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BEITRÄGE:

In Extremo - „Wolkenschieber"-Tour - Palladium, Köln - 30.12.2024

  • Autorenbild: Christoph Lorenz
    Christoph Lorenz
  • 23. Feb.
  • 15 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 12 Stunden

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Veranstaltungsort:

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Stadt: Köln, Deutschland


Location: Palladium


Kapazität: ca. 4.000


Stehplätze: Ja


Sitzplätze: Nein



Einleitung:

Es ist Montag, der 30.12.2025. Nur noch ein Tag trennt uns vom Wechsel von 2024 auf 2025. Endspurt. Das Jahr war lang, hart und vor allem arbeitsintensiv, was auch der Hauptgrund dafür ist, dass die Beiträge auf dieser Seite hier zuletzt so rar gesät waren und wahrscheinlich auf unbestimmte Zeit noch sein werden. Und so ist es natürlich nur wenig verwunderlich, dass der Körper sich ausgerechnet im lang ersehnten Weihnachtsurlaub relativ schnell holt, was er braucht. Nämlich Ruhe. Es kommt, wie es kommen musste: Nur wenige Tage nach Heiligabend liege ich restlos flach. Zunächst mit einer dicken Grippe und weil das anscheinend noch nicht reicht, im neuen Jahr dann im direkten Anschluss mit Magen-Darm. Toll. Dabei liegen die Tickets für das traditionelle Jahresabschlusskonzert von „In Extremo“ in Köln doch schon längst im Schrank…. Obwohl oder gerade weil wir schon vor ein paar Wochen die Show beim WinterLights Dortmund besucht haben, kommt es gar nicht infrage, Köln auszulassen. Musik vor Vernunft! Naja, wie heißt es im Titeltrack ihres 2008 erschienenen Albums „Sängerkrieg“ noch so schön? „Ein In Extremo, der wird niemals knien!“ - Also dann. Die Feiertage über ist demnach strenge Bettruhe angesagt und ich schlafe mehr, als ich wach bin, um zum Abschluss der „Wolkenschieber“-Tour wieder möglichst fit zu sein. Das Vorhaben gelingt so einigermaßen: Zwar fühle ich mich noch ziemlich abgeschlagen und der Schüttelfrost will auch noch nicht ganz weichen, ansonsten geht’s aber doch schon besser. Und so holen wir am frühen Abend schließlich unsere Begleitung ab und machen uns gemeinsam auf die rund neunzigminütige Fahrt in die Domstadt. In Köln-Mülheim angekommen, geht’s direkt ins dortige Parkhaus, wo wir die Pauschale für Veranstaltungen in Anspruch nehmen und damit einen recht nahen Stellplatz zu einem guten Kurs bekommen. Immer eine gute Wahl, um nicht ewig und drei Tage durch das verwinkelte Industriegebiet kurven und dabei auf eine freie Lücke hoffen zu müssen. Von dort aus geht es dann in circa zehn Minuten Fußmarsch durch den kühlen Nieselregen zum Palladium. Der Einlass war bereits um 18.00 Uhr und so wie es klingt, sind „Rauhbein“ schon mitten in ihrem Set. Etwas schade, dass wir diese vielversprechenden Newcomer erneut verpassen, aber sei’s drum. Auf der Loreley im kommenden September steht deren Gig jedenfalls ganz dick auf der Agenda! Da so ziemlich niemand mehr vor den Toren weilt, geht die Taschen- und Ticketkontrolle ziemlich fix. Im langen Foyer ist’s trotz des gerade laufenden Support-Sets gewohnt voll und wuselig. Also schnell im Slalom durch die Menge, die Treppen zur Garderobe hinunter, auf der anderen Seite wieder hoch und an die Bar für kalte Getränke. So lauschen wir nun noch den letzten Minuten der sympathischen Hessener und suchen uns dann einen ruhigen Platz weiter hinten im sehr gut gefüllten Saal des Palladiums. 

