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Ost+Front - Interview (2018)

27.02.2018

Roggenfaenger: Erst kürzlich hat euer aktuelles Studioalbum „Adrenalin“ das Licht der Welt erblickt und steht jetzt in den Ladenregalen diverser Musikhändler bereit, meinen Glückwunsch dazu! Die umfangreichen Arbeiten dazu fanden also bereits im vergangenen Jahr zwischen zahlreichen Konzerten und Festivalauftritten statt. Eine Balance, die mit Sicherheit nicht immer ganz einfach zu handhaben ist. Wann genau findest du die Zeit, um an frischem Material zu feilen und deine Ideen in die Tat umzusetzen? Gibt es eventuell spezielle Orte, an denen du besonders gerne Musik schreibst oder die dir als inspirative Quelle dienen?

 

Herrmann Ostfront: Ich fange nach der Veröffentlichung eines Albums immer sofort mit der nächsten Produktion an. Sonst würde ich es nicht rechtzeitig schaffen. Bei den vielen Konzerten, sind 2 Jahre schon ziemlich knapp. Es ist eigentlich immer das selbe Prinzip. Ich gehe täglich ein paar Stunden spazieren und dabei kommen mir eine Menge Textideen. Nachts arbeite ich an den Songgerüsten. Das mache ich bei mir im Wohnzimmer am Laptop. Wenn ich genug Material habe, gehe ich ins Studio und spiele Demo Gitarren ein. Wenn ich genügend Songs und Texte für ein Album habe, gehe ich in Treptow auf ein Studioschiff und singe die Demovocals ein. Wenn die Demos dann perfekt sind, gehe ich ins große Studio nach Kreuzberg und singe alles neu und spiele auch alle Gitarren neu ein. Das ganze wurde dann diesmal nicht in Kreuzberg gemischt, sondern in Schweden. Insgesamt dauert das alles zwei Jahre. Dann ist wieder ein Album fertig. Bis auf die Tourtage, arbeite ich jeden Tag im Jahr an so einem Album. Auch im Urlaub.

 

Roggenfaenger: Bei den vorangegangenen Veröffentlichungen hat es sich ausschließlich so gestaltet, dass du als Einzelperson an der kompletten Entstehung neuer Lieder gearbeitet hast. Hat sich im Vergleich dazu nun etwas geändert und gab es eventuelle Unterschiede zu den vorherigen Jahren oder ist dahingehend alles beim Alten geblieben, frei nach dem Prinzip „Never change a running system“? Nehmen die anderen Bandmitglieder mittlerweile ebenfalls ihren Einfluss und steuern vielleicht gar eigene Ansätze oder Ideen bei?

 

Herrmann Ostfront: Das ist alles so geblieben. Es würde sonst auch viel zu lange dauern. Ich habe immer einen ganz genauen Plan, den ich sehr zielstrebig abarbeite.

 

Roggenfaenger: Das vorliegende Werk ist euer nunmehr vierter Lonyplayer. Welche Erwartungen habt ihr dabei dieses Mal an euch selbst und auch das Album speziell geknüpft? Gibt es, vor allem auch im Hinblick auf die offiziellen Media Control Charts, ein klares Ziel oder eine gewisse Marke, die ihr zu erreichen wünscht? Immerhin ist euer allgemeiner Bekanntheitsgrad seit der Veröffentlichung von „Ave Maria“ konstant angestiegen, ein echter Geheimtipp sind „Ost+Front“ also schon lange nicht mehr.

 

Herrmann Ostfront: Ja da gibt es schon immer ein Ziel das ich anstrebe und dabei bleibe ich auch recht realistisch. So wie sich "Ost+front" entwickelt hat, hab ich auf einen Platz 16 oder 17 gehofft. Es ist natürlich auch immer etwas glück dabei. Wenn Madonna und Katy Perry in der selben Woche veröffentlichen, stehen die Chancen schon gleich zwei Plätze schlechter. Das "Adrenalin" nun auf Platz 9 gelandet ist, ist schon echt eine unheimliche Überraschung. Ich bin unfassbar froh über diesen großen Sprung. Das spricht für das Album und die Entwicklung der Band insgesamt.

