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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Hybridize Festival - Kulttempel, Oberhausen - 08.03.2019


Veranstaltungsort:

Stadt: Oberhausen, Deutschland

Location: Kulttempel

Kapazität: ca. 500

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.kulttempel.com

Einleitung:

Wir schreiben den 08.03.2019, ein junger Freitag Abend. Diese Woche ist entspannt und ereignisreich zugleich, habe ich in jener doch nicht nur etwas Urlaub, sondern erst vor drei Tagen „Oomph!“ bei ihrem Gastspiel in der Bochumer Zeche sehen dürfen. Heute steht schon das nächste Event an, auf welches ich mich bereits seit seiner Ankündigung vor weit über einem halben Jahr freue. Sogar so sehr, dass ich in meiner Euphorie bereits letzten Sommer sofort alle möglichen Hebel für eine Presseakkreditierung in Bewegung gesetzt habe. Wahrscheinlich ein bisschen zu früh, wurde ich damals doch freundlich gebeten, zu Beginn des Jahres 2019 nochmal anzufragen. Das habe ich getan und zum Glück hat alles geklappt - Toll! Das Programm ist aber auch mehr als verlockend: Unter dem als „Hybridize“-Festival angekündigten Konzept, haben sich mit „Eisfabrik“, „Funker Vogt“ und „Agonoize“ gleich drei zugkräftige Bands als Headliner zusammengefunden, dazu wurden mit „Vanguard“ und „Intent:Outtake“ sogar noch zwei spannende Support-Acts zusätzlich angekündigt. Ein absoluter Hochgenuss für alle Fans des schwarzen Electro also, der in all seinem Facettenreichtum in vier Städten keine Wünsche offen lässt! Als ich gegen 18.50 Uhr am Kulttempel in Oberhausen ankomme, ist der Einlass bereits vorüber. Ohne lange Wartezeit nenne ich an der Abendkasse meinen Namen und bekomme kurzerhand ein rotes Bändchen ums Handgelenk gelegt. Keine Minute später fängt mich Torsten, der heute Abend fotografiert, auch schon im kleinen Foyer ab und verrät mir, dass wir unsere Ausrüstung und Garderobe im Backstage-Bereich unterbringen dürfen, da wir ja keine Verzehrkarte erhalten haben. Zwar anfangs noch etwas ungewohnt für mich, aber allemal eine tolle Sache! Vor allem auch deshalb, weil man so automatisch gleich viel näher am Geschehen ist und im Verlauf des Abends schnell neue Kontakte knüpfen kann. Zum Beispiel mit den beiden wirklich sympathischen Jungs von „Intent:Outtake“ oder einzelnen Crew-Mitgliedern. Und auch das ein oder andere bekannte Gesicht sieht man hier auf einen kleinen Plausch mal wieder, wie etwa Jens Domgörgen, den Keyboarder von „X-Divide“ und Moderator zahlreicher Festivals. Die Atmosphäre ist sehr familiär, geerdet und entspannt. Als nur wenig später schon die ersten wummernden Klänge aus dem Saal dröhnen, lege ich meine Sachen schnell unter den Tisch neben mir und öffne die kleine Tür in Richtung Bühne. Los geht’s!

Vanguard:

Etwa um 19.00 Uhr fällt also der unüberhörbare Startschuss für die erste Ausgabe des neuen „Hybridize“-Festivals in Nordrhein-Westfalen. Und das nicht einfach nur so, sondern sofort mit einer ganzen Menge guter Musik! Doch sind es zum jetzigen Zeitpunkt nicht die plakativ angepriesenen Elemente aus Eis, Feuer und Blut, welche hier für die nächsten Minuten die Bühne dominieren sollen... Zumindest noch nicht. Nein, denn zur Eröffnung gibt es feinsten Alternative Electro aus Schweden! „Vanguard“ nennt sich das gemeinsame Projekt von Keyboarder Jonas Olofsson und Sänger Patrik Hansson aus dem beschaulichen Gothenburg, die 2011 mit ihrer selbstbetitelten EP ein erstes Lebenszeichen in die Welt entsandten. Einst also unter den Fittichen von Conzoom Records gestartet, sind seitdem mehrere Singles, EPs und nicht zuletzt ganze vier Alben erschienen. Das Fulltime-Debüt „Sanctuary“ legte dazu anno 2012 den ersten Stein, es folgten „Retribution“ und „Never Surrender“. Mittlerweile bei Infacted Recordings unter Vertrag, veröffentlichte man erst kürzlich „Manifest“, das rundum hervorragende Resonanz erfuhr. Als größte Inspiration für ihre Musik, nennen die beiden Schweden das Leben selbst. Das lässt sich spätestens dann fraglos so unterschreiben, als man mit „Higher Grounds“ vom neuesten Ableger ins Set durchstartet, „A Different Story“ knüpft daran an. Der Sound ist tatsächlich ungemein abwechslungsreich und vielschichtig. Irgendwie durchgängig introvertiert und verträumt, trotzdem aber sehr catchy und tanzbar. Es ist schwelgerisch schöner, wirklich professionell gemachter Synthie-Pop mit Köpfchen und Herz, der sofort in Selbige trifft. So letztlich auch „Hate“ oder „Save Me“, die nach etwas weniger als einer unterhaltsamen, halben Stunde einen runden Abschluss bilden. Eine schöne Einführung in den frühen Abend, die das pure Gefühl für elektronische Musik hier mit angenehmer Leichtigkeit bei den ersten Besuchern sogleich entfacht haben dürfte. Davon in Zukunft gerne mehr!

