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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Die Toten Hosen - „Laune Der Natour"-Tour - RWE Stadion, Essen - 24.05.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Essen, Deutschland Location: RWE Stadion Kapazität: ca. 20.000

Stehplätze: Ja Sitzplätze: Ja ​Homepage: http://www.stadion-essen.de

Einleitung:

Es ist der 24.05.2018, ein junger Donnerstagabend. Heute sind meine Begleitung und ich auf dem Weg nach Essen, um genauer zu sein unterwegs zum RWE-Stadion des dort beheimateten Vereins Rot-Weiss. Ein Fußballspiel wollen wir uns allerdings nicht anschauen, denn hin und wieder finden in dem gut zwanzigtausend Personen fassenden Komplex auch Konzerte statt, so beehrten zuletzt etwa „Unheilig“ oder sogar „Black Sabbath“ die Stadt im Ruhrgebiet. An diesem Abend gibt es hingegen feinsten Punk-Rock aus Düsseldorf, denn niemand Geringeres als „Die Toten Hosen“ haben sich zum Auftakt des zweiten Teils ihrer „Laune Der Natour“-Tournee angekündigt. Der offizielle Einlass ist tatsächlich schon für 15.30 Uhr anberaumt worden, immerhin gibt es, wie gewohnt bei den Open-Airs der fünf Rheinstädter, zuvor noch ganze drei Support-Acts zu begutachten. Zum Glück sind wir dieses Mal nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, sondern werden direkt hinter dem Veranstaltungsort aus dem Auto gelassen. Das erleichtert so einiges, denn bereits während der Fahrt waren zahlreiche Fans mit dem selben Ziel zu sehen, welche in Scharen eifrig die Straße hinaufpilgerten. Als wir uns zur Kontrolle vor dem Eingang unseres Blocks einfinden, ist es in etwa 16.30 Uhr und somit noch eine ganze Stunde Zeit bis zum Beginn. Der Bodycheck ist schnell, aber dafür gründlich und nach dem regulären Abtasten, sowie einem prüfenden Blick in meine Umhängetasche, sind wir auch schon drin. Neben kühlen Getränken werden hier an verschiedenen Food-Trucks und Ständen natürlich allerhand Speisen verkauft, das Angebot ist dem Anlass entsprechend riesig. Darüber hinaus gibt es auch noch

zwei Zelte mit Merchandising, an denen wir uns später noch ein Tour-Shirt und einen Schal kaufen werden, doch jetzt steigen wir erstmal die Treppe zu unseren Plätzen hinauf. Wir haben Glück und sitzen auf der linken Tribüne relativ mittig, sodass wir von dieser aus alles im Blick haben. Als wir uns langsam in die bequemen Sitzschalen fallen lassen, fällt mir direkt die massive Bühne ins Auge, deren riesige Front, dem aktuellen Cover-Artwork von „Laune Der Natur“ getreu, wie eine fantasievoll-bunte Dschungellandschaft konzipiert ist und mich mit ihrem schrillen, ausgefallenen Theming irgendwie sofort ein bisschen an eine trashige Geisterbahn auf der Kirmes erinnert. Während auf der oberen Plane zwei lange Schlangen auf das neue Totenschädel-Logo der Band zukriechen, befindet sich im Hintergrund und zu den beiden Seiten je eine breite Leinwand, welche durch die fließenden Übergänge im Design nahtlos in die atmosphärisch ausgestaltete Verkleidung der Bühne integriert worden sind. Sehr schön, das Feeling wird also sehr gut transportiert und stimmt... Dann kann es doch eigentlich auch schon losgehen, oder?

Adam Angst:

Gegen 17.30 Uhr ist es dann auch endlich an der Zeit, die sogenannte „Rückrunde“ der aktuell in die Verlängerung gegangenen Tournee für das laufende Jahr 2018 einzuläuten. Den Anfang macht dabei eine ganz besondere Band, die zuletzt eher selten auf den Bühnen zu sehen war, für einen Anheizer zum Auftakt aber wohl nicht prädestinierter sein könnte. Einst im Jahr 2014 aus der vorübergehenden Pause des Hauptprojekts „Frau Potz“ resultierend formiert, konnte man sich sowohl mit dem selbstbetitelten Debüt als auch mit der in Kooperation mit den „Donots“, die heute ebenfalls anwesend sind, veröffentlichten Single „Wir Werden Alle Sterben“, schnell eine beachtliche Fangemeinde erspielen. Das viel zu kleine Backdrop zeigt eine unscharfe Silhouette vor weißem Hintergrund, der karge Schriftzug offenbar ein umgedrehtes Kreuz im Logo. Während leichter Nebel über die Szenerie weht, dröhnt minutenlang eine tiefgestimmte Orgel als Intro, unter deren unheilvollen Klängen nun Schlagzeuger Johannes Koster, Bassist Christian Kruse, wie auch die beiden Gitarristen David Frings und Roman Hartmann die Bretter betreten. Sänger Felix Schönfuss lässt sich danach etwas mehr Zeit, bevor er schließlich unter Applaus und zu „Das Ist Punk“, einem neuen Track des kommenden Albums, ebenfalls hinzutritt. Schnell ist Begeisterung im Innenraum zu vernehmen, die auch bei „Ja Ja, Ich Weiß“ und dem zynischen „Was Der Teufel Sagt“ nicht abreißt. Im Gegenteil, bereits jetzt bildet sich ein kleines Moshpit mit euphorischen Besuchern. Sehr schön, so soll’s sein! Doch nicht nur die Texte üben massive Kritik an der Gesellschaft, zwischenmenschlichen Beziehungen und Politik: Trotz der leider recht knapp bemessenen Spielzeit, nimmt sich der Fronter mit der facettenreichen Stimme einen kleinen Augenblick, um den direkten Kontakt mit dem Publikum zu suchen. So lobt er im Folgenden etwa Campinos mutige Rede beim diesjährigen Echo und wettert zurecht gegen die scheinheilige Branche, was verdient mit lautem Jubel verdingt wird. Passend dazu gibt es im Anschluss mit „Professoren“ einige Schelte ins rechte Lager, bevor das ebenfalls noch unveröffentlichte „Alexa“ mit zynischem Augenzwinkern zu neuzeitlichem Technologie-Wahn schielt. Das krachige „Splitter Von Granaten“ markiert danach den Schluss für das unterhaltsame Set von „Adam Angst“, die hier und heute mit Sicherheit einige Hörer für die Zukunft dazugewonnen haben dürften.

