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Lord Of The Lost - "Thornstar"-Tour - Matrix, Bochum - 12.04.2019

18.04.2019

Veranstaltungsort:

 

Stadt: Bochum, Deutschland

 

Location: Matrix (The Tube)

 

Kapazität: ca. 700

 

Stehplätze: Ja

 

Sitzplätze: Nein

 

Homepage: http://matrix-bochum.de/startseite.html

 

Einleitung:

 

Wir schreiben Freitag, den 12.04.2019. Es ist ein junger Frühjahrsabend, meine Armbanduhr zeigt beim flüchtigen Blick genau 17.56 Uhr an... So langsam muss ich mich also wirklich beeilen und das nicht nur deswegen, weil sich das unberechenbare Aprilwetter heute zum wiederholten Mal spontan dazu entschieden hat, es schneien zu lassen. Mein Spätdienst auf der Arbeit endet eigentlich erst in vier Minuten, aber Dank meiner Kollegen darf ich ein kleines bisschen früher gehen, damit ich die Bahn in Richtung Bochum nicht verpasse und somit noch pünktlich bis zum Einlass an der Lokalität eintreffe. Ich habe Glück und so sitze ich schon wenig später im Zug, der mich innerhalb weniger Minuten zum Hauptbahnhof bringt. Einen kurzen Snack im Vorbeigehen verschiebe ich auf später und schon bin ich auf dem Weg zur Matrix, vor deren noch fest verschlossenen Toren sich bereits eine halbe Stunde vor regulärer Eröffnung eine unfassbar lange Schlange an mehr oder weniger geduldig Wartenden eingefunden hat, die jetzt quer über den ganzen Platz hinausreicht. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich nun spontan mutmaßen, dass diese erheblich große Menschenmenge nie und nimmer in den beengten Saal hineinpasst und obwohl ich es tatsächlich besser weiß, mache ich mir allein beim bloßen Anblick trotzdem etwas Sorgen. Wer sich beispielsweise noch an die restlos überlaufenen Shows von „Megaherz“ oder eben „Lord Of The Lost“ vor ein paar Jahren erinnert, weiß, wovon ich hier schreibe. Jedenfalls deutet sich heute Abend ein ähnliches Szenario an, denn die Show ist seit etwa zwei Wochen restlos ausverkauft. Trotzdem haben Napalm Records beziehungsweise das Tourmanagement mich freundlicherweise für den geplanten Bericht samt +1 noch recht spontan auf die Gästeliste gesetzt. An dieser Stelle nochmal ganz herzlichen Dank dafür! Während ich also Currywurst essend am kleinen Imbisswagen auf dem nahegelegenen Supermarktparkplatz auf meine Begleitung warte, beobachte ich das rege Geschehen und checke nochmal schnell alle Infos in der Veranstaltung via Facebook. Wenigstens schneit es mittlerweile nicht mehr. Pünktlich um 19.00 Uhr beginnt der Einlass wie geplant und es geht voran. Nur eine gute Viertelstunde später reihen auch wir uns dann ebenfalls ein. Obwohl die meisten Besucher jetzt schon im Inneren sind, soll es noch eine ganze Weile dauern, bis wir das kleine Foyer betreten. Schließlich dort angekommen, nenne ich der freundlichen Frau an der Kasse meinen Namen und erhalte ohne Probleme meinen Pass. Wie immer schön, wenn alles klappt! Wir geben unsere Jacken an der Garderobe ab und setzen uns mit einem kalten Feierabendbier auf eine bequeme Ledercouch auf der zweiten Ebene. Von einem netten Fan erfahre ich, dass man hier wie schon zuletzt beim Konzert von Joachim Witt ausnahmsweise rauchen darf. So lässt es sich entspannt auf den Beginn warten, der jetzt unmittelbar bevorsteht.