Intent:Outtake:

Der zweite Special Guest des noch immer recht jungen Abends ist die aufstrebende Dark-Electro-Formation „Intent:Outtake“ aus Leipzig. Das sympathische Duo aus Keyboarder Andreas Engleitner und Sänger Bastian Polak war zu seinen Gründungszeiten in 2011 vorerst noch als reines Ein-Mann-Projekt erdacht, das zuerst ausschließlich mit Remix-Arbeiten für andere Künstler auf den Plan der Öffentlichkeit trat, spätestens seit 2014 und dem gleichzeitig erfolgten Heimspiel auf dem Wave Gotik Treffen jedoch als echte Band fungiert. Schon ein Jahr später folgte mit dem „Wake Up Call“ sodann ein aussagekräftiges Signal, welches für erste Aufmerksamkeit in der Szene sorgen und sich immerhin bemerkenswerte acht Wochen in den Top 10 der DAC-Charts behaupten konnte. Das zur ersten Single auserwählte und dabei äußerst passend betitelte „Neustart“ fungierte danach als appetitanregender Vorbote zum mit einiger Spannung erwarteten Zweitling „About Halos“, der abermals bis an die Spitze derselbigen vorzurücken wusste. Seit Herbst des Jahres 2017 läuft nun die „Schmerzmaschine“ über Plattenlabel Sonic-X eifrig auf Hochtouren, gefolgt von exklusiven Release-Konzerten. Als Einflüsse zu ihrem Tun geben die beiden Musiker etwa Bands wie „Haujobb“, „[:SITD:]“ oder „Hocico“ über die sozialen Netzwerke an. Allesamt namhafte Einflüsse, die sich bestens im facettenreichen Sound der Sachsen wiederfinden, wie jetzt beispielsweise „Seek & Destroy“ oder „Evolution“ zeigen. Wer „Intent:Outtake“ zuvor vielleicht schon auf dem Nocturnal Culture Night bei Deutzen oder dem just vergangenen Amphi Festival in Köln einmal live erleben durfte, der weiß um ihre packenden Qualitäten. Wer hingegen das erste Mal eine ihrer Show-Cases erlebt, wird spätestens jetzt überzeugt. Und so dauert es nicht einmal zehn Minuten, bis Oberhausen mit zunehmender Begeisterung feiert und sich sichtlich gerne mitreißen lässt. Ständige Animation? Nicht einmal annähernd notwendig. So soll‘s sein! Rein optisch wird das energiegeladene Geschehen zudem von kreativ gestalteten Outfits aus allerhand Fetzen, zahlreichen Brandlöchern und martialischer Kriegsbemalung unterstützt. Selbst das Mikrofonstativ, welches aus einigen Kabeln, Rohren und einem ausgeschlachteten Herzen mit daran montierten Schläuchen besteht, gliedert sich stimmig in den apokalyptischen Style irgendwo zwischen dystopischer Zukunftsvision und „Mad Max“ ein. Eine Videoleinwand im Hintergrund sorgt unterdessen mit kleinen Clips und passenden Visuals weiterhin für die richtige Atmosphäre. Das balladeske „Der Letzte Tanz“ schlägt dann gegen Ende nochmals nachdenkliche Töne an und wird dem erst kürzlich tragisch verstorbenen „The Prodigy“-Kopf Keith Flint gewidmet. Ein durchaus bewegender Moment. „Ihr seid doch hier zum feiern, oder? Schluss mit traurig sein!“, lockert Engleitner die melancholische Stimmung nun wieder etwas auf und gibt anschließend Ausblick auf ein baldiges Wiedersehen: „Wir sind später noch am Merch. Da können wir dann noch etwas zusammen trinken und ein bisschen quatschen, wenn ihr wollt.“, heißt es, bevor es zum Schluss dann an der Zeit für einen kompletten „Neustart“ ist. Der überraschend laute Beifall zum Abschied untermauert ganz klar, dass das verhältnismäßig kurze Gastspiel der beiden Leipziger bleibenden Eindruck im Kulttempel hinterlassen hat. Nicht unbedingt selbstverständlich für einen Support, der hier gerade immerhin vor dem eingeschworenen und somit nicht minder kritischen Fan-Kern dreier Top-Acts aufspielte. Mit seinem bestens ausgeglichenen Sound aus melodischem Pop, tanzbaren Rhythmen, kritischen Texten und harschen Beats hat das eingespielte Duo offenbar den Nerv vieler Gäste getroffen und stellt so das perfekte Bindeglied zwischen den verschiedenen Bands dar... „Intent:Outtake“: Ein Name, den man sich für die Zukunft merken sollte!

