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Lionhearts - Killian Camera - Project Pitchfork (2018)


Lionhearts - Companion (2018)

Genre: Electro / Alternative

Release: 12.01.2018

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Dependent (Alive)

Spielzeit: 45 Minuten

Fazit:

Erst in der Mitte des jüngst vergangenen Jahres öffnete Frank M. Spinath ein weiteres Kapitel in seiner Karriere und verwirklichte den Plan seines lang gehegten, ambitionierten Solo-Projekts „Lionhearts“. Dessen Namen orientierte der vielseitige Künstler, welcher unter anderem durch sein Engagement bei "Seabound", "Ghost Writer" und "Edge Of Dawn / Raging Silence" vielen Szene-Veteranen bereits ein fester Begriff sein dürfte, an der literarischen Vorlage "Die Brüder Löwenherz" von Astrid Lindgren und erschuf mit seinem Debüt ein gleichermaßen komplexes, wie auch nachhaltiges Werk. Für die auditive Bilderschau mit persönlicher Note, ließ sich der Psychologe vom bekannten Klavierzyklus "Bilder Einer Ausstellung" des russischen Komponisten Modest Mussorgski inspirieren und setzte seinem verstorbenen Freund Viktor Hartman ein unvergessliches Denkmal. Entstanden sind die darauf enthaltenen Songs aus den zahlreichen Kollaborationen mit anderen Künstlern. Ganze zwei Jahrzehnte häufte sich das mannigfaltige Rohmaterial dabei an, bis die Veröffentlichung nach über vierjähriger Arbeit endlich ihre formvollendete Gestalt annahm. „Was lange währt wird endlich gut“, wie es im Volksmund bekanntlich heißt. Und dennoch sind nicht alle Geschichten erzählt, nicht alle Facetten präsentiert, nicht alle Grenzen vollständig ausgelotet... Und das ist auch mehr als nur gut so. Mit dem charmant betitelten „Companion“ stellt Spinath seinem Erstableger dieser Tage ein Begleitalbum als passendes Gegenstück zur Seite, eventuelle Lücken ergänzend zu befüllen. Dieses besteht zum größten Anteil aus Remixen wegbegleitender Kollegen, die eigens dafür sorgsam und persönlich ausgesucht wurden. Darüber hinaus hatten jene in ihrer gesamten Herangehensweise freie Handhabe. Einengende Vorgaben, Grenzen oder Richtlinien existierten keine, was in der Ausgangssituation zu kompletten Neuinterpretationen und gänzlich Perspektiven führen sollte. Die Instrumentalstücke, welche dazwischen als atmosphärische Bindeglieder fungierten, den Gang durch die Galerie und von einem Bild zum Nächsten zu symbolisieren, bleiben außen vor. Stattdessen löst „Companion“ die Titel geschlossen aus ihrem konzeptionellem Rahmen heraus, seziert die introvertierten, nachdenkliche Lieder und verleiht ihnen einen von Grund auf anderen Anstrich. Wie ein Gemälde, das urplötzlich zu weiten Teilen übermalt wird. So werden bei den herausstechendsten Tracks des Erstlings völlig neue Akzente gesetzt, ohne dass der wahre Charakter verloren geht. Dafür ausgewählt wurden insgesamt vier Songs in je zwei Versionen.