 

Roggenfaenger: Was nach dem ersten Hören von „Adrenalin“ direkt äußerst positiv auffällt, ist der schiere Abwechslungsreichtum. Wenngleich bisher jedes eurer Releases sowohl textlich als auch musikalisch wahnsinnig viele Facetten und stets einige Überraschungen zu bieten hatte, so ist das Füllhorn an verschiedensten Elementen hier ganz besonders beeindruckend. Vom typischen NDH-Stampfer, über packende Up-Tempos und ergreifende Power-Balladen, bis hin zu partytauglichen Techno-Beats und sogar Polka ist alles dabei! Woher beziehst du die verschiedenen Einflüsse und gibt es noch etwas, was du in diesem Kontext zukünftig unbedingt noch verwirklichen möchtest?

 

Herrmann Ostfront: Da habe ich noch ganz viele Ideen. Es kommt immer auf den Moment in dem ich es schreibe an, ob ich diese Ideen dann auch umsetzen kann. Ganz oft fange ich etwas in einem bestimmten Kontext an und es wird dann was ganz anderes. Ich finde diese Enwicklung immer sehr spannend. Anders könnte so ein Song aber auch nicht entstehen. Ich kann solche verrückten Titel nicht erzwingen. Es muss sich Stück für Stück entpuppen.

 

Roggenfaenger: Wenn man das Artwork des neuen Albums betrachtet, fällt einem im direkten Vergleich sofort eine kleine Besonderheit ins Auge. Auf den bisherigen Covern war stets ein gemeinsames Foto der ganzen Band zu sehen, das ist jetzt anders. Warum wurde mit dieser Tradition gebrochen und wie würdest du den gekrönten Totenschädel in Bezug auf den Titel sehen?

 

Herrmann Ostfront: Ich wollte eigentlich nie, dass die Band auf dem Cover ist. Da wurde ich mit dem Argument überzeugt, dass die Band schon recht speziell aussieht. Das war bei den ersten Alben auch absolut sinnvoll. Wenn man neu auf dem Markt ist und so ein seltsames Outfit zu bieten hat, sollte man das auch zeigen. Nun war es aber wirklich mal an der Zeit etwas ohne Band auf dem Cover zu machen. Mit dem Bild habe ich schon eine Weile geliebäugelt. Es erinnert mich daran, dass viele Komponisten erst nach ihrem Tod große Bekanntheit erlangt haben. Ich bin gespannt, ob das bei mir auch so ist. Und es ist ja mittlerweile eine Tradition, sich "Ost+front"-Tattoos stechen zu lassen. Ich finde das ist ein schönes Motiv für ein Tattoo. 

 

Roggenfaenger: Was verschafft dir so eine richtige Dosis "Adrenalin"?

 

Herrmann Ostfront: Das sind die Konzerte. Und darum geht aus auch in dem Songtext von "Adrenalin". Es ist wie eine Droge. Ich neige zu teilweise recht starken Depressionen und die Konzerte sind das perfekte Gegengift. Nach einem Konzert geht es mir ungefähr eine Woche lang richtig gut. Danach wird es wieder langsam düster.

 

Roggenfaenger: Eure aktuelle Single, zu welcher es auch ein eigenes Video gibt, heißt „Heavy Metal“ und persifliert unter anderem einige bekannte Klischees des entsprechenden Genres. Hast du persönliche Erfahrungen mit dieser Art von Musik und wie lautet deine grobe Meinung dazu? Werden „Ost+Front“ auch in der Metal-Szene weitestgehend wahrgenommen und falls ja, wie?

 

Herrmann Ostfront: Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen. Es hat mich jedoch schon als Kind irritiert, dass die bekanntesten Bands im Heavy Metal eigentlich eher so etwas wie Disco-Musik gespielt haben, was dann als harte Musik vermarktet wurde. Deshalb ist es ein Spiel mit den textlichen Klischees und ebenso mit dieser Eigenart, dass harte Image mit einem Popsong zu paaren. Hör dir mal "I Was Made For Loving You" oder "Turbolover" an, dann weißt du schon was ich meine.

