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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Subway To Sally - „HEY!"-Tour - Essigfabrik, Köln - 29.03.2019


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Essigfabrik

Kapazität: ca. 1.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: https://essig-fabrik.de

Einleitung:

Wir schreiben Freitag, den 29.03.2019. Es ist etwa 16.30 Uhr, als ich am Hauptbahnhof Bochum eintreffe, wo ich mich heute mit jener Arbeitskollegin verabredet habe, die vergangenen Herbst mit „ASP“ ihr Freude für Live-Konzerte neuentdeckt hat. Überdies haben wir im Dezember dann noch die „Eisheilige Nacht“ im lokalen RuhrCongress besucht und von dort an stand fest: Wenn „Subway To Sally“ im Folgejahr endlich wieder auf große Headliner-Tournee gehen, müssen wir unbedingt nach Köln. Natürlich stehen wir beide zu unserer Bierlaune-Idee und so hat sie sich schon vor Monaten ein Ticket gesichert, meine Bestätigung der Akkreditierung kam hingegen nach recht kurzfristiger Anfrage schon zu Beginn der Woche. Schön, wenn alles klappt und das musste es auch, denn das einzige NRW-Konzert der sieben Potsdamer ist restlos ausverkauft! Wir haben Glück, denn die deutsche Bahn hält die auf der kleinen Anzeigetafel ausgewiesene Abfahrtzeit ausnahmsweise mal exakt ein und nachdem wir trotz erhöhtem Fahrgastaufkommen einen Platz gefunden haben, geht es auch schon los. Die Anreise verläuft ohne besondere Vorkommnisse oder Probleme, was ja auch etwas für sich hat und so kommen wir schließlich nach etwas über einer Stunde mit marginaler Verspätung am Bahnhof Messe Deutz an, wo wir uns dann erstmal in Ruhe mit einem kleinen Snack verköstigen. Wir liegen sehr gut in der Zeit und können uns das entspannte Bummeln also leisten, da wir aber nicht grund- und planlos durch den uns unbekannten Stadtteil irren wollen, entscheiden wir uns dennoch kurzerhand für ein zufällig vorbeifahrendes Taxi. Keine zehn Minuten später entlässt uns der Fahrer auch schon am Ende der doch recht langen Warteschlange vor dem industriellen Altbau. Wir reihen uns ein und kommen bereits nach kurzer Zeit ins Gespräch. So geht die halbe Stunde schnell vorüber und nach einem gründlichen Body-Check samt Taschenkontrolle, melde ich mich an einem kleinen Häuschen unter einem Zeltdach an. Ich zeige meine bestätigende E-Mail auf dem Handy vor, werde auf der Liste abgehakt und erhalte Einlass. So einfach kann’s gehen! Ohne wertvolle Minuten zu verschwenden, strömen wir mit den übrigen Fans in die Halle und suchen uns einen Platz hinter dem Mischpult. Geschafft!

MajorVoice:

