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Subway To Sally - Interview (2017)

10.01.2018

Es ist Dienstag Abend, der 26.12.2017 und somit folgerichtig zweiter Weihnachtsfeiertag. Während ein Großteil vermutlich immer noch daheim den festlichen Aktivitäten frönt und sich bei allerhand Leckereien die zigfachste Wiederholung von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zu Gemüte führt, bin ich dem festlichen Wahnsinn auch schon wieder entflohen und stehe nun auf dem Parkplatz hinter dem Ruhr... ähm... Vonovia Stadion des örtlichen Fußballvereins und mache mich, an dem „Renaissance“-Hotel und der kleinen Rundsporthalle vorbei, in Richtung des angrenzenden RuhrCongress auf. Wir haben 17.20 Uhr. Warum schon so früh? Ich habe heute die Chance der jährlich gastierenden Indoor-Festival-Reihe „Eisheilige Nacht“ wahrgenommen und einen Interviewtermin mit „Subway To Sally“ vereinbart. Immerhin steht der Band dieser Tage das fünfundzwanzigjährige Jubiläum ins Haus, also Zeit für einen kleinen Rück- und gleichzeitigen Ausblick. Wie doch die Zeit vergeht... Ich erinnere mich ganz genau daran, als ich hier vor einigen Jahren erst vor Ort war, um, ganz aufgeregt aus dem Publikum heraus, das zwanzigste Bestehen der Potsdamer Folk-Metaller zu feiern. Es kommt mir so vor, als wäre das alles noch gar nicht so lange her, aber das sagt man rückblickend vermutlich immer. Wahnsinn. Am Hintereingang der großen Veranstaltungshalle sind die Busse abgestellt und auch die Trucks werden von hier ausgeladen. Ich vertrete mir noch etwas die Beine und rauche eine letzte Zigarette, dann ist es plötzlich schon 17.30 Uhr. Auf die Minute genau wähle ich die Telefonnummer der Tourmanagerin und kündige mich an, woraufhin sie mir verspricht, mich in Kürze abzuholen. Derweil lasse ich den Blick über den hinter mir liegenden Sportplatz und die grünen Rasenflächen schweifen. Ich weiß noch ganz genau, dass hier damals im Sommer immer das alljährlich Sportfest abgehalten wurde, als ich noch zur Schule ging. Wie doch die Zeit vergeht, aber das schrieb ich ja schon. Es ist einem wohl nur nicht immer so ganz bewusst. Wie so vieles sonst auch. Plötzlich klingelt mein Telefon und reißt mich aus den Gedanken. Es ist die Tourmanagerin. „Hey, wo stehst du denn?“, fragt sie irritiert. „Oh, ich bin hier hinter der Halle... Soll ich eben schnell nach vorne kommen?“, antworte ich leicht hektisch. „Nein, nein. Bleib jetzt einfach da wo du bist, ich hole dich sofort ab!“. Gesagt, getan. Keine fünf Minuten später ist es dann auch schon so weit, eine Seitentür öffnet sich und Manu kommt mir lächelnd entgegen. Wir begrüßen uns kurz und gehen gemeinsam durch das große Tor. Ich kenne sie bereits durch unseren Kontakt bezüglich der „Neon“-Tournee 2016, sie selbst erinnert sich sogar ebenfalls noch daran. Ich freue mich. Wir laufen danach einen langen Gang entlang und bleiben schließlich vor einer Tür stehen, auf welcher das Schild „Produktionsbüro“ prangt. Im Flur steht Carl Fornia von „Mono Inc.“ und telefoniert. Erst diesen Mai hatte ich mit ihm ein Interview in der Turbinenhalle Oberhausen geführt, so sieht man sich immer irgendwo wieder. Auf einmal ist die Managerin wieder da und stellt mir Michael „Bodenski“ Boden vor, der jetzt aus dem Speisesaal kommt. „Haben wir nicht zufällig schon mal ein Interview zusammen gehabt?“, fragt mich der sympathische Texter nachdenklich. „Nein, noch nicht. Ich habe im letzten Jahr Eric in der Christuskirche interviewt, da sind wir uns kurz über den Weg gelaufen, glaube ich.“, lächele ich. „Hm. Möchtest du vielleicht auch einen Kaffee?“, bietet er mir an. „Klar, gerne!“. Plötzlich kommt Schlagzeuger Simon Michael vorbei und so steigen wir nun alle zusammen die Treppen ins erste Obergeschoss hinauf, wo die Bühnengarderobe der Musiker auf einem Ständer im Gang hängt und uns im Vorbeigehen auch noch Gitarrist Ingo Hampf über den Weg läuft. Eine Tür auf der rechten Seite wird geöffnet und schon stehen wir in einer der geräumigen Garderoben. An einem kleinen Tisch sitzt eine weitere Person konzentriert an einem Laptop und schaut jetzt auf. „Störe ich euch, ich kann auch eben rausgehen?“, meint sie freundlich. „Nein, nicht nötig!“, entgegnet Boden und bietet mir einen Platz auf der großen Ledercouch an. „Das ist übrigens meine Frau. Ich habe dir auch mal einen kleinen Schuss in den Kaffee gemacht, ist das okay so?“. Ich stimme freudig zu, hole anschließend das kleine Diktiergerät aus meiner Tasche hervor und lege mein Handy mit den Notizen beiseite. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile gut miteinander, dann geht es auch schon los und der kleine „Record“-Button macht kurz „Klick“...

