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NEUESTE
BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Heldmaschine - Faderhead - Blutengel (2019)


Heldmaschine - Im Fadenkreuz (2019)

Genre: Rock / Alternative

Release: 27.09.2019

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: MP Records (Soulfood)

Spielzeit: 55 Minuten

Fazit:

Die „Heldmaschine“ steht „Im Fadenkreuz" - ein endloses Ödland erstreckt sich um sie herum, geprägt durch Krisen und Terror. Die Welt, die die „Heldmaschine“ auf ihrem neuen Album zeichnet, zeigt die dunkle Seite unseres Daseins: Unsicherheit, Angst und Fremdenhass stehen an der Tagesordnung. Zwischen scharfkantigen Industrial-Riffs, bohrenden Elektro-Sounds und der urtpyischen Wucht der NDH, trifft der Frontmann und Cheflyriker mit seinen mal zynischen, mal ernsten Anleihen stets genau ins Schwarze, wenn Themen wie sexuelle Lust, Wahrheitsfindung oder Vergänglichkeit besungen werden. Das neue Studioalbum der Koblenzer NDH-Vertreter ist bereits seit dem 27.09.2019 rein digital erhältlich und ab dem 11.10.2019 exklusiv über den MAM-Shop als physische Version zu bestellen.

Mit so einer großen Überraschung hat wohl niemand gerechnet: Ohne jedwede Vorwarnung kündigten „Heldmaschine“ via Facebook-Post pünktlich zum Beginn der gegen Ende September startenden Tournee die Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums an, welches vorerst bei den Konzerten am Merchandising-Stand, später dann auch als Download auf den einschlägigen Seiten und über den Metal Addicted Mailorder zu beziehen ist. Urplötzlich und von jetzt auf gleich! Eine so dermaßen unübliche Vertriebsmethode, wie die Koblenzer sie sich hier für ihr nunmehr fünftes Werk ausgedacht haben, ist gerade in der heutigen Zeit fast schon unvorstellbar, immerhin liegt der Vorgänger rund drei Jahre zurück. Warum genau sich die Band für diesen mutigen Schritt entschieden hat, könnt ihr übrigens auf ihrer Website nachlesen. Einen wirklich guten Übergang zur neuen Ära schafft das eröffnende „Leck Mich Fett“: Der rabiat rockende Song mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Titel macht gleich von Anfang an keine Gefangenen und gibt ordentlich Gas. Regelrecht angewidert speit Sänger René Anlauff dem Hörer die giftigen Textzeilen mit Vocoder-Unterstützung aggressiv entgegen und scheut sich dabei auch nicht vor manch unverblümt expliziter Aussage. Der Refrain kommt hingegen überraschend erstmals komplett in englischer Sprache daher: „Message to all, message to all. We’re in the middle of a virtual world war!“, heißt es da in hymnischer Manier, wenn sehr direkt unreflektierte Meinungsäußerungen im Netz aufs Korn genommen werden. Das bereits von der „Volles Brett“-EP bekannte „Luxus“ wartet mit viel beißender Sozialkritik und elektronisch schillernder Goth-Rock-Manier auf, die enorm zur Eingängigkeit beiträgt. Das folgende „Zwei Sekunden“ mutet mit seiner kantigen NDH-Breitseite dann hingegen wieder etwas sperriger an. Im Stil eines „Schwerelos“ erzählt man eine vollständige Geschichte über schwere Schuldgefühle und den daraus resultierenden, selbst gewählten Freitod. Diese Struktur trägt der Dramaturgie zwar erheblich bei, dafür flacht der Chorus deutlich ab und bietet nichts, was man so nicht schon gehört hat. Schade. Auch „Die Geister Die Ich Rief“ kommt durchweg klassisch daher und überzeugt allen voran mit fetten Gitarrenriffs, bis der epische Refrain mit donnernden Trommeln und schwelgerischen Seemannschören schließlich ablöst und charakteristisch dabei fast ein wenig an die Kollegen von „Tanzwut“ erinnert. Die nächsten drei Titel sind dem geneigten Fan ebenfalls allesamt von der vorab veröffentlichten EP bekannt, deswegen aber natürlich nicht weniger würdig, ihren wohlverdienten Platz auf dem Album zu erhalten. Insbesondere das herrlich selbstironische „Springt!