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  • Christoph Lorenz

Welle:Erdball - „Mumien, Monstren, Mutationen"-Tour - Turbinenhalle, Oberhausen - 08.11.20


Veranstaltungsort:

Stadt: Oberhausen, Deutschland

Location: Turbinenhalle 2

Kapazität: ca. 1.800

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.turbinenhalle.de

Einleitung:

Es ist später Freitag Abend, der 08.11.2019. Heute Abend befinde ich mich einmal mehr auf dem Weg zur Turbinenhalle in Oberhausen. Eine längst etablierte Lokalität, die ich in den vergangenen Jahren mit Sicherheit schon unzählige Male von innen sehen durfte und in den kommenden Monaten noch sehen werde. Es ist, sieht man vom e-Tropolis Festival ab, die erste Show von „Welle:Erdball“ in diesen Gefilden, denn noch 2017 spielte man nebenan im erheblich kleineren Kulttempel... Der seiner Zeit mit dem großen Zulauf schnell an seine Kapazitätsgrenzen stieß... Eine gute Entscheidung also. Wenige Tage zuvor verkündete der Sender überdies, dass nicht nur das diesjährige Hörerclub-Treffen ebenfalls an jenem Tag stattfinden und zudem eine offizielle Live-DVD mitgeschnitten werden würde. Na, wenn das mal nichts ist! Zu diesem feierlichen Anlass wurden neben dem eigentlichen Support auf dieser Tour, „Rroyce“, mit „Kid Knorke“ und „Hertzinfarkt“ gleich noch zwei weitere Gäste bestätigt, weswegen das Konzert auf der Homepage des Betreibers folgerichtig auch mit „Die längste Nacht des Jahres!“ beworben wurde. Der Einlass in der zweiten Turbinenhalle wurde deshalb schon für 18.30 Uhr anberaumt, um 19.00 Uhr soll es dann losgehen. Pünktlich zum Beginn schaffe ich es heute zwar ausnahmsweise nicht, aber trotzdem noch früh genug, um die letzten beiden Songs des zweiten Special Guests mitzubekommen, als ich schnellen Schrittes an der Abendkasse vorbeihusche und mich zum Merchandising-Stand aufmache, in dessen Nähe schon einige mir bekannte Gesichter warten. Hier ist’s ganz schön voll, denn neben dem aktuellen M3-Tour-Shirt gibt es hier selbstverständlich auch viele Artikel des Supports und die neue EP „Die Unsichtbaren“ auf durchsichtigem Vinyl zu erwerben, die erst Mitte Oktober erschienen ist. Da eine Garderobe praktisch nicht vorhanden ist und das kleine Schließfach für drei Wertmarken und fünf Euro Pfand gerade einmal meine Tasche fasst, muss ich den Mantel wohl oder übel anlassen... Ein kühles Bier, eine Zigarette und ein paar nette Gespräche später, geht es für unsere kleine Gruppe dann schließlich etwas weiter vor die Bühne.

Rroyce:

