Subway To Sally - „Post Mortem"-Tour - Essigfabrik, Köln - 26.04.2025
- Christoph Lorenz

- 23. Mai
- 15 Min. Lesezeit


Veranstaltungsort:
Stadt: Köln, Deutschland
Location: Essigfabrik
Kapazität: ca. 1.000
Stehplätze: Ja
Sitzplätze: Nein
Homepage: https://essig-fabrik.de
Einleitung: Wir schreiben den 26.04.2025. An diesem sonnigen Samstagnachmittag geht es für uns nach einiger Zeit mal wieder nach Köln, wo die erst gestern im Hyde Park bei Osnabrück gestartete „Post Mortem“-Tournee von „Subway To Sally“ ihren Halt macht. Einen Termin im heimischen Ruhrgebiet, wie zuletzt noch 2023 in der leider eher durchwachsen besuchten Oberhausener Turbinenhalle 2, gibt es dieses Mal nicht. Schade, aber natürlich nimmt man für seine Lieblingsbands gerne kleinere oder auch sogar mal größere Anreisen in Kauf - Ehrensache! Leider scheint es auf der Autobahn einen Unfall gegeben zu haben und so stehen wir nun erstmal relativ lange im Stau, bis wir später dann aber zum Glück wieder freie Fahrt haben und ohne weitere Komplikationen durchkommen. Die Essigfabrik ist gut erreichbar, liegt zentral und zugleich doch etwas abgeschieden im innerstädtischen Industriegebiet zwischen Firmen und einem mit Planen verhüllten, scheinbar abrissreifen Gebäude. Irgendwie charmant. Parkplätze gibt es hier also reichlich. Ob man auf diesen auch wirklich stehen darf, das Ordnungsamt hier mitunter seine erfolgreichen Runden dreht oder das alles aufgrund eines mangelnden eigenen Stellplatz-Angebots seitens der Essigfabrik eine Art stille Übereinkunft ist, ist hingegen eine andere Frage. Da außer den Konzertbesuchern scheinbar niemand sonst mehr auf dem Gelände anwesend ist, reihen wir uns einfach auf dem Seitenstreifen zwischen den zahlreichen anderen Autos ein und laufen die paar Meter zum Eingang. Der Einlass ist schon seit einer guten Dreiviertelstunde vorüber und so befindet sich ein Großteil der Gäste bereits im Innenhof oder der Halle selbst. Die ursprünglich als Support angekündigte Alternative-Metal-Band „Blackbriar“ aus den Niederlanden musste ihre Teilnahme aus produktionstechnischen Gründen schon vor einigen Monaten absagen, dafür sind jetzt in einigen Städten die aufstrebenden Pirate-Folker von „Stormseeker“ mit dabei, in anderen wiederum die Punk-Rock-Kombo „Brunhilde“ aus Fürth. Letztgenannte haben sich auch für heute angekündigt, wir haben sie leider verpasst. Dafür steht der Gig von „Serenity“ noch aus, welche „Subway To Sally“ bei allen Terminen zur Seite stehen. Das Konzert ist restlos ausverkauft und wer die kleine Essigfabrik kennt, der weiß, was das bedeutet: Viel Hitze, Enge und unfreiwilliges Gruppenkuscheln bis auf den letzten Platz. Die Wege zu den Getränketheken, dem Merchandising-Stand und den Toiletten muss man sich erst eisern bahnen. Als das geschafft ist, geht es nochmal kurz an die frische Luft und dann wieder zurück, denn gleich geht es weiter…

Serenity:
