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Hocico - Lord Of The Lost - Hämatom (2019)


Hocico - Artificial Extinction (2019)

Genre: Electro / Alternative

Release: 19.07.2019

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Out Of Line (rough trade)

Spielzeit: 58 Minuten

Fazit:

Dampf aus überlasteten Fabrikschloten verdunkelt den Himmel, die infernalische Hitze eines Hochofens greift um sich, Blitze aus gähnenden Maschinenmündern stecken die Atmosphäre in Brand - „Artificial Extinction” ist das akustische Mahnmal einer Menschheit, die sich in ihrem Wahn selbst hingerichtet hat - und das beste und vielseitigste Album der Bandgeschichte. Seit dem Debüt „Odio Bajo El Alma“ stehen „Hocico“ für Zerstörung, für Finsternis und pure Aggression. Ihre Art von Industrial war immer dreckiger und giftiger, ohne Rußpartikelfilter, Musik, wie sie nur die mexikanischen Teufel produzieren können. „Artificial Extinction” ist der Höhepunkt dieser Entwicklung: Der einzigartige „Hocico“-Sound wird zu einem noch brutaleren Stil zwischen Dark’n’Bass und Aggrotech weiterentwickelt. Massiv stampfende Beats und donnernde Abfahrten zeigen eine Band, die zu einer nie gekannten Stärke gefunden hat. Ab dem 19.07.2019 erhältlich als einfache CD im Digipak, Doppel-Vinyl-Edition in blau und silber, sowie als auf insgesamt 1.000 handnummerierte Einheiten limitiertes Box-Set inklusive Bonus-CD mit Remixen und Kollaborationen, Armband, Sportbeutel und Echtheitszertifikat via Out Of Line Music.

Der dunkle Einstieg in das neue Studioalbum wird durch die erste Single-Auskopplung namens „Dark Sunday“ atmosphärisch ausgestaltet, die ihrem Titel von der ersten Sekunde an auch alle Ehre macht. Extrem konträr und irgendwie surreal, legt sich ein bewusst deplatziert wirkendes Sample feinsinnigen Operngesangs über das dichte Geflecht aus abgrundtiefer Bedrohlichkeit, bevor dann in gewohnter Manier die auditive Hölle aus düster tanzbaren Rhythmen, rauen prügelnden Beats und der giftig keifenden Stimme von Erk Aicrag losbricht. Das folgende „El Ballet Mecanico“ überrascht als unerwartet entschleunigtes Instrumental, das nach dem finstern Einstieg geradezu zerbrechlich und sphärisch anmutet. Doch der schöne Schein trügt, denn schon beim etwas genaueren Hinhören offenbaren sich dem Rezipienten ungewöhnliche Laute im komplex konstruierten Arrangement, die plötzlich alle verträumte Sanftheit vermissen lassen und stattdessen mit ihrem unheilvoll Knarzen die brodelnde Unruhe schüren, wenn auf einmal stark verzerrte Disharmonien zunehmen und den einst so friedlichen Rahmen mit aller Gewalt für den Titeltrack „Artificial Extinction“ unliebsam aufbrechen. Hier bietet sich erneut klassischer Industrial mit der powernden Durchschlagskraft der unentwegt laufenden Maschinen im antreibenden Tempo. Sehr solide, aber leider ohne einen besonderen Ausreißer nach oben. Bereits mit „Blinded Race“ gibt es ein weiteres, instrumentales Interludium, das in seinen rund vier Minuten abermals mit den Kontrasten spielt, jedoch gänzlich zu lang und unspektakulär ausfällt. Deutlich typischer und wie von der Fan-Base geliebt, geht es danach beim aggressiv donnernden „Shut Me Down!“ her: Es ist mächtig polternder, kantig fetzender Aggrotech mit exotischen Versatzstücken, was zwar ein ordentliches Maß an Abwechslung in die grobe Ausrichtung bringt, aber dennoch weitergehend arg gewöhnungsbedürftig bleibt. Mit „Psychonaut“ ist den beiden mexikanischen Teufeln dann aber wieder einer ihrer berüchtigten Hits gelungen. Hier wird keine Sekunde lang gezögert und das Tempo sofort ohne jeden Zweifel oder Rücksicht auf Verluste gnadenlos erhöht. Dafür, dass der Track so dermaßen hemmungslos in die grobe Kerbe des kompromisslosen Industrial schlägt, erscheinen die jeweiligen Komponenten hier enorm ausgeklügelt und komplex, ohne seine Aufgabe eines wahren Tanzflächen-Fillers dabei zu vernachlässigen. Einen ganz ähnlichen Weg schlägt das ebenfalls vielschichtige „Damaged“ ein, in dessen tobender Unwucht sich verschiedenste Kernelemente zu einem großen Ganzen vereinen. Weitaus zurückgenommener, aber nicht weniger bedrückend, gibt sich das gespenstische „Breathing Under Your Feet“ mit seinem stampfenden Breakbeat und verstörenden Spoken-Word-Einschüben. Jenes Prinzip wird dann bei „Cross The Line“ weiter ausgeführt, wenn auch ungleich härter und energetischer, wie zu den viel gelobten Anfangstagen von „Hocico“. Das spanischsprachige „Palabras De Sangre“ besticht mit einigen atmosphärischen Effekten, die den garstig mitschwingenden Unterton des diabolisch aufgezogenen Stücks nahezu perfekt nachzeichnen. Das finale „Quiet Zone (In Dead Silence)“ wird abschließend von hellen Glockenschlägen und angedeuteten, poppigen Nuancen begleitet, deren himmlische Melodiösität einzig und allein von Aicrag selbst überschattet wird... So gliedert sich „Artificial Extinction” unterm Strich logisch in die Riege der bisherigen Veröffentlichungen des furiosen Duos aus Mexiko ein. An vorherige, wegweisende Großtaten, wie beispielsweise „Tora! Tora! Tora!“ oder „Tiempos De Furia“ reicht der neueste Release ob manch zeitweiser Schwachstellen leider nicht ganz heran, dafür flechten „Hocico“ eine teils experimentelle Note in ihren bekannten Sound ein und brechen so mit gewohnten Prinzipien, die das Gesamterlebnis hörbar bereichern, ohne es unangenehm zu überfrachten. Das Rad im Hause der Mexikaner steht also auch anno 2019 nicht still - Muy bien!