Eisfabrik:

Gegen 20.15 Uhr ist, pünktlich zur besten Sendezeit, dann auch endlich das erste Element des Abends an der Reihe: Eis. Und wer könnte für die Vertretung dessen wohl besser geeignet sein, als die Hamburger von „Eisfabrik“? Das im tiefsten Winter des Jahres 2011 gegründete und nicht weniger mysteriöse Projekt, tauchte erst anno 2015 mit seinem starken Debüt „When Winter Comes“ überraschend in der schwarzen Szene auf und eroberte die Herzen des Genres sofort im (Schnee-)Sturm. Seitdem sind die vier Fabrikanten nicht mehr aus den schwarzen Clubs und von den zahlreichen Festivals wegzudenken. Nein, die unterkühlten Hanseaten sind selbst nach dieser verhältnismäßig kurzen Zeitspanne zu einem modernem Klassiker geworden. Ein sicherer Selbstläufer und verlässlicher Hit-Garant, der seinen hohen Qualitätsstandard mit jeder weiteren Veröffentlichung konstant hält - Ein wahnsinniger Erfolg! So ist es also nicht gerade verwunderlich, dass die „Eisfabrik“ auch jetzt wieder einen großen Teil des Publikums bereits längst zu ihren treuen Fans zählen kann, die nunmehr enthusiastisch jubeln, während Schlagzeuger René Dornbusch, sowie die beiden Keyboarder Jan „Celsius“ Bertram und Gerrit „Der Frost“ Thomas zu den stampfenden Takten des grollenden Intros die Bühne betreten. Ihnen folgt Sänger Charly „Dr. Schnee“ Barth-Rickfels, um mit dem technoiden „Shadows“ gebührend zu eröffnen. „Hallo, Oberhausen!“, begrüßt er die sichtlich erfreute Menge, die sowohl beim folgenden „Polar Night“ als auch bei „A Million Lights“, das hier von frostigen Stürmen aus reichlich Kunstschnee begleitet wird, nicht einmal daran denkt, nachzulassen. Die, wie gewohnt, komplett in klinischem Weiß gehaltene Bühne beherbergt im Hintergrund zudem ein ausgefallenes Konstrukt mit mehreren Metallplatten, auf denen zu „Schneemann“ jetzt der Bandname als LED-Schriftzug wild blinkt. Es wird allerorts voller Inbrunst mitgesungen, denn auch bei „The Survival Of The Strongest Mind“ bilden sich so stimmgewaltige wie textsichere Chöre im Publikum. Nachdem Barth-Rickfels die ihm angereichte, liebevoll gestaltete Flagge eines Fans aus den vorderen Reihen für alle sichtbar stolz präsentiert, wendet er sich für eine etwas längere Ansage an die Besucher: „Vielen Dank! Jetzt kommt ein neuer Song, den wir vor zwei Wochen in Hamburg zum ersten Mal gespielt haben. Das ist quasi unser Beitrag zur Tour, der ist übrigens auch auf der EP. Wenn ihr uns unterstützen wollt, die gibt’s für ein paar Euro direkt am Merch in limitierter Auflage. Also greift zu, es sind noch in etwa so einhundertfünfzig Stück da, das war’s dann... Also Attacke!“, motiviert er werbewirksam und kann sich spätestens nach „You Got That Fire Over Me“ sicher sein, den Absatz erheblich gesteigert zu haben. Anschließend lässt man die „Maschinen“ dann aber so richtig heißlaufen. Dazu streift überraschend ein roboterartiges Wesen auf meterhohen Stelzen quer durch den Saal und schießt grelle Laserstrahlen aus seinen Händen, die sich fortan meterweit auf die Wände projizieren. Das Hit-Programm reißt nicht ab und so setzt man mit „The Choice“, „Ice Crystal“ und vor allem dem unerschütterlich-epischen „Walking Towards The Sun“ auf eine ausgewogene Mixtur aus Neu und Alt. Nachdem man unter den zahlreichen Gästen einen augenscheinlichen Doppelgänger von Bertram ausgemacht und ihn sodann kurzerhand spaßend als Ersatz für personelle Engpässe konsultiert hat, geht’s direkt in den „White Storm“ hinein. Der Kulttempel hebt dazu die Arme und klatscht mit. Nordrhein-Westfalen feiert ausgelassen bis zum Ende, das heute aber leider schneller gekommen sein soll, als den meisten Besuchern lieb sein dürfte. So markiert die launige Hymne „Friends“ den Abschluss des Sets, zu welchem es jetzt nicht nur wieder zu schneien beginnt, sondern auch der kürzlich via Facebook als vermisst gemeldete Yeti das Mikrofon gegen eine Banane austauscht und allerhand weiteren Schabernack treibt, bis die „Eisfabrik“ nach etwa einer guten Stunde ihre Pforten schließt. Die zahlreichen „Zugabe!“-Rufe müssen ob des strengen Zeitplans leider unerhört bleiben...