 

Roggenfaenger: Wie doch die Zeit vergeht... Anno 2017 feiert ihr mit „Subway To Sally“ tatsächlich schon euer fünfundzwanzigjähriges Bestehen, an dieser Stelle meinen herzlichen Glückwunsch dazu! Gab es für dich persönlich in der Karriere ganz besondere Wendepunkte oder gewisse Schlüsselmomente, anhand derer dir die fortlaufende Entwicklung der Band maßgeblich bewusst geworden ist?

 

 

Michael „Bodenski“ Boden: Es sind gar nicht so sehr Schlüsselmomente. Ich glaube stattdessen viel eher, dass die Sachen, an die man sich am meisten zurückerinnert, immer bestimmte Abschnitte sind und ich habe dabei einfach die Erfahrung gemacht, dass es einem vor allem rückblickend klar wird. Also wir sind ja den klassischen Weg gegangen und haben erst noch als ganz kleine Band angefangen. Anfang der Neunziger haben wir uns vor allen Dingen in unserer Region und in Ost-Deutschland, wo noch bestimmte Strukturen vorherrschten, in Dorfsälen richtig Hornhaut auf die Finger gespielt, wie man so schön sagt. Dabei haben wir auch unsere Live-Qualitäten entwickelt und uns als Band gefunden. Das dokumentiert sich dann auch so in den ersten Alben. Man merkt ja, wenn man sich einmal sehr intensiv mit der Historie der Band beschäftigt, dass da am Anfang ein gewisser Reifungsprozess stattgefunden hat, gerade vom ersten zum zweiten Album. Und dann gab es da noch ganz bestimmte Wendepunkte, künstlerische Punkte, an denen man später auch mal das Risiko eingegangen ist, sein Publikum zu überraschen, zu schockieren oder zum Teil vielleicht sogar zu verärgern (lacht). Naja, aber das hatte auch wirklich immer seine Gründe. Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut an die „Engelskrieger“, das ist so ein ganz typischer Meilenstein, wo wir plötzlich nicht mehr ganz so mittelalterlich waren. Wir hatten zum Beispiel einen anderen Produzenten und so… Aber es war auch einfach diese Zeit. Das Album ist kurz nach 9/11 entstanden und da haben wir versucht, entsprechend moderne Thematiken mit ähnlich poetischen Worten in die Welt von uns herüberzuholen und damit auch Sachen anzusprechen, die über alle Zeiten hinweg für die Menschen von Bedeutung sein würden. Das ist überhaupt ein Anspruch, den wir eigentlich immer haben. Nachdem dieses Album fertig war, hat man gemerkt, dass etwas passiert. Das ist ja auch eine sehr interessante Phase