Informationen:

http://www.hocico.com/

https://www.facebook.com/hocicoofficial

Lord Of The Lost - Till Death Us Do Part (2019)

Genre: Metal / Alternative

Release: 09.08.2019

Format: Box-Set

Anzahl Ton- / Bildträger: 4

Label: Out Of Line (rough trade)

Spielzeit: 285 Minuten

Fazit:

Es gibt Bands, die ihrer Zeit den Stempel aufdrücken, die mehr sind als ein paar Kumpels mit Instrumenten, denen ein Gesamtkunstwerk gelingt, das den schnelllebigen Konsumwahn überlebt und etwas von Dauer schafft. „Lord Of The Lost“ sind zweifellos eine dieser Bands - zu tief sind die Spuren, die sie mit ihrer Musik in den Herzen ihrer Hörer hinterlassen haben. Hamburg war schon immer ein besonderes Pflaster für die internationale Musik. Bands wie „The Beatles“, Jimmy Hendrix und „Black Sabbath“ spielten sich auf der Bühne des Star Club zum Weltruhm und der Seewind brachte Sounds aus aller Welt in die Hafenstadt. Eine inspirierende Umgebung für einen St. Paulianer wie Chris Harms, der „Lord Of The Lost“ aus der Taufe hob. Mit einer dunklen, eingängigen Melange aus Rock, Metal und Elektronik entstand Hit auf Hit, hart und heavy, und doch tanzbar. 2009 wurde aus dem Projekt eine Band, und zehn Jahre später ist es an der Zeit, einen Blick zurück zu werfen. „Till Death Us Do Part“ ist eine Zusammenstellung der beliebtesten „Lord Of The Lost“-Kracher und vereint das Schaffen von zehn Jahren Bandgeschichte, erhältlich auf CD und Doppel-Vinyl. In der 2-CD-Version gibt es eine Disc mit Raritäten und B-Seiten dazu, inklusive Gastauftritten von Daniel „Der Schulz“ Schulz („Unzucht“) und Erk Aicrag („Hocico“). Für die Schatzsucher gibt es noch die streng auf 1.000 Einheiten limitierte 4-CD-Digibox mit einer Remix-CD und einer Zusammenstellung aus Demo-Versionen, teilweise über zwanzig Jahre alt und lange vor der Enstehung der Band geschrieben und aufgenommen. „Diese Aufnahmen zeigen ungeschönt und nackt Vor-Versionen bekannter „Lord Of The Lost“-Songs, die ich zum Teil als Teenager unter widrigsten Umständen mit schlechtester Technik aufgenommen habe.“, kommentiert Chris Harms. „Ich habe lange überlegt, ob ich das preisgeben soll, aber ich habe mich letztendlich dafür entschieden, da ich einen Einblick dieser Art als Fan von Bands, die ich liebe, extrem schätzen und respektieren würde.“ Der Soundtrack zum Jubiläumsjahr erscheint in allen genannten Versionen am 09.08.2019 über Out Of Line Music.

