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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Nesta & The Blondes - Heimataerde - She Hates Emotions (2020)


Nesta & The Blondes - Come Inside (2020)

Genre: Indie / Pop

Release: 06.03.2020

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Partytown Records

Spielzeit: 27 Minuten

Fazit:

„Nesta And The Blondes“ sind befreundete Snowboardaficionados aus Graubünden, die zusammen lässig-catchigen Grunge-Pop kredenzen. Zusammen lebt der Flimser Fünfer in der Künstlerkommune „Villa La Fortunata“. Ein Ort voller Liebe, Magie und Inspiration, an dem alle Songs entstehen. Für die Aufnahmen ihres Debüts „Come Inside“ haben sie allerdings die zugeschneiten Berge verlassen und sonnigere Gefilde aufgesucht. In einem von Geistern bewohnten Haus in der Nähe von Barcelona wurden die Titel eingespielt. Und diese werden nun als vertonte Eintrittskarten jedem gereicht, der in die Welt der Bündner Band eintauchen möchte. „Come Inside“ ist vollgepackt mit catchy Gitarrenriffs und verträumten Melodien. Inhaltlich stehen die schonungslos ehrlichen Songs dabei in Kontrast zu den meist zauberhaft-lässigen Klängen. Textlich drehen sich diese oft um das Feststecken in depressiven Gedankenspiralen, das Ausbleiben von Gefühlen der Freude oder die Sehnsucht nach menschlicher Wärme. Angedeutet wird aber auch immer wieder die Hoffnung auf einen liebe- und lichtbringenden Ausweg. „Come Inside“ kann so als eine Art Aufforderung gedacht werden, diesen Aus- als Eingang anzusehen, um die Band aber auch sich selbst neu kennenzulernen. Das Erstlingswerk kommt ab dem 06.03.2020 via Partytown Records als Stream und Download, aber auch limitierte Vinyl für Sammler auf den (digitalen) Markt.