The Vaccines:

Nach einer relativ kurzen Umbaupause kann es um 18.20 Uhr auch schon mit dem nächsten Act weitergehen, immerhin sollen im weiteren Verlauf des heutigen Abends noch zwei andere Bands auf der Bühne im Stadion stehen. Da das, was nun als nächstes folgen soll, sich vom restlichen Line-Up aber merklich differenziert, bittet Andreas „Andi“ Meurer schon vorab bei seiner Ankündigung um einen herzlichen Willkommensapplaus für „The Vaccines“. Im Jahr 2010 aus ehemaligen Mitgliedern von „Jay Jay Pistolet“ und „The Horrors“ in London gegründet, erregte der sympathische Vierer unter anderem beim Management von „Franz Ferdinand“ schnell wertvolle Aufmerksamkeit, welches die jungen Musiker sofort unter seine Fittiche nahm. Nachdem sie in einer Umfrage des Senders BBC unter die Top 3 der vielversprechendsten Newcomer gewählt wurden, stiegen sie schnell in die nationalen Charts ein. Mittlerweile gehen ganze siebzehn Singles und vier Alben auf das Konto des UK-Imports, der neben eigenen, ausverkauften Shows zuletzt auch beachtliche Bekanntheit als Support der „Rolling Stones“ erlangen konnte. Jetzt erwartet Essen also ausnahmsweise mal kein Punk, sondern purer Indie-Rock, die erfolgreiche Band selbst benennt ihre Einflüsse beispielsweise aus dem klassischen Rock‘n‘Roll, American Hardcore oder auch der modernen Pop-Musik. Wie gewünscht, wird Schlagzeuger Pete Robertson, Bassist Árni Hjörvar und den zwei Gitarristen Freddie Cowan und Sänger Justin Young ein warmer Empfang bereitet, der sich über das eröffnende „Nightclub“ und „Teenage Icon“ noch weitestgehend hält. In den kommenden, gut dreißig Minuten legt sich die zuvor noch recht ausgelassene Stimmung allerdings wieder etwas. Wirklich mitsingen, klatschen oder pogen kann und will zum eher entspannten Sound des Quartetts niemand so recht, man lauscht viel eher und wippt gelegentlich im Takt der schnelleren Nummern, wie beispielsweise „Wetsuit“, „Bad Mood“ oder „Post Break-Up Sex“, was aber auch durchaus als schöne Abwechslung zur kurzzeitigen Erholung angesehen werden kann. Ernsthaft stören kann sich an schönen Songs der Marke „Your Love Is My Favourite Band“ und „Nørgaard“ jedenfalls niemand, der einigermaßen offen für Anderes und Neues ist. Definitiv nicht zu leugnen ist ein äußerst charmantes Flair mit starken 90er-Vibes, als artverwandte Künstler könnten vergleichsweise etwa „The Killers“, die „Arctic Monkeys“, „The Strokes“ und „Kaiser Chiefs“ herangezogen werden. Die Highlights haben sich die Engländer aber wie üblich für den Schluss aufgehoben: „I Always Knew“, „If You Wanna“ und „All In White“ kommen sehr gefällig daher und sind echte Ohrwürmer. Wenngleich das Feedback des Publikums auch gelegentlich abgeflacht ist und verhalten wirkte, so zeigen die Besucher zum Ende dennoch höfliche Anerkennung und entlassen die Engländer nicht ohne dankbaren Beifall. Und tatsächlich boten „The Vaccines“ alles andere als schlechte Musik, nur waren sie vielleicht nicht unbedingt die beste Wahl, für ein Deutsch-Rock und -Punk orientiertes Publikum und heute zwischen kritischen Ansagen und harten Gitarren somit eher etwas unglücklich untergebracht.