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In Extremo - Interview Teil II (2016)


Roggenfaenger: Hallo und vielen lieben Dank für das Interview! Euer Erfolgsalbum "Quid Pro Quo" ist nun schon tatsächlich seit einem halben Jahr auf dem Markt, ihr selbst kommt gerade eben erst von eurer großen Hallentour. Und doch steht mit den beiden Jahresabschluss-Shows hier aus der MS RheinEnergie bereits das nächste Event vor der Tür. Hattet ihr zwischenzeitlich denn überhaupt ausreichend Gelegenheit das Erlebte ausgiebig zu reflektieren und etwas Kraft zu tanken?

Kay „Die Lutter“ Lutter: Nein! (lacht)

Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein: Eigentlich nicht, aber man hat natürlich auch so seine Phasen. Mir ging es da persönlich etwa so, dass wir am letzten Tag der Tour aus Berlin gekommen sind und ich dann anschließend Montag abends zuhause gewesen und am Dienstag aufgewacht bin und „Oh scheiße. Jetzt bist du hier, wo geht’s jetzt hin?“, dachte. Das war irgendwie kein richtiges Loch, aber ich habe das einfach Revue passieren lassen. Für mich war das eine der schönsten Touren, die wir jemals gefahren haben.

Kay „Die Lutter“ Lutter: Aber es war jetzt nicht unbedingt Zeit, großartig darüber nachzudenken.

Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein: Nö.

Kay „Die Lutter“ Lutter: Wir hatten im Prinzip… Wie lange hatten wir Zeit gehabt, einen Monat? Aber in diesem Zeitraum musste man halt gucken, dass man die Akustik-Show plant. Wann haben wir die das letzte Mal gemacht?

Michael „Das Letzte Einhorn“ Rhein: Auf der Loreley.

Kay „Die Lutter“ Lutter: Auf der Loreley, genau! Jetzt haben wir noch ein paar Songs mehr und es war demnach nicht allzu viel Zeit. Man musste auch noch ein bisschen etwas umarrangieren. Joa, wirklich viel Luft war nicht.

Roggenfaenger: Kommen wir rückblickend nochmal auf euren aktuellen Chartstürmer zu sprechen: Wie fielen die Kritiken der Presse und Reaktionen seitens der Fans aus? Konnte das neue Werk diese und vor allem eure Erwartungen erfüllen und wenn ja, habt ihr im Vorfeld mit solch einem durchschlagenden Erfolg gerechnet? Immerhin chartete ja seit 2008 jedes eurer Releases bis auf "Kunstraub" direkt auf Platz Eins…

Michael „Das Letzte Einhorn“ Rhein: Was heißt überraschend? Es natürlich so, dass man sich immer freut, wenn man auf die Eins geht. Und wir sind jetzt nicht die Leute, die sagen, dass wir unbedingt auf den ersten Platz müssen. Die „Kunstraub“ war ja zum Beispiel auch nur auf der Zwei, das ist für uns aber eher nebensächlich. Der Erfolg gibt einem Recht. Was wir selber so gelesen haben und was zum Beispiel auch ich nach diesen ganzen Interview-Marathons gehört hatte, war echt immer total gutes Feedback von den ganzen Journalisten, wo ich dann nur „Wow“ dachte. Man kennt sich ja auch schon ewig lange und das sind alles keine Typen, die dir irgendwelche Sachen vorspielen. Das freut uns dann natürlich, logisch. Das ist auch ein Ansporn dafür, dass man so weitermacht.

Kay „Die Lutter“ Lutter: Ein paar Sachen weiß man ja auch selber ein bisschen. Also du weißt, wann deine Platte rauskommt und du weißt, wer da noch rauskommt. Man kann sich das dann so ein bisschen zusammenrechnen, dass da zwischen Eins und Zehn irgendwas drin ist.

Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein: Mit der Top 10 haben wir schon gerechnet, aber das ist natürlich immer wieder eine schöne Überraschung für uns.

Roggenfaenger: Mittlerweile sind fast sechs Monate ins Land gezogen und ihr dürftet etwas Abstand von den Studioarbeiten gewonnen haben. Hättet ihr im Nachhinein etwas Grundlegendes ganz anders gemacht oder wäret manche Dinge grundverschieden angegangen? Gab es vielleicht sogar Ideen, welche ihr gerne noch umgesetzt hättet und gab es auch Titel, die es nicht final auf "Quid Pro Quo" geschafft haben?


