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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Subway To Sally - HEY! (2019)


Genre: Metal / Alternative

Release: 08.03.2019

Format: Doppel-CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Subway To Sally (Universal Music)

Spielzeit: 53 Minuten

Pressetext:

Die Zeit ist nahe! Die Stunde der Offenbarung steht bevor! Vergesst die Theorien über Polsprung, Eiszeit und Asteroideneinschläge und macht Euch auf eine handfeste Überraschung gefasst: "Hey!", das 13. Album von Subway To Sally ist ein Fanal der Zeitenwende. Und das im doppelten Sinne: zum einen markiert die Rückkehr der Band nach geschlagenen fünf Jahren den Anbruch einer neuen Schaffensphase. Zum anderen spiegeln die Songs den Zustand unserer ins Wanken geratenen Welt zwischen Konsumterror und Fanatismus, Wachstumsprognosen und Untergangsszenarien bissig und direkt wieder. "Hey!" ist ein Weckruf, aber auch eine Aufforderung zum Tanz: Subway To Sally feiern das Leben – im Angesicht der Apokalypse. Selten saß der Schalk den Potsdamern so deutlich sichtbar im Nacken wie auf "Hey!". Grinsend führt er die Musiker zu ihren Wurzeln und jubelt ihnen Zitate aus der eigenen Jugend unter. Dennoch sind Subway To Sally keine Nostalgiker. Die Band steht breitbeinig im Hier und Jetzt. "Hey!" ist ein Album, das laut und leidenschaftlich alle Facetten vereint, die Subway To Sally ausmachen: ausladende Arrangements, große Melodien, massive Riffs, verspielte Folk-Einwürfe und - seit "Mitgift" - ausgefuchste Elektronik. "Hey!" ist bei aller Vielfalt ein Album wie aus einem Guss. Hier ist jeder willkommen, der die Bereitschaft mitbringt, zu reflektieren und dennoch zu feiern. Schließlich ist "Hey!" nicht nur der Ausruf des Mahners, der die Menschheit aus ihrer Lethargie reißen will, sondern auch ein Ausdruck der Lebensfreude.

Kritik:

„Sie ist die Königin der Käfer, sie kommt über uns heut' Nacht

Ihre Liebe wollten wir nicht haben, ihr Zorn verfolgt uns tausendfach

Sie ist die Königin der Käfer, Blumen trägt sie heut' im Haar

Schatten folgen ihr ins Dunkel, nichts ist mehr wie's gestern war!"