Etwa um 20.40 Uhr und damit um einige Minuten eher als zunächst angekündigt, entert der dritte und somit letzte Support des Abends die Bühne: „Rroyce“. Dass diese kleine Vorverlegung hier insbesondere den Fans in den ersten Reihen recht sein dürfte, verraten dabei schon so manche T-Shirts, auf deren charmantem Rücken-Print in großen Lettern etwa „Ich bin nur wegen Rroyce hier!“ prangt. Nicht ganz zu unrecht, denn das sympathische Trio aus Dortmund machte spätestens seit seinem äußerst erfolgreichen Zweitling „Karoshi“ und den dazugehörigen Auftritten ordentlich von sich reden. Ich bin gespannt. Nicht nur, weil ich „Rroyce“ heute zum allerersten Mal live erleben werde, sondern zudem auch von den bisherigen, eher verhaltenen Reaktionen der Welle-Hörerschaft auf dieser Tournee gehört habe. Wie dem auch sei: Der Rückhalt der eigenen Fans im Ruhrgebiet scheint ziemlich stark. Gute Vorzeichen also. Wenig verwunderlich also, dass es vor der Bühne nun deutlicher voller geworden ist, als Keyboarder Kay, Gitarrist Al und Sänger Casi ganz ohne große Umschweife zum eröffnenden „The Principle Of Grace“ im Blickfeld des Publikums erscheinen. Die aktuelle Single-Auskopplung „Parallel Worlds“ vom kürzlich veröffentlichten, dritten Studioalbum „Patience“, schließt sich direkt an und macht gehörig Stimmung. Von Null auf Hundert? Das können „Rroyce“ scheinbar im Handumdrehen. „Mann, vielen Dank! Na, dann können wir ja jetzt wieder gehen...“, witzelt Casi gut gelaunt und sichtlich erleichtert über den hohen Zuspruch zur Begrüßung. „Wir sind „Rroyce“ mit Doppel-R!“, grinst er vergnügt und leitet dann zu „Who Needs?“ über, welches, wie auch schon die beiden vorherigen Songs, ein echter Dancefloor-Filler allererster Güte ist. Die Zuschauer machen zum Großteil eifrig mit und beklatschen nahezu jeden Titel laut. Wie schön! „Danke, sieht das geil aus von hier oben. Wir haben keine Zeit, ihr wartet ja alle schon auf „Welle:Erdball“ und deswegen gibt’s jetzt das dritte Lied als Viertes...“, schmunzelt Casi über einen offensichtlichen Dreher in der Setlist. Davon lässt sich hier aber niemand stören und gibt stattdessen lieber zu „Full Speed, Half Side“ ordentlich Gas, aber „Rroyce“ wollen noch mehr: „Ich weiß, ihr habt alle eine lange und arbeitsreiche Woche hinter euch, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, einmal darüber nachzudenken, was war und was kommt... Schöne Grüße aus Dortmund!“. Das schwerfällig getragene „Learn To Hate Me“, ebenfalls vom neuen Release, entpuppt sich passend zur vorausgegangenen, reflektierten Ansage als dunkle Halb-Ballade, während „Someone Else‘s Life“ wieder ins Mid-Tempo zieht. Unterdessen fliegt jetzt immer wieder eine kleine Drone, die wir noch öfter am Abend sehen sollen, über die Köpfe des Publikums hinweg, um Aufnahmen zu tätigen. „Seid ihr mit uns? Wir sind später nach der Show übrigens noch da hinten am Merch, live und zum Anfassen... Wir sind auch ganz weich!“, lädt Casi die Zuschauer scherzend auf ein persönliches Kennenlernen ein. Danach gibt’s etwa beim mitreißenden „Too Little“ noch ein ausuferndes Gitarren-Solo und melodiöse Sanftmut beim den eigenen Kindern gewidmeten „Cry“. Nach „Walking On Water“ geht es für den quirligen Sänger dann über die kleine Treppe direkt in den Innenraum, um auf Tuchfühlung mit den Fans zu gehen. Da werden zahlreiche Hände beidseitig bekannter Gesichter geschüttelt und sich umarmt, die Atmosphäre untereinander ist authentisch und ungemein herzlich, man merkt „Rroyce“ ihre Dankbarkeit an. Doch das allein ist nicht der Grund für den Besuch des Fronters, denn für „Run Run Run“ hat man sich ein ganz besonderes Spiel überlegt, das auf den Konzerten der Ruhrpottler mittlerweile Tradition hat: Im Refrain gibt’s nämlich sportliche Betätigung, die von weiter weg ein wenig was von einem Aerobic-Kurs hat, wenn das Publikum in rhythmischen Schritten hinter dem Sänger hertrottet. „Is‘ nicht so dein Ding, oder? Ist aber geil!“, ruft der Sänger einer teilnahmslosen Zuschauerin entgegen. Die scheinbar sorglos transportierte und ungezwungen dargebotene Energie der drei Dortmunder verbreitet sich im Saal zunehmend wie ein Lauffeuer, „Rroyce“ können heute Abend nur Wenige widerstehen. Zurecht. So gibt’s zum Abschluss nach „My Dearest Enemy“ und dem krachigen „I Like It When You Lie“ verdienten Applaus von allen Seiten und fast könnte man meinen, das gesamte Publikum in der Turbinenhalle wäre heute „nur wegen Rroyce hier“. Was will man mehr?

Welle:Erdball: