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  • Christoph Lorenz

Amphi Festival - „Call The Ship To Port" - Altstadtufer, Köln - 27.07.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: MS RheinEnergie

Kapazität: ca. 1.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Ja

Homepage: http://www.amphi-festival.de

Einleitung:

Es ist Freitag, der 27.07.2018 und vor allem ist es warm. Sehr sogar. Da die Dinge manchmal bekanntlich völlig anders als zunächst geplant laufen, musste ich meinen kurzen Aufenthalt in Köln vor ein paar Tagen erst nochmal gehörig umplanen, um doch noch einigermaßen rechtzeitig in der bekannten Domstadt ankommen und vor allem auch am diesjährigen Pre-Event „Call The Ships To Port“ teilnehmen zu können, auf welches ich mich ob des ansprechenden Line-Ups schon seit Monaten gefreut habe. Fast wäre diese Unternehmung aber, Achtung, aus Zeitgründen sprichwörtlich ins Wasser gefallen... Immerhin wäre es darin wohl schön kühl, was man vom Ruhrgebiet dieser Tage nicht gerade behaupten kann. Während manch ein Festivalbesucher meines Wissens nach also schon längst inklusive ausgedehntem Urlaub ausgeruht an meinem angepeilten Zielort verweilt, steht mir erst noch ein wahrer Spießrutenlauf bevor: Immerhin kann ich mich heute etwas eher von der Arbeit verabschieden und hetze anschließend direkt zum Bochumer Hauptbahnhof, wo ich mir mein gesamtes Gepäck von einem lieben Menschen übergeben lassen darf, der bereits am entsprechenden Gleis auf mich wartet, um mich sodann gerade noch rechtzeitig auf einen der bequem gepolsterten Sitzplätze im ICE fallen zu lassen. Diesen Luxus gönne ich mir jetzt einfach mal. Ja, entspannt reisen war unbeabsichtigterweise wohl noch nie so meins. Die Hauptsache ist zumindest aber, dass ich überhaupt reisen kann. Von daher will ich mich mal nicht beschweren. Ich habe es wider Erwarten noch geschafft und das ist es ja, was zählt. Eigentlich hatte ich mir ganz fest vorgenommen, während der Fahrt fleißig meine noch ausstehenden Reviews zu schreiben, aber just in diesem Moment bin ich letzten Endes dermaßen erleichtert und müde, dass die einstündige Fahrt so unbemerkt schnell wie unproduktiv an mir vorbeizieht. Naja, das muss vielleicht auch mal sein. Schließlich im Stadtteil Deutz angekommen ziehe ich meinen Koffer durch die Hitze so schnell wie möglich hinter mir her, direkt auf dem Weg zu meiner aktuellen Unterkunft, welche dieses Mal weise vorausschauend nicht am anderen Ende der Welt liegt. Das und eine vorsichtige Fortbewegung im Schneckentempo, sollten es mir eigentlich leichter machen, nicht gleich wieder schweißgebadet an der Rezeption anzukommen, aber die drückende Luft in Köln ist so erbarmungslos, wie eh und je. Bemüht lächelnd schleppe ich mich zum kurzen Check-In und stürze dann aus dem kleinen Fahrstuhl in mein Zimmer hinein. Zum traditionellen Auspacken und häuslichen Einrichten habe ich jetzt aber absolut nicht mehr die nötige Zeit, eventuell mache ich das ja später noch. Vielleicht bleibt aber auch gleich einfach alles im Koffer verstaut und wird nur bei Bedarf herausgeholt, dann spart man sich das Einpacken... Das ist nun jedenfalls meine kleinste Sorge. Nachdem ich mich schnell geduscht, frisch gemacht und umgezogen habe, geht es wieder zurück an die praktisch nicht vorhandene Luft. Ob es bei Temperaturen von fünfunddreißig Grad ratsam ist, sich komplett in Schwarz zu kleiden, ist sowieso indiskutabel, aber vermutlich könnte man auch gar nichts tragen und es wäre dennoch nicht viel besser. Den Rhein über die Hohenzollernbrücke zu Fuß zu überqueren, spare ich mir heute daher lieber mal gleich und steige in ein Taxi, das mich zum Altstadtufer bringt. Durch plötzlich auftretendes Niedrigwasser wurde die eigentliche Anlegestelle der MS RheinEnergie nämlich einmal mehr vom Kennedy-Ufer hierher verlegt.