Es ist schon lange kein wohl behütetes Geheimnis mehr: „Lord Of The Lost“ sind mittlerweile fraglos zu einer der erfolgreichsten Bands der schwarzen Szene avanciert und das vollkommen zurecht! Wirft der geneigte Leser nämlich mal einen kurzen Blick auf die bisherige Vita der fünf Hamburger, so staunt er anschließend nicht schlecht und dürfte schnell verstehen, warum genau. Allein schon der ungemein hohe Output, welcher insgesamt acht Studioalben innerhalb von nur zehn Jahren umfasst, reicht seit jeher von eingängig und hart, bis hin zu melancholisch und zart. Dabei erlag das ambitionierte Projekt um Gründer und Mastermind Chris Harms niemals der verlockenden Bequemlichkeit der Reproduktion, gönnte sich kaum mehr eine Pause und vollbrachte es, sich an den hohen Ansprüchen der stetig wachsenden Fan-Gemeinde und auch seiner selbst, immer wieder neu zu erfinden, weiterzuentwickeln, zu perfektionieren und den eigenen Wurzeln dennoch unverkennbar treu zu bleiben. Vor allem live auf den Bühnen sind der umtriebige Lord und seine unermüdlichen Mannen zu einer festen Institution geworden, die sehr zur Freude der loyalen Anhängerschaft und Veranstalter regelmäßig zuverlässig für bestens gefüllte Clubs und tobende Mengen auf den dunklen Festivals sorgt. Stillstand? Fehlanzeige! Steigerung? Exakt! Was dieser Band hier in vergleichsweise kurzer Zeit zu erschaffen gelungen ist, ist nahezu unnachahmlich und fast schon ein kleines Gothic-Märchen, aber auch das mehr als nur verdiente Ergebnis von jahrelanger, harter Arbeit. Jene erreichte mit dem letzten Studioalbum, der konzeptionell angelegten Mythen-Saga „Thornstar“, dann wohl seinen absoluten Höhepunkt in reinster Perfektion. Nach zehn Jahren abwechslungsreicher, hingebungsvoller und spannender Bandgeschichte ist es jetzt nicht nur endlich an der Zeit, für einen kurzen Moment innezuhalten, sondern parallel auch großes Jubiläum zu feiern. Zu diesem Anlass, dem zehnjährigen Bestehen, spendieren „Lord Of The Lost“ ihren Fans nun eine vier CDs umfassende Reise in die Vergangenheit mit vielen interessanten Haltestellen an den äußersten Ursprüngen, seltenen Raritäten, unterschätzten Perlen, spannenden Kooperationen und einem kleinen Ausblick in die Zukunft: „Till Death Us Do Part“ ist somit nicht nur ein einfaches Best-Of, das schnell an Relevanz verlieren wird, sondern ein auditiver Zeitstrahl der musikalischen Entwicklung einer absoluten Ausnahmeband. Dabei kommt die erste CD mit ihren neunzehn Songs noch am ehesten einer klassischen Greatest-Hits-Compilation gleich, denn hier finden sich so ziemlich alle bisherigen Höhepunkte und Single-Veröffentlichungen vereint. Von „Loreley“, “Morgana“ und “Black Halo“ des aktuellen Longplayers, über die elektronisch geprägten „Drag Me To Hell“, „In Silence“ und „Raining Stars“, den brachialen EP-Kracher „Full Metal Whore“, das exotisch-verrückte „La Bomba“, „Six Feet Underground“ und „Fists Up In The Air“, bis hin zu „Blood For Blood“, „See You Soon“ und „Die Tomorrow“ vom gleichnamigen Album, mit welchem der Erfolg einst seinen schicksalhaften Lauf nahm. Dazwischen wurden zudem einige, alte Klassiker von den Erstveröffentlichungen „Fears“ und „Antagony“ eingestreut, denn auf „Dry The