“, das nur so vor launigem Sarkasmus strotzt, überzeugt vollends durch seinen mitreißenden, ohrwurmigen Rhythmus und dürfte auf dem Konzert zum selbigen einladen. „Härter“ und „Ich, Ich, Ich“ erinnern mit ihren stechend scharfen Synthies und dem harschen Gitarreneinsatz unweigerlich an die „Lügen“-Phase der Band. Musikalisch ist das alles sehr solide, textlich nimmt man sich hier nimmermüder Selbstzerstörung und Egoismus an und kommt um die ein oder andere Plattitüde leider nicht herum. Dennoch machen die zwei Tracks gehörig Laune. „Gottverdammter Mensch“ markiert danach jedoch den absoluten Tiefpunkt des Albums, wenn nicht sogar der gesamten bisherigen Diskographie: In den nach Singer-Songwriter-Manier rein akustisch vertonten Strophen führt Anlauff mit betonter Einfühlsamkeit und pseudointellektuellen Alltagsphrasen ein reuevolles Zwiegespräch mit einem stummen Gegenüber, was ob der oft plumpen Verse einfach nur furchtbar aufgesetzt und unfreiwillig komisch wirkt. Der lyrisch arg einfallslose Refrain ist mit seinem vorhersehbaren Reimschema dann nicht viel besser und hat letztlich zur Aussage, dass kein Mensch jemals unfehlbar ist. Es geht um Schuldgefühle, Verzeihen und Neuanfang. Hoffentlich nicht ganz ernst gemeint... „Weiter“! Dass in der Vergangenheit so manch kritische Stimme den einstigen NDH-Newcomern nur zu gern hämisch „Klingt Wie Rammstein“ attestierte, ist innerhalb der Szene längst kein Geheimnis mehr. So nahm man zynisch Stellungnahme dazu und rollte süffisant das markante „®“. Doch liegen hier alle Hörer gehörig daneben, die unter entsprechendem Titel nun eine weitere Breitseite auf die angebliche Imitation der Berliner Legende zu erkennen glauben, denn die „Heldmaschine“ lockt hier bewusst auf eine falsche Fährte. Aus instrumentaler Sicht versucht man mit flirrender Elektronik, stoischen Riffs und einem strengen Marschrhythmus an das große Vorbild zu erinnern, leider zu gezwungen. So einfach ist die Kopie dann wohl doch nicht... Dafür verblüfft Anlauff hier auf stimmlicher Ebene und vollbringt es, dank Tribute-Band-Erfahrung, tatsächlich recht gut, etwas an Till Lindemann zu erinnern. Dass die Maschine allerdings am besten läuft, wenn sie ganz sie selbst ist, beweist danach „Leben“, eine unglaublich melancholische Power-Ballade allererster Güte, die viele Richtungen zur Interpretation zulässt und trotz ihrer emotionalen Note nicht um einen gewissen Hauch an härteren Rock-Elementen verlegen ist. Das harmoniert dann ebenso wunderbar, wie bei „Wie ein Orkan“, welcher das treue Zusammenstehen von Fans und Band majestätisch zelebriert. Das ist zwar auch nicht mehr neu, klingt dafür aber gut. Wer die „Heldmaschine“ bereits von Anfang an aufmerksam verfolgt, der weiß, dass sie sich den zwölften und somit letzten Platz in der Tracklist gerne für ein Stück freihält, das klanglich und thematisch etwas aus der Reihe tanzt. „La Paloma“ oder das sehr gelungene „Kraftwerk“-Cover von „Die Roboter“ sind zwei Beispiele dafür und auch die „Maschinenliebe“ bricht mit dieser Tradition nicht. Als Closer hat man sich für ein instrumentales Outro entschieden, das ungemein tanzbaren Industrial mit leichten EBM-Anleihen und charmanten Samples vereint. Ungewohnt, aber top! Das sind sie, die Momente, in denen die Koblenzer so sehr überraschend und ganz besonders stark sind. Die „Heldmaschine“ hat vorab auf keinen Fall zu viel versprochen, beschrieben sie ihr fünftes Album doch als das abwechslungsreichste Werk bisher. Das trifft auf die insgesamt zwölf Songs auch 100% zu, denn von klassischer NDH, über Gothic-Rock und gefühlige Balladen, bis hin zu abenteuerlichen Experimenten ist hier nahezu alles vertreten. Kleine, doch bedeutend gewichtige Innovationen, welche den Fünfer zuletzt immer mehr vom Genre und den berühmten Heroen abkapselten, intelligent in den Sound zu integrieren, funktionierte bisher mit jedem neuen Album immer besser. Wenngleich der hohe Facettenreichtum auf „Im Fadenkreuz“ definitiv gegeben ist, bleibt jener zündende Funke diese Mal leider weitestgehend aus und das ernüchternde Gefühl macht sich breit, das stärkste Pulver mit der EP bereits im Voraus verschossen zu haben, was aber auf keinen Fall heißen soll, dass die übrigen Songs schlecht seien. Nein, das sind sie ganz sicher nicht, nur fehlt dieses Mal gefühlt eine so durchschlagende Überraschung, wie einst mit „Himmelskörper“, welche die exorbitante Weiterentwicklung seit der Gründung aussagekräftig unterstreicht. Alle Fans werden mit Sicherheit auch mit diesem Album ihren Spaß haben, sollten allerdings keine zu großen Sprünge erwarten. Vielleicht war (meine persönliche) Erwartung einfach zu hoch angesetzt, doch ist ein an die Band geknüpfter, qualitativer Standard nicht auch ein Kompliment?