Als zweiten Special Guest konnte man die österreichischen Symphonic-Metaller von „Serenity“ gewinnen, welche die gesamte Tournee konstant begleiten und damit in jeder der insgesamt zehn Städte an zweiter Stelle auf der Bühne stehen werden. Dabei ist die im Jahr 2001 in Tirol gegründete Band beileibe kein unbekannter Name mehr, sondern in ihrem Genre schon lange ein fest etablierter Begriff mit ziemlich großer Fanbase! Sage und schreibe acht Studioalben, sehr gut gebuchte und nicht selten ausverkaufte Konzertreisen quer durch ganz Europa sowie zahlreiche Gigs auf den größten Metal-Festivals der Welt gehen mittlerweile auf das Konto der bei Napalm Records unter Vertrag stehenden Künstler. In ihren Songs verknüpfen „Serenity“ seit jeher Fantasy mit realer Historie sowie Motiven aus dem Mittelalter und Christentum und gießen diese zu orchestral-metallisch powernden Hymnen. Wenig verwunderlich, ist Frontmann Georg Neuhauser neben seinem Bühnendasein doch immerhin als Historiker für Mittelalter und Frühe Neuzeit an der Universität Innsbruck tätig! Ganz klar also, dass die Essigfabrik gegen 20.00 Uhr im Inneren bereits so dermaßen stark ausgelastet ist, als stünde gleich schon der Gastgeber des heutigen Abends auf def Bühne. Zum sakralen Intro „Memoriae Alberti Dureri“ ihres noch immer aktuellen Studioalbums „Nemesis AD“ entern Schlagzeuger Andreas Schipflinger, Bassist Fabio D‘Amore, die beiden Gitarristen Marco Pastorino und Michael Hinki Brink sowie Sänger Georg Neuhauser schließlich die Bretter. Dabei macht das 2023er Werk immerhin ein Drittel des rund fünfundvierzigminütigen Sets aus, was für für alle Unkubdigen durchaus eine gute Werbung zu sein scheint, denn die ersten zwei Songs „The Fall Of Man“ und „Ritter, Tod Und Teufel (Knightfall)“ zünden beim Kölner Publikum so richtig und ziehen demnach eine ganze Menge warmen Willkommensapplaus nach sich. Es folgen „Souls And Sins“ und „Set The World On Fire“ vom Vorgänger „The Last Knight“ aus 2020, bevor es mit dem rein akustisch dargebotenen „In The Name Of Scotland“ dann um ein Vielfaches ruhiger zugeht. Auf diese Weise unterstrich die Band quasi ganz nebenbei, Stimme und Instrumente auch neben druckvollen Drums und schnellen Riffs vollends zu beherrschen. Auch das hochmelodische, emotional rockende „Reflections (Of AD)“ überzeugte anschließend in satten acht Minuten Spielzeit voll und ganz vom großen Können des sympathischen Quartetts, wobei hier insbesondere der starke Backgroundgesang von D‘Amore wunderbar heraussticht. Das begeisterte Publikum honoriert die sichtlich passionierte Darbietung der Österreicher mit viel Applaus, Gesang, Headbanging sowie nach oben gereckten Fäusten und gibt nach jedem einzelnen Song viel Energie zurück. Mit „Spirit In The Flesh“ und „Legacy Of Tudors“ geht es gegen Ende des Sets ein paar Jahre in der Geschichte der Band zurück, die ersten drei Veröffentlichung und mancher Klassiker sollen jedoch leider nicht bedacht werden, was in der wenigen Zeit aber auch kaum möglich wäre. Den feierlichen Abschluss bildet danach der episch treibende Titeltrack des 2017 erschienenen Albums „Lionheart“, der von den Besuchern nun nochmals kräftig gefeiert wird, bis sich die Fünf gegen 20.50 Uhr nach einem gemeinsamen Foto von ihren Fans verabschieden. Ein voller Erfolg!