Der Schweizer Fünfer bestehend aus Schlagzeugerin Jennifer Kopp, Bassist Nesta Corona, Metallophon-Spielerin Tiziana Hossmann, Keyboarderin Michelle Früh, sowie Gitarrist und Sänger Andrea Corona macht Musik. Ziemlich eigenwillige Musik mit einer ausgewogenen Mischung aus Indie, Pop und Rock. „Grunge Pop“, um ganz genau zu sein. Laut eigener Aussage kommen viele der inspirativen Einflüsse etwa von Danny Brown und Charles Bradley, den Solo-Werken von John Frusciante oder auch den berühmten „Red Hot Chilli Peppers“. Das hier vorliegende Debüt „Come Inside“ ist somit die sorgsam kanalisierte Reinkarnation eigener Kreativität und zunächst lediglich spontaner Jam-Sessions, die erst sehr viel später zur zielgerichteten Arbeit an einer handfesten Form mit dem Ziel der klassischen Veröffentlichung werden sollte. Und das, obwohl zuvor tatsächlich keiner der fünf Musiker auch nur annähernd ein einziges Instrument beherrschte. Diese sympathische Unsicherheit ist es, welche man dem publizierten Ergebnis noch an wenigen Stellen durchaus leicht anmerkt, dennoch würde jenen langen Lern- und den damit verbundenen Schaffensprozess ganz sicher niemand vermuten oder dem Quintett gar das Können absprechen. So etwa gleich beim eröffnenden „Patience“, dessen zügige Sogwirkung sich hauptsächlich aus dem druckvoll marschierenden, knackigen Rhythmus und parallel dazu der markant-kratzigem Stimme Andrea Coronas speist. Der kurzweilige Einstieg wirkt trotz dem inhaltlich lastenden Gewicht extrem leicht und ziemlich catchy, was nicht zuletzt auch im verwegenen Flow der stylisch verzerrten, herb groovenden Gitarren begründet liegt. Es ist die lückenlose Verschmelzung zweier nur wenig verträglicher Gegensätze. Ganz so, wie die plötzliche Zusammenkunft von fast schon erdrückender (Bedeutungs-)Schwere und einer angenehm bekömmlichen Eingängigkeit, die darüber hinaus wahrlich richtungsweisend und äußerst repräsentativ für alle noch folgenden Songs sein soll. „Circles“ klingt beispielsweise trotz oder vielleicht gerade auch wegen seiner glockenklaren, hell arrangierten Melodie ungleich introvertiert und verzweifelt, irgendwie verloren. Die balladesk isolierte Ader wird zudem von traurig perlenden, retro-esquen Keyboard-Salven herausgearbeitet, welche die ihr innewohnende, zart dargestellte Einsamkeit mit ganz viel Gefühl und emotionaler Wärme befüllen. „Waiting For You“ und das sich anschließende „Cubelles“ sind zwei der insgesamt drei vorab veröffentlichten Singles und haben sich ihren separaten Release auch mehr als nur verdient! Während Ersteres etwa mehrstimmigen Gesang und das so charakteristisch klingelnde Metallophon in die schwelgerische Atmosphäre eines süßlich verpoppten Gewands weben, gibt sich Letzteres um einiges aufgeräumter und dadurch auffällig klar strukturiert. So unterschiedlich die beiden Songs auch sein mögen, der omnipräsente Indie-Spirit wohnt ganz deutlich beiden Stücken tief inne. Das bedrückende „Wolf“ stellt das kernige Schlagzeug und die leidenschaftlich gezupfte Gitarre jetzt wieder deutlich mehr in den Vordergrund, was eine wundersam betörende, warme Klangkulisse zur Folge hat und den Hörer so in den gespaltenen Gefühlswelten schwelgen lässt. Im wirklich berührenden Refrain darf dann noch passend der Mond im Angesicht der hier thematisierten Einsamkeit gesanglich angeheult werden, was jedoch absolut nicht kitschig oder gar unfreiwillig komisch anmutet, sondern exzellent zur ohnehin schon unglaublich starken Atmosphäre beiträgt und den emotional getriebenen, klagenden Touch wahrlich effektiv unterstreicht - Toll! „Three“ behandelt die sorgfältig konstruierte Fassade, die ein jeder so oft nach außen hin trägt, während die mühselig aufrechterhaltene Stärke dahinter auch langsam zu bröckeln beginnt. Die Trauer und der Schmerz bleiben von den meisten oftmals ungesehen... Zum Glück? Jene innere Sinnsuche wird von einem entschleunigten, heimeligen Sound aus reduziert piependen Synthie-Elementen und sanften Drum-Passagen getragen, ehe später darauf die Gitarre besinnlich einsetzt, um sich gegen Ende erst in leichten Disharmonien zu verlieren und dann in einem etwas chaotisch anmutenden Zusammenspiel zu gipfeln, welches sich zunehmend von seiner bluesigen Note entfernt und später kurzzeitig das ungeschliffene, behäbig walzende Rock-Segment streift. Immer wieder ist es allen voran Coronas warme und eindringliche Stimme, die diesen ganz besonderen Momente erst ihren finalen Schliff verleiht, so auch beim ruhigen „Jupiter“. Weitaus poppiger, jedoch ohne dabei auch nur ansatzweise seine melancholische Note einzubüßen, ist der letzte Song: „Embryo“ schildert in seinen zweieinhalb Minuten das schützende Gefühl im Mutterleib, abgeschirmt und frei von jeglichen Einflüssen negativer oder belastender Art, dafür umso erfüllter von hoffnungsfroher Erwartung. Und ebenso wohlig und positiv klingt das Album dann auch aus. Mit gerade einmal acht Songs und einer relativ knappen Spielzeit von unter dreißig Minuten, rangiert „Come Inside“ wohl eher in den Gefilden einer handelsüblichen EP, anstelle eines vollwertigen Studioalbums. Der charmante Amateur-Charakter ergibt sich hier unter anderem durch den übergreifenden Lo-Fi-Charakter des gesamten Materials, welchen man dem Output jederzeit entsprechend stark anhört, was jedoch keinesfalls störend auffällt, sondern zu einem gewissen Anteil auch den gewissen Flair dieser Veröffentlichung ausmacht. Dennoch bedarf es an manchen Stellen in Zukunft etwas mehr Politur bei Aufnahme und insbesondere der Produktion, um ein wirklich rundes Hörerlebnis erschaffen zu können. Rein musikalisch betrachtet gibt es allerdings wenig bis gar nichts zu beanstanden, denn „Nesta & The Blondes“ bieten auf ihrem ersten Longplayer wirklich gut gereiftes Liedgut an, das den vorab eventuell geschürten Erwartungshaltungen der Zielgruppe mehr als nur gerecht werden dürfte: Nahezu alle Lieder bieten einen wirklich hohen, aber nicht zu überladenen Pop-Appeal, der stetig zwischen einer hörbaren Unbeschwertheit und gleichwohl tief gehenden, lyrischen Melancholie pendelt, die doch niemals zu sehr überwiegt oder gar konstruiert wirkt. Nein, im Gegenteil, denn das ehrliche Herzblut und die non-kommerzielle ausgerichtete Leidenschaft für die Musik ist jederzeit klar erkennbar. In Zukunft dürfen sogar gerne noch weitaus mehr der größtenteils recht harmonischen gehaltenen, schmeichelnden Strukturen mutig aufgebrochen werden, um so auch der unangepassten, wilden Seite ihren verdienten Raum zu geben. Wie heißt es so schön? Was nicht ist, kann ja noch werden. Insgesamt legen „Nesta & The Blondes“ mit „Come Inside“ ein wirklich spannendes, einzigartiges und gerade für eingefleischte Indie-Fans ziemlich interessantes Debüt vor, das gerade wegen all seiner kleinen, sympathischen Ecken und Kanten doch sehr zu überzeugen weiß. Also dann: Tretet nur ein, lasst eure Ohren, Gedanken und Herzen darauf ein und euch von „Nesta & The Blondes“ verzaubern - Reinhören!