der Band. Es gibt da gewissermaßen so ein vor und nach „Engelskrieger“, was wiederum durch „Herzblut“ und „Nord Nord Ost“, also zwei eher lyrische Platten, flankiert wird. So dreht sich im Laufe der fünfundzwanzig Jahre auch immer ein bisschen die Windrichtung, doch trotzdem haben wir immer, Achtung, den Kurs beibehalten (lächelt). Ein Punkt, an dem man es über all die Zeit aber auch ganz besonders festmachen kann, sind bestimmte Tourneen. Wie ich anfangs schon sagte: Raus aus diesen Dorf-Clubs und rauf auf die Bühnen des ganzen Landes. Da haben wir auch erst in eher kleinen Läden angefangen und die „Ochsen“-Tour gemacht, das waren dreißig Konzerte in zweiunddreißig Tagen und all solche Geschichten. Aber das alles halt noch in einem sehr kleinen Rahmen und auch mit Clubs, wo damals manchmal nur acht Leute kamen oder halt auch mal Fünfzehn. Irgendwann gab es dann eben diese Steigerung, bis hin zu der „Hochzeits“-Tour in den ganz späten Neunzigern, kurz vorm Millenniumswechsel, wo die Hallen dann plötzlich um einiges größer wurden und auch tatsächlich voll waren. Da hat man so gedacht „Wow!“… Mit dem Hand in Hand gingen hinterher auch größere Open Airs. Was natürlich immer kommt, ist dieser Moment, wenn man einmal beim Wacken auf der großen Bühne zu einer vernünftigen Zeit steht, davon träumt einfach jeder Musiker. Und auch, wenn wir da inzwischen mehr als ein Dutzend Mal gespielt haben, macht es einen immer noch sehr demütig, das alles überhaupt erleben zu dürfen. Wir waren jetzt auch dieses Jahr zu unserem Jubiläum zu später Stunde wieder dort und man darf nie vergessen, dass es etwas Besonderes und ein großes Geschenk ist, glaube ich.

 

Roggenfaenger: Kein Jubiläum ohne Festivitäten! Bereits vor fünf Jahren habt ihr euer zwanzigjähriges Bestehen auf den „Eisheiligen Nächten“ gefeiert. Als kleine Besonderheiten gab es dazu einen Sampler, auf welchem befreundete Bands eure Songs neuinterpretiert haben, darüber hinaus eröffnetet ihr selbst, als eure eigene Vorband, einen jeden Abend mit einem Oldschool-Set unter dem Banner der „Zeitreise“... Und auch dieses Mal haben sich „Subway To Sally“ wieder etwas Neues für ihre Fans einfallen lassen. Auch wenn es dazu schon einige Informationen in den sozialen Medien gibt, würde ich dich nun gerne darum bitten, den Lesern mal etwas mehr darüber zu verraten...

 