 

„Hell Boulevard“:

 

Um 20.00 Uhr ist es an der Zeit für den heutigen Support-Act: „Hell Boulevard“. Das im Jahr 2014 in der Schweiz gegründete Quartett legte bereits mit „Inferno“ unter Thexoomo ein vielversprechendes Debüt vor und steht seit seinem Zweitling „In Black We Trust“ aus dem vergangenen Herbst unter der Obhut des namhaften Hamburger Labels NoCut Entertainment. So kam es unter anderem auch dazu, dass man die erfolgreichen Dark Rocker von „Mono Inc.“ auf ihrer großen „Welcome To Hell“-Tournee quer durch Deutschland begleitete und nun also deren benachbarte Kollegen „Lord Of The Lost“ unterstützt. Gar nicht allzu verwunderlich, immerhin fungierte Allroundtalent Chris Harms bei dem neuesten Werk des Vierers als Produzent. Seitdem konnten die jungen Musiker, die ihren Stil selbst als Goth‘n‘Roll bezeichnen, einiges an Aufmerksamkeit und positiven Kritiken generieren. So ist es jetzt also nur selbsterklärend, dass sich Drummer A.Ve, Bassist Dee Dammers, Gitarrist von Marengo und Sänger vDiva bereits zu dieser frühen Stunde vor einer ziemlich gut gefüllten Tube stehen sehen, als sie mit „As Above So Below“ loslegen. „Dankeschön. Der nächste Song ist unsere aktuelle Single!“, begrüßt der Fronter das gut gelaunte Publikum und leitet sogleich zum artig beklatschten „Satan In Wonderland“ über und auch „A Lesson In Pain“ oder „Bitch Next Door“ wissen viele der Besucher stilistisch zu überzeugen. Das alles funktioniert also weitaus besser, als noch zuletzt bei den Monos, deren Anhänger sich anfangs noch eher verhalten zeigten. Der stimmige Titeltrack des aktuellen Albums macht danach ebenso viel her, wie „Hit Me Baby One More Time“, ein Cover des Radio-Hits von Pop-Ikone Britney Spears... Ja, wirklich. Das wütende „Zero Fucks Given“ ändert danach aber wieder schlagartig die Richtung und fordert alle Mittelfinger im Publikum nach oben. „My Dead Valentine“ und „Love Is Dead“ schlagen in eine ähnliche Kerbe und fahren wohlwollenden Applaus ein. Nach einer kleinen Danksagung an „Lord Of The Lost“ geht es mit dem energetischen „Hangover From Hell“ auch schon auf die Zielgerade zu: Eine halbe Stunde gute Unterhaltung für alle Beteiligten, wie hier die meisten Besucher wohl anscheinend befinden. Auch wenn die etwas bemüht wirkende, wilde Mischung aus Düster-Rock, Teenie-Glam und 80er-Trash zugegeben teils arg gewöhnungsbedürftig rüberkam, so konnten „Hell Boulevard“ doch beweisen, mittlerweile ein gutes Stück weit gefestigter auf der Bühne zu sein und ihren Rhythmus somit gefunden zu haben... Den ein oder anderen neuen Fan bestimmt auch.

 

Setlist:

 

01. As Above So Below

02. Satan In Wonderland

03. A Lesson In Pain

04. Bitch Next Door

05. In Black We Trust

06. Hit Me Baby One More Time (Britney Spears Cover)

07. Zero Fucks Given

08. My Dead Valentine

09. Love Is Dead

10. Hangover From Hell

 

„Lord Of The Lost“:

 