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Korpiklaani:


Als zweiter Gast an diesem Abend sind die im Jahr 2003 gegründeten „Korpiklaani“ geladen worden. Die sechsköpfige Band aus Lahti, der achtgrößten Stadt Finnlands, ist in der Folk-Szene alles andere als ein unbeschriebenes Blatt und begleitete „In Extremo“ bereits anno 2008 auf dem ersten Teil der damaligen „Sängerkrieg“-Tour, die ihrer Zeit unter anderem auch hier im Palladium Köln Halt machte, wo die großartige Live-DVD „Am Goldenen Rhein“ aufgezeichnet wurde. Dabei bedeutet der für hiesige Ohren vielleicht etwas sperrig anmutende Name so viel wie „Klan des Waldes“ und diesem macht das Sextett mit seinem urig-charmanten Bühnenbild auch alle Ehre: Während den Hintergrund ein großes Backdrop mit dem Artwork des erst im Frühjahr veröffentlichten, neuen Albums „Rankarumpu“ ziert, wurde der Rest nett mit ein paar Zier-Tannen und Laternen dekoriert. Viele Besucher scheinen sich auf die Finnen gefreut zu haben, denn als Schlagzeuger Samuli Mikkonen, Bassist Jarkko Aaltonen, Gitarrist Kalle „Cane“ Savijärvi, Akkordeonspieler Sami Perttula, Violinist Tuomas Rounakari und Sänger Jonne Järvelä zum stampfenden Intro die Bretter entern, ist das Palladium nämlich bestens gefüllt. Los geht’s mit „Kotomaa“ vom neuen Album, dicht gefolgt von einem echten Klassiker, nämlich „Wooden Pints“ von „Spirit of the Forest“ aus dem Jahr 2004, sowie der launigen 2016er Standalone-Single „A Man With A Plan“. Die Stimmung ist während der ersten Songs seitens des Publikums gut, im vorderen Drittel sogar sichtlich ausgelassen, aber nicht gerade überbordend. Da gab es in der Vergangenheit schon deutlich mehr Party. Unterdessen gibt sich die Band relativ routiniert, aber doch spielfreudig. Der Sound hingegen ist selbst für die schwierigen, räumlichen Gegebenheiten im Palladium wirklich unvorteilhaft. Es dröhnt und hallt streckenweise nur so vor sich hin, sodass die schönen Details der Instrumenten-Vielfalt fast durchgehend untergehen und auch Järvelä ist längst nicht immer gut zu verstehen. Leider ein ziemlich wummernder Brei, auch wenn es sich später noch bessern soll. Das beliebte Traditional „Ievan Polkka“ vom 2012 releasten „Manala“ und das „Boney M“-Cover zu „Gotta Go Home“ heben alsbald die Sangesstärke und Laune, das rein instrumentale Intermezzo „Pixies Dance“ fällt danach erneut dem durchwachsenen Sound zum Opfer. Immer wieder schießen mittelhohe Fontänen aus Funken empor, schön anzusehen! „Korpiklaani“ selbst sehen ihren wilden Folk-Metal gerne vom Humppa, der finnischen Version des Foxtrott, beeinflusst. Das auf dem 2021 veröffentlichten „Jylhä“ enthaltene „Leväluhta“ nimmt sich da keineswegs aus und reichert die abenteuerliche Mixtur zudem noch um kleine Reggae-Elemente an. Mit „Metsämies“ gibt es einen etablierten Hit aus dem Jahr 2008, darauf folgt als Auflockerung eine Art kleines Drum- und Percussion-Solo. Gemessen am spürbar weiter abflachenden Interessen des Publikums könnte das Set jetzt aber auch genauso gut sein Ende finden. Gerade im hinteren Teil der Halle gehen jetzt zwischen immer mehr Gäste lieber ein paar Getränke holen oder unterhalten sich. Vielleicht liegt es auch daran, dass beliebte Hits zum Mitsingen wie „Happy Little Boozer“ oder „Beer, Beer“ fehlen und aus unerfindlichen Gründen eher etwas nischigeren Songs weichen müssen. Für Hardcore-Fans der Finnen natürlich super, doch für Festival- oder Support-Slots eine ungewöhnliche und nicht selten riskante Wahl. Ohnehin scheint die Spielzeit von knapp sechzig Minuten etwas zu lang bemessen, kalkuliert man noch das lange Anstehen vor dem Einlass sowie das vergleichsweise (zu) kurze Set von „Rauhbein“ noch in den Abend mit ein. Viele Fans scheinen sich ihre übrigen Reserven zum jetzigen Zeitpunkt lieber für den Haupt-Act einteilen zu wollen, was mehr als verständlich ist. Lauscht man hier einigen Gesprächen, hätten sich nicht gerade wenige Besucher stattdessen ausgeglichenere Set-Längen der beiden Support-Acts gewünscht. Wie dem auch sei: Auf „Pilli On Pajusta Tehty“ folgt das ebenfalls neue „Saunaan“, bis „Vodka“ von „Karkelo“ aus 2009 den rund einstündigen Gig beendet. Es gibt viel wertschätzenden Applaus, dennoch scheint der Funke leider nicht ganz übergesprungen zu sein. Nicht weiter schlimm, dafür sind gleich nämlich „In Extremo“ zuständig!