Michael „Bodenski“ Boden: Ja, dazu findet man schon einige Informationen im Netz, aber kurz zusammengefasst ist es so, dass dieses Projekt genau vor einem Jahr mit einem kleinen Vorlauf der Kontaktaufnahme durch Stefan Anker begann. Er ist ein gestandener Journalist, auch in etwa so in unserem Alter, der sich nochmal neu erfinden wollte und will, weil Fotografie eigentlich nie so sein eigentlicher Haupterwerb, sondern das Schreiben seine Hauptdomäne war. Stefan ist über Umwege auf diese Band gestoßen, hat zuerst Eric kennengelernt und dann eben diese Idee entwickelt, ein Jahr mit „Subway To Sally“. Das kam uns im Hinblick auf das heranreifende Jubiläum natürlich ganz gelegen, einmal darüber nachzudenken, ob es jetzt sinnvoller ist, die ganzen alten Fotos rauszukramen und einer Band beim älter werden zuzusehen oder zu zeigen, was genau wir da eigentlich so treiben, weswegen ich den Titel, „Hier Und Jetzt“, auch ganz interessant finde, den er für den Bildband gewählt hat. Ich bin irgendwann von ihm gebeten worden, ein Vorwort zu schreiben, habe alles auch für mich selbst nochmal reflektiert und dann auch Worte gefunden. Ich glaube, dass man in diesen „Hier Und Jetzt“-Bildern auch die lange Zeit spürt, die wir alle schon zusammen sind, wie wir miteinander umgehen, was für einen Spaß wir gemeinsam haben, aber auch, wie ernsthaft unsere Arbeit teilweise ist. Das ist genau das, was man bei anderen Konzertbildern eben überhaupt nicht sieht und das wäre auch ein Bildband gewesen, den wir so nicht gewollt hätten. Also ein Jahr mit „Subway To Sally“ und dann nur Fotos, wie wir bei all diesen Konzerten mitten in der Performance eine Gitarre hochrecken oder ein Mikrofon in der Hand halten… Solche Bilder gibt es zwar auch, allerdings zum Teil aus Perspektiven, wo normale Konzertfotografen nicht hindürfen. Stefan durfte hingegen auf die Bühne oder hinter das Schlagzeug. Er hat bei der „Neon“-Tournee zum Beispiel sogar auf diesem Podest gestanden, auf dem der Maskenmann sonst war und das war ja sogar noch hinter dem Schlagzeuger. Da sind, wie ich glaube, ganz interessante Fotos dazu entstanden, aber er war beispielsweise auch im Backstage, hat uns vor und nach dem Konzert fotografiert und auch dann, wenn wir mal wichtige Besprechungen gemacht haben. Zum einen Teil im Bus, wo man die Zeit einfach nutzt, wenn man mal so rumsitzt, zum anderen Teil aber auch in unserem Hauptquartier in Potsdam, wo wir uns treffen und Dinge besprechen, weil wir teil auch anderthalb Jahre oder länger im Voraus planen müssen. So ist dieser Bildband nach und nach entstanden. Wir haben ihm da sehr große Freiheit in der Gestaltung dieses Buches gelassen, weil es ja auch sein Baby ist und seine Arbeit ist, die da drinsteckt… Aber dieses Zulassen, diese Nähe, war wirklich schon eine Art von Prozess. Stefan hat das wirklich sehr gut gemacht und sich da so langsam herangetastet. Anfangs haben wir ihn in bestimmten Situationen, etwa vor einem Jahr bei den „Eisheiligen Nächten“, auch ein oder zwei Mal aus dem Backstage rausgeschmissen. Da muss erst einfach Vertrauen wachsen, das hat er gut hingekriegt und irgendwann war er sozusagen ein Teil der Familie, ein Teil des Teams. Das sind auch mit die besten Bilder, die so entstanden sind und trotzdem immer respektvoll, ist ja klar. Darauf konnte man sich verlassen und erst ab da wurde dieses Projekt zu dem, was es für ihn auch eigentlich sein sollte: Ein Jahr mit „Subway To Sally“ und nicht über „Subway To Sally“.

 

Roggenfaenger: Im Frühjahr 2016 hatte ich mit Eric schon einmal über die alljährliche Konstellation der drei Gastkünstler auf der „Eisheiligen Nacht“ gesprochen. Nun möchte ich das Ganze gerne noch etwas mehr ausweiten und direkt auf die 2017er Ausgabe projizieren. Verliere doch ein paar Worte über die jeweiligen Bands: Wie genau habt ihr sie auf eurem bisherigen Weg kennengelernt, was verbindet euch mit ihnen und warum sind es ausgerechnet jene Bands, die sich diesen Dezember mit euch gemeinsam die Bretter teilen?