Eine majestätisch tosende Fanfare zerreißt die bis gerade eben noch vorherrschende Stille, kündet schier verheißungsvoll und ungemein erfurchtgebietend gleichermaßen von der endgültigen Rückkehr der sieben Potsdamer nach insgesamt fünf Jahren... Das lange Warten hat endgültig ein jähes Ende gefunden! Der ganz und gar episch inszenierte Einzug von „Subway To Sally“ wird hintergründig von elektronisch verzerrten Sounds durchsetzt, die hier einen dezenten, aber dennoch klar spürbaren Kontrast im vielschichtigen Arrangement setzen, welcher sogleich eine gar heiß brodelnde, einschüchternd angriffslustige Bedrohlichkeit schürt. Somit schlägt man bereits innerhalb der ersten Sekunden eine nur logische Brücke zum Vorgängeralbum „MitGift“ aus 2014, sowie dessen live basierter Expertise- und Horizonterweiterung, der charmant als „e-kustisch“ betitelten Fusion aus Vergangenheit und Moderne, namens „NeoN“. Dieser äußerst schlüssige Kunstgriff kommt parallel auch einer vielsagenden Beantwortung der oft gestellten Frage gleich, ob die vor einigen Jahren eingeführte Einbindung exakt jener neuartigen Elemente lediglich einen mutig-experimentellen, doch einmaligen Pilotversuch darstellte oder nun nach wie vor einen erheblichen Teil des sally‘schen Klang-Kosmos ausmachen wird. Anders als vielleicht gedacht, geht der eröffnende Einstieg mit „Island“ jedoch nicht sogleich in die Vollen, sondern mündet vorerst in einem organisch unverstärkten Lautenspiel, welches die erste Strophe im folkloristisch inspirierten Mid-Tempo packend vorantreibt. Natürlich durch die markante Stimme von Sänger Eric Fish ausgefüllt, die in poetisch-malerischer Lyrik-Manier bissig die unreflektierte Realitätsflucht der ewig Gestrigen anprangert, temporär von abermals wild zerrenden Break-Beats und den mahnenden Tönen des schallenden Horns zerschnitten... Eine kurze Pause. Ein kleiner Ruhepol, unter dessen unscheinbarem Deckmantel jetzt hörbar alle Energien gebündelt zusammenfließen, bis das aggressive Keifen in Form kratzig fauchender Shouting-Salven von „Lord Of The Lost“-Mastermind Chris Harms unbarmherzig aus jeder noch so engstirnig Komfortzone rüttelt und wütend alle Mauern einreißt: „... dann wandere doch nach Island aus!“, heißt es da. Eine klare Ansage, bevor sich das ausgeklügelte Arrangement mit voller Power in einen so epochalen, wie gleichzeitig schwermetallisch schleppenden Refrain katapultiert, der jetzt unaufhaltsam mit mächtig stampfender Rhythmik vorprescht und sich sodann in einem dramatisch-melodiösen Intermezzo aus Drehleider und Geige ergibt. So spielen „Subway To Sally“ allein innerhalb der ersten Minuten gekonnt wendungsreich mit etwaigen Erwartungen ihrer Fans und stellen ihre lustvolle Unberechenbarkeit beeindruckend unter Beweis. Ein sehr intelligenter Schachzug, um das eigene Schaffen auf bahnbrechend interessante zu evolvieren. Ein Grundgedanke, der sich nicht nur schon beim darauffolgenden Song ebenso nahtlos fortsetzen, sondern durch das gesamte Album ziehen soll. Einen weiteren Schritt in die entsprechende Richtung setzt demnach die glorreiche Ankunft des „Imperator Rex Graecorum“: Nach einem schallenden Gong wird sich der Hörer auch sogleich einer weiteren, großen Neuerung bewusst, denn der größte Anteil des lückenlos fremdsprachig gehaltenen Textes gebührt tatsächlich Gitarrist Simon Levko, der hier, dem großen Latinum mächtig, mit synthetisch leicht verfremdeter Stimme das geschichtsträchtige Liedgut aus der legendären Anthologie „Carmina Burana“ vorträgt. Darunter ein treibend groovender, gehetzt pulsierender Beat mit pointiert drückenden Basslinien, die hier mächtig donnernde Trommeln simulieren. Stets angereichert durch einige technische Spielereien und kleine Details, wie etwa grelle Glockenschläge und schweres Atmen. Das aufstrebende Geigenspiel bricht das zunächst arg gewöhnungsbedürftige Konstrukt danach gekonnt auf und leitet flüssig zu taktierendem Schlagzeug und forschen Gitarrenwänden über, welche den facettenreichen Up-Tempo so lange voran peitschen, bis Fish im extrem ohrwurmigen Chorus wieder das Steuer übernimmt. Gegen Ende kommt sogar noch die via Social Media angestoßene Gemeinschaftsaktion zum Tragen, bei welcher die Fans von der Band darum gebeten wurden, ihre Stimme für einen gemeinsamen Chor zu leihen. In diesem angenehm andersartigen Hybriden aus dunkel kokettierendem Rock und historisch behafteter Mystik, rüstet der Kaiser von Griechenland das Heer gegen die verfeindeten Heiden, um sein Volk aus der Krise zu führen... „Ayos o theos athanathos. Ysma sather yskyros. Salva tuos famulos!“.

