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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

In Extremo - „Quid Pro Quo"-Tour - Palladium, Köln - 30.12.2017


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Palladium

Kapazität: ca. 4.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.palladium-koeln.de

Einleitung:

Wir schreiben Samstag, den 30.12.2017. Seit wenigen Minuten habe ich eine entspannte Zugfahrt hinter mir und stehe nun vor dem Bahnhof Deutz. Ich bin schon einige Monate nicht mehr hier gewesen, verändert hat sich natürlich dennoch nichts, wie ich schnell bemerke. Von der sonderbaren Stille einmal abgesehen, denn anders als sonst, tummeln sich in den Gängen und der Eingangshalle kaum andere Personen. Wenig verwunderlich, man ruht sich vermutlich für den morgigen Silvesterabend aus... Ich hingegen mache genau das Gegenteil davon und habe mich für mein letztes Konzert in diesem Jahr auf den Weg in die Domstadt gemacht. Um zeitliche Engpässe zu vermeiden, nehme ich ein Taxi nach Köln-Mülheim. Bis auf die kleine Tatsache, dass mir der Fahrer für die spätere Abreise unbedingt eine Rückfahrt nach Bochum zum vermeintlichen Schnäppchenpreis aufzwingen will, verläuft alles ohne besondere Vorkommnisse und so stehe ich nach einer guten Viertelstunde schließlich direkt vor dem Haupteingang des Palladiums. Auch hier war ich mittlerweile schon genau ein Jahr nicht mehr, das letzte Mal war es der Besuch der „Quid Pro Quo“-Tournee im Spätsommer 2016. Heute bin ich praktisch aus dem gleichen Anlass hier, denn in wenigen Stunden werden „In Extremo“ hier ihren Jahresabschluss feiern. Was soll da bitte noch schiefgehen? Leider einiges. Bereits im Vorfeld hatte ich meinen Kontakt bei der zuständigen PR-Agentur um eine Akkreditierung gebeten und auch erhalten. Doch nicht nur das: Quasi pünktlich zum Weihnachtsfest habe ich die tolle Möglichkeit bekommen, eine Person meiner Wahl mitnehmen zu dürfen, ein riesiges Geschenk! Der Haken: Entsprechende Person ist genau am heutigen Tage kurzfristig erkrankt, also fällt das schon mal flach. Ich gehe an der Schlange vorbei, reihe mich an der Gästeliste ein und nenne wie immer meinen vollständigen Namen. So weit, so gut. Leider kann die Dame am Empfang meinen Namen nicht finden und so lasse ich die anderen Wartenden erstmal vor. Zu allem Überfluss beginnt es jetzt auch noch zu regnen. Wenn es mal läuft, dann richtig. Zum Glück habe ich entsprechende E-Mails noch auf dem Handy und kann somit meine Berechtigung belegen. Glück gehabt! Nachdem der freundliche Mitarbeiter am Einlass meine Tasche kontrolliert und mir den schönen Fotopass ordnungsgemäß angeheftet hat, bin ich wenig später im Inneren und gebe meinen Mantel an der Garderobe im Keller ab. Geschafft, los geht’s!

Fiddler‘s Green:

In etwa gegen 19.30 Uhr ist es an der Zeit für den Support-Act des heutigen Abends, der schon von vielen Besuchern sehnlichst erwartet wird. Kein Wunder, denn eröffnen dürfen niemand Geringeres, als „Fiddler‘s Green“. Der 1990 in Erlangen gegründete Sechser steht mit seinem partytauglichen Folk-Rock in diesem Genre natürlich äußerst hoch im Kurs und entsprechend groß fällt der warme Willkommensbeifall aus, als Schlagzeuger Frank Jooss, Akkordeonspieler Stefan Klug, Geiger Tobias Heindl, Bassist Rainer Schulz, Gitarrist Patrick „Pat“ Prziwara und Sänger Ralf „Albi“ Albers zu „The Leaving Of Liverpool“ die Bretter stürmen. Mit im Gepäck: Das aktuelle Album „Devil‘s Dozen“. Die Mischung aus kernig-rauem Rock und verspielten Traditionals, verwandelt den gut gefüllten Innenraum sofort in einen Irish Pub, ausgelassene Stimmung ist bei den folgenden Songs „Down“ und „Life Full Of Pain“ somit garantiert! „Nach den ganzen Tagen der Völlerei, wollen wir jetzt doch mal ordentlich die Sau rauslassen, oder?“, animiert Albers die feierwütige Menge und sorgt bei „Bottoms Up“ vermutlich für beste Umsätze an den Getränketheken. Gesagt, getan. Zahlreiche Becher erheben sich in die Lüfte, fast überall wird beseelt gesungen und getanzt. Die Fiddler’s nehmen die Aufgabe des Anheizers ernst und sorgen im Palladium durchgehend für Ausgelassenheit. Eine kleine Pause zum durchatmen gibt es mit dem balladesken „Blame It On Me“ dann aber schließlich doch noch, zu welchem jetzt alle Handylichter und Feuerzeuge gefragt sind, ehe mit „We Don‘t Care“ oder dem beliebten Gassenhauer „Yindy“ das Gaspedal wieder voll durchgedrückt wird. Die klassischen Anlaufschwierigkeiten einer jenen Vorband, haben die sechs Musiker mit dem Kölner Publikum natürlich keineswegs, dazu kennen und schätzen hier ganz offensichtlich zu viele Gäste die Songs der sympathischen Folker. „Bei dem nächsten Lied müsst ihr nur saufen und diesen Namen hier laut rufen: „Macintyre!“. Bekommt ihr das hin? Dieses Stück führt uns zu einem schönen Pub...“, leitet der Fronter das launige „Old Dun Cow“ ein, „The Night Pat Murphy Died“ bereitet danach den rasanten Weg auf die baldige Zielgerade vor, für welche von der Bühne herab nochmals maximale Bewegung gefordert wird. Alle hier Anwesenden wussten es zwar schon lange, aber für die restliche Welt wird es nun nur zu gerne nochmals mit vereinten Kräften und aus voller Kehle herausgebrüllt: „Folk‘s Not Dead“! Nach einer guten Dreiviertelstunde, die wieder einmal wie im Fluge vergangen ist, verabschieden sich „Fiddler‘s Green“ unter lautem Jubel. „Viel Spaß noch und vielen Dank für diesen geilen Abschluss. Dankeschön, Köln. Ciao!“, winkt Albers freudig strahlend. Nach einer gemeinsamen Verbeugung geht das Hallenlicht dann auch schon wieder an und die anstehenden Umbauarbeiten setzen sich sofort in Gang. Schlag auf Schlag geht es weiter!