Subway To Sally:
Es ist warm. Es ist eng. Die Essigfabrik ist voll. Wirklich unfassbar voll, um nicht zu sagen geradezu überfüllt. Die knapp 1.200 Fans drängen sich vom maximal ausgefüllten Innenraum samt den zwei seitlichen Getränketheken bis nach ganz hinten entlang an den Merchandising-Stand sowie in den kleinen Gang zu den Sanitäranlagen hinein. Hier gibt es nahezu kein Durchkommen mehr! Doch damit noch nicht genug, denn leider wurden anscheinend sogar so viele Tickets verkauft, dass es nicht einmal alle Besucher in die Halle hineinschaffen und somit ohne Blick auf das Geschehen vor den weit geöffneten Toren im Innenhof ausharren müssen. Wie gut, dass sich wenigstens das Wetter hält… Laut Hörensagen soll es beim letzten Kölner Gastspiel im Jahr 2023 nicht so stark ausgelastet gewesen sein, wobei allerdings auch zu bedenken ist, dass damals neben der Domstadt auch Oberhausen als zweiter NRW-Spielort mit auf dem Plan stand, was dieses Mal leider nicht der Fall ist und sicher viel zu einer Entzerrung beigetragen hat. Wie dem auch sei: Hier wurde von Seiten des Veranstalters definitiv falsch oder zumindest rein profitorientiert bis auf den letztmöglichen Platz kalkuliert, denn die relativ kleine Halle hat ihre Kapazitätsgrenze ganz offensichtlich überschritten. Das ruft schnell Erinnerungen an die „HEY!“-Tour 2019 wach, die ihrer Zeit ebenfalls nicht im Ruhrgebiet Halt machte und dementsprechend ein sehr ähnliches Bild zeichnete. Der sichtlich große und mehr als verdiente Zuspruch freut mich wirklich sehr für die Band, doch ist das hiesige Treiben kein Zustand, im schlimmsten Fall sogar gefährlich und mit Sicherheit auch nicht im Sinne der Musiker selbst, dass nicht alle Fans die Möglichkeit dazu haben, überhaupt in den Saal zu gelangen. Sollte sich bei der nächsten Tour wieder nur auf Köln beschränkt werden, so wäre ein Wechsel in die etwas geräumigere Live Music Hall oder sogar das E-Werk zu empfehlen. Nichtsdestotrotz wartet das versammelte Publikum schon voller Spannung auf den baldigen Beginn, bis plötzlich gegen 21.10 Uhr der legendäre „Queen“-Hit „Don’t Stop Me Now“ aus den Boxen tönt und die wartende Menge wie schon bei den eisheiligen Nächten im vergangenen Winter äußerst charmant auf den Abend einstimmt. Es dauert natürlich nicht lange, bis so einige Gäste einstimmen und ihre Stimmbänder somit lauthals auf das Kommende vorbereiten, bis nur wenige Minuten später das Licht in der Essigfabrik unter tosendem Applaus erlischt… Das aktuelle Bühnenbild ist wie bereits auf der vorherigen „Himmelfahrt“-Tournee wieder weitestgehend minimalistisch gehalten und vereint viele Elemente des klassischen STS-Aufbaus: Im Zentrum thront wie immer mittig das massige und von vier Moving Heads eingerahmte Drum-Kit auf einem breiten Podest mit einer zweiten abgestuften Ebene darunter. Interessanterweise greifen deren jeweilige Front-Verkleidungen das Motiv des beeindruckend atmosphärischen Hintergrunds mit ineinander übergehenden Bildern dicker Wurzeln auf und führen es schließlich bis zu den äußersten Spitzen des sehr ästhetischen, handgemalten Backdrops fort. Dieses ist mit Schwarz, Grau und Braun ausschließlich in erdigen Farbtönen ganz im Zeichenstil des animierten Musik-Videos zur letzten Single-Auskopplung „Herz In Der Rinde“ von Bruno Lante gehalten und zeigt einen massiven Stamm sowie dichtes Geäst, sodass es wirkt, als würde die Band gleich inmitten der mächtigen Krone eines altehrwürdigen, knorrigen Baums aufspielen. Dahinter erstreckt sich ein finsterer Wald und karge Landschaft. Zu jeder Seite stehen vier Roll-Ups bestehend aus jeweils zwei langen LED-Säulen, die von einem mit weiterem Geäst verzierten Verbindungsstück zusammengehalten werden.

Rauer Wind dringt aus dem Nichts heraus und fegt alsbald kräftig umher. Ein tiefes Horn wird gestoßen, der Klang stoisch geschlagener Trommeln zerreißt die einstige Stille und wird sodann von einer hypnotischen Flötenmelodie umspielt, während eine zarte Kinderstimme die beschwörenden Zeilen von „Introitus“ einem schamanischen Mantra gleich jetzt immer wieder besingt: „Gebt uns ein Streichholz, der Himmel wird entfacht! Einfach nur ein Streichholz, wird sind dazu verdammt…“. Unterdessen bündeln die Scheinwerfer ihre gleißend hellen Strahlen zu langsam rotierenden Kegeln, bis ihr bläulicher Schimmer plötzlich mit einem Schlag im flackernden Blitzlicht umschwenkt und die gesamte Szenerie in ein tiefes Rot taucht. Alle Blicke richten sich jetzt auf eine in geduckter Haltung am Bühnenboden kauernde Gestalt, welche sich nun langsam aufzurichten beginnt. Sie trägt ein aufwändig gestaltetes Kostüm samt imposantem Kopfschmuck aus allerlei orangefarbenen und roten Federn, welche sich auch über beide Arme erstrecken, die sie bald im ausdrucksstarken Tanz schwingend ausbreitet und dem Publikum so ihre weiten Flügel präsentiert. Ein wirklich extrem gelungener Auftakt und zugleich subtiler Hinweis auf den schon bald erklingenden Opener! Fast schon unbemerkt, betritt im Hintergrund unterdessen die Band aus Schlagzeuger Simon Michael Schmitt, Bassist Silvio „Sugar Ray“ Runge, Multiinstrumentalist Ingo Hampf, Violinistin Almut „Ally“ Storch, Drehleierspieler Michael „Bodenski“ Boden, Gitarrist Simon Levko und Sänger Erik-Uwe „Eric Fish“ Hecht die Bretter, während sich hunderte Hände rhythmisch im Takt klatschend in die Luft erheben. Alle Sieben tragen individuell auf die zugeschnittene, tiefschwarze Gewandungen aus zerschlissenem Stoff, die mit ihrem Post-Apokalypse-Touch an eine evolutionäre Kreuzung aus der „HEY!“- und „Himmelfahrt“-Ära erinnern. Ganz besonderer Blickfang ist hier natürlich einmal mehr Ally Storch, deren Kleid ein kunstvoll verziertes Skelett zeigt. Mit ernster Mine verharrt Fish nun in der Bühnenmitte vor seinem Mikrofonstativ, positioniert sich vor der gefiederten Gestalt und breitet simultan zu ihr langsam seine Arme aus, sodass es für einen kurzen Moment so wirkt, als gehören die weiten Schwingen ihm. Mit dem metallisch donnernden Beginn der ersten Takte von „Phönix“ schrauben sich nun vier hohe CO2-Fontänen vom Bühnenrand aus in die Luft, fangen sich nur kurz darauf unter der doch recht niedrigen Hallendecke und kehren sodann als dichte Nebelwolken zurück. Ohne Atempause schließt sich das ebenfalls neue, zynisch rockende „Wunder“ daraufhin an. Die enorm eingängige Nummer, die eines der mannigfaltigen Highlights auf „Post Mortem“ darstellt, weiß selbstverständlich auch live rasend schnell zu gefallen und sorgt somit spätestens im Refrain für zahlreich erhobene Arme und Stimmen im Publikum. Was für ein Einstieg in das Set! „Guten Abend, Köln! Ein Wunder, ein Wunder… Hier sind die Totgesagten und wir haben natürlich unser neues Album mitgebracht!“, begrüßt Sänger Eric Fish die vor Ausgelassenheit schon jetzt bebende Essigfabrik. „Freut ihr euch zusammen mit uns auf viele Songs von „Post Mortem“, „Engelskrieger“, „Herzblut“, „Hochzeit“, „Bannkreis“ und vielleicht ja auch „MCMXCV“?“, erkundigt er sich lächelnd und erntet natürlich massig Zuspruch. „Ja!? Na, dann seid ihr hier und heute genau richtig bei Subway To…“, übergibt er das Wort in alter Tradition an das begeisterte Publikum, welches ihm ohne jedwede weitere Aufforderung ein starkes „Sally!“ entgegenbringt. Weiter geht es mit einer der ausgewiesenen Hit-Singles des erfolgreichen Vorgängerwerks, nämlich dem energetisch aufgeladenen Up-Tempo-Rocker „Leinen Los“. Köln nimmt die dargereichte Einladung zum gemeinsamen Ablegen nur zu gerne an und begibt sich für die nächsten Stunden an Bord. Im instrumentalen Drehleier-Part sind dann alle Hände im Publikum gefordert, um für Fahrtwind und eine Handbreit Wasser unterm Kiel zu sorgen. Kein Problem!

