• Facebook - White Circle
  • Instagram - White Circle
  • YouTube - White Circle

NEUESTE
BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Lordi - Ghost - Powerwolf (2018)


Lordi - Sexorcism (2018)

Genre: Metal / Alternative

Release: 25.05.2018

Format: CD Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: AFM Records

Spielzeit: 63 Minuten

Fazit:

Wer kennt sie eigentlich nicht, die berühmten Monster aus Finnland? Spätestens seit ihrem viel beachteten Sieg beim Euro Vision Song Contest mit „Hard Rock Hallelujah“ waren die fantasievoll kostümierten Musiker in aller Munde. Danach wurde es zwar etwas ruhiger, doch verschwanden sie keineswegs in der Versenkung und sind noch immer erfolgreich in der Szene aktiv. Aber ihre Geschichte reicht noch so viel weiter zurück: Zunächst als reines Solo-Projekt im Jahr 1992 gegründet, beruft man sich dabei auf den Spitznamen des Sängers: „Lordi“. Mit dem Beitritt zwei weiterer Mitglieder entwickelte sich die bloße Idee in der Folgezeit hin zu einer vollwertigen Band, die sich aufgrund ihres außergewöhnlichen Konzepts bei der Suche nach einem Plattenvertrag jedoch zunächst schwer tat. Auch das geplante Debüt „Bend Over And Pray The Lord“ zerschlug sich schnell, nachdem das Label, welches sich schlussendlich zur Veröffentlichung bereit erklärt hatte, bankrott ging. Nicht gerade das, was man unter einem reibungslosen Start versteht und darüber hinaus auch keine allzu rosigen Aussichten. Nach rund zehn Jahren sollten all die zermürbenden Bemühungen endlich Früchte tragen und so geriet man an BMG Finnland, welche die ambitionierten Künstler bei sich aufnahmen, um ihre erste Single „Would You Love A Monsterman?“ zu veröffentlichten. Alles andere als eine schlechte Entscheidung, denn diese wurde überraschend ein echter Hit und erreichte direkt den ersten Platz in den heimischen Charts, daraufhin folgte der lang gehegte Erstling „Get Heavy“, welcher mit Platin ausgezeichnet wurde. Zahlreiche Auftritte später ging es mit den Alben „The Monsterican Dream“ und „Arockalypse“ weiter, die ebenfalls weitestgehend an den Erfolg der Vorgänger anknüpfen konnten. Insbesondere sollte es aber die oben bereits genannte und vom TV-Publikum des ESC-Vorentscheids einhellig gewählte Single sein, die dem dämonischen Gespann zum endgültigen Durchbruch verhalf, welches mit jener am 20.05.2006 in Athen antrat. Das unglaubliche Ergebnis: 292 Punkte und somit ein klarer Sieg für Finnland! Doch das ist noch lange nicht alles, denn zusätzlich sind „Lordi“ die erste Metal-Band, die bei diesem Event eine solch hohe Platzierung erreicht. Ein historisches Ereignis, welches natürlich erstmal angemessen gefeiert werden musste: Ganze 70.000 Fans empfingen die Gewinner zurück in ihrer Heimat, ein öffentlicher Platz wurde nach den Schock-Rockern benannt, ein eigener Briefmarken-Bogen mit dem Konterfei der Künstler herausgegeben und sogar einen Eintrag ins Guinnessbuch der Weltrekorde gab es. Nachdem „Deadache“ weltweit zum Halloween-Fest 2008 erschien, folgte mit „Dark Floors“ schließlich ein Film und eine umfassende Best-Of zur Retrospektive, die Monster-Maschinerie war nicht mehr aufzuhalten... „Babez For Breakfast“ markierte danach leider das bisher erfolgloseste Werk, was 2013 durch „To Beast Or Not To Beast“ aber wieder weitestgehend ausgeglichen werden konnte, von stets gut besuchten und ausverkauften Konzerten allerorts ganz zu schweigen. Wer hier mit einer Eintagsfliege gerechnet hatte, lag also mehr als nur falsch. Warum auch? Die Band aus Schlagzeuger Mana, Keyboarderin Hella, Bassist Samer „Ox“ el Nahhal, Gitarrist Jussi „Amen“ Sydänmaa und Frontmann Tomi „Mr. Lordi“ Putaansuu hat selbst nach einigen Besetzungswechseln ein klares Ziel vor Augen und gegen den Sound aus klassischem Hard Rock, der mitunter stark an die Kollegen von „KISS“, „Alice Cooper“ oder „Accept“ erinnert, kann sich wohl kaum ein Freund der Stromgitarrenmusik ernsthaft erwehren. Hinzu kommt mit großer Sicherheit die Faszination für ein spannendes Konzept, angereichert durch die originellen Cover-Artworks, kreativen Outfits und stets aufwändigen Live-Shows, welche grundsätzlich von Literatur oder Filmen aus dem Horror und Splatter-Genre inspiriert sind und sich selbstredend auch in den Texten wiederfinden. In jenen widmen sich die Fünf aber nicht ausschließlich nur dem Grusel, sondern versteckten auch immer schon lüsterne Wortspiele und zweideutige Gleichnisse darin. Als tadellose Beispiele können etwa „Hug You Hardcore“ vom letzten Longplayer und „Nailed By The Hammer Of Frankenstein“ von der „Scare Force One“ herangezogen werden, um nur Wenige zu nennen. Am 25.05.2018 erscheint die insgesamt neunte Ausgeburt der Hölle, welche sich dieser Thematik komplett verschrieben hat „Sexorcism“.

