch zum Mitsingen und -machen animieren sollte. „Du findest mich in dunklen Ecken. Ich versteh‘s, mich zu verstecken. Ich entstehe, wenn man flüstert. Wenn man tuschelt oder lästert…“ Die dritte Single-Auskopplung, „Das Gerücht“, bedient sich die ersten Sekunden über nur einer raren Instrumentierung aus gezupften Saiten und konzentriert sich stattdessen rein auf den erzählerischen Aspekt, bevor es schnell zum knackigen Folk-Rock mit klarem Fingerzeig in Richtung früherer Werke übergeht. Vor allem Flöte und Geige kommen hier erstmals überdeutlich gut zur Geltung, während Lindner mit schelmischer Darbietung in die Rolle des titelgebenden Unholds schlüpft, der die kleinen und nicht selten auch großen Unwahrheiten in die Welt setzt und zeigt, welch zerstörerische und zerklüftende Wirkung manche Worte haben können: „Ich bleib’ im Dunkeln, scheu’ das Licht. Ich schwöre dir, du siehst mich nicht. Bin eine Seuche, ich bin Gift. Bin ein unseliges Gezücht, bin das Gerücht!“, heißt es im Refrain. Die nahezu erquickend fröhliche Musik und der süffisante Text mit ernstem Realitätsbezug, liefern sich derweil einen einschneidenden Kontrast, vor dessen Hintergrund besonders der starke Chorus gefällt, der hier durch versierte Hinzunahme der erstarkenden E-Gitarren einen gelungenen Nachdruck erhält. Bei den beiden folgenden Liedern greifen „Schandmaul“ dann endlich wieder vollumfänglich auf eine ihrer größten Kernkompetenzen überhaupt zurück, nämlich das lebhafte Erzählen von Geschichten: Für „Der Pfeifer“ stand selbstredend die legendäre Mär vom berüchtigten Rattenfänger von Hameln Pate, welcher nach zahllose junge Menschen auf rätselhafte Weise verschwanden und nie wieder auftauchten… Passend dazu forciert man hier zunächst die folkige Schlagseite und lässt durch rhythmisch klappernde Percussion sowie natürlich den verstärkten Einsatz von Flöten, ganz viel des mittelalterlichen Flairs aufflammen. Doch wer dem unbehaglichen Text ausreichend Gehör schenkt, dürfte nicht allzu verwundert darüber sein, dass der idyllische Grundtenor alsbald blitzartig schwindet und stattdessen den wütenden Zurufen einer aufgebrachten Meute Platz macht: „Nein! Das darf nicht sein! Haltet sie auf! Sonst nimmt das Unheil seinen Lauf! Das ist Frevel! Ketzerei! Verirrt sind ihre Seelen, lasst das Jungvolk nicht vorbei!“, tönt es da reichlich alarmiert in den stark verzerrten Lyrics im besten Answer-&-Response-Prinzip, bevor man anschließend wieder zum Eingangsprinzip überwechselt, welches von sanftem Drumming und akustischer Gitarre unterstützt dann später in einem großartigen, mystischen Refrain resultiert, der in seiner bloßen Intensität wahre Schauer über den Rücken zu jagen weiß. Vor allem durch die vielen plötzlichen Wechsel in Tempo und Stimmung liegt hier ein wirklich komplexes Arrangement im Gesamten zugrunde, was darüber hinaus noch mit seiner vielschichtigen Instrumentierung begeistert und somit zu den stärksten, da etwas abstrakteren Mäuler-Stücken der aktuellen Spätphase zählt. Mutig, gerne mehr davon! Die andere vertonte Erzählung beschäftigt sich hingegen mit dem „Tatzelwurm“, einem drachenartigen Fabelwesen, das in den Gebirgen der Schweiz sein Unwesen getrieben und die Bevölkerung verängstigt haben soll, und dem damit verbundenen Schicksal des verurteilten Heinrich von Winkelried, der sich dem Ungeheuer freiwillig zum Kampf stellte, um im Gegenzug seine Freiheit zurückzuerlangen. Niederdonnernde Trommeln sorgen für eine durchweg angespannte Stimmung in den Strophen, in denen es schon atmosphärisch knistert, nur um dann im erhabenen Refrain voller Siegeswillen mit der geballten Macht des Dudelsacks samt E-Gitarren losgelöst in ganzer Pracht aufzugehen. Ein klanggewaltiges Spektakel, welches das Ringen um Leben und Tod vor dem inneren Auge wunderbar bebildert! Auch „Der Flug“ trägt biographische Züge in sich, wird dieses Stück doch aus der Sicht des Benediktiners Eilmer von Malmesbury heraus erzählt, dessen Traum das Fliegen war. Schlagzeug, Gitarre, Drehleier und der sehr dominante Dudelsack gehen dazu sofort ein wunderbar harmonisches Bündnis im angenehm powernden Mid-Tempo ein, was für ein recht typisches, doch grundsolides Folk-Rock-Fundament sorgt. Das absolute Glanzlicht ist auch hier erneut der ganz und gar großartige Chorus, der das sehnsuchtsvolle Gefühl von Schwerelosigkeit und Freiheitsdrang perfekt vermittelt! „Der Quacksalber“ schlägt danach stimmungsmäßig wieder einen anderen Weg ein und wandelt musikalisch wieder auf sehr viel unbeschwerteren Pfaden. Was so manch langjährigen Fan bestimmt freuen dürfte, ist die charakterliche Nähe zu beliebten Frühwerken, wie etwa „Von Spitzbuben Und Anderen Halunken“ oder „Narrenkönig“ und entsprechendem Liedgut der Marke „Der Spion“ und „Der Poet“. So leichtfüßig beherzt und fidel, wie einst in alten Zeiten, spielen Flöten und Geige zu den dubiosen Angeboten des fragwürdigen Wunderheilers auf, während das Banjo derweil sogar einen dezenten Wild-West-Touch in sich trägt.