„Danke euch, was für ein fantastischer Empfang! Das riecht doch nach Rock‘nRoll, oder?“, freut sich Fish und verspricht anschließend augenzwinkernd „Hier bekommt ihr sicher alles, was ihr wollt!“. Das kann nur ein versteckter Hinweis auf den ersten „Himmelfahrt“-Vorboten „Was Ihr Wollt“ sein, der mächtig Laune macht und jetzt wie ein alter Bekannter abgefeiert wird. Apropos „alter Bekannter“: Natürlich gibt es, wie eingangs fest versprochen, auch auf der aktuell laufenden Tournee wieder viele unverzichtbare Klassiker zu erleben, die seit Jahren einfach auf keinem Konzert der Potsdamer mehr fehlen dürfen. Einer davon ist das ikonische „Kleid Aus Rosen“, an dessen Ende der Sänger die Rose in seinen Händen zerrupft und ihre Blätter ins Publikum wirft. „Danke nochmals!“, freut sich der Frontmann, doch die Fans besingen den Refrain auch ohne erneute Aufforderung einfach weiter. „Gänsehaut… Dankeschön! Es war doch bestimmt jeder von uns schon mal auf einem Spaziergang in einem dunklen Wald und hat gesehen, wie dort ein Herz in eine Buche geschnitzt worden ist. Vielleicht noch mit einem „Forever“ dazu, wer weiß… Nun, aus diesem kleinen Bild wurde schließlich ein Lied, das sich durchaus würdig in die Reihe der großartigen Balladen einreiht, die sehr subwayesque daherkommen, wie ich finde. Aber hört selbst…“, raunt er geheimnisvoll. Zu „Herz In Der Rinde“, der bis dato letzten Single des neuen Albums, wird die Szenerie nun in warmes Licht getaucht, wodurch das kunstvolle Backdrop besonders eindrucksvoll zur Geltung kommt. Hampf greift zur Laute, während Michael den Platz hinter seinem Schlagzeug verlassen hat und stattdessen eine Tomtom-Trommel am vorderen Rand bespielt. Die rhythmische Percussion des tragischen Schauermärchens, das sich auch sehr gut auf „MitGift“ eingefügt hätte, erinnert dabei mit Sicherheit nicht ganz zufällig an das beliebte „Minne“ und ruft so nostalgische Erinnerungen an vergangene Tage wach. Schön, dass „Subway To Sally“ bei aller Weiterentwicklung ihres Sounds auch immer wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren! Vor allem der plötzliche Drop von der romantisch-akustischen Ballade hin zur erbarmungslosen Metal-Walze mit Horror-Charme weiß sehr zu gefallen und schürt die Lust auf harte Riffs, welche im Folgenden befriedigt werden soll und wird! Dazu haben sich die Sieben nämlich einen kleinen Kniff einfallen lassen, der auf der Setlist als sogenanntes „Metal-Medley“ bezeichnet wird und gleich drei Songs ineinander vereint, ohne jene dabei zu sehr zu kürzen. Verzichtet wird hier lediglich auf etwaige Solos und andere Zwischenspiele. So kündigt sich nach dem Einfordern des obligatorischen Schreis zunächst die Ankunft der „Henkersbraut“ an, dicht gefolgt von der Fahrt auf dem „Knochenschiff“ bei wildem Wellengang. Den Abschluss bildet „Falscher Heiland“, der im Refrain mit winkenden Händen verabschiedet werden darf. Eine nette kleine Interaktion, welche die Band bereits auf der letzten Tour scheinbar erfolgreich etabliert hat, sodass diese gar keiner Worte mehr bedarf. „Ihr seid fantastisch! Ich freue mich, dass ich das jeden Abend immer wieder sagen darf. Es ist ein schönes Gefühl, endlich wieder mit euch zusammen zu sein, Dankeschön!“, zeigt sich Fish aufrichtig dankbar und ergriffen. „So, wir greifen jetzt einmal ganz tief in die Kiste, die möglicherweise schon etwas Staub angesetzt hat…“, lächelt er und verweist anschließend auf Texter Bodenski, der „schon damals die Fähigkeit besessen hat, die Wahrheit in nur vier Worten zusammenzufassen“. Wie diese denn nun lautet, wissen alle langjährigen Fans mit dem Einsatz der dreckig rockenden Takte des nächsten Stücks, das tatsächlich eine echte und thematisch durchaus passende Überraschung im Set ist: Die „Grabrede“ vom 1995 erschienenen „MCMXCV“ ist mittlerweile eine seltene Perle und wurde schon viele Jahre nicht mehr live dargeboten, umso größer ist jetzt natürlich die Freude und so ruft die Essigfabrik schon bald geschlossen die wahren Worte „Du nimmst nichts mit!“ im Chor - Sehr schön! Ebenfalls habe sich der „Herr der Worte“ laut Fish beim Texten schon so manches Mal an den ganz großen Dichterfürsten orientiert und sich damals auch Goethes „Faust“ zur Brust genommen. Nur konsequent also, mit „Mephisto“ jetzt noch eine weitere Oldschool-Rarität von „Hochzeit“ aus 1997 nachzureichen. Leider muss der Song ohne die am Mikrofonstativ montierten Fackeln und das traditionelle Feuerspucken auskommen, auf das heuer ebenso verzichtet werden muss, wie auf einige Funken-Fontänen, die es am Vorabend in Osnabrück wohl noch gegeben hat. Vermutlich hängt dieser Umstand mit dem örtlichen Brandschutz zusammen, sind Bühne und Hallendecke in der kleinen Essigfabrik doch relativ niedrig. Nun ja, die Sicherheit geht schließlich vor.

„Dankeschön! Im nächsten Song werfen wir einige Fragen auf…“, umschreibt Fish die nächste Nummer und erzählt dann weiter: „Wir haben jedenfalls entschieden, es kommt immer auf das Ende des Refrains an, denn da bitten wir euch darum, uns einen Schrei zu schenken, okay?“. Gesagt, getan. Der soeben geäußerte Wunsch der Band soll für Köln keine große Herausforderung darstellen, denn das sehr textsichere Publikum kennt selbstredend alle Antworten auf die gestellten Fragen in „Das Rästel II“ und tut diese neben dem immerzu eingeforderten Schrei auch gerne kund. „Vielen Dank! Wir wollen diese kurze Atempause nun dazu nutzen, um uns auf einen Spaziergang über einen Friedhof zu machen. Wir möchten euch bitten, die Hände auf die Schultern des Nachbarn zu legen und euch zu gedenken!“, verkündet der Sänger und lädt die Fans anschließend zum gespenstischen „Auf dem Hügel“ zum rhythmischen Schunkeln ein. Sehr schön, dass auch dieser atmosphärische Song vom Vorgänger dem Set erhalten geblieben ist. „Jetzt kommen wir endlich zu der Geschichte, die „Post Mortem“ zugrunde liegt. Nein, nicht dem Album, sondern dem Titel selbst. Nun,eines Tages kam uns der Tod besuchen und es kam, wie es kommen musste: Wir haben ihn eingeladen, ordentlich besoffen gemacht und konnten anscheinend mehr als er ab, sodass er ganz vergaß, unsere Seelen mitzunehmen. Viel Spaß!“, erläutert Fish den wunderbar bildhaften Hintergrund zum Titeltrack der aktuellen Veröffentlichung, mit welchem „Subway To Sally“ sich glücklicherweise doch nochmal gegen eine vorzeitige Beendigung ihrer Karriere entschieden haben. Wie es in Zukunft weitergeht, lässt die Band offen. Es bleibt also nur zu hoffen, dass sie uns noch lange erhalten bleibt. Die Zeichen stehen derzeit jedenfalls auf Erfolg und damit nicht allzu schlecht. Also: Daumen drücken! „So, noch ein Song vom neuen Album! Wir haben auf dieser Tour ja erfreulicherweise einen jungen Mann mit an Bord, der hier vorhin schon mit „Serenity“ die Hütte gerockt hat, oder?“, bittet der Frontmann jetzt Georg Neuhauser, den Kopf der umjubelten Support-Band, auf die Bühne. „Wollt ihr den Song hören!?“, fragt Fish lachend und Köln will. Wer sich im Genre ein wenig auskennt, der weiß, dass Neuhauser unter dem Pseudonym „Tribune“ ebenfalls Sänger der maskierten Power-Metaller „Warkings“ ist, mit denen „Subway To Sally“ zuletzt ein Feature aufgenommen haben, das bereits bei den eisheiligen Nächten 2024 live erlebt werden konnte. Auf der diesjährigen Tournee sind die selbsternannten Krieger verschiedener Epochen zwar nicht zu Gast, doch ist es auch ohne martialische Verkleidungen schön, die catchy Hymne „Stahl Auf Stahl“ wieder mit den Originalstimmen hören zu können. Wer meine große Rezension zu „Post Mortem“ vielleicht gelesen hat, weiß, dass der etwas ungewöhnliche Titel zwar nicht gerade zu meinen Favoriten des hervorragenden Albums zählt, aber sei‘s drum.