Den Anfang macht „Gone“ im individualisierten Gewand von Olaf Wollschläger, der sonst unter anderem als Produzent von „Mesh“ oder Techniker bei „And One“ in Erscheinung tritt. Hier wird gegenüber dem Original das Tempo deutlich erhöht, wodurch impulsive Rhythmen fortan regieren. Im direkten Vergleich kommt die Struktur eher geradlinig daher, druckvolle Beats sorgen für schnell Tanzbarkeit, was das Arrangement aus seiner düsteren Stille heraushebt. „Acretongue“ hingegen, spielt die stimmungsvollen Facetten dann wieder mehr in den Vordergrund und intensiviert damit die musikalische Seele der Vorlage, was dazu führt, dass hiermit fast schon eine Art alternative Version vorliegt, die ebenso gut auf das Debüt gepasst hätte und sich nahtlos in den Kontext einfügt. „The Ardent City“ erstrahlt sodann im neuen Gewand durch „Architect“, dem Seitenprojekt von Daniel Myer, der sonst als kreativer Part hinter „Haujobb“ oder „Covenant“ steht. Dass gewisse Parallelen zum üblichen Schaffen des Sound-Tüftlers bestehen, ist somit nicht weiter verwunderlich. Der Fokus liegt dennoch auf der Wahrung der ursprünglichen Identität, wenngleich man hier energetischere Impulse setzt und den Track klar für die Clubs konzipiert. Auch Produzent „Hecq“, der maßgeblich am Debüt des Löwen beteiligt war, stellt seine Fertigkeiten fortan erneut unter Beweis. Immerhin kennt er neben Spinath die Tracks vermutlich so gut, wie kaum ein Zweiter. So gehen gleich zwei Mixe auf sein Konto. Diese gestalten sich als äußerst poppig und werfen jedwede Schwerfälligkeit ab, einige Neuausrichtungen der originalen Gesanglinien liefern vor allem für Kenner interessante Vergleiche. Die befreundeten „Iris“ haben sich „To What I Don’t Know“ angenommen und fügen dem elektrisierenden Klangteppich angedeutete Saitenwände durch die Hinzunahme von Gitarren hinzu, während „Mildreda“ in „No Going Back“ auf einer eher raue Schlagseite setzen, die nochmal um einiges zwingender anmutet, als schon bei der verletzlich wirkenden Version des eigentlichen Albums. Das unangenehme Gefühl endloser Leere, welches sich dort schon breitmachte, schimmert auch jetzt unüberhörbar durch und vollbringt es, die gleichen Emotionen auf gänzlich andere Weise zu transportieren. Auf der anderen Seite haben sich „Forma Tadre“, die sich bereits zuvor durch ihre Tätigkeit als Remixer auf der labeleigenen Compilation „Dependence Vol. 2“ hervorgetan haben, an gleiches Material gewagt. Dabei konzentriert sich Andreas Meyer, der hinter dem abstrakten Namen steht, eher auf stimmige Percussion und sphärische Klangwelten, die der lyrischen implizierten Aussichtslosigkeit gar einen klanglichen Hoffnungsschimmer zu entlocken wissen. Aufgespalten werden die Songs durch das neue „Stars“, welches als mittig zentrierter Dreh- und Angelpunkt in der Tracklist aufwartet. Dort als eigentliche Demo deklariert, präsentiert sich der Song jedoch als alles andere, als unfertig oder B-Ware. Im absoluten Gegenteil, hätte sich dieser doch sehr gut auf dem letztjährigen Release gemacht. Insbesondere der Refrain besticht durch den wohl akzentuierten Einsatz pulsierender Beats und hält so die unwirkliche Balance zwischen bedeutungsvoller Schwere und einer schwelgerischen, seltsam verträumten Leichtigkeit, wenngleich auch hier die schmerzvolle Wandlung einstigen Glücks thematisiert wird. Ein echtes Highlight! Auch wenn der voreilige Gedankengang zuerst überall derselbe sein dürfe, handelt es sich hier keineswegs um die Ansammlung zweitklassigen Hörstoffs, denn „Companion“ ist auf seine ganz eigene Art und Weise so viel mehr als ein klassisches Remix-Album. Die überflüssige Monotonie vergleichbarer Veröffentlichungen sucht man hier glücklicherweise vergebens, stattdessen stehen Eingängigkeit und Clubtauglichkeit auf der Agenda. Weniger komplex als das Vorbild, doch stilistisch umso anschlussfähiger. Dazu trägt mit großer Sicherheit bei, dass die Titel ausschließlich in die Hände befreundeter Künstler gegeben wurden, die Spinath sorgsam eigens auswählte. Freudig überraschend ist zudem, wie sehr sich die eher zurückhaltenden Nummern doch für die durchgehend hochwertige Bearbeitung und Club-Optimierung durch die Kollegen eigentlich eignen. Irgendwie gleich und doch ganz anders. Da ist es auch kein Problem, dass die Auswahl nur auf vier Lieder fiel. Um wirklich repetitiv zu wirken, unterscheiden sich diese in ihrem Klang und Aufbau nämlich viel zu sehr, was eine mögliche Routine oder Längen von vornherein ausschließt. Alle neun Tracks ergeben sowohl in sich als auch gemeinsam eine stimmige Einheit und runden den Vorgänger zu einem wahren Gesamterlebnis ab. „Companion“ ist keine bloße Beigabe, kein lieblos bereitgestelltes Ausschuss- oder Füllmaterial, sondern das würdige, zweite Löwenherz, das vollkommen berechtigt in der Brust dieses einmaligen Ausnahmeprojekts schlagen darf. Ein echter Begleiter für die kühle Winterzeit und weit darüber hinaus.