Informationen:

https://www.nestaandtheblondes.com

https://www.facebook.com/NestaAndTheBlondes

Heimataerde - Eigengrab (2020)

Genre: Electro / Folk / Alternative

Release: 24.04.2020

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Fully Packed Records (Alive)

Spielzeit: 57 Minuten

Fazit:

Es ist soweit: Nach mehr als drei Jahren kreativer Pause erscheint das langerwartete „Heimataerde“-Album „Eigengrab“. Mit dem brachialen Sound ihres unvergleichlichen Mix aus Electro und mittelalterlichen Klängen melden sich die untoten Templer mit einer vierzehn Track starken Produktion zurück. Nicht fehlen darf die Fortsetzung der Geschichte um die „Heimataerde“. Auf der exklusiven Hörbuch-CD des Doppel-Albums wirft der Träger des deutschen Sci-Fi-Preises, Michael Marrak, die Erzählung in die 60er Jahre voraus. Gelesen wird Hauptprotagonist „Krak Megalon“ vom unverwechselbaren Holly Loose („Letzte Instanz“). Das neue Studioalbum „Eigengrab“ katapultiert „Heimataerde“ direkt in die neue Dekade des 21. Jahrhunderts und erscheint am 24.04.2020 als digitaler Download, 2-CD und limitierte Fan-Box inklusive Hörbuch, der exklusiven Bonus-Disc „Kryptorium“ mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen und Takes, einem Gym-Bag mit Logo, Poster, Stickern und einer handsignierten Autogrammkarte samt Zertifikat über Fully Packed Records.

Ganze vier Jahre sind seit dem letzten Studioalbum „Aerdenbrand“ mittlerweile in die hiesigen Lande gezogen und in der Zwischenzeit hat sich wahrlich vieles im ritterlichen Lager der untoten Electro-Templer aus dem Ruhrgebiet getan: So verabschiedete sich etwa just Ansgar von Hucretha, dafür rückten Henry von Kent und Schwester Johanna Dikaja alsbald zur tatkräftigen Unterstützung im Kader nach und als wäre all das nicht schon genug, wurde seitdem ebenfalls ein eigenes Label aus der Taufe gehoben, über welches nun unter anderem auch das aktuelle Album veröffentlicht wird, das eingangs mit dem titelgebenden „Eigengrab (Introductio)“ startet und als rein instrumentales Intro in traditioneller Manier monumental in die neue Ära einführt. Hier liefert sich der finster pulsierende Bass mit verspielt fiependen, stark verzerrten Beats schon bald einen wahren Schlagabtausch, wenn exotische Choräle oder das historische Instrumentarium als organische Komponente konträr in den treibend drückenden Rhythmus eingebunden werden und somit auf das einstimmt, was da noch alles kommen mag. So beispielsweise der erste, vollwertige Song: „Kind Der Nacht“ wird anfangs von sphärisch wabernden Keyboard-Flächen und Vocoder-Einsatz eingeleitet, um dann in einem unaufgeregten, gediegenen Mid-Tempo-Gassenhauer zu münden. Durchaus überraschend gestaltet sich die helle, süßlich anmutende Melodie weiterhin mit leichten Anleihen an den Synth-Pop und geht dann in den Crossover mit Schlagzeug und E-Gitarren über. Die Strophen werden überdies von einem mal klaren und dann wieder verfremdeten Gesang getragen, der spätestens im Refrain mit seinem hohen Ohrwurm-Charakter punktet und zum Einstieg so erfreulich viel Altbewährtes mit typischem Wiedererkennungswert und auch neuen Nuancen bietet. Bei „Bald Schon“ prallen elektrisierende, hektisch flirrende Synthie-Linien in aggressiv vorpreschender Manier umso deutlicher auf die mystische Grundnote der Mittelalter-Fraktion mit Flöten und Sackpfeifen. Ein krachender Tanzflächen-Füller im besten Up-Tempo-Style, dem die unverkennbare Seele alter Tage über