Die nachfolgende Geschichte gleicht in all ihrer wundersamen Erfüllung fast schon einem kleinen Märchen und kann unter anderem deswegen gar nicht oft genug erzählt werden, weswegen ich jene an dieser Stelle nun noch einmal aus meiner Review von 2017 rezitieren möchte: Tiefe Sehnsüchte und unerfüllte Wünsche wohnen einem jeden von uns inne und markieren allen voran genau die Dinge, welche nie da waren, nie gespürt und dadurch erlebt werden konnten. Nicht selten sind die Bedürfnisse dabei personenbezogener geartet, etwa wenn die Liebe einseitig und unerwidert bleibt oder die elterliche Nähe fehlt, die entsprechende Person schlicht niemals wahre Fürsorge erfahren durfte. Ronald Zeidler ist eine dieser Personen und erschuf sich schon früh seine ganz eigene Traumwelt, in der er niemals alleine war und ungehört blieb. Genauso zeitig erwuchs in ihm jedoch auch das Vorhaben, einmal Sänger zu werden und sein Talent in diesem Zuge bei möglichst vielen Hörern unter Beweis stellen zu können. Doch die Vergangenheit holte ihn immer wieder ein, die anschließenden Ereignisse waren eine gefährliche Mischung aus einem falschen Umfeld und falschen Freunden. Aus den gescheiterten Versuchen wurde Enttäuschung und aus Enttäuschung wurde Wut, welche den eigenen Zukunftspläne immer wieder destruktiv im Wege stand und diese bereits im Keim zerstörte. Nach Jahrzehnten der Misserfolge gab Zeidler seinen Herzenswunsch resigniert auf, hatte sich nach eigener Aussage damit abgefunden, sich in all der Zeit einer scheinbaren Illusion hingegeben zu haben. Um das eigene Leben wieder in die richtige Bahn lenken zu können, wagte er schlussendlich einen Neustart als Koch. Letztendlich sollte er doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und für all seine Mühen reichlich entlohnt werden. Eines Tages verrichtete er seinen neugewonnen Dienst im Backstage-Bereich einer Hamburger Lokalität, in welcher am Abend ein Konzert der Band "Mono Inc." stattfinden sollte. Noch vom Soundcheck von einem der Lieder gefangen genommen, sang er bei der Zubereitung des Caterings dessen Melodie. Ungeachtet dessen, dass der Frontmann der Formation, Martin Engler, alles genau mitbekam. Nur ein einziges Gespräch und knapp zwei Stunden später, bot sich dem sympathischen Hobbymusiker die einmalige Gelegenheit, als Gastsänger vor ausverkauftem Haus aufzutreten. Doch damit lange nicht genug: Während der laufenden Show, war auch das Oberhaupt eines namhaften Labels anwesend, was sich als glückliche Fügung herausstellen sollte! Ein bezeichnender Zufall, der das ganze Leben des Mannes schlagartig und von jetzt auf gleich veränderte. Nur einen Tag danach, durfte Ronald Zeidler unter der Flagge von NoCut seinen ersten eigenen Plattenvertrag unterzeichnen. Das beeindruckende Ergebnis liegt nun unter dem Namen "Major Voice“ vor. So weit, so gut. Nicht wenige Fans dürften das ambitionierte Projekt bereits als Support von „Mono Inc.“ oder von den „Eisheiligen Nächten“ kennen und so ist es wenig verwunderlich, dass es vor der Bühne nun schon mächtig voll geworden ist. Als das dreiköpfige Live-Ensemble aus Keyboarder Stefan Littmann, Cellistin Linda Laukamp und Gitarrist Ruben Roeh im schummrigen Halbdunkel auf ebendieser erscheint, ist der Applaus allerdings recht verhalten, was sich jedoch dann spätestens mit dem Erscheinen Zeidlers zum eröffnenden „Shot In The Silence“ ändern soll. Dem sympathisch geerdeten Hünen in altertümlicher Offiziersuniform ist die helle Freude vom ersten Augenblick anzusehen. „Wir freuen uns, heute Abend hier sein zu dürfen und haben ein kleines Set dafür vorbereitet. Wir hoffen, euch gefällt, was wir machen!“, begrüßt er das Kölner Publikum bescheiden und verweist anschließend auf den Song, „mit dem damals alles angefangen hat“. Jubel ist zu vernehmen, was vermuten lässt, dass der Major heute auch manch eigene Anhänger im Saal hat und so begeistert das balladeske Mono-Tribute „Potter‘s Field“ ebenso schnell, wie „Stay“. Leider gestalten sich die weiteren Ansagen Zeidlers nur sehr leise, sodass man ihn kaum verstehen kann und auch scheint es einige Probleme mit dem In-Ear-System zu geben. Dafür klappt es mit den Liedern selbst sehr viel besser und so heimst das charmante Quartett sowohl für „Wave No Flag“ als auch den unerschütterlichen „A-ha“-Klassiker „Stay On These Roads“ schnell begeisterten Beifall ein. Obwohl bis auf den Opener ausschließlich alternative Versionen weltbekannter Hits dargeboten werden, honoriert das nordrhein-westfälische Publikum die samtig arrangierten Interpretationen gebührend. Vielleicht gerade deswegen, weil sich das rein akustische Set und der beeindruckend tiefe Bariton so dermaßen angenehm vom sonstigen Standard abgrenzen. „So, zwei haben wir noch für euch und dann kommen endlich „Subway To Sally“, okay? Wir haben ja das große Glück, diese Band zu supporten und deshalb habe ich eine kleine Besonderheit, denn sie haben mir erlaubt, ein Stück von Ihnen zu covern. Dieses Lied ist auch auf dem Album drauf, was ihr dort hinten kaufen könnt, wenn ihr mögt. Ich muss dazu sagen, dass es mein bestehendes Debüt ist, das wir um vier Songs in genau dieser Besetzung hier erweitert haben. Ihr werdet das Lied wahrscheinlich erkennen, da bin ich guten Mutes!“, schmunzelt er und gibt schließlich die Hymne „Eisblumen“ in einer hauchzarten Piano-Version. Leider zeigt sich Zeidler hier nur wenig textsicher und muss weite Teile der Lyrics ablesen. Nicht schlimm, denn die eingefleischten Fans der Potsdamer helfen hier natürlich nur zu gerne stimmgewaltig aus. „Macht ihr doch mal, das könnt ihr bestimmt besser!“, lacht Zeidler selbstironisch. Mit der herzlichen Einladung, beim nächsten und gleichzeitig auch letzten Lied ebenfalls wieder mitzumachen, endet das Set durch „Wonderful Life“ nach rund vierzig Minuten erfrischendem Kontrastprogramm. Einfach anders und wahrscheinlich gerade deshalb so schön.

Subway To Sally: