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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Die Kreatur - Sündenklang - Feuerschwanz (2020)


Die Kreatur - Panoptikum (2020)

Genre: Rock / Alternative

Release: 22.05.2020

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Napalm Records (Universal Music)

Spielzeit: 68 Minuten

Fazit:

Zwei Köpfe - Zwei Stimmen - Zwei Persönlichkeiten - Die Kreatur! Das Warten hat ein Ende: „Die Kreatur“, das Wunschkind der Szenegrößen Dero Goi („Oomph!“) und Chris Harms („Lord Of The Lost“) veröffentlicht ihre erste Single “Die Kreatur” von ihrem kommenden Debüt-Album „Panoptikum“, welches am 22.05.2020 via Napalm Records veröffentlicht wird. „Panoptikum“ ist ein weiterer Meilenstein, sowohl in der musikalischen Karriere der beiden Künstler als auch in der Neuen Deutschen Härte- / Gothic Rock-Szene. Das vielschichtige Album hüllt sich in eine unheilvolle Atmosphäre und wird den Hörer überraschen, bewegen und vor allem zum Nachdenken bringen. Die atemberaubende Symbiose der musikalischen Identitäten von Dero Goi und Chris Harms zeigt sich in einer Explosion aus dunklen, sinnesbetörenden Songs. Diese Kompositionen senden den Hörer zurück zu den Abgründen unserer Vergangenheit. Lasst euch „Die Kreatur“ nicht entgehen und sichert euch schon jetzt Konzert-Tickets... Aber nur, wenn Ihr euch traut, denn „Die Kreatur“ wird für ein Erdbeben sorgen! Das Debüt „Panoptikum“ erscheint am 22.05.2020 als digitaler Download, Standard-CD im Digipak, schwarze oder schwarz-weiße Doppel-Vinyl im Gatefold-Cover, auf insgesamt fünfhundert Einheiten limitiertes Earbook mit drei Discs und achtundvierzigseitigem Booklet oder ebenfalls streng auf nur fünfhundert Exemplare begrenzte Fan-Box mit Bonus-CD, zwei Aufnähern, Logo-Pin und Fotokarte über Napalm Records.

Das mysteriöse „Panoptikum“ öffnet mit dem selbstbetitelten „Die Kreatur“ ihre schweren Tore ins Ungewisse: Eine echte Band-Hymne als respekteinflößende Vorstellung des neuen Projekts, die sofort ausdrucksstark verdeutlicht, welche Kost es fortan zu erwarten gilt. Einschneidende Sprünge von straight rockendem Up-Tempo prallen auf brachial walzende Metal-Auswüchse bis hin zu zerbrechlich sanfter Ballade und danach wieder zurück zum Ausgangspunkt, was die jeweiligen Einflüsse beider Band-Wurzeln zwischen NDH und Dark-Rock perfekt veranschaulicht und als unberechenbaren Hybrid fließend miteinander verbindet. Auch stimmlich fährt das Duo mit abgrundtiefen Growls, grellen Screams und cleanen Passagen so ziemlich alles auf, was das Genre hergibt und auch inhaltlich bedient man sich nur zu gerne einem schonungslos bissigen Kritik-Rundumschlag, der soziale Isolation, gesellschaftliche Ausgrenzung und doppelmoralistische Prinzipien umfasst, was nur einen Schluss zulässt: „Der Mensch ist böse von Natur“! Der zweite Single-Release, „Kälter Als Der Tod“, zeichnet sich danach ganz besonders durch sein extrem einprägsames, dreckig groovendes Lead-Riff aus, welches sich fortan durch den ganzen Song zieht, der dem Hörer eine klassische Vampir-Geschichte im typischen Goth-Rock-Stil erzählt. In den zwei Strophen, die sich Goi und Harms hier nacheinander separiert aufteilen, nehmen die beiden Sänger natürlich die passgenauen Rollen der gierenden Blutsauger ein, die ihre Opfer mit hypnotisch lockender Prämisse direkt in ihre Fänge locken, wie die berühmte Spinne ihre Beute ins verhängnisvolle Netz. Dabei ist der durchgehend verführerisch dunkle Grundton auffällig, der sich sowohl musikalisch als auch gesanglich stilsicher über die gesamte Spieldauer hält, ohne in gewisse Extreme nach oben oder unten auszubrechen, wodurch sich ein solide packender, eingängiger Drive ergibt. „Unzertrennlich“ gibt sich mit seinem minimalistisch pluckernden Electro und den stechenden Synthies dann gleich etwas verspielter, mündet aber nur kurz darauf schon in einem solide rockenden Mid-Tempo-Gassenhauer, der den Kopf sofort im Takt nicken lässt. Verzerrte Gitarren und schrille Keyboard-Passagen sorgen später weiterhin für eine dynamische Rhythmik, während man textlich erneut das Hymnen-Prinzip aufgreift und die gemeinsame, offenkundig fruchtbare Zusammenarbeit selbstbewusst als Blutsbrüderschaft feiert. Ein glasklar klirrendes Piano, sehnsüchtige Elektronik und starke, wenn auch vergleichsweise weitaus zurückhaltendere Gitarren bilden die Basis für „Durch Die Nacht“. Eine anschmiegsame Power-Ballade mit extrem viel Pop-Appeal, was dem wirklich schönen Song jedoch nicht im Geringsten schadet. Gesanglich wird dieser nun hauptsächlich von Goi ausgestaltet, der im Vergleich zu seiner äußerst zarten Intonation innerhalb der Strophen den emotional packenden, leidenschaftlich klagenden Refrain noch um einiges kraftvoller darbietet. Lyrisch verdingt sich das furiose Duo mit Szene-typischen Thematiken, wie beispielsweise der Bewältigung seelischer Schmerzen und der Faszination für die schützende Nacht, was zwar zuweilen ein wenig abgedroschen erscheinen mag, die eindringliche Atmosphäre jedoch auch zu einem guten Anteil maßgeblich bestimmt und nicht zuletzt insbesondere durch die teils wunderbar treffende Wortmalerei punktet, wenn es heißt, dass es manchmal „nicht genug Steine für die ganzen Spiegel dieser Welt“ gibt oder gar „genug Scherben, um wieder spüren zu können“. Das wild hämmernde „Zwei 100%“ geht im Anschluss dafür abermals umso energetischer nach vorne und macht in seiner kernig prügelnden Machart fürwahr keinerlei Kompromisse. Wenngleich das rasant taktierende Schlagzeug und die sägenden Gitarren auch hier wieder eine tragende Rolle einnehmen, so erinnert die schweißtreibende Nummer in ihrer reduziert treibenden Marschrichtung samt drückendem Bass und pumpenden Beats zuweilen doch leicht an die gnadenlose Spielart des EBM. Inhaltlich lässt