Etwa gegen 20.40 Uhr machen meine Begleitung und ich uns entspannt zum zweiten Mal in Richtung der nun fast bis zum Bersten gefüllten Tube auf, um recht knapp vor Showbeginn doch noch einen passablen Platz mit guter Sicht zu erhaschen. Zwar ist es aufgrund der ohnehin schon mangelnden Bewegungsfreiheit im gewöhnungsbedürftig schlauchartigen Untergrund-Saal der Matrix praktisch unmöglich geworden, sich zum jetzigen Zeitpunkt weiter nach vorne durchzukämpfen, aber dafür herrscht jetzt gefühlt zumindest ein wenig Bewegung innerhalb der dichten Reihen, die sich immerhin etwas gelichtet haben zu scheinen. Klar, wenngleich ein Großteil der hartgesottenen Fans dem nicht zu verachtenden Hitzepegel trotzt und tapfer ausharrt, so entscheidet sich doch manch ein Besucher auch lieber für einen kleinen Bummel am Merch oder den vorsorglichen Kauf eines weiteren Kaltgetränks. So dermaßen unangenehm überfüllt wie vor zwei Jahren, als der Gig von der Turbinenhalle Oberhausen wegen Insolvenz des örtlichen Veranstalters hierher verlegt wurde, ist es aber glücklicherweise nicht. So können sich dieses Mal wenigstens alle Gäste sicher sein, überhaupt erst in die eigentlichen Räumlichkeiten vordringen zu können und das Konzert nicht zwangsweise von der Bar aus verfolgen zu müssen... Wenn teilweise auch nur von sehr weit hinten aus. Nachdem die fleißige Crew also ihre restlichen Arbeiten eifrig verrichtet und sich die Mehrheit des Publikums langsam wiedereingefunden hat, geht die ohnehin spärliche Beleuchtung in den zentralen Katakomben plötzlich aus. Im schummrigen Halbdunkel wird das gigantische Backdrop, welches aufgrund der räumlichen Einschränkungen kaum mehr zu erkennen ist, mit dem imposanten Cover-Artwork des aktuellen Studioalbums „Thornstar“ bis unter die Decke gezogen, während aus dem Off charmant verkitschter Sound im 80er-Style tönt. Vor dem furchteinflößend dämonischen Konterfrei des auf weiße Plane gebannten Dornensterns, ragen gleich fünf hohe Säulen mit daran befestigten LED-Lichtern und Scheinwerfern in die Luft, die nun zwischen den dicht aufziehenden Nebelschwaden ihre kühlen Farben verströmen. Unterdessen stürmen Schlagzeuger Niklas Kahl und Keyboarder Gerrit „Gared Dirge“ Heinemann unter frenetischem Jubel die Bretter. Bassist Klaas "Class Grenayde" Helmecke und Gitarrist "Pi" Stoffers folgen ihnen unmittelbar und positionieren sich sogleich am vorderen Rand der hier doch recht beengt wirkenden Bühne, welche nun zuletzt auch von Frontmann und Sänger Chris "The Lord" Harms geentert wird, der seine Gitarre direkt im Anschlag hat. Die dichten Wolken klaren allmählich auf und werden von den gleißend hellen Lichtkegeln endgültig durchbrochen. Ohne Umschweife machen sich „Lord Of The Lost“ sogleich daran, mit dem eindrucksvollen Opener „Loreley“ die (guten) Geister der G‘hahyr, die sogenannten Lichtwesen, zu beschwören. Die strahlende Halbgöttin, die in der lange schon vergessenen Mythologie auch besser als „Hüterin des Feuers“ bekannt war, überführte die toten Pangaen der Sage nach einst ins Reich der Sonne und so tun es die fünf Hamburger ihr gleich und stoßen für Nordrhein-Westfalen das Tor zu einer anderen Welt auf. Der aggressive donnernde Nackenbrecher „Full Metal Whore“ macht im nahtlosen Anschluss einen kurzen Abstecher in die jüngere Vergangenheit. Ein ausgiebig virtuoses Solo von Stoffers, der überdies mittlerweile wirklich gut im dynamischen Bandgefüge angekommen zu sein scheint, inklusive, ehe man sich mit „Morgana“ dann schließlich der Allmutter aller Menschen zuwendet. Hier zeigt das unermüdliche Quintett einmal mehr, dass seine außergewöhnlichen Songs für die Bühne geradezu prädestiniert sind: Die majestätische Instrumentierung aus orchestralem Bombast und hell powernde Melodik geht voll auf und reißt schnell mit. 

