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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Amphi Festival - Tag I - Tanzbrunnen, Köln - 28.07.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Tanzbrunnen

Kapazität: ca. 12.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.amphi-festival.de

Samstag, 28.07.2018 - Amphi Festival Tag 1:

Wie ich jedes Jahr aufs Neue immer wieder kopfschüttelnd feststellen muss, habe ich doch eine sehr idyllische Wunschvorstellung davon, wie man an einem Festival-Wochenende aufzuwachen hat. Nämlich bestens ausgeruht, voller Energie und Tatendrang. Dass das in der Realität jedoch so gut wie nie zutrifft, lässt sich meistens auf den Vortag zurückführen und der war, wie bereits beschrieben, dezent stressig. Mal ganz davon abgesehen, dass Köln wieder hochsommerliche Temperaturen von weit über dreißig Grad verzeichnen kann, herrschen in meinem Zimmer gefühlt über Vierzig und das, obwohl das Fenster die ganze Nacht geöffnet war... Ungläubig prüfe ich nach und stelle fest, dass es überhaupt nicht geöffnet war und erinnere mich schlaftrunken daran, es ob der absurden Lautstärke im Innenhof wieder geschlossen zu haben. Ich ziehe am kleinen Griff und nur wenige Sekunden später strömt mir noch mehr heiße Luft entgegen, woraufhin ich den Hebel rasch wieder runterdrücke. Eigentlich ist es hier zu dieser Jahreszeit scheinbar sowieso jedes Mal völlig egal, was man tut oder lässt, denn unfassbar heiß ist es ohnehin. Leicht verzweifelt steige ich unter die Dusche und ziehe mich danach um. Ein schlichtes, schwarzes T-Shirt muss bei diesem Wetter wohl ausreichen. Vermutlich wäre es besser, wenn es nicht unbedingt schwarz wäre, aber ein bisschen müssen wir heute dann doch wohl alle leiden. Ich hole mir einen kleinen Kaffee, trete vor die Eingangstür und mach mich auf den Weg in Richtung des Tanzbrunnens, der glücklicherweise nur eine gute Viertelstunde von meiner Unterkunft entfernt liegt. Trotzdem reicht die Kurzstrecke vollkommen dazu aus, um fast zu schmelzen. Gut nur, dass ich nicht wieder auf der anderen Rheinseite residiere... Dafür klappt an der Gästeliste alles prima. Ich nenne wie gehabt meinen vollständigen Namen und nur kurz darauf erhalte ich mein hellblaues Pressebändchen ums Handgelenk geschnürt. Ein kleines Heft mit allen wichtigen Zeiten und Informationen nehme ich mir gleich auch noch mit, dann geht’s zur kurzen Taschenkontrolle über und schon bin ich da. Unverändert heiß ist es zwar immer noch, dafür wird meine Laune schlagartig besser. Also dann: Los geht’s!

Mainstage, 11.00 Uhr - Intent:Outtake:

Guten Morgen, Köln! Es ist 11.00 Uhr in der Früh, was zumindest im gediegenen Festival-Alltag schon eine amtliche Uhrzeit darstellt. Dass ich mit dieser Meinung an einem Samstag nicht unbedingt allein dastehe, veranschaulicht das Gelände des Tanzbrunnens, welches jetzt noch vergleichsweise leer anmutet. Wenig verwunderlich, immerhin möchte sich ein nicht unerheblicher Teil der Gäste bestimmt noch von der Pre-Party oder Rheinfahrt erholen. Genau das hätte ich zwar auch liebend gern getan, nur hätte ich dann den ersten Weckruf des noch recht jungen Tages verpasst. Dieser kommt von „Intent:Outtake“ aus Leipzig, deren wummernder Dark Electro jene Wirkung mit Sicherheit nicht verfehlen dürfte. Das Zweigespann aus Keyboarder Andreas Engleitner und Sänger Bastian Polak war einst als reines Ein-Mann-Projekt geplant, das zunächst lediglich durch Remixe für andere Künstler in mediale Erscheinung trat, seit 2014 und dem Auftritt auf dem lokalen WGT jedoch auf eigenen Pfaden wandelt. Nur ein Jahr danach gab es mit „Wake Up Call“ ein erstes Lebenszeichen in diese Richtung, das sich ganze acht Wochen in den Top 10 der DAC-Charts halten konnte. Das als Single auserkorene „Neustart“ fungierte dann als erster Vorbote auf den Nachfolger „About Halos“, der weiter an die Spitze vorzurücken wusste. Im Herbst des vergangenen Jahres läuft die „Schmerzmaschine“ auf Hochtouren, gefolgt von einigen Release-Konzerten. Als Inspiration gibt das Duo selbst etwa Bands wie „Haujobb“, „[:SITD:]“ oder „Hocico“ an, was gut zum zelebrierten Sound auf der Bühne passt. Diese und nicht zuletzt die Outfits der Musiker, erzeugen mit einem Gewirr aus zerfetzten Lumpen, Schläuchen und Masken schon beim Opener „Evolution“ eine apokalyptisch-dreckige Atmosphäre, die auch gleich einem „Mad Max“-Film entsprungen sein könnte. In den nächsten vierzig Minuten konzentrieren sich Engleitner und Polak mit „Glaube Und Vernunft“ und „Masks“ vor allem auf Material neueren Datums, aber auch der Erstling wird etwa durch „Der Letzte Tanz“ nicht zu knapp bedacht. Zudem gibt es später mit „Agonoize“-Kopf Chris L. noch einen echten Überraschungsgast auf der Bühne zu sehen. So finden die Zwei eine ausgewogene Mischung aus ihrem bisherigen Repertoire, welche die stetig wachsende Besucherzahl vor der Mainstage bei Laune hält und gefällt. Auch „Der Mammon“, „Eclipse“, „Fron Wolves And Rats“ und das finale „Neustart“ punkten weiterhin mit gewohnt brettharten Beats, sowie zynischen Texten in Deutsch und Englisch, die mit der dystopischen Optik schlüssig Hand in Hand gehen. Sind jetzt alle wach?