Der hörbar angestrengt pfeifende, laut ächzende Klang einer klassischen Drehorgel versprüht gleich eingangs das nostalgische Gefühl von buntem Rummel und traditionellem Jahrmarkt, bevor sich jene Melodie mit dem Anzählen durch Schlagzeuger Stefan Brunner dann in folk-rockige Gefilde begibt: Kernige Drums und die toughe E-Gitarre treffen hier erneut auf Flöte und Geige im mittleren Tempo. Zusammengenommen mit dem vor lauter idyllischer Naivität nur so strotzenden Titel selbst, könnte man bei oberflächlicher Betrachtung fast von einem typisch harmonischen Stück des Spielmanntums ausgehen… Wären da nicht die mehr als kritischen Worte im Text, denen es dringend Gehör zu schenken gilt! Das hochironische „Luft Und Liebe“ ist nämlich eben kein Hoch auf die Sorglosigkeit des fröhlichen Musikantendaseins oder bloßer Spaßmacher vom unbedarften Schlag alter Tage, sondern eine zurecht sehr zynisch ausgefallene Abrechnung mit dem gesellschaftlichen und nicht zuletzt auch politischen Bild auf die Eventbranche, welcher in der unsagbar großen Not der Pandemie weder Hilfe noch Gehör zugeschrieben wurde. Also all jenen Menschen, deren wertvolle Aufgabe, Tagesgeschäft und Lebensunterhalt es ist, die Freizeit der Bevölkerung mit ihrer Expertise in jedweder Form von Gastronomie, Kunst und Kultur zu versüßen, wobei dabei nur allzu oft und gerne von wichtigen Entscheidungsträgern wie mit egomanen Scheuklappen ausgeblendet wurde, dass all diese Vorhaben nicht allein aus reinem Spaß an der Sache geschehen, sondern abertausende Existenzen in diesem Land daran hängen, die es in diesen Zeiten eigentlich besonders zu schützen und unterstützen galt… Ungewohnt bissig, besingt Lindner den Spielmann, hier stellvertretend für einen jeden Kulturschaffenden, als immer „lustigen Gesellen“ und „wahre Frohnatur“, dessen einziges Bestreben und gleichsam Lohn in seinem scheinbar brotlosen Tun es ist, die Begeisterung und Lebensfreude in die Gesichter seiner Zuschauerschaft zu zaubern, denn „von Luft und Liebe lebt das Barden-Herz allein“. Wer den Ernst der Lage und jede noch so subtile Botschaft bis dato verpasst haben sollte, dürfte aber spätestens gegen Ende mit den Zeilen „Und da der Künstler Kind größter Bescheidenheit, der Beifall ist genug an Lohn und Brot. Ist es hierzulande keine Seltenheit, dass irgendwann er stirbt den Hungertod!“ umso mehr aufgerüttelt werden. Mit „Glück Auf!“ gibt es danach das zweite und gleichzeitig letzte Duett des neuen Albums auf die Ohren, hier mit den Irish-Folkern von „Fiddler‘s Green“. Wie bei diesen Gästen auch nicht anders zu erwarten, wird der „Schandmaul“-Sound jetzt durch Folk-Punk mit viel Power und natürlich signifikant irischer Note aus Akkordeon und Bouzouki angereichert, die sich nicht verheimlichen lässt. Auch Ralf „Albi“ Albers und Patrick „Pat“ Prziwara kommt in der Bridge mit den Worten „Und läuft es heute nicht, wie der Tag es sich mit uns gedacht… Drauf geschissen und nochmal gemacht!