Wie erwartet, sind die kleinen Gassen hier nicht minder voll, als der unmittelbare Platz am Rhein selbst. Zusätzlich findet heute noch der jährliche Altstadt-Lauf statt, weswegen ich mir erstmal einen alternativen Weg durch die campierenden Massen suchen muss und mich letztlich an den Treppen zur Domplatte wiederfinde. Ich hätte also auch genauso gut zum Hauptbahnhof fahren können. Egal, jetzt bin ich endlich angekommen und es hat tatsächlich noch alles geklappt. Der Einlass geht trotz der langen Schlange verhältnismäßig zügig vonstatten und in weniger als einer halben Stunde kann das Boarding für mich beginnen. Die freundliche Security checkt meine Tasche und kontrolliert das Ticket, danach geht es über eine lange Rampe hinunter zum Schiff. Das Personal begrüßt mich so freundlich wie immer, die ersten Gäste haben sich schon gute Plätze auf dem Oberdeck gesichert und genießen die Aussicht. Mein letzter Besuch auf dem renommierten Event-Kreuzer liegt mittlerweile schon ganze zwei Jahre zurück, wie ich bemerke. Damals war ich zu Gast bei „In Extremo“ und ihrem Unplugged-Gig zum Jahresabschluss, mein letztes „Call The Ship“-Erlebnis hingegen war 2015. Wie die Zeit vergeht. Im Unterdeck befindet sich zur rechten Seiten neben den Sanitäranlagen die Garderobe, an der heute Abend natürlich niemand etwas abzugeben hat. Zur Linken geht es direkt in den geräumigen Saal selbst, wo neben einer Bar auch die Bühne beheimatet ist. Die Treppe führt mich zum Mitteldeck, hier gibt es an den verschiedenen Ständen großzügig Merchandising von allen drei Bands zu kaufen und auch weitere Möglichkeiten, sich mit Getränken und sogar Speisen, wie Salaten, Wok-Nudeln oder Currywurst einzudecken. Vom hiesigen Balkon, der in einem Halbrund um die untenliegende Fläche verläuft, hat man zudem einen sehr guten Blick auf das kommende Geschehen. Zum Glück hat Fotograf Torsten mir gemeinsam mit seiner Partnerin vorsorglich einen tollen Platz vor dem Geländer freigehalten. Wir haben uns schon geschlagene drei Monate nicht mehr gesehen und begrüßen uns herzlich. Die beiden sind mir direkt schon wieder sympathisch, denn ihnen ist sichtlich genauso warm wie mir. Wir erinnern uns an den ersten Amphi-Tag 2016, als wir uns stundenlang nicht von der Bank im Beach-Club aufraffen konnten und haben sogleich wieder einige schöne Gesprächsthemen. So macht Ankommen doch Freude! Gut nur, dass es an Bord auch recht große, gekühlte Selters-Flaschen zu einem durchaus humanen Preis zu kaufen gibt. Wir bunkern gleich mehrere Exemplare davon und treffen noch zufällig das ein oder andere bekannte Gesicht wieder. Danach schaue ich noch kurz auf dem Oberdeck vorbei, fröne meinem Laster und beobachte die wartenden Menschen am Altstadtufer, die uns von dort aus ebenfalls beobachten. Plötzlich gibt es ein kleines Ruckeln und die MS RheinEnergie setzt sich behäbig in Bewegung. In der Zwischenzeit ist es doch tatsächlich überraschend 20.30 Uhr geworden, die große Fahrt beginnt...