Die verquere Weise einer Drehleier erklingt und stößt die Tore für das folgende Schauermärchen auf: Ungemein düster pumpende Bässe schrauben sich jetzt aus dem Nichts heraus an die Oberfläche und erschaffen somit kurzerhand eine dichte, unheilvolle Atmosphäre, die von Fish nur noch zusätzlich intensiviert wird, der jetzt mit stark verzerrter Stimme beschwörend die ersten Zeilen flüstert: „Wir sagten ihr, sie wär‘ ein Opfer und nicht mehr als ein Insekt!“. Völlig ohne Umschweife drückt man das Gaspedal direkt durch und startet sogleich in den hochmelodischen Refrain, der sofort packt. Daran schließt sich sogleich die erste Strophe an, die sich sowohl aus den hauchzart perlenden Klängen einer Harfe als auch einem wechselhaften Trap-Beat zusammensetzt und die tragische Leidensgeschichte einer aufgrund von Andersartigkeit gesellschaftlich Ausgestoßenen aus der Beobachter-Perspektive erzählt. Plötzlich steigert sich der Song klimaxartig in einen hasserfüllt wirbelnden Sog, der nun immer mehr an Kraft und Tempo aufnimmt, um den Hörer an seinem obersten Gipfel wieder ausspeit. Ein harscher Umbruch entschleunigt das Geschehen für kurze Zeit, doch der Frieden soll nicht lange währen. Kratzend und schabend bäumt sich abermals flirrende Elektronik auf, die dem charismatischen Gesang die Oberhand überlässt. Jener komplexe Aufbau implodiert dann schließlich im sorgsam aufgebauten Finale als krachendes Gewitter aus scheppernden Drums, einer energetisch sägenden Geige und martialisch gestimmten Saiten. Zeitgleich nimmt auch das Geschehen eine gar horroreske Wendung, innerhalb der die junge Frau enttäuscht, trauernd, verletzt und rasend vor Wut als „Königin Der Käfer“ zurückkehrt, um sich an ihren Peinigern zu rächen. „Ihre Liebe wollten wir nicht haben, ihr Zorn verfolgt uns tausendfach!“... „You want it? Take it!“, dröhnt dem Hörer jetzt so motivierend wie gleichsam aggressiv fordernd entgegen. Darauf folgt ein rau aufheulendes Riff, das vorerst brachiale Heavyness vermuten lässt und dann in sexy groovender Akustikgitarren-Manier resultiert. In „Messias“ schlüpft Eric Fish in die Rolle eines manipulativen Predigers, der innerhalb der bitterbösen Lyrics noch authentisch betörend Verständnis heuchelt und wie einst die Schlange im Paradies mit süßen Versprechen lockt, immerzu untermauert von feierlich jubilierenden Gospelchören, die sich hypnotisch einschmeichelnd ins Hirn fräsen. Auch sonst werden die Potsdamer scheinbar nicht wirklich müde, die gesamte Bandbreite an ausgefallenen Elementen und unerwarteten Mechaniken aufzufahren: So überrascht etwa die zweite Strophe anfangs mit einem einschneidenden Bruch im lässigen Country-Style, später wartet man hingegen mit einem power-folkigen Leier-Solo auf, das in seinem Grundzügen an die B-Side „Jericho“ erinnert. Der kraftvolle Refrain präsentiert sich dann als übermächtige Industrial-Rock-Dampfwalze und legt die wahren Motive des scheinheiligen, größenwahnsinnigen Televangelisten frei... Es hagelt einmal mehr bissige Kritik an aktuellen Missständen: Brot und Spiele für die Massen! Die zunehmend verrohende Gesellschaft gibt sich lieber automatisiert und verblendet dem übermäßigen Konsum, Modewahn und Kaufzwang als willkommene Ablenkung vom bedrückenden Weltgeschehen hin, als endlich frei denkend handeln zu wol