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In Extremo:


Die Uhr zeigt ca. 21.10 Uhr. Nicht mehr lange. Nur noch wenige Minuten und dann geht es endlich los! Doch derweil wird die Szenerie noch von einem großen Vorhang verdeckt, welcher ein Bild aus der aktuellen Foto-Session zu „Wolkenschieber“ zeigt, auf dem die gesamte Band beim gemeinsamen Feiern und Trinken auf einem langen Holzbalken mitten im Wolkenmeer zu sehen ist. Bereits wenige Minuten später schreckt ein ohrenbetäubender Knall das Publikum wie aus dem Nichts auf und im Palladium wird es plötzlich dunkel… Zu mystischen Harfen-Klängen wird jener Vorhang jetzt in tiefem Blau angestrahlt und kleine Projektionen von sanft rotierenden Wolken tänzeln auf diesem umher, während aus dem Off eine sehr vertraute Stimme die ersten Zeilen des Openers „Ólafur“ zu singen beginnt. Und Köln stimmt natürlich lauthals mit ein. Erst mit dem brachialen Einsatz der Rock-Fraktion ab Mitte des Songs saust der schwere Stoff dann schließlich zu Boden und gibt unter tosendem Jubel den Blick frei: Die Oberseite der Bühne wurde mit vierzehn senkrechten LED-Säulen bestückt, zu den Seiten hängt jeweils ein Gitter mit drei untereinander angeordneten Scheinwerfern hinab. Der Hintergrund wird nahezu vollständig von einem riesigen Backdrop ausgefüllt, auf welchem ein kunstvolles Bild aus dem Kreuz-Digipak des aktuellen Studioalbums zu sehen ist: Hier ragt eine meterlange Leiter in den Himmel empor, auf welcher die Silhouetten zweier Bandmitglieder zu erkennen sind, die sich für den sichtlich beschwerlichen Aufstieg gegenseitig die Hand reichen. Aus den darüberliegenden Wolken hängen schwere Drahtseile nach unten, an denen verschiedene Objekte und sogar ein Haus befestigt sind. Davor thront Schlagzeuger Florian „Specki T.D.“ Speckardt an seinem Drum-Kit, welches mittig zentriert auf einem massigen Podest in rustikaler Optik steht, das bereits auf der diesjährigen Burgen-Tour seinen Einzug in den Bühnenaufbau gehalten hat. Dahinter erstreckt sich der Breite nach eine längliche, in insgesamt sechs hölzerne Rahmen unterteilte Wand, in die verschiedene Bilder, wie etwa eine Reihe fantasievoller Gegenstände aus dem Artwork oder das goldfarbene Band-Logo, eingefasst worden sind, über denen je eine kleine Laterne flackert. Auf der Zeile selbst befinden sich lange LED-Leisten und zahlreiche Moving Heads, während auf den kleinen Erhöhungen davor Bassist Kay „Die Lutter“ Lutter und Gitarrist Sebastian „Van Lange“ Lange agieren. Unterdessen haben sich Marco „Flex der Biegsame“ Zorzytzky und André „Dr. Pymonte“ Strugalla am vorderen Rand der positioniert. Nur wenig später betritt auch Frontmann und Sänger Michael Robert „Das letzte Einhorn“ Rhein mit erhobener Hand unter viel Applaus die Bretter und greift das Mikrofon aus dem Stativ heraus, um den finalen Part zu singen. 