Rain“, „Break Your Heart“, „Sex On Legs“ oder „Prison“ kann heute nahezu kein Live-Set mehr verzichten. Auf der zweiten Disc wurden hingegen jene Stücke versammelt, die sich über die Jahre als Zusatz auf EPs oder Bonus-CDs der jeweiligen Deluxe Editions fanden. Eine hervorragende Idee, denn weniger hörenswert macht dieser Umstand das entsprechende Material bestimmt nicht. Im Gegenteil: Egal, ob „Death Doesn't Kill You But I Do“, „Do You Wanna Die Without A Scar“, „This War“, „Morsal“, „Another Sunny Day In Paradise“, „Trisma“, „Zillah“, „Marching Into Sunset“, „Love In A Time Of War“ oder auch die spanische Version von „La Bomba“ im Feature mit den Muttersprachler-Kollegen Daniel Schulz („Unzucht“) und Erk Aicrag („Rabia Sorda“, „Hocico“) dürfen keinesfalls in der Sammlung fehlen, verweisen gerade sie doch auf das beachtliche Talent, auch außerhalb der Haupt- und Konzeptalben grandiose Lieder schreiben zu können, die im Gedächtnis bleiben und trotz oder gerade wegen ihres unberechtigten Nischendaseins ihren ganz eigenen Platz in dieser Sammlung verdienen. Der schier unfassbare Facettenreichtum der Hanseaten wird dann auf dem dritten Silberling erst so richtig auf die Spitze getrieben, der mit seinen achtzehn Tracks ein sattes Füllhorn an Remixen befreundeter Acts und bekannter Szene-Größen, wie beispielsweise „Stahlmann“, „Formalin“, „A Life Divided“, „Chrom“, „Staubkind“, „Unzucht“, „Solar Fake“, „Blutengel“ und „Subway To Sally“ bereithält, welche hier so ziemlich alle bekannteren und unbekannteren Titel mit ihrer persönlichen Handschrift veredeln. Um dieser Zusammenstellung abschließend endgültig die Krone aufzusetzen, hat man sich für die vierte und letzte CD des Box-Sets etwas ganz Besonderes ausgedacht und gewährt den Hörern mit ausschließlich bisher unveröffentlichten Demo-Versionen einen äußerst intimen Einblick in die Ursprünge von „Lord Of The Lost“. Mit insgesamt vierzehn Archiv-Funden, die teilweise Harms ersten Schritten aus den Neunzigerjahren entstammen, erhält man einen vielfältigen Eindruck von der musikalischen Entwicklung. Ob das titelgebende „Till Death Us Do Part“, „Dry The Rain“, „Sooner Or Later“, „Beyond Beautiful“ und „Seven Days Of Anavrin“ aus dem „LOTL“-Universum, Solo-Stücke wie „Angel“ oder „Revelation 777“, „Heaven Holds A Place“, „Eclipsed By Eternity“ und „The Eyes Of Love Are Blind“ von Chris Harms vorherigem Projekt „Philiae“: Sie alle weihen freigiebig in den komplexen Prozess des emotionalen Songwritings ein und veranschaulichen, was einmal aus einer bloßen Idee entstehen kann. Keine Frage: Mit „Till Death Us Do Part“ bekommt der Käufer, ganz gleich, ob interessierter Neuling oder eingefleischter Fan, ein perfekt abgerundetes Paket auf vier CDs, die jeweils berechtigt ganz für sich alleinstehen können und dennoch allesamt nicht besser gemeinsam funktionieren könnten. In insgesamt über zweihundert Minuten an Spielzeit wird hier nahezu jedes erdenkliche Spektrum aller Schaffensphasen abgedeckt und verschafft so den wohl besten Überblick, der die Vielseitigkeit aus zehn Jahren „Lord Of The Lost“ erst begreiflich macht... Bis dass der Tod uns scheidet!

Informationen:

http://lordofthelost.de https://www.facebook.com/lordofthelost/