es „Die Kreatur“ sich nicht nehmen, die gemeinsame Kooperation erneut zu feiern, was dann mittlerweile wohl eher in die Kategorie „too much“ fällt. Dazu kommen einige Wortspiele, die beständig zwischen „platt und peinlich“, aber zum Glück auch „charmant und gewitzt“ pendeln. Definitiv kein schlechter Song, im absoluten Gegenteil, dafür aber auch leider nicht viel mehr, als die zu erwartende Standard-Kost des ohnehin etwas arg limitierten Genres. Das bizarre „Schlafes Braut“ greift danach den beabsichtigten Vibe eines finsteren, kuriosen Kabinetts wohl am treffendsten auf, wozu neben der omnipräsenten Drehorgel vor allem das sonderliche Arrangement zwischen Folklore und Chanson seinen großen Teil beiträgt. Zu Hören gibt es eine retrospektiv erzählte Schauergeschichte im düsteren Noire-Gewand über einen rätselhaften, fiktiven (Selbst-)Mordfall, der instrumental leicht an „House Of The Rising Sun“ gemahnt und atmosphärisch das volle Repertoire auffährt - Sehr gut, davon hätte es sehr gerne viel mehr geben dürfen! Das schonungslos bretternde „Untergang“ entpuppt sich indes als knallharte Metal-Peitsche, deren überraschend ausgeprägter Härtegrad stellenweise in extreme Dimensionen führt und den aktuellen „Lord Of The Lost“-Einfluss durch Harms verstärkt nach außen kehrt, wenn die lauernde Gefahr giftiger Beziehungen voller Narzissmus, Abhängigkeit und emotionaler Gewalt dargestellt werden. Die „MenschMaschine“ hebt sich hingegen durch ihre kühle EBM- und Industrial-Note hervor, denn der hier zelebrierte Minimal-Electro im stampfenden Rhythmus setzt die organischen Instrumente jetzt für wenige Minuten außer Kraft, was für eine willkommene Abwechslung sorgt. Trotzdem bleibt der Song am Ende recht antriebslos und blass, das bewährte Gleichnis des stetig funktionierenden, nimmermüden Automatismus willenloser, humanoider Quasi-Roboter wurde mittlerweile von Genre-Kollegen wie den frühen „Megaherz“ oder selbst den musikalischen Urvätern „Kraftwerk“ immerhin ausreichend bearbeitet. „Was Mir Am Wichtigsten Ist“ thematisiert den zunächst noch gedankenlosen Exzess und die sich anschließende Abhängigkeit illegaler Substanzen als gewünschte Realitätsflucht, doch die schweren Folgen sollen in dieser gefährlichen Spirale nicht mehr lange auf sich warten lassen... Der experimentelle Sound arbeitet hier mit einem mehrstimmigen Gesang, kräftiger Percussion, prägnanten 80er-Synthies und hymnischen Blechbläsern und erinnert somit vehement an „Oomph!“, insbesondere an deren recht gespalten aufgenommenes, mutiges Album „Des Wahnsinns Fette Beute“ mit „Komm Zurück“ oder auch „Fütter Mich“. Neben dem leicht angedeuteten Funk gibt es gegen Ende obendrein noch ein ausladendes Gitarren-Solo. Diese Nummer fällt definitiv angenehm aus dem Rahmen! Ganz im Gegensatz zu „Benutz Mich“, das uns wieder in gewohnte Bahnen verschlägt: Besonders markant ist hier der große Kontrast zwischen den gediegenen Strophen, welche symphonische Elemente mit einer elektronischen Grundierung beherbergen, und dem harschen Refrain samt grellem Screaming von Harms. Mit dem wirklich hervorragenden „Glück Auf!“ erlaubt sich „Die Kreatur“ erfreulicherweise einen weiteren Stilbruch. Der melancholischen Nummer wohnt ein durchweg bluesiger Touch inne, der im catchy Chorus dann sogar das Segment nordischer Shantys streift. Besonders schön kommt der hoffnungsfrohe Text daher, der den langen Aufstieg aus dem tiefen Tal der Depressionen zurück zu neuer Stärke anhand einer extrem gelungenen Versinnbildlichung umschreibt. Das große Finale wird mit „Gott Verdammt“ eingeläutet, welches die hohe Diskrepanz zwischen gewollter Macht und abgestoßener Verantwortung in einem philosophischen Grundsatz miteinander vereint und so die gewichtige Bedeutung unseres eigenen Seins hinterfragt. Passend dazu gestaltet sich das abschließende Stück als monumental instrumentiertes Epos mit wuchtiger Kirchenorgel und sakralen Chöre, was die Dramaturgie nochmal in ungeahnte Höhen katapultiert... Ganz