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Das gesamte Palladium bebt, doch für eine kleine Atempause bleibt keine Zeit, denn überraschend früh im Set folgt schon jetzt der unsterbliche Über-Hit „Spielmannsfluch“ vom 1999 veröffentlichten „Verehrt Und Angespien“ samt mächtig lärmender Pyrotechnik, wenn im Text „der Marmorsaal zerspringt“. Wer sich noch immer nicht warmgesungen hat, hat nun bei „Nur Ihr Allein“ aus dem 2005er Album „Mein Rasend Herz“ gleich nochmals die Gelegenheit dazu. Ausreden gibt es keine, die Zeichen stehen ganz klar auf Party! „Einen wunderschönen guten Abend hier im wunderschönen Köln!“, begrüßt Rhein das Publikum herzlich lächelnd. „Ja, leider schon der letzte Tour-Abend… Wir sind jetzt seit Anfang November unterwegs und haben uns Köln nicht ohne Grund dafür ausgesucht. Ich hab’s von hier aus nämlich nur zwanzig Minuten nachhause, die anderen müssen nach Berlin fahren!“, witzelt er feixend. „Ne, das war nur Spaß! Überall ausverkaufte Häuser, das ist echt ein riesiges Kompliment für uns. Vielen Dank dafür! Meine Damen und Herren, aus dem hohen Norden… Dr. Pymonte!“, überlässt er Strugalla das Rampenlicht, der nun ein kurzes Harfen-Solo zum Besten gibt. Natürlich wissen die treuen Fans auch ohne diese Vorankündigung ganz genau, welcher Song gleich folgen wird und stimmen den Refrain in alter Tradition schon mal aus vollen Kehlen an, während es ein kleines Zischen gibt und nach Jahren der Effekt-Abstinenz endlich wieder kleine Rosenblätter von oben herabregnen. Einfach schön und der ikonisch inszenierte Beginn des unverzichtbaren Klassikers „Vollmond“, der jetzt natürlich ordentlich abgefeiert wird. „Habt ihr eigentlich Spaß mit „Korpiklaani“ und „Rauhbein“ gehabt? Wir haben auf dem neuen Album ja auch den ein oder anderen Gast und manche von ihnen sind auch auf dieser Tour dabei. Es liegt auf der Hand… Henry von „Rauhbein“!“, bittet Rhein den hünenhaften Sänger der beliebten Band aus Hessen hinzu, die nach der just vergangenen Burgen-Tournee und dem eigens initiierten Festival auf der Peißnitzinsel zur hellen Freude vieler Gäste wieder als Support fungierten. „Ich kann gar nichts mehr dazu sagen, außer: Lasst uns zusammen die Bude abreißen, das wird ein geiler Abend!“, freut sich dieser sichtlich über den vielen Zuspruch und weiter geht es mit der ersten Vorab-Single des aktuellen Albums „Wolkenschieber“, nämlich der kernig rockenden Duett-Hymne „Weckt Die Toten“, bei welcher im ohrwurmigen Refrain meterhohe Flammensäulen in die Lüfte schrauben. „Diese Band gibt‘s tatsächlich erst seit ein paar Jahren und sie haben vor ein paar Tagen ihr neues Album rausgebracht. Wenn ihr Lust habt, unterstützt sie gerne. Vielen Dank!“, rührt das letzte Einhorn äußerst kollegial die Werbetrommel für das dritte „Rauhbein“-Werk namens „Adrenalin“ und kann sich sicher sein, dass der ein oder andere Gast später am Merch bestimmt noch zugreifen wird. 