Kay „Die Lutter“ Lutter: Wir sind ganzheitlich zufrieden und ich glaube auch, dass die Band „In Extremo“ unter Druck ganz besonders gut funktioniert. Wenn wir zu viel Zeit haben, gehen wir mit vierzig Ideen ins Studio und merken, dass eigentlich nur Zwölf drauf passen. Dann hast du vielleicht noch drei, vier Bonus-Songs und die anderen Ideen sind nur so halb ausgegoren. Wenn du aber Druck hast, gehst du zwar auch mit vielen Ideen ins Studio, aber hast dich von vornherein schon auf nähere Sachen fokussiert und arbeitest einzig härter an genau diesen Sachen. Weil du nämlich weißt, dass du jetzt hier irgendwie sechs, sieben Wochen hast und das Ding dann im Kasten sein muss. Bei uns gab es eben noch die besondere Situation, dass der Proberaum abgebrannt ist, als wir unsere Vorprodukten starten wollten. Das heißt, dass wir vierzehn Tage vorher ins Studio gegangen sind, um die Songs noch fertig zu schreiben und haben diese dann sofort eingespielt. Von daher sind wir eigentlich ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Wie gesagt, komischerweise ist es besser geworden, als wir vorher gedacht hatten. Wir haben vorher gedacht, dass wir es nie schaffen.

Roggenfaenger: Mit "Sternhagelvoll" habt ihr in der Welt der Musikvideos ein kleines Novum geschaffen. Wenig später erschienen zu "Störtebeker" und erst kürzlich zu eurem Anti-Kriegssong "Lieb Vaterland, Magst Ruhig sein?" weitere Verfilmungen. Warum habt ihr gerade diese Titel ausgewählt? Wie kamen die Ideen dafür zustande und wie liefen die einzelnen Dreharbeiten ab?

Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein: Wir hätten auch einen anderen Song nehmen können, aber ich finde es ganz gut, dass wir den genommen haben. Das ist schon ein Tränendrüsen-Song, der eine Realität hat. Der ist eigentlich zeitlos und wahrscheinlich kann man den auch in hundert Jahren noch singen, weil die Menschheit nie etwas lernt. Davor haben wir „Störtebeker“ und „Sternhagelvoll“ gehabt. Das sind eigentlich zwei Party-Songs und wenn du schon die Möglichkeit für eine dritte Auskopplung hast, nimmst du eher etwas anderes. Ich hätte lieber „Moonshiner“ genommen, aber das ist auch okay so. Das Lied hat seine Wirkung und ist verdammt gut angekommen. Das Video übrigens auch.

Kay „Die Lutter“ Lutter: Man streitet sich ja in einer Band auch darüber, was man als Video haben will. „Sternhagevoll“ war von Anfang an klar. Ich hätte „Lieb Vaterland, Magst Ruhig Sein“ zum Beispiel gern danach gemacht, weil ich denke, dass das mehr Aufmerksamkeit gebraucht hätte. Das hätte mehr gepasst, weil zur selben Zeit im November noch zwei Filme rausgekommen sind, die diesen Inhalt zum Thema hatten. Man muss immer einen Kompromiss zwischen seinen eigenen Ideen, der Umsetzbarkeit und dem Budget machen. Die Plattenfirma muss das natürlich auch noch absegnen. Von daher war es ein ganz guter Kompromiss. Bei der letzten Platte hatten wir gar kein Video gemacht.

Roggenfaenger: Doch. Zu „Feuertaufe“, oder?

Michael „Das Letzte Einhorn“ Rhein: Ja, stimmt. Das ist aber zwischen Tür und Angel im Proberaum entstanden, das muss man mal ganz ehrlich sagen. Sonst wäre nämlich gar nichts passiert. Jetzt bin ich eigentlich froh darüber, dass wir gleich drei Videos haben und „Lieb Vaterland, Magst Ruhig Sein“ passt da definitiv absolut rein.

Roggenfaenger: Der Großteil der Hörer war voll des Lobes. Doch wie es immer ist, wurde besonders im Vorfeld auch ein ums andere Mal vehemente Kritik laut. Diese richtete sich vornehmlich an den oben erwähnten, launigen Party-Song "Sternhagelvoll", in welchem ihr, einigen Stimmen zufolge, einen maßlosen Alkoholkonsum kritiklos glorifizieren würdet. Einige hätten sich einen anderen Umgang mit dieser Thematik gewünscht. Wie steht ihr dazu?