Informationen:

https://lionhearts-de.bandcamp.com

https://www.facebook.com/fms.lionhearts/

Kirlian Camera - Hologram Moon (2018)

Genre: Electro / Alternative

Release: 26.01.2018

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Dependent (Alive)

Spielzeit: 54 Minuten

Fazit:

„Die Sterne und Sternbilder am Himmel lassen ihr Licht nicht leuchten. Die Sonne ist dunkel bei ihrem Aufgang und der Mond lässt sein Licht nicht scheinen.“, so heißt es im zehnten Vers innerhalb des dreizehnten Kapitels der lutherischen Bibel aus dem Jahre 1912. Im Pressetext und dem wissenschaftlich belegten Anhang des hier vorliegenden Werks, stammt zudem ergänzendes Zitat der Astrophysikerin Giuliana Conforto: „Wir können mit ziemlicher Gewissheit schlussfolgern, dass der Mond ein Hologramm ist.“. Genau an ebenjener Theorie orientiert sich auch der neue Output von „Kirlian Camera“ zu weiten Teilen, es soll das erste musikalische Zeichen nach rund fünf Jahren der Funkstille aus dem renommierten Sektor des Dark Wave und Electro Pop sein. Das aus Parma stammende Duo, welches sein Projekt nach einem Apparat benannte, durch dessen Zuhilfenahme die Erfassung und Visualisierung elektrischer Felder möglich wird, ist seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten für seine eingängigen, wie gleichermaßen auch qualitativ hochwertigen Melodien fernab des Mainstream anerkannt. Doch waren Angelo Bergamini und Elena Alice Fossi unterdessen alles andere als untätig, immerhin erschien erst im Frühjahr 2017 mit „Retromachine Betty“ ein neuer Release ihres gemeinsamen Seitenprojekts „Spectra*Paris“, sowie anschließend der erfolgreiche Single-Vorreiter „Sky Collapse“ im Oktober. Unter dem kryptischen Titel „Hologram Moon“ erscheint dieser Tage das mittlerweile dreizehnte Studioalbum der beiden Italiener. Auf diesem befasst man sich mit der titelgebenden und zugegebenermaßen weit hergeholten Verschwörungstheorie, die besagt, dass der Mond kein argloser Trabant sei, sondern ein trügerisches und rein visuelles Hologramm, welches außerirdische Aktivitäten vor fremden Blicken verbergen soll. Reichlich viel Raum für thematischen Stoff und wilde Spekulationen also, in jedem Fall darf hier aber ein Spiel mit allerhand Perspektiven und alternativen Realitäten erwartet werden. Immerhin ranken sich seit jeher tatsächlich so einige Mythen um den geheimnisvollen Himmelskörper in der endlosen Ferne. Birgt er vielleicht ein undurchschaubares Geheimnis?