großes Kino für die Ohren! Der Bonus-Track in Form einer Cover-Version von Joachim Witts legendärem Hit „Goldener Reiter“ kommt hier im verblüffend stimmigen, wenngleich vor diesem Hintergrund ziemlich gewöhnungsbedürftigen EBM-Gewand à la „Mein Herz“ oder „Der Neue Gott“ daher, weiterhin gibt es noch zwei Remixe der beiden Singles von „Faderhead“ und „Solar Fake“, die, entsprechend ihrer beiden Hochkaräter-Paten, gelungen und tanzbar ausfallen. Auf ihrem mit sehr viel Spannung erwarteten Debüt „Panoptikum“ schicken sich die beiden bekannten Szene-Musiker aus dem prominenten Kader von Napalm Records also durchaus ambitioniert an, die engen Grenzen des mittlerweile seit Jahren oftmals so stagnierenden Genres auszuloten und jene mit der explosiven Vermischung ihrer ganz individuellen Stärken und signifikanten Trademarks aufzubrechen. Die Zeichen für dieses selbstbewusste Vorhaben standen vorab jedenfalls alles andere als schlecht, denn mit „Oomph!“-Sänger Dero Goi, einem der wohl einflussreichsten Wegbereiter der weltweit berüchtigten NDH, und dem umtriebigen Hamburger Multitalent Chris Harms, seines Zeichens unter anderem Mastermind der zuverlässigen Hit-Schmiede „Lord Of The Lost“, wurde ein gleich in mehrerlei Hinsicht äußerst erfahrenes Zweigespann geschaffen, dessen individuelle Kernkompetenzen doch eigentlich nur zu einem denkwürdigen Volltreffer in Meilenstein-Qualität führen können, richtig? Falsch. Vielleicht war die generelle Erwartungshaltung an das neue Projekt der beiden befreundeten Kreativköpfe nach den letzten, wirklich überragenden Releases ihrer jeweiligen Hauptbands oder der Zusammenarbeit bei „Abracadabra“ und „Europa“ einfach etwas zu hoch? Als „Die Kreatur“ begeben sich Goi und Harms zusammen in die Abgründe der menschlichen Psyche und mehr oder minder komplexe Gefühlswelten, arbeiten sich also oft relativ berechenbar an bewährten Themen mit noch bewährteren Phrasen ab: Liebe, Hass, Leben, Tod, Abhängigkeit, Rausch, Selbstzerstörung und Glaube in all ihren Facetten sind schon lange nichts Neues oder gar Originelles mehr. Das größte Manko ist aber, dass die Quintessenz beider Bands nur unzureichend zu einem großen Ganzen kanalisiert wird, es klingen an zu vielen Stellen zu oft die „Oomph!“ der letzten zwei bis drei Veröffentlichungen seit 2012 durch, hin und wieder gibt es dann fein separiert den stellenweisen Einfluss des dunklen Metal von „Lord Of The Lost“. Wirklich miteinander verwoben wurde der neue-alte Sound also nur selten. Zu selten. So bleibt das vielversprechende Duo leider ein gutes Stück zu weit hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurück und fährt stattdessen solide Kost mit dem verlässlichen Gütesiegel auf: Fette Produktion, druckvoller und glasklarer Klang und sehr eingängige Melodien, welche die ein oder andere Abwechslung in ihrem fest abgesteckten Spektrum abdecken. Das klingt stets gut und geht zumeist auch sofort perfekt ins Ohr, die mitunter erhoffte Genre-Revolution oder oder der ganz große Wurf bleiben jedoch leider aus.

Informationen:

http://diekreaturband.de/

https://www.facebook.com/diekreaturband

Sündenklang - Jahresringe (2020)

Genre: Alternative

Release: 19.06.2020

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Drakkar Entertainment (Soulfood)

Spielzeit: 36 Minuten

Fazit:

Längst sind „Sündenklang“ der Szene-Inbegriff für tiefgehende Ausflüge in die dunklen Sphären der Seele. Mit ihrem neuen Album „Jahresringe“ präsentieren sich „Sündenklang“ so unzensiert und ungeschminkt wie nie zuvor. „Stahlmann“-Fronter Martin „Mart“ Soer hat die fast vierjährige Schaffenspause genutzt, um all jene Kreativ-Emotionen zu bündeln, die nur mit „Sündenklang“ eine adäquate Leinwand finden können. „Jahresringe“ sei sein bislang persönlichstes Album geworden, so der Musiker und Produzent. In den Songs, die wie die Jahresringe eines Baumes von Erfahrungen, Verletzungen, schweren und leichten Jahren zeugen, geht es um das Verarbeiten von Lebens