 

„Guten Abend, Bochum! Wow, die Matrix ist heute ja restlos ausverkauft, oder?“, begrüßt Harms die tobende Menge herzlich mit fast schon ungläubig strahlendem Gesichtsausdruck. „Könnt ihr da hinten uns auch noch gut sehen und hören?“, erkundigt er sich bei den Fans mit einem kurzen Blick in die scheinbar endlosen Weiten der Matrix. „Sehr gut! Mit dem Mikro hier stimmt etwas nicht. Was machen wir denn jetzt... Auftreten, hm!?“, berät er sich sarkastisch witzelnd mit einem nahenden Crew-Mitglied, das den auftretenden Defekt zu ergründen versucht. „Hey, hey, Check! Noch ein bisschen lauter, bitte!“, testet Harms sein neues Ersatz-Equipment aus. „Thank you! Hier kommt auch schon das nächste Ding, es geht weiter. Das machen wir ganz fix, wir sind ja immerhin Profis.“, lacht er. „Sogar mit Kabel... Ein wenig oldschool und vintage, ob sich das wohl jemals durchsetzen wird? Also Bochum, habt ihr Bock?“, fragt der Sänger auflockernd und erhält natürlich sofort großen Zuspruch. Mit dem melancholisch rockenden „Afterlife“ vom grandiosen 2014er-Album „From The Flame Into The Fire“, hat man die Menge kurzerhand wieder ganz bei sich. Darüber hinaus scheint sich der Vokalist langsam mit dem Notfall-Umstieg auf das Kabelmikrofon arrangiert zu haben und wirbelt nun auch beim energiegeladen peitschenden „Drag Me To Hell“ wieder wie gewohnt umher. Erstmals wirklich ruhiger geht es dann beim balladesken „Black Halo“ zu, welches, wie auch schon auf der „Thornstar“ selbst, fließend in das hymnische „In Our Hands“ übergeht, das in seiner kraftvoll sehnsüchtigen Live-Fassung schnell für Gänsehaut sorgt. Nicht zuletzt auch durch die starke Sangeskraft des freudigen Publikums, das quasi zu keiner Zeit jegliche Animation benötigt. Ganz wie von allein, erheben sich hier in regelmäßigen Abständen die zahlreichen Arme und Stimmen in den jeweils richtigen Momenten, um motiviert im Takt mitzuklatschen oder als vereinter Chor die Refrains mitzusingen. Doch andächtige Stille ist ebenfalls genauso gut möglich, wie sich bei der kleinen Überraschung durch das eindringliche „Voodoo Doll“, ursprünglich nur ein weit weniger bekannter Bonus-Track der 2-CD-Edition, zeigt. „Vielen Dank! Wir wechseln jetzt wieder zu Funk, wie ich sehe. Das machst du sehr schön... Wie du mir da mit den Seilen an den Knien rumspielst, geil!“, lobt Harms seinen Roadie scherzend und nimmt sichtlich erleichtert wieder das andere Mikrofon entgegen. „Auch nochmal für euch in Bochum: Das hier hat mit Hipster gar nichts zutun. Das habe ich schon lange so getragen, bevor es in Mode kam!“, rechtfertigt der Sänger seine Frisur ironisch. „Das ist auch sehr praktisch, so eine Art „Dusch-und-Fick“-Zopf! Naja, ich bin Musiker... Wir spielen noch was! Wollt ihr überhaupt noch einen!?“. Natürlich will Bochum. 