Mainstage, 12.10 Uhr - The Creepshow:

Im Anschluss gibt es dann völlig andere Kost, denn jetzt sollen erstmal großteilig handgemachte Klänge die krachenden Beats für eine gute Dreiviertelstunde ablösen. Zwar gehen glühende Liebhaber des Psychobilly auf den einschlägigen Festivals der schwarzen Szene meistens eher leer aus, doch um diesem Misstand zumindest ein wenig entgegensteuern zu können, haben die Veranstalter in diesem Jahr neben den berüchtigten „Mad Sin“, welche am morgigen Sonntag das Theater bespielen werden, gleich noch eine weitere Genre-Ikone eingeladen: Zuletzt gastierten die Horror-Punker von „The Creepshow“ aus Montreal in 2015 auf dem Amphi Festival, damals noch auf der unscheinbaren Orbit-Stage zwischen grauen Betonbauten und Lanxess Arena. Das positive Feedback blieb, vielleicht gerade aufgrund der angenehmen Andersartigkeit im Pool des oftmals Gewohnten, dennoch nicht aus und so darf es dieses Mal gleich gern die Mainstage sein. Mit dementsprechend viel Applaus werden jetzt Schlagzeuger Sandro „Blood“ Sanchioni, Keyboarder Kristian „The Reverend McGinty“ Rowles, Kontrabassist Sean „Sickboy“ McNab, Gitarrist Chuck Coles und Sängerin Kendalyn „Kenda!“ Legaspi vom Kölner Publikum in Empfang genommen. Nach Berlin, Dresden, Hamburg, Geislingen und Fürth ist der heutige Gig gerade einmal der sechste Termin der so rar gesäten Deutschland-Shows. Getreu ihres Bandnamens wenden sich die Kanadier, ähnlich Formationen wie etwa „The Other“, in ihren Texten verstärkt bekannten Horrorfilmen und den darin agierenden Hauptdarstellern, den Monstern, zu. Nicht umsonst zählen die Fünf zu den wohl einflussreichsten Formationen ihres Genres und können bis dato auf ganze sieben Studioalben zurückblicken. Zuletzt machte man mit „Death At My Door“ aus 2017 auf sich aufmerksam, dessen feuriger Titeltrack die powernde Grusel-Vorstellung nun stimmungsvoll eröffnet. Fans kommen voll auf ihre Kosten, denn die sympathischen Musiker gönnen sich keine Pause und heizen mit vollem Tempo durchs prall gefüllte Set aus insgesamt vierzehn Songs. Dabei gibt es überraschend wenig Neues, dafür aber viele Klassiker und Hits ohne Ende zu hören. Sehr schön!

Theater-Stage, 12.55 Uhr - Future Lied To Us:

Was kommt dabei heraus, wenn sich gleich drei erfahrene Musiker verschiedener und dabei nicht minder bewährter Szene-Bands dazu entschließen, gemeinsame Sache zu machen? Auf jeden Fall nicht gerade weniger, als eines der derzeit wohl interessantesten und aufmerksamkeitserregendsten Projekte im Fahrwasser dieses Genres. Auch mir selbst kamen in jüngster Vergangenheit verstärkt immer wieder begeisterte Lobeshymnen über das illustre Trio zu Ohren, gehört habe ich bis jetzt allerdings noch keinen einzigen Ton. Da erscheint es mir nur selbstverständlich, diese musikalische Wissenslücke in den folgenden vierzig Minuten live und in Farbe nachzuholen. Doch um wen genau geht es hier eigentlich? „Future Lied To Us“ haben sich, basierend auf den Sch