Ein tiefes Dröhnen und Vocoder-Sounds leiten den Einstieg durch „Holograms“ ein. Der lang ersehnte Raketenstart hinauf zum Sonnensystem steht unmittelbar bevor, jetzt gibt es kein Umkehren mehr. Friedliche Chöre erheben sich langsam, lösen den tosenden Lärm immer mehr ab und legen eine fast schon sakrale Ruhe über die klangliche Szenerie. Epischer Bombast schwingt sich durch die Klänge einer synthetischen Orgel auf und kreiert ein futuristisches Konzept, dem es an monumentalerem Cineastik-Flair wahrlich nicht mangelt. Pulsierende Elemente katapultieren danach wieder direkt ins Hier und Jetzt. Stellte jener Auftakt noch eine Art von Intro dar, so geht es nun mit „Sky Collapse“, welches das vorherige Arrangement anfangs schlüssig aufgreift, erst richtig los. Bei dem Song, der bereits im Herbst 2017 vorab erhältlich war, ist Fossi gesanglich jedoch nicht auf sich allein gestellt, sondern erhält stimmgewaltige Unterstützung durch „Covenant“-Mastermind Eskil Simonsson. Die kreative Zusammenarbeit hört man dem Arrangement direkt an, sind die eindeutigen Vibes der Schweden doch omnipräsent. Die beiden Musiker teilen sich die Strophen auf. Das Duett lebt also, neben den großartigen Melodiebögen, insbesondere vom gegenseitigen Wechselspiel der jeweiligen Akteure, die sich über die gesamte Spielzeit hinweg fantastisch ergänzen und hervorragend miteinander harmonieren. Der Track hielt sich völlig zurecht mehrere Wochen in den nationalen Alternative Charts und bleibt bis heute ein absoluter Dauerbrenner auf den Tanzflächen der Szene-Clubs. Darüber hinaus schließt sich der Kreis auch inhaltlich: Die Inspiration für den Text lieferte der kollektive Selbstmord 1978 in Jonestown, bei dem rund neunhundert Menschen durch Suizid und Mord ihr Leben ließen. Darauf weist unter anderem ein in den Kontext verbautes Sample hin, welches einen Auszug aus der letzten Predigt des dafür verantwortlichen Kirchengründers Jim Jones darbietet. Ein grausames Paradebeispiel für blinden Gehorsam, das gehörig Zündstoff für weitere Diskussionen bereithält. In der sphärischen Ballade „Lost Islands“ machen wir uns zu neuen Ufern auf, um unentdecktes Land zu betreten. Der Titel ist eher dezent instrumentiert und setzt auf Atmosphäre pur, was zuweilen das Gefühl eines reinen Zwischenstücks erzeugt. Kurz danach bringt das ausgezeichnete „Polar IHS“ die Klasse der Vorabveröffentlichung zurück. Kein Wunder, immerhin ist auch dieser Titel in Kooperation mit Simonsson entstanden. In den Strophen dominiert der Gesang, sanfte Synthies flirren unterdessen im Aufbau, bis helle Choräle und punktgenaue Piano-Tupfer zu tanzbaren Beats überleiten. „Helium 3“ entfaltet sich danach als bedrohliches Interludium, das mit seiner dystopischen Machart aus verzerrten Sirenen, hallenden Echos und Samples konzeptionell zu bestechen weiß. Mit „Kryostar“ wird es wieder energiereicher, was vor allem dem schnellen Tempo anzurechnen ist - Ein echter Dancefloor-Filler! Ganz besonders erwähnenswert, ist darüber hinaus „I Don’t Sing“, bei welchem Fossi den Gesang ausschließlich Bergamini überlässt. Der ruhige Track wird erst gegen Ende etwas experimenteller und komplexer, was ihn nachhaltig interessant macht und die beständig erzeugte Dramaturgie hochpeitscht. Der wohl klassischste „Kirlian Camera“-Song auf diesem Album, das danach leider erstmal wieder ein wenig abflacht. „The Storm“ ist melancholisch und schwelgerisch, „Eyes Of The Moon“ bietet dagegen lupenreinen Pop ohne viele Überraschungen. Schade. Nach dem düsteren Übergang mit „Equation 01“, holt das Zweigespann allerdings doch nochmal mächtig auf, denn „Haunted River“ ist ein geradezu übermächtiger Up-Tempo. Orchestrale Parts sichern ab dem Mittelpart majestätischen Bombast, die Mondreise ist in vollem Gange. Ein unerwartetes und grandioses Epos, das ebenso einem aufwändigen Blockbuster entsprungen sein könnte, sucht sich hier abschließend seinen Weg zu den Gehörgängen, bevor das Outro „Traveller’s Testament“ das Werk ebenso geheimnisvoll beschließt, wie es einst begonnen hat. Was bleibt also zu sagen? „Hologram Moon“ zeigt die beiden Italiener in vielen Momenten in gewohnter Hochform, wenngleich sie sich auch weit weniger vielschichtig geben, als etwa noch auf den beiden Vorgängern „Black Summer Choirs“ oder „Nightglory“, an deren Glanztaten hier leider nicht angeknüpft werden kann. Im Gegenteil, „Kirlian Camera“ scheinen 2018 gelegentlich noch auf den Pfaden von „Spectra*Paris“ zu wandeln und dafür aber zu wenig zu wagen, weswegen ihr aktueller Ableger hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Fast schon tragisch, dass die größte Stärke im Nachhinein gar zur markantesten Schwäche des Comebacks wird: „Sky Collapse“ droht in all seiner Macht, die restlichen Songs zu überschatten, zu sehr sticht die Arbeit von Eskil Simonsson aus dem übrigen Material-Pool heraus. Dadurch haben es die Folgetitel trotz durchgehend hohem Niveau schwer, die allgemeinen Erwartungen aufrechtzuerhalten. Gemessen an der geballten Power der vorangegangenen Single, kommen einfach zu wenig gleichklassige Höhepunkte nach, die kurz gestreifte Oberliga scheint endlos weit weg und wird schlicht nicht mehr erreicht. Somit ist die Koope