“ ein kleiner Gesangspart zu, der direkt ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ferner gefällt der charmant-raubeinige, wenn auch etwas platte Text mit Zeilen wie „Glück auf! Maul zu!“ oder „Schluss mit heißer Luft, steh‘ auf und tu‘!“, die die Motivation schüren und jeden Anflug von trübsinniger Stimmung abschütteln. Später liefern sich die Instrumente sogar noch einen schönen Teil mit verschiedenen Soli, in denen der typische Fiddler‘s-Spirit dann erst recht hervorlugt und ordentlich ins Bein geht - Klasse! „Irgendwann“, das mit einem schönen Zusammenspiel aus Gitarre und Geige beginnt, schlägt den Bogen erneut zu aktuellen Geschehnissen und richtet sich in seiner Aussage klar und deutlich an die Fans der Band, steht hier doch der Musik gewordene Wunsch im Vordergrund, sich gegenseitig persönlich wiedersehen zu können, um gemeinsam das Leben zu feiern. Bedenkt man die weiter oben genannten Umstände, unter denen das sehr melodiös und gediegen geratene Stück, das abschließend mit seinen kräftigen Ohoho-Chören sogar noch die passende Animation für kommende Konzerte bereithält, entstanden ist und die seit jeher große Nahbarkeit der Mäuler, so ist diesem definitiv besonders hohe Authentizität zuzuschreiben, die es nur umso emotionaler werden lässt. Zu „Niamh“, dem letzten Lied in der regulären Tracklist, begeben wir uns nochmals ins Reich der Märchen, Sagen und Legenden. Hier etwa in die keltische Mythologie und damit zur gleichnamigen Königin der Anderswelt und ihrem Gemahl aus der Welt der Sterblichen. Passend zur Thematik der tieftragischen Geschichte zeigt sich auch der musikalische Unterbau mit viel Dudelsack und Drehleier wieder als deutlich mittelalterlicher, das Schlagzeug und die Gitarre kommen erst später hinzu und erhöhen die Intensität. So beweisen „Schandmaul“ erneut ihr einzigartiges Geschick, sich ganz wunderbar in ihre jeweiligen Vorlagen einzufühlen und Emotionen durch das ungemein dichte Geflecht aus Musik und Text zu transportieren, wie zu ihren besten Zeiten! Als Bonus der zu dieser Veröffentlichung angebotenen Version bekommen die Hörer gleich zwei exklusive Track dazu: Zuerst wäre da „Der Elfseitige Würfel“, in dessen Geschichte der Protagonist einen wertvollen Schatz findet und daraufhin mit dem fiesen Dämon, der diesen bewacht, ein riskantes Würfelspiel bewältigen muss, bei dem die Zahl Elf über Leben und Tod entscheidet. Auch hier ist die toll gemachte Erzählweise wieder einer der größten Pluspunkte der leider zu zurückhaltenden Nummer, die zumindest in den Strophen ein wenig blass bleibt, dafür aber im kraftvollen und hervorragend intonierten Chorus umso mehr auftrumpft. Das sanftmütige „Long John Silver“ markiert das harmonische Finale mit balladesker Ader in wohliger Tavernen-Atmosphäre und echtem Feel-Good-Charakter. Bis auf den Refrain, der Drums und E-Gitarre kurzzeitig einführt, bleibt es eher ruhig und beschaulich.