Informationen:

http://heldmaschine.de/

https://www.facebook.com/Heldmaschine/

Faderhead - Asteria (2019)

Genre: Electro / Alternative

Release: 04.10.2019

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Not A Robot Records

Spielzeit: 58 Minuten

Fazit:

„Wenn man das Gefühl hat, dass nichts was man ist, einem selbst noch ausreicht, dann hat man nur zwei Möglichkeiten: Man kann komplett aufgeben oder man kann sich Stück für Stück von dem lösen, was man ist. Um dann zu versuchen, jemand zu werden, mit dem man besser leben kann. Die Songs auf „Asteria“ sind Momentaufnahmen dieser Versuche.“: Der Hamburger Electro-Act „Faderhead“ präsentiert sein brandneues Studioalbum und zählt zweifelsfrei zu den musikalisch spannendsten Vertretern der aktuellen, internationalen Dark-Electro-Szene. Präsentierte sich der vielbeschäftigte Hamburger auf seinem letzten Album „Night Physics“ (2017) von seiner persönlichen Seite, dessen Songs eine harmonische, von nachdenklichen Lyrics geprägte Melancholie verströmten, so stellt der Soundspezialist (mit dem unverwechselbaren stimmlichen Timbre) auf seinem neuen Album erneut seine innovative Wandlungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis. So ist „Asteria’“, das mittlerweile zehnte Album des früheren Enfant Terrible, das mit Abstand bislang düsterste Werk in dessen Diskographie. Das Ergebnis sind dreizehn perfekt ausbalancierte, druckvoll produzierte Tracks und ein faszinierend intensiver Mix aus Futurepop, Dark Electro und Industrial, dessen melancholische Vocals sich an omnipräsenten Acid-Techno-Basslines reiben. „Asteria“ erscheint am 04.10.2019 digital und als CD im Digipack-Format inklusive 16-seitigem Booklet auf Not a Robot Records.

Das nunmehr zehnte Studioalbum des konstant aufstrebenden Hamburgers mit dem signifikanten Irokesen hält sich gleich von Beginn an kein bisschen zurück: „From His Broken Bones“ ist nicht nur ein ganz besonders kraftvoller Opener, sondern zugleich auch der schnellste Song des gesamten Werks. Dass sich der energetische Up-Tempo auch gleich auf dem zweiten Platz der DAC festsetzen konnte, verwundert kaum: Der tiefe Bass gibt unverzüglich dominant den hektisch flirrenden, treibenden Rhythmus vor und fusioniert nur kurz darauf mit dunkel angehauchten Beats, welche die konträr zurückhaltenden, melancholisch gefärbten Strophen in ihren leicht hypnotischen Trance-Zügen schnell mit melodisch ausgelagertem Future Pop ausfüllen. Neben der experimentell-technoiden Bridge ist es hier aber vor allem der fantastisch packende Refrain, in dem sich dann alle Emotionen gestärkt bündeln und gemeinsam furios implodieren. Das exakte Gegenstück dazu folgt überraschend direkt im Anschluss, denn „The Other Side Of Doom“ ist tatsächlich der behäbigste Titel des neuen Releases, was hier jedoch keinesfalls mit dem Adjektiv „kraftlos“ gleichzusetzen ist. Nein, ganz im Gegenteil! Der abgründig dröhnende Bass, mächtig powernde Drum-Einschübe und mitreißende Chorus drücken die schwere Gesamtheit stetig weiter in Richtung der Club-Tauglichkeit, bis ab der Mitte plötzlich minimalistische EBM-Anleihen greifen und die Tanzbarkeit unverzüglich drastisch erhöhen. Über allem schweben dabei die feinsinnig in den Kontext verflochtenen, introspektiven Lyrics über Selbstreflexion, mentale Entwicklungsprozesse und das zweite Gesicht. Der Gesang balanciert unterdessen unberechenbar zwischen aggressiven Growls und cleanen Passagen, was der inhaltlichen Intensität nur noch umso mehr zugute kommt. Die entsprechende Thematik wird fortan durch „Watching The Watchers“ flächendeckend auf das aktuelle Gesellschaftsbild ausgeweitet. So startet die Nummer anfangs mit einem Sample-Einspieler von einer Stellungnahme Barack Obamas zu einem Überwachungsprogramm der Regierung. Ähnlich finster kommt demnach auch der Sound daher, der schwarz schillernden Future-Pop mit einer dystopischen Zukunftsvision vereint, während Yahy