In Extremo:

Um 20.40 Uhr erlischt die komplette Beleuchtung im sehr gut gefüllten Palladium überraschend früh unter tosendem Applaus und legt fortan einen dichten Schleier der Dunkelheit über das weitläufige Innere der modernisierten Kölner Industriehalle. Violette Farben huschen über den dreiteiligen Vorhang, auf welchem mit dem Schmierkreuz-Logo, der Horge vom Albumcover zu „Weckt Die Toten!“ und dem Galgen, nun langsam die drei bedeutendsten Symbole der bandeigenen Historie zum symphonischen Intro aus den finsteren Schatten hervortreten. Zu den ersten Takten des sich direkt anschließenden Openers „Quid Pro Quo“, wird der schwere Stoff unter sprühenden Funken nacheinander von der Decke hinabgeschossen und mit einem ohrenbetäubenden Donnerschlag rast zuletzt auch das Mittelstück zum Boden hinab, wodurch endlich der Blick auf das dahinterliegende, imposante Bühnenbild freigegeben wird. Dieses ist ganz im Stil des aktuellen Chartstürmers gehalten: Im Zentrum thront das wuchtige Drumset, hinter dem Schlackzeuger Florian „Specki T.D.“ Speckardt sitzt, zu den Seiten daneben ragen zwei weitere Podeste in rustikaler Backstein-Optik in die Höhe, auf welchen die beiden Dudelsackspieler Boris „Yellow Pfeiffer“ Pfeiffer und Marco „Flex der Biegsame“ Zorzytzky stehen. Der Hintergrund wird von strählenden Straßenlaternen und einem übergroßen Backdrop bestimmt, welches die Szenerie einer alten Schnapsbrennerei zeigt. Am vorderen Rand haben hingegen Harfenist André „Dr. Pymonte“ Strugala, Bassist Kay „Die Lutter“ Lutter und Gitarrist Sebastian „Van Lange“ Lange ihre traditionellen Positionen eingenommen. In ihrer Mitte steht Frontmann Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein, der mit langsamen Schritten nach vorn zu seinem Stativ schreitet, um die erste Strophe zu besingen. Die allgemeine Stimmung im dicht bemannten Innenraum scheint schon jetzt brodelnd heiß hochzukochen und entlädt sich hier sodann und ohne jegliche Aufforderung ebenso sehr in den lautstarken Schlachtrufen des signifikanten Refrains, wie auch beim nachfolgenden „Feuertaufe“, in dessen hymnischem Chorus erstmalig heiße Feuersalven züngeln. Ein spektakulärer Einzug der glorreichen Sieben aus Berlin! „Einen wunderschönen guten Abend, Köln! Ich mache es kurz... Dieses Jahr war für uns alle einfach der absolute Hammer. Danke, dass ihr alle da seid. Heute sind alle Krankheiten und Gebrechen völlig egal, oder? Euch ganz viel Spaß und ab dafür!“, begrüßt der Sänger mit der markanten Stimme das bestens aufgewärmte Publikum und leitet sogleich zum energetischen „Zigeunerskat“ über, das vor allem im Mittelteil mit einem schönen Solo überzeugt. Wenig verwunderlich, dass auch hier sofort tausende Hände ganz ohne vorherige Absprache in die Luft schnellen, um eifrig im Takt mitzuklatschen. Die Band und ihr Publikum verstehen sich damals wie heute eben blind, genießen und leben ihre gemeinsamen Rituale vor und auf den Brettern. „Vielen Dank! Geht’s euch gut?“, wendet sich Rhein danach erneut an seine Fans. Ja, der Domstadt geht es unüberhörbar gut.