Tracklist: 01. Knüppel Aus Dem Sack 02. Königsgarde feat. „Saltatio Mortis" & Ben Metzner 03. Das Gerücht 04. Der Pfeifer 05. Tatzelwurm 06. Der Flug 07. Der Quacksalber 08. Luft Und Liebe 09. Glück Auf! feat. „Fiddler's Green" 10. Irgendwann 11. Niamh 12. Der Elfseitige Würfel 13. Long John Silver Fazit:


Die Narrenkönige des gepflegten Folk Rock kehren nach ganzen drei Jahren der Abstinenz zurück und holen mit ihrem elften Studioalbum den Knüppel aus dem Sack! Tatsächlich hat sich in der Zwischenzeit eine ganze Menge im Hause „Schandmaul“ verändert, wie nicht nur der überraschende Wechsel des zuständigen Labels von der kommerziell erfolgsversprechenden Universal Music Group (Vertigo Berlin) hin zum weitaus linientreueren Napalm Records zuvor eventuell schon vermuten ließ. Besonders deutlich wird das klare Abdrehen vom Kurs der letzten Jahre aber vor allem durch starke Veränderungen in der musikalischen Ausrichtung, die ihr Hauptaugenmerk jetzt endlich wieder versierter auf die Aspekte des Mittelalter und Rock legt, anstelle jene alten Tugenden der beliebten Genre-Urgesteine nur als den Rahmen grundierendes Signature-Element einzusetzen. Nur allzu schwermütige und melancholische Balladen, die zwar schon immer fest zum Repertoire gehörten und „Schandmaul“ zweifelsohne ebenfalls perfekt beherrschen, zuletzt aber immer mehr den Bezug zur eigentlichen Seele der Band verloren (u. a. „Zeit“ von „Leuchtfeuer“), findet man auf dem aktuellen Release nicht, dafür aber umso mehr Umsetzungen vieler spannender Geschichten, Sagen und Mythen unter erfreulicher Zuhilfenahme von deutlich mehr Power an Schlagzeug und Saitenwerk. Einen vorsichtigen Schritt in die richtige Richtung gab es 2019 auch schon mit „Artus“, welches neben einer Handvoll solide rockenden Nummern als Höhepunkt ein eindrucksvolles Triptychon um die Legende der Tafelrunde enthielt, sonst aber leider etwas zahnlos, blass und unbefriedigend verblieb. Wie schon der erste Vorbote zeigte, trauen sich die sympathischen Sechs auf „Knüppel Aus Dem Sack“ wieder mehr Power und Biss zu, um sich von den hörbar ermüdenden Fesseln des Majors zu lösen und ihre treuen Fans stattdessen wieder in eine dichte Klangwelt zwischen Vergangenheit und Moderne zu entführen, die in ihrem abwechslungsreichen Sein über weite Strecken erfreulich nah an die besten Werke aus (fast) einem Vierteljahrhundert heranreicht. Wenngleich „Schandmaul“ sich auch dieses Mal keinesfalls wegweisend neu erfinden oder gar krampfhaft an besonderen Innovationen interessiert sind, so wissen sie die Erwartungen ihrer langjährigen Hörerschaft voll zu erfüllen, ohne dabei zu langweilen und diese zeitgleich doch zu überraschen, ohne zu überfordern. Dass der ruppig-düstere Titeltrack nicht unbedingt richtungsweisend für den Rest des Albums ist, wartet hier immerhin doch keine massive Mittelalter-Metal-Keule auf ihren Einsatz, dürfte den meisten Fans der eher fröhlich-sanften Folk-Kombo sehr recht sein, auch wenn etwas mehr jener Härte der Vielseitigkeit zuliebe wünschenswert gewesen wäre. Dafür gibt es manch unerwartete Wendung und überraschende Elemente in den in Summe sehr unterschiedlichen Songs, die es so ganz sicher noch nicht zu hören gab und viel mystisch-erzählerische Dichte, wie etwa bei „Der Pfeifer“ und „Tatzelwurm“, die unter anderem zu den erklärten Highlights der Tracklist zählen. „Schandmaul“ bleiben sich treu und präsentieren sich trotzdem oder gerade deswegen erfrischend und voller neu entfachter Spielfreude. So ist „Knüppel Aus Dem Sack“ als destillierte Essenz der Mäuler anzusehen, die von allem etwas bietet und somit ein sehr rundes Paket schnürt, das einfach Lust auf viel mehr in Zukunft macht!

Informationen:


https://www.schandmaul.de/


https://www.facebook.com/Schandmaul/

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