Die Nummer ist ganz klar für die Bühnen geschrieben worden und erfreut sich auch heute Abend augenscheinlich großer Beliebtheit, was ja immer schön anzusehen ist. „Wir sehen uns später noch, Großer!“, klopft Fish seinem Kollegen verheißungsvoll auf die Schulter, der sich nun unter viel Applaus verabschiedet. Sehr schade ist, dass dies gleichwohl auch der letzte Song von „Post Mortem“ ist, der an diesem Abend zum Besten gegeben werden soll. So bleibt leider das etwas unbefriedigende Gefühl, das ausgerechnet das neueste Album auf seiner eigenen Konzertreise im direkten Vergleich zu vorherigen Werken zu kurz kommt. Wirklich starke Lieder wie „Nero“, „Unter Dem Banner“, „Lumpensammler“, zu dem es sogar ein eigenes T-Shirt am Merch zu kaufen gibt, oder auch „Kummerkind“ hätten es definitiv mehr als nur verdient, ebenfalls live gespielt zu werden, während „Eisheilige Nacht“ verständlicherweise der entsprechenden Event-Reihe vorbehalten bleibt. Ohnehin wirkt die anberaumte Spielzeit von ca. 110 Minuten dieses Mal doch etwas kurz, was aber vielleicht auch nur an den zwei integrierten Medleys liegt. Unverständlich ist es jedenfalls allemal, was auf einen zweiten Tour-Teil in 2026 mit weiteren neuen Songs hoffen lässt. „Pssst!“, bittet er um Ruhe und alles wartet gespannt. Das Backdrop färbt sich langsam blau und als die Violine einsetzt, brandet Jubel auf. Es folgt mit „Eisblumen“ ein weiterer großer Hit aus der umfangreichen Diskographie, der vom Publikum mit jeder einzelnen Zeile so dermaßen sicher mitgesungen wird, wie auch das nächste Stück, welches laut eigener Aussage als Tradition auf den eisheiligen Nächten etabliert wurde, um die jeweiligen Bands des Abends zu würdigen. Ganz klar, dass es sich dabei nur um den legendären „Veitstanz“ handeln kann! Auch wenn wir uns gerade noch mitten im sonnengefluteten Frühling befinden und das traditionsreiche Indoor-Festival somit noch über ein halbes Jahr auf sich warten lässt, verlegen „Subway To Sally“ das spezielle Gefühl des gemeinsamen Finales einfach kurzerhand vor und bitten dazu sowohl Carolin Loy der Fürther Punk-Rock-Band „Brunhilde“, die den heutigen Abend eröffneten, als auch abermals „Serenity“-Sänger Georg Neuhauser auf die Bühne. Wie sonst auch üblich, übernimmt dabei jede der drei Stimmen eine andere Strophe, während im Refrain dann wieder zusammen gesungen wird und so am Ende eine riesige Party in der Essigfabrik entsteht, bevor sich dann alle Musiker gemeinsam aus dem Rampenlicht verabschieden und die Halle zunächst im schummrigen Halbdunkel zurücklassen.