Funker Vogt:

Pünktlich um 21.30 Uhr ruft man im Kulttempel endgültig den offiziellen „Tanzbefehl“ aus, denn der Funker kommt! Die Spannung steigt weiterhin an und die ohnehin schon beengten Reihen vor der Bühne verdichten sich jetzt immer mehr. Ja, mittlerweile ist es hier richtig voll geworden und das Interesse an der einstigen EBM-Instanz aus Hameln groß. Für jene waren die letzten Jahre nicht gerade leicht, musste sie doch durch den Ausstieg von Jens Kästel eine einschneidende Wendung erfahren, sondern mit kurzen Verpflichtung des umstrittenen Sacha „Sick Man“ Korn zuletzt vor allem auch massive Kritik in der schwarzen Szene einstecken. Seit Ende 2016 verpflichtete man „Agonoize“-Mastermind Chris L., der fortan die neue Stimme des Funkers sein sollte und der Band durch ihren Neustart mit „Code Of Conduct“ wieder massiven Aufwind verschaffte. Auch der Zweitling „Wastelands“nwusste Fans und Kritiker vergangenen Herbst weitestgehend zu überzeugend. Die Segel sind gesetzt, die Zeichen stehen auf Sturm. So auch jetzt, als dramatische Chöre und schwer drückende Beats ertönen, während zwei Maskierte mit Sturmhauben und Fahnen in den Händen die imposante Kulisse aus Satellitenschüsseln und Sandsäcken betreten, die einem Schützengraben gleicht. Über allem thront die auffällige Replikation des bekannten Logos, vor dem jetzt René Dornbusch an dem Drumkit aus rostigen Fässern und Gerrit Thomas am Keyboard in Stellung gehen, bis L. schließlich zum wütenden Opener „Phönix“ dazukommt. „Hallo, wir sind „Funker Vogt“! Auch wenn wir hier gerade vor einem riesigen „Agonoize“-Banner stehen...“, lacht der Sänger mit Blick auf das übergroße Backdrop des Headliners. „Naja, schon okay. Geht’s euch da unten gut?“, fragt er und gibt den „Desperado“. Raue Mengen an Nebel wabern durch den Saal und hüllen alles in dichte Wolken ein. „So, wir haben hier nix mehr zu trinken, glaube ich. Kann’s endlich losgehen?“, fragt er, als es danach für lange Sekunden auf der Bühne dunkel bleibt. Scheinbar gibt es hier ein kleines, technisches Problem, welches aber schon bald wieder behoben werden kann. „Wir könnten auch A cappell