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Ebenfalls von viel heißen Feuerschüben begleitet werden danach das großartige „Troja“ vom letzten Release „Kompass Zur Sonne“ sowie das brandneue „Unser Lied“. Feature-Partner und „Santiano“-Sänger Björn Both ist zwar nicht mit von der Partie, dafür funktioniert der Song ohne Gastsänger aber fast sogar noch etwas besser! Selbstverständlich wird auch nun wieder kräftig mitgesungen, getanzt und geheadbangt, was das Zeug hält. Die Rheinstadt hat an diesem Abend mächtig Lust und zeigt es auch!„Köln, das macht echt mega Spaß mit euch. Absolut! Wie ist die Stimmung so? Blöde Frage, oder!?“, scherzt Rhein und weiß, da geht noch viel mehr. „Wie viele Frauen sind heute anwesend?“, erkundigt er sich und sieht sich mit vielen Zurufen bestätigt. „Können wir das vielleicht nochmal ein bisschen intensiver hören? Was meinst du, Specki?“, grinst der Frontmann in Richtung des Schlagzeugers, der nun seinen Daumen bestätigend nach oben reckt. Es folgt mit dem leidenschaftlich rockenden „Küss Mich“ ein alter Bekannter vom Album „Sieben“ aus 2003, der lange Zeit eine feste Instanz im Set der glorreichen Sechs war, doch zuletzt leider öfter auf den Konzerten vermisst wurde. Schön, den Song wieder zu hören! „Vielen Dank! Wie ihr wisst, heißt unsere neue Platte ja „Wolkenschieber“ und in dem Stück geht‘s aber nicht um das Trinken…“, beginnt Rhein zu erklären und erntet spaßeshalber enttäuschten Widerspruch aus dem Publikum. „Ja, das ist zwar auch wichtig, aber hier geht es darum, die Wolken einfach mal wegzuschieben und die Sonne wieder ins Herz zu lassen!“, erzählt er weiter. Der Titeltrack des heuer zu betourenden Albums macht vor allem aufgrund seines spaßigen Refrains live eine ziemlich gute Figur und viel Laune, während er als Single und auch Eröffnung des Albums selbst viel zu zurückhaltend daherkommt und beinahe etwas untergeht. Mit Sicherheit nicht gerade eine der stärksten Nummern in der Tracklist und auch nicht an diesem Abend, aber solide. Trotzdem ist jetzt gerade im hinteren Drittel der Halle zu bemerken, dass die Reaktionen vergleichsweise verhalten ausfallen, aber dafür haben „In Extremo“ natürlich sofort das passende Gegenmittel in Form vieler weiterer Songs in der Hinterhand. „Habt ihr Lust, jetzt mal den ganzen Frust der letzten Woche rauszubrüllen?“, erkundigt sich der Sänger beim Publikum und sieht zunächst viel Zurückhaltung entgegen. „Ganz ehrlich? Das klingt ganz schön erbärmlich… Habt ihr Lust, habe ich gefragt!?“, stachelt er Köln scherzhaft an und sofort werden die Zurufe lauter und lauter. Geht doch! Und zwar mit dem Titelstück des 2008 erschienenen „Sängerkrieg“, in dessen Hook jetzt wieder glühende Feuerbälle in die Höhe schießen und sich zudem am rechten Bühnenrand sogar ein hölzerner Galgen entzündet, der alsbald in hell lodernden Flammen steht. 

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„Das nächste Stück hat etwas mit Verlust zutun, der Text spricht für sich. Viele kennen das, wenn man Abschied nehmen muss… Wir haben eine Bitte an euch: Ihr habt ja alle Handys oder Feuerzeuge dabei. Lasst ein Licht für sie in die Höhe gehen. Können wir das mal von euch sehen?“, bittet Rhein. Mit dem wunderschönen und hochemotionalen „Feine Seele“ vom neuen Werk folgt alsbald die erste Ballade des heutigen Abends. Da „Faun“-Mastermind Oliver „SaTyr“ Pade auf der aktuellen Tour nicht als Gast mit an Bord ist und „In Extremo“ seit dem tragischen Tod von Boris „Yellow Pfeiffer“ Pfeiffer vor einigen Jahren keinen virtuosen Nyckelharpa-Spieler mehr in der Band haben, kommt der entsprechende Sound relativ zurückhaltend vom Band, während Flex und Pymonte mit Uilleann Pipes und Harfe unterstützen. Nichtsdestotrotz kommt das ruhige Stück live nochmals umso intensiver und ergreifender daher, sodass ringsum nun die ein oder andere Träne fließt. Zum folk-punkigen „Störtebeker“ kann dann aber gleich wieder umso mehr gemeinsam gerockt werden. Weiter vorne bildet sich sogar ein kleiner Pit und plötzlich galoppiert „Rauhbein“-Sänger Henry noch mit einem aufblasbaren Einhorn über die Bretter. Ein riesiger Spaß! In Momenten wie diesen fällt zudem die einmal mehr wirklich ganz fantastische Lichtgestaltung von Martin Heining ins Auge, der auch für „Eisbrecher“ und „VNV Nation“ tätig ist. Mehr noch ist die bis ins kleinste Detail ausgeklügelte Aus- und Beleuchtung der „Wolkenschieber“-Tour absolut on point und vermutlich die beste, die „In Extremo“ bis dato hatten - Hammer! „Vielen Dank! Heute ist ja der letzte Tag und da machen wir uns alle immer gegenseitig ein paar Überraschungen...“, erzählt der Sänger und bittet anschließend Justin Ciuché von „Rauhbein“ hinzu, der das nächste Stück, „Liam“, an der Geige unterstützt. „Können wir jetzt mal alle Arme sehen? Oh, das riecht ja richtig gut!“, spaßt er und sieht sich im Refrain einem wogenden Meer aus Händen entgegen. „Vielen Dank! Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, beschäftigt einen manches schon ganz schön. Es gibt einfach so viel Dummheit um einen herum und dafür gibt es noch ein anderes Wort…“, erklärt Rhein. Es folgt das wütend rockende „Katzengold“ vom neuesten Output und hier wird pyrotechnisch jetzt erst so richtig aufgefahren: Jeweils auf die letzte Zeile des Refrains „… der Blitz soll dich beim Scheißen treffen!“ schießt plötzlich ein gleißender Funkenschlag von der hohen Bühnendecke herab und implodiert nahe des Frontmanns. Doch damit noch lange nicht genug! Während die Band in dem von einem rasanten Electro-Beat getriebenen Mittel-Part immerzu „Dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, Dummheit!“ skandiert und sich alle Hände zum Klatschen in die Luft erheben, explodieren synchron dazu zahlreiche Ladungen rund um das Schlagzeug herum, wie einst zum Beginn von „Unsichtbar“, welche daraufhin in einem riesigen Pyro-Effekt münden, der mächtig Rauchschwaden nach sich zieht, bis die Bühne am Ende in einem wilden Inferno aus allerlei umherschießenden Flammen versinkt - Wow!

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„Weil ich oft in der Stadt bin, weiß ich, dass es ganz viele Straßenmusiker hier in Köln gibt und das nächste Stück handelt genau davon. Wir haben das ja selber jahrelang gemacht und jetzt stehen wir hier… Dankeschön. Eine Hommage an die gute alte Zeit!“, schwelgt der Frontmann in Erinnerungen und natürlich kann da nur die gefühlvolle Power-Ballade „Gaukler“ vom 2014 veröffentlichten „Kunstraub“ folgen. Wieder sind jetzt so einige Handylichter und Feuerzeuge über den Köpfen der Fans zu sehen, viele singen mit. Das absolute Highlight ist hier ganz klar der gigantisch große Funkenregen, welcher im letzten Chorus langsam von der Decke auf die Musiker hinabfällt und das leidenschaftliche Solo von Flex wundervoll unterstreicht. Einfach nur schön anzusehen! Der anschließende Applaus ist dementsprechend und will gar nicht mehr abreißen. Mit verschränkten Armen wartet Rhein jenen lächelnd ab und als just wieder ein bisschen Ruhe im Saal eingekehrt ist, geht es auch schon weiter. Und zwar mit der satt rockenden Vampir-Ode „Blutmond“ vom neuen Album inklusive einiger Feuerstöße sowie einem weiteren beliebten Klassiker aus dem breiten Portfolio: „Rasend Herz“, zu dessen Beginn sich Rhein einen Feuerlöscher-artigen Behälter auf das Knie stützt, den manch langjähriger Fan vielleicht noch von der Live-Aufführung von „Nymphenzeit“ zur „Sängerkrieg“-Tournee 2008 kennt. Als er den langen Hebel schließlich hinunterdrückt, wird plötzlich ein laut knallender Pyro-Effekt ausgelöst. Ob dafür wirklich das nicht sichtbar verkabelte Requisit verantwortlich ist oder das alles nur cool aussieht, sei dahingestellt. „Zum nächsten Stück gibt es eine kleine Geschichte: Wir kamen im Jahr 1995 eines Nachts von einem Markt und sind dann in eine Kneipe im Prenzlauer Berg gegangen… Da hatten wir dann die Schnapsidee, dass diese Musik doch mal verrockt werden muss. Jahrelang hat man uns dafür belächelt, aber uns war’s egal. Wir haben weiter gemacht, Danke euch!“, plaudert das letzte Einhorn aus dem Nähkästchen. Anschließend gibt es den ersten Mittelalter-Rock-Song der Band auf die Ohren: „Ai Vis Lo Lop“ von „Weckt Die Toten!“ aus 1998. Das Album, welches bis heute beliebte Hits wie „Hiemali Tempore“, „Rotes Haar“ oder „Palästinalied“ enthält, revolutionierte damals ein ganzes Genre, indem es die typischen Klänge handgemachter Musik von Mittelaltermärkten und traditionelles Liedgut mit dreckigem Rock und Metal kombinierte. Ende der Neunziger ein absolutes Novum, dem sich alsbald viele Künstler bis zum heutigen Tag anschließen sollten! Klar, dass da kein Stein auf dem anderen bleibt und Köln feiert, als gäbe es keinen Morgen mehr. Das nahezu ausverkaufte Palladium kocht, sodass man den Schweiß förmlich von der Decke tropfen sehen kann. „Köln, wir haben jetzt noch eine riesige Bitte an euch. Es ist der letzte Tag der Tour und wir sind schon ein bisschen wehmütig… Ich freue mich aber schon aufs Bett!“, lacht Rhein augenzwinkernd. „Dass das alles hier überhaupt möglich ist, dafür sind jeden Abend wieder ganz viele Leute zuständig. Die wichsen nicht hinter unserem Rücken rum, sondern arbeiten hinter unserem Rücken. Ich kann gar nicht alle aufzählen, die uns supporten und uns so den Rücken freihalten… Liebe Crew, Danke für alles, was ihr geleistet habt, Dankeschön! An dieser Stelle eine frische Apfelschorle…“, prostet der Sänger lachend mit einem Becher in der Hand. „Lasst uns auf einen wunderschönen Abend hier in Köln anstoßen. Dankeschön! Aber ich muss noch etwas sagen… Wir spielen jetzt das vorletzte Lied, mehr kommt nicht!“. Lautstarker Protest aus dem Publikum. „Moment, ich sagte, das vorletzte Lied! Ja, eben noch verehrt und jetzt angespien…“, lacht er. „Okay, wir machen jetzt weiter und was danach passiert, liegt ganz allein an euch!“. Gesagt, getan. Mit dem lasziven „Belladonna“ und „Frei Zu Sein“ haben sich die Sechs nochmal zwei richtige Party-Monster für die Zielgerade ausgesucht, die natürlich  ausgelassen abgefeiert werden. Bei Letzterem fällt das Backdrop plötzlich im ersten Refrain hinunter und gibt so den Blick auf einen neuen Hintergrund frei: Inmitten eines dichten Wolkenmeeres prangt nun der güldene Schriftzug „In Extremo“ - Sehr cool! Anschließend verabschiedet sich die Band knapp und verlässt die Bühne. Köln weiß, das kann es noch nicht gewesen sein und so werden sehr schnell die Rufe nach einer Zugabe laut. 

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Doch sind es jetzt nicht etwa die Spielmänner selbst, die zunächst die Bretter betreten, sondern Henry Rauhbein und seine Mitmusiker im Bademantel, die das Publikum animieren und zahlreiche „Ausziehen!“-Rufe ernten. Lachend kommen sie der Bitte nach und präsentieren die blanken Rücken, auf denen „We love you“ steht, die Vorderseiten ziert ein „In Ex“-Schriftzug samt Herz. „Ich mache das ja nur ungerne, aber heute gerne!“, lacht er. „Lasst die Jungs euch mal richtig hören, das kennt ihr auswendig!“, wird nun schon mal der nächste Song angestimmt, auf den sicher viele Fans vorfreudig gewartet haben: Zu „Sternhagelvoll“, in dessen Refrain jetzt hunderte mit Rauch gefüllte Blubberblasen durch den Saal schweben, darf wieder zusammen gesungen, getanzt, getrunken und vor allem geschunkelt werden. „Koma-Schunkeln“ eben, wie es die Band selbst anno 2016 schon so schön nannte. „Köln, vielen Dank! Auch an „Rauhbein“… Das war so nicht geplant!“, zeigt sich das letzte Einhorn so überrascht wie amüsiert. „Wir spielen jetzt noch zwei Stückchen und dann gehen wir feiern, okay? Von ganzem Herzen tausend Dank für eure jahrzehntelange Treue, Dankeschön!“, verkündet er und dann geht es auch schon mit der „Feuertaufe“ samt allerlei heißen Flammen und einem großen Knall zum Abschluss dem Ende des heutigen Abends entgegen. „So, Köln. Wir spielen jetzt wirklich das letzte Lied. Vorher machen wir noch eine kleine Werbung in eigener Sache. Wir werden nächstes Jahr dreißig Jahre alt und wollen das natürlich gebührend mit euch feiern. Und zwar am 04., 05. und 06.09.2025 an drei Tagen auf der Loreley! Wir machen es kurz: Wir wünschen euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! Wir wünschen euch vor allen Dingen ein gesundes, friedliches 2025. Dankeschön, Köln!“, verabschiedet sich der Sänger im Namen der gesamten Band herzlich. Wie bereits in den vergangenen Jahren üblich, läutet „Pikse Palve“ nun das große Finale ein und ersetzt damit leider den Klassiker „Villemann Og Magnhild“, welcher lange Jahre und erfreulicherweise auch während der ersten Konzerte der „Wolkenschieber“-Tournee als feierlicher Abschluss fungierte. Etwas schade, aber nicht weiter tragisch, sind beide Stücke in ihrem epischen Aufbau und der Dramaturgie doch ziemlich gleichauf. Völlig klar, dass die Gäste hier nochmal alles geben und mächtig feiern. Auch Teile der Band von „Korpiklaani“ kommen nun dazu, um gesanglich zu unterstützen. Hohe Funken-Fontänen und gleißend helle Feuerbälle schießen im Sekundentakt in die Luft, bevor nach zwei Stunden voller Energie alles mit einer letzten Pyro-Detonation endet und sich „In Extremo“ zusammen vor dem bebenden Palladium verneigen und für das obligatorische Abschluss-Foto posieren. Die tosenden Jubelstürme wollen gar nicht mehr abreißen, sodass das aus den Boxen schallende Outro gleich zwei Mal hintereinander abgespielt werden muss - Was für eine Tour, was für ein Abend! Die Vorfreude auf das Jubiläumsfestival in St. Goarshausen dürfte somit bei vielen Fans schon jetzt ins Unermessliche steigen. Auf dieser Seite wird im Rahmen eines großen Specials natürlich abschließend berichtet, wenn es im Herbst 2025 heißt: „30 Wahre Jahre“! 

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Setlist:


01. Intro

02. Ólafur

03. Spielmannsfluch

04. Nur Ihr Allein

05. Vollmond

06. Weckt Die Toten!

07. Troja

08. Unser Lied

09. Küss Mich 10. Wolkenschieber 11. Sängerkrieg 12. Feine Seele 13. Störtebeker 14. Liam 15. Katzengold 16. Gaukler 17. Blutmond 18. Rasend Herz 19. Ai Vis Lo Lop 20. Belladonna 21. Frei Zu Sein 22. Sternhagelvoll 23. Feuertaufe 24. Pikse Palve 25. Terra Mater (Outro)

Impressionen:

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