 

Michael „Bodenski“ Boden: Die Verbindung zu den Bands, die dieses Mal mit uns auf den „Eisheilige Nächten“ spielen, sind wirklich sehr vielfältig und ich möchte auch gleich mal aus der Mitte heraus auf „Feuerschwanz“ eingehen, weil der Hauptmann schon ein musikalisches Vorleben hat und sich unsere Wege daher schon in den ganz frühen Neunzigern berührt haben. Er war früher zunächst noch bei den „Merlons“ und hat da Bass gespielt. Das ist eine Band, die dann irgendwann auseinandergebrochen ist. Daraufhin hat er mit eisernem Willen irgendwie ein völlig neues Projekt hochgezogen und sich damit vom Bassisten zum Frontmann gemausert. Das ist auch schon eine ganz schöne Leistung, davor muss man wirklich den Hut ziehen! Aber das ist auch nicht über Nacht passiert… Die haben dann auf Mittelaltermärkten oft irgendwo in der letzten Ecke gestanden und von dort aus versucht, die ganzen Leute von diesem Konzept, ich sage dazu jetzt mal, Mittelalter-Comedy, zu begeistern. Man kann davon jetzt natürlich halten, was man will, aber ich finde, die Leistung von „Feuerschwanz“ ist eine der Innovativsten der letzten Jahre. Ob man es nun mag oder nicht, aber dieses bierernste Rumgedudele machen ja auch schon ganz viele andere Bands und sie haben da gewissermaßen frischen Wind reingebracht und inzwischen auch eine sehr ausgeschlafene, unterhaltsame Show. Also das Line-Up, die gesamte Besetzung der Band, hat sich bereits ein paar Mal geändert und jetzt haben die da mittlerweile auch eine sehr eingespielte Truppe am Start. Es ist sehr schön zu sehen, wie dieser Erfolg gewachsen ist und genau deswegen spielen sie jetzt auch zurecht erneut bei der „Eisheiligen Nacht“ an dieser Position, denn es ist eine der ganz wenigen Bands, die zum zweiten Mal dabei ist. Mit „Mono Inc.“ ist es fast eine ähnliche Geschichte, weil wir sie eigentlich ebenfalls noch aus ihrer Entstehungszeit heraus kennen. Sie haben uns als Support-Band auf unserer „Kreuzfeuer“-Tour begleitet, da waren sie relativ am Anfang und haben auch gesehen und gespürt, dass wir so eine Macht sind, was die gesamte Erfahrung betrifft und die Dinge, die wir schon zusammen gestemmt haben. Genau da wollten die auch einmal hin und das haben sie mit sehr großem Elan und Ehrgeiz vorangetrieben und wie man sieht, in den letzten Jahren auch sehr fleißig Platten produziert. Es war an der Zeit, uns mal wieder auf dieser Ebene zu begegnen. „Mr. Hurley und die Pulveraffen“ ist dann aber nochmal eine ganz andere Geschichte, weil das ja so die Senkrechtstarter der letzten Monate sind. Die kommen lustigerweise aus der gleichen Region, wo auch unser Gitarrist inzwischen wohnt, also Osnabrück und da kennt man sich quasi untereinander (lacht). Er hat uns schon von den Kollegen erzählt, dass die da in kleiner Besetzung so eine Art Piraten-Rock machen und wir haben sie dann im letzen Jahr persönlich beim Feuertal Festival in Wuppertal kennengelernt. Und da haben wir, was zwar eigentlich eher selten passiert, obwohl man wahrscheinlich immer denkt, dass es ganz genauso passieren müsste, bei einem gemeinsame Bier verabredet, dass wir sie einladen wollen. Ich hatte da für dieses Jahr eigentlich noch eine andere Band auf dem Schirm, aber habe den Platz dann für „Mr. Hurley und die Pulveraffen“ freigemacht. Ich finde, dass es jetzt auch so nach dem ganzen Jahr 2017, was mit Donald Trump und der Bundestagswahl nun hinter uns liegt, auch mal an der Zeit ist, ruhig ein bisschen Spaß zu haben und locker zu lassen… Für große Emotionen und den Ernst, sind wir ja dann noch da (lächelt).