„Herzlich Willkommen „Call The Ship“, seid ihr da? Ihr hört mich jetzt gerade zwar nur, aber schon morgen könnt ihr mich auf der Bühne am Tanzbrunnen auch sehen. Mein Name ist Oliver Klein und ich werde diesen Abend moderieren. Für später haben wir noch eine kleine Aktion geplant... Unser Festival-Fotograf Honey steht auf der Deutzer Brücke und wenn wir das Signalhorn hören, bitte ich euch alle darum, in seine Richtung zu tanzen, zu winken oder zu springen, was das Zeug hält, okay? Macht dann mal ordentlich Lärm und später werden wir das dann für alle online stellen. Ich freue mich schon auf ein paar schöne Stunden mit euch!“, begrüßt der bekannte Szene-Kabarettist die anwesenden Gäste zur sechsten Ausgabe des Pre-Events auf der MS RheinEnergie erfreut, die gegen 20.30 Uhr langsam von der Frankenwerft am malerischen Altstadtufer ablegt und zu ihrer abendlichen Rundfahrt über den Rhein ansetzt. Es geht los! Nach einigen Minuten schalten sich die überall an Bord verteilten Lautsprecher dann schließlich ein weiteres Mal kurz ein: „Hallo Köln oder sollte ich doch lieber MS Karibik sagen? Die erste Band ist hier heute Abend für das Klima zuständig... Also schließt bitte die Türen, damit wir in dieser Nacht alle einen kühlen Kopf bewahren. Sie kommen aus Hamburg und haben ein ganz spezielles Programm für euch vorbereitet. Mehr möchte ich jetzt auch nicht verraten, denn wir holen Sie jetzt einmal alle zusammen für euch auf die Bühne. Viel Spaß!“.

Mainstage, 21.10 Uhr - Eisfabrik:

Exakt um 21.10 Uhr ist es dann auch endlich an der Zeit für die erste Band des noch jungen Sommerabends und diese könnte ob der hitzigen Temperaturen wohl nicht besser gewählt worden sein, um das vor der Bühne und auf den Rängen schon gespannt wartende Publikum etwas herunterzukühlen. Ein Anheizer mal anders! Ohne wertvolle Sekunden zu verlieren, entern jetzt der maskierte Live-Schlagzeuger René Dornbusch, sowie die beiden Keyboarder Jan „Celsius“ Bertram und Gerrit „Der Frost“ Thomas gemeinsam unter lautem Applaus ihrer Fans die Bretter und begeben sich an ihre Instrumente, dich gefolgt von Frontmann und Sänger Charly „Dr. Schnee“ Barth-Rickfels. Wenngleich die Ausgestaltung des heutigen Spielorts ob des angesetzten Kurz-Sets und den damit verbundenen Umbauarbeiten vergleichsweise eher spartanisch ausfällt, hat es sich der Vierer aus Hamburg selbstredend nicht nehmen lassen, das gesamte Instrumentarium samt Kostümierungen wie gewohnt stilecht in schimmernd hellem Weiß darzubieten. Zu den mächtig stampfenden Takten des eröffnenden „Soon Enough“ geht es los, während der Saal von blutrotem Licht bedeckt wird. „Vielen Dank. Hallo Köln!“, begrüßt der bärtige Mastermind die jubelnde Menge, welche sich schon nach den ersten Minuten klar ersichtlich in den frostigen Fängen der Fabrikanten befindet. Ein untrüglicher Hinweis dafür, dass sich der einstige Newcomer mittlerweile wohl endgültig in den Köpfen, Ohren und Herzen der Szene festgesetzt hat. Zum nachfolgenden „A Million Lights“ werden dann auch sogleich die leuchtenden LED-Letter im Hintergrund aktiviert, die nun in stimmungsvollen Farben den Bandnamen zum rhythmisch-verträumten Takt zeigen, bis beim hymnisch pumpenden „Far Away“ plötzlich gebündelte Laserstrahlen