 

„Übrigens hat die Matrix sogar eine extra Bar für die erste Reihe, das hat doch wohl mal einen Applaus verdient!“, weist er grinsend auf die kleine, praktische Theken-Nische im vorderen Drittel hin, bevor es mit dem brettharten Doppel aus „Under The Sun“ und dem raren „Seven Days Of Anavrin“, einem schon lang nicht mehr live gespielten Song von „Antagony“ weitergeht. Und auch Schattengottheit „Haythor“, der das gesammelte Leid der Menschheit in sich vereint und alles unwürdige Leben in sein Reich aufnimmt, erhält im Folgenden seinen Tribut. Kalt prügelnde Drums, giftig klirrende Synthies und metallisches Saitengewitter entfachen fortan einen wahren Reigen der Finsternis mit erheblicher Sogwirkung, bis die Darbietung des Konzeptalbums mit der emotionalen Power-Ballade „In Darkness, In Light“ schlüssig vollendet wird. Wer so manch einen Klassiker aus dem reichhaltigen Backkatalog der Hanseaten bisher vermisst hat, soll nun voll und ganz auf seine Kosten kommen: Das dramatische „Prison“ lässt nun endgültig alle Dämme brechen und beschert der Band eine derart stimmgewaltige Matrix, wie es sie bisher nur selten gab und auch das zügig mitreißende „Six Feet Underground“, zu welchem Harms im flackernden LED-Schimmer seiner modifizierten Gitarre durch das Dunkel leuchtet, hält die ohnehin schon ausgelassene Stimmung weiterhin oben. „Ich wollte ja schon immer mal den Udo Jürgens machen. Bademantel an und komplett nackt unter den ganzen Sachen. Garded hat mir gerade eben ins Ohr geflüstert, dass wir mal langsam anfangen sollen. Lass‘ mal riskieren!“, grinst er. So gehören die nächsten zehn Minuten ganz dem Duo aus Harms und Dirge, der hier vom Keyboard jetzt an ein kleines Piano wechselt. „Sooner Or Later“ vom „Fears“-Debüt und der seit jeher lauthals geforderte Fan-Liebling „Credo“ erstrahlen somit im behutsam reduzierten Akustik-Gewand nach bester „Swan Songs“-Manier. Eine wirklich schöne Abwechslung, die nicht allein nur den puristischen Kern der jeweiligen Titel feinsinnig herausarbeitet, sondern auch die textsichere Stimmgewalt des Publikums einmal mehr angenehm in den Vordergrund rückt. „Ich will euch mal etwas erzählen. Kennt ihr den Ausdruck, „I love walking in the rain, because no one can see me crying?“. Dieser Spruch ist kein Song von uns, den verdanken wir nämlich einem sehr lustigen Menschen: Mr. Bean. Das habe ich hier vorhin übrigens auf einem Tattoo gesehen. Es ist bemerkenswert, dass die traurigsten Zitate eigentlich immer von den größten Clowns kommen, bei denen keiner eine Ahnung hat, wie es tief in ihnen drin aussieht... Einen Applaus für Mr. Bean!“, nimmt sich Harms nach der starken Intensität der soeben erst verklungenen, leiseren Töne einen kleinen Augenblick die Zeit, um den allgemeinen Fokus auf ein ernstes Thema zu lenken und den Blick aller Anwesenden so für jene Emotionen zu schärfen, die nicht immer sofort ersichtlich sind. 

 

