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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Amphi Festival - Tag II - Tanzbrunnen, Köln - 29.07.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Tanzbrunnen

Kapazität: ca. 12.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.amphi-festival.de

Samstag, 29.07.2018 - Amphi Festival Tag 2:

Bedingt durch den kleinen Umstand, bereits heute Abend wieder abreisen zu müssen, habe ich schon an der Rezeption ausgecheckt und mein Gepäck ordnungsgemäß eingelagert, was zeitgleich allerdings auch den positiven Nebeneffekt hat, nicht der verlockenden Versuchung des Tiefschlafs erlegen zu sein. Demnach bin ich jetzt mehr oder weniger wider Willen nicht nur früh auf den Beinen, sondern auch auf dem Gelände des Tanzbrunnens. Wie schon am Vortag, geht es hier noch eher entspannt zu. Wer nicht vor einer der beiden Bühnen wartet, entspannt am Rheinufer und Beach-Club oder geht an den zahlreichen Ständen, die mir dennoch weitaus weniger als in den Vorjahren erscheinen, shoppen. Um wenigstens einmal da gewesen zu sein, besuche ich die abgetrennte VIP-Area am Strand auf ein kühles Getränk, hier erfreulicherweise ganz ohne die chaotische Pfandrückgabe des öffentlichen Ausschanks. Hätte ich das mal eher gewusst... Noch etwas müde, schlürfe ich an meinem gut gekühlten Mineralwasser bei bestem Blick auf den Kölner Dom und drehe noch eine kleine Runde, bevor ich schließlich wieder an der Mainstage ankomme.

Mainstage, 11.00 Uhr - ES23:

Wie auch schon am gestrigen Morgen, startet man hier mit ordentlichem Dark Electro in den Tag. „ES23“ ist das 2004 in Bochum gegründete Projekt von Daniel Pad, das derzeit bei Infacted Recordings unter Vertrag steht. Neben zwei frühen Demo-Alben und etlichen Remixen für namhafte Kollegen, wie etwa „[:SITD:]“, „Solitary Experiments“ oder sogar „Suicide Commando“, gehen mittlerweile ganze drei Studioalben auf das Konto der jungen Kombo: Das Debüt „Heaven Or Hell“, der Zweitling „Mutatio Ex Machina“ und das aktuelle „Erase My Heart“. Nachdem Tym N. und Pat Rinzler die Band just verließen, ist Pad seit 2017 wieder solo unterwegs, wird bei den Live-Shows aber zusätzlich von Micha Meyer an den E-Drums und Heiko Lachmann tatkräftig am Keyboard unterstützt. Mit offensichtlicher Spielfreude und geballter Energie werden nun etablierte Songs, wie „Wake Up“ oder „Lost In Time“ zelebriert, während „Shouting Out Of Me“, „Get Out Of My Head“ und „Destiny“ einen Blick auf die neueren Taten werfen. Was neben dem spürbaren Enthusiasmus des jungen Acts vor allem gefällt, ist der vielschichtige Facettenreichtum mancher Tracks, die mit ihren teils überraschenden Tempowechseln und genreuntypischen Grenzüberschreitungen eine ganz eigene Note offenbaren, noch lange danach im Kopf bleiben und einfach Spaß machen. So muss das! Wer sich einmal selbst von den Qualitäten überzeugen möchte, hat etwa schon beim nächsten e-Tropolis die Gelegenheit dazu.

Mainstage, 12.10 Uhr - Heldmaschine:

Nach so viel geballter Elektronik ist es jetzt wieder mal an der Zeit, die metallischen Gitarren regieren zu lassen und was wäre für diesen Anlass wohl besser geeignet, als eine ordentliche Ladung NDH? Und in der Tat gibt es mittlerweile wahrlich so einige vielversprechende Vertreter dieses Genres, insbesondere unter den stetig nachrückenden Newcomern. Ein solcher waren die umtriebigen Mannen von „Heldmaschine“ vor nicht allzu vielen Jahren auch einmal: Zunächst noch als parallel laufendes Zweitprojekt zur „Rammstein“-Tribute-Band „Völkerball“ ins Leben gerufen, entwickelte man sich rasend schnell zu einem ernstzunehmenden Mitspieler, wozu nicht zuletzt auch die spürbar konstante Weiterentwicklung und gleichzeitig damit verbundene Entfernung vom großen Vorbild beigetragen haben dürfte. Demnach ist es wenig überraschend, dass an diesem Morgen so einige Besucher ihren Weg aus den Betten und vor die Mainstage gefunden haben, um die sympathischen Koblenzer angemessen zu empfangen, die von Moderator Mark Benecke überraschend zehn Minuten eher als geplant angekündigt werden. Zu den mystischen Klängen eines elektronischen Windspiels laufen nun Schlagzeuger Dirk Oechsle, Bassist Marco Schulte, sowie die Saitenfraktion aus Dejan Dean Stankovic und Tobias Kaiser in blau leuchtenden LED-Westen auf, um den „Himmelskörper“ auf Kölner Grund und Boden zu entsenden, bis zum Schluss auch Sänger René Anlauff dazustößt: „Hallo Amphi, wir sind die „Heldmaschine“! Seid ihr da?“. Dass dem so ist, beweisen nun allesamt bei „Kein Zurück“, in dessen Refrain alle Hände gleichmäßig im Takt wogen. „Vielen Dank! Sagt mal, gibt es hier zufällig einige von euch, die das „R“ rollen? Es gab ja immer wieder mal Vergleiche mit einem gewissen Herrn Lindemann und da habe ich mich gefragt, „Darf ich das jetzt eigentlich oder darf ich das nicht?“. Hier kommt die Antwort auf diese Frage!“, schmunzelt er und findet die perfekte Überleitung zum selbstironischen „R“, das jetzt nur so durch die Menge rollt und alles mitreißt. „Wisst ihr Bescheid!“, grinst Anlauff und gönnt sich zusammen mit den übrigen Mitgliedern erstmal einen kräftigen Schluck aus einem länglichen Kanister, um das Getriebe zu ölen. Das ist auch notwendig, denn im Folgenden wird unmissverständlich klargemacht: „Die Maschine Spricht“. Passend zum Text wird das Publikum jetzt kurzerhand dazu aufgefordert, gemeinsam im 4/4-Takt zu stampfen. „Ist das geil!“, ruft der Frontmann begeistert und behält absolut Recht. So viel geballte Energie und das zu dieser frühen Stunde... Ganz bestimmt alles andere, als selbstverständlich. Mit auf dem Gesicht festgeschnallten VR-Brillen, setzt sich der Fünfer sodann den errektiven „Sexschuss“ und lässt sich ordentlich feiern. Es sind charmante Kleinigkeiten wie diese, die selbst ein kurzes Festival-Set äußerst unterhaltsam gestalten und immer wieder auch etwas fürs Auge bieten. Danach wird die Bühne abermals von dichten Nebelwolken eingehüllt, während die aufgestellten Lichtsäulen wild aufblinken und Anlauff zu „Radioaktiv“ mit einer stählernen Apparatur auf dem Rücken zurückkehrt, aus der nun giftgrüne Laserstrahlen schießen. Immerzu steigen hohe CO2-Fontänen unterstützend aus dem Boden empor, doch das grelle Sonnenlicht lässt dem sonst so stimmungsvollen Effekt leider kaum eine richtige Chance. „Auch wir sind Mario-aktiv... Bitte einmal einen großen Applaus für unsere Crew, die dafür sorgt, dass im richtigen Moment die richtigen Sachen auf der Bühne sind!“, stellt der Sänger einen der Techniker spaßend vor, der ihn seiner schweren Rüstung wieder entledigt. „So, wir müssen leider langsam aufhören, denn es gibt hier einen strammen Zeitplan.“, werden darauf kurzzeitig ernstere Töne angeschlagen. Etwas Ernüchterung macht sich unter den Fans breit, aber mit „Das Maß Ist Voll“ haben die Maschinisten noch einen weiteren Song vom aktuellen Studioalbum in petto. „Dankeschön, liebes Amphi! Es ist unglaublich heiß, oder? Aber ich glaube, hier oben ist’s gerade sogar noch ein bisschen wärmer. Danke für die Annahme, wir dürfen noch einen spielen!“, verkündet das Sprachrohr der Maschine zum abschließenden Nackenbrecher „Auf Allen Vieren“, dessen finaler Refrain als Publikumschor noch lange nachhallen soll. „Der Kölner Karneval lebt! Wir haben noch Zeit für genau eine Nummer, wenn ihr Bock habt?“. Natürlich haben die Gäste noch Lust auf eine weitere Zugabe und so geht es schließlich hitlastig „Weiter!“, bei dem es sich Anlauff nicht nehmen lässt, kurzerhand in die jubelnde Menge zu springen und sich auf Händen tragen zu lassen. „Zur Bühne geht es aber da entlang!“, lacht er, als die Reihen ihn stattdessen immer mehr nach hinten durchreichen. Letzten Endes schafft er es aber doch noch rechtzeitig zurück auf die Bretter und verabschiedet sich mit der „Heldmaschine“ nach rund fünfzig Minuten vom Tanzbrunnen.