Mit dem gleichnamigen Titeltrack starten die maskierten Finnen dann sogleich in die obszöne Orgie, die lyrisch gleich zu Beginn mit schwarzem Humor in Überlänge von rund sieben Minuten auftrumpft, sich rein musikalisch gesehen aber leider eher unoriginell und verhältnismäßig schwach präsentiert, wenngleich auch typisch schnell ins Ohr geht und instrumental die gewünschte Atmosphäre beachtlich gut einfängt. „Your Tongue‘s Got The Cat“ nimmt völlig zurecht den Platz als erste Single ein. Hier macht sich ein klarer 80er-Einfluss verstärkt bemerkbar. Während sich die Strophen eher schwer groovend schleppen, geht der charmante Refrain hingegen powernd voran und sorgt somit für massives Retro-Feeling. Ziemlich catchy und genau deshalb gut! „Romeo Ate Juliet“ verkehrt natürlich die Vorlage von William Shakespeare in ein ganz eigenes Schauermärchen und punktet mit exakt dem lyrischen Wahnsinn, für den die Fans diese Band so sehr lieben. Mit „Naked In My Cellar“ gibt es einen lupenreinen Up-Tempo mit verzerrter Stimme, rauen Riffs, elektronischen Oldschool-Salven und kräftigem Mitsing-Chorus, bis „The Beast Is Yet To Cum“ den schlüpfrigen Konsens des Albums wieder würdig vertritt: Verquere Einschübe von Hammondorgel-Sounds wechseln mit satt knallenden Drums und düster sägenden Saiten. In „Polterchrist“ geht es im rockenden Midtempo in merklich klassischerer Manier zu, wobei die allgemeine Struktur streckenweise leider droht, sich in den Wirren des schier zu gewaltigen Saitengewitters etwas zu verlieren, was deutlich zu Lasten der Melodie geht. „SCG9: The Documented Phenomenon“ wahrt die Tradition der eingesprochenen Interludien innerhalb der bisherigen Diskographie und hätte sich wohl auch ganz gut als Intro geeignet, wirkt an dieser Stelle zugegeben allerdings etwas deplatziert. „Slashion Model Girls“ ist dann wieder ein vollwertiger Song und überraschend poppig, was insbesondere durch den teils mehrstimmig Hintergrundgesang zustande kommt, bis dieser in einem ziemlich straighten Stampfer mit hymnischem Refrain mündet. „Rimskin Assassin“ bietet dem Hörer freigiebig weiteren Raum für frivole Assoziationen und „Hell Has Room“ fährt anschließend seine scharfen Krallen aus, um einige Nacken zu brechen, während schräge Synthies den cheesigen Trash-Faktor bei „Hot & Satanned“ angenehm weiter ankurbeln. Mit „Sodomesticated Animal“ und der Eröffnung der „Haunting Season“, die beide trotz ihren recht generischen Ansätzen mit markanten Trademarks den signifikanten Sound würdig vertreten, endet die spaßige Horror-Show nach rund einer Stunde. Als positive Veränderung ist in jedem Fall der Gesang anzumerken, der hier meist deutlich variabler als je zuvor ausfällt, sich streckenweise vom standardisiert tief gestimmten Organ entfernt und so auch durchaus mal sanftere Facetten oder grelle Screams offenbart. Eine willkommene Abwechslung, die sich positiv auf das Gesamtwerk auswirkt und für ein breiter aufgestelltes Spektrum sorgt. Auf die obligatorische Ballade wird dieses Mal ersatzlos verzichtet, was allerdings nicht wirklich schwer ins Gewicht fällt oder gar schmerzlich vermisst werden müsste, wenngleich sich auf den vergangenen Alben darin schon die ein oder andere Perle wiederfand. Dafür regieren heuer teils arg überspitzte und augenzwinkernde Inhalte, mit einem gesunden Mix aus Grusel, ordinären Fantasien und viel gewolltem Trash, für welchen dem Hörer der Sinn für pubertären, stumpfen Humor definitiv nicht fehlen sollte. Die geballte Ladung dieser Elemente erinnert in der hier erhöhten Dosis fast schon an „GWAR“, was man mögen muss. Wirklich anstößig oder gar extrem kontrovers wird’s in den insgesamt zwölf Gruselgeschichten aber nie. Rein musikalisch besinnen sich „Lordi“ wieder ein gutes Stück zurück auf die ureigenen Wurzeln: Harte Gitarren und eingängige Keyboard-Passagen mit viel begrüßenswertem 80er-Flair sind hier an der Tagesordnung. Klar herausstechende Highlights gibt es zwar nicht unbedingt zu verbuchen, dafür aber auch so gut wie keine nennenswerten Negativaspekte oder allzu tiefe Ausreißer nach unten. Kann man sich alldem nicht verschließen, so sind aber so einige Ohrwürmer garantiert, die fernab von intellektuellen Messages einfach nur Spaß machen und unterhalten wollen... Und das ist in der heutigen Zeit doch auch etwas, oder? Also dann: Hirn aus, Augen und Ohren auf!

Informationen:

https://www.lordi.fi

https://www.facebook.com/LordiOfficial/