 

Roggenfaenger: In „U.S.A.“ nehmt ihr euch gewohnt kritisch dem aktuellen Zeitgeschehen an und widmet euch dem umstrittenen Donald Trump, womit ihr ganz sicher einen Nerv bei den Hörern trefft. Auch wenn die Botschaft des Songs klar und deutlich ist: Was ging in jenen Tagen bei einem Blick in die Medien  in dir vor und was denkst du ob der politischen Lage in Amerika? Was sollte sich deiner Meinung nach diesbezüglich im Denken der Wähler und der Welt generell ändern, auch außerhalb der Vereinigten Staaten?

 

Herrmann Ostfront: Das so ein gestörter Mensch ein so mächtiges Land regiert, ist schon beängstigend. Es war schon ein Schock, als es Wirklichkeit wurde. Ich kann allerdings auch nicht sagen, wie sich die Dinge mit einer Frau Clinton enwtickelt hätten. Es wurde ja auch nicht ohne Grund von Pest vs. Cholera gesprochen. Die U.S.A. waren für mich schon immer ein bedrohliches Land.

 

Roggenfaenger: Nicht minder system- und sozialkritisch war schon der erste Vorbote auf „Adrenalin“ im Dezember 2017, mit dem ihr die immer weiter auseinanderklaffende Spanne zwischen „Arm Und Reich“ angeprangert habt. Was glaubst du, wie man dieser Fehlentwicklung entgegenwirken kann und was macht einen Menschen für dich persönlich „arm“ oder „reich“?

 

Herrmann Ostfront: Ich kann darüber Songs schreiben und hoffen, dass ich möglichst viele Leute damit erreiche. Das ist meine Aufgabe in dieser Welt. Ich möchte die Menschen dazu bringen über bestimmte Themen nachzudenken. Und es gibt immer mehr Leute die sich dafür interessieren, was mich sehr freut.

 

Roggenfaenger: Mit „10 Jahre Ost+Front“ habt ihr wieder einmal eine echte Hymne am Start. Gibt es innerhalb dieser Dekade denn einige spezielle Ereignisse oder Schlüsselpunkte, vielleicht sogar interessante Anekdoten, die dir dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben sind?

 

Herrmann Ostfront: Es war am Anfang alles ganz schwierig. Es gab kaum Geld zum Überleben. Innerhalb der Band war es auch sehr schwer. Einige hatten nach anfänglichen Erfolgen plötzlich einen Höhenflug und fühlten sich wie Rockstars. Es hat eine ganze Weile gebraucht, bis wir das alles wieder auf Kurs hatten. Nun ist es jedoch sehr angenehm auf Tour. 

 

Roggenfaenger: „Du Gehst Mir Unter Die Haut“ handelt von Körperkunst. Wie ist eigentlich deine eigene Einstellung zu Tattoos? Hast du eventuell selber welche und falls nicht, was würdest du dir gern warum stechen lassen, wenn du frei wählen könntest?

 

Herrmann Ostfront: Ich liebe Tattoos. Ich habe jedoch selbst keine, weil sich mein Geschmack ständig ändert. Ich wäre nach einer Weile sehr unglücklich und so habe ich mir nie etwas stechen lassen. 

 

Roggenfaenger: Seit vergangenem Wochenende seid ihr wieder auf großer Tournee durch ganz Deutschland und habt natürlich euer kürzlich erschienenes Album mit im Gepäck. Ihr legt bekanntermaßen viel Wert auf eine abwechslungsreiche Show, die auch für das Auge etwas bietet. Möchtest du schon ein klein wenig mehr darüber verraten, was ihr euch alles habt einfallen lassen und wie fallen die bisherigen Reaktionen der Besucher auf die neuen Songs aus?

 

Herrmann Ostfront: Das guckt euch mal bitte direkt auf den Konzerten an. Alle Infos findet ihr auf unserer Facebook Seite, oder auf www.ostfront.de.

 

Roggenfaenger: Geschafft, das wär‘s dann auch schon wieder! Hast du zum Abschluss noch ein paar letzte Worte an die Fans und Leser, die du loswerden magst?

 

Herrmann Ostfront: Ich will mich bei euch bedanken. Es war ein steiniger Weg, den wir mit euch gegangen sind. Jetzt läuft es schon richtig gut. Das neue Album ist auf Platz 9 in den Charts. Vielen Dank! Ohne euch hätten wir das nie schaffen können.

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