Es soll nicht mehr lange dauern, bis die Fans nach einer Zugabe verlangen und solange ein berüchtigter Song noch nicht verklungen ist, ist eine Rückkehr der sieben Potsdamer auch nahezu so sicher, wie das Amen in der Kirche. Sakrale Atmosphäre gibt es nur wenige Minuten später jedoch auch ganz ohne Gotteshaus, als plötzlich tiefe Glockenschläge den gesamten Boden erzittern lassen und sodann zum großartigen „Wenn Engel Hassen“ überleiten, das kurzerhand so ziemlich alle Arme samt obligatorischer „Pommesgabel“-Handgeste in die Höhe reißen lässt. Wie man die ohnehin schon fantastische Stimmung weiter hochhält, wissen „Subway To Sally“ natürlich ganz genau und so gibt es jetzt mit dem „Folk-Party-Medley“ kein Zurück mehr: Dieses beginnt mit „Sag Dem Teufel“, geht dann in „Ohne Liebe“ und „Sieben“, nur um dann mit einem heißen „Tanz Auf Dem Vulkan“ sein Ende zu finden. Hier ist dem Publikum keine einzige Atempause vergönnt! Es wird viel gesungen und getanzt, sodass der Schweiß in der mächtig aufgeheizten Essigfabrik geradezu von der Decke rinnt. „Es macht uns wirklich stolz, seit dreißig Jahren vor euch zu stehen… Danke. Es ist schön, mit euch zu arbeiten!“, lächelt Fish verschmitzt. Etwas unschön ist, dass das Personal ausgerechnet jetzt relativ unfreundlich damit anfängt, im hinteren Teil der Lokalität schon einmal den Curfew vorzubereiten, was in diesem Fall bedeutet, dass der Bereich vor und hinter der Garderobe geräumt werden soll. Einerseits verständlich, dass hier Zugangswege geschaffen werden sollen, andererseits lässt sich nun mal kein Platz herstellen, wo ohnehin schon kein Platz mehr ist. So werden plötzlich nicht wenige Gäste, wozu unter anderem auch wir gehören, von ihren Plätzen weiter in den enorm beengten Saal und den ebenfalls vollen Eingang geschoben, während zahlreiche Mitarbeiter mit leeren Getränkekisten durch die Menge preschen. Da niemand der Anwesenden so wirklich zurückweicht und dafür fairerweise auch schlicht kein Raum gegeben ist, wird die Menge so unschön zusammengequetscht, was für alle nicht nur nervtötend, sondern auch ziemlich gefährlich ist. An dieser Stelle nochmal: Es ist einfach viel zu voll! Währenddessen unterweisen Boden und Levko das Publikum für das letzte Stück des Abends und versuchen, die richtige Tonhöhe zu eruieren. Der simple Text des launigen Rausschmeißers ist allseits bekannt und so wird jetzt nochmal kräftig zu „Julia Und Die Räuber“ gefeiert und so lange gesungen, bis die Sieben schließlich gegen 23.05 Uhr die Bühne verlassen und der allerletzte Ton des Abends auf ebendieser verklingt. Wer sich nun noch nicht auf den Heimweg machen will, hat im direkten Anschluss noch die Möglichkeit, sich das ein oder andere Getränk zu bestellen oder Autogramme und Fotos von allen drei Bands zu ergattern, die sich bereits wenig später am Merch einfinden. Eine schöne, wertschätzende Geste. Was bleibt, ist pure Vorfreude auf die „Eisheilige Nacht“ 2025, zu welcher dieses Mal gemeinsam mit „Haggefugg“, „Kupfergold“ und „Schandmaul“ unter dem Motto „Räuber & Narren“ an zehn etablierten Spielorten geladen wird. Bis dahin!

Setlist:
01. Introitus
02. Phönix
03. Wunder
04. Leinen Los
05. Was Ihr Wollt
06. Kleid Aus Rosen
07. Herz In Der Rinde
08. Henkersbraut
09. Knochenschiff
10. Falscher Heiland
11. Grabrede
12. Mephisto
Das Rätsel II
Auf Dem Hügel
Post Mortem
Stahl Auf Stahl
Eisblumen
Veitstanz
Wenn Engel Hassen
Sag Dem Teufel
Ohne Liebe
Sieben
Tanz Auf Dem Vulkan
Julia Und Die Räuber Impressionen:
Daniel Kählke - Headbangerz Magazine / DKählke Pictures
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