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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Carpe Noctem - Massive Ego - Cephalgy (2017)


Cape Noctem - Schattensaiten (2016)

Genre: Klassik / Alternative

Release: 25.11.2016

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: StringMetal Records

Spielzeit: 50 Minuten

Fazit:

Heavy Metal, Death Metal, Black Metal, Thrash Metal, Power Metal, Speed Metal, Glam Metal, Viking Metal, Pagan Metal, Folk Metal, Progressive Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Induatrial Metal... Die verschiedenen Arten der gerade eben beschriebenen Stilrichtung sind wahrscheinlich fast so zahlreich, wie die innerhalb dieser Szene agierenden Künstler selbst. Nahezu jedem Act wird eine differenzierte Spielweise zugeschrieben und nicht selten erschließen die jeweiligen Musiker dabei selbst eine völlig eigene Bezeichnung für ihre Kompositionen, entfernen sie sich auch in noch so kleinen Details von den oft ausgetretenen Pfaden des üblichen Standard. Was etwa innovative A-capella-Eskapaden für Berufsverrückte wie beispielsweise "Van Canto" sind, ist harte Rockmusik auf rein klassischem Instrumentarium für die Genre-Pioniere von "Apocalyptica". Und auch im breiten Mainstream ist die Saiten-Fraktion durch Aushängeschilder wie Star-Geiger David Garrett oder Lindsey Stirling längst angekommen. Seit 2009 stellt sich auch das klassisch ausgebildete Quintett aus Jena der Herausforderung, die Quintessenz zweier völlig verschiedener Welten zuerst behutsam zu filtern und dann mit einer Mischung aus Fachwissen, Können, Mut zur Innovation und einer guten Portion Wahnsinn zu etwas gänzlich Neuem zusammenzuführen. "Carpe Noctem", das sind die fünf Musiker Friedrich Busch, Cornelius Wagner, Martin Streicher, Sascha Dobschal und Daniel Cebulla und das, was sie da den Instrumenten entlocken, ist der von ihnen ins Leben gerufene String Metal. Also laute Klangkost mit erheblichen Tempiwechseln und das alles handgemacht, ganz ohne Strom und Stecker. Dafür aber mit einer Violine, zwei Celli, Bass und einem Schlagzeug ausgestattet, starteten sie mit ihren beiden Erstveröffentlichungen "Op. 1: Obscuritas" und "Op. 2: Allegro Con Fuoco" direkt selbstsicher durch. Seit November letzten Jahres steht ihr erstes, vollwertiges Album unter dem Titel "Schattensaiten" in den Startlöchern. Bereits der Einstieg hat es mit dem kraftvollen "Conviction" und "Blick Über Die Klippen" in sich: Eindrucksvoll stellt man die eigene Virtuosität unter Beweis und zelebriert immerzu die leidenschaftliche Verknüpfung aus zerbrechlicher Klassik und treibender Rhythmik. Insbesondere das pointiert donnernde Drumming ist dem angestrebten Sound zuträglich und verleiht den abwechslungsreichen Kompositionen erst ihren kickenden Druck und beweist hervorragend, dass auch unplugged durchaus amtlich gerockt werden kann. Ein durchaus markantes Attribut, welches sich auch die derzeit pausierenden Herrschaften von "Coppelius" auf die Fahne geschrieben haben. Wenig verwunderlich also, dass sich gleich zwei Abgesandte des Berliner Adelsgeschlechts mit einem charmanten Cameo-Auftritt die Ehre geben.

So erhalten Busch und Co. beim epochalen, punkigen "Das Gift Der Spinne" tatkräftige Unterstützung von Diener Bastille, dessen höchst variable Stimmlage sich geradezu perfekt in das zugrundeliegende Gesamtbild einfügt. Es findet sich eben zusammen, was zusammen gehört! "Maskerade" lädt dann bewusst gewagt zum sprichwörtlichen Tanze auf dem Maskenball der Gemüter ein, während das sphärische "Daydream" gekonnt zum Träumen und temporären Loslassen nur allzu gewichtiger Gedanken einlädt. Überhaupt verstehen es "Carpe Noctem" mit jedem einzelnen ihrer Stücke vortrefflich, so manch starrem Griff des oftmals trostlosen Alltags zu entgleiten und dem weltlichen Treiben in Richtung schwereloser Leichtigkeit zu entfliehen. Den englischsprachigen Zeilen von "Toxicity" leiht im Folgenden dann der coppelianische Cellist Graf Lindorf sein markantes Organ. Bis auf die beiden genannten Ausnahmen, bleiben die Songs allerdings durchgängig rein instrumental und somit ganz ohne Gesang. Einen solchen brauchen die hochwertigen Arrangements jedoch auch gar nicht zwingend, wie das raubeinige "Tavernenspiel" oder das hoch dramatische "Requiem" zeigen, welches entgegen möglicher Erwartungen alles andere als ruhig und gediegen ausfällt. Einen ausgiebigen Ausflug in sanftere Landschaften bietet da viel eher das behutsam zelebrierte "Autumn" und auch der emotionale Abschluss "Penthesilea" weiß mit perfekt gesetzten Akzenten zur rechten Zeit zu berühren. Überhaupt wissen "Carpe Noctem" um ihre Möglichkeiten und kreieren fortwährend eine schwelgerische Sinnesreise mit fesselnder Atmosphäre und viel Raum für die Inspiration und Fantasie des Hörers. Mal schnell, dann langsam, laut und im nächsten Moment wieder leise und sinnlich. So ziemlicher jeder Titel bietet das volle Potential, den weltlichen Zwängen und Konventionen für eine kleine Weile zu entkommen, sich mehr und mehr zu verlieren. Das Prinzip weiß bereits nach dem ersten Durchlauf zu begeistern und ist sowohl Liebhabern klassischer Musik, als auch Anhängern rifflastiger Kost mit Niveau wärmstens zu empfehlen, denen ein offenes Herz gegeben ist und die nicht an starren Prinzipien und Genre-Tristesse interessiert, ja, vielleicht sogar davon gelangweilt sind. Langeweile kommt hier keineswegs auf, zu facettenreich und anspruchsvoll führen "Carpe Noctem" durch ihre musikalische Welt. Ein gelungenes Lehrstück mit viel Licht und erfreulich wenig Schatten. Genieße die Nacht!

Informationen:

http://www.carpenoctem.band/#start

https://de-de.facebook.com/carpenoctemband/

Massive Ego - Beautiful Suicide (2017)