„Das ausverkaufte Bochum... Lasst euch mal hören!“. Das lässt sich die aufgeheizte Matrix selbstverständlich nicht zwei Mal sagen und dreht spätestens beim überraschenden „Pet Shop Boys“-Cover von „It‘s A Sin“ total frei, dessen Lyrics von vielen Gästen hier enorm sicher mitgesungen werden. Kleine Anekdote am Rande: Insbesondere für mich persönlich ist dieses wirklich perfekt arrangierte Tribute ein toller Moment, denn genau heute ist mit „Inner Sanctum“ das Live-Album zur vergangenen „Super“-Tournee der beiden Briten auf dem Markt erschienen. Das hervorragende Konzert im RuhrCongress Bochum habe ich noch allerbester Erinnerung: Absoluter Geheimtipp! Nicht Szene-konform? Mitnichten, haben sich „Lord Of The Lost“ doch nie wirklich um Grenzen geschert oder gar einen Hehl aus ihrer Affinität zum Mainstream-Pop gemacht. Ein guter Song bleibt eben immer ein guter Song! Das tanzbar-laszive „Blood For Blood“, die übermächtig scheppernde „Doomsday Disco“ und natürlich „Die Tomorrow“ reaktivieren danach nochmals alle verfügbaren Kraft-Reserven im Saal, in dem der Schweiß jetzt längst nicht mehr nur im übertragenden Sinne von der Decke tropft. „Wir ersparen euch jetzt, dass wir von der Bühne gehen und dann nochmal wiederkommen, okay? Wir wissen ja, dass ihr wegen uns hier seid und wir wegen euch. Wir brauchen diese Bestätigung nicht und machen einfach weiter!“, gibt sich Harms in seiner Ansage angenehm uneitel und fährt für seine gewohnte Authentizität verdienten Applaus ein, der sich im verrückt groovenden „La Bomba“ in noch mehr gebündelte Energie transferiert. „Wir machen das jetzt seit fast zehn Jahren. Als wir damit angefangen haben, standen hier noch etwa siebzig Leute und heute ist’s ausverkauft... Das ist echt unfassbar, vielen Dank dafür!“, lächelt er aufrichtig demütig, ob der unfassbar positiven Entwicklung der letzten Jahre. „Ich möchte an dieser Stelle ganz kurz erwähnen, wir geben dieses Jahr eine große Party zum Jubiläum. Wir wollten eigentlich erst nur ein einziges Konzert machen, jetzt sind’s gleich vier Stück. Drei davon sind schon ausverkauft. Wenn ihr Bock habt, Anfang Dezember ist dann das Vierte. Ein paar Karten gibt’s noch und es würde uns wirklich glücklich machen, wenn da auch ein paar Bochumer mitfeiern!“, wirbt er geerdet für das anstehende Event in seiner Heimat und kann sich danach wohl mehr als sicher sein, dort auch einige Ruhrpottler begrüßen zu dürfen. „Das da am Mischpult ist übrigens unsere Technikern. Sie hat jetzt wohl keinen Bock mehr und sich dazu entschieden, einfach Feierabend zu machen. Das ist okay.“, lacht Harms in Richtung der Mitte des länglichen Saals. Und tatsächlich werden jetzt alle Regler komplett abgestellt, bis die Matrix in totaler Dunkelheit liegt. „Bochum, seid ihr unser Licht?“, fragt der Frontmann für das anrührende Finale. Klar, dass sich da kein echter Fan zwei Mal bitten lässt und die Tube fortan mit vielen Handydisplays und Feuerzeugen als gemeinsames „Lighthouse“ tatkräftig erleuchtet. Ein wirklich denkwürdiger Abschluss eines ungemein abwechslungsreichen Abends voll verschiedener Emotionen, an dessen Ende nicht nur der launige „Y.M.C.A.“-Verschnitt (hier natürlich als „L.O.T.L.“ deklariert) die bezeichnenden Textzeilen des Closers noch lange Zeit ganz und gar treffend für sich allein stehen sollen: „Wake up, wake up. Light a candle in the dark. Wake up, wake up. Light a fire in your heart. We are your rock against the flood, so don't let go. We are your lighthouse in the dark!“. 

 

Setlist:

 

01. Intro

02. Loreley

03. Full Metal Whore

04. Morgana

05. Afterlife

06. Empyrean (Interludium)

07. Drag Me To Hell

08. Black Halo

09. In Our Hands

10. Voodoo Doll

11. Under The Sun

12. Seven Days Of Anavrin

13. Haythor

14. In Darkness, In Light

15. Prison

16. Six Feet Underground

17. Sooner Or Later

18. Credo

19. It’s A Sin („Pet Shop Boys“ Cover)

20. Blood For Blood

21. Doomsday Disco

22. Die Tomorrow

23. La Bomba

24. Lighthouse

 

Impressionen:

 

Jobst Meese, "Jodocus Obscurus Photography"

 

http://www.jobstmeese.de

 

https://www.facebook.com/Jodocus.Obscurus/

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