 

Roggenfaenger: Wie bekannt sein dürfte, haben ja einige Mitglieder von „Subway To Sally“, neben ihrem Engagement für die Hauptband, das ein oder andere Solo-Projekt als weiteres Eisen im sprichwörtlichen Feuer. So hat sich beispielsweise euer Frontmann mit „Eric Fish & Friends“ dem klassischen Liedermachertum verschrieben und auch du hast im März 2012 mit „Auto!“ dein Debüt gegeben, standest auf der „Zugabe“-Tournee von Eric sogar jeden Abend als dessen Support auf der Bühne. Erst kürzlich wurde unter dem Namen „Bannkreis“ überraschend ein weiteres Tätigkeitsfeld enthüllt, in welches zudem noch Gitarrist Ingo Hampf, Schlagzeuger Simon Michael und eine Sängerin involviert sind. Möchtest du vielleicht noch ein bisschen mehr darüber erzählen?

 

Michael „Bodenski“ Boden: Manche Dinge lassen sich halt nicht einfach so planen. Das Bekannteste von den Nebenprojekten, die da existieren, ist natürlich das Solo-Unternehmen von Eric und er ist auch letztlich schuld an dem, was da gerade so passiert (lächelt). Ich glaube, dass Eric in seinem Leben jetzt auch wieder mal an einem Punkt angekommen ist, an dem er sich neu erfinden will und hat halt die Johanna (Anm. d. Red.: Johanna Sophie Krins, „Delva“) entdeckt. Eine sehr junge Sängerin, die wirklich ausgesprochen talentiert ist. Er wollte etwas mit ihr machen und sie da auch so ein bisschen als Mentor unterstützen, Songs mit ihr zusammen schreiben und sehen, ob man es schafft, für sie vielleicht eine Plattenfirma zu finden, sodass sie künftig selbst etwas veröffentlichen kann. Eric ist dann letztlich auch über Kontakte und Verquickungen, die so schon seit Jahren existieren, an eine sehr interessante Plattenfirma geraten und da gibt es wiederum Berührungspunkte zu dem Songwriter-Team. In dem großen Verbund „Subway To Sally“ gibt es einen Kern, der hauptverantwortlich ist. Das ist ja nun auch kein Geheimnis. Ingo, unser Gitarrist, ist ein begnadeter Komponist und Arrangeur. Meine Kernkompetenz ist hingegen das Textschreiben und dann gibt es mit Simon Michael, unserem Schlagzeuger, eben noch jemanden, der sich in den letzten Jahren wirklich sehr weiterentwickelt hat, was das Produzieren betrifft, wobei auch er durchaus Songwriter-Qualitäten hat. Das war dann einfach so ein Moment, wo man sagt, dass es doch nur logisch wäre, wenn man jetzt eben alle anderen Sachen mal etwas zurückstellt. Also, dass „Subway To Sally“ natürlich weiterhin unser Flaggschiff ist, ist völlig klar und das wird dadurch auch nicht gefährdet sein. Es war dann aber plötzlich so offensichtlich, da das mal so die Möglichkeit war, etwas abseits von dem zu machen, was wir nach zwölf Platten mit „Subway To Sally“ schon sehr oft gemacht haben… Also einfach mal einen anderen Zungenschlag auszuprobieren und so eine Konstellation mit einer Sängerin bietet ja zudem auch ganz andere Möglichkeiten. Genau davon war auch die Plattenfirma total begeistert. Da gab’s so einen Song, bei dem das alles ziemlich offensichtlich wurde. Auch, dass diese beiden Stimmen von Eric und Johanna zusammen wirklich sehr interessant sind, auch sehr berührend sein können und sich gegenseitig Tiefe und Wärme verleihen, wie ich glaube. Es gibt einfach so Stimmen, bei denen es sofort „Klick“ macht. Ja und dann haben wir uns einfach ins Zeug gelegt, zusammen Songs geschrieben und mal geguckt, was daraus wird… Und dann sahen sie, dass es gut wurde (lächelt). Jetzt haben wir das unter einer neuen Flagge formiert, die Band wird „Bannkreis“ heißen. Das Album ist schon fertig, es wird jetzt im März erscheinen und wir wollen damit dann auch mal auf die Bühne gehen. Einfach so, wie wir es zum Beispiel mit der „Neon“-Tour gemacht haben, wie wir es mit der „Nackt“-Tour gemacht haben, also so ein bisschen in diese Richtung. Wenn man so will, eher akustisch. Wir nennen es „Epic Folk Rock“, so ein Ding halt. Es ist keine Kleinkunst, das geht schon richtig los und hat auch eine gewisse Größe. Damit wollen wir uns vorstellen und es probieren. Parallel arbeiten wir inzwischen auch schon wieder am nächsten „Subway To Sally“-Album…

 

Roggenfaenger: Das wäre auch gleich schon meine nächste Frage gewesen, immerhin liegt euer letztes Studioalbum „MitGift“ ja nun bereits ganze drei Jahre zurück. Wie sieht es denn mit einem Nachfolger aus? Haben die Arbeit daran schon begonnen und wenn ja, wie gestalten sich die Arbeiten daran?

 

Michael „Bodenski“ Boden: Das dachte ich mir (lacht). Möchtest du dann jetzt auf den Knopf drücken? Das ist ganz wichtig, das man versteht, dass wir Kapazitäten und Freiräume auch mal nutzen wollten und dass es nach fünfundzwanzig Jahren eben einfach geradezu danach schreit, auch mal ein bisschen frischen Wind reinzubringen. Dabei geht es hauptsächlich um die Protagonisten, das man sagt, „Ja, ich hätte Lust dazu oder ein paar Kapazitäten frei“. Ich habe immer mal ein paar Sachen, die bei „Subway“ so nicht funktioniert hätten oder Ideen, die jetzt hier und da besser passen. Nichtsdestotrotz ist es so, dass wir, auch wenn es für die Leute da draußen anders ausgesehen haben mag, das alles wirklich lange unter Verschluss gehalten haben, aber jetzt kommen die Informationen heraus und es wird dann auch demnächst veröffentlicht. Es ist schon ein Video gedreht und so… Aber für uns ist das ja eigentlich schon alles erledigt. So neu, wie es jetzt für den Konsumenten oder den Fan auch erstmal erscheint, der sich damit auseinandersetzen muss. Wir haben diese Auseinandersetzung längst abgeschlossen und arbeiten jetzt schon an der Live-Umsetzung und das ist einfach ein ganz anderes Thema, als zum Beispiel Songwriting oder so was. Wir haben eigentlich, wie das auch so typisch ist, bereits die nächste Seite umgeblättert und das ist eben ein neues „Subway“-Album. Da gab es, wie soll ich das jetzt nennen? Es gab, zu Neudeutsch, ein Kick-Off-Meeting, bei dem wir uns also zusammengesetzt und überlegt haben, wo die Reise hingehen soll. Also damit man sein Signal mal wirklich auf Grün stellt und sagt, „So, wir fahren jetzt mal los!“. Vorher passiert nix! Man muss das auch wirklich wollen und da waren sehr interessante Ideen dabei und Sachen, die vielleicht auch deswegen so verrückt sein werden, weil wir uns eben mit „Bannkreis“ jetzt so ein anderes Ding von der Seele geschrieben haben (lacht). Meine Vision von dem kommenden „Subway To Sally“-Album ist also, diese „Neon“-Welt, die wir da ja schon mit „MitGift“ betreten haben, weiterzuentwickeln. Wir werden thematisch sicher nicht wieder Mördergeschichten erzählen, sondern uns vielleicht eher so in dieser „Engelskrieger“-Tradition bewegen. Man hat einfach so das Bedürfnis, ein bisschen auf die aktuelle Weltsituation zu reagieren, wo es einfach an allen Ecken und Enden kracht und man denkt, dass es nicht vorwärts geht und sich fragt, was die Menschheit hier gerade eigentlich macht… Ich glaube, dass das so Dinge und Themen sind, die einen so umtreiben. Musikalisch wird es sicherlich sehr, sehr spannend sein, weil man sich nach zwölf Platten entweder wiederholen oder weiterentwickeln kann, das muss man auch verstehen. Wenn manche Leute diese Entwicklung nicht gut finden oder nicht mitgehen wollen, gibt es ja aber immer noch die zwölf anderen Alben. Für uns als Musiker, als Künstler, ist es halt wirklich spannend, einfach weiterzugehen und das werden wir auch tun. Was Cop Dickie betrifft, war die Zusammenarbeit bei „MitGift“ ganz jungfräulicher Art. Das begann aus der Ferne. Ingo und er haben sich Files zugeschickt und so. Jetzt ist es natürlich eine ganz andere Situation, weil wir zusammen auf Tour waren und uns dort intensiv kennengelernt und lange über Musik unterhalten haben. Er ist sehr viel jünger und hat Sounddesign studiert. Für Ingo ist das zum Beispiel wahnsinnig interessant, sich mit so jemandem über Musik auszutauschen, der sich zwar von einer gänzlich anderen Seite, aber dabei genauso leidenschaftlich und intensiv diesem Thema nähert. Nerd-mäßig sozusagen (lächelt). Unser Gitarrist ist ja in gewisser Weise auch verrückt… Da sitzt der Schlagzeuger, putzt seine Schuhe und lacht (blickt zu Simon Michael hinüber). Aber ich kenne keinen, der über die Jahrzehnte so sehr versucht hat, sich musikalisch immer weiterzubilden. Wir reden hier eigentlich wirklich über Musikstudien. Wir reden nicht darüber, nur Musik zu hören, sondern Noten zu schreiben und zu verstehen, wie alte Meister bestimmte Arrangements gesetzt haben. All solche Dinge, die wirklich sehr kompliziert sind und dabei aber trotzdem diese Frische zu behalten und diesen Zeitgeist einzufangen, um irgendwie fordern zu klingen. Also das kenne ich so von keinem anderen Musiker, das muss ich neidlos anerkennen.

 

Roggenfaenger: Möchtest du den Lesern zum Abschluss noch etwas sagen?

 

Michael „Bodenski“ Boden: Wir haben ja jetzt das Jahr 2017 fast geschafft, das ist so gut wie abgelaufen und da hat man ja auch immer Zeit für Rückblicke oder wird oft gefragt, was man sich so aus den letzten Monaten zieht oder den Leuten mitgeben möchte. Ich mach’s mal ganz knapp: Was mir wirklich wahnsinnig auf den Sack geht, ist dieses Jammerland Deutschland. Es wird irgendwie immer so viel rumgeeiert und auf alles Mögliche geschimpft. Ich finde, dass wir uns auch immer wieder daran erinnern sollten, dass wir eigentlich auf sehr hohem Niveau jammern. Wir sollten daran denken, dass wir in einem Land leben, in dem wir unsere Meinung frei äußern dürfen und in dem im Grunde genommen jeder das werden kann, was er möchte, wenn er es nur durchzieht. Da kommt eben der Punkt, wo ich sage, „Einfach mal die Klappe halten, machen und nicht immer nur rumjammern!“. Das wäre meine Empfehlung an uns alle… Mich eingeschlossen.

 

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